Mehr Logik, weniger Gefühle

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In dubio pro libertate

Gast
#1
Liebes Forum,

vor einigen Monaten bin ich von einer Frau auf schwerwiegende Weise hintergangen worden. Zu den Hintergründen möchte ich mich nicht äußern, da sie a) für meine Fragestellung nicht von Belang sind und b) mich identifizierbar machen könnten.

Es war nicht das erste Mal, dass ich mit einer Frau schlechte Erfahrungen machen musste, aber so schwerwiegend wie in diesem Fall war es noch nie. Der Vertrauensbruch, den ich durch diese Frau erleben musste, hat mich daher schwer getroffen und aus der Bahn geworfen. Ich habe einige Zeit gebraucht, um ihn zu verarbeiten. Inzwischen habe ich damit abgeschlossen; auch habe ich über Konsequenzen nachgedacht, die ich für mich ziehen muss, um in Zukunft "krisenfester" zu sein.

Mein Fehler in der Vergangenheit war öfters der, dass ich (zu) schnell euphorisch wurde, wenn sich eine neue Beziehung ergeben hat. Leider ist es so, dass man tatsächlich "blind" ist, wenn der Himmel voller Geigen hängt – ich denke, dahingehend muss ich euch nichts erzählen. Verliebtheit ist eben ein gefährliches Spiel. Eigentlich will ich mich gar nicht mehr so schnell verlieben und eine Beziehung am Anfang eher auf Logik und Verstand aufbauen – ähnlich einem Vulkanier, der ja bekanntermaßen auch keine Emotionen kennt.

Daher habe ich für mich überlegt, dass ich meine Gefühle für eine Frau solange zügeln möchte, bis ich mir sicher sein kann, dass sie

a) zu mir steht,
b) mich nicht schon zu Anfang einer Beziehung betrügt und
c) meine Gefühle erwidert.

Nun ist das mit Emotionen so eine Sache, aber es scheint Menschen zu geben, die es sehr gut beherrschen, Sachverhalte vor allem aus einer rationalen Sichtweise heraus zu betrachten, was ihnen einen klareren Blick verschafft – auch, wenn etwas sie selbst betrifft. Dies würde ich mir in Beziehungsangelegenheiten gerne aneignen. Daher frage ich euch:

Wie kann ich es schaffen, von Zuneigung geprägte Emotionen (z. B. Verliebtheit) so lange und so gut wie möglich zu "verhindern" bzw. zu "unterdrücken", damit ich nicht angreifbar bin?

Mein Bestreben, eine Beziehung mit weniger Herz und mehr Logik anzugehen, ist im Übrigen auf die erste Zeit einer Beziehung beschränkt. Sobald ich sehe, dass eine Frau es mit mir wirklich ernst meint und ich weiß, dass sie zu mir steht, würde ich mich ihr gefühlsmäßig öffnen.

Vielen Dank im Voraus für eure Antworten.

Mit besten Grüßen,
In dubio pro libertate
 
Dabei
22 Mrz 2021
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#2
Wie kann ich es schaffen, von Zuneigung geprägte Emotionen (z. B. Verliebtheit) so lange und so gut wie möglich zu "verhindern" bzw. zu "unterdrücken", damit ich nicht angreifbar bin?
Indem du dich daran stets selbst erinnerst.
Jedoch bezweifele ich, dass sich 'ne Frau das lange gefallen lässt, quasi zu "kämpfen" und nicht wirklich zu wissen, wofür.
 
Dabei
7 Sep 2023
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#3
Mein Fehler in der Vergangenheit war öfters der, dass ich (zu) schnell euphorisch wurde, wenn sich eine neue Beziehung ergeben hat. Leider ist es so, dass man tatsächlich "blind" ist, wenn der Himmel voller Geigen hängt – ich denke, dahingehend muss ich euch nichts erzählen. Verliebtheit ist eben ein gefährliches Spiel.
Korrekt. Auch das Leben als solches ist ein gefährliches Spiel (und endet meistens tödlich). Es fällt leichter, wenn man das alles nicht ganz so ernst nimmt.

Daher habe ich für mich überlegt, dass ich meine Gefühle für eine Frau solange zügeln möchte, bis ich mir sicher sein kann, dass sie

a) zu mir steht,
b) mich nicht schon zu Anfang einer Beziehung betrügt und
c) meine Gefühle erwidert.
Sicherheit gibt es nie. Sich zu sehr auf Ehrlichkeit zu verlassen, kann zu bösen Überraschungen führen. Gefühle ändern sich. Für die meisten von uns gilt: Die einzige Frau, die dich bedingungslos liebt, ist deine Mutter.

