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Wie ich auf einmal mit dem verdammt komplizierten Umstand umgehen musste verliebt zu sein...

  1. #31
    damdidam
    Neuling

    Standard

    whoa dann kenn ich ja schon das Ende :O bähm das finde ich jetzt richtig geil

  2. #32
    Melina_Dilemma

    Standard

    Tja, mal gucken wie's ankommt...

  3. #33
    Black

    Standard

    Durch den Hinweis hab ich sie jetzt auch schon komplett durch ..., ich fand sie sehr gut, toll geschrieben und sehr wendungsreich, vor allem gut umgesetzt so dass es nicht zu erzwungen wirkt.
    Vor allem, weil ich mehr oder weniger mit einer "sie finden sich und werden glücklich" Geschichte gerechnet habe.
    Den ersten Erwartungsbruch gabs dann in der Burg, und später noch häufiger.

    Der interessanteste Charakter ist meiner Meinung nach Tom, da er, trotz seines relativ kurzen Auftritts den interessantesten Konflikt und auch den tiefgründigsten Charakter hat.
    Hätte man vielleicht noch mehr ausbauen können ... die Hauptperson selbst wurde mir, vor allem nach ihrer Entscheidung, immer unsympatischer. Würden die Personen um sie rum nicht andauernd erwähnen dass sie höflich, nett und ach so toll ist .... ich wäre niemals zu dieser Einschätzung gelangt.


    Eine Frage hätte ich nur noch, hast du dich von Bekannten inspirieren lassen oder die Hauptpersonen ( Nik, Tom, Roxy, Christina) komplett frei erfunden ?

    Und noch etwas Kritik, veröffentliche die Teile regelmäßiger (vor allem wenn sie schon fertig sind), das hält man sonst nicht aus !
    Geändert von Black (08.06.2011 um 08:49 Uhr)
    Es gibt so viele schöne Sachen für Frauen, zum Beispiel Frauenhäuser, aber selbst da muss man sie hinprügeln.

    Es gibt nur wenige Probleme, die sich nicht mit der richtien Dosis Rattengift lösen lassen.

    Dear little girls: If your age is on the clock, you're too young for cock.

  4. #34
    Melina_Dilemma

    Standard

    Erst mal Entschuldigung, Black, du hast total Recht wegen dem einsenden und so ^^ Ich vergess' das immer wieder. Dann fällt mir irgendwann siedend heiß wieder ein "Aaaaah, Lovehelp wartet!" und dann ist manchmal schon echt viel Zeit verstrichen. Ich hatte auch gar nicht so den Eindruck, als wenn viele lesen würden.

    Nun zu deiner Kritik. Finde ich ja sehr interessant. Ich wollte eigentlich erreichen, das Roxy von Anfang bis Ende total sympatisch bleibt. Aber ich habe immer mehr festgestellt, wie sehr mich diese Happy-alles-positiv-Einstellung genervt hat. Deshalb habe ich sie mit der Zeit etwas destruktiver gestaltet. Ihre Entscheidung mit dem Auswandern finde ich selber gar nicht soooo abwegig! Viele können das nicht nachvollziehen, aber ich wollte eben auch zeigen, dass man mit 16/17/18 nicht unbedingt immer in der Lage ist, die richtigen Entscheidungen zu treffen und Situationen vollständig zu analysieren. Roxy sollte ja nicht ein perfektes Bild von einer jungen Frau sein, sondern auch Fehler haben.

    Und die Hauptpersonen sind komplett frei erfunden =) Es gibt auch nicht viele Parallelen in mein Leben. Höchstens mal so Kleinigkeiten wie Wakeboarden als Hobby oder die Tatsache, dass auch ich in Berlin geboren und aufgewachsen bin.

    Soll ich hier überhaupt noch weiter veröffentlichen oder lieber gleich einen Link posten?

    Liebe Grüße an alle

  5. #35
    MeL15
    Neuling

    Standard

    Ich hab mal ne Frage....
    Geht die Geschichte eigentlich weiter, oder ist sie soo zu ende, ohne einen Kuss oder soo?

  6. #36
    Black
    Es gibt so viele schöne Sachen für Frauen, zum Beispiel Frauenhäuser, aber selbst da muss man sie hinprügeln.

    Es gibt nur wenige Probleme, die sich nicht mit der richtien Dosis Rattengift lösen lassen.

    Dear little girls: If your age is on the clock, you're too young for cock.

  7. #37
    MeL15
    Neuling

    Standard

    Ahh..dankeschöön
    Ich hätte es wohl niiiee ausgehalten ohne Ende..hab ja erst neu angefangen die Geschichte zu lesen.

  8. #38
    Liebe-Leben

    Standard

    Danke
    ich hab an deine Geschichte gedacht und wieder mal reingesehen und da schau an es ging ja weiter
    Nebenbei Black wusste ich's doch dass du sowas magst hehe
    Also auf jeden Fall ich Find diese geschichte sehr sehr schön
    mach bitte noch weiter mag sie bis zum Ende hören
    Hmm also ich bin nicht das motto ich putze hier nur gehört da rein nehm ich mal an oder??

    Ich find Liebe ist eines der wichtigsten Dinge im Leben und damit mein ich jz nicht nur Partnerschaftlich sondern auch Freundschaftlich und Familiär und deswegen mein Name hier :P

    Mir kann jeder auch gern mal ne Pn senden wenn er/sie will

  9. #39
    Melina_Dilemma

    Standard

    okay, geht weiter!

    TEIL 10 – Schwimmbad Teil 2 und zerstörte Illusionen


    Ich genoss den Vormittag. Wir rutschten wie die kleinen Kinder und tobten wie bekloppt durch die Strömungskanäle und im Außenbecken. Die älteren Herrschaften in der Dampfsauna ließen uns rausschmeißen, weil wir zu laut waren und dem Bademeister riss fast der Geduldsfaden, weil wir immer vom Beckenrand sprangen. Während der ganzen Zeit wich mir Niklas nicht von der Seite. Wenn ich fragte ‚Wollen wir mal wieder da drüben rutschen gehen? ‘ sagte er ‚Ja klar! ‘ und ich hatte die ganze Zeit keine Angst, wie ich aussah. Allerdings hütete ich mich davor aus Versehen irgendwo in einen Spiegel zu gucken, man musste das Unglück ja auch nicht gleich provozieren. Das Tollste an der Sache mit dem Schwimmbad war aber, dass wir nicht viel an hatten und jede Berührung, ob nun zufällig oder absichtlich, gleich noch viel mehr Kribbeln und Ekstase in mir auslöste. Und ich hatte durchaus das Gefühl, dass Nik mutiger wurde. Anfangs kam sein Interesse an meiner Person mir ganz beiläufig vor abermit der Zeit wurde er stürmischer. Er schnappte mich und warf sich mit mir in das eiskalte Kneipp-Becken, das ich schrie wie am Spieß und er lachte schallend. Und er nahm öfters ganz selbstverständlich meine Hand, um mich irgendwohin zu ziehen. Es raubte mir jedes Mal den Atem. Wie kann ein Mensch SO gut aussehen? Das war nahezu gemein, ungerecht. Jeder andere Typ verblasste auf einmal neben ihm.
    Einmal standen Lukas, Nik, Pia, Patrick, Mandy, Karina, Marie, Philip, Dina und ich an der dunklen Tunnelrutsche an. Das Teil war wirklich stockdunkel, und es kam einem vor als würde man ins Nichts rutschen. Lukas hatte die Spitzenidee, dass wir doch als Kette runterrutschen könnten, also alle hintereinander. Natürlich hatte ich wie alle anderen nichts dagegen. Aber dann bekam ich Probleme. Lukas hatte sich als erster vorne hingesetzt und danach legte Dina die Arme um ihren Bruder und setzte sich hinter ihn. So lief das also?! Patrick war vor mir und – natürlich – Nik hinter mir. Es war schon komisch Patrick so nahe zu sein… ich grätschte meine Beine um ihn herum und umfasste zaghaft seine Schultern. Er drehte seinen dunklen Haarschopf mit einem Grinsen zu mir herum und sagte:
    „Du musst dich schon ein bisschen fester halten, Roxy-Schatz, sonst verlieren wir dich.“
    Mit diesen Worten nahm er meine Hände und schlang sie sich um seinen Oberkörper. Ich spürte seine Muskeln unter meinen Händen im selben Moment wie Niks warmer Körper sich an meinen schmiegte und seine Arme meinen Körper umschlossen. Mir wurde schwarz vor Augen. Ich fragte mich ernsthaft, ob es noch etwas Schöneres im Leben gab, als bei diesem hübschen Jungen im Arm zu liegen?! Ein wohliger Schauer lief mir den Rücken hinunter und ließ mich erzittern.
    „Kalt, Roxani?“ hörte ich seine klare Stimme hinter mir und ich konnte nicht anders, ich wandte mich zu ihm um während er mich noch näher an sich heranzog und meine Arme streichelte. Er lächelte mich so umwerfend süß an, dass ich beinahe den Verstand verloren hätte. Wieder lächelte ich zurück, als wäre mein Körper von einer unsichtbaren Macht gesteuert!! Ich spürte seine Brust an meinem Rücken und seine Augen blickten mich direkt an:
    „Danke…“
    „Keine Ursache.“
    Im nächsten Moment schoben sich Mandys manikürte Hände zwischen mich und Nik, ihre schlanken Arme zogen ihn an sich heran und sie schaute ihm über die Schulter:
    „Na Süßer, alles klar?“
    „Alles klar.“
    Ich wollte ein Stück von ihm wegrutschen, aber er ließ mich nicht. Die Situation wurde mir langsam unangenehm, so flankiert von nackten Oberkörpern, die besser aussahen als alles, was mir je näher als 10 Meter gekommen war. Dann rutschten wir los und es fühlte sich unglaublich an, wie Niks Hände mich festhielten. Die Röhre übertrug jedes Geräusch extrem laut, unser Geschrei musste im ganzen Schwimmbad zu hören sein. Spitze, immerhin war es nicht erlaubt, dass mehr als eine Person gleichzeitig rutschte.
    Auf einmal blieben wir ruckartig stecken, ich knallte auf Patrick und Nik auf mich und seine Hände verirrten sich an mein Bikini-Oberteil. WOW! Das löste einen Schock in mir aus. Ich fühlte mich, als läge ich in einem Ameisenhaufen, als hätte mich jemand in eine Badewanne voll mit Sekt geschmissen! Dieses Prickeln war unvergleichbar mit allem, was ich bisher gefühlt hatte, wenn er mich berührte. Es war… verrucht. Oh ja, es war sexy. Es ließ mich erahnen, dass ich noch viel entdecken konnte. Es war nur der Bruchteil einer Sekunde gewesen, aber es hatte mich wahnsinnig elektrisiert. Und ich war anscheinend nicht die einzige. Während der Lärm um uns herum ohrenbetäubend wurde und alle sich wunderten, was los war, beugte Nik sich nach vorn, streichelte meine Schultern und flüsterte in mein Ohr:
    „Sorry, das war nicht mit Absicht…“
    Irrte ich mich, oder zitterte seine Stimme ein wenig? War das alles Einbildung oder hob und senkte sich seine Brust an meinem Rücken ein wenig zu schnell?
    „Kein Problem!“ sagte ich schnell und legte meine Hand auf seine. Oho, die Dunkelheit schien mich mutig zu machen! Er umfasste meine Hand sofort und ich genoss es ganz kurz, aber dann hatten sich alle wieder geordnet und es ging weiter, dieses Mal ohne unfreiwilligen Stopp. Unten, im blendenden Mittags-Licht, traute ich mich erst nicht, Nik in die Augen zu sehen. Wir lagen alle kreuz und quer im Auffangbecken und kicherten nervös, denn zwei Männer in orangenen Badehosen und weißen Polo-Shirts hielten uns eine gewaltige Standpauke, wir bekamen die ‚gelbe Karte‘, oh nein! Ich warf Dina einen vielsagenden Blick zu und auch Fiona, trocken, in ein Handtuch gewickelt und äußerst gutaussehend mit ihren weichen Locken, grinste schelmisch. Sie lag auf einer Liege nicht weit entfernt. Aber bald ging es wieder besser und ich sah in Niks Augen irgendein Funkeln, eine Art Glücks-Schimmer oder so. Und ich bildete mir ein, dass das wegen mir war.

