In einer Beziehung verschmelzen zwei Identitäten oft zu einem "Wir". Wenn dieses "Wir" wegbricht, entsteht ein Vakuum. Wir haben gelernt, unseren Wert durch die Augen des Partners zu definieren. Wenn der Partner uns nun sagt, dass er uns nicht mehr liebt oder die Beziehung beendet, interpretieren wir das fälschlicherweise als eine objektive Bewertung unserer Person. Doch dein Wert ist eine Konstante. Er ist nicht verhandelbar und nicht abhängig von der Meinung eines anderen Menschen. Er ist wie eine Goldmünze, die in den Dreck fallen kann - sie sieht vielleicht erst einmal schmutzig aus, aber der Wert des Goldes bleibt immer gleich. Die Phase nach der Trennung ist die Zeit, in der du diese Münze wieder aufhebst und säuberst. Selbstwertgefühl stärken nach Trennung bedeutet, die Verantwortung für dein Glück wieder in die eigenen Hände zu nehmen. Was Selbstliebe wirklich bedeutet (und was nicht)
Selbstliebe wird oft mit Narzissmus oder Egoismus verwechselt. Doch das Gegenteil ist der Fall. Ein Narzisst braucht ständige Bestätigung von außen, um sein fragiles Ego zu stützen. Ein Mensch, der sich selbst liebt, ist unabhängig von dieser Zufuhr. Selbstliebe bedeutet:
- Sich selbst mit der gleichen Güte zu behandeln, wie man einen besten Freund behandeln würde.
- Seine eigenen Grenzen zu kennen und diese respektvoll zu kommunizieren.
- Fehler als Teil des Lernprozesses zu akzeptieren, statt sich für sie zu hassen.
- Echt zu sein, auch wenn man damit Gefahr läuft, abgelehnt zu werden.
- Für seine eigenen Bedürfnisse einzustehen, ohne sich dafür zu entschuldigen.
Praktische Übungen zum Selbstliebe lernen
Theorie ist gut, aber Selbstliebe muss man praktizieren. Hier sind bewährte Strategien, um dein Selbstwertgefühl nach einer Trennung wieder aufzubauen: 1. Die Radikale Selbstfürsorge
Frag dich mehrmals am Tag: "Was brauche ich gerade jetzt, um mich ein kleines Stück besser zu fühlen?" Vielleicht ist es ein Spaziergang, ein warmes Bad, ein Telefonat mit einer vertrauten Person oder einfach zehn Minuten Stille. Lerne, auf die leisen Signale deines Körpers und deiner Seele zu hören. Indem du auf diese Bedürfnisse reagierst, signalisierst du deinem Unterbewusstsein: "Ich bin wichtig. Ich kümmere mich um mich." 2. Das Mirror-Work (Spiegelübung)
Stell dich morgens vor den Spiegel, schau dir selbst tief in die Augen und sag laut: "Ich sehe dich. Ich schätze dich. Ich bin für dich da." Das mag sich am Anfang extrem albern oder sogar schmerzhaft anfühlen, besonders wenn man gerade voller Selbsthass ist. Doch diese Übung unterbricht die ständige negative Gedankenschleife und baut eine Brücke zu deinem inneren Kern. 3. Erfolgs- und Dankbarkeitsjournal
Nach einer Trennung sehen wir oft nur das, was wir nicht haben oder was wir falsch gemacht haben. Schreib jeden Abend drei Dinge auf, die du an diesem Tag gut gemacht hast (und seien sie noch so klein, wie z.B. "Ich habe gesund gekocht") und drei Dinge, für die du dankbar bist. Das trainiert dein Gehirn darauf, wieder die positiven Aspekte deines Lebens wahrzunehmen.
Tipp: Erstelle eine Liste mit deinen Stärken und Qualitäten. Wenn dir nichts einfällt, frage Menschen, die dich lieben. Lies diese Liste immer dann, wenn du dich wertlos fühlst. Du bist so viel mehr als nur "die/der Ex von jemandem".
