10 Jahre Beziehung und zum zweiten Mal betrogen

Dabei
13 Dez 2018
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#1
Hey ihr,
ich war bis gestern in einer 10 Jahre anhaltenden Beziehung. Bin jetzt 28 Jahre alt. Mein (Ex-)Freund hat mich am Anfang der Beziehung (er war 20 Jahre alt) betrogen, fremdgeknutscht. Ich habe ihm damals verziehen, was viel Arbeit war. Aber langsam konnte ich mein Vertrauen wieder aufbauen. Mir aber auch geschworen, bei abermaligem Betrug konsequent zu gehen.
Man muss dazu sagen, dass er ein herzenguter Mensch ist. Er ist einfühlsam, wirklich liebevoll, kann zuhören, ist kommunikativ und immer freundlich und nett mit den Menschen in unserem Umfeld. Nachbarn, Verkäufer etc. lieben ihn. Vor kurzem ist er zB mit dem Auto angehalten und hat einem alten Mann, der wackelig auf der Straße unterwegs war, einfach angeboten ihn nachhause zu bringen. Zudem wäre er ein toller Vater.
Die letzten Jahre waren trotzdem nicht leicht. Er musste sein früheres Studium nach langer Zeit beenden und nochmals ganz neu beginnen. Ich bin nun fertig und arbeite, bei ihm wird's noch dauern. Das hat ihn total aus der Bahn geworfen. Er wurde depressiv und hat in den letzten 2 Jahren ziemlich viel an mir ausgelassen und mich behandelt wie ich es wirklich nicht verdiene. Wir hatten vor einigen Tagen darüber gesprochen, er hat sich endlich einsichtig gezeigt, sich einen Therapieplatz organisiert und mir glaubhaft versichert sich in den Griff zu bekommen. Gestern erfuhr ich dann (nicht von ihm), dass er mir vor knapp einem Jahr wieder betrogen hat. Er hat wieder fremdgeknutscht. Nach kurzem Leugnen gab er seinen Betrug zu. Er liebt mich, das glaube ich ihm. Und ich kann mir eine Zukunft mit ihm und auch das Altwerden gut vorstellen.
Allerdings weiß ich nicht, ob ich nochmal verzeihen kann. Er hat eine Paartherapie vorgeschlagen, gesagt wir können eine Pause einlegen und ein paar Monate in Trennung, begleitet von einer gemeinsamem Therapie, offen und ehrlich evaluieren ob wir eine Chance haben und die zugefügten Wunden in der Lage sind zu heilen.
Glaub ihr es gibt eine Chance für uns? Glaubt ihr man kann an einem solchen Vertrauensbruch wachsen und gestärkt daraus hervorgehen?
Liebe Grüße,
euer Träubchen
 
Dabei
27 Feb 2013
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#2
Es gibt immer eine Chance.

Ich würde mich jedenfalls auf die Paartherapie einlassen und dann schauen, wohin sie führt.

Mein Bruder hat mal mit seiner Frau eine Eheberatung gemacht. Und beide waren ziemlich begeistert davon. Sie sagten, sie wussten vorher gar nicht, wie der andere denkt oder was ihn stört - und sie konnten sich toll aussprechen, weil eine dritte Person da war, die alles geführt hat und es nicht zu einem Streit kam, sondern schön liebevoll und sachlich darüber geredet worden ist.

Schaus dir mal an. Weil so wie du dich anhörst, hängt dein Herz noch sehr an ihm. Hör dir an, was er zu sagen hat.
 
Dabei
13 Dez 2018
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#3
Ja. Mein Herz hängt noch ziemlich an ihm, aber gerade fühlt es sich einfach nur leer an. Leer und total verzweifelt. Wie kann man einen Menschen den man liebt so hintergehen und ihm eiskalt ins Gesicht lügen? Ich hab das Gefühl ihn gar nicht richtig zu kennen.
 
Dabei
27 Feb 2013
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#4
Finde heraus, was ihn dazu veranlasst hat.

Du kannst ja immer noch sagen, dass du nicht drüber hinwegkommen kannst und die Kränkung zu groß ist und die Beziehung nicht mehr weiterführen.

Aber du hast nach einer Chance gefragt. Und die gibt es immer.

Ich finde es ziemlich toll, dass er die Paartherapie angeregt hat. Das passiert nicht oft, dass sich jemand seinen Problemen stellen will. Vielleicht gibt es ja etwas (vielleicht relativ Harmloses), worüber er nicht reden kann und bei einem geführten Gespräch dann rauskommt.

Du kannst von dieser Therapie nur profitieren, denke ich.

Wenn dein Herz an ihm hängt, dann gib euch die Chance und geh zu dieser Therapie.
 
Dabei
13 Dez 2018
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#5
Dankeschön Peachy,
ich glaube ich werde es machen. Ich muss zwar die ein oder andere Nacht drüber schlafen, aber mein Gefühl geht ebenfalls in diese Richtung!
Dankeschön :)
 
Dabei
27 Feb 2013
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#6
Sehr gerne ;)

Nicht dass du es nach Jahren bereust, es nicht gemacht zu haben und dir Fragen stellst wie "Hätt ich nur, was wäre wenn etc.".

