Partner hat vermutlich autistische Züge - Gedanken dazu?

Dabei
4 Jan 2021
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#1
Hallo liebe Community!

Ich möchte gleich vorausschicken, dass ich keinerlei Expertenwissen betreffend das Phänomen der Autismus-Spektrums-Störung habe;

dennoch manifestiert sich bei mir immer mehr der Gedanke, mein Partner hätte (zumindest) leichte autistische Züge an sich, was sich natürlich auch auf unsere Beziehung auswirkt.
Selbstverständlich will ich mit diesem Posting auch keine "Ferndiagnose" erhalten, es geht mir vielmehr um einen kritischen Diskurs und vielleicht sogar den ein oder anderen Erfahrungsbericht von euch! Ich bin euch schon vorab für jederlei Input dankbar :)

Es ist schwierig, ein so komplexes Thema kurz zu fassen: Mein Partner (m) und ich (w), beide in den frühen 20ern, führen seit gut einem Jahr eine Beziehung. Für mich waren seine Verhaltens- und Denkweisen früher sehr verwirrend, mittlerweile meine ich, ihn besser zu verstehen.

Er scheint eine völlig andere Wahrnehmung zu haben als andere Menschen. Insbesondere seine sozialen, kommunikativen und emotionalen Defizite stehen in starker Konkurrenz zu seiner außerordentlichen rationalen Intelligenz (Beispiele: meistert sein Studium mit Bravour ohne Aufwand, tut sich aber schwer, die Mimik und Gefühle anderer zu erkennen; nimmt alles wörtlich, versteht daher Ironie und Sarkasmus nicht, wenn nicht eindeutig durch Gesten hervorgehoben; kann Erzählungen oft nicht folgen, weil er "unausgesprochene Details" oder "nicht erwähnte Zusammenhänge" nicht erkennen kann; generelle (große) Neigung zur Distanziertheit und mitunter völliger Empathielosigkeit; starkes Schwarz-Weiß-Denken, Lösungen muss immer logisch sein etc)

Leider bin ich (neben hoffentlich ausreichend vorhandener rationaler Intelligenz) aber sehr emotional und fürsorglich veranlagt, was natürlich einen starken Kontrast bewirkt. Es kommt sehr häufig zu Situationen, in denen ich mich durch sein (meist abwesenden, scheinbar geringschätzendes) Verhalten gekränkt fühle, jedoch bemerkt er dies nicht.
Ich versuche mich trotzdem so gut es geht auf seine Denkweisen einzulassen, bin sehr kompromissbereit; merke aber selbst, dass ich oft an meine Grenzen stoße. Es fühlt sich in unserer Beziehung generell nach einem Ungleichgewicht an, als würde ich ständig mehr geben müssen, um seinen Mangel auszugleichen. Es ist auch so, dass ich das Gefühl habe, mich sowohl um ihn als auch um mich kümmern zu müssen, weil ich diesbezüglich auf ihn nicht zählen kann.

Gleichzeitig habe ich extrem starke Gefühle für meinen Partner. Jene Momente, in denen wir Nähe teilen können, sind wunderschön. Ich kann ich mir keine schöneren Augenblicke vorstellen, wenn er seine Zuneigung und Liebe doch offen zeigt. Trotzdem besteht dieses eindeutige Ungleichgewicht.

Obwohl dieses Thema für mich äußerst belastend ist, denke ich nicht, dass ich ihn darauf ansprechen kann/sollte. Ich habe bereits des Öfteren gewisse Themen (einzeln) mit ihm besprochen, aber da ist er völlig uneinsichtig; er nimmt es einfach auf eine andere Art wahr als ich und kann meine Gefühle und Standpunkte nicht nachvollziehen. Er würde eine solche "Selbst-Diagnose" meinerseits eher als Beleidigung oder tief kränkend empfinden (ironischerweise hat er ein ganz klares Bild davon, was normal ist und was "gestört" - ich würde ihn dann ja als "gestört" bezeichnen.) Mit seinen Eltern oder guten Freunden traue ich mich das Thema ebenfalls nicht anzusprechen, aus Angst, ihm damit in den Rücken zu fallen.

Wenn ich ehrlich bin, dann hätte eine Konfrontation für ihn auch keinerlei Mehrwert: er steht total im Leben und fühlt sich auch gar nicht "beeinträchtigt".
Unserer Beziehung und mir täte eine klare Aussprache und etwas mehr Verständnis seinerseits jedoch gut. Ich hätte so gerne, dass er wahrnimmt, dass gewisse Probleme auch an "ihm" liegen (leider scheine ich in seiner Welt immer alles falsch zu machen, er dagegen hat keinen Grund, seine Sicht auf die Dinge zu hinterfragen oder gar zu ändern). Mich würde es wahnsinnig erleichtern, diese Diskrepanz zwischen unseren Mindsets durch eine für ihn auch "logische" Erklärung etwas zu entschärfen, damit wir gemeinsam in einem Boot sitzen können.

