Daddy Issues

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27 Mrz 2012
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#31
Ich blase quasi ins selber Horn wie the_m (#14) und Rapante (#9), von denen besonders #9 eine ähnliche Schreibweise mit Imperativen aufweist wie meiner. Das ist einfach leichter als "meine Meinung ist" und "ich würde empfehlen". Aber es bedeutet dasselbe, denn die Entscheidung liegt bei dir.

Natürlich war der Beitrag gut gemeint. Aber du darfst natürlich daraus machen, was du willst...
 

Papatom

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Dabei
12 Sep 2012
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#32
Moin,
komische Spielchen...so mal als in dem "fast Alter, Dein Vater sein zu können"......was soll der Mist?

Ich meine, Du "weißt" offensichtlich, dass Du ihm egal bist.....seltsamerweise bist Du ihm aber so wichtig, dass er ein "Experiment" startet. Kann also nicht "egal" sein, denn dann gäbe es kein Experiment, gell?

Ich glaube, Eure Baustelle ist eben gerade am eskalieren. Dir hat oft die Liebe und Bestätigung gefehlt. Man braucht als Kind seine Eltern, kann man nicht viel gegen tun. Die rationale Seite später kann die Emotionen nicht auslöschen. Das was da gerade bei Dir passiert ist doch auch Bockigkeit. Aber offensichtlich fehlt ihm genau das Selbe wie Dir....;)

Ich befürworte sein "Experiment" nicht. Manipulation ist immer daneben. Aber sei mal ehrlich, im Spielchen spielen und "wie Du mir so ich Dir" bist Du auch ganz gut. Hat wohl Eure Beziehung geprägt in der Vergangenheit.

Ich verstehe es so, dass Deine Eltern geschieden sind. Du trägst ihm das auch immer noch nach, wie man zwischen den Zeilen liest.

Wenn er Dir egal wäre, würdest Du hier nicht schreiben, sondern knapp den Kontakt sein lassen. Also schließe ich mich an, ruf an. Warum? Weil es in Beziehungen, so lange sie was bedeuten (und das tun Eltern [leider?] irgendie immer) keine "Gewinner" und keine "Verlierer" im Konflikt gibt. Was würdest Du gewinnen? Es ihm "endlich mal gezeigt zu haben"?

Wenn ich ehrlich bin ist bei Euch schon viel früher was schief gelaufen. Die Väter, denen die eigenen Kinder egal sind, sind eigentlich recht wenige. Väter die eine Katastrophe sind, wenn es um Gefühle gibt, sind da wesentlich häufiger. Sicher kann man als Kind nicht viel tun.

Du bist aber nun langsam erwachsen und da würde ich Dir raten, entsprechend souverän zu handeln.

So wie einige hier mal eben "nie wieder" Kontakt haben lässt sich leicht tippen. Aber kann man es so leicht leben? Was wenn er letztlich mal stirbt so mit der ungelösten Geschichte? Lässt Dich das total kalt als Vorstellung? Mir scheint, es ist Dir unterschwellig wichtiger, mit ihm einige "erträglichere" Beziehung zu haben, als Du denkst.

Grüße
 
Dabei
6 Mrz 2013
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#33
So wie einige hier mal eben "nie wieder" Kontakt haben lässt sich leicht tippen. Aber kann man es so leicht leben?
Ich denke nicht dass das jemand hier mal eben so hintippt. Und leicht ist es auch nicht. Aber es kann deutlich besser sein als ein quälender Kontakt.

Mir scheint, es ist Dir unterschwellig wichtiger, mit ihm einige "erträglichere" Beziehung zu haben, als Du denkst.
Im Fall von idkat halte ich das auch für denkbar.
 
Dabei
27 Feb 2013
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#34
Darf ich mal in die Runde fragen, wer von denen, die hier gepostet bzw. einen Ratschlag gegeben haben, ein schlechtes Verhältnis zu einem oder beiden Elternteilen hat?

Es ist doch so, dass wir alle schon geliebt, entliebt, Liebeskummer und Trennungen erlebt haben usw. und da leichter bei Liebesangelegenheiten mitreden und uns vor allem hineinfühlen können.

Der Ratschlag, die Eltern-Kind-Beziehung wie eine normale Beziehung zu behandeln, hinkt meiner Meinung nach. Weil wenn ein (Liebes)Partner nicht passt, tschüss, der nächste kommt bestimmt.

Aber man hat nur einen Vater und eine Mutter.
 
Dabei
6 Feb 2017
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#35
Mensch, Papatom. Dein Beitrag ist ja fast so schwer zu beantworten wie der von Klingel, warum müsst ihr denn immer so in die Tiefe gehen..^^

......was soll der Mist?
Ich nehme das mal als rhetorische Frage und fühle mich dezent angegriffen.

Ich meine, Du "weißt" offensichtlich, dass Du ihm egal bist....
Nö, ich weiß (!), dass er mich nicht liebt. Zwischen egal und Liebe ist noch an weites Spektrum an unterschiedlichen Ausmaßen von Zuneigung möglich. Ich hab ja gesagt, ich denke er mag mich eigentlich.

Aber sei mal ehrlich, im Spielchen spielen und "wie Du mir so ich Dir" bist Du auch ganz gut. Hat wohl Eure Beziehung geprägt in der Vergangenheit.
Nein. Hier widerspreche ich einmal. Ich denke, wenn ich Spielchen spielen will, dann bin ich darin gut, aber wenn man jetzt die Menschen fragen würde, die seit Jahren oder Jahrzenten in meinem nahen Umfeld sind, dann würde keiner von ihnen unterschreiben, dass ich gerne Spielchen spiele. Und irgendwie geprägt hat das unsere Beziehung auch nicht. Unser letzter Streit liegt 10 Jahre zurück und war nichtmal ein richtiger Streit. Ich hatte nur angekündigt meine Schulferien da nicht mehr verbringen zu wollen, weil ich es alleine (mein Bruder kam da schon nicht mehr mit - schon viel länger "zerstritten") es nicht mit seiner Frau aushalten würde. Nachdem wir uns dann aber etwa ein Jahr nicht gesehen und kaum gesprochen hatten dadurch, änderte ich meine Meinung und fragte, ob ich die nächsten Ferien doch wieder dort verbringen könne. Ich ließ mich dann dort von seiner Frau zusammenscheißen, was ich mir denn einbilden würde da jetzt nochmal aufzutauchen und ob ich denn nicht mal darüber nachdenken würde, wie das eigentlich für sie sei, wenn ich jetzt wieder dahin komme - in ihr zu Hause, wo ich sie ja scheinbar so hasse. Ich entschuldigte mich und danach war dann die nächsten 10 Jahre das, was du als "lieber erträglich als gar nicht" bezeichnet hast. Mehr Schein als Sein.

Ich verstehe es so, dass Deine Eltern geschieden sind. Du trägst ihm das auch immer noch nach, wie man zwischen den Zeilen liest.
Ich trage ihm nicht die Scheidung nach, sondern was er für ein schwacher Mensch ist und da fällt die Trennung/Scheidung eben mit rein.

