Wie soll ich mit den Worten "Ich liebe Dich noch" umgehen?

H

Hanna

Dabei
Juni 2007
Beiträge
12
Hallo an alle,

auch ich gehöre wohl zu denjenigen, die sich nie hätten vorstellen können, mal in einem Internetforum zu schreiben...
Mein Kummer lässt mich aber verzweifeln und ich habe hier viele tolle und hilfreiche Beiträge gefunden, sodass ich mich jetzt einfach mal traue!
Meine Situation: Bis vor 1,5 Wochen war ich mit meinem Freund zusammen. Da man sich ja kurz fassen soll (was mir aber nicht gelingt, da ich das Gefühl habe so vieles sagen zu müssen), sei gesagt, dass es - bis vor einem halben Jahr - einfach nur schön war. Wir haben uns während unseres Studiums kennen gelernt und ich muss sagen, für uns beide war es wie im Rausch. Ich hatte schon drei feste Beziehungen vor ihm, aber die Beziehung mit ihm war anders: intensiver, reifer, inniger, vetrauter, schöner. Diese Gefühle verspürte er genauso wie ich, das hat er mir gesagt und ich habe es jeden Tag aufs neue spüren können.
Grundsätzlich hat sich an diesen Gefühlen nie etwas geändert, aber an unserer Beziehung schon. Vor ca. einem halben Jahr ist er aufgrund eines freiwilligen Praktikums in eine andere Stadt gezogen und die Probleme fingen an- ich fühlte mich verlassen, wurde eifersüchtig und besitzergreifend. Ich kann euch jetzt nicht sagen, woher wir all die Themen nahmen, die zum Streit geführt haben, aber es waren eine Menge. Wir kamen aus dem Streiten und Versöhnen nicht mehr heraus...
Ich habe seit der Scheidung meiner Eltern, die aber schon 15 Jahre zurück liegt, enorme Verlustängste. Diese sind in der Beziehung besonders stark zum Ausdruck gekommen und haben sich eben in diesem "Besitzdenken" ausgedrückt. Ich habe versucht, mit meinem Freund darüber zu reden, er hat zugehört, aber letztendlich gesagt "Du hast ein Problem und deswegen bist Du Schuld an fast allen unseren Streits". Das habe ich mir so zu Herzen genommen, dass ich vor ca. 2 Monaten eine Therapie angefangen habe. Meine zunehmende Traurigkeit und natürlich auch die Schuldzuweisungen meines Freundes haben mich dazu gebracht, mich grundsätzlich mit mir auseinanderzusetzen.
Der Therapeut diagnostizierte mittelschwere Depressionen und brachte mich dazu, endlich zu akzeptieren, dass ich auf einem falschen Weg bin, wenn ich weiter meine Gefühle aus der Vergangenheit unterdrücke.

