Wann weiß man, ob man sich trennen muss oder ob es sich zu kämpfen lohnt?

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Gast
#1
Ich bin in einer sehr schwierigen Situation. Mein Freund und ich sind seit über 4 Jahren zusammen und wir haben sogar ein Haus zusammen gekauft. Ich bin schon lange, besonders aber nach dem Hauskauf in einem Gewissenskonflikt. Ich frage mich, ob das die richtige Beziehung ist und finde einfach keine klare Antwort, bzw. meine Gedanken dazu sind sehr schwankend. Ich frage mich auch, ob es eher nur an mir liegt, ob ich einfach zu hohe Erwartungen stelle, oder tatsächlich daran, dass er nicht zu mir passt.

Er hat so viele tolle Seiten, die ich schätze. Er hat es durch eine sehr schwere Kindheit als Problemkind zu einer sehr erfolgreichen Karriere gebracht. In seinem Job trägt er eine große Verantwortung und steht unter großem Druck, was er extrem gut handlen kann. Diese mentale Stärke bewundere ich. Zudem ist er witzig, liebt mich sehr, übt nie Kritik an mir ("Du bist meine Traumfrau"), wir unternehmen viel, er ist sehr intelligent und sieht auch gut aus ;).
Dennoch gibt es Seiten, die mich zweifeln lassen, ob wir zusammenpassen. Ich bin sehr gesellig, habe immer gern Menschen um mich herum. Er wiederum ist lieber für sich, ich fühle mich daher generell mit ihm allein. Es ist nicht einfach ihn in meinen Freundeskreis oder Familie zu integrieren. Meine Vorstellung von einem "offenen Haus", wo jeder willkommen ist, kann ich mit ihm nicht leben. Zudem neigt er etwas zu Egoismus (eher ggü anderen Menschen weniger ggü mir) und Impulsivität. Es fällt ihm außerdem schwer seine Gefühle auf "leidenschaftliche" Art und Weise zu zeigen. Ich weiß, warum dies so ist und ich weiß auch, dass er im Grunde genommen ein sehr gutes Herz hat. Er ist für mich etwas sehr Besonderes. Dennoch befinde ich mich in diesem Gewissenskonflikt, dem ich mich stellen möchte, denn auf Dauer kann es nicht gesund oder richtig sein, so weiterzumachen, denn ich bin nicht wirklich glücklich. Die große Frage ist für mich, ob ich nur über eine Trennung aus diesem Konflikt herauskomme, oder ob es mir irgendwie gelingt, diese Punkte, die ich als negativ empfinde, einfach zu akzeptieren, ihn so zu nehmen, wie er ist. Kann ich das? Ist das gesund? Ich weiß, dass mir niemand diese Entscheidung abnehmen kann, aber vielleicht war jemand von euch mal in einer ähnlichen Situation. Wie ist eure Meinung dazu, nachdem ihr diesen Text gelesen habt? Ich empfinde doch so viel für ihn, dass es mir das Herz zerreißt ihn unglücklich zu sehen. Ich habe Angst, etwas sehr Besonderes kaputt zu machen...
Vielen Dank für Eure Kommentare!
 

Papatom

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Dabei
12 Sep 2012
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#2
Hallo,
das tut mir leid für Dich. Ist immer hart, wenn man an diesen Punkt kommt.

Allerdings sollte man dann genau so sachlich da ran gehen. Sonst kommst Du nicht weiter.

Er sollte nicht Dein Maßstab sein. Du bist das. Da ist dann die Antwort eigentlich relativ einfach. Alles, was Dir nicht gut tut, solltest Du nicht einfach ertragen. komplizierter wird es eher, wenn Du überlegst, was Du noch machen könntest und ob Du das überhaupt noch willst.....

Mal ehrlich. Es können doch eigentlich nicht nur das fehlende offene Haus und, fehlende Leidenschaft und die "Impulsivität" sein.....so was kann man klären.

Also: Was ist es nun wirklich. Impulsivität kann von Quängeln bis Handgreiflichkeiten alles sein, da müßte man schon merh Info drüber haben. Ebenso bei den anderen Themen.

Wie ist denn Eure Kommunikation? Könnt ihr reden? Was sagt er dazu? Warum gibt es keinen Kompromiss? Warum findet Ihr nicht "Euren" Weg? Weiss er um die Gefährdung Eurer Ehe? Wie reagiert er?

Wenn Du das erzählen könnte man schauen, ob es noch Sinn macht und welche Möglichkeiten Du hast

Grüße
 
Dabei
28 Nov 2015
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#3
;)


Einfache, uralte Regel.

