Schluss machen, obwohl ich ihn mag?

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Zuckerblume

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Juli 2016
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Hallo da draußen,

ich weiß nicht mehr weiter und ich hoffe, hier finde ich Antworten.

Mein Freund und ich sind seit 1,5 Jahren zusammen. Es hat so schön begonnen. Er ist der erste Mann, den ich wirklich aufrichtig liebe (geliebt habe).
Damit meine ich, dass ich keinen anderen will, nie nach anderen Ausschau gehalten habe, mit ihm zusammen unsere gemeinsame Zukunft ausgemalt habe, wir verständnisvoll, respektvoll und sehr liebevoll zueinenander sind usw usw.

Seit nun schon mehreren Wochen, sogar schon Monaten, fühle ich mich allerdings wie gefangen. Es ist schrecklich. Ich spüre, das ich noch nicht bereit bin für eine Beziehung, ich spüre, das ich noch "wachsen muss", die Beziehung engt mich richtig ein. Allein der Gedanke eine Beziehung zu haben, macht mich verrückt. Ich will allein sein.

Mein ganzes Leben hatte ich ständig nur Beziehungen. Immer für 2-3 Jahre, dann kam sofort im Anschluss der Nächste.
Bei meinem jetzigen Freund ist es anders gelaufen, ich hatte zwischen meinem Ex und ihm 1 ganzes Jahr keine Beziehung. Doch irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass nicht genug Zeit dazwischen verstrichen ist.

Ich will keinen anderen Mann, ich will nicht Single sein um dann irgendwelche sexuellen Freiheiten auszuleben, ich will einfach nur allein sein. Ich will einfach nur rausfinden wer ich bin, wohin ich will, was ich hier auf dieser Erde mache.. Selbstfindung?!

Nunja, jetzt ist es so wie ich oben schon geschrieben habe, es ist die liebevollste, respektvollste, aufrichtigste Beziehung die ich je hatte. Dieser Mann trägt mich auf Händen. Und ich weiß, dass er mehr gibt als ich.
Ich bespreche diese Sachen sogar mit ihm. Er weiß um meine Gefühlswelt. Er sagt, es ist ihm egal ob ich gerade wenig gebe. Er sagt, er wird immer hinter mir stehen, egal was ist. Er meinte sogar, ich kann mir alle Zeit der Welt nehmen und er wird immer da sein für mich.
Ich habe ihn dann gefragt, ob er sich nicht wünscht, dass er genau das selbe zurück bekommt? Das er auch eine Partnerin hat die 100% hinter ihm steht usw. Er meinte daraufhin, dass er sich soetwas schon wünscht, und dass er hofft, es würde irgendwann wieder so sein...

Es ist nicht so, als hätte ich Angst davor niemals wieder so jemanden zu finden wir er. Ich habe keine Angst davor, das mein nächster Partner vielleicht schlechter ist als er. Ich will eigentlich gar keinen Partner. Es geht mir nicht darum, jemand besseren zu finden. Ich weiß, dass er ein wunderbarer Partner ist und vielleicht finde ich so jemanden wirklich nicht mehr. Trotzdem will ich es nicht.

Und da ist der Punkt, meine innere Stimme sagt mir, dass ich allein sein soll. Mein Kopf sagt mir, dass dieser Mensch wunderbar ist.

Was soll ich tun.
Ich will das meine innere Stimme genau das gleiche sagt wie mein Kopf. Aber die beiden kommen einfach nicht auf einen Nenner.

Hilfe


Zuckerblume
 
Ich sage es kurz und knapp: Ich würde keine Beziehung der Welt für "Freiheit" in dem hier genannten Sinne aufgeben. Niemals. Man kann trotz Beziehung mit Freunden unterwegs sein oder auf reisen gehen. Das einzige, was man in einer monogamen Beziehung nicht machen kann ist fremdvögeln. Aber für das bisschen lohnt es sich nicht eine so gute und harmonische Beziehung hinzuschmeißen.