Habt ihr Gedanken zu diesem Thema? Oder gar eigene Erfahrungen? Ich bin auch für Rat und Vorschläge offen! Insbesondere interessiert mich, wie ich unsere Kommunikation verbessern kann. Ob ich ihn doch vorsichtig an das Thema heranführen sollte?
 
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Dabei
3 Jan 2019
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#2
Ja, hallo erstmal...

ich habe auch kein Expertenwissen, aber eines beschäftigt mich. Du schreibst
(leider scheine ich in seiner Welt immer alles falsch zu machen, er dagegen hat keinen Grund, seine Sicht auf die Dinge zu hinterfragen oder gar zu ändern)
Warum meinst Du, dass Du etwas bei Dir ändern sollst? z.Bsp.:
Ich versuche mich trotzdem so gut es geht auf seine Denkweisen einzulassen, bin sehr kompromissbereit; merke aber selbst, dass ich oft an meine Grenzen stoße. Es fühlt sich in unserer Beziehung generell nach einem Ungleichgewicht an, als würde ich ständig mehr geben müssen, um seinen Mangel auszugleichen.
Es ist ein Ungleichgewicht! Nur ER ist ja rundum zufrieden und sieht nicht ein, warum er etwas ändern sollte. So lange aber das der Fall ist, wirst Du nie mit ihm "gemeinsam in einem Boot sitzen können". (Meine Meinung)

Irgendwie erinnert mich das an eine Geschichte von einem Jungen, der seit seiner Geburt nie ein Wort sprach. Alle glaubten er sei stumm, bis er als 12 jähriger beim Mittagessen plötzlich "Salz fehlt" sagte. Daraufhin herrschte in der Familie große Verwunderung, und man fragte ihn warum er denn nie etwas gesagt habe, obwohl er sprechen konnte. Die Antwort war: "Warum? Es war doch immer alles da."
 
Dabei
6 Mrz 2013
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#3
Eigene Erfahrungen habe ich damit nicht. Aber ich habe mich neulich mal mit einem Menschen unterhalten, der sich selber so ähnlich beschrieb wie du deinen Freund. Der hatte beim Eintritt ins Berufsleben gemerkt, dass er Probleme hat und sich selber Strategien zurechtgelegt, damit klarzukommen. Er ging mit dem Thema ganz offen(siv) um. Das war eine ausgesprochen interessante Unterhaltung mit einem sehr interessanten Menschen.

Irgendwie ist mir noch nicht ganz klar, warum du ein Problem mit deinem Freund hast, denn:
Jene Momente, in denen wir Nähe teilen können, sind wunderschön. Ich kann ich mir keine schöneren Augenblicke vorstellen, wenn er seine Zuneigung und Liebe doch offen zeigt.
Und er selbst kommt ebenfalls gut klar und sieht überhaupt kein Problem, wie du schreibst.

Daher verstehe ich auch das nicht:
dass ich das Gefühl habe, mich sowohl um ihn als auch um mich kümmern zu müssen
Wo meinst du denn, dass du ihn unterstützen musst? Nicht bei alltäglichen Verrichtungen und seinem Studium, also meinst du den zwischenmenschlichen Kontakt? Du schreibst, er versteht Zwischentöne und Ironie nicht usw. ER sieht da aber gar kein Problem. Und da du ihn offenbar gut kennst, kannst du diese Dinge, die er nicht versteht, ja vermeiden. Wenn er die Interaktion mit anderen Leuten trotzdem ok findet, wo ist dann das Problem? Das kommt doch erst dann auf, wenn andere sich von ihm abwenden und er nicht versteht wieso.

ich mich durch sein (meist abwesenden, scheinbar geringschätzendes) Verhalten gekränkt fühle
Wie passt das denn mit deiner Aussage zu euren Nähemomenten zusammen? Sind die dir zu selten? Ich vermute mal, dass er sich nur Menschen gegenüber öffnen kann, denen er stark vertraut. Also wird es sich dir öffnen, wenn ihr alleine, in einer entspannten Sitation seid. Und wenn ihr zB mit Kommilitonen zusammen seid, wird er dich eher nicht als "seine Freundin" bezeichnen. Ist es das, was dich stört? Wieso? Du schreibst ja selber "scheinbar" geringschätzig. Du weißt doch dass er dich liebt. Auch Nicht-Autisten gehen mit ihrer Freundin zT anders um, wenn sie in Gesellschaft sind.

