glaube verloren

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abismo

Dabei
Jan. 2008
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hallo leute.
also ich bin 23 und männlich und studiere, soviel vorab.
meine situation ist wahrscheinlich nicht so schlimm, als wenn man aktiven liebeskummer hat, also probleme wegen eines partners oder expartners. trotzdem muss ich einiges schreiben, damit ich das mal alles los werde.

ich bin seit 15 monaten single und merke seit 2-3 monaten wie ich immer deprimierter werde.
meine letzte beziehung verlief nicht sehr harmonisch und war irgendwie krampfhaft, ich hatte noch nicht mit der davor abgeschlossen und habe probiert etwas in dem anderen mädchen zu finden, was sie nicht hatte. naja, danach hatte ich erstmal ne weile die nase voll und habe bis anfang 2007 eigentlich nicht mehr an ne beziehung gedacht, nichtmal an sex.

dann habe ich mich in ein mädel verguckt, aber ohne ernsthafte ambitionen. sie ist kurioser mit nem guten freund zusammengekommen. in dem moment muss ich irgendwie die kontrolle über mich verloren haben und habe etwas im nachhinein total nicht nachvollziehbares gemacht. ich habe einfach die beste freundin des mädels umschwärmt, und das ziemlich heimlich. naja, ich weiß nicht was ich von ihr wollte, denn eigentlich ticken wir ziemlich verschieden, zu ihrem glück hat sie das selbst gemerkt und ist nicht auf mich "reingefallen". naja, trotzdem fühlte ich mich danach, als ob ich nen korb bekommen hätte. ich hab dann erstmal wieder zurückgeschaltet und eingesehen, dass ich nichts erzwingen kann.

der sommer war ziemlich ruhig, ich habe niemanden getroffen - nicht mal jemanden toll gefunden. naja neues semester neues glück dachte ich mir. und siehe da ein mädel schenkte mir gleich zu beginn des semesters unerwartete aufmerksamkeit, ich war sofort darauf fixiert, dass ich jetzt vielleicht wieder jemanden zum anlehnen gefunden haben könnte. wir kannten uns schon so ein halbes jahr, aber ich habe an nichts gedacht. nunja, ich habe mir glaube ich ziemliche mühe gegeben sie nicht unter druck zu setzen und meine einsamkeit nicht so raushängen lassen. ich wollte, dass sich das ungezwungen entwickelt. es hat sich daraus nicht ergeben und irgendwann haben wir dann drüber geredet, ich hatte mich getäuscht, sie fand mich einfach nur so nett und wollte einfach kontakte knüpfen. ich habe das eingesehen und konnte ihr auch nicht böse sein, denn sie war einfach zu lieb. naja. jetzt sind wir einfach befreundet. trotzdem war ich irgendwie enttäuscht, dass ich immernoch allein da stand.

das mädel vom anfang des jahres, mit dem ich inzwischen auch gut befreundet bin, und mein kumpel trennten sich dann im oktober. ich war aber nicht mehr auf sie aus, hätte das auch im kopf nicht hinbekommen, jetzt mit der ex des kumpels rumzumachen oder so.
so langsam schlich sich bei mir allerdings erhebliche einsamkeit ein. ich merkte, dass ich total unausgeglichen war und nur noch nach ersatzablenkung in form von arbeit suchte. das hat mich dann auch ziemlich fertig gemacht mit der zeit. ich hatte phasen in der woche, an denen ich so viel schlaf brauchte, weil ich mich so ausgepumpt fühlte, dass ich angst hatte ich würde nen kollaps bekommen. ich habe versucht mit nem freund und auch meiner mum darüber zu reden, also dass ich im stress stehe, sie haben gesagt ich soll mich nicht unter druck setzen. ich habe aber nicht davon gesprochen, dass einsam bin. soetwas fällt mir sehr schwer, denn die menschen kennen mich als etwas schrägen typen, der alles nicht so ernst nimmt. naja, meine schlechte laune ist bestimmt auch von manchem bemerkt worden, aber niemand ist darauf eingegangen. ich denke, ich strahle irgendwas aus, was die leute dann abschreckt oder was sie glauben macht, dass ich ruhe brauche.
ich habe dann angefangen zu chatten mit mädels. ich habe mir davon nicht versprochen ne freundin im internet zu finden, sondern eher zu gucken, ob ich noch irgendwas ausstrahle, und mich die leute nicht sehen konnten, konnte ich schonmal ausschalten, dass sie durch meine frustrierten gesichtszüge abgeschreckt wurden.