    So ging die Zeit relativ schnell rum. Zum Mittag aßen wir eine Kleinigkeit und dann vertrieben wir uns die Zeit wieder mit allerlei Unsinn und weiteren Sprung- und Rutschcontests.
    Als ich auf dem Rückweg mit nassen Haaren, geröteten Augen und jeder Menge Wasser im Bauch wieder neben Nik im Bus saß, war es wohl das erste Mal, dass die positiven Erinnerungen an so einen Ausflug nachher überwogen.

    Und noch mehr war passiert. Mandy knutschte hinten im Bus mit Hendrik, einem Jungen aus der Gruppe, mit dem ich noch gar nicht so viel zu tun gehabt hatte. Er war absolut nicht mein Typ mit den kurzen Haaren und dem kantigen, brutal wirkenden Gesicht. Ich könnte ihn mir mit einer Knarre an der Front vorstellen. Mandy zumindest hatte sich anscheinend ihm zugewandt, denn sie ließen schon seit einer ganzen Zeit nicht mehr die Finger voneinander. Und noch etwas lief irgendwie schief, Fiona saß neben Patrick und sie kicherten albern und grinsten sich zwischendurch verlegen an. Es war eindeutig zu sehen, dass da etwas lief. Das Problem an der Sache war nur, dass Dina Pia trösten musste, die sich nur schwer die Tränen zurückhalten konnte. Stimmt ja, sie war ja in Patrick verknallt gewesen! Und jetzt saß ihre beste Freundin neben ihm – und mochte Fiona nicht eigentlich Ben? Das hatte sich anscheinend verändert. Zumindest bekamen weder sie noch Patrick mit, welches Unheil sie in Pia auslösten. Nik und ich redeten über andere Sachen, es ging wieder um unsere Familien und dann irgendwann kamen wir beim Samstag an. Ich rechnete nach, weil ich überhaupt nicht mehr wusste was für ein Datum oder Wochentag wir gerade hatten, aber ich kam darauf, dass es Mittwoch war, am Freitagabend würden wir schon wieder zu Hause sein und das bedeutete nur noch dreimal schlafen, und ich würde Nik besuchen. Das ließ mich gleich wieder innerlich hüpfen. Ich versprach mir viel von diesem Abend – Date – mit Nik, denn das war es, ich war mir sicher. Vielleicht bräuchten wir nur mal ein bisschen Abgeschiedenheit, ein wenig Privatsphäre, damit die Situation zwischen uns ein wenig eindeutiger werden konnte. Ich wurde mir leider wieder unsicherer, ob er sich auch in mich verlieben könnte. Wahrscheinlich sah er mich als Freundin an, ich konnte es einfach nicht richtig erkennen. Aber dann dachte ich wieder an seine blauen Augen und wie sie mich manchmal ansahen, als wäre da doch mehr. Und spürte ich nicht manchmal, dass sein Herz schneller schlug, wenn er mich berührte? Und würde er so viel mit mir gemeinsam unternehmen, wenn er nur rein platonisch an mir interessiert war? Ich grübelte über den Vormittag nach, ich war noch ganz betrunken von seinem Anblick und dem Kribbeln, dass seine Hände auf meiner nackten Haut ausgelöst hatten. Ich war mir inzwischen sicher, ich liebte ihn. Und zwar nicht nur wegen seines wahnsinnig guten Aussehens, das hatte mich am Anfang ja eher abgeschreckt und vorsichtig werden lassen. Nein, ich liebte ihn wegen seiner Art, dem Mitgefühl und der Scharfsinnigkeit, die er mir gegenüber an den Tag legte. Er war ein wirklich wundervoller, umsichtiger und höflicher Mensch, genau so, wie ich mir meinen ersten Freund vorstellen würde. Und da waren wir wieder genau an dem Punkt. Ein solcher Traumtyp würde sich bestimmt nicht ein Mädchen wie mich aussuchen. Ich war heute ein wenig zu laut gewesen, ich hatte geschrien und getobt und mir fiel erst jetzt auf, dass ich gewirkt haben musste wie ein Kerl. Ich hatte mich überhaupt nicht wie ein begehrenswertes Mädchen verhalten! Oh Gott, ich war vom Zehn-Meter-Turm gesprungen, was hatte ich mir dabei nur gedacht?? Welcher Junge verliebte sich denn bitte in ein so burschikoses Weib wie mich? Ich musste mich dringend mehr zusammenreißen. Und ich würde das zarte Band unserer Freundschaft nicht zerstören, indem ich ihm sagte, dass ich mich in ihn verliebt hatte. Ich würde schön meine Klappe halten und dass, was ich an ihm so schätzte, nämlich seine Vertrautheit und Offenheit, genießen. Ich drehte meinen Kopf um zu sehen, was er gerade tat und sofort landete ich wieder in seinen Augen. Er hatte mich auch gerade angesehen und ich hasste es, dass mein Magen sofort wieder Purzelbäume schlug! Ich musste mich konzentrieren, verdammt und dreimal verflucht!

