Wie soll ich mich ihm gegenüber verhalten?

Dabei
19 Sep 2020
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#1
Ich habe eine Freundschaft + Beziehung mit einem Mann. Alles fing mit unverbindlichen, oberflächlichen Sextreffen an. Meiner Meinung nach konnte man da noch gar nicht von einer Freundschaft + sprechen, eher von einer lockeren Affäre. Ich wollte im Allgemeinen keine Beziehung und er ebenso nicht, da er verheiratet ist. Ich ging also davon aus, dass er sowieso nicht an einer festen Bindung interessiert ist und lediglich sexuelle Abwechslung sucht. Er hat zwar ein paar mal geäußert, dass er sich eine Beziehung mit einer jüngeren Frau wie mir z.B sehr gut vorstellen könnte, aber ich habe das nicht so wirklich ernst genommen. Wir haben kaum miteinander geschrieben, der Sex lief auch eher gefühllos ab (kein Küssen oder Kuscheln, sich kaum in die Augen schauen usw.) Wir haben uns auch gar nicht vernünftig kennengelernt, ehrlich gesagt hatte ich daran auch kein großes Interesse, obwohl ich ihn schon sehr nett und attraktiv fand. Für mich war eben klar, dass aus der Sache sowieso nie mehr werden könnte.
Naja, dann bin ich aufgrund einer Verhütungspanne (Spirale verrutscht) von ihm schwanger geworden. Da ich erst 20 bin und mir mit der Familienplanung noch etwas Zeit lassen wollte (zudem habe ich mir Kinder in einer festen Partnerschaft gewünscht) war das für mich natürlich eine ziemliche Katastrophe. Eine Abtreibung kam für mich nach reiflicher Überlegung aber nicht in Frage und D (nennen wir ihn mal so) hat mich auch nicht dazu gedrängt. Damit habe ich ehrlich gesagt nicht gerechnet, ich ging davon aus keinerlei Unterstützung von ihm zu erfahren und mich auf Widerstand einstellen zu müssen. D sicherte mir seine finanzielle Unterstützung zu und gab an, sein Kind regelmäßig besuchen zu wollen. Er war von nun an auch interessiert daran mich kennenzulernen, was auf Gegenseitigkeit beruhte, weil ich ebenso wissen wollte was für ein Vater mein Kind bekommt. Zudem ist es von Vorteil, wenn Eltern miteinander kooperieren und sich gut verstehen, egal ob Liebe mit im Spiel ist oder nicht. Beim Kennenlernen haben wir bemerkt, dass wir uns sehr gut verstehen, uns sehr ähnlich sind und überwiegend die gleichen Werte teilen. Darüber habe ich mich natürlich sehr gefreut, wollte aber aus Vernunftgründen eine platonische Freundschaft anstreben dh. den Sex weglassen. Das wollte D aber nicht, er meinte, dass wir beide es ja weiterhin mit der Freundschaft + versuchen könnten.
D äußert sich aber oft widersprüchlich, was mich nachdenklich macht. Beispielsweise hat er mir gegenüber geäußert, dass er in die Ehe reingerutscht sei und seine Ehe realistisch betrachtet nicht lange halten würde. Dann sprach er allerdings davon, dass er sich von seiner Frau niemals trennen würde und sich vorstellen kann mit ihr alt zu werden. Nur einen Monat später erzählte er mir, dass seine Frau andauernd über eine Trennung spricht und sich einen neuen Mann suchen will. Daraufhin habe ich ihm vorgeschlagen, doch eine Paartherapie machen und sich mehr um seine Frau bemühen zu können. Er hat darauf geantwortet, dass dies sowieso nichts bringen würde und er selbst unglücklich in der Beziehung sei, sodass an einer Trennung sowieso kein Weg mehr vorbeiführt. Er scheint wirklich nichts mehr in seine Ehe investieren zu wollen, möchte vermutlich aber nicht selber die Reißleine ziehen, sondern eine Trennung provozieren.