Mein Freund ist mittlerweile wieder zurück in die Nähe unserer Studienstadt gekommen, um wieder bei mir zu sein und hier seine Diplomarbeit zu schreiben (ich befinde mich gerade auf den letzten Seiten meiner eigenen, tolles Gefühl, komme zu gar nichts, obwohl eigentlich jede Stunde zählt). Wir wohnten wieder zusammen und aus meiner Sicht wurde es zwischen uns langsam aber sich wieder besser, nicht zuletzt durch die wirklich große Hilfe meines Therapeuten. Ich machte kleine Fortschritte, aber immerhin. In dieser Zeit des zusammen Wohnens bemerkte ich aber eine leichte Distanz von seiten meines Freundes und nach zwei Wochen stellte ich ihm schließlich die Frage, ob er glücklich sei. Jetzt beginnt also die eigentliche Geschichte, die der Trennung...
Er brach in Tränen aus und sagte mir, dass er mich liebe, sich aber keine Zukunft mit mir vorstellen könnte (wir wollten nach dem Diplom zusammen in eine andere Stadt ziehen). Es wäre etwas in ihm kaputt gegangen und er wüsste nicht, ob die intensive Liebe, die er für mich bis vor kurzem verspürte, noch mal wieder käme.
Nach vier Tagen unendlichen Leides, in der er immer wieder geweint hat, bis es ihn nur noch geschüttelt hat, habe ich ihn schließlich gebeten, mir zu sagen, wie es jetzt weitergehen solle. Nach einem erneuten Ausbruch seinerseits, der wieder sehr emotional und von "Ich liebe Dich und will Dich nicht verlieren" getränkt war, sagte er mir, dass es nicht viel Hoffnung für uns gäbe. Daraufhin packte ich - natürlich auch unter vielen Tränen - meine Sachen und ging. Er fragte mich, ob wir abends telefonieren könnten und ich verneinte, weil ich es wußte, ich könnte es nicht und ich wußte, es würde unseren Schmerz nur vergrößern.
Nach fünf Tagen erhielt ich zwei EMails von ihm, in dem er mir sehr emotional schilderte, wie unglücklich er ist und das er mit seiner Entscheidung mich zu verlassen nicht im Reinen wäre. Er schrieb, er würde gerne die Uhr zurück drehen und die Beziehung ohne all das schlechte, was passiert ist, wieder beginnen. Er wollte mir aber auch keine falschen Hoffnungen machen, so seine Worte.
Ich schrieb darauf eine sehr lange und verständnisvolle EMail zurück, sagte ihn, dass ich ihn liebe (was er mir auch schrieb) und an einen Neuanfang glaube, dass ich aber nicht die Uhr zurückdrehen möchte, weil die letzten Schritte notwendig waren (die Therapie und die Trennung), um in eine gemeinsame Zukunft gehen zu können. Zudem fragte ich ihn, ob er mich gerne sehen würde. Einen Tag später schrieb er mir, ja, er würde mich gerne sehen,er möchte gerne zu mir kommen. Er würde mir auch auf meine EMail noch antworten. Sechs Stunden war ich glücklich, weil ich dem "Ich will Dich sehen" nur positives entnehmen konnte.
Dann kam in der Nacht die Antwort auf meine EMail...eine sehr lange und traurige EMail, in der er mir sagte, dass er mich liebt, aber etwas in ihm zerstört sei, etwas, was ihn daran hindere, erneut eine Beziehung mit mir einzugehen. Er bat mich, nicht mehr an einen Neuanfang zu glauben. Er schrieb, dass das jetzt nur eine Momentaufnahme wäre und er sich wünschen würde, etwas anderes schreiben zu können. Er sagte weiterhin, dass er immer für mich da sein will und sich ein Leben ohne mich nicht vorstellen kann und das er mich trotzdem gerne sehen würde um sich gegenseitig zu helfen.
Ich schrieb ihm zurück, dass ich das nicht will, weil ich mich sonst nicht lösen könnte. Seine Antwort darauf: es täte ihm weh, meine Worte zu lesen, aber er würde ja auch keine besseren Sätze abgeben. Er würde mich so gerne sehen, aber seine Worte bezüglich der Trennung wären fast (super, mir Hoffnungen zu machen!) endgültig.

Habe ich das richtige getan, indem ich ihn eine Treffen ausgeschlagen habe? Letztlich bin ich nicht meinem Herzen gefolgt (wie gerne würde ich ihn sehen!!!!), sonderm meinem Verstand.
Ich habe das Gefühl, letztlich durch den Rat meines Therapeuten, ihm nur so zeigen zu können, dass auch er einen Verlust erleidet, wenn er sich von mir trennt. Mein Ex-Freund ist sehr harmoniisüchtig und ich werde das Gefühl nicht los, dass es ihm um sich geht. Er hat mich immer wieder gebeten, ihn nicht zu hassen, ihn zu verstehen, mit ihm in Kontakt zu bleiben. Mehrmals hat er mir geschrieben, dass seine Liebesgefühle für mich sich in absehbarer Zeit nicht ändern werden, dass ich die Liebe seines Lebens bin etc.
Aber zusammen sein will er mit mir nicht.

Wie soll ich mit den "ich liebe Dich noch" Worten umgehen? Sind es nur Nachwehen unserer Vergangenheit oder kann ich noch Hoffnung haben? Wird er zurück kommen?

Entschuldigt für die vielen Worte, aber ich habe wirklich versucht, nur das nötigtse zu schreiben...

Bitte schreibt eure Gedanken, hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht?