  10. #40
    Melina_Dilemma

    Standard

    „Du warst gerade total in deinen Gedanken versunken, nicht wahr?“
    „H-m.“
    „Irgendwie hast du traurig ausgesehen…?“
    Ach Nik! Hör auf mir alles an der Nase anzusehen!!
    „Nein, ist alles okay.“
    „Wenn dich irgendwas belastet, du kannst mir wirklich alles sagen, Roxana, ich verspreche dir, dass es bei mir gut aufgehoben ist.“
    „Das weiß ich wirklich zu schätzen. Aber ich habe nur ein bisschen geträumt.“
    „Von was träumt wohl ein Mädchen wie du…? Hast du an deine Familie gedacht? Oder vermisst du deine Freunde in Berlin?“
    „Nein, gar nicht. Komisch! Ich vermisse sie wirklich nicht, so lieb ich sie habe.“
    Er schaute mich nur schweigend an, in seinem Blick las ich ehrliches Interesse und fast so etwas wie Sehnsucht. Wärme breitete sich in mir aus, ich würde so gern noch mal in seinem Arm liegen, wie in der Rutsche… da waren wir uns wirklich nah gewesen.
    „Wie ist das eigentlich am Samstag? Gehen wir erst zu dir, dann zum Jugendkreis und danach ins Kino?“
    „Nein, am Samstag ist dieses Mal kein Jugendkreis, fällt aus weil wir ja genug von uns die Woche über hatten. Deshalb können wir bei uns zu Abend essen und dann von da aus ins Kino. Meine Schwester hat mir vorhin geschrieben, dass sie auch mal wieder nach Hause kommt. Da lernst du sie auch mal kennen.“ erzählte er.
    „Cool! Ich glaube ich sehe meinen Bruder vor Weihnachten nicht mehr wieder…“
    „Wundert mich auch, dass sich Maren so ganz ohne Grund mal wieder sehen lässt.“
    Niklas kramte in seiner Tasche nach seinem iPod und reichte mir dann wieder einen Stöpsel:
    „Hier, mir ist noch ein Lied eingefallen, das ich dir unbedingt zeigen wollte. Kennst du ‚Sparta‘? Die andere Nachfolge-Band von ‚At the Drive-In‘? Die sind auch toll. Und Jim Ward singt so schön, es wird dir gefallen.“
    Während wir der sanften Melodie lauschten gab ich mir einen Ruck und sprach die Sache mit Mandy an:
    „Hast du Hendrik und Mandy gesehen?“
    Er zog eine Augenbraue hoch und antwortete:
    „Klar. Soll sie mal machen. Ich denke zwar nicht, dass es was Ernstes ist, aber das ist so typisch. Kommt sie bei dem einen Typen nicht an, sucht sie sich gleich den nächsten. So war das schon immer mit ihr. Was? Du schaust mich an, als ob du mir immer noch nicht glaubst, dass ich nicht in sie verliebt bin und mir das absolut nichts ausmacht!“
    „Stimmt gar nicht! Also, das habe ich nicht gedacht.“
    „Klar hast du.“, er warf ein wissendes Lächeln zu mir rüber, „Was soll ich nur tun, damit du mir glaubst? Spekulierst du darauf, dass ich dir sage, wen ich stattdessen mag?“
    AAAAAH! Nein, bitte nicht! Zerstör nicht meine Illusionen… verdammt, nichts als Illusionen… es war doch klar. Bleib ruhig. Sag irgendwas!
    Aber meine Lippen waren wie gelähmt. Mir fielen nicht schnell genug die richtigen Worte ein und dann war die Zeit für die Antwort verstrichen. Stattdessen glotzte ich ihn nur hohl an. ICH DÄMLICHE ZIEGE!
    „Es tut mir Leid ich wollte nicht schon wieder so viel von mir erzählen. Ich will aber alles über dich wissen!“

    Erwartungsvoll riss er seine ohnehin schon großen Augen noch weiter auf und blickte mich theatralisch grinsend an.
    Hä? Was bedeutete das jetzt bitte?? Er mochte ein anderes Mädchen. Karina vielleicht, oder Elli, beide auf jeden Fall sehr hübsch, viel hübscher als ich. Überhaupt, ich sah mit Sicherheit gerade unmöglich aus. Selbst Fiona sah besser aus, sie sah sogar richtig gut aus mit ihren gelockten Haaren. Kein Wunder, dass Patrick auf sie einzugehen schien, sie machte alles richtig, sie schien aus ihrem neuen Körpergefühl das richtige Maß an Selbstvertrauen zu schöpfen. Ich bekam das wieder mal nicht hin! Dabei wusste ich doch, dass Jungs das ansprechend finden. Wenn ich mich selber mag und das nach außen trage, dann mögen mich andere auch. Theoretisch leuchtete mir das ein, aber manchmal klappte es eben nicht. Zumindest hatte ich meine Chance auf eine Antwort von Nik anscheinend vertan, denn er hatte ganz geschickt und übermütig grinsend das Thema gewechselt und ich konnte jetzt nicht mehr nachhaken. Aber so wie es klang würde ich wohl auch den letzten Funken Hoffnung in mir begraben können, natürlich mochte Nik jemand anderes. Ich wusste doch, dass ich erst mal die Schule abwarten sollte, ich würde es schon noch merken. Aber nein, Mrs. Naivchen muss sich unbedingt in Mr. Universum verlieben! Und zwar mit jedem Grinsen von ihm mehr…
    „Was willst du denn noch über mich wissen?“ fragte ich mutlos.
    „Alles. Fang doch einfach mal mit deiner Schule an, das klang interessant.“
    „Was denn? Über den Unterricht? Warum interessiert dich das?“
    „Ich hab dir doch gestern schon mal gesagt, wie sehr ich dich mag, nicht wahr? Und dass du für mich schon jetzt eine besondere und wichtige Person bist. Deshalb interessiert mich alles an dir, du bist so faszinierend. Und ich quatsche immer nur über mich! Ich will wissen wie dein Leben so ist.“
    Ich musterte die Kopfstütze vor uns, der Stoff war ziemlich hässlich, mit pink-, türkis- und lilafarbenen seltsamen Mustern. Ich blickte auch nicht auf, als ich ihm antwortete:
    „Es geht mir zumindest schon mal so wie dir, du bist auch für mich in der kurzen Zeit wichtig geworden.“
    Wie bescheuert untertrieben war das bitte?
    „Das freut mich ehrlich zu hören.“
    „Genauso, wie du etwas über mich erfahren möchtest, interessiert mich auch dein Leben. Du solltest also wirklich langsam aufhören immer zu denken, du nervst mich, wenn du mir davon erzählst. Ich finde es so toll, dass du so einfach mit mir darüber redest, als würdest du mich schon ewig kennen und…“
    Wieder fuhr der Bus ziemlich scharf um eine Kurve, und zwar so unerwartete, dass überall leise Aufschreie zu hören waren, weil wir fast von den Sitzen flogen. Und hätte Nik nicht geistesgegenwärtig seinen Arm um mich gelegt und mich festgehalten, dann würde ich jetzt wahrscheinlich bei Philip auf dem Schoss sitzen.
    „Hey, bleib hier!“ kicherte er und zog mich wieder an sich ran, sogar ziemlich nah. Ich schaute ihn dankbar an und er hielt mich noch immer fest während er sagte:
    „Es kommt mir auch so vor, als würde ich dich schon ewig kennen…“
    Nur ganz langsam nahm er seinen Arm von meinen Schultern und intensivierte seinen Blick nur noch mehr dabei, er fesselte mich nahezu! Wow, was für ein Moment, es war wieder so einer, die Funken sprühten nur so vor meinem inneren Auge! Das war doch eindeutig verrückt! Warum tat er das, wenn er ein anderes Mädchen mochte!? Ich hatte nicht gedacht, dass er so ein Arschloch wäre, dass jedem Mädchen schöne Augen machte und eigentlich nicht wirklich was mit ihr im Sinn hatte. Außer eines vielleicht… war er wirklich so ein Typ? Er hatte doch so einen ernsten und klugen Eindruck auf mich gemacht! Deshalb hatte ich mich doch erst so verliebt! Ich begann an meinen ersten Eindrücken zu zweifeln.
    „Du bist also auf so einer verrückten Schule gewesen?“ fragte er mit unverändertem Blick. Komisch, die Worte passten nicht dazu… Zu seinem Gesichtsausdruck und der Situation hätte viel eher gepasst, wenn er gesagte hätte ‚Ich bin verliebt in dich‘ oder so. Ja klar, träum weiter, Roxy. Mmmmm. Vorbei war’s.
    „Ja. Eine Privatschule, da bezahlt man ziemlich viel Schulgeld. Aber meine Eltern haben sich das echt für mich und meinen Bruder weggespart, damit wir dort hingehen können. Ich hab ihnen immer gesagt, ich geh auch auf ne staatliche Schule. Aber nein, ich musste dort hin. Weißt du, was es dort für Sprachprofile gibt? Du kannst dort sogar Hebräisch lernen oder Altgriechisch. Oder Mandarin…“
    „Und was hast du gelernt?“
    „Hebräisch. Ein paar Jahre lang. Letztes Jahr hab ich mit Latein getauscht.“
    „Machst du das weiter?“
    „Ja.“
    „Da haben wir schon mal einen Kurs gemeinsam.“ grinste er.
    Ich schaute ihn nur groß an und in meinem Kopf ratterte es.
    „Ich will doch Arzt werden.“
    „Ach stimmt ja! Wow, ich finde das so toll!“
    „Und ich finde dich toll!“ sagte und er lächelte mich dabei so wunderschön an, dass ich mich schon wieder fühlte wie im Himmel.





