Und nun mal wieder nen "Rück-Vor-Schritt"
Alsoooooo: Mir ging es die letzten ca. 15 Stunden ganz gut, davor ja auch schon bis auf den einen kleinen Träneneinbruch. In den letzten Stunden war es aber kontinuierlich besser geworden, ich hatte das Gefühl immer weiter wieder zu meinem Gleichgewicht zu finden. Und wodurch? Lesen...
Irgendwie hatte ich das Gefühl, wieder mehr zu mir zurück zu finden und doch nicht so viel falsch zu machen, wie ich mir habe einreden lassen. Siegessicher hatte ich mir sogar schon überlegt, heute sowas wie Abschlussworte unter meinen Max-Thread zu schreiben. Undzwar so sinngemäß: wir haben die Krise, die mit großer Wahrscheinlichkeit dazu führt, dass wir gerade den letzten Tango tanzen, aber das mache nicht sooooo viel aus, denn im Grunde war mein Weg für mich nicht falsch sondern richtig und ich brauche Max nicht, um ihn zu lieben. Obwohl ich enttäuscht, traurig, wütend oder was auch immer bin, liebe ich ihn dennoch, mit all seinen Macken, Fehlern, Unzulänglichkeiten - auch mit dem Fehler, dass er nicht da ist, nicht mein Mann ist.
Ich hatte das Gefühl, total von Liebe erfüllt zu sein, trotz aller Umstände und fands eher lächerlich, versucht zu haben, das rational mit Verstand in den Griff zu kriegen und irgendwie bessern zu wollen. Am Ende ist wirkliche Liebe für mich eben doch bedingungslos. Und die ganzen Wünsche, die man so hat, die der Partner alle erfüllen soll, finde ich viel egoistischer und kommen in meinen Augen mehr aus dem Ego heraus, als das, was im LH immer so verteufelt wird: sich in einem Moment aus ach so egoistischen Motiven mit einem anderen/vergebenen Menschen einzulassen. Es mag ja keine Glanzleistung sein, sowas zu tun. Es ist schlecht, nicht daran zu denken, wie sehr man den Partner verletzt, wenn man fremd geht. Alles richtig. Aber in meinen Augen ist es noch schlechter, keine Beziehung zu haben, nicht zu lieben, weil man zu seinen egoistischen Ansprüchen nicht den passenden Partner findet. Das Ego bzw. Egoismus steht der Liebe total im Weg. Liebe heißt für mich geben - und zwar gerne geben - und sich daran erfreuen, einfach daran, dass es den geliebten Menschen gibt und es ihm gut geht. Und das tue ich. In diesem Sinne habe ich das Gefühl, erfüllt zu sein von Liebe, Und seit ich das wieder spüren kann, gehts mir auch wieder besser.
Der einzige Dämpfer, der dann kam, war ne Mail von Max. Er beschrieb die erste Paar-Therapiesitzung en detail. Er glaubt zwar noch nicht dran, aber ich sage, es wird helfen, denn es zielte genau an die Wurzel allen Übels der Probleme zwischen ihm und seiner Frau. Nein, nicht auf mich, ich bin nicht das Problem, ich bin ein Symptom.
Wenn SIE sich nicht verschließt, wird die Therapie erfolgreich sein. Der Therapeut ist jedenfalls sehr gut, soviel kann ich jetzt schon sagen.
Wenn SIE sich nicht verschließt, kriegen die so doll die Kurve, dass sie sich glücklich machen werden. Natürlich muss nicht nur sie was tun, sondern Max auch. Aber der ist in einem Veränderungs-Prozess schon drin, auch von mir hinein getreten. Und der Therapeut hat ordentlich nachgetreten. Wenn SIE das wirklich mitmacht, dann entwickeln die sich mit Hilfe des Therapeuten wirklich zueinander. Und damit entwickelt er sich von mir weg. Er schreibt immernoch, dass er mich liebe. Ich denke, er wird aufhören, zwei Frauen zu "lieben" - er weiß es nur noch nicht.
Es ist natürlich nicht nur erfreulich, das so zu lesen. Aber traurig ist doch wieder nur der Teil des Egos, der Angst hat, zu wenig zu kriegen. Und sorry, aber der liebende Teil in mir ist immernoch so viel größer - im Grunde freu ich mich mehr. Alles ist gut, wenn er glücklich und zufrieden ist. Ist ja auch egal wie. Und sch..., ich liebe ihn - und ich kanns nicht erklären und nicht aufhören. Ich sag ja auch schon immer, dass ich nicht weiß, wieso. Nur dass es so ist.
Aber ich sag auch, er ist nicht der einzige Mann, den ich je geliebt habe.Und er muss es auch nicht sein oder bleiben. Nicht, um zu lieben. Nicht, um von Herzenswärme erfüllt zu sein.
