Nach fast 3 Jahren...plötzlich keine Gefühle mehr...was tun?

Dabei
31 Jan 2019
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#1
Hallo Zusammen,

ich habe mich hier angemeldet weil ich gerade vor einem Rätsel stehe und selbst irgendwie nicht mehr weiterkomme bzw. mir die Frage stelle was ich tun soll.

Vor ziemlich genau 3 Jahren habe ich meine jetzige Freundin kennengelernt. Vom ersten kennenlernen bis zum wirklichen Zusammensein ließen wir uns ca. 5 Monate Zeit. Um es vorweg zunehmen, ich habe es in vorherigen Beziehungen zu schnell angehen lassen, weshlab ich es dieses mal nicht überstürzen wollen. Ihr ging es damals schon fast ein bisschen lang, obwohl ich immer mit offenen Karten gespielt habe und ihr dargelegt habe, weshalb ich erst einmal abwarten und mich unverbindlich treffen wollte. Die Kennenlernphase lief aber alles in allem sehr gut und so kamen wir letztendlich zusammen obwohl uns ca. 50 KM Distanz trennen. Sie hat einen jungendlichen und einen erwachsenen Sohn. Beide Kinder wohnen mit bei ihr im Haus. Damals kam sie aus einer 16-jährigen Ehe und stand kurz vor der Scheidung. Die Scheidung hat sie dann während unserer Beziehung letztendlich durchgezogen. Ich selbst wohne in einer Single-Wohnung und habe alle 2 Wochenenden meinen jungendlichen Sohn bei mir.

Die ersten 2 Jahre lief unsere Beziehung wirklich total easy und harmonisch. Alles hat sich von selbst gefügt. Es bedarf nicht mal großer Absprachen. Wir beide hatten ein Urvertrauen, dass sich unsere Treffen von selbst ergeben. Beide hatten das Verlangen, dass in der Regel nicht mehr als drei Tage dazwischen lagen, an denen wir uns nicht sehen konnten. Wir haben beide unsere Kinder kennengelernt und die Kinder sich untereinander auch. Gut, unter den Kindern harmonierte es nicht ganz so, da sie unterschiedliche Interessen hatten. Mein Sohn ist eher der Fußballmensch während ihre beiden Söhne sich eher von der Feuerwehr angezogen fühlen. Das alles war für uns aber nicht allzu dramatisch. Schließlich konnten wir es nicht erzwingen auch wenn wir es uns anders gewünscht haben. Somit haben wir also erstmal die Treffen als "Patchwork-Family" eingestellt und die Unterschiede so akzeptiert. Was mich jedoch immer mal wieder gestört hat, dass wir irgendwie keine wirklich gemeinsame Zukunftsaussicht bzw. Perspektive haben. In der Anfangszeit war zwar besprochen, dass sie später mal in meine Richtung zieht sobald die Kinder aus dem Haus sind, dies änderte sich jedoch im Zusammenhang mit der Coronapandemie. Ihre Freunde bzw. Nachbarn waren immer offen und zeigten reges Interesse an uns als Paar während mein Freundeskreis sich eher zurückzog und viel zuhause bzw. für sich geblieben ist. Dieser Umstand hat zunächst sie und im späteren Verlauf auch mich umdenken lassen. Unser soziales Umfeld erschien uns auf einmal in Ihrer Region (sie kommt vom Dorf) näher und gefestigter als bei mir in der Stadt.

