Es ist eher eine nagende Unzufriedenheit, bezueglich der
eigentlich einfachsten Sache der Welt anders zu ticken als die meisten Altersgenossen, und mir das Leben dadurch schwer zu machen.
Es ist merkwürdig, bei einer Sache, nach der alle geradezu gieren, solche komischen Bedenken zu haben. Man sollte ja eigentlich erwarten, dass man bei der erstbesten Gelegenheit nach gutem Sex gar nicht lange überlegt oder bei dem Thema an sich alles klar sein sollte. Worüber ich noch nicht nachgedacht habe ist, ob es eine ganz grundsätzliche Haltung ist, die dahinter steht. Eine Art besondere sexuelle Orientierung... sowas wie Logosexuell oder so :-D
Naja, bei mir kommt noch dazu, dass ich mittlerweile massive Selbstzweifel habe, da es offensichtlich fuer die allermeisten Maenner - und seien sie doof und/oder aeusserlich zunaechst unattraktv - ein leichtes ist, Frauen fuer sich zu begeistern. Und mir das (im Gegensatz z.B. zu dir) irgendwie nicht gelingt, obwohl ich mich fuer halbwegs attraktiv, sehr nett und nachgewiesen intelligent halte.
So dass ich mich nun bezueglich sexueller Erfahrung wieder als Jungfrau bezeichne und fuehle. Und damit ein aehnliches Gefuehl entsteht, "nicht das Erwartete erfuellen zu koennen", wie du es oben erwaehnst.
Das kann ich sehr gut verstehen. Bleibt die Bestätigung aus, haben die Selbstzweifel freie Bahn und man gerät schlimmstenfalls in nen Teufelskreis. Ich kann mir aber zu deiner Beruhigung nicht vorstellen, dass du einen gravierenden Makel an dir hättest, weswegen sich bisher nicht mehr so viel ergeben hat. 8 Jahre Beziehung kommen nicht von irgendwoher ;-) Und ich bin mir sicher, dass es auch Frauen gibt, die froh darüber sind nicht den Superficker vor sich zu haben, der schon in allen Löchern dringesteckt hat. Zudem gibt dir deine derzeitige Sitaution eine Unbelastetheit, dich sehr gut auf eine neue Partnerin einstellen zu können. Als "Jungfrau" gibt es keine miesen Dinge, die sich so eingeschliffen haben, dass eine neue Partnerin auf Gedeih und Verderb damit zurechtkommen muss. Mal ganz abgesehen davon, dass es auch für eine Frau schön ist, wenn sie mit dir dann Dinge sozusagen das erste Mal machen kann. Das alles bringt natürlich Probleme für das Selbstwertgefühl mit sich, aber wenn du es aus der richtigen Perspektive betrachtest, sind es bei der Richtigen große Vorzüge. Versuch dich auf ein positives Gefühl zu besinnen.
Abgesehen vom Selbstwertgefuehl, dessen Analyse von dir und Chaoticle ich ganz passend finde: Kann es zudem sein, dass deine
Einsicht, bzgl. Beziehungen/Sex anders zu ticken als andere, dir die groessten Schwierigkeiten bereitet? Dass du (aehnlich wie von mir oben beschrieben) feststellst,
anders zu sein, und das bzgl. so etwas trivialem? So dass das angeknackste Selbstwertgefuehl ein Symptom hierfuer ist?
Du aber trotzdem
gute Gruende fuer die vollzogene Wahl deiner Sexualprioritaeten hast, und dir nicht ganz klar ist, warum so viele andere Menschen das nicht so sehen?
Wieder die Frage nach der Logosexualität :-) Mir ist schon sehr klar, warum das viele andere Menschen nicht so sehen. Wie beneidenswert ist es, wenn man mit sich und der Welt so im Reinen ist, dass man bezüglich Sex einfach nur den Spaß und die Freud erleben kann. Ein für mich erstrebenswerter Zustand. Ich weiß aber wieder nicht, ob meine Probleme daher rühren, dass ich grundsätzlich anders ticke. Ich denke darüber noch nach. Fest steht aber, dass diese Haltung eben mehr von Nachteil ist als umgekehrt und daher für mich eher etwas zu beseitigendes ist. Oder ich finde einen Weg meinen Frieden damit zu schließen.
So dass deine starke Reaktion eine intensive Mischung aus Selbstmitleid/Selbstzweifel/Neid/Eifersucht ist, wobei die Projektion auf dich selbst ueberwiegt (Versagensaengste), und du dir den Neid nach deiner bisherigen Aussage zumindest noch nicht eingestehen willst?
Selbsterkenntnis ist immer eine bittere Pille. Man begibt sich damit immer auf ein Terrain, in dem es nur noch um archaische und meist wenig ästhetische Gefühle, fernab der humanistischen Ideale, die einem so im Kopf herumschweben. Aber man sollte sie einfach als Tatsache nehmen und dann lernen damit umzugehen, statt sie aufgrund der Erziehung in gut und schlecht einzuteilen. Jedoch wird es durch die schönen Worte irgendwie nicht leichter... Selbstmitleid, Selbstzweifel, Neid, Eifersucht... ja, das alles hat seinen Platz in diesem Komplex. Und vielleicht können diese "Symptome" einen Schlüssel zum Ursprung weisen. Gut, dass du es mir nochmal so direkt vor Augen führst. Es mag sein, dass mir bisher nur der Schneid fehlte, mich dieser Selbsterkenntnis zu stellen. Sollte das eine richtige Spur sein, werde ich daraus neue Schlüsse ziehen können und einen Weg suchen damit zu arbeiten.
Das geht mir zumindest - neben vielem anderen - dabei durch den Kopf ...
