Überfordert

Dabei
1 Sep 2019
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#1
Hallo, ich hoffe der Beitrag ist hier richtig.
Ich (w21) bin seit ca. 3 Jahren mit meinem Freund zusammen, seit ca. einem halben Jahr merke ich dass ich nicht mehr die Gefühle habe wie anfangs.
Wir sind im April zusammen in eine Wohnung gezogen und ich fühle mich einfach wie der dümmste Mensch auf Erden deswegen. Ich hatte damals schon überlegt ob es wirklich passt, wollte aber unbedingt ausziehen und einfach mal selbstständig sein. Im Nachhinein habe ich gemerkt dass ich es mir hätte besser überlegen sollen, ich bin etwas überfordert was ich jetzt machen soll. Es liegt nicht an meinem Freund, er würde alles für mich geben. Es liegt viel mehr an mir, ich möchte nicht so gebunden sein und fühle mich eingeengt. Er lässt mir zwar so viel Freiraum wie ich brauche aber seine Anwesenheit macht mich verrückt. Ich bin froh wenn er manchmal später von der Arbeit kommt, da ich nicht mit ihm reden muss bzw. ihn anschwindeln muss. Ich weiß nicht wie ich ihn auf unsere Beziehung ansprechen soll. Ich bin Student und habe somit auch nicht viel Geld für eine eigene Wohnung, ich habe überlegt zurück zu meinen Eltern zu gehen aber es ist einfach so peinlich nach einem halben Jahr und 5000€ weniger wieder zurück zu kommen. Kurz gesagt: ich bin überfordert mit der ganzen Situation und habe ein überdimensionales Gefühls-Chaos. Ich wäre wirklich dankbar für ein paar Ratschläge.
Liebe Grüße
 
Dabei
1 Sep 2019
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#3
Nein noch nicht, habe aber mit meiner besten Freundin drüber geredet. Sie meinte dass es sich so anhört als wäre ich innerlich eigentlich schon durch mit meinen Gefühlen. Wenn ich ehrlich bin, ist es wahrscheinlich auch so wie sie gesagt hat. Weiß leider nicht genau wie ich ihn darauf ansprechen soll, mein Freund ist ziemlich sensibel und ich habe sehr Angst dass er danach in ein ,,Loch“ fallen könnte.
 
Dabei
24 Jul 2008
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#4
Hm, ja, aber es könnte auch sein, dass es gar nicht am konkreten Freund liegt, sondern an irgendetwas in Dir. Dass Du dieselben Gefühle hättest, egal mit wem. Eventuell lässt sich noch etwas retten, wenn Du Dich näher mit Deinen Gefühlen beschäftigst. Was genau stört Dich? Warum? Seit wann? Wie war Deine Beziehung zu Deinen Eltern? Vielleicht hast Du überhaupt noch nicht gelernt, in der Nähe eines anderen Menschen entspannt und zufrieden zu sein? Hast Du Sorge, etwas zu verpassen? Wenn ja: was könnte das sein?
 
Dabei
1 Sep 2019
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#5
Hallo, danke für die Antwort. Ich denke auch dass es nicht an meinem Freund liegt, ich habe eher das Gefühl dass es an mir liegt. Vor 4 Jahren habe ich mich nach einer 2 jährigem Beziehung getrennt, meine Gefühle zur Zeit fühlen sich genauso an wie damals. Seine Anwesenheit bzw. Dinge wie Stimme, Geruch, Aussehen, was ich vorher an ihn liebte, stören mich jetzt einfach und ich hätte am liebsten Distanz zu ihm. Er ist aber nicht schuld, er macht nichts mit Absicht um mich zu nerven, es stört mich einfach. Meine Beziehung zu meinen Eltern war eigentlich ganz gut, sie haben sich zwar getrennt aber habe zu beiden immer guten Kontakt gehabt. Und was ich noch dazu sagen muss, anfangs bis ca 2,5 Jahre war ich total entspannt in seiner Nähe. Es war wunderbar und ich konnte mich nichts schöneres vorstellen als für immer bei ihm zu bleiben. Ich habe einfach Angst einen Fehler zu begehen wenn ich mich dazu zwinge mit ihm zusammen zu bleiben, ich bin erst 21 und würde gern einfach Spaß haben und feiern ohne im Hinterkopf immer denken zu müssen dass er daheim wartet. Ich möchte auch mit Männern reden ohne gleich ein schlechtes Gewissen ihn gegenüber zu haben, einfach nur unterhalten etc.
 
Dabei
30 Nov 2014
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#6
Deiner Beschreibung nach sieht für mich die Sache auch klar aus - innerlich hast du mit der Beziehung schon abgeschlossen. Insofern solltest du die Trennung und den Auszug nicht länger hinauszögern als nötig. Unehrlichkeit finde ich in so einer Situation dem Freund gegenüber schlimmer als mit der (schmerzhaften) Wahrheit rauszurücken.

