Wie geht ihr mit Corona um?

Dabei
6 Mrz 2013
Beiträge
5.583
#1
Hallo Ihr Lieben,

ich wundere mich schon lange, warum hier kaum Themen gepostet werden, die mit corona zu tun haben. Seid ihr so stark, dass ihr mit der Angst um eure Gesundheit und die eurer Familien und Freunde ohne Weiteres klar kommt? Habt ihr ein so tolles Umfeld, dass es ausreicht, Sorgen und Nöte dort zu teilen? Habt ihr einen krisensicheren Job, so dass ihr keine Existenzängste haben müsst?

Für diejenigen, bei denen das nicht - nicht ganz, nicht immer ... - so ist, ist dieser Thread gedacht.

Es ist sozusagen der Anschlussthread zu diesem Thread, an dessen Titel man allerdings nicht erkennt, dass auch dort Corona das Thema war.
 
Anzeige:
Dabei
15 Jun 2019
Beiträge
223
Alter
21
#2
Ehrlich gesagt sehr rational. Ist nicht die erste Pandemie, nicht die schlimmste und ganz gewiss nicht die letzte.

Dass ich erkranken könnte, macht mir eigentlich keine Sorgen. Ich achte sowieso immer auf die richtige Hände-Hygiene, auch schon bevor es SARS-CoV-2 gab und große Feiern mit vielen Menschen waren auch vorher nicht meine Welt. Daher mache ich mir keinen großen Kopf darum, dass ich mich infizieren könnte. Sollte es doch so kommen, würde ich aber auch nicht in Panik geraten. Ich gehöre nicht zur Risikogruppe und daher würde eine Infektion aller Wahrscheinlichkeit einen milden Verlauf nehmen. Ich lege es nicht drauf an, natürlich halte ich alle Regeln konsequent ein.

Was mich schon eher sorgt, wäre, dass mein Opa sich infizieren könnte. Er ist nun 80, noch dazu durch seinen Diabetes vorbelastet und auch wenn bei den meisten Risikopatienten der Verlauf milde ist, gehört er halt doch zur Risikogruppe und man macht sich da schon Sorgen.

Worüber ich mich aber sehr ärgere, ist die Art und Weise der Berichterstattung. Ja, die Lage ist ernst und unsere globalisierte Welt hat so eine Situation noch nicht erlebt. Aber an vielen Stellen wird schon auch so getan als stünde der Weltuntergang kurz bevor. Dass der erste deutsche Impfstoff jetzt im Zulassungsverfahren ist, ging beispielsweise fast völlig unter, dabei wäre das doch eine wichtige Nachricht gewesen, die vielen Hoffnung geben würde. Bei vielen Maßnahmen gerade aus der jüngsten Zeit muss man sich fragen, warum man hier nun in blinden Aktionismus verfällt und warum an anderer Stelle dafür nichts getan wird. Warum z. B. Museen schließen sollen, wo doch selbst Virologen der Ansicht sind, dass das die Ausbreitung nicht nennenswert eindämmen wird. Auf der anderen Seite war man dort, wo man wirklich was hätte erreichen können, nämlich bei privaten Feiern, viel zu zögerlich. Hätte man deren Teilnehmerzahl nicht viel früher deutlich einschränken können? Und warum schafft man es nicht, eine Milliarde Euro in die Hand zu nehmen und jede (!) verdammte Schule mit zuverlässigen Lüftern und Filtern auszustatten, damit eben nicht alle 20 Minuten die Fenster geöffnet werden müssen (sofern das überhaupt geht), damit wenigstens halbwegs ein guter Unterricht möglich ist, während Lufthansa und Co., die ja nun ganz bestimmt nicht "systemrelevant" sind, ein milliardenschweres Hilfspaket nach dem anderen gewchnürt bekommen? Und warum gibt es dann nicht für andere Hilfspakete, etwa für Zoos? Die haben nämlich nichts bekommen, obwohl der Präsident des VdZ Briefe an allerhöchste Stellen geschickt und um Hilfe gebeten hat. Tiere müssen schließlich auch was fressen, wenn keine Besucher kommen. Da kann man nicht die Fixkosten nach unten drücken.

Aber im Großen und Ganzen - ich bleibe zuversichtlich und hoffe einfach das Beste. Wenn wir als Gesellschaft zusammen halten, die Pandemie als globale Aufgabe betrachten und endlich mal nationale und persönliche Egoismen hinten anstellen, werden wir die Krise meistern und hoffentlich für die nächste Pandemie draus lernen.
 