ich bin an drei verschiedene mädels geraten, zwei nur wenig jünger als ich, die dritte erst 17. naja, wir haben viel geredet. sorgen haben die mehr oder weniger auch, ich habe aber das gefühl, dass ich sie auch irgendwie als therapeuten ansehe. bei der einen hat sich schnell herausgestellt, dass sie viele ratschläge gibt und mich probiert zu motivieren. es gelingt ihr nur mäßig und wir schreiben uns auch nicht mehr so oft. die andere ist ziemlich abgedreht, ich unterhalte mich gerne mit ihr, aber kann sie auch nicht so richtig ernst nehmen. die letzte ikst ziemlich lieb zu mir und wir sind inzwischen auch ziemlich vertraut. wir wollten uns nach weihnachten mal treffen und einfach gucken was passiert. ich hab mich schon ein wenig auf sie gefreut, aber es hat dann nicht geklappt und ich war ziemlich enttäuscht, weil ich es auch sofort auf mich bezogen habe. wir haben uns dann gestritten und es war einige tage funkstille, aber sie ist auf mich zu und wollte den kontakt nicht abbrechen lassen. ich bin drauf eingegangen, wir schreiben uns auch manchmal sms, so ein bisschen sehnsucht steckt bestimmt dahinter. feststeht aber, dass ich mit ihr nicht zusammen kommen werde, sie wohnt zu weit weg und sie ist auch zu jung und überhaupt, ich merke, dass ich nur versuche etwas zu kompensieren an ihr.

zwischen den internetbekanntschaften, habe ich auf dem heimweg zwei wochen vor weihnachten ein mädel getroffen, es war mehr so eine komische situation, weil wir ewig den gleichen weg hatten und sogar aus der gleichen bahn gestiegen sind. als sie dann nen anderen weg als ich ging, habe ich ihr noch nen schönen tag gewünscht, das waren die einzigen worte, also nen ziemlich lausiger flirt wahrscheinlich, aber sie hat mir ein bezauberndes lächel dafür geschenkt. ich habe in dem moment falsch reagiert, ich dachte ich werde sie schon wieder sehen und dann mal etwas mehr reden. wollte cool sein, das hätte ich lassen sollen. naja, einen tag später hab ich in der nacht suchzettel nach ihr an einigen laternen angeklebt, in der hoffnung sie würde es bemerken auf ihrem weg. naja nach ein paar tagen hatte die stadtreinigung die wieder abgenommen oder das wetter... jedenfalls hab ich sie nicht mehr gesehen und es kam auch keine nachricht an die email, die ich auf dem zettel hinterlassen hatte. nun aufeinmal gestern nachmittag, ich sah aus wie ein penner, unrasiert, schlabber-outfit und wollte nur was einkaufen, da sah ich sie plötzlich. ich bin zur haltestelle, obwohl ich da gar nicht hin musste, nur um sie zu sehen. sie hat mich nicht bemerkt oder nicht erkannt, jedenfalls bin ich total verplant in die bahn eingestiegen, sie stieg nicht ein (wartete wohl auf ne andere), naja ich wollte wieder aussteigen, aber das wäre peinlich gewesen. ich bin losgefahren und vorbei war die chance. ich habe mich so elendig gefühl danach, ich habe nen freund gefragt, ob wir was machen könnten abends, aber er konnte nicht, ein anderer war nicht da. nachts habe ich wieder mit dem mädel gechattet, ich war so verzweifelt, dass meine gesamte einsamkeit mal wieder im schreiben aus mir rauskam. ich wollte auf ein treffen drängen, sie war lieb und verständnisvoll. aber mehr auch nicht, sie merkt wohl, dass ich nen schaden habe und will sich mich nicht live antun oder hat selbst angst davor, was danach sein könnte.