Hinsichtlich deiner Frage: @Landlady_bb hat da meiner Meinung nach den Nagel auf den Kopf getroffen. Natürlich ist die Frau in derselben Lage wie du. Nur dass die meisten Frauen besser darin sind, besagte Gefühle zu zügeln, als unsereins.
 
Dabei
24 Sep 2017
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#4
Hey hi, tut mir leid, dass dir das passiert ist und jetzt schlecht geht.
ähnlich einem Vulkanier, der ja bekanntermaßen auch keine Emotionen kennt.
Voll gut, dass du das sagst. Vulkanier haben sich aktiv für die Logik entschieden, durch Rationalität, Philosophie und Lebenswandel. Davor waren sie sehr emotional und hätten weiter alles durch Krieg in Schutt und Asche gelegt. Sie fühlen noch immer Emotionen, handeln aber nicht nach ihnen.
Ich würde dir das auch so empfehlen, wenn du dich so neu entwickeln möchtest: Lass es eine bewusste Entscheidung in deinem Leben sein. Werde vegetarisch/vegan, trinke keinen Alkohol, lebe gesamt in Einklang mit dir und deinen Überzeugungen, unabhängig von Liebesbeziehungen - und schau Star Trek. Das Coole an Star Trek ist, es gibt so viel davon, wenn du das eine gesehen hast, schau das andere - es wird Jahre dauern, bis du da durch bist, dann kannst du wieder das erste anschauen, weil es so lange her ist. 🩷 Du solltest eine neue Person werden und nicht nur so tun, vor allem beim Dating, denn das wird schiefgehen.
Du wirst so, denke ich aber, nur an Menschen geraten, die da dann ähnlich ticken, also ihre Emotionen nicht so überschwenglich zeigen. Wenn das für dich so in Ordnung geht, dann ja.
 
Dabei
7 Sep 2023
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#6
@Landlady_bb , ich habe dich da schon genau so verstanden, wie du sagst - und bin ganz derselben Meinung. Das Buhlen und Kämpfen ist typischerweise Aufgabe des Mannes, und Gefühle zu zeigen gehören mit dazu; warum sollte man sich ohne Gefühle überhaupt auf jemand anders einlassen? Wer da nicht mitmacht, nimmt erst gar nicht am Rennen teil.

Trotzdem sollte einem halt klar sein, was auf einen zukommen kann, und dass die rosarote Brille der Verliebtheit eben das ist - eine Brille, die einem den Blick auf die Wirklichkeit verfälscht. Wenn man das weglassen oder mindestens begrenzen kann, ist man doch besser dran?

Und mal ehrlich: Wäre ich eine Frau, würde ich da für eine Dauerbeziehung einen Typen wollen, der in seinem Gefühlsüberschwang (aka Verliebtheit) offensichtlich von falschen Voraussetzungen ausgeht und unweigerlich irgendwann mal mit der Wirklichkeit meiner Person konfrontiert würde? Das wäre doch ein Rezept für ein Desaster! Trifft natürlich andersrum (also verliebte Frau vs. nüchterner Mann) genauso zu.

Dabei gehe ich von der Annahme aus, dass man eine stabile dauerhafte Beziehung wünscht. Ist man an einer kurzen rauschhaften Affäre interessiert (geht ja wohl vielen Leuten so), und nimmt den anschließenden Absturz in Kauf, sieht das natürlich anders aus. Aber auch dann sollte man wissen, was läuft.

Eigentlich will ich mich gar nicht mehr so schnell verlieben und eine Beziehung am Anfang eher auf Logik und Verstand aufbauen – ähnlich einem Vulkanier, der ja bekanntermaßen auch keine Emotionen kennt.
So was funktioniert, wenn überhaupt, nur in arrangierten Ehen. Oder auf Vulkan. Und selbst da gibt es Pon Farr.
 
Dabei
22 Mrz 2021
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#7
Das Buhlen und Kämpfen ist typischerweise Aufgabe des Mannes,
- was mMn übrigens genauso extrem und deshalb genauso falsch ist wie das Verlangen, was ich bei @In dubio pro libertate herauslese.
Offtopic:

Als erotisches phantasiegeprägtes Rollenspiel find' solches Buhlen und Kämpfen reizvoll, aber nicht als generelles reales Verhalten in der Partnerschaft oder zu deren Anbahnung.