Das Streben nach Glück, Liebe, Weiterentwicklung und deren Befriedigung ist unendlich und letztlich auch unerfüllbar. Die Antwort auf das Leben ist der Tod.

„Der Mann stellt an das Weib die Frage des Lebens, und das Weib antwortet bejahend mit dem Tode. Der Tod gibt dem unendlich wachsenden Leben die Form.“ (Natur und Geist, Ricarda Huch)



Sax ;)
 
Dabei
10 Jun 2015
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#4
Heho Gast, den perfekten Menschen/Partner gibt es nicht.
Auch Du bist keiner. Stellst Du Dich ebenso in Frage ?

Willst Du gesellig sein - mach doch.
Muß er mitmachen ? Nein.

Jeder Mensch braucht Freiräume, Zeiten in denen man kein Paar sein muß.
In purer Harmonie sterben wir vor langer Weile.

Solltest Du ihn los werden wollen, geht er nach Deiner Personenbeschreibung
+ Haus, weg wie geschnitten Brot :mrgreen:

Gruss, Rapante
 
Dabei
8 Dez 2015
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#5
Hallo Papatom,
danke für Deine Antwort!
Ja wir können recht offen über unsere Probleme reden. Seine Impulsivität ist schon oft ein Problem, da er Schwierigkeiten hat diese zu steuern. Er wird dann recht aufbrausend und unfair, obwohl es keinen richtigen Grund gibt. Danach fällt es ihm schwer sich zu entschuldigen und wir verharren im Schweigen, bis ich auf ihn zugehe, um es zu klären. Er wird aber nicht handgreiflich oder Ähnliches. Außerdem ist er sich über diese schlechte Eigenschaft bewusst, aber es ist halt manchmal schwierig, fest verankerte Verhaltensweisen zu ändern. Ich wiederum bin ziemlich sensibel, eher extravertiert und harmonieliebend und kann über diese Verhaltensweise nicht einfach hinwegsehen und schon ist der Konflikt da. Aber auch hier reden wir darüber und es ist aktuell auch nicht so, dass es zum Alltag gehört, es kommt halt mal vor.
Das Gesellige ist dann doch etwas, was sich bei uns nicht so richtig vereinbaren lässt. Ich gehe diesem Verlangen nach, es ist bei mir zugegebenermaßen auch sehr ausgeprägt, nur eben ohne ihn, da es nicht seins ist und das akzeptiere ich auch. Man kann es jetzt als nebensächlich abtun, aber für mich ist das schon ein wichtiger Punkt. Ich habe selbstverständlich kein Problem damit, ohne ihn etwas zu unternehmen (genieße es auch), aber ich habe einfach eine stille Sehnsucht nach jemanden, der auch mal mit mir loszieht, oder der sich sogar einen Urlaub mit mir + Freunden vorstellen könnte, Übernachtungsbesuch akzeptiert, etc. Ich bin so aufgewachsen und hab es gern so und so stelle ich mir meine Zukunft vor. Ich kann mir auch vorstellen, dass es an meiner Lebensphase liegt. Wenn wir mal Kinder haben werden (gemeinsamer Wunsch) zieht der Trubel ja automatisch mit ein.

Als es noch extremer war mit seiner Impulsivität habe ich einen Trennungsversuch gestartet. Das war vor einem Monat. Seit dem reden wir viel mehr miteinander und er hat es besser im Griff. Ich kann auf jeden Fall sagen, dass er meine Gefühle nicht ignoriert. Auch, wenn ich dafür immer erstmal kämpfen muss. Aber dennoch ist bei mir eine Unsicherheit entstanden.

Ob ich mich auch mal selbst reflektiere? Ja. Und mir ist bewusst, dass ich in negativer Weise perfektionistisch bin. Ich möchte definitiv nicht die Freundin sein, die versucht ihren Partner zurechtzubiegen. Ich möchte bedingungloser sein, so wie er es auch ist. Allerdings fällt es mir einfach schwer zu entscheiden, was ich akzeptieren möchte und womit ich nicht leben möchte. Wo fängt der Perfektionismus an?

@Rapante: Da bin ich mir auch sicher ;)
 
Dabei
8 Dez 2015
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#6
...ich muss, um ein besseres Bild der Situation zu zeichnen auch erwähnen, dass er ein gewisses Alkoholproblem hat. Das bedeutet, dass wenn er mal etwas trinkt (kommt selten vor), dann läuft es außer Kontrolle und er wird ein richtiger Arsch. Hatten in den 4 Jahren sehr viele Auseinandersetzungen deshalb gehabt. Er versucht jetzt gar nichts mehr zu trinken, allerdings wurde das Versprechen schon oft gebrochen. Das Versprechen wurde nach meinem Trennungsversuch erneuert...
Ich möchte damit deutlich machen, warum bei mir diese Unsicherheit, die nun da ist, entstanden ist.
 