Dabei
6 Feb 2017
Beiträge
1.863
#3
Ich kann mir vorstellen, dass hier nicht so viel über Corona gepostet ist, weil viele das Thema müde sind. Alle sind sich einig, dass es schlimm ist, aber man kann ja nicht so wirklich etwas dran ändern, also kann ich mir vorstellen, dass Probleme a la "Warum schreibt mir Person X jetzt schon seit drei Tagen nicht?" lösbarer scheinen und daher bevorzugt die Aufmerksamkeit kriegen.
Dann ist Corona halt auch so ein sensibles Thema. Jeder ist irgendwie sehr gefestigt in seiner Meinung dazu, aber diese Meinungen gehen teilweise schon sehr stark auseinander. Je nachdem auf welcher Ebene man selbst betroffen ist, vermutlich auch.

Ich selbst hab vergleichsweise echt einfach nur Glück. Dass ich alt genug bin zu verstehen, was gerade passiert und warum ich gewisse Dinge mache und in Kauf nehme. Dass ich nicht ausgerechnet in dieser Zeit volljährig werde und nichts von dem ausleben kann, worauf ich seit Jahren hingefiebert habe (also als ich 18 wurde, war das wirklich ein Event für mich und die Leute, die jetzt 18 werden, tun mir leid). Dass ich nicht ausgerechnet jetzt anfange zu studieren, wo man keine Leute kennen lernt, keine Lerngruppen bilden kann, nicht gemeinsam Essen gehen kann usw. Dass ich noch nicht so gefestigt in meinem Leben bin, dass ich berufliche Konsequenzen einfach hinnehmen muss (also mein Lebensstil ist sehr anpassungsfähig, ich trage nur für mich selbst Verantwortung und ich habe letzten Monat problemlos den Job wechseln können). Und natürlich, dass ich nicht so alt bin, dass ich Angst haben muss, dass nach Corona mein halber Freundeskreis bereits verstorben ist.

Um mich herum sieht es allerdings schon anders aus. In meinem Freundeskreis gibt es mehrere Menschen, die jetzt von Arbeitslosengeld leben und vergeblich nach einem Job suchen. Darunter auch alleinerziehende Mütter. Folgen wie Depression habe ich auch in meinem nächsten Umfeld. Auch abgesehen davon habe ich das Gefühl, dass entweder dieses Jahr einfach besonders viel Mist auf einmal passiert, oder Menschen momentan generell anfälliger sind, denn auch Unfälle und Verletzungen gab es unter meinen Freunden und Familie vermehrt. Es ist einfach ein super anstrengendes Jahr, auf sehr vielen Ebenen.

Aber ich habe auch nicht sooo viele Ideen, was man da machen kann, um es den stärker betroffenen Menschen zu vereinfachen. Für Vorschläge bin ich aber immer gerne offen - also wer welche hat, gerne her damit. ;)
 
Dabei
5 Nov 2007
Beiträge
6.224
Alter
78
#4
Mit den aktuell beschlossenen weiteren Einschränkungen komme ich persönlich klar, so wie bisher auch. Und mir ist bekannt, dass ich zur Risikogruppe gehöre.

Für jetzt wieder aufkommende Proteste habe ich kein Verständnis. Auch wenn für mich manche Maßnahmen nicht immer einsichtig sind.

Diese Pandemie ist ernst zu nehmen.
 
Dabei
22 Mai 2010
Beiträge
1.061
#5
Ich warte derzeit auf mein Testergebniss, da ich mich aufgrund eines "positiv" erkrankten Arbeitskollegen testen lassen musste. Sorgen mache ich mir um mich selbst wenige. Eher um die Folgen für meinen Umkreis, sollte ich positiv getestet werden.

An sich sehe ich das Risiko bei Corona und halte die Maßnahmen für okay. Ich stehe da irgendwo in der Mitte.

Allerdings gefällt mir die Berichterstattung in den Medien dahingehend auch nicht. Sie ist zumeist nicht neutral. Beispielsweise wurde die Todeszahlen der gesamten Corona-Zeit in Relation zu den derzeit Angesteckten gesetzt. Wofür die Zahlen dann genau stehen wird nur beiläufig erwähnt. Eine mir bekannte Person hatte dadurch einen Zahlendreher / Denkfehler und dachte, dass es sich bei der Gesamtzahl der Toten und kürzlich Verstorbenen handelte.
Andererseits ärgern mich auch die Verharmloser, welche das Risiko runterspielen und mit der derzeit niedrigen Todesrate argumentieren. Das Ansteckungsrisiko und die damit mögliche Überlastung des Gesundheitssystems wird dabei einfach ignoriert. Man bekommt den Eindruck, dass es sich dabei um Leute handelt, die sowieso ein Problem mit der Regierung haben.
 