Ich habe versucht, klare Verhältnisse zu schaffen. Für mich ist eine Freundschaft + kein ideales Beziehungsmodell für Eltern. Das Eltern sein bringt nämlich eine gewisse Verbindlichkeit mit sich, man steht über einen langen Zeitraum im Kontakt miteinander und ist durch ein Kind stärker miteinander verbunden (kann sich nicht einfach so aus dem Staub machen) Unter einer F+ verstehe ich, dass man auch regelmäßig etwas mit anderen Freunden unternimmt und sich eben locker verhält. Genau das vermisse ich in unserer F+ Beziehung. Unsere Gespräche sind meist sehr vertraut und intim, er scheint sich mir gegenüber auch stets super präsentieren zu wollen, als würde er sich ständig als perfekten Mann anpreisen wollen. Er schickt mir oft Fotos von sich und Dingen, die ihm wichtig sind (wenn er irgendetwas erlebt, bekomme ich davon eine Menge Fotos) Er möchte also Komplimente hören und mich an seinem Alltag teilhaben lassen.
Ich weiß dann ehrlich gesagt nicht, wie ich damit umgehen soll. Ich schreibe sehr gerne mit ihm, interessiere mich auch ernsthaft für ihn (möchte also nicht nur Sex etc.) sehe zwischen uns aber immer eine dicke, fette Mauer. Seine Ehe und die Tatsache, dass er keine Beziehung mit mir will (dies hat er zwar nie explizit gesagt, anfangs meinte er sogar, dass er sich eine Beziehung mit einer Frau wie mir gut vorstellen könnte, aber ich gehe trotzdem davon aus)
Ich sehe da einfach eine Grenze vor mir, die ich nicht überschreiten darf. Von ihm höre ich immer nur Aussagen wie „Mal schauen was sich ergibt“ und „Man kann nicht planen“ oder „Man sollte einfach alles auf sich zukommen lassen“.
Ehrlich gesagt kann ich absolut nachvollziehen, dass er sich nach einer langjährigen Beziehung (sollte es überhaupt zu einer Trennung kommen) nicht sofort an eine neue Frau binden will. Ich kann mir auch nicht vorstellen zeitnah eine Beziehung mit ihm einzugehen, da ich mich derzeit selbst nicht bereit für eine feste Beziehung fühle und der Meinung bin, dass er die Trennung erst verarbeiten und sich im Klaren darüber sein sollte, was er von seiner neuen Partnerin erwartet. Ich bin zwar im Allgemeinen sehr liebevoll und sensibel, finde ihn auch wirklich toll, bin aber auch rational und (selbst)reflektiert. Meist versuche ich mich in seine Lage zu versetzen oder die Situation aus der Sicht einer neutralen Person zu betrachten. Wie eine liebestrunkene Schwangere, die den Vater ihres Kindes um jeden Preis an sich binden möchte, komme ich nun nicht rüber. Ich möchte das Beste für alle Beteiligten (für mein Kind, für mich und für ihn) Und ob das Beste für uns wäre eine Beziehung einzugehen, kann ich nach so kurzer Zeit nicht sagen. Das Kind an sich ist für mich kein Grund sich an ihn zu binden.
Ich denke, dass ich D gegenüber aber vermittle ernsthaft an ihm interessiert zu sein. Für mich ist klar, dass eine Freundschaft + langfristig nicht funktionieren kann. Ich kenne so einige Leute, die eine F+ oder eine Affäre hatten. Da war man nicht so sehr aufeinander fixiert, hat nicht täglich miteinander geschrieben, hatte kein gemeinsames Kind und war nicht auf einer Wellenlänge bzw. konnte sich nicht vorstellen den Alltag miteinander zu verbringen. Meist ging man gemeinsam in den Club oder zum Sport.
Der Sex zwischen uns läuft auch schon ganz anders ab, wir küssen uns, schauen uns in die Augen usw.
Wir planen auch schon weit im Voraus z.B meinte D, dass er mich und mein Kind in 2 Jahren in den Urlaub schicken will, an den Urlaubsort den er so toll fand. Oder ich erzähle ihm davon, dass er mir in 5 Jahren bei meinem Studium helfen könnte. Ich kenne es von F+ ja so, dass man nicht so weit in die Zukunft denkt. Das Unverbindliche ist ja, dass man die Sache jederzeit beenden kann und danach nicht mehr im Kontakt stehen muss. Deshalb bin ich ja der Meinung, dass ein gemeinsames Kind Verbindlichkeit schafft.

Wir könnten zwar versuchen nach einer Zeit die F+ in eine normale Freundschaft umzuwandeln, aber wir fühlen uns sexuell zueinander hingezogen. Zudem bin ich sehr weiblich (ich wollte oft nur einen Kumpel, die Männer wollten nie mit mir befreundet sein) und er sehr männlich (tritt zumindest sehr männlich auf)
Ein weiteres Problem ist die Eifersucht. Er hat mir gesagt, dass ich mich zu 100% auf das Kind konzentrieren und mir erstmal keinen festen Partner suchen sollte. Auf meine Aussage, dass mein zukünftiger Partner sicher nicht begeistert davon sein wird, dass wir ständig miteinander schreiben, meinte er „Man kann dir nicht verbieten mit dem Vater deines Kindes zu schreiben!“. Je nach Inhalt der Nachrichten kann man das aber sehr wohl. Zudem hat D geäußert, dass er befürchtet mein neuer Partner könne unser Kind missbrauchen, da das angeblich häufig vorkommen würde. Er meinte auch „Denk dran, es ist nicht sein Kind!“. Als ich vor kurzem einen Mann gedatet habe wollte er auch alles über diesen Mann wissen. Wenn er jetzt schon solche Sachen sagt, will ich nicht wissen wie er reagiert wenn unsere Bindung enger wird. Er stellt immer alles so locker und einfach dar. Meinte auch mal, man könnte doch jederzeit mit dem Sex aufhören. Das glaube ich nicht. Ich habe schon mal davon gesprochen den Sex wegzulassen, was ihm sehr missfiel, sodass er versuchte mich umzustimmen. Als ob er nach 2 Jahren den Sex mit mir weglässt, wenn er sich erstmal an den Sex mit mir und den Umstand, dass er solange ich Single bin bei mir und meinem Kind die Nummer 1 ist, gewöhnt hat.
Meine Bedenken, dass eine F+ langfristig nicht funktionieren wird, nimmt er nicht ernst. Er sagt, das würde bei uns wunderbar klappen.