Dabei
13 Jul 2015
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#7
Hey Gast,
mir erging es einmal auch ganz ähnlich.

Ich war 2 Jahre mit meinem Exfreund zusammengewesen und habe damals auch mit ihm zusammengewohnt, als sich langsam Zweifel eingeschlichen haben. Ich hatte dasselbe Problem wie du: Ich bin eher gesellig, ich liebe es einfach Leute mit nach Hause zu nehmen und mich dabei wohlzufühlen. Mit meinem damaligen Freund ging das nicht. Die Situation war immer ziemlich angespannt, einfach weil er nicht mit meinen Freunden auf einer Wellenlänge war und sich unwohl gefühlt hat. Auch wenn ich ihn mitgenommen habe zu Spieleabenden, feiern, Sport, fiel es ihm sehr schwer einfach mal auf meine Freunde zuzugehen und saß dann eher abseits herum.

Es war eine schöne Beziehung, harmonisch und liebevoll. Er hat mich sehr geliebt.
Und da ist auch der Knackpunkt: Aus "aber er liebt mich doch so sehr" wird noch lange keine glückliche oder gute Beziehung.
Ich war Monatelang in einem auf und ab. An dem einen Tag voller Zweifel, an dem nächsten wieder davon überzeugt in ihm einen Mann fürs Leben gefunden zu haben.
Im Grunde wusste ich dass wir nicht zusammenpassen, das wir nicht genug auf einer Wellenlänge waren. Es war eher eine Ahnung, ein Bauchgefühl, dass man auch schnell mal verscheuchen konnte.

Es fehlten einfach die Momente, in denen ich gemerkt habe, dass uns wirklich viel verbindet. Etwas, eine Idee oder ein Gedanke, der uns beide begeistert. Ein Gefühl von: "ja, er versteht was ich meine!". Es war eher ein angenehmes vor-sich-hin-leben.

Inzwischen weiß ich auch, warum ich so lange gehadert habe mich zu trennen:
erstens war er mir unheimlich sympathisch, und sehr wichtig, ein sehr lieber Kerl. Ich wollte ihm nicht wehtun. Ich fand den Gedanken auch schwer, ihn einfach so aus meinem Leben zu streichen.
Zweitens war ich relativ neu in der Stadt und hatte erst einmal eher oberflächliche Bekanntschaften, habe mich aber sehr nach etwas realem und tiefer gehenden gesehnt. Da kam die Intimität einer Beziehung sehr gelegen, die einem so etwas ja schon mal vorgaukeln kann. Er hat mir sehr gutgetan. Aber eigentlich war ich nur einsam und habe deshalb die Beziehung mit ihm angefangen.

Irgendwie stimmte alles immer nur so zu 3/4.

Dann habe ich mich getrennt.
Und es war eine so gute Entscheidung! Es ging mir mit der Zeit viel, viel besser. Ich hatte das Gefühl, endlich wieder ich zu sein. Ich habe vieles viel klarer gesehen. Ich habe mir da die ganze Zeit etwas vorgemacht. Erst als ich eine Außenperspektive bekommen habe und ein bisschen Abstand zu den Gefühlen von Schuld und Verlust ist mir das klargeworden.

Ich habe gemerkt: das Bauchgefühl ist ein ziemlich guter Ratgeber, vor allem im Gefühls-Tohuwabohu.

Das ist nur meine Geschichte. Aber ich habe mich doch in vielen von deinen Beschreibungen wiedererkannt.

Was sagt dein Bauchgefühl?
Alles Gute
Ida
 
Dabei
6 Mrz 2013
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4.347
#8
Bei mir wäre die Entscheidung davon abhängig, wie sehr mich etwas was er hat, nervt und/oder wie sehr mir etwas, was er nicht hat, fehlt (um das jetzt mal negativ auszudrücken).