Dabei
6 Apr 2016
Beiträge
335
#6
Ich habe da schon noch Probleme mit. Insbesondere der erneute Lockdown "light" macht mich etwas fertig, da er mich zurück ins Frühjahr katapultiert hat. Und ich muss in dieser Zeit eine neue Wohnung für meinen Sohn und mich finden, habe eine sehr radikale Op hinter mir und bin daher nicht wirklich in guter Verfassung. Aber dass Corona immer näher kommt, spüre ich jettzt auch. Der Arbeitskollege des Freundes meiner Tochter ist C-positiv. Der Freund musste sich daher auch testen lassen, war aber negativ. Und ein enger Kumpel meines Sohnes musste sich auch testen lassen, da einer seiner engen Kumpel ebenfalls positiv getestet wurde. Hatte natürlich Sorge wegen meines Sohnes, aber der Kumpel hat heute Entwarnung gegeben. Ich war sehr erleichtert. Aber man merkt, dass es irgendwie "näher" kommt und das verunsichert mich.
 
Dabei
27 Feb 2013
Beiträge
5.231
#7
Ich kann die Frage mit den Worten des Bundespräsidenten von Österreich beantworten: Diese Pandemie geht uns allen (mir) ordentlich auf die Nerven. Aber es hilft nichts, man muss die Situation akzeptieren.

Und egal, wie ich über die Pandemie denke: jeder Mensch hat das Recht darauf, Angst zu haben und darauf nehme ich Rücksicht. Ich halte mich an alle Maßnahmen.

Ich hatte nie Angst um mein Leben. Zu keinem Zeitpunkt. Der zweite Lockdown jetzt hat mir allerdings - obwohl ich immer darauf bedacht war, mich nicht runterziehen zu lassen - etwas aufs Gemüt geschlagen. Vor allem, weil ich Single bin und mir die sozialen Kontakte mittlerweile wirklich fehlen.

Aber das ist absolut nicht zu vergleichen mit jetzt: ich bin Wienerin. Ich war gestern nur wenige Stunden zuvor in der Gegend der Attentate. Ich liebe meine schöne Stadt, die zum 10. Mal zur lebenswertesten Stadt der Welt gewählt wurde und mittlerweile auch die grünste Stadt der Welt ist. Mir ist bewusst, dass ich in einer der schönsten Städte der Welt lebe und ich liebe es, durch die Innenstadt spazieren zu gehen. Die Schönheit meiner Stadt hat damals bei meinem Burnout sehr zu meiner Genesung beigetragen, weil sie mein Herz geweitet hat.

Ich habe mich immer sicher gefühlt. Und jetzt.... neben Corona, was eh schon eine ziemliche Belastung ist, wird meine geliebte Stadt terrorisiert und ich frage mich, ob ich jemals wieder so unbesorgt durch die wunderschönen Gassen gehen und mich in Sicherheit wiegen kann.

Das macht mir gerade wirklich zu schaffen und ich habe schon geweint.

Was mich gestern Abend/Nacht aber zutiefst erfreute: mich haben einige deutsche Freunde angeschrieben, ob es mir gut geht und was da los ist. Das fand ich sehr rührend!

Es ist so unwirklich, wenn man der Berichterstattung zuhört und die Kulisse kennt. Ich steh noch unter Schock.
 
Dabei
6 Mrz 2013
Beiträge
5.583
#8
Puh, hier liest man Dinge, die lassen Corona schon wieder verblassen ... Fühlt euch mal gedrückt :056:

Bei mir läuft Corona so als Dauersorge durch, die sich in ihrem Umfang den Zahlen anpasst ... Mehr Sorge macht mir der allgemeine Gesundheitszustand älterer Familienmitglieder, der keinen Bezug zu corona hat, wo die corona-Gefahr aber natürlich eine Rolle spielt. Ich gehör da zu den ganz ganz Vorsichtigen.

Ich selber bin durch meine Arbeit sehr gut abgelenkt. In unserem Gebäude fühle ich mich auch recht sicher. Zum Glück gibt es in meinem Umfeld nur Menschen, die ich vernünftig finde, ich habe keinen einzigen Verschwörungstheoretiker in meiner Bekanntschaft oder Familie. Existenzsorgen hab ich zum Glück keine. Da ich viel mit Öffis fahren muss, ist mir schon mulmig zumute, ich muss da auch schauen, dass mich das Maske-unterm-Kinn-Tragen anderer nicht aggressiv macht und ich da nicht die falschen Leute auf die falsche Weise anquatsche. Dadurch dass ich persönlich keine wirtschaftlichen und bisher auch keine gesundheitlichen Probleme habe, habe ich Luft, mir über den Bestand des Gesundheitssystems und die Existenz all der wichtigen "Dienstleister" Gedanken zu machen. Jeder von diesen, sei es der Friseur oder die Gaststätte um die Ecke, bekommt von mir mehr bezahlt als der eigentliche Preis ist. Polizisten, die die Einhaltung der Regeln kontrollieren, wünsche ich einen guten Morgen.