Wenn ich ehrlich bin, dann hätte eine Konfrontation für ihn auch keinerlei Mehrwert: er steht total im Leben und fühlt sich auch gar nicht "beeinträchtigt".
Unserer Beziehung und mir täte eine klare Aussprache und etwas mehr Verständnis seinerseits jedoch gut.
Warum/ inwiefern denn? Sagt er dir manchmal, dass DU dich falsch/ blöd/ unfair verhältst, während er mit dem Verhalten aller anderen Menschen gut klarkommt? Dann würde es doch genügen, wenn du dich auf die besondere Art, die er hat, noch besser einstellst.

Du hast hier offenbar einen sehr interessanten, ungewöhnlichen Menschen als Freund. Du bist selbst in der Lage, seine Defizite zu analysieren. Solange er kein Problem hat und daher auch nicht daran arbeiten will, bleibt dir nichts anderes übrig als abzuwägen, ob das so unterm Strich schön für dich ist.
 
Dabei
25 Mrz 2020
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#4
Wenn ich ehrlich bin, dann hätte eine Konfrontation für ihn auch keinerlei Mehrwert: er steht total im Leben und fühlt sich auch gar nicht "beeinträchtigt".
Unserer Beziehung und mir täte eine klare Aussprache und etwas mehr Verständnis seinerseits jedoch gut. Ich hätte so gerne, dass er wahrnimmt, dass gewisse Probleme auch an "ihm" liegen (leider scheine ich in seiner Welt immer alles falsch zu machen, er dagegen hat keinen Grund, seine Sicht auf die Dinge zu hinterfragen oder gar zu ändern). Mich würde es wahnsinnig erleichtern, diese Diskrepanz zwischen unseren Mindsets durch eine für ihn auch "logische" Erklärung etwas zu entschärfen, damit wir gemeinsam in einem Boot sitzen können.

Habt ihr Gedanken zu diesem Thema? Oder gar eigene Erfahrungen? Ich bin auch für Rat und Vorschläge offen! Insbesondere interessiert mich, wie ich unsere Kommunikation verbessern kann. Ob ich ihn doch vorsichtig an das Thema heranführen sollte?
Denke schon, dass eine Konfrontation einen Mehrwert bringen würde. Du beschreibst, dass er sich schwer tut Gefühle, Mimik und Co zu erkennen. Wie soll er denn dann erkennen, wie es dir geht? Wie er mit seiner Umwelt interagiert kann dir im Großen und Ganzen ja egal sein, solange es dich nicht direkt betrifft. Du musst einen Mann, der ja sogar klar zu kommen scheint, nicht vor irgendwas schützen oder ihn ausgleichen. Somit seid ihr zwei als Partner im Fokus und IHR müsst miteinander klar kommen. So wirst du doch nicht glücklich.

Weder mein Vater noch ich haben da eine Diagnose, jedoch passt das beschriebene Verhalten vor allem bei meinem Vater. Ich selbst kann mich teilweise mit deinem Freund identifizieren. Streit war in der Familie natürlich vorprogrammiert, vor allem weil meine Mutter eine sehr emotionale Person ist. Da half nur eine Familientherapie. Meine Mutter arbeitet daran sich direkt klarer und ohne Vorwürfe auszudrücken und vor allem auch entspannter auf, für Sie unlogische Reaktionen zu reagieren. Mein Vater hat angefangen Differenzen aufzuschreiben um sie besser verstehen zu können und antwortet in Briefform auf die "Vorwürfe" meiner Mutter. Es ist inzwischen ein deutlich besseres miteinander.
Aus dem In-Sich-Hineinfressen resultieren oft scheinbar übertriebene und unlogische Verhaltensweisen. Diese sind schon für "normale" Menschen schwierig nachzuvollziehen. Da kannst du dir vielleicht vorstellen, dass es für jemanden, der sowieso schon "Defizite" im Zwischenmenschlichen hat und sehr Logik-orientiert ist, schon fast unmöglich ist das Problem zu erkennen.
 
Dabei
23 Nov 2016
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#5
Ich denke, es ist am Ende wurscht, ob eine Diagnose gestellt würde oder nicht. Denn was zählt ist, ob du sein Verhalten gut findest. So gut, dass du ihn als Partner willst. Ähnlich wie Bodo sehe ich aber in deinen Ausführungen auch recht viele Aspekte, mit denen du ja anscheinend unzufrieden bist. Du fühlst dich von deinem Freund missverstanden, er zeigt sich dir gegenüber emotionslos und kann sich nicht in dich hineinversetzen. Für ihn macht er keine Fehler und du gibst mehr in der Beziehung als er. Stellt sich für mich die Frage: würde sich für dich irgendwas ändern, wenn du eine Diagnose hättest? Wenn ja, warum? Wärst du dann weniger verletzt, würde es dich dann nicht mehr stören, wenn er zu dir gefühlskalt und uneinsichtig wäre? Wärst du dann in der Beziehung glücklicher?