    Zur selben Zeit hielt ein Auto vor einer großen einladend wirkenden Villa mit einem hübschen Garten davor. Über dem Tor rankten sich Rosen empor und ein kleiner Springbrunnen plätscherte andächtig.
    Maria Schiller und ihre 16-jährige Tochter Christina gingen über den weiß gepflasterten Weg zur großen doppelflügeligen Eingangstür, ein gepflegter Finger senkte sich auf den Klingelknopf aus poliertem Messing, daneben prangte in verschnörkelten Buchstaben der Name ‚Maybach‘.
    Es dauerte nicht lange, da wurde die Tür aufgerissen und eine hübsche, zierlich wirkende Frau mit dunklen Haaren hieß sie lächelnd willkommen.
    Milla Maybach war allein zu Haus. Ihr Mann war geschäftlich in Chile unterwegs, ihre Tochter studierte in einer anderen Stadt und ihr Sohn war mit seinen Freunden von der Kirchenjugendgruppe für eine Woche auf einer Burg. Umso mehr freute sie sich über den überraschenden Besuch einer ihrer besten Freundinnen. Auch wenn ihre Tochter Christina ihrem Sohn vor noch gar nicht allzu langer Zeit sehr weh getan hatte. Aber eigentlich war es doch schon eine Weile her… meine Güte, fast schon wieder sechs Monate! Sie hatte mit Maria viel darüber gesprochen und sie waren sich einig darüber, Christina hatte riesengroßen Mist gebaut. Niklas, ihr schöner Sohn und ein und alles, war zwar dem Anschein nach inzwischen darüber hinweg gekommen, aber trotzdem tat es ihr weh, wenn sie daran dachte, dass dieses blonde Mädchen Nik betrogen hatte. Sie kannte sie schon seit sie ein kleines Mädchen war und hatte sie immer gemocht, ja, sie hatte es sogar begrüßt, dass ihr Sohn sich in sie verliebt hatte, obwohl er kaum 14 Jahre alt gewesen war. Aber seit der Sache vor einem halben Jahr fiel es ihr immer noch schwer sie als die Christina zu sehen, die sie vorher war. Niklas hatte sich kategorisch von ihr abgewandt und weigerte sich, überhaupt nur mit ihr zu reden. Christina hatte ebenfalls ihre Konsequenzen gezogen und erschien seit dem Vorfall weder in der Kirche noch im Jugendkreis. Deshalb bekam Milla sie auch nicht allzu oft zu Gesicht. Tom, Niks ehemaliger bester Freund, und Christina waren nach dem sie aufgeflogen waren auch nicht mehr lange zusammen und schon bald hatte Christina wieder versucht Nik dazu zu bewegen, ihr zu verzeihen. Milla hatte wirklich Angst gehabt, dass er zu ihr zurückgehen würde, weil er wirklich eine treue, ehrliche Seele hatte, aber zu ihrer Erleichterung und auch der seines Vaters wusste er, wo seine Grenzen lagen und ließ nie einen Zweifel daran, dass er nicht mehr interessiert war. Sie rief noch oft an, aber Niklas hatte dann einen eiskalten Gesichtsausdruck und ließ ihr jedes Mal ausrichten, dass sie es nicht mehr zu versuchen brauchte. Sie versuchte es auch persönlich, aber Niklas schlug ihr jedes Mal die Tür vor der Nase zu oder verschwand wortlos. Wahrscheinlich lief es in der Schule ähnlich ab, denn da liefen sie sich nach wie vor jeden Tag über den Weg und Milla tat ihr Sohn deswegen sehr leid.
    Trotz allem versuchte sie sich aber aus diesen Angelegenheiten rauszuhalten und zu Christina nicht unfreundlich zu sein. Auch heute schloss sie sie, wenn auch ein wenig zögerlich, in ihre Arme. Ihre goldblonden Haare umspielten ihr wirklich sehr hübsches Gesicht und ihre großen blauen Augen wirkten, als könne kein Wässerchen sie jemals trüben. Sie hatte sie und Nik eine Zeitlang wirklich gern zusammen gesehen – aber das war jetzt vorbei, so viel wusste sie.
    Die drei Frauen nahmen in der geräumigen Küche an der Bar Platz und genossen einen frisch gemahlenen Kaffee, während sie die neuesten Themen besprachen. Nach einiger Zeit entschuldigte sich Christina unter dem Vorwand, zur Toilette zu müssen.

    Das Mädchen strich sich eine goldene Strähne hinter das Ohr und verließ eilig die Küche. Das Gelächter ihrer Mutter und Millas folgte ihr nach draußen in den Eingangsbereich des Hauses. Von hier aus gingen die Küche, das Wohnzimmer und das Badezimmer ab, aber sie hatte nicht vor dahin zu gehen. Sie blickte nach oben, das Foyer ging über zwei Stöcke und ein sehr schöner Kristallkronleuchter prangte in der Mitte. Zwei breite Freitreppen führten links und rechts nach oben auf die Galerie, wo die Schlafzimmer und Arbeitszimmer der Familie lagen, alle bis auf eines. So leise wie möglich huschte sie die Stufen nach oben und öffnete die letzte Tür, ganz rechts. Dahinter führte eine weitere Treppe in den ausgebauten Dachboden des Hauses. Ganz oben erhellte ein riesiges Dachfenster den kleinen Vorraum, in dem ein paar Schuhe und ein Snowboard mit Stiefeln standen. Die weiß lackierte Tür, die in Niks Zimmer führte, war geschlossen, aber sie klinkte und stellte fest, dass er nicht abgeschlossen hatte. Sie blickte in das Gesicht von Steve McQueen, dessen Poster außen an der Tür hing und betrat dann ehrfürchtig den weichen meerblauen Teppich. Augenblicklich schlug ihr dieser besondere Duft entgegen, sein Duft. Es roch hier überall so schmerzlich vertraut, dass ihr sofort ein paar Szenen einfielen, die sich hier abgespielt hatten. Ihr erster Kuss zum Beispiel, es war fast genau zwei Jahre her, als er sie ziemlich stürmisch an ebendiese Tür hinter ihr gelehnt hatte und dann langsam immer näher gekommen war. Schließlich hatte er den kurzen Abstand überwunden und sie ganz zärtlich geküsst, seine Arme hatten sie an sich heran gezogen und ab diesem Moment waren sie ein Paar gewesen. Oder als sie seinen 15. Geburtstag gefeiert hatten, an diesem Abend hatte sie sich Tom das erste Mal näher angeschaut – und er sie. Wie sehr sie diesen verhängnisvollen Abend jetzt verabscheute! Sie wünschte, sie hätte sich nie so sehr einwickeln lassen, hätte sie nicht damals schon erkennen können, was für ein wunderbarer Junge Nik war? Und noch ist? Sie hatte das alles viel zu selbstverständlich genommen, seine Küsse, seine zärtlichen Worte und Liebesbeteuerungen… das hatte alles mal ihr gegolten!!
    Sie blickte sich in dem Raum um, er war riesengroß und gemütlich eingerichtet. Auf der linken Seite, genau gegenüber von dem gigantischen Bodenfenster führte eine Tür in sein Badezimmer, sie ging darauf zu. Auf dem Weg dahin glitt ihr Blick über die schwarze Ledercouch gleich links, wie oft hatte sie dort gesessen und er hatte seinen Arm um sie gelegt… später hatten sie auch ganz andere Sachen dort gemacht… Über der Couch hing Niks altes Surfbrett. Er hatte es jetzt zweckentfremdet und jede Menge Fotos daran gepinnt. Sie ging einen Schritt darauf zu und sah seine Freunde, Patrick, Ben, Thomas… es waren ganz beliebige Szenen und Momentaufnahmen, doch kein einziges Bild zeigte ihr Gesicht. Früher hatten dort viele ihrer Bilder gehangen und ganz in der Mitte eines, dass sie beim Fotografen hatte machen lassen. Das und andere Sachen hatte er ihr gleich nach der Trennung wortlos in die Hände gelegt. Sie riss sich mit einem Seufzen los und ging weiter in das Badezimmer. Sofort schlug ihr der Duft seines Parfums noch deutlicher entgegen. Sie ging zum Waschbecken, auf der Ablage darüber standen zwei einsame Fläschchen, er hatte anscheinend alles andere mit aufs Jugendcamp genommen. Die schwarzen Bodenfliesen waren sauber, wie alles im Badezimmer. Niklas war wirklich vorbildlich, was das anging, er hatte seine Räume konsequent einmal in der Woche aufgeräumt. Sie betrachtete sich kurz im Spiegel, sie war doch hübsch! Warum ging er nicht mehr auf sie ein?? So oft hatte sie sich entschuldigt und ihn bekniet, ihr zu verzeihen. Doch er redete nicht ein Wort mit ihr. Sie atmete tief ein und riss sich wieder von der Person im Spiegel los. Etwas wollte sie noch machen, bevor sie wieder nach unten gehen musste. Ganz hinten im Raum stand sein großes Bett unter der Schräge. Ein Dachfenster darüber ließ einen die Sterne beobachten, es war wunderschön, doch sie war hier nicht mehr willkommen. Sie setzte sich auf die weiche Matratze und strich kurz über die blau-weiß-gestreifte Bettwäsche. Dann wandte sie sich dem kleinen Nachtschränkchen aus dem selben dunklen Holz, wie alle anderen Möbel in diesem Zimmer, zu und öffnete die kleine Schublade. Dort hatte immer ein ganz besonderes Foto von ihr gelegen… doch nichts dergleichen fand sie jetzt. Auch nichts anderes, es gab keine anstößigen Magazine, keine verräterischen Briefchen oder Bilder von anderen Mädchen. Das war ja immerhin etwas. Anscheinend gab es noch kein anderes Mädchen in seinem Leben, sonst hätte er in dieser Schublade etwas von ihr, das war immer sein Allerheiligstes gewesen, mit den wirklich persönlichen Sachen. Sie entdeckte nur ein paar Bücher, die Fernbedienung für die Musikanlage und sein Handyladekabel. Als hätte sie etwas gebissen sprang sie plötzlich auf und durchquerte mit schnellen Schritten den Raum, schwer atmend schloss sie schließlich die Tür hinter sich und schlich leise wieder nach unten. Langsam näherte sie sich der angelehnten Küchentür und die Stimmen ihre Mutter und von Milla drangen zu ihr, da hörte sie ihren eigenen Namen:
    „… ja, Christina scheint sich wirklich immer noch zu denken, dass sie Nik irgendwann zurückgewinnen kann. Ich habe keine Ahnung wie ich ihr verdeutlichen soll, dass sie die Sache wirklich ein für allemal verbockt hat!“
    Oh! Die beiden redeten über sie und Nik! Milla antwortete:
    „Ich bin wirklich sehr sicher, dass für ihn kein 2. Teil der Beziehung in Frage kommt.“
    „Das ist auch nur vernünftig. Es tut Christina auch mal gut, wenn sie merkt, dass sie sowas nicht machen kann. Das alles was man tut Folgen hat.“
    „Hoffentlich kommt auch sie bald darüber hinweg.“
    „Mach dir mal keine Sorgen, sie wird es schon kapieren. Was macht ihr eigentlich diesen Samstag? Christopher kommt doch wieder, nicht wahr? Wollen wir mal wieder zusammen ausgehen?“
    „Ich weiß es noch nicht. Maren und Nik sind auch da und wir wollten einen Familienabend machen, aber Nik hat angerufen und gesagt, dass er am Samstag jemanden zu Besuch hat, er will sie uns vorstellen. Da könnten wir ja abends wirklich schön essen gehen, wenn die Kinder eh beschäftigt sind.“
    „Oh! Nik bringt ein Mädchen mit? Hat er eine neue Freundin?“
    „Ja, keine Ahnung, er kennt sie eigentlich noch gar nicht so lange. Sie heißt Roxana und wohnt für ein Jahr bei Klaus und Betty, aber sie ist doch erst letztes Wochenende angekommen!“
    „Ach, davon habe ich gehört, ihre Eltern sind Wissenschaftler, nicht wahr? Hast du sie schon mal gesehen?“
    „Ja, letzten Sonntag in der Kirche, aber nur ganz kurz. Sie sah nett aus.“
    „Meinst du, Nik mag sie? Wenn er sie schon mit hierher bringt?“
    „Keine Ahnung. Am Sonntag war Patrick mit zum Mittagessen bei uns und sie drucksten so ein bisschen herum. Ich habe nur mitgekriegt, dass sie sie wohl ‚süß‘ finden. Aber denken Jungs in diesem Alter nicht immer so? Aber sie hocken zumindest auf diesem Camp Tag und Nacht aufeinander, kann schon sein, dass es da schnell geht. Meinst du, er bringt sie mit, weil sie seine Freundin ist? So genau habe ich gar nicht gefragt!“
    „Wirst du ja übermorgen erfahren.“