Wer Nähe und Wärme wünscht, der muss imstande und gewillt sein, selbst Nähe und Wärme zu geben.
Wer das nicht kann oder nicht will und stattdessen auf Distanz und Kälte setzt, der darf sich nicht wundern, wenn er keine Nähe und Wärme bekommt, sondern ebenfalls Distanz und Kälte.
Gilt für Weiblein wie Männlein wie was weiß ich.
Mit anderen Worten: Wie man sich bettet, so schallt es heraus.
 
Dabei
7 Sep 2023
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#8
"Buhlen und Kämpfen" waren deine Worte (allerdings als hypothetische Rolle von Frauen). Ich habe sie nur aufgenommen.
Aber ja, wie schon gesagt: Ich stimme dir voll zu.

Offtopic: Wie erzeugt man eigentlich diesen "Offtopic:"-Einschub?
 
Dabei
22 Mrz 2021
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#9
Offtopic: Wie erzeugt man eigentlich diesen "Offtopic:"-Einschub?
Durch folgende Eingabe auf der Tastatur:
eckige Klammer auf
Buchstabe O Buchstabe T
eckige Klammer zu.

Jetzt gibste deinen themenfernen Text ein und dann
eckige Klammer auf
Schrägstrich
Buchstabe O Buchstabe T
eckige Klammer zu.

Probier mal, ob du mit dieser Beschreibung klarkommst.
 
Dabei
22 Mrz 2021
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#11
Daher habe ich für mich überlegt, dass ich meine Gefühle für eine Frau solange zügeln möchte, bis ich mir sicher sein kann, dass sie
Von denen sie gar nicht erst erfährt, dass du sie hast. - Die Gefühle.
Denn die willst du ja zügeln.
Da aber somit die Frau deine Gefühle für sie nicht erfährt, kann sie sie gar nicht "erwidern".
So viel mal zum Thema
In dubio pro libertate hat gesagt.:
Wenn also die betreffende Frau deinem Wunsch nach "mehr Logik" entspricht, so kann (und wird hoffentlich) sie dir genau das "erwidern", was du ihr vermittelst: Abwehr, Distanz, weil "Im Zweifel für die Freiheit".
Eine Frau, die wirklich klug und logisch denkt, kann somit gar nicht deine Partnerin werden.
Sie kann nämlich - deiner Logik entsprechend - nur dann deine Partnerin werden, wenn sie deine Kälte, deine Abwehr und deine "Freiheit" missachtet, indem sie dich mit Nähe und Wärme nervt.
Merkste selbst, dass deine Logik keine Logik ist, ja?
 
Dabei
24 Sep 2017
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#12
Huh.
Ich habe das gar nicht so verstanden, dass gar keine Gefühle mehr gezeigt werden, sondern dass man sich selbst ein bisschen bremst am Anfang, nicht zu schnell ins Träumen kommt und Probleme übersieht...
Das finde ich nämlich generell gar nicht schlecht. Aber dem Gegenüber nicht zeigen, dass man Interesse hat, das wird nicht funktionieren...
 
Dabei
6 Feb 2017
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#14
Ich würde im ersten Schritt analysieren, was genau Verliebtheit in mir auslöst.
Verliebe ich mich, sobald mir jemand Aufmerksamkeit schenkt? Oder sobald jemand flirtet? Sobald man miteinander zärtlich wird? Sobald ich jemanden lieb zu Kindern sein sehe? Oder geht es doch eher tiefer und ich verliebe mich mit der Zeit durch Gespräche und gemeinsames Zeit verbringen in Charaktereigenschaften?

Dann würde ich reflektieren, was für Anzeichen es bei den anderen schon für Unehrlichkeit gegeben hatte.

Und dann würde ich im Dating reflektieren, ob ich positives und negatives beides wahrnehme. Jede Person hat beides. Und das negative würde ich unter Beobachtung halten, bis ich es einordnen kann. Beispielsweise, wenn über die Ex gelästert wird. Vielleicht war die wirklich schrecklich, vielleicht war sie aber auch voll normal und der Mensch sieht einfach konsequent die Schuld beim Partner und würde irgendwann über mich so sprechen. Sowas speichere ich ab, bis ich einordnen kann, ob wirklich die Ex wirklich schrecklich war, oder ob er nicht so gut im reflektieren ist.
 

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