Ich verstehe auch nicht, warum du mit ihm nicht darüber reden kannst. Natürlich würde ich ihm nicht eine laienhafte Diagnose um die Ohren hauen, da könnte ich sogar verstehen, dass er darauf ärgerlich reagieren würde. Aber du könntest ja thematisieren, dass du mit seiner Gefühlskälte in bestimmten Situationen nicht zurecht kommst und dass du dir von ihm wünschst, dass er mehr auf dich eingeht und sein Verhalten dir gegenüber reflektiert. Dass es dich verletzt. Wenn er das nicht ernst nimmt, hätte das für mich dann Konsequenzen. Ich persönlich möchte in einer Beziehung von meinem Partner ernst genommen und verstanden werden mit meinen Gefühlen. Das wäre für mich einfach wichtig. Daran würde auch eine Bescheinigung, die dem anderen Autismus diagnostiziert, leider nichts ändern.
 
Dabei
22 Mai 2010
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#6
Kannst du paar Beispiele nennen, in denen er sich die möglicherweise autistischen Momente deines Freundes zeigen?

Mich ließen beispielsweise Horrormeldungen von Nachrichten (verunglückte Menschen, Unfälle usw.) früher auch oft recht kalt bzw. es zog mich nie runter, da mir einfach bewusst war, dass solche und noch viel schlimmere Dinge tagtäglich passieren. Meine Ex-Freundin verstand das zu Anfangs auch nie, was dann auch in den einen oder anderen Streit ausuferte. Heutzutage zeige ich mich da auch "empathischer".
 
Dabei
6 Mrz 2013
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#7
Wie soll er denn dann erkennen, wie es dir geht?
Indem sie es ihm sagt.
jemanden, der sowieso schon "Defizite" im Zwischenmenschlichen hat
Er sieht aber doch keine Defizite.
was zählt ist, ob du sein Verhalten gut findest. So gut, dass du ihn als Partner willst.
Das finde ich auch entscheidend. Ich würde nie mit einem Menschen zusammen sein, den ich erst ändern (geht nicht)/ der sich erst ändern (geht allermeistens auch nicht) müsste, damit ich gern mit ihm zusammen bin.
Heutzutage zeige ich mich da auch "empathischer".
Heißt das, dass du dich verstellst? Ich würde nicht wollen, dass sich mein Partner empathisch "zeigt", wenn er das nun mal nicht ist. (Mich würde dein "natürliches" Verhalten in Bezug auf die Horrormeldungen allerdings nicht stören.)
 
Dabei
25 Mrz 2020
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#8
@Twi-n-light verstehe deine Kommentare auf meine Antwort nicht wirklich. Den Rest hast du schon gelesen, oder?
Die Frage war im übrigen eine rhetorische Frage, nachdem ich schon vorher gesagt habe, dass ich eine Konfrontation für sinnvoll halte.

Ob er da Defizite hat oder nicht, ist an der Stelle irrelevant. Fakt ist: er sieht laut der TE kein Problem, sie aber schon. Wie soll er denn dann ein Problem erkennen, wenn sie nichts sagt und sogar laut TE Defizite aufweisen soll.
 
Dabei
3 Jan 2019
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#9
Wie soll er denn dann ein Problem erkennen, wenn sie nichts sagt und sogar laut TE Defizite aufweisen soll.
Das meinte ich mit meinem Beispiel vom "stummen Kind". Wenn es tatsächlich Probleme gibt, sollte man sie auch benennen bzw. ausdiskutieren können. Ansonsten ist es für den Anderen so, als ob alles in Ordnung wäre.

Ich kenne mich nicht mit Autismus aus, aber ich denke der Partner der TE ist eben sehr "ich-bezogen" und das mag auch funktionieren, solange er jemanden hat, der das mitgeht. Vielleicht könnte man ihn auch einen Egoisten nennen. Natürlich versucht man sich das ganze schön zu reden, aber letztlich ist es nicht zu ändern. Ich kannte mal jemanden, dessen Freundin alles Mögliche für ihn tat. Er hat sie aber nie als (Lebens)Partnerin gesehen, sondern eher als Zeitvertreib, bis er seine "wirkliche" Partnerin gefunden hatte. Im Endeffekt ist es nur verschwendete Lebenszeit, voll Hoffnungen und Enttäuschungen, wenn man sich darauf einlässt...sorry.
 