    Die Lauscherin an der Tür hatte damit genug gehört. Sie konnte es nicht fassen, da gab es also eine Neue im Spiel, und sie dachte schon Mandy Dietrich wäre ihre härteste Konkurrentin! Dieses Mädchen würde es erst mal mit ihr aufnehmen müssen, sie würde es niemals zulassen, dass jemand ihr Niklas wegschnappen würde!
    Mit diesen Gedanken setzte sie sich wieder zu ihrer Mutter und deren Freundin und widmete sich still ihrem Kaffee.




  11. #41
    Melina_Dilemma

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    Die Mädchen und ich hatten uns, nachdem wir wieder auf der Burg angekommen waren, erst mal in unser Zimmer zurückgezogen und machten uns wieder schön. Ich föhnte meine Haare und schminkte mich ein wenig, dann half ich wieder den anderen. Fiona glühte richtig vor Freude und sie merkte immer noch nicht, dass Pia seltsam still war. Ich überlegte krampfhaft, was ich machen sollte, vielleicht sollte ich Fiona mal unter vier Augen sprechen? Ich schaute unsicher in Pias Augen, während ich ihr die Wimpern tuschte. Fiona plauderte mit Dina im Badezimmer und ich riskierte es:
    „Soll ich irgendwas zu ihr sagen?“
    „Nein! Auf keinen Fall.“ sagte sie eindringlich.
    Ich nickte knapp.
    „Ich fühle praktisch mit dir, Pia. Ich wünschte sie wäre nicht so unsensibel…“
    „Lass sie. Sie wünscht sich schon so lange einen Freund. Sie hat ihn viel mehr verdient als ich und sie passt auch viel besser zu ihm. Ich gönne es ihr.“
    Ich sah sie nur noch mal kurz an und staunte über den Großmut dieses Mädchens. Sie schien ihr wirklich nicht böse zu sein. Augenblicklich schloss ich Pia in mein Herz. Wie brachte sie es nur fertig so nachsichtig zu sein? So… edel… ich beschloss mir davon eine Scheibe abzuschneiden und ebenfalls mal ein bisschen auf dem Teppich zu bleiben.
    Für den restlichen Nachmittag war nichts Besonderes geplant, erst am Abend sollte irgendein Film gezeigt werden.
    Gegen 4 Uhr trafen wir uns im Speisesaal der Burg zu Kaffee und Kuchen. Ich war wirklich ein ziemlich kranker Kaffeejunkie und konnte meinen braunen Lieblingstrank der ganzen Tag lang trinken. So war ich auch dieses Mal diejenige mit der größten Tasse und ich balancierte sie langsam an den Tisch, an dem schon Fiona, Pia, Dina und Alexandra saßen. Alexandra? Die hatte mich bisher immer nur ziemlich fies angesehen, doch dieses Mal lächelte sie mir zu. Etwas irritiert grinste ich zurück und stellte die Tasse auf dem Tisch ab, dann schwang ich meine Beine über die Bank und legte erst mal mein Gesicht auf die Tischplatte. Ich war irgendwie verdammt müde. Das Schwimmen und sinnlose Rumtoben im Schwimmbad war ziemlich anstrengend gewesen und ich hatte immer noch tierischen Muskelkater von der Wanderung gestern. In diesem Moment fühlte ich mich als würde ich spätestens Morgen tot sein. Dina schob mir einen Teller vollbeladen mit verschiedenen Kuchenstückchen vor meine Nase und ich versuchte meine Hand zu heben um mir ein Stückchen zu nehmen, aber ich schaffte es nicht. Alexandra lachte laut auf und sprach mich an:
    „Kaputt?“
    „Ziemlich. Ich glaube ich brauche ein bisschen Mittagschlaf.“
    „Och nee! Wir wollten dann mal dieses riesige Mensch-ärgere-dich-nicht mit dir spielen!“
    Fiona kitzelte mich an der Seite aber ich war zu schwach und brummte sie nur unwillig an.
    „Wir müssen sie wohl rüber tragen.“
    „Ich schaffe es nicht mal meinen Kaffee zu trinken… ich brauche einen Strohhalm!“
    Sie kicherten und Pia stand tatsächlich auf und verschwand in Richtung Küche! Sie würde doch nicht wirklich… aber tatsächlich, sie kam mit einem ziemlich langen Strohhalm wieder und warf ihn in meinen Kaffeepott. Ich ging darauf ein und drehte mein Gesicht auf dem Tisch so, dass ich daraus trinken konnte. Während ich unter dem Gelächter des gesamten Speisesaales meinen Kaffee schlürfte betrat ein blonder verdammt hübscher Kerl namens Niklas den Speisesaal. Ich bemerkte ihn erst als er sich neben mich setzte, sein perfektes Gesicht ebenfalls auf den Tisch legte und mich seltsam belustigt ansah. Sofort tauschte ich meinen leidenden Gesichtsausdruck mit einem freundlicheren und musterte ihn. Es war so unwirklich, seine Haare fielen ihm über die Augen und ich bemerkte, dass er total lange Wimpern hatte, jedes Mädchen wäre neidisch darauf. Er lächelte und ein kleines Grübchen bildete sich auf seinem Kinn. Ich musterte ihn unverhohlen und wortlos, er tat das ja schließlich auch. Seine Nase war ganz gerade und größer als meine, aber trotzdem wirkte sie irgendwie… stupsig, die Spitze war ein wenig abgerundet.
    „Bist du so fertig, Roxy?“
    Ich nickte nur leicht. Ich wollte nichts sagen, meine Stimme hätte bestimmt meine Gefühle verraten, ich war viel zu unglücklich im Moment. Er war in irgendjemanden anderen verliebt! Ich traute mich schon gar nicht in seine Augen zu sehen, wahrscheinlich wäre es dann völlig um mich geschehen gewesen, stattdessen begnügte ich mich mit dem Rest seines Gesichtes. Wie paradox. Es war schon zu spät, meine ganze Vorsicht hatte ich über den Haufen geworfen als ich hierhergekommen war und Nik das erste Mal gesehen hatte. Und wo hatte es mich hingeführt? Ich war verknallt in einen Typen der aussah, wie von irgendeinem Poster in einem Frauenmagazin. Bescheuert! Ich schloss schließlich meine Augen, und träumte mich in eine andere Welt. Ab und zu zog ich an dem Strohhalm und hoffte, der Kaffee würde bald seine Wirkung entfalten, aber ich wusste ja eigentlich, dass Koffein bei mir nichts mehr brachte, dafür hatte sich mein Körper schon viel zu sehr an das Aufputschmittel gewöhnt. Mir hätte wahrscheinlich nur ein bisschen Speed geholfen.
    In meinem Kopf waren Nik und ich allein und ich traute mich ihm in die Augen zu sehen. Er lächelte mich unverwandt an und hob schließlich ganz langsam seine Hand und streichelte ganz zärtlich meine Wange. Das gab mir Mut und ich strich ihm mit einer Hand langsam durch sein weiches und duftendes blondes Haar. Langsam kam er näher… und noch näher…
    Aber bevor ich weiter träumen konnte schrak ich aus meinem Traum hoch weil jemand wirklich meine Wange berührte. Ich riss meine Augen auf, ich musste doch tatsächlich mit dem Gesicht auf dem Tisch liegend und dem Strohhalm im Mundwinkel eingenickt sein! Aber das, wovon ich aufgewacht war, war kein Traum, Niklas zog gerade seine Hand wieder zurück, er hatte mich wirklich gestreichelt! Ich spürte die Berührung noch und ich sah den verzauberten Ausdruck in seinen Augen, die mich immer noch unverwandt musterten.
    „Soll ich dich in dein Bett bringen?“ fragte er ganz leise.
    Im Hintergrund kicherten die Mädchen und Patrick, der neben Fiona saß und ihr ebenfalls ausdrucksstark in die Augen sah.
    Ich schüttelte meinen Kopf und setzte mich wieder gerade hin, meine Haare hingen mir ins Gesicht und ich wischte sie mir aus den Augen, dann musste ich gähnen und hielt mir die Hand vor den Mund. Er stand auf eine andere, dass hatte er vorhin angedeutet. Das bedeutet also eindeutig Schluss jetzt, du wirst dir jetzt keine Hoffnungen mehr machen und dir diese dämliche Kleinmädchen-Verliebtheit aus dem Kopf schlagen!
    „Nein, wir wollen doch jetzt spielen gehen!“
    „Was wollt ihr spielen?“
    „Mensch ärgere dich nicht.“ antwortete Dina ihm.
    „Darf ich mitmachen?“
    „Wir sind schon zu sechst, weil ich mitmache!“ sagte Patrick und warf Nik einen undefinierbaren Blick zu.
    „Hm. Dann werde ich dich wohl beiseite bringen müssen.“ funkelte er zurück.
    Aber dann grinste er unter seinen Haaren hervor und Patrick ebenfalls. Ich dachte für eine Sekunde, sie würden sich wirklich streiten.
    „Dina und ich spielen als Team, dann kannst du mitmachen Nik.“ sagte Pia und so war es beschlossene Sache.
    Nik leerte mit wenigen kräftigen Schlucken seine Kaffeetasse und auch ich trank meine aus, ohne Strohhalm. Wir liefen rüber in das andere Gebäude und den restlichen Nachmittag vertrieben wir uns tatsächlich mit besagtem Spiel. Und es war witzig, nahezu köstlich! Es war fast unmöglich überhaupt nur eine Figur die Runde rum zu bekommen, bei sechs Mitspielern. Ich schrieb ein paar SMS mit Alissa und brachte sie auf den neuesten Stand mit Nik, ich schrieb ihr, dass ich mir keine Hoffnungen mehr machen würde. Dann gab es Abendessen und Martin erzählte, dass es nachher im Aufenthaltsraum einen Film mit dem Beamer geben würde, also nichts wirklich spannendes für diesen Abend.
    Ich ging allein in unser Zimmer und schaltete endlich mal wieder mein Notebook ein. Nachdem ich mich in Skype angemeldet hatte dauerte es gar nicht lange, bis sich mein Bruder bei mir meldete. Wir redeten eine ganze Weile miteinander und er wollte alles über mein neues Leben haargenau wissen. Zwischendurch kamen die anderen Mädels mal rein, zogen sich kurz um und verschwanden gleich wieder um sich den Film anzusehen. Ich hatte dazu keine wirkliche Lust, zumal ich irgendwie depri drauf war wegen der Sache mit Nik. Ich hasste dieses Chaos, einmal machte ich mir Hoffnungen und dann wieder doch nicht. Wie bescheuert! Ich hatte irgendwie ziemlich die Fresse voll davon. Simon merkte mir meine schlechte Laune an. Es erinnerte mich an die Zeit, als er noch zu Hause bei uns gewohnt hatte. Er war immer schon einfühlsam mir gegenüber gewesen und kannte meine Stimmungen. Ich hatte ihm damals wirklich vertraut und ihm eigentlich immer alles gesagt. Aber seit er nicht mehr da war hatten wir selten richtig tiefsinnig miteinander gesprochen. Ich vermisste das, das war mir jetzt klar. Ich seufzte und machte ein trauriges Gesicht in die Webcam.
    „Roxy… was hast du denn? Du wirkst total down… vermisst du unsere Eltern?“
    „Nein, das geht eigentlich. Ich denke oft an sie, aber ich bin ja bis jetzt ganz gut abgelenkt.“
    „Gut abgelenkt? Was lenkt dich denn ab?“
    „Na ich bin doch hier auf diesem Camp! Die unternehmen viel und ich bin eigentlich nie allein. Sind nette Leute.“
    „Und warum bist du dann so deprimiert? Du kannst mir doch alles sagen… weißt du doch.“
    „Ich weiß. Ich vermisse DICH ganz schön Simon, könntest dich ja mal bei mir sehen lassen…“
    „Ich besuche dich bald, das verspreche ich dir. Weihnachten könnte ich…“
    Ich unterbrach ihn:
    „Weihnachten? Das ist noch so lange!“
    „Also gut. Ich komme mal für ein Wochenende. Aber meinst du nicht, dass das blöd ist, wenn ich auch noch bei Klaus und Betty übernachten will?“
    „Ich werde sie fragen. Ansonsten gibt es bestimmt noch eine andere Möglichkeit, ich könnte Nik fragen, du könntest bestimmt bei ihm schlafen oder so. Oder wir beide.“
    „Nik? Wer ist denn das?“ fragte er sofort in einem Tonfall, der vermittelte, dass er irgendwas zu begreifen schien.
    „Das ist… mein neuer Freund, also nicht so… nur ein Kumpel… äh, das Wort hasse ich eigentlich. Also er ist ein Freund.“
    „Aha.“
    „Was ‚aha‘? Wirklich!“
    „Ist er der Grund für deine Niedergeschlagenheit?“
    Ich blieb still. Was sollte ich schon sagen?
    „Du hast dich doch nicht etwa verknallt?! Ausgerechnet in einen von denen?“
    „Ach, was weißt du schon! Außerdem bin ich nicht verknallt!“
    „Roxy hat sich verknallt! In einen Dorf-Jungen! Wie süß!“
    „Hör sofort auf oder ich schmeiß dich raus!“
    Aber er lachte weiter und schien sich gar nicht mehr einzukriegen.
    Wütend schloss ich das Fenster und verschränkte meine Arme vor der Brust. Mistkerl! Er hatte doch gar keine Ahnung wer Nik war! Dorfjunge, pah!
    Ich brauchte noch eine ganze Weile ehe ich mich wieder abgeregt hatte und schaute in der Zeit mal auf Alissas Blog vorbei, sie hatte neue Fotos online gestellt.
    Später stellte ich mich vor den Spiegel kämmte meine Haare und wollte gerade wieder an den Computer gehen, um meine Eltern anzurufen, da klopfte es an der Tür. Und Niks Stimme drang zu mir herein:
    „Roxy, bist du da drin? Darf ich reinkommen?“

  12. #42
    MrsUnentschlossen

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    Oh mann, die geschichte macht soo süchtig un jetzt gibts keinen teil mehr den ich lesen könnt .__. bitte schreib weiter!!