Umgang mit dem inneren Kritiker
Wir alle haben diese Stimme im Kopf, die uns sagt: "Du bist zu alt/zu dick/zu langweilig, deshalb ist er/sie gegangen." Nach einer Trennung schreit dieser innere Kritiker oft besonders laut. Lerne, diese Stimme als das zu identifizieren, was sie ist: Ein Teil deines Gehirns, der dich vor weiteren Enttäuschungen schützen will, aber dabei völlig über das Ziel hinausschießt. Gib diesem Kritiker einen Namen (z.B. "Herbert" oder "Die Nörglerin"). Wenn er wieder anfängt, sagst du: "Danke für deine Meinung, Herbert, aber ich entscheide mich heute für Freundlichkeit mir gegenüber." Diese Distanzierung hilft dir, die destruktiven Gedanken nicht mehr als absolute Wahrheit zu akzeptieren. Die Kraft der Grenzen
Ein wesentlicher Teil der Selbstliebe nach einer Trennung ist das Setzen von Grenzen. Das betrifft vor allem den Ex-Partner. Jedes Mal, wenn du Ja sagst, obwohl du Nein meinst (z.B. wenn er/sie dich um Hilfe bittet und es dich emotional zerreißt), verrätst du dich selbst ein Stück weit. Lerne, Nein zu sagen. Grenz dich ab. Das ist kein Akt der Feindseligkeit gegenüber dem anderen, sondern ein Akt der Liebe zu dir selbst. Du musst dein Herz jetzt wie eine Baustelle schützen: "Zutritt nur für befugtes Personal (Menschen, die dir wirklich guttun)". Neustart: Das Leben neu gestalten
Wenn du anfängst, dich selbst wieder mehr zu lieben, wirst du merken, dass sich dein äußeres Leben mitverändert. Du wirst anspruchsvoller bei der Wahl deiner Kontakte. Du wirst mutiger, Dinge auszuprobieren, die du früher vielleicht aus Rücksicht auf den Partner unterlassen hast. Die Zeit nach dem Liebeskummer kann eine unglaublich kreative und kraftvolle Zeit sein. Du bist frei! Nutze diese Freiheit, um die Person zu werden, die du schon immer sein wolltest. Wenn du dich selbst liebst, wirst du nie wieder einsam sein - denn du bist in bester Gesellschaft.
FAQ: Fragen zu Selbstliebe und Selbstwertgefühl
Kann man Selbstliebe lernen, wenn man sich jahrelang gehasst hat?
Absolut. Selbstliebe ist wie ein Muskel, den man trainieren kann. Es beginnt mit kleinen Schritten und kleinen Entscheidungen pro Tag. Es ist nie zu spät, Frieden mit sich selbst zu schließen.
Ist Selbstliebe gefährlich für zukünftige Beziehungen?
Im Gegenteil! Nur wenn du dich selbst liebst, kannst du eine gesunde Beziehung auf Augenhöhe führen. Du wirst nicht mehr aus einem Mangel heraus suchen (jemand, der mich "rettet"), sondern aus einer Fülle heraus (jemand, mit dem ich mein Glück teilen kann).
Was mache ich, wenn ich mich nach Übungen zur Selbstliebe noch schlechter fühle?
Das ist oft ein Zeichen dafür, dass alte Wunden berührt wurden. Sei sanft zu dir. Wenn die Übungen zu viel Druck aufbauen, lass sie erst einmal weg und konzentriere dich nur auf die reine Selbstfürsorge (Schlaf, Essen, Ruhe).
Wie erkenne ich, dass mein Selbstwertgefühl wieder steigt?
Wenn du anfängst, Komplimente anzunehmen, ohne sie abzuwerten. Wenn du dich traust, deine Meinung zu sagen. Wenn du dich im Spiegel anschaust und nicht mehr nur die Fehler suchst, sondern dich vielleicht sogar anlächelst.