Inwieweit in die Beziehung der besten Freundin einmischen?

Dabei
4 Jul 2023
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#1
Hallo zusammen. Ich wüsste mal gerne eure Meinung zu der aktuellen Situation:
Meine beste Freundin ist nun seit 6 oder 7 Jahren mit ihrem Freund zusammen und ehrlich gesagt ist das in meinen Augen ein sehr ungleiches Paar. Ich mag ihn zwar wirklich gerne und wir sind auch befreundet, doch die Lebensvorstellung der beiden sind grundsätzlich verschieden. Ich habe das in all den Jahren eigentlich nie thematisiert, weil ich der Meinung bin, dass sie das für sich selbst wissen müssen und habe höchstens mal was gesagt, wenn etwas wirklich grenzwertig war. Er träumt eher vom luxuriösem Leben und sie mag es lieber rustikal. Daher sieht er sie manchmal als "Bauerntrampel, der froh sein kann ihn zu haben" und hat das auch in der Anfangszeit auch vor Freunden und Familie kundgetan. Manchmal rutschen ihm immer noch so Sachen raus wie "das darfst du nicht, weil ich verdiene mehr als du und zahle daher anteilig mehr xy (Miete, Lebensmittel, ...) Das waren dann halt die Momente, wo ich sie mal drauf angesprochen habe, wie deplatziert das ist. Es ist laut ihrer Aussage besser geworden und ansonsten hätten die beiden ja eine tolle Beziehung.
Nun sprach sie mich letztens an, weil sie schon einen Kinderwunsch hat und gerne in circa 2 Jahren Kinder haben wollen würde. Relativ zeitgleich ließ er sich noch bei mir aus, dass er niemals Kinder will. Daher habe ich sie beiläufig mal gefragt, ob die beiden über das Thema gesprochen hätten und sie meinte, dass es dafür doch noch zu früh sei, weil sie erst in zwei Jahren welche will. Würde ja reichen das kurz vorher mal anzusprechen. Sie erwähnte aber auch, dass ihr Freund nicht gut auf Kinder zu sprechen sei und sie das Thema deswegen hinauszögert. Ich meinte zu ihr, dass man nach der langen Zeit ja schon grob wissen sollte, was der andere bzgl. der Familienplanung will. Gerade weil die sogar vor zwei Jahren mit seinen Eltern gebaut haben. Ich habe daraufhin von ihr diesbezüglich nichts mehr gehört, jedoch schrieb er mich völlig panisch an und fragte, ob ein Kinderwunsch nur eine Phase sein könnte. Anscheinend hat sie ihn drauf angesprochen. Ich habe mich ziemlich aus der Unterhaltung rausgezogen, denn es fühlte sich falsch an, das mit dem Freund meiner besten Freundin auszudiskutieren. Er meinte aber, dass er definitiv nicht einknicken will und sie das akzeptieren muss.
Nun kam er vor wenigen Tagen wieder an und wollte ihr plötzlich einen Heiratsantrag machen und stellte es so dar, als würde sie ihn nun drängen. Das stimmt aber nicht und nachdem ich das klargestellt habe, meinte er auch beiläufig, dass eine sich ja eine verheiratete Frau eher weniger trennt, auch wenn es grundlegende Unstimmigkeiten gibt.

Ich mache mir halt Sorgen, aber bin halt eigentlich immer noch der Meinung, dass die beiden erwachsene Menschen sind und daher selbst einschätzen können sollten, ob das alles so ne gute Idee ist.
 
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Dabei
3 Jan 2019
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#2
Ich mache mir halt Sorgen, aber bin halt eigentlich immer noch der Meinung, dass die beiden erwachsene Menschen sind und daher selbst einschätzen können sollten, ob das alles so ne gute Idee ist.
So sehe ich das auch !

Ich würde vielleicht gelegentlich eine Bemerkung fallen lassen (so etwa: Gut, dass ihr nicht verheiratet seid...), denn manche Menschen wollen vom Partner nur das hören, was sie hören wollen. Da ist es vielleicht hilfreich, ihnen die Augen zu öffnen. Allerdings hast Du völlig recht: Sie sind erwachsene Menschen, die selbst wissen sollten, was sie wollen.

Generell würde ich aber (wenn überhaupt) mit beiden gleichzeitig darüber reden, damit jeder hören kann, wie der andere dazu steht.
 
Dabei
6 Mrz 2013
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#3
Ich finde, dass du das bis jetzt ganz gut gemacht hast.
Tiefer einsteigen würde ich da auch nicht und schon gar nicht die Moderatorin spielen.
 