Dabei
6 Mrz 2013
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#10
Ich kannte mal jemanden, dessen Freundin alles Mögliche für ihn tat. Er hat sie aber nie als (Lebens)Partnerin gesehen, sondern eher als Zeitvertreib, bis er seine "wirkliche" Partnerin gefunden hatte. Im Endeffekt ist es nur verschwendete Lebenszeit, voll Hoffnungen und Enttäuschungen, wenn man sich darauf einlässt...sorry.
Ich finde das kann man nicht mit einem Autisten vergleichen. Falls er ein Autist/ vielleicht Asperger ist, dann ist er immer so. Dann liegt das nicht daran, dass er noch nicht seine "wirkliche" Partnerin gefunden hat. Wenn man sich ganz bewusst auf so jemanden einlässt und ihn so akzeptiert wie er ist (also anders, besonders), muss das absolut keine verschwendete Lebenszeit sein.
 
Dabei
3 Jan 2019
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#11
Wenn man ihn akzeptiert wie er ist, dann will man aber auch keine Änderung. Ich bezweifle aber sehr, ob es sich in diesem Fall überhaupt um einen Autisten - von mir aus Asperger - handelt. Wir kennen ja nur die Darstellung der TE und da würde ich sagen: Wenn Du mit ihm nicht klarkommst, dann lass es - er ist ja zufrieden.
Wenn ich ehrlich bin, dann hätte eine Konfrontation für ihn auch keinerlei Mehrwert: er steht total im Leben und fühlt sich auch gar nicht "beeinträchtigt".
 
Dabei
4 Jan 2021
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#12
Danke erstmal für die vielen Anstöße!
Leider kriege ich das mit dem Zitieren nicht hin; deshalb ein bisschen umständlicher für euch:

Weil das Thema war: Ich kommunizieren mittlerweile äußerst klar und eindeutig mit ihm, weil uns das als einziges weiterbringt. Auch, wenn das eigentlich gar nicht meine Art wäre, sage ich Dinge wie "Ich will jetzt kuscheln" oder "du sitzt so weit weg, komm her". Damit sage ich einfach unmissverständlich, was ich will, auch wenn ich normalerweise nicht so befehlshaberisch bin.

Genauso deutlich spreche ich auch die Dinge an, die mich stören. Zumindest jeweils einzelne Bereiche. Leider versteht er meinen Standpunkt überhaupt nicht. In seinen Augen übertreibe ich bei meinen Darstellungen maßlos (wahrscheinlich bin ich in Relation zu seiner Wahrnehmung ja wirklich "überemotional"?). Was auch Probleme macht, sind generelle Darstellungen meiner Gefühle oder Wahrnehmungen. Da sehe ich ihm richtig an, dass er es nicht nachvollziehen kann. Deshalb auch hier der Versuch, möglichst eindeutige Beispielsituationen zu finden, um ihm Anhaltspunkte zu liefern. Leider fokussiert er sich dann aber wieder auf das "Spezialproblem" (Beispiel: Ich wollte ihm schildern, dass ich mich sehr freuen würde, wenn er mir seine Wertschätzung mehr zeigen würde, beispielsweise in Form von kleinen Gesten - ich habe da ins Treffen geführt, dass ich, wenn er übers Wochenende zu mir kommt, schon im Vorhinein überlege, was ich denn für ihn einkaufen könnte (unsere Geschmäcker gehen sehr auseinander), das ihm besonders mundet bzw. seine Lieblingsnaschereien daheim habe etc.; darauf hat er geantwortet, dass sein Kühlschrank, wenn ich bei ihm bin, eh immer voll ist und ich mir immer etwas finde, er also nichts zusätzliches kaufen müsse).