nächsten montag geht die uni wieder los, ich habe gestern und heute etwas etwas gelesen für die uni, aber ich merke schon jetzt wie schwer es mir fällt mit den gedanken beim studium zu bleiben. meine einsamkeit und mein selbstmitleid ziehen mich richtig runter und die bevorstehenden wochen werden ziemlich hart an der uni, ich habe angst, dass ich dass alles nicht schaffe und gleichzeitig keine hofnung, dass mich irgendjemand in nächster zeit aufbauen könnte. mein selbstwertgefühl ist am boden, ich bin blockiert, wenn ich nur daran denke flirten zu müssen um mir die chance zu erarbeiten jemanden ernsthaft kennenzulernen. ich habe angst vor nochmehr rückschlägen. inzwischen bin ich nur noch einer von drei leuten aus meinem freundeskreis, der single ist. ich sehe das glück der anderen und bin nur noch traurig und frustriert. so sehen mich wahrscheinlich auch andere menschen, nur schreckt sie dieses wrack ab. ich kann mich aber nicht verstellen und den zuversichtlichen typen spielen. ich weiß keinen rat mehr, die einsamkeit ist erdrückend und die arbeit an der uni die mir bevorsteht macht mir angst allein. ich habe kein nahes ziel, was mir erreichbar scheint, nichts auf das ich mich nach der uni freuen könnte - fühle mich isoliert. freunde können mir nicht mehr helfen, hab ich das gefühl.


das war viel, tut mir leid, danke wenn ihr trotzdem durchgelesen habt.
 
Ich schätze, ich kann so in etwa nachvollziehen, wie du dich fühlst, denn ziemlich genau das gleiche hatte ich auch schon - vor sechs Jahren.

Ich habe grad einen Moment überlegt, wie ich damals aus diesem Gefühl "rausgekommen" bin.
Also zum einen wars das Hobby und zum anderen mein dadurch verstärktes Selbstvertrauen.
Für mich hört sich deine Situation so an, als hättest du weder das eine noch das andere.

Auch wenn deine Freizeit knapp ist, probiere doch mal, dir was zu suchen, was dich auf andere Gedanken bringt, was magst du?

Interessierst du dich für irgendwas, für Autos oder Fußball oder so?
Denn das Wichtigste ist, dass du mit dir selbst ins Reine kommst.
 
Ich schätze, ich kann so in etwa nachvollziehen, wie du dich fühlst, denn ziemlich genau das gleiche hatte ich auch schon - vor sechs Jahren.

Ich habe grad einen Moment überlegt, wie ich damals aus diesem Gefühl "rausgekommen" bin.
Also zum einen wars das Hobby und zum anderen mein dadurch verstärktes Selbstvertrauen.
Für mich hört sich deine Situation so an, als hättest du weder das eine noch das andere.

Auch wenn deine Freizeit knapp ist, probiere doch mal, dir was zu suchen, was dich auf andere Gedanken bringt, was magst du?

Interessierst du dich für irgendwas, für Autos oder Fußball oder so?
Denn das Wichtigste ist, dass du mit dir selbst ins Reine kommst.


ich treibe sport, und beginne die lust dran zu verlieren. ich koche neuerdings viel, aber es lenkt mich nicht genügend ab. ich höre musik, und es brinkt mich nur zum grübeln. wenn ich mit freunden weggehe, dann fühle ich mich nach jedem mal, dass ich wieder heimkomme noch schlechter. ich merke, dass man mich meidet, weil meine austrahlung gegen null geht, aber ich kann mich nicht aufraffen und den fröhlichen womanizer spielen. ich probiere doch viel, aber am ende ist nur das schlafen befreiend und sobal ich aufwache ist wieder alles zum kotzen.
 
Hast du das denn genauso wie du es hier schreibst auch schon mal in deiner Familie/ deinem Bekanntenkreis offen gelegt?
Sozusagen dein innerstes nach außen gekehrt?
Das kann man natürlich nur bei Menschen, die einem sehr nah stehen.
 
Hallo Du!
Ich glaube, ich kann Dich recht gut verstehen und auch nachfühlen wie es mit Dir aussieht. Gerade, wenn einen die Sehnsucht nach einem passenden Gegenüber so sehr einnimmt, fällt es schwer, sich noch auf andere Dinge zu konzentrieren oder sich einer anderen Leidenschaft zuzuwenden, die einem vielleicht die nötige Gelassenheit zurückgeben könnte, damit man nicht so krampfhaft an diese Verliebensgeschichte herangeht.