Im Sommer wechselte sie den Job und musste von diesem Moment an statt 4 Stunden, 8 Stunden arbeiten. Ich hatte diese Stelle für sie rausgesucht und sie hat sich total gefreut diese neue Herausforderung in kurzer Zeit gut gemeistert zu haben. Doch dann kam es Ende 2021 zu einem psychologischen Tief bei ihr. Die Auswirkungen der Corona-Maßnahmen haben bei ihr das Gefühl ausgelöst irgendwie nur noch zu funktionieren und keinen richtigen Spaß mehr haben zu können. Sie sprach viel davon, dass ihr solche Dinge wie "einfach mal den Kopf freitanzen" oder einfach mal einen Tag in der Therme o.ä. total fehlen. Es gab Tage, da war es kaum möglich sie von ihrem Frust abzubringen. Wir haben uns dennoch immer mal wieder im kleinen Kreis mit Freunden getroffen. Fast jedes Mal hat sie erwähnt, dass der Abend zwar schön war ihr das aber irgendwie nicht viel gibt. Den Moment hat sie immer genossen aber das war es dann auch schon. Dies war auch in etwa der Zeitpunkt als unsere regelmäßigen Diskussionen um teils immer wieder die gleichen Themen begannen. In mir kam das Gefühl auf, dass sie sich von der Art verändert hat. Sie war nicht mehr so liebevoll sondern eher schneller gereizt und angriffslustig, sobald es erneut zu den immer wieder gleichen Diskussionen kam. In diesen hatte ich das erste Mal das Gefühl, dass wir nicht richtig miteinander streiten bzw. disuktieren können. Anstatt konstruktiv zu einem Ergebnis zu kommen, wurden diese Gespräche oftmals früh abgebrochen und endeten ohne Ergebnis. Teilweise hat sie meine Wohnung für eine Zeit verlassen um runter zu kommen, was ja auch legitim war. Aber auch da gab es im Anschluss keinen wirklichen Kompromiss oder sonstiges.

Diese Phase hielt ca. 2-3 Monate an. Sie fragte sich was nur mit uns passiert ist, hat mich gefragt wie es soweit kommen konnte? Ich habe sie daraufhin ein paar mal gefragt, ob sie mich noch liebt, was sie immer bejate. Regelmäßig kam in mir das Gefühl auf, dass irgendetwas nicht stimmt. Vor ca. 5,5 Wochen kam es dann zu einer absolut kuriosen Situation. Wir hatten ein wirklich schönes Wochenende zusammen verbracht und lagen Sonntagabend im Bett, haben gekuschelt und uns geküsst. Auf einmal sagte sie zu mir, dass sie nichts mehr fühle und begann zu weinen. Ich konnte das zunächst gar nicht richtig wahrnehmen. Habe dann nachgefragt wie sie das meint. Sie entgegnete mir dann, dass ich es wohl schon eher gespürt habe aber sie hat heute abend im Bett nichts gefühlt. In der Nacht konnte ich kaum schlafen und war fix und fertig. Habe ihr dann gleich versucht Gründe zu nennen, woran es vielleicht liegen könnte. Ich erwähnte die fehlende Streitkultur bei uns, die fehlenden Möglichkeiten außerhalb meiner Wohnung oder ihres Hauses etwas unternehmen zu können und die fehlende Zukunftsperspektive. Zwar ist immer noch der Plan, dass wir zusammenziehen aber vor 3-4 Jahren wird dies nicht realisierbar sein. Erst müssen die Kinder mit Ihren Ausbildungen fertig sein. Mit in das bestehende Haus einziehen kann ich leider nicht, da es realisitisch gesehen zu klein für eine weitere Person ist.

Zudem habe ich Ihr eine Paartherapie vorgeschlagen um eine bessere Streit- und Diskussionskultur zu lernen. Ferner möchten wir beide gerne erfahren, an welcher Stelle wir falsch abgebogen sind und ob es vielleicht einen Weg zurück auf die richtige Spur gibt. Das Paradoxe ist nämlich, dass sie zwar sagt aktuell keine Gefühle für mich zu haben, sie fühlt sich aber wohl und geborgen in meiner Nähe, mag meinen Geruch und meine Wärme und hat eigentlich nicht vor sich zu trennen, da ich all das habe was sie immer wollte.

Nach diesem Wochenende habe ich sie erst einmal in Ruhe gelassen und mich wenig bei ihr gemeldet um sie nachdenken zu lassen und damit sie ihre Gedanken und Gefühle ordnen kann. An dem Folgewochenende hat sie mir jedoch genau das "vorgeworfen" indem sie sagte, dass ich mich ja auch schnell entliebt hätte. Schließlich habe ich mich ja auch schon gleich weniger gemeldet und auch nur noch verhalten. Daraufhin habe ich ihr dann erklärt, dass ich ihr einfach nur den Raum geben und sie zu sich kommen lassen wollte. Wir haben uns die folgenden 4 Wochen immer nur am Wochenende gesehen. Nicht mehr unter der Woche. Um Ostern herum, haben wir jedoch fast 1 gesamte Woche zusammen verbracht und sind sogar zusammen weggefahren. Ich fand die Zeit mit ihr sehr schön aber natürlich fehlen mir ihre zuneigenden Worte und gesten. Sie berührt mich zwar immer noch regelmäßig aber nicht mehr ganz so zärtlich und liebevoell wie ich es kannte.