Was würdest Du gewinnen? Es ihm "endlich mal gezeigt zu haben"?
Es geht mir nicht ums gewinnen, sondern darum den Zustand zu finden, der für mich das geringere Übel ist. Und das ist gerade der Zwiespalt in dem ich stecke, denn wenn ich daran denke ihn anzurufen (und nach Rapantes letztem Beitrag war ich fast so weit, aber jetzt nicht mehr), dann werde ich einfach wütend. Ich denke mir dann (an meinen Vater gerichtet) "Super, mal wieder durftest du die kindliche Rolle annehmen und ich soll die Erwachsene sein. Cool. Danke für nichts."
Deshalb zieht dieses ganze du-bist-doch-erwachsen-verhalte-dich-mal-so-Gerede auch nicht bei mir. Ich will nicht die Erwachsene sein.
Wenn ich dann an den Zustand denke es zu lassen, dann denke ich das könnte mich ziemlich erleichtern. Keine Vater-Tochter-Beziehung mehr vorspielen und sich nicht mehr um Anerkennung bemühen, obwohl man ja auch ohne zurecht kommt. Aber dann denke ich es wäre nur wegrennen, vermeiden, verleugnen, ausweichen.. sowas. Weil es mich ja nur erleichtern würde, weil es unangenehm ist mit was für Dingen ich im Kontakt mit ihm konfrontiert werde.

Also bin ich unentschlossen.

Es ist aber auch nicht so, als hätte ich gar kein Verständnis für ihn.
Ich weiß, dass seine Situation kacke ist. Er ist Alleinversorger einer kleinen Familie, muss ein Haus abbezahlen und sie führen zwei Autos - kein billiges Leben. Noch dazu denke ich nicht, dass er da glücklich ist, aber es wäre mit Sicherheit super schlimm für ihn, wenn er verlassen werden würde. Er war jetzt seit er 21 war nicht mehr alleine oder Single - ich bin mir sicher, dass er denkt, dass er das auch gar nicht könnte. Und dann nochmal Unterhalt zahlen und nochmal ein Kind gegen sich aufhetzen lassen (hab einen kleinen Halbbruder).
Ich denke was er an mir nicht mag, ist dass ich immer die Seite von meiner Mutter ergriffen hab. Ich hab damals auch seine Affäre verraten (ich war 5).
Und er kennt mich halt auch einfach nicht gut. Einmal, als er zu mir meinte, dass ich nie so klug wie meine Brüder gewesen wäre (weil ich zu gute Noten hatte, um unterfordert zu sein - laut ihm), hab ich ihn gefragt woher er das wissen wolle er sei ja nicht da gewesen, als ich in dem Alter war. Da meinte er dann "das stimmt".
Also ich kann mir schon vorstellen, dass er überfordert ist und jetzt nicht weiß was er mit mir machen soll und dass es ihn verwirrt, dass ich auf einmal auf stumm schalte und dann ja vermutlich wirklich richtig sauer sein muss, aber mich dann zwischendurch so melde als würde ja nichts sein. Ich kann das schon sehen. Aber mein Mitleid reicht derzeit noch nicht aus, um zum Hörer zu greifen.
 
Dabei
10 Aug 2015
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#36
Darf ich mal in die Runde fragen, wer von denen, die hier gepostet bzw. einen Ratschlag gegeben haben, ein schlechtes Verhältnis zu einem oder beiden Elternteilen hat?

Es ist doch so, dass wir alle schon geliebt, entliebt, Liebeskummer und Trennungen erlebt haben usw. und da leichter bei Liebesangelegenheiten mitreden und uns vor allem hineinfühlen können.

Der Ratschlag, die Eltern-Kind-Beziehung wie eine normale Beziehung zu behandeln, hinkt meiner Meinung nach. Weil wenn ein (Liebes)Partner nicht passt, tschüss, der nächste kommt bestimmt.

Aber man hat nur einen Vater und eine Mutter.
Ich hab gar keine Beziehung zu meinem Vater mehr. Wie bereits geschreibene ist er nach der Scheidung einfach abgehauen und hat uns Kinder im Stich gelassen.
Er hat sich weder zum Geburtstag noch zu Weihnachten oder anderen Anlässen gemeldet.
Er ist für mich dadurch tatsächlich gestorben. Nach 20 Jahren wollter er wieder Kontakt - ich aber nicht! Er ist eine fremde Person, die sich bewusst entschieden hat aus meinem Leben zu verschwinden.
Das musst ich akzeptieren - ein zurück gibt es aber von meiner Seite nicht mehr - wozu auch - ich hab mehr Bindung zu meinen Nachbarn die ich sehr unregelmäßig sehe......

Die Beziehung wie eine "normale" Beziehung zu sehen funktioniert nicht, denn das ist sie nicht. Dennoch sind auch Vater und Mutter nur Menschen - machen natürlich auch Fehler.
Aber wie alles im Leben gibt es Grenzen die niemand überschreiten darf - und jeder Mensch hat Grenzen gezogen, bis hier und nicht weiter.

Ich halte es grundsätzlich falsch Spielchen zu spielen - man sollte klar artikulieren was man will und was man nicht will. Nur so kann man erst genommen werden nur so kommt es zu weniger missverständnissen.
Wenn 2 Personen spielchen spielen,und es darauf hinausläuft, dass Beziehungen am Ende sind usw. sind das aus meiner sich (sorry für die harten Worte) einfach nur Idioten!

Wenn jemand klar sagt was er will und es wirklich klar ist und ein andere zieht nicht mit, warum auch immer muss man die Konsequenzen ziehen.
 
Dabei
10 Aug 2015
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#37
Zitat:"Ich denke was er an mir nicht mag, ist dass ich immer die Seite von meiner Mutter ergriffen hab. Ich hab damals auch seine Affäre verraten (ich war 5)."
eben und du hast es nicht verarbeitet - du machst den klassischen Fehler und schst die Schuld für die Probleme Deiner Eltern bei Dir - das Kind ist aber NIEMALS schuld - egal was es getan hat.

Zitat:"Aber mein Mitleid reicht derzeit noch nicht aus, um zum Hörer zu greifen"
ich glaube Du machst Dir was vor - du rufst nicht an wegen Mitelid mit ihm - wozu auch - es geht um DICH was willst DU?

ganz ehrlich und das mein ich nicht böse: Such ne Therapeuthen mit dem du über diese Themen sprechen kannst - ich glaube du hast die Scheidung und alles was damit zusammenhängt nicht verarbeitet - er vielleicht auch nicht das kann ich nicht sagen.
Aus meiner Sicht brauchst du hier einen profesionellen Rat. Den kann Dir hier im Forum keiner geben, weil er zu wenig über Dich weiß und weil Dich hier niemand kennt.
Ausserdem müsste man Dir die richtigen Fragen stellen um herauszufinden wo das Problem liegen könnte. Ich bin der Meinung, das es an Deiner Kindehit auf jeden Fall mit liegt.
Du wurdest ebenfalls verlassen und ..... wie gesagt geh zu nem Therapeuthen - die sind spezialisiert haben tolle tips und können einem aus der Sackgasse helfen.
Vor allem werden die Problem von verschiedenen Blickrichtungen angegangen was Dir sicherlich weiterhelfen wird.