Leider ist meinem Eindruck nach meist eine gewisse Leichtigkeit und innere Ausgeglichenheit Voraussetzung dafür, dass man auf potentielle KandidatInnen interessant und verlockend wirkt. Ein Teufelskreis irgendwie - und wahrscheinlich sollte man sich helfen lassen, um aus dieser Depression wieder herauszufinden. Nachdem es mir ähnlich geht wie Dir, hab ich mich mal zu einer Psychotherapie durchgerungen, was viel schlimmer klingt als es ist. Im Grunde redet man da ja einfach nur über die eigene Situation mit jemandem, der ganz objektiv und unbeteiligt ist und allein, die Ängste und Probleme einfach nur auszusprechen, hilft einem schon sehr - so zumindest meine Erfahrung.

Da ich aber glaube, dass Du, so wie ich ;), gerne irgendwie AKTIV werden möchtest (und das ja auch oft tust und ganz bemerkenswert mutig, wie ich finde!), kannst Du Dir ja vielleicht eine Art Aktivitätsprogramm zurecht legen (Sport vielleicht mal in einem gemischten Team ;)) und dabei immer versuchen, Dich beständig für alles zu loben und zu preisen, was Du in Angriff nimmst - was immer es ist und wie "unbedeutend" es auch sein mag. Sei ruhig einfach schräg, wenn es Dir entspricht (wir Frauen mögen das sehr!!!), und unbedingt stolz darauf, aber setze Dich nicht unter Druck, jetzt und sofort jemanden finden zu müssen (wenn ich auch weiß, wie schwer das ist - schaffe es selber leider gar nicht im Moment - Tipps dazu sind auch mir sehr willkommen! ;)).

Für diese Zug-Aktion würde ich mir an Deiner Stelle heftig auf die Schulter klopfen, so mutig und lieb finde ich die! Wenn nicht gleich der Erfolg eintritt, dann versuche Dich nicht fertig zu machen, Du bist doch noch so jung und hast Freunde und aus dem Tief gibt's ein Entkommen! Du machst schon so viel richtig, vielleicht musst Du Dir das einfach jeden Tag aufs Neue vor Augen halten und es 10 x laut aussprechen, damit Du selber auch dran glauben kannst.
 
@ Nell

danke erstmal für deine worte.
ich denke schon länger darüber nach damit mal zu einem psychologen zu gehen. mich hindert nicht ein gedanke, dass es mir peinlich sein könnte, weil es mir einfach scheiß egal ist, was andere darüber denken könnten. ich habe damit nur ein anderes problem, denn ich glaube, dass mir ein therapeut nichts neues erzählt. ich habe irgendwie nen berg von selbsterkenntnissen. ich würde mich "auf der couch" damit nur im kreis drehen. ich würde mir damit vorkommen, wie jemand, der trotz praxisgebühr wegen einer erkältung zum arzt geht und hinterher enttäuscht ist, dass der arzt nur nasenspray und vitamin-c empfohlen hat. verstehst du, er wird mir nichts neues sagen.

in meiner familie würde das nur meine mutter nachvollziehen. aber meine mutter hatte vor einiger zeit das burn-out-syndrom, sie hat immernoch eine sehr leicht irritierbare seele. ich würde sie aus der bahn werfen, weil sie sich eh schon immer so viele sorgen um alles macht. dazu habe ich gemerkt, dass der rest meine familie mit depressiven menschen nicht gut umgehen kann, die sind alle verdränger. meine familie ist absolut der falsche ort.

freunde, ich sehr gute freunde, die weit weg sind, die könnten mich am ehesten verstehen. und einfach freunde, die mich nur als positiven/weisen menschen kennen, für die ich oft selbst der kummerkasten bin. ich habe das gefühl, dass sie die tragweite meiner schlechten stimmung einfach nicht wahrnehmen, weil sie sich nicht vorstellen können, dass ich mal ein ernstes problem haben könnte. und es fällt mir einfach verdammt schwer, darauf aufmerksam zu machen, ich habe nicht das gefühl, das man mich versteht, wenn ich erst überall schilder anbringen muss wo drauf steht "verdammt - es geht mir scheiße, merkt ihr das nicht?"

mit dem sport, du wirst lachen, ich gehe einmal die woche zum mixed-sport von der uni aus. es macht mir sportlich gesehen auch für den moment spaß, aber wenn ich raus gehe, dann fühle ich mich sofort wieder leer. der effekt hält einfach nicht.

danke, dass du meinen verpatzen-bahn-flirt zu schätzen weißt. das mit dem schräg sein kommt mir bekannt vor. ich bin von naturaus ein ziemliches kuriosum, ich glaube die leute lachen oft, wenn ich da bin, manchmal gebe ich ihnen wohl auch rätsel auf, weil ich auch mal einen sehr abstrakten humor habe. aber leider bewirkt, dass genau das gegenteil (wie bei dem freund-gibt-ratschläge-problem). die mädels(also die jungs auch) lachen mit mir, aber das distanziert sie gleichzeitig. ich habe fast das gefühl, als würde ich für jeden den ich mag, gleichzeitig unnahbar sein.
 
