Alte Liebe rostet nicht

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Wir haben beide, jeder für sich, beschlossen unseren Horizont zu erweitern und haben diesen Kurs besucht. Niemand wusste, dass sich der andere auch dafür entschieden hat. Ich war sehr überrascht, dich am ersten Kurstag zu sehen. Ich möchte fast sagen, es war mir nicht recht, wo wir doch auch zusammen arbeiten.
Die Fronten schienen zumindestens von meiner Seite her sehr geklärt: Wir sind Kollegen. Erstmals ein Kribbeln habe ich nach über einem Jahr bemerkt. Als ich in der Arbeit meine Mitarbeiter im 5. Stock besuchte und ich dich in einem kurzärmeligen, legeren T-Shirt im Raum davor sah. Obwohl du es mir nie gesagt hast, wusste ich, dass du verheiratet bist. Bin ich ja selbst auch. Diesen Moment konnte ich jedoch nicht vergessen, ich versuchte jedoch ihn zu unterdrücken. Deine Gepflogenheit, nach jeder gemeinsamen Prüfung auf einen Drink zu gehen, machte das nicht leichter. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als wir in das Stüberl ums Eck gingen. Die Musik war sehr laut, der Laden rammelvoll. Um ein Wort des anderen zu verstehen bedurfte es jedenfalls eines sehr geringen Sicherheitsabstandes zwischen uns. Und trotzdem hatte ich mich immer nach außen hin im Griff. Ich unterdrückte. Als du mich beim abendlichen Ausklang nach der RömPrüfung im Februar erstmals berührt hast war ich völlig irritiert, vielleicht sogar schockiert. Ich bin verheiratet, du bist verheiratet. Da gibt es nichts. Punkt. Ich verdünnisierte mich sofort. Außerdem glaubte ich nicht, dass ich dein Typ sei, dass du ernsthaft Interesse an mir hast. In den nächsten Monaten kamen wir uns doch näher. Es hat mir gefallen. Du hast mir gefallen. Doch wir sind beide verheiratet. Sollten wir uns trennen? Würde es mit uns funktionieren? Wir sind dazu noch Arbeits- und Lernkollegen! Ich wusste, dass es mit dir nicht immer einfach sei. Also beschloss ich, dich näher kennen zu lernen. Wir haben zu Hause bei mir gelernt, ach was: Wir haben etwas gelernt, zusammen Pasta gekocht, haben uns umarmt, geküsst, berührt - es war so unglaublich! Wir waren 2009 zusammen am See in einer verlassenen Bucht, das erste mal Baden gehen erlebte ich in diesem Jahr mit dir.

Ich habe dich in dieser Zeit immer so gerne gespürt. Ich konnte gar nicht genug von dir kriegen, wenn gleich ich es mir selbst vorbehielt mit dir zu schlafen, was mir mehr als schwer viel, da die Anziehungskraft überwältigend war. Deine Küsse kann man nicht einmal mit dem köstlichsten Dessert vergleichen, es würde weitab in den Hintergrund verdrängt werden.

Die Zeit mit dir wird mir immer in Erinnerung bleiben.

Ich bin eine Frau, die genau weiß was sie will. Ich will einen Mann, der sich zu 100 % für mich entscheidet. Mit weniger gebe ich mich nicht zufrieden. Ich will einen Mann, der nicht genug von mir kriegen kann. Ich will einen Mann, der auch für mich da ist, wenn es mir nicht gut geht. Ich will Geborgenheit. Dasselbe bin ich selbst bereit zu geben.

Du hast unsere Treffen immer versucht, in der Firma geheim zu halten. Wenn deine Frau davon erfährt würde sie sich trennen. Du könntest euer Haus nicht behalten. Gleichzeitig erklärst du mir, wie unglücklich du bereits 10 Jahre in deiner Beziehung bist.

Roman, du hast die Schlüssel selbst in der Hand. Nur du kannst diese Situation verändern. Entweder du versuchst um deine Ehe zu kämpfen, was bedeutet, dass du über deinen eigenen Stolz springen müsstest. Oder du verzichtest auf deine materielle Errungenschaft und die Annehmlichkeiten wie waschen, bügeln..., die dir deine Frau bietet, und wagst den Sprung in die Freiheit.

Manchmal habe ich das Gefühl, dass du dein Glück einfach nicht fassen kannst und immer unzufrieden bist. Du hast eine Frau an deiner Seite, die sich um dich sorgt. Sie kümmert sich um dich, erledigt viele Arbeiten, damit du dich nach der Arbeit dem Lernen widmen kannst. Aus einer Verletztheit vor Jahren hast du begonnen dich körperlich von ihr fernzuhalten. Anstatt deine Kränkung ihr zu offenbaren hast du dich zurückgezogen und dem Sport deine erste Priorität in deinem Leben eingeräumt.
Wie sollte ich mit dir zusammenleben können, wo du nicht gelernt hast Probleme offen darzulegen, darüber zu sprechen, zu verzeihen? Wie kann etwas so unwichtiges wir Sport den ersten Rang einnehmen?
In meinem Leben sind es immer Menschen, die mir am Wichtigsten sind. Wir sind doch sehr verschieden.

Du hast keine eindeutige Entscheidung getroffen, aber ich. Ich wünsche dir alles, alles Gute. Ich hoffe, dass du deinen Weg findest.

Bitte, maile mir nichts mehr. Bitte, mache mir keine Komplimente mehr. Das reißt Wunden auf, die beim Verheilen sind. Ich habe mich doch in dich verliebt, weil ich zugelassen habe, was mir anfangs schon nicht ganz recht war. Liebe bedeutet immer das Risiko, verletzt zu werden. Es gehört dazu. Es zeigt mir, dass ich lebe. Dass ich fühle. Aber es tut noch immer weh.

Liebe hat für uns eine unterschiedliche Bedeutung.

Heute, ein Jahr später:
Ich habe mit meinem Mann, mit dem ich sein 10 Jahren liiert bin, wieder zusammengefunden. Ich habe mich für ihn entschieden. Er ist nicht die 2. Wahl, sondern die ersten. In den 10 Jahren, in denen wir zusammen sind, waren wir immer ehrlich, offen und sehr tolerant. Ich habe ihm damals auch von meinen Gefühlen diesem anderen Mann gegenüber offen erzählt und ihn damit sehr verletzt. Er hat um mich gekämpft. Er ist immer da. Er ist so liebevoll. Er ist so gutmütig, so geradlinig, so warmherzig. Nachts wärmt er meine kalten Füße und ich schmiege mich so gerne an seinen Körper. Ich liebe es mit ihm zu frühstücken. Auch wenn er frei hat, steht er mit mir um 5:00 Uhr morgens auf und hält dieses Ritual aufrecht.

Obwohl letztes Jahr unsere Ehe auf der Kippe stand, habe ich heute das Gefühl, dass uns das Ganze doch noch mehr zusammengeschweißt hat. Ich will dich nie wieder verletzen. Ich will immer für dich da sein. Du bist das Beste, was mir je passiert ist. Dich liebe ich von ganzem Herzen!

Ich bin so froh, meine Gedanken niedergeschriebn zu haben!
 
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