Hinweis das es an Deiner Kindheit liegt: Zitat"Ich will nicht die Erwachsene sein." "und sich nicht mehr um Anerkennung bemühen"
"Und er kennt mich halt auch einfach nicht gut. Einmal, als er zu mir meinte, dass ich nie so klug wie meine Brüder gewesen wäre"
"Super, mal wieder durftest du die kindliche Rolle annehmen und ich soll die Erwachsene sein. Cool. Danke für nichts"
 
Dabei
6 Mrz 2013
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#38
Weil wenn ein (Liebes)Partner nicht passt, tschüss, der nächste kommt bestimmt.
So sehe ich meine Liebesbeziehungen nicht.

Daher kann ich immer noch keinen Grund erkennen, wieso man sich von einem Verwandten verletzen, quälen oder schlicht nerven lassen sollte, von einem Partner aber nicht.
 
Dabei
6 Mrz 2013
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#39
Wenn ich dann an den Zustand denke es zu lassen, dann denke ich das könnte mich ziemlich erleichtern. Keine Vater-Tochter-Beziehung mehr vorspielen und sich nicht mehr um Anerkennung bemühen, obwohl man ja auch ohne zurecht kommt. Aber dann denke ich es wäre nur wegrennen, vermeiden, verleugnen, ausweichen.. sowas. Weil es mich ja nur erleichtern würde, weil es unangenehm ist mit was für Dingen ich im Kontakt mit ihm konfrontiert werde.
Was kommt dir so falsch daran vor, dich zu "erleichtern", etwas Unangenehmes sein zu lassen, was du nicht nötig hast?
Das braucht zwar kein Maßstab zu sein, aber dein Vater handelt ja offenbar auch nach der Devise, dass er das tut was für ihn am angenehmsten ist und Unangenehmes lässt, weil er es nicht nötig hat.

Ich denke was er an mir nicht mag, ist dass ich immer die Seite von meiner Mutter ergriffen hab. Ich hab damals auch seine Affäre verraten (ich war 5).
Das könnte schon eine Rolle spielen. Auch wenn du da nichts "dafür kannst" und jetzt eigentlich genug Zeit verstrichen sein sollte, um da mal einen Strich drunter zu machen.
 
Dabei
6 Mrz 2013
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#40
Die Beziehung wie eine "normale" Beziehung zu sehen funktioniert nicht, denn das ist sie nicht.
Wesentlich ist hier mE das "Loslassen". Wenn das in Partnerbeziehungen funktioniert, warum soll das bei einer Eltern-Kind-Beziehung nicht funktionieren?

Für mich hat das funktioniert. Ich habe mir zwar als Jugendliche wohl nicht bewusst diese Strategie aus mehreren zur Verfügung stehenden ausgesucht, aber rückblickend kann ich sagen, dass es mir damit gelungen ist, mich so zu entwickeln wie es gut für mich ist. Im Gegenzug kenne ich etliche Menschen, die ohne diese Strategie angewandt zu haben nach wie vor ein verkorkstes Verhältnis zu Vater oder Mutter - und zu sich selbst - haben.
 
Dabei
6 Feb 2017
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#41
the_m hat gesagt.:
ganz ehrlich und das mein ich nicht böse: Such ne Therapeuthen mit dem du über diese Themen sprechen kannst
Kennst du eine Person, die durch Therapie ihr Leben besser auf die Reihe bekommen hat?
Ich nämlich nicht. Meiner Beobachtung nach wird der Fokus bei einer Therapie so sehr auf den Patienten gerichtet, dass dieser sich auf einmal für den zentralen Punkt in allen möglichen Bereichen hält und vergisst, dass er nur in einem einzigen Leben der Hauptcharakter ist und in ganz ganz vielen anderen Leben aber der unterstützende Charakter. Hieran mag ich, dass so viele andere Geschichten von anderen Menschen auch noch mit einfließen und man daher einen weiteren Blick erhält..

the_m hat gesagt.:
ich glaube Du machst Dir was vor - du rufst nicht an wegen Mitelid mit ihm - wozu auch - es geht um DICH was willst DU?
Was ich will...
1. Nicht die Hoffnung aufgeben, dass er sich nicht vielleicht doch noch überwindet mal zu handeln ohne dass ich das für ihn übernehme
2. Lieber gar kein Gespräch, wenn die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, dass das einzige Gespräch, das ich bekommen würde, eins ist, in welchem ich nur rede und er nur schweigt und am Ende sagt "ja, ist wohl alles subjektiv."
3. Mal wieder meinen kleinen Bruder sehen
4. Nicht mit seiner Frau reden müssen

Also eins steht fest. Alles davon kann ich nicht haben.

Ich empfinde Mitleid, wenn ich daran denke was für ein Leben er führt und wie unglücklich er da sein muss. Wenn ich daran denke, dass er auch niemanden zum über solche Dinge reden hat, weil er keine engen Freunde mehr hat und das mit seiner Frau sicher nicht so geht. Dann denke ich, dass ich ihn eigentlich gerne in dem Arm nehmen und ihm diese intakte Vater-Tochter-Beziehung wieder geben würde, die er die letzten Jahre hatte, damit er zumindest da nicht noch eine weitere Baustelle hat.
Aber die Vorstellung ihm das wieder zu geben ist so anstrengend für mich..

Ich habe selbst jahrelang zu meinem Bruder gesagt "Er ist halt so, du wirst ihn ja auch nicht ändern. Du kannst halt die Beziehung haben, die unter diesen Umständen möglich ist, oder du kannst es lassen, aber dann ist es deine Entscheidung und dann gibt es keinen Grund zu jammern." (er hat mich letztens mal wieder daran erinnert, dass ich das immer gesagt habe).
Aber jahrelang war für mich dieses etwas gespielte Verhältnis die bessere Option und jetzt gerade bin ich mir einfach nicht mehr sicher.

Twin hat gesagt.:
Was kommt dir so falsch daran vor, dich zu "erleichtern", etwas Unangenehmes sein zu lassen, was du nicht nötig hast?
Das braucht zwar kein Maßstab zu sein, aber dein Vater handelt ja offenbar auch nach der Devise, dass er das tut was für ihn am angenehmsten ist und Unangenehmes lässt, weil er es nicht nötig hat.
Ja, aber mein Vater sollte wirklich kein Maßstab sein ;)
Ich denke das wäre nicht im Sinne meiner Mutter, wie sie meint mich erzogen zu haben. Das wäre nicht das "wenn dir jemand das Hemd klaut, schenke ihm den Mantel dazu"-Prinzip^^ Laut diesem Prinzip liegt nämlich die Erleichterung darin, dass man loslässt davon, was man selber gerne für sich hätte und dann merkt, dass man das auch eigentlich gar nicht für sich braucht und das Gesamtbild aber trotzdem besser aussieht, als wenn jetzt beide egoistisch wären.