  13. #43
    Melina_Dilemma

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    weiter oben is ein link zur homepage rock und liebe! da kannst du bis zum Ende lesen Ich lad trotzdem mal noch einen Teil hier hoch. Grüße

  14. #44
    Melina_Dilemma

    Standard

    TEIL 11 – Zebrahead, Paintball und der erste Kuss


    „Komm rein!“ rief ich und sofort hämmerte mein Herz gegen meine Brust.
    Die Tür wurde geöffnet und Nik steckte seinen leicht zerzausten blonden Kopf herein.
    „Was machst du so alleine hier?“
    „Ich hab geskyped. Aber komm ruhig rein.“
    „Ich hab auf dich gewartet, aber der Platz neben mir blieb leer...“
    Er blickte mich an mit seinen scheiß supertollen Augen und zog einen Schmollmund.
    „Echt? Ich hab irgendwie keine Lust. Weiß auch nicht.“
    „Du bist schon den ganzen Nachmittag so anders als sonst. Irgendwie wirkst du niedergeschlagen. Puppe, kann ich irgendwas für dich tun?“
    Puppe? PUPPE?? Nein Freundchen vergiss es. Was versuchte er hier eigentlich?
    „Willst du denn nicht den Film sehen? Was kommt denn eigentlich?“
    „Baader-Meinhof-Komplex. Hab ich schon gesehen.“
    „Ich auch.“
    „Also wollen wir ihn wohl beide nicht sehen.“ stellte er fest.
    Ich lächelte nur, denn mein Handy klingelte. Mein Klingelton war ‚HMP‘ von Zebrahead, ein ziemlicher Knaller. Ein anerkennendes Grinsen lief über Niks schönes Gesicht, als er die Melodie erkannte.
    „Sorry, mein Bruder. Setz dich doch, ich brauch nicht lange.“
    Ich hatte ihn also aufgefordert hier zu bleiben. Und was sollte ich dann mit ihm machen?? Naja, erst mal ging ich ans Telefon. Simon entschuldigte sich aber ich hörte trotzdem noch, dass er sich sein doofes Lachen nur schwer unterdrücken konnte. Ich würgte ihn schnell wieder ab und da war ich nun. Allein mit Nik. Er war meiner Aufforderung nachgekommen und hatte es sich in meinem Bett gemütlich gemacht. Ich versuchte mir einfach keinen Kopf zu machen und ganz locker zu bleiben, also kletterte ich die Leiter nach oben auf das Doppelstockbett und setzte mich neben ihn:
    „Woher wusstest du, dass das hier mein Bett ist?“
    „Dein Schlaf-T-Shirt schaut unter dem Kopfkissen raus, siehst du?“
    „Oh. Na eben.“
    „Und du magst also Zebrahead?“
    „Jaha?“
    „Eine Band, die ein Album hat, das ‚Playmate of the year‘ heißt?“
    Er zog eine Augenbraue nach oben.
    „Ja. Das ist aber nicht so toll, ich finde ‚MFZB‘ und ‚Phoenix‘ super.“
    „Du magst also eine Band, die von ähnlichen Sachen singt wie ‚American Pie‘ und so?“
    „Hm. Ja. Ich stehe auf eine Band von Dreißigjährigen, die immer noch pubertieren.“
    „Dann wird dir sicherlich das neueste Album gefallen.“
    „Zebrahead haben ein neues Album??“ fragte ich stutzig, „Warum weiß ich davon nichts?!“
    „Ist erst seit ein paar Wochen draußen, sie haben Pop-Songs von weiblichen Sternchen gecovert, als ich es das erste Mal hörte habe ich mich fast nicht mehr eingekriegt! Stell dir vor, wie sie ‚Sweet Escape‘ von Gwen Stefani singen! Oder ‚London Bridge‘ von Fergie, das geht eigentlich gar nicht!“
    „Nein!“
    „Doch! Oder stell dir vor wie Matty ‚Girlfriend‘ von Avril Lavigne singt! Das klingt so… unmöglich!“
    „Hast du das Album dabei? Das muss ich unbedingt hören!“
    „Logisch, ich geh’s holen.“
    Er sprang mit einer einfachen flüssigen Bewegung vom Bett runter und lief rüber in sein Zimmer. Ich hatte gerade genug Zeit um mein keimiges Shirt gegen ein schönes sauberes einzutauschen. Es war gelb-weiß gestreift und hatte eine süße Raffung über der Brust. Schon tauchte er wieder auf, seinen iPod und eine kleine Dockingstation dafür im Arm. Er ließ sich wieder neben mir sinken und machte die Musik an. Als erstes sangen sie ‚Survivor‘ von Destiny’s Child. Das konnte doch nicht deren Ernst sein? Wie kamen die auf die Idee so dumme Songs zu covern?! Wir lachten laut mit und Niklas schaute mir jedes Mal erwartungsvoll ins Gesicht, wenn ein neuer Titel begann, um auch ja meinen Gesichtsausdruck mitzubekommen, wenn ich ihn erkannte. Ein Titel war unglaublicher als der andere. Das Unglaublichste an der Sache aber war, dass ich merkte, dass sich meine Verliebtheit nicht so einfach abstellen ließ. Sei Lächeln brachte mich einfach um den Verstand und es lag nicht in meiner Macht etwas dagegen zu tun. Ich konnte mich nicht wehren, mein Körper machte was er wollte und begann einfach zu kribbeln, wenn seine blauen Augen mich streiften. Oder wenn seine Hand zufällig meinen Arm berührte oder wenn er etwas Nettes zu mir sagte. Meine Müdigkeit war wie weggeblasen, aber trotzdem spürte ich unterschwellig dieses Unglück, es gab keine Chance für mich. Er hatte sich nicht in mich verliebt. Also verhielt ich mich doch noch zurückhaltender, als ich es noch am Vormittag gewesen war. Da hatte ich mit Sicherheit ein wenig mehr Wert auf Augenkontakt gelegt und mir wenigstens mal die Nase gepudert. Nö. Jetzt hatte ich dazu keine Lust mehr, wozu auch? Ich träumte von einer besseren Welt, in der sich hübsche Jungs in Mädchen verknallen, die normal aussehen und nicht perfekt, die dafür aber lieb sind. Ich fand mich lieb. Lieb – genau das, worauf solche Typen im Allgemeinen nicht stehen…
    Ich hoffte, dass Nik mich nicht schon wieder fragen würde, was mit mir nicht stimmte, denn leider schien er sich schon wieder zu wundern, ich erkannte es in seinen aufmerksamen Augen. Doch anscheinend traute er sich nicht, mich schon wieder darauf anzusprechen und so lauschten wir relativ ruhig dem letzten Titel. Als die letzte Note verklungen war setzte ich mich ordentlich hin, fuhr mit den Fingern durch meine Haare und zwang mich NICHT in seine Augen zu sehen. Aber es half nichts, er fragte mich was und wie von unsichtbarer Hand gelenkt drehte sich mein Kopf in seine Richtung und – ZACK – ich hing in seinen Augen fest.
    „Wie fandest du’s?“
    „Cool. Auf jeden Fall ne verrückte Idee. Aber ich hätte mich auch über ein paar neue eigene Songs gefreut.“