Ein Totschlagskriterium wäre für mich zB (für sich genommen, nicht kumulativ): "Impulsivität" (soll heißen rücksichtslose Unbeherrschtheit), ein "gewisses" Alkoholproblem (also halt einfach ein Alkoholproblem) und das eine oder andere was du hier nicht beschrieben hast (zB finde ich Chaoten unerträglich und nicht "liebenswert").
Dann gibt es Dinge, die mir richtig fehlen, wenn sie nicht da sind (zB Redegewandtheit).
Und dann gibt es so Dinge dazwischen. ZB: Wenn der Mann Gefühle zeigen kann find ich es schön, wenn er es nicht kann, kann ich auch gut damit umgehen.
Und dann kommt es auch mal vor dass ich mich irre. ZB dachte ich immer, ich könnte nie mit einem Mann zusammen sein, der keinen Humor hat bzw mit meinem Humor nichts anfangen kann. War dann aber doch kein Problem.

Eine Beziehung hat für mich dann keinen Sinn (mehr), wenn die Bilanz nachhaltig ins Negative abrutscht. Spürst du denn nicht, was bei dir überwiegt - das Wohlgefühl wenn du mit ihm zusammen bist, oder der Nervfaktor bzw die Sehnsucht nach einem konkret anderen Typ Mensch?
 
Dabei
5 Jun 2015
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#9
Hallo Gast 87
Wenn ich alles so auf mich wirken lasse, was du schreibst,
habe ich das Gefühl, das du dir von irgendwoher die Erlaubniss holen möchtest,
dich von diesem Mann zu trennen.
Mir kommt es vor, als wolltest du ihm kein Unrecht tun,
und es hält dich auch noch das eine oder andere,
aber du agierst hier mit dem Kopf und nicht mit deinem Herzen.
Dein Herz ist in dieser Angelegenheit schon ausgestiegen.
Kann das so sein?

Ich habe in meiner ersten Ehe viele Jahre hin und her gedacht,
ob ich einfach zu egoistisch bin, nicht liebesfähig genug und zu anspruchsvoll,
oder ob es am Typ des Partners liegt,
das wir einfach nicht wirklich zusammen passen.

Nach vielen Jahren habe ich mich dann getrennt.
es war die richtige Entscheidung.

Heute weiß ich besser über mein Herz Bescheid.
es ist mein Wegweiser , alles andere macht unglücklich
 
Dabei
8 Dez 2015
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#10
Vielen Dank für Eure Meinungen & Erfahrungsaustausch. Das berühmte innere Theater spielt verrückt, alle rufen durcheinander. Ich versuche auf mein Bauchgefühl zu hören, aber ich versteh noch nicht ganz, was es mir sagt. Vielleicht ruft auch der Kopf zu laut dazwischen. Ich frage mich natürlich auch (kopfgetrieben) was passiert, wenn ich mich trenne? In vielen Hinsichten fast eine Katastrophe: finanziell, müsste unser gerade erworbenes und gemeinsam schön eingerichtetes Traumhaus aufgeben, meine Familie wird sich große Sorgen machen, ich werde vllt. niemanden mehr finden, der zu mir passt, ich verletze jemanden zutiefst, der mir sehr wichtig ist, gebe alle Zukunftspläne auf.
Man möchte sich, wenn man einen so hohen Preis zahlt natürlich sicher sein und das bin ich mir nicht. Dennoch möchte ich dieses negative Gefühl, das ich jetzt habe, nicht ignorieren. Hach, ich fühl mich so fremdbestimmt....
 

Papatom

Moderator
Dabei
12 Sep 2012
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#11
Moin,
schließe mich Cybele an. Du relativierst noch zu sehr um klar sehen zu können. Deshalb habe ich auch so direkt nachgefragt und so recht antworten magst Du ja immer noch nicht.

Aus dem manchmal impulsiven nicht so leidenschaftlichen Mann ist innerhalb von 10 Posts schon mal ein richtiger Arsch der rumschreit mit Alkoholproblem geworden, der sich nicht an elementare partnerschaftliche Vereinbarungen halten kann.

Merkst Du das?

Ich bin mir sicher, wenn Du in Dich gehst wirst Du mehr Punkte finden.

Deshalb auch meine Fragen.

Es ist immer schwer diesen Schritt zu gehen und die Gefühle zuzulassen. Irgendwie ist das ja ein Tabu. Trennen? Hat man versagft? Hat man alles getan? Das sind unterbewußt immer diese Anklagen die im Raum hängen.

Wo die Grenze für Dich liegt, musst Du letztlich selber wissen. Ich bin mir allerdings relativ sicher, das weißt Du eigentlich schon......

Grüße
 
Dabei
21 Jul 2015
Beiträge
665
#12
wenn du schon selber sagst, dass du unglücklich bist, stürzt du dich noch ins grössere Unglück, wenn ihr ein Haus kauft.
Räum zuerst den Keller auf, erst dann solltest du solche Gedanken an ein gemeinsame Haus lenken.
 
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