Ja, ich geh da einfach nicht mehr hin, mache deswegen keine Termine mehr aus. Kann ihm natürlich sagen, dass es mir nicht gut tut, dann bekomm ich’s halt nicht mehr.
Das verstehe ich. Hab's in meiner Antidepressiva-Zeit ähnlich erlebt: nie die beabsichtigte Wirkung, dafür aber Nebenwirkungen, die meinen Gesamtzustand eher noch verschlimmerten.
Sprach ich's beim jeweiligen Arzt an, dann hieß es: Sie müssen sich erst mal an das Medikament gewöhnen, und das dauert eben seine Zeit.
Komisch, dachte ich jedes Mal, eigentlich gehe ich doch zum Arzt, um gesund zu werden. Aber stattdessen soll ich mich an ein Psychomedikament
gewöhnen, also davon abhängig werden, mich also noch zusätzlich krank machen lassen.
Also ging ich einfach nicht mehr hin, wechselte stattdessen den Arzt und erlebte beim nächsten im Grunde dasselbe: Um Himmels Willen, was hat der Kollege Ihnen denn da verordnet, das ist ja total falsch, weil viel zu stark/viel zu schwach/viel zu sonst was, nehmen Sie lieber das hier - Rezept, Stempel, Unterschrift. Und: im Grunde gleicher Effekt, beim letzten Medikament sogar mit etwas, das ich ganz richtig als Entzugserscheinungen wahrnahm.
Ich war deswegen bei genug Ärzten, keiner wusste weiter, keiner konnte mir helfen, hatten auch nicht wirklich Motivation.
So war damals auch mein Eindruck. Patient 'rein, Rezept 'raus, Patient 'raus, Rechnung 'raus, Geld 'rein.
Nee, dachte ich. So was brauche ich nicht. Das macht mich erst recht krank. Aber zum Krankwerden brauche ich keinen Arzt; das kann ich auch allein. Also kann ich auch ohne Arzt gesund werden.
@Zufallsgenerator erwähnte mal sehr richtig ein Gespräch zwischen (m)einer Therapeutin und mir. Bei dieser Psychiaterin war ich wirklich nur, weil von dritter Seite
gefordert worden war, mich "in Therapie" zu begeben und das auch nachzuweisen.
Das erste, was ich dieser Psychiaterin sagte, war: keine Medikamente, warum, darum. Sie fand das vernünftig, weil "clean", so dass wir uns mit klarem Kopf meiner Angelegenheit widmen konnten und nicht noch zusätzlich tatsächlich 'n Medikamentenabusus auf dem Zettel hatten.
Ein paar Termine später meinte die Psychiaterin tatsächlich - wie von
@Zufallsgenerator erwähnt -, dass
sie an mir nichts (mehr) zu therapieren fände. Die Forderung von dritter Seite nach "Therapie" und entsprechendem Nachweis empfand auch die Psychiaterin als übergriffig. Sie sagte, dass das die Denkart von Leuten sei, die entweder glauben, "Therapie" sei so 'ne Art Gehirnwäsche im Expressgang, hokuspokus - oder eine Art Luxus, den man "sich gönnt", wenn einem vor lauter Wohlstand langweilig ist.
Bei mir, so meinte sie, lägen die Dinge anders. Ja, ich hatte tatsächlich Probleme gehabt, und ja, die waren selbstverursacht, und ja, eins hätte das andere bedingt und umgekehrt, und ja, ich hätte statt Psychopillen Hilfe gebraucht. Anders formuliert: Unter anderen Bedingungen hätte ich diese Probleme gar nicht erst bekommen, und für die Bedingungen bin nicht ich (allein) verantwortlich, sondern (auch) andere.
Inzwischen aber hatte ich es im Alleingang geschafft. Die Psychiaterin sprach von "Selbstheilungskräften" und dass genau das der Sinn einer jeden Therapie zu sein hätte: die Selbstheilungskräfte des Patienten zu aktivieren, um den Patienten zu befähigen, ohne Therapie und ohne irgendwelche Substanzen klarzukommen.
Und jetzt unter uns medizinischen Laien,
@Sebastian224 : Du bist schon feste dabei, an deiner Selbstheilung. Denn du hältst ja tapfer an deiner Cleanliness fest, stimmt's? Und du hast Pläne und Ideen. Und ja, es gibt Tage und Momente, die einen zurückwerfen oder sich zumindest so anfühlen.
Irgendwer hat mal sinngemäß gesagt, Entwicklung ginge immer zwei Schritte vor und einen zurück. Macht also rein rechnerisch was? Genau: einen Schritt vorwärts.
Vergiss das nicht.