Naja, Freitag beginnen wir mit einem Discofoxtanzkurs und hoffen, dass uns dieser ein bisschen näher zusammenbringt. Wir tanzen beide gerne, nur kann ich es leider nicht nach Technik sondern tanze eher frei. Dies soll sich nun ändern. Zudem bin ich an einem Termin für eine Paartherapie dran, in die sie nach einer gewissen Bedenkzeit eingewilligt hat. Leider habe ich noch nichts konkretes.

Nun meine Frage, wie schätzt ihr die Situation ein? Was können wir, bzw. kann ich tun? Ich liebe diese Frau und möchte gerne etwas für das Fortbestehen unserer Beziehung tun. Wir beide haben zugleich Sorge, dass die Gefühle nicht wiederkommen....Bitte um gute und ernstgemeinte Ratschläge. Sie und ich sind uns einig, dass ansonsten so viel passt.
 
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Dabei
6 Mrz 2013
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#2
Nach der Lektüre deines Textes habe ich den Eindruck, dass sie sich übernommen hat und nun überfordert fühlt. Mir scheint als wäre ihr Fulltime-Job der Zeitpunkt des falschen Abbiegens. Kann sie dort nicht Stunden reduzieren?

Ansonsten glaube ich, wenn ihr jetzt noch mehr an termingebundenen Aktivitäten in euer Leben reinpackt - wie den Tanzkurs - dann könnte es zum Totalcrash kommen. An eurer Stelle würde ich mir lieber was suchen, wobei ihr zusammen chillen könnt und was eben nicht zwingend zu genau fixierten Zeiten stattfinden muss. Also besser "Quality time" am Wochenende, und da ein paar Tage vorher gemeinsam überlegen, was man Schönes machen könnte. Und das kann dann auch Grillen im Garten von einem von euch beiden sein, und Freunde kann man dazu einladen, muss man aber nicht, wenn das Stress bedeutet.

Insgesamt finde ich, dass du sehr reflektiert an die Sache rangehst und deine Sache ganz gut machst. Eine Paartherapie, wenn beide das ernsthaft wollen, ist sicher nicht verkehrt.
 
Dabei
31 Jan 2019
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#3
Danke für die guten Ansätze. Da sie allein erziehend ist und auch sehr froh darüber ist gut in den Job eingestiegen zu sein, wird es glaube ich mit der Stundenreduzierung eher nicht in ihrem Sinne zu sein. Aber richtig ist, dass sie sich damit in Teilen zeitlich überfordert fühlt. Sie hat schon Aussagen in die Richtung getroffen, dass manches liegen bleibt oder das sie weder sich selbst, noch mir noch ihren Kindern gerecht wird...

Der Tanzkurs ist zum Glück nur 4x und danach ist es wieder entspannter. Sie tanzt halt gerne Paartanz und würde es auch gerne mit mir tun allerdings habe ich bisher keinen Tanzkurs gemacht und sehe es als eine gute Möglichkeit an, dass wir so vielleicht eine gemeinsames Hobby zusammen entdecken was man auch auf Feierlichkeiten oder beim Weggehen anwenden kann.

Ansonsten ist es vielleicht korrekt das chillige Aktivitäten zu zweit oder mit Freunden einen schönen Ausgleich zum stressigen Alltag bilden können....

Danke für das Kompliment zu meiner Reflektiertheit...
 