Beispiele? an allererster Stelle steht für mich die Empathielosigkeit gefolgt von der Unfähigkeit, Emotionen und Mimik zu deuten. Auch über seine eigenen kann er nicht wirklich sprechen bzw sie identifizieren; wir haben letztens rumgealbert und ich habe Grimassen geschnitten; da meinte ich, er solle mal traurig schauen - worauf er antwortete "Ich weiß nicht, wie man traurig schaut.", was er vollkommen ernst gemeint hat. Witze versteht er überhaupt nicht oder als Letzter. In solchen Situationen versuche ich, es ihm zu erklären, dann kann er auch lachen. Ironie und Sarkasmus sind ihm ein Rätsel, wenn sie nicht außerordentlich übertrieben sind - wir wollten einmal einen Satirefilm schauen, was wir aber abbrechen mussten, weil er ihn nicht als Witz erkennen konnte und alles ernst genommen hat - der Film hat ihm freilich so überhaupt nicht gefallen; außerdem konnte er mir bis einige Monate nach unserem Kennenlernen nicht gezielt (länger) in die Augen schauen, obwohl wir schon sehr innige Momente hatten und zB auch Sex - fehlender Blickkontakt ist mittlerweile aber Geschichte; bei Sozialkontakten wirkt er oft sehr begriffsstutzig, weil er den Erzählenden immer wieder unterbricht, um nähere (nach allgemeiner Ansicht) unnötige Details zu hinterfragen, während er aber die notwendigen (unausgesprochenen) Zusammenhänge (zB, dass ein Subjekt/Name für den nachfolgenden Satz ebenfalls gilt, also immer noch die Person aus dem ersten Satz mit "er" oder "sie" gemeint ist); besonders auffällig ist, dass er kein ordentliches Smalltalk-Gespräch führen kann; vor allem, wenn ich einfach mit ihm plaudern möchte, über Gott und die Welt, kriege ich nur einsilbige Antworten wie "ja", "nein" oder er lacht nur über eine von mir witzig gemeinte Bemerkung und das wars. Das ist etwas, das mich ebenfalls kränkt, weil ich damit zu verstehen bekomme, dass es ihm nicht wert ist, mit mir zu plaudern. Manchmal vergehen ganze Tage, an denen wir kaum reden. Einmal habe ich einen ganzen Tag sozusagen absichtlich geschwiegen, um zu testen, wie er darauf reagiert - hat der gute nicht einmal gemerkt, wie er am Abend gestanden hat. Andererseits kann er über Dinge, die ihn interessieren, sehr hitzig diskutieren!

Betreffend eine Diagnose: Ich habe lediglich Internetwissen sowie ein Praxishandbuch zum Thema Autismus gelesen; nach der neuen Klassifizierung, dass es ein "Spektrum" gibt, könnte ich mir vorstellen, dass er da am sehr leichten Ende des Spektrums ist. Nach der alten Einteilung (Frühkindlicher Autismus, Asperger etc) würde er nach den geltenden medizinischen Richtlinien ohnehin keine bestätigende Diagnose erhalten, weil diese Eigenschaften viel zu schwach ausgeprägt sind und er in seinem Leben so überhaupt nicht davon beeinträchtigt ist.
Darum geht es mir also gar nicht so recht. Vielmehr wäre das eine Art faktisches Argument, das ich ihm aufzeigen könnte (er ist ein sehr logisch-faktenbasierter Mensch). Meine vielen Hinweise, dass er völlig anders denkt als andere Menschen in meinem Umfeld oder Hinweise auf die geschilderten "Eigenheiten" erhellen ihn oder mich ja - wie gesagt - kaum.
Insbesondere wäre für mich wichtig, dass er zu verstehen lernt, dass es nicht immer nur eine Ansicht gibt. Es würde reichen, wenn wir zu dem Kompromiss kommen, dass beide Ansichten (mehr oder weniger) gleichwertig sein können, ohne, dass jemand "verlieren muss". Leider argumentiert er stets mit Fakten und Logik, von der er auch unter keinen Umständen abweichen will. Ich denke ganz anders und lege in Diskussionssituationen einfach dar, dass ich mir auch noch diesen oder jenen Aspekt vorstellen könnte, den er dabei noch beachten muss, bevor er eine seiner "alles oder nichts Statements" macht. In einem anderen Gespräch hat er mir dann aber sogar gebeichtet, dass es ihn wahnsinnig aufregt, wenn ich nicht einfach "nur" auf sein Statement eingehe (er meinte es damals iSv ihn bestätigen).

Besonders hitzig war einmal die Situation, in der ich ihm erklären wollte, dass es nicht immer nur eine logische Lösung gibt/sein muss: Ich meinte damit, dass man auch aus Zuneigung, Nachgiebigkeit oder was weiß ich für anderen Gründen einmal eine (in seinen Augen) unsinnige Lösung wählen kann/sollte - zum Beispiel dem Partner zuliebe einen Umweg oder Mehraufwand in Kauf nehmen. Das blieb irgendwie auch unfruchtbar...

Hier könnte ich gleich einhaken: Es stimmt, dass er sehr Ich-bezogen ist. Früher fühlte ich mich dadurch verletzt, weil ich dachte, ich wäre ihm egal. Aber das weiß ich heute freilich besser. Ich bin mir auch seiner Gefühle für mich absolut sicher - nur zeigt er sie mir sehr selten und (wenn ich ehrlich bin) für mich nicht im ausreichenden Maß. Darüber wurden auch schon etliche Gespräche geführt - später hat er sogar gestanden, dass er sich sehr bemüht, mir mehr körperliche Nähe im Alltag zu bieten, weil "er weiß, dass ich das gerne hätte". Implizit bedeutet das aber, dass er sich aktiv dazu anhalten muss und nicht von sich aus diese Nähe brauchen würde. Das finde ich schade.