Darf man wissen, wie alt ihr beiden seid und seit wann du "nonstop" Beziehungen hast?

Gab es in letzter Zeit Veränderungen, die zu diesem - für mich aufgrund meiner Erfahrung wenig nachvollziehbaren - Wandel geführt haben könnten?
 
Vielleicht sollte ich noch dazu sagen, dass wir eine Fernbeziehung führen. Wir sehen uns ca alle 6-8 Wochen. Ich gehe allein auf Reisen, ich sehe meine Freunde, er macht sein Ding und ist selber viel beschäftigt. Die Beziehung lebt von ihrer "Freiheit". Trotzdem sehne ich mich nach dem allein sein, dass heißt, ohne Verpflichtungen. Es geht mir nicht darum, andere Männer kennen zu lernen oder wie du sagtest, "fremdvögeln". Unser Alter ist vielleicht überraschend, er ist 23, ich bin 30 (Seit meinem 15. Lebensjahr hatte ich durchgehend Beziehungen) Und ja, das klappt ganz gut, trotz des Altersunterschieds. Aber wie gesagt, das Problem ist nicht das Alter oder die Beziehung an sich. Das Problem ist, das ich mich nicht binden kann/will. Ich höre ständig, wieso ich eine funktionierende Beziehung aufgeben will. Ich werde mit riesen Fragezeichen im Gesicht angeschaut wenn ich mich jemandem darüber öffne. Das Ding ist, das ich früher auch immer dachte, eine Beziehung zu haben, sei das wichtigste, das "Endziel" sozusagen, auf das jeder hinarbeitet. Mittlerweile sehe ich das anders. Für mich ist "allein sein" im Moment meine Lösung.
 
Ich will keinen anderen Mann, ich will nicht Single sein um dann irgendwelche sexuellen Freiheiten auszuleben, ich will einfach nur allein sein. Ich will einfach nur rausfinden wer ich bin, wohin ich will, was ich hier auf dieser Erde mache.. Selbstfindung?!

Dann fang doch mal mit der Selbstfindung an:
Wie steht es strategisch um Dein Berufsleben? Willst Du Kinder? Willst Du ein Eigenheim? Willst Du um die Welt reisen?
Willst Du Dich (wenn überhaupt) an nur einen Mann binden? Wieso fühlst Du Dich eingeengt?

Wewnn Du jetzt überall antwortest: "Weiß ich nicht.", ist vielleicht genau das das Problem, dass Du nämlich keine Ziele hast und dadurch mit Dir unzufrieden bist.

Meine bescheiden Meinung:
Du merkst gerade, dass der jetzige der richtige für den Rest des Lebens ist und genau das macht Dir Angst.
 
Das ist eine wichtige, nicht unerhebliche Ergänzung mit der Fernbeziehung und dem Alter.

Es ist definitiv nicht das "wichtigste", aber es ist der letzte Feinschliff und ergänzt den Menschen. Gut, ich mit meinen 26 und meiner ersten "Beziehung" mit 14 kann da nicht gut mitreden, weil ich zwischendrin immer mal wieder 3-4 Monate single war. Aber ich bin überglücklich endlich nicht mehr alleine sein zu müssen. Das muss man allerdings auch erstmal zu schätzen lernen. Aber dazu braucht man keine Auszeit vorm Partner.

Ergänzung: Was Leberwurst schreibt kann natürlich auch sein. Du hast Angst, dass du etwas verpasst, weil du einen so tollen Freund hast und dich deshalb nicht trennen magst. Aber "verpassen" tust du definitiv nichts. Im Gegenteil. Ohne ihn verpasst du was.
 
Ich höre in solchen Fällen stets auf die eigene innere Stimme, treffe dann die entsprechende Entscheidung und setze sie konsequent um.

Du musst aber selber wissen und entscheiden, was für dich passt - da kann man schlecht raten finde ich.
 
Vielleicht sollte ich noch dazu sagen, dass wir eine Fernbeziehung führen. Wir sehen uns ca alle 6-8 Wochen.