Unter sozialer Isolation leide ich überhaupt nicht, auch sonst muss ich mich wegen Einhaltung der Regeln nicht groß einschränken oder auf wichtige Dinge verzichten. Durch meine Arbeit/ Kollegen habe ich immer noch viel Action, und in meiner Freizeit hab ich dann gern meine Ruhe. Ich geh sowieso gern viel raus in die Natur, auch alleine, und das darf man ja auch im Lockdown. Ehrlich gesagt find ichs zT sogar ganz angenehm, dass man sich jetzt nicht mehr von irgendwelchen Leuten abknutschen lassen muss, das kommt mir echt entgegen :002: .
 
Dabei
31 Jul 2011
Beiträge
2.604
#9
Mhh...
Durch diverse Krankheiten, bin ich schon gefährdet,allerdings mach ich mir da keine grossen Sorgen. Ich halte Abstand wenn ich raus muss und sehe zu das auch sonst alles soweit eingehalten wird. Dadurch das ich auch schon seit Anfang des Jahres Krankgeschrieben bin, habe ich auch nicht auf der Arbeit momentan das Problem eventuell dem Risiko ausgesetzt zu sein.

Da mach ich mir mehr Sorgen um meine Ma die schwer krank ist und sich so überhaupt nicht leisten kann an Corona zu erkranken.

Und trotz meinem Mann den ich glücklicherweise habe, und der mehr Angst um mich hat, wie ich selber, geht's mir mittlerweile auf den Senkel, dieses ewige Zuhause hocken. Und deshalb haben wir beschlossen uns einen Hund zu zu legen.

Wir wollten eh schon länger einen und jetzt ist die Zeit dafür da.

Ich genieße dir Zeit mit ihr raus zu gehen, während mein Mann arbeiten ist, wir haben das Glück im grünen zu wohnen, wo man nicht auf viele Menschen trifft, wenn man nicht will😅

Ich muss sagen so ein Hund ist Balsam für die Seele und hätten wir sie nicht, wäre ich wahrscheinlich schon an die Decke gegangen, nach knapp 8 Monaten jetzt, die ich durchgehend zuhause bin, denn nur mit meinem Mann zusammenzuhängen ist auch nichts für mich 😁.
 
Dabei
5 Jun 2015
Beiträge
2.104
#10
Mhh...
Durch diverse Krankheiten, bin ich schon gefährdet,allerdings mach ich mir da keine grossen Sorgen. Ich halte Abstand wenn ich raus muss und sehe zu das auch sonst alles soweit eingehalten wird. Dadurch das ich auch schon seit Anfang des Jahres Krankgeschrieben bin, habe ich auch nicht auf der Arbeit momentan das Problem eventuell dem Risiko ausgesetzt zu sein.

Da mach ich mir mehr Sorgen um meine Ma die schwer krank ist und sich so überhaupt nicht leisten kann an Corona zu erkranken.

Und trotz meinem Mann den ich glücklicherweise habe, und der mehr Angst um mich hat, wie ich selber, geht's mir mittlerweile auf den Senkel, dieses ewige Zuhause hocken. Und deshalb haben wir beschlossen uns einen Hund zu zu legen.

Wir wollten eh schon länger einen und jetzt ist die Zeit dafür da.

Ich genieße dir Zeit mit ihr raus zu gehen, während mein Mann arbeiten ist, wir haben das Glück im grünen zu wohnen, wo man nicht auf viele Menschen trifft, wenn man nicht will😅

Ich muss sagen so ein Hund ist Balsam für die Seele und hätten wir sie nicht, wäre ich wahrscheinlich schon an die Decke gegangen, nach knapp 8 Monaten jetzt, die ich durchgehend zuhause bin, denn nur mit meinem Mann zusammenzuhängen ist auch nichts für mich 😁.
Das klingt gut,
Ich denke auch grad über einen Hund nach, das ich motiviert bin täglich raus zu gehen, ich ab zwar einen großen Garten, aber nun geht es auf den Winter zu , da bin ich nicht genug im „Einsatz“
Und allein wandere ich auch ungern durch den Wald ☺️
 
Dabei
31 Jul 2011
Beiträge
2.604
#11
Das klingt gut,
Ich denke auch grad über einen Hund nach, das ich motiviert bin täglich raus zu gehen, ich ab zwar einen großen Garten, aber nun geht es auf den Winter zu , da bin ich nicht genug im „Einsatz“
Und allein wandere ich auch ungern durch den Wald ☺️
Es ist auch wirklich toll. Aber auch viel Arbeit.
Wir haben Emma mit 8 Wochen bekommen, jetzt ist sie knapp 5 Monate alt. Die ersten paar Wochen alle 2 bis 3 Stunden raus. Also nix mit viel Schlaf. Mittlerweile ist sie stubenrein, trotzdem bin ich froh wenn sie abends um 21 Uhr pennt. 🤣

War und ist trotz des ganzen Stress aber auf jeden Fall die richtige Entscheidung. Würde sie nie wieder hergeben.
 