Als ich von "unterstützen" gesprochen habe, meinte ich in erster Linie emotional. Ich bin wirklich für ihn da, versuche seinen Stress zu lindern und stehe ihm natürlich wie jeder gute Partner in schwierigen Phasen bei. Leider funktioniert es im umgekehrten Falle aber nicht - er analysiert meine "Probleme" nach logischen Eckpunkten und das wars. Ich werde ihm diesbezüglich in der nächsten Situation klar und deutlich sagen, dass er mich einfach in den Arm nehmen und "alles wird gut, wir machen das schon" sagen soll. Leider bin ich in solchen Momenten selbst so von meinen Gefühlen erfüllt, dass ich nicht direkt eine Diskussion vom Zaun brechen wollte. Werde mir aber zumindest das zu Herzen nehmen.

Bestimmt spreche ich hier aber Probleme an, die auch in "typischen" Partnerschaften vorkommen, vielleicht nicht so gehäuft?
Ich muss auch dazusagen, dass ich hier nur die schlechten Seiten der Beziehung schildere; wie glücklich wir (sonst so) sind oder wie die Beziehung tatsächlich aussieht, lässt sich hier ja nicht abbilden.

Puh, das ist jetzt sehr lang geworden. Hoffentlich macht sich jemand die Mühe, das auch zu lesen...

Ich danke euch aber allen für euren Input! Für mich ist es total erleichternd, meine Gedanken loszuwerden.
Bislang habe ich eigentlich immer das Gefühl gehabt, dass ich mir die Situationen und Schlüsse nur einbilde (so gibt er es meistens zu verstehen); mittlerweile habe ich mit einer guten Freundin von ihm sprechen können (ohne meinen Verdacht zu äußern), die zumindest gewisse Eigenschaften, die ich meine wahrzunehmen, bestätigt hat.
Bitte teilt mir doch eure Gedanken mit - es scheint ja sogar welche unter euch zu geben, die ein bisschen mehr Einblick in die Thematik haben als ich!
 
Dabei
6 Mrz 2013
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#13
So schwierig ist das Zitieren nicht: Einfach den Text markieren, dann auf +Zitat klicken, dann ist der Text gemerkt. Wenn du alle Zitate gespeichert hast dann im Antwortfeld auf "Anführungszeichen einfügen" (ist unten) klicken.
Genauso deutlich spreche ich auch die Dinge an, die mich stören. Zumindest jeweils einzelne Bereiche. Leider versteht er meinen Standpunkt überhaupt nicht. In seinen Augen übertreibe ich bei meinen Darstellungen maßlos (wahrscheinlich bin ich in Relation zu seiner Wahrnehmung ja wirklich "überemotional"?).
Kannst du mal ein Beispiel dafür geben? Also was dich konkret stört und wie du sowas konkret ansprichst?

Ich habe das Gefühl, dass es hier einige Punkte gibt, bei denen viele Männer (nach meiner Erfahrung) so sind, zum Beispiel:
(Beispiel: Ich wollte ihm schildern, dass ich mich sehr freuen würde, wenn er mir seine Wertschätzung mehr zeigen würde, beispielsweise in Form von kleinen Gesten - ich habe da ins Treffen geführt, dass ich, wenn er übers Wochenende zu mir kommt, schon im Vorhinein überlege, was ich denn für ihn einkaufen könnte (unsere Geschmäcker gehen sehr auseinander), das ihm besonders mundet bzw. seine Lieblingsnaschereien daheim habe etc.; darauf hat er geantwortet, dass sein Kühlschrank, wenn ich bei ihm bin, eh immer voll ist und ich mir immer etwas finde, er also nichts zusätzliches kaufen müsse).
Da finde ich an seiner Antwort ehrlich gesagt nichts Falsches. Wenn er Sachen im Kühlschrank hat die dir schmecken, wo ist dann das Problem? (Zudem hast du indirekt kommuniziert, du hast gesagt, was DU für IHN machst und nicht was du dir von IHM für DICH wünschst. Immerhin hat er das trotzdem kapiert.)
besonders auffällig ist, dass er kein ordentliches Smalltalk-Gespräch führen kann; vor allem, wenn ich einfach mit ihm plaudern möchte, über Gott und die Welt ...Das ist etwas, das mich ebenfalls kränkt, weil ich damit zu verstehen bekomme, dass es ihm nicht wert ist, mit mir zu plaudern. ... Andererseits kann er über Dinge, die ihn interessieren, sehr hitzig diskutieren!
Er ist da eben ein Pragmatiker. Das nimmst du mE zu persönlich. Wieso soll es ein Zeichen von mangelnder Wertschätzung eines anderen Menschen sein, wenn man sich mit ihm nicht über unwichtige Dinge unterhalten mag?