Twin hat gesagt.:
So sehe ich meine Liebesbeziehungen nicht.
Ich auch nicht, ich würde meinen Exfreund und meine beste Freundin auch als Familie zählen, aber eben selbst ausgesuchte Familie.
 
Dabei
6 Mrz 2013
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#42
Kennst du eine Person, die durch Therapie ihr Leben besser auf die Reihe bekommen hat?
Ich kenne mehrere.

Meiner Beobachtung nach wird der Fokus bei einer Therapie so sehr auf den Patienten gerichtet, dass dieser sich auf einmal für den zentralen Punkt in allen möglichen Bereichen hält und vergisst, dass er nur in einem einzigen Leben der Hauptcharakter ist und in ganz ganz vielen anderen Leben aber der unterstützende Charakter.
Für eine Therapie ist es auch völlig richtig, den Fokus auf den Patienten zu richten.

Hieran mag ich, dass so viele andere Geschichten von anderen Menschen auch noch mit einfließen und man daher einen weiteren Blick erhält.
Das finde ich auch. Beides schließt sich doch nicht gegenseitig aus sondern kann sich gut ergänzen.

Ich denke das wäre nicht im Sinne meiner Mutter, wie sie meint mich erzogen zu haben. Das wäre nicht das "wenn dir jemand das Hemd klaut, schenke ihm den Mantel dazu"-Prinzip^^ Laut diesem Prinzip liegt nämlich die Erleichterung darin, dass man loslässt davon, was man selber gerne für sich hätte und dann merkt, dass man das auch eigentlich gar nicht für sich braucht und das Gesamtbild aber trotzdem besser aussieht, als wenn jetzt beide egoistisch wären.
Uff, das ist mir jetzt zu kompliziert, das kapier ich nich :002: Ich finde es blöd, wenn man einem Dieb noch was dazuschenkt, und das hat für mich auch nichts mit "Loslassen" zu tun. Ebensowenig hat es für mich was mit Egoismus zu tun, wenn ich mich nicht mit Menschen abgebe, die mir nicht gut tun.

Ich auch nicht, ich würde meinen Exfreund und meine beste Freundin auch als Familie zählen, aber eben selbst ausgesuchte Familie.
Ganz genau! Mit dem "ausgesucht" hast du noch auf einen ganz wichtigen Punkt hingewiesen. Bei mir kann sich keiner mehr erlauben bloß weil er ein (nicht ausgesuchter) Verwandter von mir ist. Ich finde es geradezu verdreht, wenn sich Menschen mir gegenüber mehr erlauben dürfen, die ich mir (wie Eltern) nicht mal "ausgesucht" habe.
 
Dabei
5 Jun 2015
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#43
Hallo IdcatWie wäre es, wenn du ihm einen Brief schreibst.
Schreib alles rein, was dir so einfällt, das Gute und das Traurige,
Wie es für dich war, was du gefühlt hast und was du heute fühlst.
Deine Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse.
Schreib vielleicht, wie anstrengend es sich anfühlt und wie zwiespältig.


Du bist mir oft als sehr reflektierte und gebildete Schreiberin aufgefallen.
Ich bin sicher, dass du den passenden Ton finden könntest.
Ohne Vorwurf und Groll.
Aber offen und ungeschminkt.
Das was du uns berichtet hast und was sonst noch wichtig ist.
Du könntest dir ganz viel Zeit nehmen.


Und du müßtest ihn auch nicht abschicken!!


Der Mann, mit dem es heute so schwierig ist, ist sicherlich heute jemand ganz anderes, als der Papa von damals.
Aber er ist ein Mensch, der eine Chance verdient, noch etwas dazu lernen zu dürfen.
Er hat sicher mal hohe Ideale gehabt, als er seinen Beruf wählte.
Es wird bestimmt noch irgendwo in ihm etwas davon zu finden sein.
Es könnte für sein Leben wichtig sein, ein echtes Feedback zu bekommen.
Doch ich denke, du hast alle Zeit der Welt, das ganz in Ruhe zu bedenken.
Es wäre erst mal nur ein Zwiegespräch mit dem inneren Vater.
Aber schriftlich und gründlich.


Ich bin jemand, der sehr gute Erfahrung mit einer fantastischen Therapeutin hatte.
Es hat mir sehr geholfen, jemanden zur Begleitung zu haben,
der sich mit mir meine Innenwelten angeschaut hat.
Ich habe aber auch schon ganz unzureichende Therapeuten erlebt.
Ich halte sehr viel von der Methode der 'Gestalttherapie'
Die vermeidet das ganze 'kopfige' .
Es mangelt den meisten ja nicht an Einsichten und Reflexionen.
Sondern unsere Gefühlslage läßt sich manchmal nicht mit dem Verstand steuern und wir fallen in alte ungelöste emotionale Konliktgefühle.

Ich habe auch eine recht schwierige Elternbeziehung.
Meine Therapeutin hat mir damals die ' Erlaubnis' gegeben,
den Kontakt abzubrechen, wenn zu wenig an "Gutem"
Für mich zurückkommt.
Das hat mich damals sehr erleichtert.


Heute habe ich einen sehr lockeren und sporadischen Kontakt zu meinen Eltern. Sie sind inzwischen über 90 Jahre alt.
Aber das Thema Kind und Eltern ist nicht an Lebensalter gebunden.
 

Papatom

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Dabei
12 Sep 2012
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#44
Moin,
ich versuchs mal einfacher......:mrgreen: Ich finde, in Deinen Posts list man zwischen den Zeilen dass Du da keine leichte Zeit hattest und da eine Menge "Themen" zwischen Euch sind.

Deine Lösungsansätze sind nun entweder gar keinen Kontakt und "Loslassen" oder "Ertragen wie es halt ist".

Ich hatte ehrlich gesagt auch eine besch.... Beziehung mit meinem Vater. Aber da hat ja jeder so seine Geschichte. Allerdings finde ich, dass eine gewisse Art von Bruch zum Erwachsenenwerde dazugehört. Eltern müssen ja auch "lernen" den Nachwuchs als Erwachsenen zu akzeptieren. Um so schwerer, wenn der Vater nicht wirklich präsent ist. Oder nicht am differenziertesten.


Persönlich habe ich für mich einen Mittelweg gewählt und meinen Frieden mit meinem Vater gemacht. Einen Teil kann ich besser nachvollziehen, wo ich selber Kinder habe (nicht für gut befinden, ich hätte es anders glöst, aber nachvollziehen eben...), die Anderen sind eben so.
Aber er ist und bleibt mein Vater. Kann ich nicht ändern. Zudem bin ich der Meinung, dass es nicht wirklich geht, auszublenden dass man Eltern hat, nur weil es kompliziert ist. Wenn man das dann noch ohne Begleitung möchte wie Du, weil Du Thrapeuten nicht über den Weg traust wird es doppelt schwer.