Dabei
23 Nov 2016
Beiträge
407
#12
Anfangs dachte ich, ich könnte mit der Corona-Situation umgehen. Ich halte mich natürlich an die Regeln, lebe in der Natur, bin selbst gesund und habe eine Familie.

Aber vor zwei Wochen fing es an, dass ich gemerkt habe, dass es mich stark belastet. Und zwar viel stärker als ich mir hätte vorstellen können. (Na ja, vielleicht habe ich es geahnt, als ich den anderen Beitrag eröffnet habe).

Vorab: Ich habe Verständnis für die Regeln und möchte meine Mitmenschen nicht gefährden. Dennoch bin ich an meine Grenze gekommen. Und ich glaube, dass es vielen anderen (auch in anderen Berufen) gerade ähnlich ergeht.

Ich arbeite in einem sozialen, sehr kommunikativen Beruf mit vielen unterschiedlichen Menschen. Das durchgehende Tragen der Maske erschwert, ja behindert diese Kommunikation erheblich. Nach einem Tag des Redens mit Maske bin ich immer völlig erschöpft.

Darüber hinaus fehlen in meinem Job vernünftige Konzepte, wie man so viele Menschen, wie ich sie jeden Tag treffe, "voreinander" schützt. Ich kann mittags nicht essen, ohne mit mindestens 200 anderen Menschen ohne Masken (geht ja nicht beim Essen) in einem nicht zu lüftenden Saal und ohne Mindestabstand zu sitzen. Daher verzichte ich auf das Essen.

Es kommen ständig neue Regeln und Verordnungen. Die ich mittlerweile gar nicht mehr alle erfüllen kann. Und es gehen ständig Leute um mich herum in Quarantäne oder kommen aus der Quarantäne wieder. Das verursacht zusätzliche Arbeit und Verunsicherung.

Mich begleitet ein ständiges Gefühl der Unsicherheit und der Überforderung. Das erlebe ich so zum ersten Mal. Ich schlafe schlecht, habe häufig Kopfschmerzen, das Herz klopft, ich komme phasenweise gar nicht runter und bin extrem dünnhäutig. Ich fühle mich bedrückt und erschöpft.

Sicher gehen die Menschen unterschiedlich mit solch einer Situation um und ich gehöre sicher zu der sensibleren Sorte. Aber wenn ich mit Kollegen spreche, sagen mir viele, dass es ihnen ähnlich geht.

Immerhin habe ich keine finanziellen Ängste. Dafür bin ich auch dankbar. Mir tun wirklich die Menschen aus den Branchen leid, die jetzt komplett ausgeknockt sind und sich diesbezüglich Sorgen machen müssen. Einige trifft es wirklich schlimm. Leider hilft es mir nur nicht, mir meine Situation schöner zu reden, nur weil es evtl. meinem Konto ganz gut geht. Wenn ich ehrlich bin, bin ich am Ende meiner Kräfte, egal wie das Gehalt ist.

Für mich und meine Familie ist übrigens unser Hund auch eine wichtige emotionale Stütze. Wir haben ihn uns vor 2,5 Jahren quasi als Therapiehund angeschafft. Er erfüllt seinen Job perfekt. Ich hoffe nur, dass alle Leute, die sich jetzt wegen Corona so ein Tier ins Haus holen, auch nach Corona, wenn wieder das normale Arbeitsleben einsetzt, dem Hund die Treue halten.
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Dabei
6 Mrz 2013
Beiträge
5.583
#13
Hallo Badesalz, es freut mich sehr, dass du dich gemeldet hast. Ich hab diesen Thread neu eröffnet, weil im Titel deines Threads "corona" nicht vorkam und der daher nicht gut gefunden werden konnte. Und da du schon so lange nicht mehr hier warst, hab ich dich nicht angePNt, ob ich deinen Thread umbenennen darf :002:
 
Dabei
6 Feb 2017
Beiträge
1.863
#15
Hallo Badesalz,
Schön von dir zu lesen :)
Ich hatte erst ausführlich geantwortet und dann bemerkt dass du deinen genauen Beruf hier gar nicht genannt hast und ich den vielleicht nicht verraten sollte.
Deshalb schreibe ich dir jetzt privat
 
Dabei
23 Nov 2016
Beiträge
407
#16
Heute hatte ich eine Situation, die mich wirklich getroffen hat. Seit einiger Zeit finde ich es, wie gesagt, sehr anstrengend auf der Arbeit. Ich bin sehr dünnhäutig und empfindlich geworden und bin extrem erschöpft. Es kam in den letzten 2 Wochen sogar ein paar Mal vor, dass ich auf dem Nachhauseweg so fertig war, dass ich fast die ganze Zeit im Auto einfach nur heulen musste. Ich mache abgesehen von der Arbeit kaum mehr etwas, außer mit dem Hund raus und im Wald spazieren gehen. Dann geht es einigermaßen.