So hast dus gemacht und kannst dir später nichts vorwerfen.

Vielleicht stellst du dir diese Therapie unangenehm vor - ist deine jetzige Situation aber auch - und da ist es besser, mal reinen Tisch zu machen und ich bin überzeugt, dass es dir nachher - egal wie es ausgeht - besser geht.
 
Dabei
22 Aug 2011
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#7
Wie kann man einen Menschen den man liebt so hintergehen und ihm eiskalt ins Gesicht lügen? Ich hab das Gefühl ihn gar nicht richtig zu kennen.
Du kennst einen Menschen nie 100%. Erst Recht nicht, wenn Du eine Atmosphäre schaffst, in der er Angst haben muss, Dich zu verlieren, wenn er Dir alles von sich zeigt.

Okay, er hat einen Fehler gemacht. Dass er Fehler macht, gehört also zu ihm. Du musst für Dich entscheiden, ob Du ihn so lieben kannst, wie er ist. Ob Du glauben kannst, dass er nicht rumgeknutscht hat, um Dich zu verletzen, sondern weil sich das für ihn in dem Moment einfach gut angefühlt hat. Oder weil er neugierig war. Oder weil er zu viel getrunken hat. Dass er es Dir nicht verschwiegen hat, weil er ein notorischer Lügner ist, sondern um Dich nicht zu verlieren.

Willst Du ihn? Mit seinen Fehlern und Schwächen? Oder irgendwen anders - mit anderen Fehlern?

Was stört Dich eigentlich mehr? Die Knutscherei? Oder dass er Dir nicht genug vertrauen konnte, um es Dir zu erzählen?
 
Dabei
15 Dez 2018
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#8
Hallo meine Liebe, finde heraus, was der genaue Grund für sein Handeln war. Ich selbst war in der selben Situation wie er, auch ich habe meine Freundin betrogen und ich wusste erst viel später warum das so war. Grundlos gibt es nicht, das habe ich gelernt und ich kann mir gut vorstellen, das es etwas tieferes, emotionales sein muss. Ganz egal wie lieb man zu seinem Partner ist, wie sehr man ihn liebt und beinahe perfekt ist, ein Mann flüchtet zu einer anderen, sobald er spürt, allein gelassen zu werden, nicht respektiert zu werden, eingeengt zu werden usw.

Ich wünsche dir alles Glück der Welt, gib ihm die Chance aber bitte, findet davor heraus, woran es lag. Ihr müsst zusammen da durch, Hand in Hand, vertraue deinem Herzen.
 
Dabei
13 Dez 2018
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#9
Du kennst einen Menschen nie 100%. Erst Recht nicht, wenn Du eine Atmosphäre schaffst, in der er Angst haben muss, Dich zu verlieren, wenn er Dir alles von sich zeigt.

Okay, er hat einen Fehler gemacht. Dass er Fehler macht, gehört also zu ihm. Du musst für Dich entscheiden, ob Du ihn so lieben kannst, wie er ist. Ob Du glauben kannst, dass er nicht rumgeknutscht hat, um Dich zu verletzen, sondern weil sich das für ihn in dem Moment einfach gut angefühlt hat. Oder weil er neugierig war. Oder weil er zu viel getrunken hat. Dass er es Dir nicht verschwiegen hat, weil er ein notorischer Lügner ist, sondern um Dich nicht zu verlieren.

Willst Du ihn? Mit seinen Fehlern und Schwächen? Oder irgendwen anders - mit anderen Fehlern?

Was stört Dich eigentlich mehr? Die Knutscherei? Oder dass er Dir nicht genug vertrauen konnte, um es Dir zu erzählen?
Liebe Nixe,
ja ich glaube es stört mich noch viel mehr, dass er nicht den Mut besessen hat es mir zu sagen. Ich habe ihm damals gesagt, dass wann und warum auch immer nochmal so etwas passiert, er zu mir kommen soll und ehrlich mit mir sein, weil ich damit besser umgehen kann als damit angelogen zu werden. Zwei Tage bevor ich es erfahren habe (von einer Freundin, deren Mann wohl dabei war und der sich verplappert hat), hat er mir noch in die Augen geschaut und mir geschworen es nicht mehr getan zu haben seit damals. Das trifft mich auch. Er ist in der Lage mir in Gesicht zu lügen, obwohl er doch vorgibt mich zu lieben. Er leidet gerade sehr, das weiß und sehe ich. Aber ich habe so viel Angst dieses verlorengegangene Vertrauen nicht mehr aufbauen zu können. Eigentlich liebe ich ihn mit all seinen Fehlern und er zeigt auch Bereitschaft sich zu ändern und die anderen Probleme die er hat, Selbstzweifel und permanente Unzufriedenheit, therapeutisch aufzuarbeiten. Ich bin mir einfach nicht sicher ob ich die Kraft aufbringen kann noch lang genug auszuhalten, das mit ihm durchzustehen, wo ich doch schon so viel investiert habe und ihn ständig gestützt habe.
 
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