Sogar für eine Fernbeziehung sehr ihr euch extrem selten. Wie man sich da eingeengt fühlen kann obwohl man sich eh kaum sieht erzeugt bei mir ebenfalls ein Fragezeichen im Gesicht.

Ich will einfach nur rausfinden wer ich bin, wohin ich will, was ich hier auf dieser Erde mache.. Selbstfindung?!

Das ist ja schön und gut und bringt dich sicherlich in irgendeiner Form weiter, die Frage ist aber doch, warum du dich durch diese "Beziehung" eingeschränkt fühlst. Insbesondere weil ihr euch nur so selten seht und kein gemeinsames Alltagsleben habt. Ich würde sogar sagen, dass der Partner in einer glücklichen Beziehung dazu beitragen kann sich selber zu finden.

Ich kann nur den Rat geben, diesen Wunsch nach Freiheit UND die ablehnende Haltung zu einer glücklicken Beziehung ausgiebig zu hinterfragen. Kommst du zu dem Ergebnis, dass sich dahinter nichts anderes verbirgt dann solltest du dich natürlich trennen - in einer Beziehung zu bleiben die "dich verrückt macht" wäre zweifellos ungesund. Aber du solltest dir 100% sicher sein um die Entscheidung später nicht zu bereuen - nicht, dass du em Ende nur "davon laufen" wolltest ;)
 
Hier im Forum kommen oft Leute rein, die den Partner lieben, aber die Beziehung dennoch nicht mehr wollen. Diesen fehlt einfach das (sexuelle und soziale) Ausleben, Abenteuer geniessen und neue Erfahrungen sammeln. Die Welt und sich selbst zu erkunden, und sich weiterzuentwickeln.

Meistens sind diese Personen jung 19-24 und hatten wenig Möglichkeiten dies zu tun, weil sie schon seit sehr jungem Alter gebunden sind. So jung bist du nicht mehr, aber du hattest dennoch eine Beziehung nach der anderen und kaum Pause um einmal das Single-Leben zu geniessen oder Altlasten der Ex-Beziehung zu verarbeiten.

Das wäre also auch eine Möglichkeit: Immer hattest du einen Partner. Immer die Verantwortung und Verpflichtung einer Beziehung, nie völlige Freiheit in dem Sinne. Dasselbe ist gilt natürlich auch fuer die Distanz um auf Vorredner einzugehen.


=> Es wäre fuer mich die plausibelste Erklärung von dem, was du erzählst. Und es ist verständlich. Du solltest nichts machen, nur weil andere Menschen das nicht verstehen können. Was glaubst du denn selber, Zuckerblume?
 
Erstmal danke für eure Antworten. Es tut wirklich gut mal andere Meinungen zu hören.

Das mit der Einengung ist so eine Sache. Natürlich bin ich nicht räumlich eingeengt, aber gedanklich. Denn trotzallem habe ich in einer Partnerschaft Verpflichtungen, denen ich als Freundin auch nachkommen will. Gedanklich fühle ich mich in soweit eingeengt, dass es mir schon schwer fällt, den Kontakt aufrecht zu erhalten. Es fällt mir sogar schwer, manchmal aufrichtiges Interesse für ihn zu empfinden. Dazu kommt dann tatsächlich auch der Altersunterschied. Ich merke einfach, dass ich ganz andere Fragen zum Leben/Partnerschaft/Liebe etc. stelle als er, und es kommt mir oft so vor, als versuche ich jemandem "das Leben" zu erklären. Das ist ermüdent für mich. Und da bin ich auch schon bei dem nächsten Punkt: Natürlich kann man auch in einer Partnerschaft wachsen und sich selber finden, aber ich habe das Gefühl, das es mich eher festhält und stehen bleibe. Manchmal fühlt es sich so an, als würde ich voraus laufen, und er kommt hinterher.