    „Ja. Das ist zwar alles echt witzig aber irgendwie auch alles schon mal dagewesen.“
    Ich grummelte zustimmend.
    „Mein Bein ist eingeschlafen.“ stellte er auf einmal überrascht fest.
    „Schlimm?“
    „Ich spür es gar nicht mehr!“
    „Gar nichts?“
    Ich zwickte ihn ein kleines bisschen über dem Knie. War ich eigentlich bescheuert?
    „Nichts.“
    Er streckte das Bein aus, schob die Hose hoch und begann sich die muskulöse Wade zu massieren. Ich lenkte meinen Blick davon weg und zwang mich einfach weiter zu reden. Es gab jetzt keine Musik mehr, die mein Schweigen übertönte.
    „Passiert dir das öfter?“
    „Ich hatte letzten Winter einen kleinen Snowboard-Unfall. Seit dem… ein paar Mal.“
    „Du fährst auch Snowboard?“
    „Habe ich das nicht erwähnt?“
    „Nein! Ich auch!“
    „Ich weiß.“ grinste er. „Willst du diesen Winter mit mir und meiner Familie mit in den Winterurlaub kommen?“
    „Ich glaube… das geht doch nicht…“
    „Klar! Meine Eltern haben sicher nichts dagegen, sie fahren eh immer zusammen und Maren wird nicht mitkommen, da fehlt meine Partnerin! Sonst wäre ich ja ganz alleine…“
    Er zog seine Mundwinkel nach unten und blickte mich tottraurig an, nur um gleich darauf wieder Sunnyboy-mäßig zu grinsen.
    „Na mal sehen.“ meinte ich ebenfalls grinsend aber noch nicht wirklich überzeugt. Es würde bestimmt eh nicht dazu kommen.
    Ich spürte seinen Augen auf mir ruhen und wurde unruhig. Aus den Augenwinkeln sah ich sein schönes mir zugewandtes Gesicht und hoffte, er würde bald wieder woanders hinsehen, da spürte ich auf einmal seine Hand auf meiner.
    OH - MEIN - GOTT! In mir hörte ich die Stimme von Janice aus ‚Friends‘. Um uns herum war es auf einmal totenstill und ich hörte meinen eigenen Atem wie eine rasselnde Kette.
    „Ich muss dir unbedingt was sagen, Roxy.“ sagte er ganz leise, aber es passte in die seltsame Stille.
    Ich wollte doch aber gar nichts wissen! Ich wollte wirklich überhaupt gar nicht wissen, in wen er verknallt war oder sonst etwas. Was sollte es schon sein? Es würde für mich nichts Gutes dabei raus springen. Also wie sollte ich aus dieser Situation jetzt wieder rauskommen? Ich sagte einfach gar nichts und blickte ihn stattdessen nur fragend an, mir fiel einfach nichts ein.
    Anscheinend ermutigte ihn meine Reaktion nicht gerade, denn als er weiter redete klang seine Stimme anders, irgendwie… unsicher.
    „Der Film wird gleich zu Ende sein und demzufolge werden hier gleich die anderen aufkreuzen. Wenn du noch Lust hast könnten wir irgendwo rausgehen und ich erzähle es dir. Wenn du aber zu müde bist, dann verschieben wir es einfach. Auf morgen oder so…?“ schüchtern senkte er seinen sonst so selbstsicheren Blick und zwirbelte die Enden seines Lederbandes am linken Handgelenk.
    Wie nett! Er bot mir einen Ausweg an.
    „Also sei mir nicht böse, aber wir verschieben es auf morgen, okay? Ich bin echt ganz schön müde.“
    Ich schenkte ihm ein Lächeln, ich wollte auf keinen Fall, dass er dachte ich würde ihn nicht mögen. Er lächelte zurück, etwas schwach zwar aber trotzdem viel zu schön um wahr zu sein.
    „Okay. Du bist ja schon heute Mittag fast weggepennt, hast Recht, du solltest dringend mal ein bisschen schlafen.“
    „Du aber auch. Du hattest doch auch nicht mehr Schlaf als ich...“
    „Ich brauche irgendwie nicht so viel. Keine Ahnung.“
    „Ich schlafe ungefähr so viel wie ein Baby. Das ist echt nicht normal, ich bin ständig müde.“
    „Ist ja auch eigentlich gesund, viel zu schlafen.“
    Mit diesen Worten erhob er sich und kletterte dieses Mal die Leiter nach unten. Ich folgte ihm zu Tür.
    „Also dann... schlaf süß. Und erhol dich ein bisschen.“
    „Morgen zum Frühstück sehen wir uns schon wieder.“ sagte ich.
    Da lächelte er mich wieder an und dieses Mal fand ich den Mut, meine Arme nach ihm auszustrecken um ihn zu umarmen. Er zog mich an sich und ich versuchte verzweifelt meine Gefühle unter Kontrolle zu halten. Immerhin hatte ich es doch schon den ganzen Abend über geschafft! Aber wenn er mich so ansah wie gerade eben, merkte ich noch viel zu deutlich, dass ich so gern mehr für ihn wäre, als nur irgendeine Freundin.
    Er legte seinen Kopf auf meine Schulter und hielt mich einige Sekunden lang fest, es war so wunderschön! Ein letztes Mal für diesen Tag durfte ich an seinem Hals schnuppern und seinen Duft verinnerlichen und mir war klar, dass ich dieses Parfum für den Rest meines Lebens immer mit ihm verbinden würde. Dann drehte er sich um und ging die paar Schritte rüber zu seiner Zimmertür, ich blickte ihm noch nach. Bevor er hineinging sah er noch einmal zu mir und ein paar blonde Haarsträhnen fielen ihm über die Augen. Seine Schönheit ließ mir einen Schauer über den Rücken laufen.
    Dann trennten sich unsere Augen und ich zwang mich dazu nicht mehr darüber nachzudenken, wie es sein könnte, seine Freundin zu sein. Wie seine Lippen sich wohl anfühlen würden? Bestimmt war es so unglaublich, dass es keine Worte dafür gab. Ich machte mich bettfertig, zog meine Schlafsachen an, legte mich ins Bett und schloss meine vor Müdigkeit brennenden Augen. Es war aber unmöglich abzuschalten, ich öffnete sie wieder und starrte auf die Stelle, wo er eben noch gesessen hatte, locker an die Wand gelehnt. Mir fiel ein schwarzes Etwas ins Auge, das halb unter der Bettdecke versteckt lag, griff danach und stutzte, es war sein Pullover! Er hatte seinen schwarzen Pulli bei mir liegengelassen! Ich roch daran und alles in mir zog sich zusammen, warum nur? Er wollte mich quälen, er roch so wahnsinnig intensiv nach IHM und mein Gehirn spielte mir gleich wieder Streiche in dem ich Niks Gesicht noch deutlicher vor Augen hatte. Ich hätte ihn malen können, so deutlich sah ich jede Einzelheit vor mir. Seufzend kuschelte ich mich auf den Pullover und quetschte eine einsame kleine Träne aus meinem linken Auge. Ich war ja so unglücklich! Oh ja, ich litt.