Was hält Dich davon ab, ihn nun als erwachsene eigenständige Frau so zu sehen und zu nehmen wie er eben ist? Er wird ja Dein Vater bleiben. Wie Du Dinge bewertest für Dich kannst Du ja letztlich selber entscheiden.

Wenn Du Dich nämlich so verhältst wie oben beschrieben wärst Du für mich auch nicht die "Erwachsene". Das ist immer noch das bockige nettäuschte Mädchen. Sorry. Damit nimmst Du Dir aber einige Möglichkeiten.

Grüße
 
Dabei
6 Feb 2017
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#45
Danke, Cybele.
Ich mag deine Beiträge (vor allem in meinen Threads) wirklich gerne, weil du so viel mehr Erfahrung hast und so viel mehr erlebt hast und trotzdem nie belehrend oder urteilend wirst. Sowas muss man erstmal können...

Was den Brief angeht, würde so einer sehr unterschiedlich ausfallen, je nachdem ob ich ihn abschicken wollen sollte oder nicht.
Offen und ehrlich zu sein, aber ohne harte Worte, wäre auch ein schwieriger Kompromiss.. Und dann will ich ihm auch nichts schwarz auf weiß geben, was er nachträglich zitieren und gegen mich verwenden könnte. Und klar könnte ich so einen Brief ohne Vorwürfe schreiben, aber er würde sie trotzdem herauslesen. Und es würde ihn auch trotzdem noch verletzen. Ich weiß nicht, ob das was verbessern würde..
Und einen Brief nur für mich zu schreiben, dafür ist meine Gedankenwelt glaube ich zu unstrukturiert.. Aber ich könnte es versuchen.

Und zu Papatom:
Was hält Dich davon ab, ihn nun als erwachsene eigenständige Frau so zu sehen und zu nehmen wie er eben ist? Er wird ja Dein Vater bleiben.
Ich habe nicht das Gefühl, dass ich das könnte. Ich hab es ja schon oft versucht, aber es ist einfach super schwer. Ich habe ja Geschwister, da ist es schwierig einfach alles hinzunehmen, wenn man sieht, dass er ja theoretisch ein Vater sein kann. Es sind immer so Kleinigkeiten, wie dass er sich eine Hausarbeit von meinem kleinen Bruder bestimmt 7 Minuten lang durchliest und kommentiert, die mir Schläge versetzen, weil dadurch Erinnerungen aufgerufen werden, wie dass er mein Zeugnis einmal kurz überflogen und mit einem "schön" weggelegt hat, um dann das Zeugnis von meinem Bruder in jeder Einzelheit mit ihm durchzugehen. Er kannte bei mir keine Namen von Freunden, keine Namen von Lehrern, kein nichts. Und es ist super super schwierig zu akzeptieren, dass das nunmal alles ist was ich bekommen habe und in Zukunft erwarten darf.
Klar, die Beziehung zwischen ihm und meinem großen Bruder ist auch mehr als schwierig jetzt, aber da hat es ihn damals zerrissen und komplett sein Herz gebrochen, als der auf Abstand ging. Danach hat er sich auch mehr um mich bemüht und mehr Initiative gezeigt und ich hab das auch genossen und so genommen, aber ich hab auch immer gemerkt, dass trotzdem noch mehr nach dem Leben von meinem Bruder gefragt wurde, als nach meinem. Ich war dann eben noch die übrige Verbindung zu dem.
Ich weiß einfach nicht, wie ich akzeptieren lernen soll, wenn jede Kleinigkeit wehtut.
Sag mir das, dann werde ich sehr gerne zu einer in deinen Augen erwachsenen Frau.

Und zum Thema Therapie:
Ich kann es ja versuchen, aber ich zweifle auch daran, dass so ein Therapeut seine Freude mit mir hätte.. Rational weiß ich, dass dieser Mensch mir helfen will und ich da unvoreingenommen rangehen sollte, aber in Wirklichkeit habe ich so viele Erzählungen aus meinem Freundes- und Familienkreis mitbekommen mit welchen ich überhaupt nicht übereinstimmte.. Ich denke ich bin anstrengend als Patientin. Weil ich so viel widerspreche und dann wirkt es als ob ich die Hilfe nicht will oder glaube alles besser zu wissen, dabei bin ich nur skeptisch.
Eine Sitzung hatte ich schonmal. Ging nicht gut aus.


Also insgesamt zusammenfassend kann ich sagen, dass meine vorläufig verfasste Nachricht zumindest nicht abgeschickt werden sollte ;)

Stattdessen habe ich die Möglichkeiten
a) Kontakt lassen
b) Ihn anrufen und auf ihn zugehen (für vorbeifahren habe ich nicht die Zeit und ich müsste dann ja auch da übernachten)
c) einen Brief schreiben

Alle Optionen haben ihr für und wider.

Ich werde mich melden, wenn ich mir klar geworden bin, was ich machen möchte oder wenn es Neues gibt.

Am liebsten wäre es mir echt, er würde einfach irgendwas auf meine doofen Nachrichten antworten, damit auch ich wieder was antworten könnte und man die tieferen Themen dann irgendwann ansprechen kann, wenn das Klima dafür etwas angenehmer ist..... Aber das Leben ist ja keine Wunschfabrik :p (Das ist ein Zitat aus dem Buch, was er mir geschenkt hat ;) )

Abschließend jedenfalls nochmal ein riesiges Danke an Alle!!
 

Papatom

Moderator
Dabei
12 Sep 2012
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6.757
#46
Hi,

das bist Du doch schon ;)

Sag mir das, ......
Das ist nicht einfach, weil jeder dafür seinen Weg finden muss, der zu ihm passt. Aber der Schlüssel heißt, Selbstliebe. Zufriedensein mit Dir. Du brauchst dafür keine anderen Menschen. Ist das leicht? Natürlich nicht. Wir sind alle geprägt von unseren Eltern, dem Umfeld, Medien...

Das ginge schon sehr ins philosophische.

Kurz, Du brauchst Deinen Vater ja nicht, um liebenswert zu sein. Du brauchst keine Akzeptanz und Beachtung von Aussen, um etwas wert zu sein. Das bist Du doch schon. Einfach weil Du Du bist....das reicht. Klar, wenn Du für Dich ein Buch lesen willst, eine Instrument oder Sport erlenen willst, mach das, wenn es Dir gut tut. Aber mach es für Dich.

Das ist so ein Dilemma auf unserem Weg. Sich lösen lernen von den Eltern auf den eigenen Weg gehen....Deine Werte und Wahrheiten für Dich schaffen

Grüße
 
Dabei
27 Mrz 2012
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5.425
#47
Aye! In #45 machst du noch einmal deutlich, wie sehr du gerne Aufmerksamkeit und besonders Anerkennung von deinem Vater hättest. Das ist auch völlig natürlich, weil du die du ja nie wirklich von ihm bekommen hast, was echt fies ist als Kind.
So etwas bleibt natürlich sitzen und du siehst ihn immer noch als "bedeutungsvolle Werteperson". Dabei weißt du ja insgeheim, dass du nie wirklich die Anerkennung von ihm bekommen wirst, die du verdienst und er dir hätte geben sollen...