Wir haben schon oft darüber geredet. Er sagt, dass er eben noch lernen muss.. Natürlich muss er das, genauso wie ich und jeder andere Mensch. Das wird wohl nie aufhören, trotzdem ist es für mich oft ermüdent.

Ich habe eine gute Vorstellung davon, wie mein Leben aussehen soll, zumindest beruflich. Ich bin gerade dabei meine beruflichen Zukunftspläne zu verwirklichen und diesem steht auch nichts im Wege. Aber privat, in der Liebe, da fühle ich mich wie gelähmt.

Mir sind wirklich schon alle Gedanken durch den Kopf gegangen. Bin ich beziehungsunfähig? Warum fühle ich mich so trotz der Distanz? Er ist so wunderbar, warum kann ich nicht bei ihm bleiben wollen? Ist das normal, das man allein sein will?

Letztendlich komme ich immer wieder an den gleichen Punkt: Es macht wenig Sinn die Beziehung zu erhalten. Letztendlich versuche ich jeden Tag nur Gründe zu finden, nicht Schluss zu machen. Und der Grund ist stets der selbe: Weil er so ein wunderbarer Mensch ist... Aber selbst diese Tatsache hilft mir nicht weiter. Ich wache trotzdem jeden Tag auf und denke ich muss es beenden und das ich diesem wunderbaren Menschen doch nicht sein Herz rausreißen kann.

Ich denke nichteinmal darüber nach, ob ich es bereuen würde. Ich weiß nicht, ob das eine große Rolle spielt oder spielen sollte um so eine Entscheidung zu treffen?
 
Jetzt bist du indirekt, aber nicht konkret auf alle Beiträge eingegangen. Aber was du geschrieben hast, eröffnet dem Ganzen mehr Sinn.

Ständiger Neuaufbau deiner wechselnden Beziehungen, fehlende Freiheit seit Jahren... und dann kommt jetzt so ein Junger daher, der wenig Erfahrung hat und eine andere Lebensperspektive hat.
Was hindert dich also? Erstens du selber, weil du ihm nicht wehtun möchtest, und zweitens die Gesellschaft, die dir (wie hier auch im Forum) weitgehend ungläubig entgegentritt.


=> Dabei ist der Weg ja klar: Du musst dich endlich trennen und fuer eine Weile dein (Single-)Leben geniessen bis du wieder klaren Verstand hast. Du reisst deinem Partner nicht das Herz raus, sondern im Gegenteil du gibst ihm nach anfänglicher Trauer die Moeglichkeit eine Partnerin zu finden, die nicht mit solchen Gedanken aufwacht — und dir die Freiheit. Jetzt aber verschwendest du nur die Zeit von euch beiden.

Nach der Trennung solltest du das Thema "Liebe" erst einmal in Ruhe lassen und deinen Hobbies und Leidenschaften nachgehen. Geh reisen und treib Sport. Lebe dich aus und reflektiere, was du als nächstes machen willst.
 
Ich finde jetzt ist es schon etwas deutlicher geworden, zumindest für mich. Vorher hatte ich den Eindruck, dass es nicht direkt an dieser Beziehung liegt, du hast ja auch geschrieben, dass du allein sein willst. Aber aus dem letzten Beitrag geht klar hervor, dass es doch an der jetzigen Beziehung liegt, zumindest zu einem großen Teil.

Ich denke du solltest dich so bald wie möglich trennen. Ich kennen diese Gedanken und das Zögern, weil man den Menschen nicht verletzen will. Es ändert einfach nichts ausser es vor sich herzuschieben. Und in dieser Zeit bist du nicht aufrichtig zu ihm und zu dir selbst. Mit jedem Tag wird es dir ein klein wenig schlechter gehen, aber so schleichend, dass du es nicht bemerkst.

Du hast es eigentlich schon im ersten Beitrag auf den Punkt gebracht:

Er ist der erste Mann, den ich wirklich aufrichtig [-]liebe[/-] (geliebt habe).

(Hervorhebung/Formatierung von mir)

 
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