Dabei
24 Sep 2017
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#4
Hey @KatKat ,
mit ihm oder mit beiden reden würde ich auch nicht, aber ich würde auch nicht zusehen, wie meine Freundin ins Unglück rennt. Ja, sie wird auf dich sauer sein, wenn du ihr erklärst was du denkst und was für ein schlechtes Gefühl du dabei hast, aber sie wird auch auf dich sauer sein, wenn du es nicht tust. Dafür sind Freund:innen da! Also sicher nicht, sie zur Trennung zu überreden, sondern ihr ernsthaft und ehrlich zu sagen, was nicht passt, eine Entscheidung trifft sie dann selbst und du bist für sie da, wie auch immer sie sich entscheidet. Ein Risiko für dich gibt es dabei immer.
Eine Freundin von mir war auch mal in einer schlimmen Beziehung (für beide) und ich hab ihr gesagt, was ich beobachte und was mir Sorgen bereitet. Sie war daraufhin im "Jetzt erst recht, so schlimm ist es nicht" - Land und es war okay, Leute sind eben nicht immer einer Meinung mit mir. Ich habe es auch für mich gemacht, es ernst und ehrlich kommuniziert und meinen Frieden damit gemacht. Ich war mir auch nicht sicher, ob ich in einer Abwärtsspirale war und nur noch das Schlechte gesehen habe und es alles gar nicht so schlimm war...
Inzwischen ist sie getrennt und es geht ihr besser. Ich werde den Teufel tun ihr zu sagen "ich hab's dir doch gesagt", ich bin einfach nur erleichtert für sie. Ich weiß nicht ob es einen Unterschied für sie gemacht hat, dass ich mit ihr gesprochen habe, aber für mich hat es das.
 
Dabei
4 Jul 2023
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#5
Danke für eure Einschätzung. Es ist einfach sehr frustrierend, weil ich da auch kein gutes Ende sehe. Sie macht sich auch extrem von ihm abhängig, wo wir auch schon häufiger drüber gesprochen haben. Er organsiert wirklich alles und schließt in ihrem Namen auch sämtliche Verträge ab, weil ihr das zu anstrengend ist. Er könnte theoretisch sonst was tun und sie hätte keinen Plan. Da versuche ich sie immer mal wieder zu ermutigen, dass sie sich mal informiert und Verträge durchliest etc.
Also es ist nicht so, als wenn ich ihr nie meine Meinung geschildert habe. Nach dem Fast-Blitzhochzeits-Drama bin ich aber etwas unruhiger.

Eine Freundin von mir war auch mal in einer schlimmen Beziehung (für beide) und ich hab ihr gesagt, was ich beobachte und was mir Sorgen bereitet. Sie war daraufhin im "Jetzt erst recht, so schlimm ist es nicht" - Land
Ich habe das Gefühl, dass sie dort gerade auch ist. Heute zum Beispiel hat sie sich negativ über ein Paar geäußert, welches sie nichtmal kennt, nur um ihre Beziehung dann als ganz toll darstellen zu können. Es wird gefühlt gerade alles total glorifiziert. Daher weiß ich auch nicht, ob es Sinn macht, da aktuell mehr zu sagen. Ich habe ihr aber auch schon mehrfach in den letzten Jahren gesagt, dass sie ihre Erfahrungen machen muss und solange nichts weltdramatisches ist oder solange sie mich nicht explizit fragt, dass ich mich zurückhalte und einfach da bin, egal was passiert.
 
Dabei
3 Jan 2019
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#6
Dabei
6 Mrz 2013
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#7
und einfach da bin, egal was passiert.
Das finde ich ehrlich gesagt schon viel.
Ich könnte das niemandem zusagen, denn der Punkt an dem es mich final irritiert, was andere mit sich machen lassen, kommt bei mir relativ schnell, und mit Situationen, die der Betroffene nicht ändern will, will ich dann nichts mehr zu tun haben.
 
Dabei
3 Jan 2019
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#8
... und mit Situationen, die der Betroffene nicht ändern will, will ich dann nichts mehr zu tun haben.
Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Dennoch wäre ich (trotz Irritationen) einfach da, wenn man mich braucht. Das setzt natürlich voraus, dass der Betroffene seine Situation ändern will. Oder anders gesagt: Meine Hand wird immer ausgestreckt sein, aber ergreifen muss sie dann schon der Betroffene selbst.
 
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