Da wäre es also ein positiver Schritt, dich davon zu befreien, indem du ihn als "Werteperson abwertest" und die Anerkennung (nur) von deiner Mutter oder anderen Vertrauenspersonen holst... natürlich von dir selber ganz besonders. Dadurch dürfte dein Wunsch nach Anerkennung deines Vaters an Kraft verlieren, weil du ihn ja quasi nicht mehr als ... qualifiziert für dieses genaue Anliegen ansiehst.

Das hingegen dürfte sehr befreiend wirken, weil du dann nicht mehr versuchst etwas zu erreichen... deinen Vater zu ändern und in seine Vaterrolle zu "drängen", die er ausfüllen sollte, aber ja nicht gerne macht.
 
Dabei
6 Feb 2017
Beiträge
1.165
#48
:)
Danke Insomnius, ich weiß zu schätzen, dass du dir offensichtlich Mühe gegeben hast deinen Beitrag so zu formulieren, dass ich ihn diesmal nicht persönlich nehme ;)
Ich weiß auch was du meinst.. Ich denke allerdings, dass es jetzt an mir selbst liegt rauszufinden was genau ich eigentlich will.
Ich habe alle hier vertretenden Perspektiven und Meinungen um mir dabei zu helfen und dafür danke ich euch auch wirklich allen!

Das, was ich hier im Thread von mir gegeben habe ist in etwa das emotionalste, das ich zu dieser Angelegenheit seit dem Brief damals geworden bin und ich bin auch wirklich froh, dass ich das quasi hier rauslassen kann und mich dann im Alltag ganz normal und gut gelaunt verhalten kann, weil ich dann nicht mehr das Bedürfnis habe meine Komplexe noch weiter mit der Welt zu teilen.. Es hilft mir also wirklich, dass ihr alle da seid. Ihr seid eine tolle community und ich bin super mega dankbar dafür mich hier angemeldet zu haben und gerade auch ein bisschen betrunken und überschwänglich mit meiner Zuneigung für virtuelle Profile.
Nichts desto trotz meine ich es Ernst ;)

V.a. Twins Beiträge sprechen mir hier quasi aus der Seele, aber Papatoms Beiträge treffen mich immer ziemlich.. Ich weiß einfach nicht.. Ich werds schon rausfinden und dann "wachsen" und euch allen erzählen wie ich es letztendlich gemacht habe :p

Wünsche ein schönes Wochenende! Bis bald :)
 
Dabei
27 Feb 2013
Beiträge
4.099
#49
Hi idkat,

ich hoffe, du findest einen Weg, der dich zufrieden macht.

Wenn du ihn gefunden hast, verrate ihn mir bitte ;)

Alles Liebste!
 

Papatom

Moderator
Dabei
12 Sep 2012
Beiträge
6.757
#50
Moin,
ich hoffe, nicht in allzu bösem Sinne?

aber Papatoms Beiträge treffen mich immer ziemlich.. Ich weiß einfach nicht..
Ich meine es ja nicht irgendwie gemein oder auch nicht "besserwisserisch....falls Du es so empfindest.

Ich versuche nur, etwas anzurühren, von dem ich denke, Da könntest Du noch hin. Ist ja immer schwer, denn ich persönlich habe das schon hinter mir mit meinen Eltern (mein Vater war auch für mich eine Katastrophe als Kind/ Jugendlicher) und ich bin eben inzwischen selber Vater.

Vielleicht sehe ich es deshalb etwas anders? :eusa_think:

Liebe Grüße
 
Dabei
6 Feb 2017
Beiträge
1.165
#51
Sorry, nein, war keine Kritik. War nur blöd formuliert.

Es waren ja auch nicht Dinge wie "nicht erwachsen", "Spielchen spielen" oder "Bockigkeit", die mich getroffen haben, sondern eher die Fragen wie "was hält dich ab" etc.
Also ich denke das war schon ganz gut so ;)
Es ist aber auch schwer vorherzusehen, was Beiträge hier in einem auslösen und ich hätte jetzt gerne wieder Kontrolle über meine Emotionen zurück. Also schiebe ich das Thema für zwei Wochen weg und dann werde ich (vermutlich) anrufen. Und mich danach (vermutlich) nicht besser fühlen, weswegen ich das jetzt auch aufschiebe :D Momentan brauche ich gute Laune.

Bis bald! :)
 

Papatom

Moderator
Dabei
12 Sep 2012
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#52
Moin,
puh ;)

Dann viel Erfolg. Manchmal ist der Weg das Ziel und man kann erst später erkennen, was es einem gebracht hat .... *Philosophiemodus off*
 
Dabei
6 Feb 2017
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#53
Also.

Meine zwei-Wochen-Frist ist abgelaufen und ich hatte vor ihn diese Woche anzurufen (weil ich kommendes Wochenende zu meiner Mutter fahre und ich da dachte, dass das ganz gut passt für wenn ich danach Redebedarf haben sollte).
Jetzt hatte mein Bruder vor ein paar Tagen Geburtstag, mein Vater hat ihn heute angerufen und mein Bruder hat ihn auf die Sache angesprochen.

Er meinte er hätte gesagt dass ich erwähnt hätte, dass Papa mir gar nicht mehr antwortet.
Papa meinte "Ja, sie hat eine Nachricht geschrieben, dass sie irgendein Buch gelesen hat und dann war ihre nächste Nachricht aber auch schon in einem Ton, den ich schon fast unterirdisch fand."
Mein Bruder dann "Achso, ich dachte sie hätte dir auch geschrieben als x im Krankenhaus war und dann gestorben ist .. und zum Geburtstag"
Jaa, blabla, wenig Zeit viel Arbeit.. Und da muss man ihr auch jahrelang immer hinterher telefonieren und dann antwortet man mal 24h lang auf eine Nachricht nicht und dann rastet sie direkt aus.

Ok. Mein Bruder hat dazu dann erstmal nichts weiter gesagt, sie haben dann noch Smalltalk ausgetauscht und so.

Jetzt bin ich ehrlich gesagt überfordert mit meinem Plan des Gesprächs. Ich hatte die Situation irgendwie anders eingeschätzt. Ich hatte irgendwie gedacht, dass er eigentlich auch gerne mal wieder Kontakt hätte und nur nicht weiß wie, aber er hat sich bei meinem Bruder auch nicht nach mir erkundigt. Nicht wie früher bei mir, als es umgekehrt war, und er mich gefragt hat wie es meinem Bruder geht und was er macht.
Ich weiß jetzt nicht mehr genau was ich zu ihm sagen soll.. Anrufen und mich entschuldigen?... Und dann? Fühle ich mich doch einfach nur klein und unbedeutend...