Danke und Gute Nacht,

Hanna
 
Hi Hanna

Ich denke erst mal das es sehr gut ist das du eine Therapie machst ;) Gehe diesen Weg weiter er wird dir auch in deinem weiteren Leben helfen. Ich denke du verhälst dich momentan genau richtig. Er soll ruhig sehen wie schwer es dir fällt und das er nicht deine Nähe haben kann aber dafür keine Verpflichtungen eingehen. Ich frage mich wie heftig eure Streits gewesen sein müssen, das in ihm etwas kaputt gegangen ist? Vor allem mit dem Hintergrund das du ja jetzt sogar eine Therapie angefangen hast um diese Probleme in den Griff zu kriegen. Finde es auch nicht in Ordnung dir die ganze Schuld in die Schuhe zu schieben. Es gehören immer zwei dazu auch wenn evtl. der eine etwas mehr zum scheitern beiträgt. Ich weiss es ist sicher eine harte Zeit im moment aber da musst du leider durch, ich denke nur durch den Abstand habt ihr entweder wieder eine Chance oder du kannst dich von ihm lösen. Zu einer Freundschaft würde ich dir zum jetztigen Zeitpunkt nicht raten.

Alles Gute!
 
Danke für die liebe Antwort!
Ja, die Therapie mache ich auf jeden Fall weiter, war gestern gerade wieder in einer Stunde.
Die Streits haben ihn wohl kaputt gemacht, weil sie so oft waren und die Balanace irgendwann nicht mehr stimmte. Aber bei mir hat es eben "Klick" im Leben gemacht und ich bin enttäuscht, dass er diese Zeit nicht mit mir durchstehen wollte. Er hat gesagt, dass er in den letzten Wochen nicht mehr glücklich war und er nun seinen Weg gehen möchte, um wieder glücklich zu werden...ich war in den letzten Monaten auch unglücklich, mit mir, aber auch mit unserer Beziehung. Aber ich hätte ihn doch nicht aufgegeben und ausprobiert, ob ich alleine glücklicher bin!!!!

Meinst Du, dass ich wirklich den richtigen Weg gehe? Ist es nicht besser in seinen Gedanken bzw. in seinem Alltag zu bleiben (EMail-Kontakt, Sehen)?

Ich habe so Angst, dass das Sprichwort "Aus den Augen, aus dem Sinn" greift...
 
Hallo,
Ich kann deine Angst gut verstehen, ich will meinen Freund auch wieder haben, und auch er hat das ganze beendet.
Ich kann die da keine guten Tips geben...ich in meiner situation überlege sogar, ihn zu fragen ob wir den angefangen tanzkurs beenden wollen, nur damit ich nicht vergessen werde und vielleicht durch freundschaft ihn zurück gewinne.
aber mein kopf sagt mir anderes, dieser sagt, nimm abstand und vergiss ihn, es gibt noch mehr hübsche kerle auf der welt, nur leider will das herz oft anders...
wenn du stark bist, dann geh auf abstand, zur not kann dich dein therapeut auch unterstützen. wenn ich es könnte würde ich es tun...
tut mir leid, dass ich dir nicht wirklich etwas sinnvolles raten nur, nur sei stark!!
LG bekkylein
 
Hallo Bekkylein,

ja, ich kenne deine Geschichte, hatte dir ja auch gestern Nacht geantwortet...
Du befindest Dich auch gerade im Lernen? Ich schreibe gerade meine Diplomarbeit- ohne Worte! Mir geht es so wie Du, essen geht nicht, schlafen geht nicht, schreiben schon dreimal nicht!!! Obwohl ich doch muss!
Warum können wir nicht morgens aufwachen und sagen: okay, er will nicht, dann eben nicht? Warum bekommen wir nicht in unseren Kopf, dass wie machtlos sind und den anderen nicht zu anderen Gedanken zwingen können?
Ich verstehe nicht, dass man immer noch voller Hoffnung ist, obwohl das "Nein" schon ausgesprochen wurde...jeder Tag fängt mit Hoffnung an und endet mit Enttäuschung (weil er sich nicht gemeldet hat bzw. vor der Tür steht und sagt "Es war ein Fehler").
Du kannst ja mal berichten, wie es Dir nach dem Treffen mit Deinem Ex ergangen ist...

Liebe Grüße,
Hanna
 
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