Hallo nochmal,
also ganz allgemein gesehen sollte ich besser nicht großspurig daherreden, weil ich mit dem Nachempfindenkönnen Deiner Situation ja leider keinen Lösungsweg vorzeichne, aber vielleicht lassen sich Strategien gegen die Niedergeschlagenheit auch gemeinsam entwickeln ;).
Was die Psychotherapie betrifft, habe ich das bis vor Kurzem genauso gesehen wie Du (hab das sogar kategorisch abgelehnt) - warum um teures Geld lange Monate Dinge aufarbeiten, die man längst weiß und sich Ratschläge anhören, die sich von selbst verstehen. Und über mich nachgedacht hab ich auch schon bis ins Detail - und zur Genüge.
Aber in den wenigen Stunden, die ich bisher in Anspruch genommen habe, ist es nicht so gelaufen - da rede nur ich - und nur worüber ich will - und irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich mich währenddessen geradezu weiterentwickle und für mich selber aktiv Antworten finde. Es klingt zwar beinahe grotesk, jemanden quasi fürs Zuhören zu bezahlen, aber mir hat das schon sehr viel gebracht und sogar bewirkt, dass ich mich weniger verloren fühle und sich irgendwie tatsächlich etwas verändert - wie auch immer das funktioniert, ich bin jedenfalls sehr begeistert.
Was Du über Deine Familie, Deine Mutter und die Freunde sagst, das verstehe ich sehr gut - ist absolut genauso bei mir - ich hab mich deshalb trotz großer Zweifel eben für die Therapie entschieden. Dass Du Dich jemandem anvertraust halte ich jedenfalls für unerlässlich - einer neuen Liebe kann man das noch nicht antun, finde ich. Da legst Du zu viel Gewicht in etwas, das erst wachsen muss und ein Mädchen, das Dich interssant findet, wäre wohl auch überfordert - aber: ich glaube, sie wäre überfordert damit, dass Du Deine schlechte Stimmung unterdrückst und Dich anders gibst, als Du Dich gerade fühlst.
Meiner Ansicht nach ist nämlich nicht das Depressivsein selbst der Grund, warum man niemanden findet, sondern die Tatsache, dass man unbedingt einen eben falschen (allzu fröhlichen, perfekten) Eindruck zu vermitteln versucht. Vielleicht ist das auch der Grund, warum Du meinst, dass Dir die anderen ablehnend gegenüber stehen oder Dich nur als "Clown" wertschätzen. Ich bin eigentlich fest davon überzeugt (oder sagen wir: ich hoffe es ;)), sie sind einfach nur irritiert, weil Du nicht authentisch bist.
Also wäre die logische Konsequenz daraus (und man soll, glaube ich, in einer solchen Phase der Niedergeschlagenheit unbedingt alles ausprobieren, was einem auch nur sehr unwahrscheinlicherweise vielleicht helfen könnte), Dich so zu zeigen, wie Du bist und Dich auch nicht darum zu kümmern, ob Du verstanden wirst oder nicht. Verstellen kostet nur unnötig Kraft, das kann man sich ganz sicher sparen.
Aktiv zu tun gibt es aber auch eine Menge: alles, was Spaß macht (ganz egal wie wenig nachhaltig der Effekt ist - die Leere danach kenne ich ganz genauso wie Du, mich befällt sie manchmal schon mittendrin...), musst Du so gut es geht, häufiger und regelmäßiger machen - aber auch alles andere ;). Die Überlegung, ob dieses oder jenes ev. Sinn macht und ob es etwas bringen könnte, würde ich aus meinem Repertoire streichen - sei's drum, Du probierst's einfach aus. Überhaupt - ich versuche im Moment, das ganze Gedankenmachen sein zu lassen. Vielleicht hilft Dir das ja auch. "Aktivsein" ist einfach alles. Gehe weniger in Dich - besser mehr aus Dir heraus (mit den ganz echten Gefühlen, ohne Rücksicht darauf, wie Deine Rolle bisher war oder wie Dich die anderen bisher Deiner Meinung nach gesehen haben).