Jedenfalls war heute so eine Situation, die ich furchtbar fand. Ich habe in einer Pause mit einer älteren Kollegin (um die 60) gesprochen. Ich kenne sie seit 15 Jahren und arbeite fast jeden Tag mit ihr zusammen. Ich schätze und mag sie sehr, wir haben schon alle möglichen Projekte zusammen gemacht. Ich weiß noch, dass ich mich auch in der Phase meiner Trennung von meinem Ex-Mann, als es mir schlecht ging, total auf sie verlassen konnte. Sie galt immer als kompetent, war bei allen angesehen und ist wie ich immerhin studierte Naturwissenschaftlerin. Ich erwähne das, weil ich nicht fassen konnte, wie unser Gespräch heute verlief. Andere Kollegen hatten mir zuvor schon erzählt, dass es bereits zu heftigen Diskussionen zwischen Kollegen gekommen ist.

Ich hatte wegen einer bevorstehenden und aus meiner Sicht nicht sonderlich wichtigen Veranstaltung vor mich hingejammert, weil es wegen der großen Zahl der Teilnehmer einen zusätzlichen hohen organisatorischen Aufwand bedeutet.

Ich: "Ach Mensch, kann man solche Veranstaltungen nicht einfach aufs nächste Jahr verschieben? Dann hat sich die Corona-Situation sicher etwas entspannt und wir ersparen uns den ganzen Aufwand."
Sie: "Wieso sollte die Situation im nächsten Jahr besser sein?"
Ich: "Na ja, ich hoffe schon, dass Impfstoffe und wirksame Medikamente die gesamte Situation etwas entspannen werden. Dann lässt sich so etwas (gemeint war die Veranstaltung) wieder besser planen."
Sie: "Ich glaube nicht, dass irgendwas besser wird, im Gegenteil! Die Politiker haben viel zu viel Spaß daran, uns zu drangsalieren."
Ich (verwirrt): "... hä ?"
Sie (aufgeregt): "Ja, das Ganze passiert doch nur, weil uns die Politiker maßregeln und kontrollieren wollen."
Und dann packte sie in einem beachtlichen Wortschwall ihre ganze Verschwörungstheorie aus (inklusive ihrer Theorie, dass selbst wenn Menschen an Covid sterben, das eben der Lauf der Natur und Selektion sei und Masken in die Tonne gehören usw.).

Ich war so schockiert, dass ich gar nichts sagen konnte. Ich bin einfach aufgestanden und habe den Raum verlassen. Mein Herz hat so angefangen zu pochen, dass ich dachte, es springt gleich raus. Ich bin auf die Toilette und musste anfangen zu heulen. Ehrlich, leider. Mir fehlte die Kraft, da etwas entgegen zu setzen. Und es hat mich nicht mal wütend, sondern nur traurig gemacht.

Ich dachte: Wie soll ich jetzt mit ihr umgehen? Was ist mit der Kollegin, die ich dachte zu kennen? Wo ist die denn plötzlich hin?? Was ist, wenn andere das alles glauben, aus ihrem Munde? Und vor allem dachte ich: Das, was sie macht, macht nichts, aber auch wirklich GAR NICHTS BESSER!!!

Ich hätte schreien können. Warum, habe ich gedacht, halten wir denn nicht zusammen??

Später habe ich eine andere Kollegin getroffen. Sie gehört auch zu unserem Team, ist älter als ich und jünger als die andere Kollegin. Sie fragte, was los sei und ich habe das Gespräch kurz umrissen. Sie meinte, sie könne mich total verstehen. Sie fing auch an zu erzählen, von Diskussionen, die nichts bringen, sondern nur Energie kosten, von ihrer Angst, diese Kollegin als Freundin zu verlieren, von ihr nahe stehenden kranken Menschen und davon, wie sie der Stress auf der Arbeit belastet. Am Ende waren wir beide wieder den Tränen nahe, haben uns dann aber wieder zusammengerissen. Mir hat das Gespräch aber doch gut getan und getröstet.

Wenn dieses blöde Virus es schafft, dass Menschen an Lügen glauben und sich langjährige Freunde entzweien, dann finde ich es noch gefährlicher als ohnehin schon. Leider hilft dagegen dann kein Impfstoff oder Medikament der Welt.
 