Man kann sagen, er verdient meine Liebe nicht. Er verdient sie nicht, weil er ein Lügner, Fremdgänger, was auch immer ist. Oder er verdient sie nicht, weil er nicht bei mir ist, sich nicht für mich entscheidet. Das ist ja der Knackpunkt. Liebe muss man sich nicht verdienen, man bekommt sie geschenkt. Ich weiß, andere Menschen sehen das anders. Aber das ist genau der Grund, warum er seine Frau ja wohl liebt, verdient hat seine Frau seine Liebe auch nicht, auch wenn sie sogar per Gesetz als seine Ehefrau ein Recht drauf hat. Wie auch immer, sie hat sie aber. Das kann und muss ich ja wohl akzeptieren. Es bleibt mir auch nichts anderes übrig. Ich kann mich darüber ärgern, wütend, enttäuscht sein, aber ich kann immernoch nicht aufhören, ihn zu lieben.
Ich will auch nicht aufhören, zu lieben. Ich will von Liebe erfüllt sein. Nur dann genieße ich das Leben wirklich, die Sonne, die Natur, alles. Liebe ist meine stärkste Antriebskraft. Liebe ist für mich Leben. Und keine Liebe zu spüren und zu leben ist für mich gleichbedeutend mit kein Leben = Tod.
Man, nein, zumindest ich,,, ich kann lieben ohne dass der geliebte Mensch anwesend oder mein sein muss. Und ich kann mehr als einen Menschen lieben. Liebe selbst ist für mich nicht exklusiv. Man kann sich aus Liebe in eine exklusive Partnerschaft begeben, aber es ist nicht gesagt, dass man das muss.
Wenn Liebe von sich aus, also natürlich exklusiv wäre, würden doch alle nur den ersten Parner lieben, den sie je geliebt haben, oder?
Man kann serielle Monogamie leben. Aber woher weiß der aktuelle Partner, dass er geliebter ist als der vorige? Dass er der "Richtige" ist und nicht der vorige? Dass er die wirkliche Liebe ist und nicht der Vorvorige?
Die Beziehungen, die man führt, können besser werden als vorher. Bestehende wie neue, die man mit anderen Partnern eingeht. Aber Liebe?
Es mag sich drüber streiten lassen, was denn nun die romantischere Einstellung ist, aber meiner Meinung nach wird nicht die Liebe besser mit der Zeit oder mit einem neuen Partner, sondern nur die Beziehung. Wahre Liebe ist für mich Geben und Erfreuen. Am Geben und am glücklichen Dasein - vor allem des anderen, aber auch am eigenen Dasein.
Und das geht mit Anwesenheit des geliebten Menschen, in seiner Abwesenheit - und es geht nicht nur mit einem Menschen. Was ist daran schlimm, Liebe zu geben? Was soll schlimm daran sein, mehere Menschen zu lieben? Was ist schlimm daran, mehreren Menschen zu geben und sich an deren Existenz und Wohlbefinden zu erfreuen?
Das mag sich romantisch und träumerisch anhören, aber für mich funktioniert das.
Für mich hört es sich romantischer und verträumter an zu glauben, es gäbe nur den einen Menschen, der immer auf einen gewartet hätte, der nur immer darauf wartete, endlich den einen zu treffen und zu lieben und dann bis an sein Lebensende nur für den einen da ist und einen liebt.
Ich rede übrigens gerade nicht über das Körperliche. Es geht mir um das Gefühl Liebe oder die spirituelle Liebe oder wie auch immer man das nennen will.
Natürlich kann man körperliche Exklusivität verlangen, erwarten und bekommen können in einer Beziehung. Aber Liebe kann man nicht verlangen und erwarten, man kann sie geschenkt bekommen - von jemanden, der sie einem auch geben will. Festhalten, exklusiv machen, regulieren .. kann man sie nicht. Man kann sie ja nicht mal wirklich erklären.
So mein vorläufiges Fazit und vielleicht das Ende der Geschichte. Wer weiß das schon. Ich weiß jedenfalls nicht, wie das Leben weitergeht. Ich kann nur Entwicklungen sehen und wenn ich Entwicklungen sehe, die ich kenne, weil ich sie schon mal irgendwie erfahren habe, sei es selbst oder durch andere, kann ich abschätzen, wo es hingeht. Aber allwissend und wissend wie sich alles entwickeln wird, bin ich auch nicht.
Ich verstehe auch manches nicht. Zum Beispiel, dass unter Max' Mail immernoch steht "Ich liebe Dich". Aber ich nehme es denn mal einfach so hin und beobachte. Das ist mein Schlüssel zu meiner Ruhe.