Meine Fragen an euch:
Glaubt ihr wirklich, dass eine Freundschaft + unter solchen Umständen funktionieren kann? Wird er sehr wahrscheinlich niemals Gefühle für mich entwickeln? (Ich kann mir zumindest vorstellen ihn irgendwann zu lieben) Soll ich die Sache so laufen lassen? Warum sieht er das alles so positiv?
 
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Dabei
19 Sep 2020
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#2
Meine Fragen an euch:
Glaubt ihr wirklich, dass eine Freundschaft + unter solchen Umständen funktionieren kann? Wird er sehr wahrscheinlich niemals Gefühle für mich entwickeln? (Ich kann mir zumindest vorstellen ihn irgendwann zu lieben) Soll ich die Sache so laufen lassen? Warum sieht er das alles so positiv?
Ich glaube nicht, dass das nur als Freundschaft + funktionierten kann. Entweder kommt ihr zusammen oder es bricht auseinander.
Der Mann hat echt Nerven, du allerdings auch. Ihr seid euch ähnlich, wollt beide keine Entscheidung treffen. Das ist so wie bei mir gerade, nur ich bin nicht so weit gegangen.
Ich glaube, du bist schon verliebt und kannst natürlich die Sache so laufen lassen. Diese Entscheidung liegt bei dir.
Eins kann ich nur abraten, den anderen Menschen zu manipulieren (andere Männer daten um jemanden eifersüchtig zu machen). Das geht nie auf.
Was willst du wirklich von ihm?
 
Dabei
19 Sep 2020
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#3
Ich glaube nicht, dass das nur als Freundschaft + funktionierten kann. Entweder kommt ihr zusammen oder es bricht auseinander.
Der Mann hat echt Nerven, du allerdings auch. Ihr seid euch ähnlich, wollt beide keine Entscheidung treffen. Das ist so wie bei mir gerade, nur ich bin nicht so weit gegangen.
Ich glaube, du bist schon verliebt und kannst natürlich die Sache so laufen lassen. Diese Entscheidung liegt bei dir.
Eins kann ich nur abraten, den anderen Menschen zu manipulieren (andere Männer daten um jemanden eifersüchtig zu machen). Das geht nie auf.
Was willst du wirklich von ihm?
Mein Verstand sagt NEIN, mein Herz sagt JA. Ich glaube das Problem kennen viele andere Menschen auch. Gut möglich, dass es ihm im Laufe der Zeit ähnlich geht, denn wir haben einen Altersunterschied mit dem man schon etwas aneckt. Ich habe das Gefühl, dass er sich da gefühlsmäßig definitiv blockieren wird (muss er ja, sonst kann man Sex und Liebe langfristig nicht trennen) und ich evtl. auch etwas dicht machen werde (Geht ja nicht anders).
Dann kann aber aus uns doch überhaupt nichts werden? Ich finde ihn nett und möchte mich allein dem Kind zuliebe super mit ihm verstehen, nichts falsch machen. Er ist so locker und optimistisch (behauptet er zumindest). Ich denke eher, dass er vieles verdrängt oder mit mir nicht über seine Sorgen spricht, um mich nicht zu verunsichern und den starken Part zu demonstrieren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man mit einer Trennung so lockerflockig umgeht und es einfach so hinnimmt Vater zu werden. Er scheint sich auf das Kind wirklich zu freuen. Und ob er mich dann langfristig wirklich nur als Fuckbuddy sieht? Ich weiß ja nicht.
 
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19 Sep 2020
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#4
Mein Verstand sagt NEIN, mein Herz sagt JA ...
Wenn es um die Liebe geht, dann hat Verstand nicht so viel zu entscheiden, auch wenn er es so gerne hätte. Ich musste diese Erfahrung auch machen.
Welcher Altersunterschied ist bei euch? Mein Kollege (48) wird gerade Papa und seine Freundin ist 31. Sie passen gut zusammen. Was die Zukunft bringt, weiß niemand. Hat er bereits Kinder? Wann bekommst du dein Kind? Es wird sich sicher einiges verändern, wenn das Kind da ist. Ich denke, dass er selbst noch nicht weiß wie es wird und wie er damit klar kommt.
Diese ganze Situation zeigt mir, dass es mit seiner Partnerin doch nicht die große Liebe sein kann. Die meisten Männer wollen keine Schwäche zeigen.
Oft warten sie, bis die Partnerin die Entscheidung trifft. Hier könnten sich die Männer jetzt aufregen aber ich spreche aus Erfahrung (Ehe beendet) und habe schon einige gescheiterte Beziehungen gesehen.
 
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