Dabei
27 Feb 2013
Beiträge
5.231
#17
Liebe Badesalz,

wir sind alle dünnhäutig geworden und ich persönlich diskutiere mit niemandem über die aktuelle Situation. Weil ich finde, jeder hat ein Recht auf seine Meinung und die hat er sich bereits gebildet und ich glaube, dass kaum jemand mehr seine Meinung ändert.

Was uns alle aber verbindet ist, dass wir angespannt und müde sind von dieser Krise. Dass sie uns belastet - egal, wie wir zu ihr stehen.

So wie die einen glauben, dass die anderen an Lügen glauben, ist es genauso umgekehrt, weil jedem seine Meinung in seiner Welt die richtige ist.

Jeder versucht auf seine Art, mit dieser Zeit umzugehen.

Wenn dieses blöde Virus es schafft, dass Menschen an Lügen glauben und sich langjährige Freunde entzweien, dann finde ich es noch gefährlicher als ohnehin schon.
Ja, deswegen dürfen wir das nicht zulassen.

Fühl dich mal ganz fest gedrückt und pass auf dich auf. Es hört sich stark an, als würdest du in ein Burnout schlittern.

Alles Liebe
 
Dabei
6 Mrz 2013
Beiträge
5.583
#18
Hallo Badesalz, über dieses Thema - Bekannte oder sogar Freunde, die sich als Verschwörungstheoretiker bzw Coronaleugner entpuppen - unterhalte ich mich auch manchmal mit meinen Kollegen. Ich finde es ja schon krass, wenn man Interviews mit solchen Leuten im TV sieht (wenn denen zB bei einer "Demo" (sowas kann man gar nicht ernsthaft so nennen finde ich) ein Mikro unter die Nase gehalten wird). Aber wenn man sowas aus dem Munde von Leuten hören muss, die man bisher geschätzt hat, ist das damit nicht zu vergleichen. Das ist wirklich eine harte Nummer.

Ich frag mich dann manchmal: Was könnte/ müsste passieren, damit ICH mal auf so eine Spur gerate?
 
Dabei
6 Mrz 2013
Beiträge
5.583
#19
Ja, deswegen dürfen wir das nicht zulassen.
Also das finde ich für mich schwierig. Ich würde jemandem, der mir so einen Quatsch erzählt, aus dem Weg gehen, das würde ich mir nicht geben. Und nach Corona, falls es ein "nach Corona" überhaupt geben sollte (vielleicht ist das dann ein "vor irgendwas anderem"), wäre das für mich auch nicht vergessen.
 
Dabei
27 Feb 2013
Beiträge
5.231
#20
Also das finde ich für mich schwierig. Ich würde jemandem, der mir so einen Quatsch erzählt, aus dem Weg gehen, das würde ich mir nicht geben. Und nach Corona, falls es ein "nach Corona" überhaupt geben sollte (vielleicht ist das dann ein "vor irgendwas anderem"), wäre das für mich auch nicht vergessen.
Also kommst du denn so oft an solche Menschen, die nicht deine Meinung teilen?

Ich erlebe es anders, für mich ist es so, dass es eine gemeinsame "diese Situation ist so belastend" - Einigkeit ist und jeder einfach das Beste draus macht, ohne viel darüber zu diskutieren. Ich erlebe es, dass die Menschen lächeln und eher eine Leidens-Gemeinschaft bilden und Rücksicht aufeinander nehmen. Und wenn ich jemanden höre, der anders als ich über die Situation denkt, dann ist es kein Problem für mich, ich muss ihn nicht überzeugen von irgendwas, es ist dann halt einfach seine Art, mit der Situation umzugehen. Und das ist für mich ok. Das ist sein gutes Recht. Ich will ja genauso nicht, dass mir jemand seine Meinung aufzwingt. Ich habe auch keine Kraft, mich Diskussionen zu stellen. Weil sie auch sinnlos sind.
 
Dabei
6 Feb 2017
Beiträge
1.863
#21
Twin hat gesagt.:
Ich frag mich dann manchmal: Was könnte/ müsste passieren, damit ICH mal auf so eine Spur gerate?
Das finde ich eine interessante Frage.

Ich habe in meinem Freundeskreis (Gott sei Dank?) keine Leute, die sooo weit von meiner Meinung abweichen. Klar sieht man nicht alles 1:1 gleich, aber Verschwörungstheoretiker sind da jetzt keine dabei. Diskutieren tue ich es schon, wenn es eine Person ist, bei der es mich überrascht oder die ich respektiere, weil ich in diesen Situationen das Gefühl habe es schuldig zu sein, mich wenigstens einmal ernsthaft mit ihr auseinanderzusetzen.
Und ich denke, wenn es eine Person wäre, an der mir wirklich viel liegt, dann würde ich sie wegen dieser Sache auch nicht aufgeben.
Mich hat die Frage "Aber wie kann man denn so denken?" schon immer irgendwie fasziniert, weshalb ich mir schon immer Interviews oder auch Dokus angeguckt habe, die das behandeln. Letztens habe ich mir auch einen Podcast über die Psychologie von Verschwörungstheorien angehört, aber da weiß ich jetzt nicht mehr, wie der hieß (fands aber auch zu oberflächlich, als dass ich das jetzt empfehlen würde).

