Lieber nic,
zunächst fühle ich mich sehr geehrt, dass du dich meinem Problem annimmst und mir schreibst.
Ich antworte dir gerne. Auch wenn ich in letzter Zeit durch meine eigenen Probleme nur noch selten hier aktiv war. Aber es geht mir wieder etwas besser.
Was ich geschrieben habe, ist auch unter dem Hintergrund zu sehen, das du damals noch sehr jung warst, erst dabei, erwachsen zu werden. Und es ist oft ein langer Prozess, sich von Eltern und Familie zu lösen. Und du hast auch geschrieben, dass du ihn (deinen Freund) sehr geliebt hast. Da gehört es auch zu deiner Entwicklung, dass du lernst, Entscheidungen zu treffen. Dass dein Freund ein Bestand deines Lebens ist oder wird, im Tweifel Vorrang vor der Familie hat.
Und ein Satz wie "was würdest du nur ohne mich machen" sage ich oft zu meiner Frau. Und mache immer wieder die Erfahrung, dass es bei ihr ganz anders ankommt, wie das, was ich damit sagen will. Dass es meine Art von Ironie ist und niemal ihr sagen will, dass sie von mir abhängig ist. Und sie auch noch nach 20 Jahren manchmal immer noch in Panik kommen kann, dass sie niemals einem Mann auf der Tasche liegen will.
Und dass das lange gedauert hat, bis ich das begriffen habe. Sie kommt aus ganz einfachen materiellen Verhältnissen. Ist in einem sehr schlechten Waisenhaus (wie das damals hieß) ohne Eltern aufgewachsen.
Ob du damals auf deinen Freund richtig reagiert hast?