Weiß leider nicht genau wie ich ihn darauf ansprechen soll, mein Freund ist ziemlich sensibel und ich habe sehr Angst dass er danach in ein ,,Loch“ fallen könnte.
Wenn er ebenso vernünftig wie sensibel ist wird er verstehen. Wenn er so sensibel ist wird er längst gemerkt haben, dass zwischen euch etwas nicht mehr stimmt. Oder du kannst super schauspielern, und das dann auch im Bett (sofern ihr noch ein Sexleben habt).

Generell muss man dazu sagen: Nicht dein Problem. Wie man mit Trennungen umgeht müssen junge Menschen erst noch lernen. Aus Rücksicht und Mitleid weiter mit ihm zusammenzubleiben wäre falsch, sowohl für dich in dieser unglücklichen Situation als auch für ihn. Ich würde vorher das Gespräch mit den Eltern suchen. Ist dann zwar ärgerlich aber manchmal läuft es im Leben halt nicht wie geplant - auch den Umgang mit diesen Situationen muss man lernen. Den Kopf in den Sand zu stecken ist zweifellos die falsche Strategie.

Vele Studenten stehen auf eigenen Beinen, mehr oder weniger. Entweder Bafög oder die Eltern müssen halt zahlen. Jobben gehen, Wohnung suchen, so kommen doch Abertausende von Studenten mit eigener Wohnung oder einem WG-Zimmer über die Runden.

Wir sind im April zusammen in eine Wohnung gezogen und ich fühle mich einfach wie der dümmste Mensch auf Erden deswegen. Ich hatte damals schon überlegt ob es wirklich passt, wollte aber unbedingt ausziehen und einfach mal selbstständig sein. Im Nachhinein habe ich gemerkt...
Nachher ist man immer schlauer. Du hast es versucht, es hat nicht geklappt. So what? Insofern kann man es nicht mal als Fehlentscheidung sehen. Mach dir keine Vorwürfe deswegen. Aus solchen Erfahrungen lernt man, in deinem Fall war die Lektion, dass du dir sicher sein solltest bevor du wieder mit jemandem zusammenziehst. Und selbst dann hat man überhaupt keine Gewißheit, ob es passt, denn in der Regel merkt man das erst im gemeinsamen Alltagsleben. Meine Grundregel wäre hier: Mindestens 12 Monate zusammen sein bevor man über eine gemeinsame Wohnung nachdenkt.

Also Dinge anpacken, Dinge regeln, Augen zu und durch und dann geht es auch bald wieder aufwärts!
 
Dabei
1 Sep 2019
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#7
Danke für deine Antwort!
Ich nehme mir deinen Ratschlag zu Herzen, rede heute auch mit meinen Eltern. Ist halt nur wirklich total doof gelaufen, wir waren schon etwas mehr als 2 Jahre zusammen als wir zusammen gezogen sind und wie gesagt ich bin einfach etwas überfordert. Ich glaube jeder kennt so ein Gefühls-Chaos. Danke auf jedenfall und ja ich hoffe dass er es gut wegsteckt.
 
Dabei
30 Nov 2014
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#8
Sehr gut. Deine Eltern werden dir schon nicht den Kopf abreißen. Was des Geld angeht - ist ja keine Unsumme. Davon ausgehend, dass du es von deinen Eltern bekommen hast wirst du es nach dem Studium sicher problemlos zurückzahlen können, das sind dann (je nach Position) 2 oder 3 Monatsgehälter. Mit Glück natürlich noch weniger. Also total überschaubar.

wir waren schon etwas mehr als 2 Jahre zusammen als wir zusammen gezogen sind
Passt ja zu dem was ich gesagt habe, eigentlich gute Voraussetzungen und dann kommt alles doch anders. Gerade in diesen jungen Jahren entwickelt sich die Persönlichkeit ja auch noch stark weiter und man verändert sich.

und wie gesagt ich bin einfach etwas überfordert. Ich glaube jeder kennt so ein Gefühls-Chaos. Danke auf jedenfall und ja ich hoffe dass er es gut wegsteckt.
Gern geschehen. Gefühlschaos kennt wirklich jeder. In meinem Leben gibt es gerade auch genug Chaos und zum Teil auch Überforderung. Man muss einfach versuchen sich auf die wesentlichen Dinge zu fokussieren. Aber wenn man selber in so einer Situation steckt ist das meistens leichter gesagt als getan. Mir helfen da Denkanstöße von außen und/oder eine Änderung des Blickwinkels meist ganz gut. Wenn man sich nicht gerade zerstritten hat ist eine Trennung auch für den Trennenden nie leicht, aber da muss die andere Seite dann einfach durch. Viel Erfolg und nur Mut.
 
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