P.s.: Das mit der Nachricht wegen des Buches klingt hier so, als ob das einfach nur so ein Statement war, auf das man nicht antworten müsste.. Ich hatte aber konkret auch nach einer Predigt gefragt, die er mal rund um das Buch aufgebaut hatte, weil es mich interessieren würde die jetzt auch zu lesen. Es war also etwas, worauf man schon antworten könnte. Aber das nur nebenbei.
 
Dabei
27 Mrz 2012
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#54
Ganz schön hart... das ist nicht leicht zu schlucken.

Ich habe dann noch mal darüber nachgedacht: Was hättest du denn stattdessen erwartet?

Dein Bruder sprach ihn darauf an. Also erklärt sich dein Vater und greift dich an, um sich rechtfertigen zu können und dir die Schuld zuzuweisen. Dein Bruder stellt Fakten klar und zeigt sich gut informiert. Dein Vater merkt, dass dieser Recht hat und er in einer schlechten Situation sitzt. Er verteidigt sich mit schlechten Ausreden und einem Gegenvorwurf.

Psychologisch also genau das, was man von vielen Menschen erwarten könnte. Nichts für ungut, aber mehr hätte ich nicht von deinem Vater erwartet. Er weiß ja eigentlich, dass dein Bruder Recht hat. Gut zu erkennen daran, dass dein Vater sofort zurück keift und um sich schlägt, obwohl dein Bruder ihn (vermutlich) nur neutral auf diese Tatsache (-> einer fehlenden Antwort) anspricht. Also ziemlich hilflos...

Wenn du an deinem Plan festhalten willst, dann finde ich nicht, dass du dich sofort entschuldigen solltest. Für was denn jetzt genau? Würdest du die Entschuldigung ernst meinen? Entschuldigt er sich? Vor Allem, wenn du dich dabei klein fühlen würdest, finde ich es keine gute Idee.
Es geht doch prinzipiell erst einmal um ein Gespräch, bei deinem Anruf. Also, dass ihr überhaupt wieder kommuniziert und Differenzen ausräumen könnt.
 
Dabei
6 Feb 2017
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#55
Ich hatte erwartet, dass er sowas sagt wie "Ja, sie kann ja anrufen, wenn sie reden will"...
Oder dass er sich ausredet mit irgendwas wie "Ja, ist mir schon aufgefallen, dass sie da ungeduldig wird - hatte bisher keine Zeit"

Er hat dann auch noch zu meinem Bruder gesagt, dass er mir demnächst antworten wird, aber was ist schon demnächst...

Also ich habe was das Gespräch angeht Angst vor zwei Dingen. Ich habe Angst, dass ich mich entweder dazu hinreißen lasse so ein "aber du hast" - "ja aber du hast" daraus entstehen zu lassen, was uns nirgendwo hinführt.. Und dass es dann einfach abgehakt wird nach dem Motto "ja, kommt wohl zu keiner Einigung, da kann man es auch lassen."

Außerdem mache ich mir jetzt erstrecht Sorgen, dass er nicht rangehen wird. Mir ist eingefallen, dass ich damals als der Brief ankam bestimmt 10 mal versucht habe bei ihm anzurufen aber es ging nie jemand ran und ich wurde auch nicht zurück gerufen. Jetzt erwartet er ja, dass ich anrufe, weil mein Bruder mir Bericht erstattet hat.. Also erwartet er vermutlich auch, dass ich anrufe um ihn darauf anzusprechen.
Aber naja, das werde ich nur rausfinden wenn ich anrufe, also ist das schon weiterhin der Plan.. Nur FALLS er rangeht weiß ich nicht genau was ich sagen soll.
 
Dabei
23 Nov 2016
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#56
Hi Idkat,

ich habe ein bisschen mitgelesen, aber sicher nicht alles. Dennoch möchte ich gern dazu etwas schreiben, weil mir das sehr Leid für dich tut, dass dein Verhältnis zu deinem Vater so kompliziert ist. Du bist so eine tolle Frau!

Mich erinnert dein Verhältnis zu deinem Vater tatsächlich an das komplizierte Konstrukt zwischen meinem Freund und seiner mittlerweile volljährigen Tochter. Die beiden kommen auch nicht zueinander, obwohl beide liebenswerte Menschen sind. Ich habe noch Kontakt zu seiner Tochter, aber zwischen den beiden herrscht Funkstille.

Das Problem ist, dass sie sich von ihm nicht beachtet, zurückgesetzt und vernachlässigt fühlt, was sehr schmerzhaft für sie ist. Deswegen wird sie auch oft sehr emotional. Mein Freund auf der anderen Seite kann in ihr nicht das verletzte, um Anerkennung ringende Kind sehen und fühlt sich jedes Mal davon überfordert, wenn sie ihm wieder einmal - offen oder unterschwellig - das Gefühl gibt, ihr kein Vater zu sein. Er fühlt sich dann schuldig. Es stresst ihn extrem. Es stresst ihn so sehr, dass er dann lieber gar nichts mehr sagt, als Gefahr zu laufen, sich wieder Vorwürfe anzuhören. Selbst wenn diese berechtigt sind. Also zieht er sich zurück. Das ist ein Selbstschutz. Das wiederum führt dazu, dass seine Tochter noch mehr leidet.

Es ist ein Teufelskreis, aus dem keiner der beiden ausbrechen kann. Und das, obwohl ich ganz genau weiß, dass sich BEIDE nichts sehnlicher wünschen, als ein normales, liebevolles Vater-Tochter-Verhältnis zu haben. Aber sie schaffen es beide nicht, weil sie in ihren Emotionen so verfangen sind und schon kleinste Unebenheiten in der Kommunikation falsch verstanden werden könnten und es dann wieder zu einem schmerzhaften Bruch kommt.

Die Sache ist die, dass es auch keine starke Basis für gegenseitiges Vertrauen und Verzeihen gibt, die es in normalen Eltern-Kind-Beziehungen gibt. Eine solche Basis gibt es erst, wenn man eine lange gemeinsame Zeit erfahren hat, dass man sich auf den anderen verlassen kann. Dass es viele positive Erlebnisse miteinander gab, sodass dann negative Erlebnisse nicht so sehr ins Gewicht fallen.

Für meinen Freund und seine Tochter hätte es eine Chance gegeben, wenn sie es geschafft hätte, aus der Rolle des verletzten Kindes auszusteigen und ihn als normale Mensch mit Schwächen zu erkennen. Und wenn er es geschafft hätte einzusehen, dass er sie durch sein Verhalten verletzt, weil sie ihn als stärker und quasi "übergeordnete Instanz" ansieht, die die Macht hat, sie wie kein anderer zu verletzen.

Ich denke, bei euch ist es ähnlich, liebe Idkat.

