Ach, Patagonia,
endlich mal jemand mit Sinn für die Grauzonen im Leben. Weißt Du, ich mache mir wegen der leidenschaftlichen Küsse wirklich keinen Kopf, denn: wenn die Geschichte stimmt, die sie mir erzählte, dann hatte er sie ja bereits "auf Termin" freigestellt, und es lag ganz allein bei ihr, wie weit sie sich noch zur Treue verpflichtet fühlte.
Und sie machte es sich wirklich nicht leicht, wie dieses Weglaufen aus einer sehr erotischen Situation zeigte, draußen auf dem Feld in der Sommernacht, als ich ihr die Namen der Sterne sagte und dazu hinter sie trat, damit ihr Blick besser meinem ausgestreckten Arm folgen konnte. Sie schmiegte sich an mich, drehte sich dann zu mir um, meine Lippen fanden wie von allein auf die ihren, mir schwanden schier die Sinne, das Kornfeld war nah ... «laß mich bitte los, ich möchte jetzt nach Hause».
Kannst du sie denn einfach mal fragen, ob sie bereit wäre darüber zu reden, was dort in dem Hotelzimmer vorgefallen ist und wie es euch jetzt geht damit?
Was habe ich nicht schon alles getan, um endlich dieses offene Gespräch herbeizuführen: vergebens. Ich wußte natürlich, daß ich sie in irgend einer Weise sehr verletzt hatte, und natürlich hatte ich immerzu auch dieses Weglaufen vor Augen. Aber sie kam ja auch immer wieder zurück, also kann's doch nicht an meiner Person gelegen haben.
Ich war mit ihr in der Absicht verreist, ihrem «ich muß jetzt nach Hause» einen Riegel vorzuschieben, damit sie endlich einmal Farbe bekennt und mir sagt, was denn da nun Sache ist. Und ich hatte ihr wirklich deutlich genug gezeigt, daß ich keine Erwartungen erotischer Art an sie hege. Allerdings schien sie hartnäckig welche an mich zu hegen. Kurzum, die Sache mußte nach gefühlten 2 Stunden irgendwie entschieden werden, und dabei ist es dann eben passiert: Frage meinerseits, Kopfschütteln ihrerseits.
«Komm mir bitte nicht zu nah, sonst gehe ich rückwärts» sagte sie im ersten Gespräch nach der Katastrophe. Nichts weiter. Nur immer wieder: «Du kommst mir zu nah». Sich mit mir treffen, spazieren gehen oder tanzen, jederzeit. Nur bitte kein Gespräch über das Vorgefallene.
Aber wenn Du nun glaubst, dieses «zu nah kommen» sei körperlich gemeint, bist Du ebenso auf dem Holzweg wie ich. Die Übersetzung lautet nämlich «ich möchte keine Liebesbeziehung mit jemandem, bei dem die Frau den Anfang machen muß, also hör bitte auf, um mich zu werben». Aber, wie schon gesagt, mit ihrem Weglaufen im Hinterkopf ergibt sich halt zuerst einmal das Bild einer Frau, die noch an ihrer letzten Enttäuschung knappst.
also betrügst du lieber "unwissentlich"; das ist ein toller charakterzug von dir;
Laß doch den Unsinn mit dem "unwissentlich betrügen", Chriss, ich kann mir doch in einer spontanen Situation wie oben kein notariell beglaubigtes Schreiben vorzeigen lassen, daß da wirklich niemand ist, den ich in diesem Augenblick "mitbetrüge", wie Du so schön schreibst.
Oder meintest Du das im Sinne von "mein Name ist Hase, ich hab nichts gesehen"? Genau das wollte ich ja gerade vermeiden.