Leider funktioniert es im umgekehrten Falle aber nicht - er analysiert meine "Probleme" nach logischen Eckpunkten und das wars.
Was ist so schlimm daran? Eine sachliche Analyse deiner Probleme kann dir doch auch weiterhelfen, vielleicht viel besser als ein "Hach, ich versteh dich so gut, das ist wirklich scheiße!"

Ich bin mir auch seiner Gefühle für mich absolut sicher - nur zeigt er sie mir sehr selten und (wenn ich ehrlich bin) für mich nicht im ausreichenden Maß. ... Implizit bedeutet das aber, dass er sich aktiv dazu anhalten muss und nicht von sich aus diese Nähe brauchen würde. Das finde ich schade.
Da gibt es häufig "Differenzen" zwischen 2 Partnern. Daran wirst du auch nichts ändern können.

Wenn du mit ihm zusammen bleiben willst, muss du auf bestimmte Dinge verzichten.
(Wieso schaut man mit so jemandem einen Satirefilm? Er versteht nun mal keine Satire.)
Kommt halt darauf an wie wichtig dir das ist, wenn du das mit dem Schönen in eurer Beziehung gegenüberstellst.

er lacht nur über eine von mir witzig gemeinte Bemerkung und das wars.
Da hat er den Witz aber immerhin kapiert?

Insbesondere wäre für mich wichtig, dass er zu verstehen lernt, dass es nicht immer nur eine Ansicht gibt. Es würde reichen, wenn wir zu dem Kompromiss kommen, dass beide Ansichten (mehr oder weniger) gleichwertig sein können, ohne, dass jemand "verlieren muss".
Das wäre was, was mich auch stören würde. Für mich wäre das vermutlich ein Knackpunkt. Ich wäre gern mit einem interessanten Menschen zusammen, der ganz anders tickt als ich, aber ich mag keine zermürbenden Debatten. Wahrscheinlich würde ich dann mit ihm nicht mehr über solche Dinge diskutieren. Dann käme es drauf an, ob mir das fehlt.
Ich hatte auch mal einen Freund, der entweder keinen Humor oder jedenfalls einen völlig anderen hatte als ich. Da er bestimmte Jokes in negativem Sinne persönlich nahm, habe ich auf diese eben verzichtet und sie mit anderen Menschen gemacht. Der Verzicht war nicht so schlimm dass ich die Beziehung deswegen schlechter oder gar beendenswert gefunden hätte.
Du kannst dir keinen Partner backen, keiner wird 100% so sein, dass er für dich passt. Manche Sachen muss man dann halt "auslagern", also Satirefilme zB mit einer Freundin schauen. Wenn was Wesentliches nicht passt (zB der eine hat einen Kinderwunsch, der andere nicht; bei mir wäre es zB auch was Wesentliches wenn der Mann ein Choleriker wäre), muss man sich trennen.
Ich glaube nach wie vor nicht, dass du ihn verändern wirst. Du musst dir nur darüber klarwerden, ob du unterm Strich mit ihm eine schöne Zeit hast oder nicht.
 
Dabei
4 Jan 2021
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#14
Ich danke euch für das kritische Feedback! Eine Drittmeinung von außen tut manchmal richtig gut und erweitert den Horizont ;)

Sicher gebe ich zu, dass ich nicht mit allem in unserer Beziehung einverstanden bin, aber wie ihr sagt: Ich muss entscheiden, ob ich so glücklich sein kann. Da habt ihr völlig Recht!
Momentan überwiegen jedenfalls die schönen Zeiten.
Kommunikation wird immer ein Thema sein, aber vielleicht lerne ich auch von ihm und seinen Ansätzen. Gut genutzt können wir uns dadurch sicher auch ergänzen.

Ich tue mir sicher gut daran, meine Bedürfnisse klar zu artikulieren, diese Kunst ist sowieso überall von Vorteil. Mit euren Antworten habe ich eh viel zu überdenken!


Alles Liebe an euch.
 
Dabei
5 Jun 2015
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2.170
#15
Hallo Lavendelblau
Zum Thema Kommunikation beschäftige ich mich im Moment mit dem Modell der gewaltfreien Kommunikation
Da gibt es wunderbare kostenlose Einstiege im Internet.
Das hat mein Bewusstsein noch einmal deutlich Erweitert und macht mir meine eigenen inneren Vorgänge transparenter ich kann das sehr weiter empfehlen
Wenn du Interesse hast, kann ich dir meinen Lieblingsautor per Pn zuschicken
 
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