Und wir können uns auf jeden Fall auch die Ideen und Tipps der in diesen Belangen schon Erfolgreichen anhören :roll:.
 
@ nell

ich bin wahrscheinlich noch nicht an dem punkt, wo ich mit der zuversicht, die du entwickelt hast, die dinge betrachten kann. ich werde es beherzigen.

eines ist aber nicht ganz rüber gekommen. ich verstelle mich nicht. ich "war" vor diesem tal in dem ich mich befinde, der natürlich schräge typ und mein problem ist ja gerade, dass die leute(freunde) nicht zu verstehen scheinen, dass ich jetzt nicht mehr lustig bin. sie begegnen mir so, als ob ich so wie immer wäre. das ist aber definitiv nicht so. alles was ich zu hören bekomme ist, geh mal einen trinken. ich bin geradezu verzweifelt, dass man mir scheinbar nicht zutraut in der patsche zu sitzen.
 
Hallo abismo,
ich verstehe dich, dass du in einer schwierigen Situation bist. Auch wenn ich dir keinen einfachen "Tipp" geben kann, wie sich das schnell ändern lässt, möchte auch ich dich ermuntern, das zu beherzigen, was morticia und nell dir raten.
Vor allem möchte ich auch bestätigen , was nell zu ihrer Erfahrung mit einer Therapie sagt. Auch ich habe, nach anfänglichem zögern mit einer Therapie gute Erfahrungen gemacht, als ich große Probleme am Arbeitplatz hatte. Ich denke auch, dass da noch viele Vorurteile überwunden werden müssen (der hat's nötig, ich bin doch nicht verrückt usw). Nein, wenn wir seelisch/emotionale Erkrankungen und Irritationen haben muß es so selbstverständlich werden uns von einem Arzt (Therapeut) helfen zu lassen, wie wenn wir Zahnschmerzen oder Nierensteine haben.

Für einen Erfolg sind aus meiner Sicht aber einige Voraussetzungen notwendig. Wir müssen Geduld haben und nicht erwarten, dass wir nach wenigen Stunden geheilt sind. Und wir müssen Glück haben , einen guten zu finden zu dem sich auch Vertrauen entwickelt.

Und noch zu deinen "Freunden". Ich denke , sie sind überfordert, dich in deiner jetzigen Situation zu verstehen. Sie deuten es eben aus ihrer oberflächlichen Sicht. Und mach dich nicht verrückt, indem du anfängst zu zählen, wie wenige noch solo sind. Bedenke auch, dass keineswegs jeder, den du mit einer Frau siehst, deshalb schon glücklich damit ist. Und du kannst deine Probleme nur bei dir angehen . Auch deshalb möchte ich dir zu einer Therapie raten. Viel Erfolg und herzliche Grüsse
 
Hallo,

habe hier mal den Thread überflogen...
möchte mich nur zur Therapie äussern. Was soll den bei Abismo therapiert werden? Ich finde dass er durchaus normal klingt. Wer einsam ist, kann schon verzweifeln. Spreche aus eigener Erfahrung - vor etwa 25J. Vll sollte er eher mal zu einer Lebensberatung gehen (Diakonie o.ä.) oder eine e-mail an die Telefonseelsorge schicken (habe ich auch so gemacht). Die helfen auch erstmal kostenlos.

Was die Therapie angeht, möchte ich das natürlich nicht ausreden, aber ich habe auch das versucht, weil ich letzten Sommer scchon sehr verzweifelt war. Und wißt Ihr was diese sog. Therapeutin zu mir gesagt hat: Was wollen Sie hier überhaupt? Sie brauchen keine Therapie... Bin aber wohl an die falsche geraten :(

Mittlerweile ist das Problem zwar immer noch da, aber wenn auch nicht immer, doch meist besser zu ertragen... (bin unglücklich in eine Arbeitskollegin verliebt - habe hierzu einen Thread hier)...

Und richtig, ich bin verheiratet und auch das unglücklich. Ist also auch nicht immer das Gelbe vom Ei mit jmd zusammen leben zu müssen.

Viel Glück

Arnie
 
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