Dabei
22 Mai 2010
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#4
Um was drehten sich denn die immer wiederkehrenden Diskussionen? Das konnte ich nicht direkt herauslesen. Gibt es die Diskussionsthemen noch bzw. liegt da noch was im argen? Hat Sie grundlegende Sorgen, welche immer wiederkehren?
Ansonsten habe ich auch den Eindruck, dass der Jobwechsel dazu beigetragen hat. Regelmäßige Treffen bei ca. 50km nehmen auch schon viel Zeit in Anspruch und dann noch der Job, die Kinder.. hat Sie auch genug Zeit für sich selbst?
 
Dabei
31 Jan 2019
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#5
Um was drehten sich denn die immer wiederkehrenden Diskussionen? Das konnte ich nicht direkt herauslesen. Gibt es die Diskussionsthemen noch bzw. liegt da noch was im argen? Hat Sie grundlegende Sorgen, welche immer wiederkehren?
Ansonsten habe ich auch den Eindruck, dass der Jobwechsel dazu beigetragen hat. Regelmäßige Treffen bei ca. 50km nehmen auch schon viel Zeit in Anspruch und dann noch der Job, die Kinder.. hat Sie auch genug Zeit für sich selbst?
Du hast schon einen wunden Punkt getroffen. Ich glaube, sie hat wirklich Schwierigkeiten sich zeitlich aktuell zurecht zu finden. Sie sagte Mal, sie hat gerade das Gefühl keinem gerecht werden zu können. Erwähnte ihren neuen Job ebenfalls dabei als Hauptgrund für dieses neue Gefühl.

Bei den Diskussionen kam Z.B. zur Sprache, dass eine ehemalige Kollegin für sie ein rotes Tuch darstellt. Dabei habe ich kaum noch Kontakt zu ihr. Sie ist aber der Meinung, dass ich sie wegen ihr dreimal hinten angestellt habe und seitdem braucht sie nur ihren Namen hören und sie fährt hoch. Ich habe ihr etliche Male meine Sicht der Dinge erklärt aber es kam nie zu einer Änderung in Ihrem Denken. Dann war immer wieder mal eine verlässliche Absprache Thema wann wir uns das nächste Mal sehen. Ging halt in der letzten Zeit immer mehr von mir aus was ich mir mehr im ausgewogenen Verhältnis gewünscht hätte. Und noch zwei drei andere Themen, die ein wenig den Rahmen sprengen würden. So richtig geklärt sind sie irgendwie nicht...
 
Dabei
6 Mrz 2013
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#6
Bei den Diskussionen kam Z.B. zur Sprache, dass eine ehemalige Kollegin für sie ein rotes Tuch darstellt. Dabei habe ich kaum noch Kontakt zu ihr. Sie ist aber der Meinung, dass ich sie wegen ihr dreimal hinten angestellt habe und seitdem braucht sie nur ihren Namen hören und sie fährt hoch. Ich habe ihr etliche Male meine Sicht der Dinge erklärt aber es kam nie zu einer Änderung in Ihrem Denken.
Dann würde ich an deiner Stelle den Namen dieser Kollegin schon nach dem 1. Crash ihr gegenüber nicht mehr erwähnen. Und wenn du mit der Kollegin eh nichts Besonderes am Hut hast, wäre das auch nicht verlogen von dir.

So richtig geklärt sind sie irgendwie nicht...
Das ist aber nicht gut, wenn man eine harmonische Beziehung führen möchte.
 
Dabei
31 Jan 2019
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#7
Dann würde ich an deiner Stelle den Namen dieser Kollegin schon nach dem 1. Crash ihr gegenüber nicht mehr erwähnen. Und wenn du mit der Kollegin eh nichts Besonderes am Hut hast, wäre das auch nicht verlogen von dir.


Das ist aber nicht gut, wenn man eine harmonische Beziehung führen möchte.

Das weiß ich. Deshalb ja meine Idee mit der Paar-Therapie. Wir konnten irgendwie nicht sachlich miteinander reden und im Anschluss einen Kompromiss oder eine Lösung finden. Ich hoffe, dass wir dort besser miteinander reden lernen.

Ja, der Name der Kollegin ist kaum noch gefallen. Ich habe sogar den Kontakt auf Null gefahren. Ab und an kam er doch noch irgendwie hoch und dann ist es meist eskaliert obwohl es um längst besprochene Dinge ging...
 
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