Aber ein Interview ist mir besonders im Kopf geblieben, da wurde ein ehemaliger Neonazi interviewt. Er wirkte auf mich eigentlich intelligent und reflektiert und sogar sympathisch und ich hab mich gefragt, wie er denn so sehr vom Weg abgekommen sein konnte. Ihm hatte nie irgendein Ausländer etwas getan, er war priviligiert, musste sich um nichts Sorgen machen - warum dann?
Er hat das in dem Interview so beschrieben, dass es das Umfeld war, was ihn geprägt hat, und dass er komplett eingenommen von diesem "Glauben" war, dass er so gesehen aber auch endlich eine Funktion hatte und endlich "alles verstanden" hatte. (Für ihn hat es Sinn gemacht). Und dann informiert man sich auch nur noch über die Kanäle, die diese Denkweise unterstützen.
Jedenfalls kam dann die Frage, wie er da rausgekommen ist, wo er doch so fest in diesem "Glauben" drin war. Und er meinte, es gab keinen konkreten Auslöser. Es waren einfach wiederkehrende Gespräche mit Leuten, die ihm auf Augenhöhe begegnet sind und ihm sympathisch waren, die ihn durch ihr Hinterfragen dazu gebracht haben, sich selbst zu hinterfragen. Er meinte, wenn da Personen sind, die man sympathisch oder interessant findet, dann hört man ihnen auch zu. Wenn jemand sofort eine Abwehrhaltung einnimmt, dann nicht.

Von daher ist das die Richtlinie, an der ich versuchen würde mich zu orientieren, wenn ich das Gefühl hätte, dass jemand so komplett in eine andere Richtung abdriftet.
Aber ich glaube, dass man sich dafür von der Erwartungshaltung lösen muss, dass man dadurch auch Einfluss nimmt. In manchen Fällen klappt es vielleicht, aber ich habe auch eine Doku über Leute gesehen, die glauben, dass die Erde flach ist, und sogar als deren selbstkreiertes Experiment ihre eigene Theorie widerlegt hat, haben sie nur gesagt "Oh, da müssen wir irgendeinen Fehler bei der Konstruktion des Experiments gemacht haben.."
 
Dabei
6 Mrz 2013
Beiträge
5.583
#23
Von daher ist das die Richtlinie, an der ich versuchen würde mich zu orientieren, wenn ich das Gefühl hätte, dass jemand so komplett in eine andere Richtung abdriftet.
Aber ich glaube, dass man sich dafür von der Erwartungshaltung lösen muss, dass man dadurch auch Einfluss nimmt.
Das ist das eine. Und das andere ist, dass man sich die Mühe machen wollen muss.
 
Dabei
6 Mrz 2013
Beiträge
5.583
#27
Du schreibst, du findest es für dich schwierig.
Damit meinte ich: Ich finde es schwierig, nicht zuzulassen, dass dieses blöde Virus es schafft, dass sich langjährige Freunde entzweien, wenn der Grund der ist, dass einer zum Verschwörungstheoretiker/ Coronaleugner wurde. Da könnte ich nicht drüber wegsehen, da wär ich lieber "entzweit".
Ich kenne aber keinen VT/ CL persönlich.
 
Dabei
6 Mrz 2013
Beiträge
5.583
#29
Soll ja auch Menschen geben, die sich tatsächlich dafür interessieren, wie diese Person bei dieser Ansicht gelandet sein könnte.
Auch wenn das komisch wirkt: Ich glaube, ich tue mich mit dem (bloßen) Interessieren leichter, wenn es um jemanden geht, den ich nicht kenne, zu dem ich keinen persönlichen Bezug habe. ZB schaue ich mir auch mit Interesse Dokus von der Art an, wie du von der Doku über den Neonazi erzählt hast.
 
Dabei
6 Feb 2017
Beiträge
1.863
#30
Twin hat gesagt.:
ZB schaue ich mir auch mit Interesse Dokus von der Art an, wie du von der Doku über den Neonazi erzählt hast.
Und da kannst du zuhören ohne dich über die Person zu ärgern oder sie zu verurteilen, aber wenn es ein geliebter Cousin wäre, der auf einmal aus unerfindlichen Gründen solche Anwandlungen bekommt, dann wäre er mit einem Mal unten durch?
 
Anzeige:

Ähnliche Themen


Oben