Zwischen Liebe, Versagensangst und ausgehungerten Bedürfnissen

Dabei
3 Sep 2020
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#1
Liebe Leute,

zur Zeit befinden meine Freundin und ich uns beziehungstechnisch auf einem schwierigen Weg. Ihre Forderungen sind klar: Sie fühlt sich von mir kaum begehrt und nicht ernst genug genommen. Ich soll mehr zu ihr stehen und sie möchte mehr sex.

Wir sind seit knapp zwei Jahren zusammen. Beide äußerst temperamentvoll, impulsiv und eher zart besaitet :) Sie ist eine tolle Frau (30) und ich liebe sie wirklich aufrichtig. Die ersten Monate hatte ich kaum Gefühle zu ihr, die Verliebtheitsphase blieb weitestgehend aus. Stattdessen entwickelte sich (aber erst nach dem zweiten Anlauf) eine wirklich tiefe Liebe zu ihr, wir hatten uns jedoch zunächst getrennt, da ich ihr nicht die Liebe zeigen konnte, die sie bereits von Anfang an aufbrachte.

Wir sind beide sehr liebesbedürftig und tauschen viel Körpernähe, Streichel- und Kuscheleinheiten aus. Wenn wir streiten, dann werden wir auch sehr laut. WIr sind beide in eher schwierigeren Familienverhältnissen aufgewachsen, darum eskalieren die Konflikte sehr schnell (ich flüchte eher und sie beleidigt). Auf der anderen Seite gehen uns die Themen nie aus und wir lachen viel miteinander, obwohl wir uns fast täglich treffen.

Wichtig zu wissen:
Ich habe eine Panikstörung seit ein paar Jahren, es ist leider sehr anstrengend damit ein normales Leben zu führen. Mir fallen Übernachtungen schwer und ich brauche zeitweise einfach wieder meine Ruhe, weil auch der Job viel Energie fordert. Sie scheint es zu verstehen, aber oft widersprechen ihre Forderungen dieser Behauptung..Wir hatten in den letzten Monaten eher weniger Sex, ich muss dazu sagen, dass ich eine zeitlang psychosomatisch bedingte Probleme mit der Potenz hatte. Sie fühlte sich sehr unbegehrt, verständlich. Tatsächlich ist ihr Selbstbild auch ziemlich im Keller, wie ich finde (liegt vor allem an ihrer Familie, in der sie aufgewachsen ist).


Eine Zeit lang verhielt sie sich sehr eifersüchtig (ständige Unterstellungen, obwohl ich sehr treu bin). Mit dem Sex klappt es teilweise allerdings wieder besser, leider hat sich da eine ziemliche Versagensangst etabliert und ich weiß wie enttäuscht sie letztlich ist, wenn es nicht klappt (sie sagt es nicht, aber ich spüre es an ihrer Laune).

Ich habe ihr schon oft erklärt, dass das Potenzproblem vor allem ein Resultat aus Stress und Versagensangst ist. Sie glaubt mir das nicht. Mittlerweile habe ich richtig die Lust auf Sex mit ihr verloren. Diese Anklagen gehen mir auf den Zeiger. Ich schreibe diesen Text nun, weil unser aktuellster Streit ziemlich heftig ausfiel.

Sie sagte "nach dem Sex mit mir ist sie noch deprimierter als vorher" und sowas wie "die armen Mädchen die du enttäuschten wirst". Ich muss dazu sagen: Wir waren kurz davor Schluss zu machen. Ich habe ihr gesagt, dass ich keinen Bock mehr auf diese Anschuldigungen habe und das ich Schluss mache..und plötzlich wurde sie wieder sehr anhänglich. Diese Situation hatten wir leider schon mehrfach, weswegen die Glaubhaftigkeit dieser Aussage auch sehr schnell geschwunden ist.

Sie hat momentan sehr viel Stress (Eltern, Arbeit, Gewichtszunahme, Freundeskreis) und lässt es an mir aus. Aber solche Aussagen wie in letztem Absatz treffen mich wirklich tief und ich bin richtig wütend auf sie. Zwar lieben wir uns beide, aber das mit dem unterschiedlichen Bedürfnis nach Sex ist immer wieder zentrales Thema...

Ich habe schon oft Lust, leider klappte es häufig nicht und das deprimiert mich natürlich sehr. Sie wiederum sieht das als Zeichen dafür, dass ich sie nicht begehre usw.

Meine Liebe zeige ich ihr oft, ich küsse sie von Kopf bis Fuß, bin oft heiß auf sie und wir kuscheln viel...ich frage mich immer, wieso zum Teufel sich alles nur um Sex drehen muss. Oralverkehr lehnt sie ab, sie fühlt sich unwohl dabei. Andersherum klappt es wunderbar, aber bei ihr spielen eben körperliche Komplexe eine große Rolle.

Ach ja, ich bin auch nicht sehr einfach. Manchmal kann ich sehr platt sein und zeige ihr wenig Verständnis. Die momentan häufig vorkommenden Angstattacken machen mich sehr müde und teilweise auch reizbar. Sie würde gerne mehr unternehmen, aber wir sind beide nicht faul. Mal gehen wir spazieren, in die Stadt, ins Kino, in eine Bar, machen größere Ausflüge (eher selten) und spielen Gemeinschaftsspiele...

Kann mir jemand einen Rat geben (vielleicht sogar aus eigener Erfahrung) ? Danke im Voraus.
 
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Dabei
6 Feb 2017
Beiträge
1.810
#2
Ich habe leider keinen Rat hierzu... Aber, um vielleicht ein bisschen weiter zu kommen, habe ich noch ein paar Fragen:

1. Was war deine Motivation mit ihr zusammen zu kommen, wenn nicht Verliebtheit? Und wie würdest du das bewerten?
2. Wie ist das mit eurer gegenseitigen Erwartungshaltung im Vergleich - stellt ihr beide ähnlich viele/große Erwartungen an den anderen? Wie geht der jeweils andere damit um, dass gewisse Erwartungen an ihn gestellt werden?
3. Was ist jetzt gerade das, was dich noch in dieser Beziehung hält?

Übrigens: Ich weiß nicht, was du ihr vielleicht schon alles an den Kopf geworfen hast, aber bei "die armen Mädchen, die du enttäuschen wirst", musste ich schwer schlucken. Soetwas begreife ich nicht. Hat sie sich im Nachhinein dafür entschuldigt? Ich denke jedenfalls, dass ihr schon beide eure Baustellen habt, und es nicht reichen wird, wenn du dir allein Gedanken machst und allein nach Lösungen suchst.
 
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