Wie ich das sehe, hast du wohl nur eine Möglichkeit: Ihn als Mensch mit Schwächen und eigenen Problemen zu sehen und gleichzeitig aus der Kind-Rolle auszusteigen. Du bist jetzt erwachsen. Und du bist sehr intelligent. Wahrscheinlch bist du sogar stärker als er. Versuche ihm auf gleicher Ebene zu begegnen. Versuche ihn so zu sehen, wie du einen guten Freund siehst, mit dem dich eine ungewöhnliche Geschichte verbindet. Und dann versuche die Beziehung langsam und behutsam neu aufzubauen. Möglichst ohne Vorwürfe, Erwartungen und echtem Interesse an ihm. Gib ihm die Chance zu sehen, welch ein wundervoller Mensch du bist, ohne eure Altlasten.

Ich wünsche dir alles Liebe!
 
Dabei
6 Mrz 2013
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#57
Er hat dann auch noch zu meinem Bruder gesagt, dass er mir demnächst antworten wird, aber was ist schon demnächst...
Ich an deiner Stelle würde es dabei belassen. Ich würde mich allerdings auch nicht klein und unbedeutend fühlen und entschuldigen würde ich mich schon gar nicht, ich wüsste nicht wofür.

Aber zu dir passt glaube ich besser ein konstruktiver Ansatz, so wie der von Insomnius und besonders die Ideen von Badesalz.
 
Dabei
27 Aug 2012
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#58
Ich hab die Diskussion jetzt auch mal mitverfolgt und sage noch ein paar Takte dazu:

Idkat, du weißt, ich bin überhaupt kein Fan von deinem Vater, ich halte ihn für eine schreckliche und selbstsüchtige Person, die es nicht wert ist, dass man überhaupt Gedanken an sie verschwendet. Aber für dich ist es anders, er ist dein Vater und all dem Schlechten zum Trotz ist er dir noch wichtig. I get it.

Die Situation so zu belassen, wie sie ist, wär ne schlechte Idee, da du dich so nur weiterhin quälst. Also solltest du das tun, was du eher ungerne tust - versuchen, dich dem Problem ernsthaft zu stellen und so klare Verhältnisse schaffen, egal in welche Richtung sie gehen. Warten bringt dir nichts, du glaubst dadurch kommen immer noch neue Impulse bzw. Informationen, aber das stimmt nicht, es ist nur ein bequemer Vorwand, um das Aktiv-werden vor sich herzuschieben - und das weißt du auch irgendwo selbst.

Ich fand gut, was the_m gesagt hat:

Zitat:"da müssten wir aber erstmal gucken wann ich Zeit habe, also die nächsten Wochen/Monate wird das schwierig, aber dann irgendwann"


wenn das nach deinem Anruf wirklich so kommt, dann kannst du nichts machen und hast die Gewissheit. ER will nicht mehr - warum? das weiss vermutlich keiner.
Aber du hast dann auf jedenfall nochmal einen Schritt auf ihn zugemacht und klar signalisiert, dass du Kontakt möchtest.
Wenn ER so dann reagiert, dann musst Du dir in Zukunft nichts vorwerfen, denn DU hast es nochmal versucht.
Ruf ihn an. Ihr müsst mal wirklich sprechen. Klar, face-to-face ist immer besser, aber für dich teuer und im Falle eines negativen Ausgangs ist es noch schwieriger, sich dann abzuwenden und dabei das Gesicht zu wahren. Deshalb geht das mit dem Telefonieren schon in Ordnung. Ich würde auch small talk dabei weglassen, direkt einsteigen im Sinne "Wir müssen mal ernsthaft über unser Verhältnis reden" und wenn er dann schon kommt mit "keine Zeit, Lust..whatever" entweder auf einen zeitnahen, festen Termin festnageln oder ihn direkt abhaken und Lebwohl sagen, weil es ihm dann offenkundig egal bzw. sein Stolz wichtiger ist - beides gleich schlecht.

Falls/ Wenn es dann zum eigentlichen Gespräch und Kernthema kommt, mal aus deiner Sicht schildern, was und wieso in der Vergangenheit schief gelaufen ist, wie du dich fühlst, was du dir wünschst usw. - ohne Vorwürfe. Am besten vor dem Gespräch paar Stichpunkte (nur keine Briefe) machen, damit du einen roten Faden hast und nichts vergisst. Und dann abhängig vom Gesprächsergebnis schauen ob und wie es weiter geht.

So oder so kannst du dir dann aber im Nachgang sagen, du hast dein Bestes gegeben, um ein gutes Verhältnis wieder herzustellen und das gibt dir etwas Frieden. Wenn er sich dann sogar dir öffnet, prima - umso besser und es würde in deine Wunschrichtung laufen. Sollte er allerdings das Gespräch ablehnen oder das Gespräch schlecht verlaufen, wäre ein Kontaktabbruch konsequent und aus meiner Sicht richtig. Wenn er nicht will, sehr schade für dich, aber muss man akzeptieren. Dann aber eben auch volle Kanne. Wirklich mit ausgesprochener Ankündigung ihm gegenüber und quasi "offiziell". Es muss dann endgültig sein, weil nur so hast du einen Abschluss..Closure und kannst ihn zu den Akten legen. Dann stirbt es zwar ab und du wirst auch den Halbbruder auf lange Zeit nicht mehr sehen, aber das Opfer muss dann für deinen eigenen Schutz gebracht werden.

Ich hoffe natürlich, dass die andere Variante zutrifft und du irgendwie deinen Vater "zurückbekommst". Aber sei für alles gewappnet und habe dann auch die Stärke es durchzuziehen.
 
Dabei
23 Nov 2016
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#59
Entschuldige, dass ich das so direkt sage, aber ich glaube nicht, dass so ein Gespräch wie von YKMN vorgeschlagen, zu DIESEM Zeitpunkt irgendetwas bringt. Weil es wieder Druck und Stress auf der anderen Seite erzeugt. Ich glaube nicht mal, dass sich dein Dad auf solch ein Gespräch einlassen würde. Eben genau weil er Vorwürfe und Erwartungen, die er nicht erfüllen konnte, mit einem solchen Gespräch verbinden würde.

Das wird auch nicht die erhoffte Wendung bringen. Es wird nicht plötzlich Gefühle beim anderen erzeugen, die man selbst gerne beim anderen sehen möchte. Sowas funktioniert einfach nicht.
 
Dabei
27 Aug 2012
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#60
Entschuldige, dass ich das so direkt sage, aber ich glaube nicht, dass so ein Gespräch wie von YKMN vorgeschlagen, zu DIESEM Zeitpunkt irgendetwas bringt. Weil es wieder Druck und Stress auf der anderen Seite erzeugt. Ich glaube nicht mal, dass sich dein Dad auf solch ein Gespräch einlassen würde. Eben genau weil er Vorwürfe und Erwartungen, die er nicht erfüllen konnte, mit einem solchen Gespräch verbinden würde.
Das ist ja vollkommen fein, denn dann sollte man sich die Frage stellen, ob man so einen Jammerlappen von Vater überhaupt braucht, der aus Angst vor Vorwürfen lieber gar keinen Kontakt hat? Sowas ist einfach nur menschlich erbärmlich. Das gilt übrigens sowohl für idkat's Vater als auch deinen Freund..
 
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