  15. #45
    Melina_Dilemma

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    Als wenig später die drei Mädels ins Zimmer kamen stellte ich mich schlafend, ich hatte wirklich keine Lust schon wieder alles auszudiskutieren, es gab nichts mehr zu diskutieren. Alles war nur Einbildung gewesen, die Fehlinterpretation vor der ich doch solche Angst gehabt hatte. Er fand mich nett, mehr nicht. Ich war ein angenehmer Gesprächspartner, so wie er auch für mich. Ich hörte Dina, Fiona und Pia flüstern, es ging um Patrick und ich schnappte auf, dass es wohl zu irgendeiner Art von Annäherung zwischen ihm und Fiona gekommen sein musste. Ich würde morgen mehr als genug Gelegenheit haben, alles darüber zu erfahren. Ich war schon am wegnicken, da fiel auf einmal mein Name und ich spitzte meine Ohren.
    „...hast du mitbekommen, das Nik mittendrin gegangen ist? Ich dachte er wäre vielleicht bei Roxy. Ich dachte wir erwischen sie, wenn wir hier rein kommen.“ kicherte Fiona.
    „Vielleicht war er ja hier. Roxy war bestimmt müde.“
    „Er war auf jeden Fall bei ihr. Wo sollte er sonst gewesen sein?“
    „Ich dachte er würde sich endlich mal trauen, es ihr zu sagen!“
    „Vielleicht hat er das ja?“
    „Dann würde Roxy aber nicht pennen.“
    „Hm.“
    Das Licht ging aus und ich hielt mir mit Niks Pulli die Ohren zu, ich wollte nichts mehr hören! Verdammt! Sie sollten mich alle in Ruhe lassen und nicht ständig seinen Namen erwähnen.
    Oh man, in was war ich da nur reingeraten? Auch Lukas war mir den ganzen Tag über eher ausgewichen, ich hatte zwar gedacht, es wäre alles geklärt, aber sein Blick wirkte immer noch ein wenig gequält, wenn er meinem begegnete. Ich konnte mir gar nicht so richtig vorstellen, dass jemand so sehr in mich verliebt sein könnte, wie er es mir gestern erzählt hatte. In mich! Hallo? Ich war doch Mrs. Durchschnitt!

    Am nächsten Morgen erwachte ich weil irgendjemand mir übers Gesicht streichelte. Ich war noch halb in meiner Traumwelt und irgendwie fiel mir zu der sanften Berührung nur Niks Gesicht ein. Ich seufzte und schlug die Augen auf - aber da war kein Nik. Klar. Fiona stand auf der Leiter und sah mich lieb an:
    „Guten Morgen Roxy, aufwachen! Nik wartet auf dich!“
    „Was? Jetzt?“
    „Naja. In ner halben Stunde gibt’s Frühstück.“
    „Ach soooo.“ maulte ich sie an. „Ich dachte er steht unten oder so.“
    „So enttäuscht? Sag mal, was war gestern Abend noch los?“
    „Nichts.“
    „Aber er war doch hier.“
    „Ja. Aber es war wirklich nichts.“
    „Was ist das? Ist das sein Pullover?“
    Ach stimmt ja! Ich hatte ja noch seinen gutriechenden Pulli!
    „Ehem... ja. Aber den hat er nur vergessen.“
    „Roxy!“
    „Was? Es ist die Wahrheit!“
    Ich schwang mich vom Bett wie Nik gestern, weil Fiona die Leiter blockierte. Dann fluchte ich noch ein bisschen vor mich hin und verschwand im Badezimmer.
    „Du würdest es doch nicht vor uns verheimlichen...“ rief sie mir hinterher und sie klang enorm belustigt.
    „Wenn ich euch endlich mal was erzählen könnte würde ich es tun!“ schnauzte ich.
    „Wie meinst du das?“
    Ich kämmte mir gerade die Haare und erblickte im Spiegel hinter mir drei verschlafene aber neugierige Gesichter.
    Ich gab auf.
    „Er hat da gestern sowas angedeutet. Wir haben über Mandy und Hendrik gesprochen und er hat gemeint, dass ihm das überhaupt nichts ausmacht. Und dann hat er mir nicht geglaubt, dass ich ihm das abnehme, also er denkt die ganze Zeit, dass ich denke, er steht auf sie. Versteht ihr?“
    Ich hatte bemerkt, dass die Gesichter im Spiegel ein wenig überfordert aussahen.
    „Also... ihr unterhaltet euch manchmal über Mandy und du glaubst ihm nicht, dass er sie nicht mag? Aber ich glaube, das stimmt wirklich.“ meinte Pia.
    „Ich glaube ihm, aber er glaubt mir das nicht.“
    „Also, dass du ihm glaubst... oder was?“
    „Genau.“
    „Aha. Und weiter?“
    „Gestern hat er mir das eben aus irgendeinem Grund wieder nicht abgenommen und da sagte er ‚spekulierst du darauf, dass ich dir sage, wen ich wirklich mag?’“
    Niedergeschlagen drehte ich mich um und sah ihnen direkt in die Gesichter.
    „Und - was genau ist dein Problem?“
    „Hä? Kapiert ihr das nicht?? Er mag eine andere!“
    „Du denkst jetzt also er ist in eine andere verliebt und wollte dir das damit sagen?“ Fiona sah mich ungläubig an. „Bist du wirklich so schwer von Begriff?“
    „Wie meinst du das jetzt schon wieder?“
    So langsam machten meine Nerven nicht mehr mit.
    „Er hat dir gesagt, dass er eine andere als Mandy mag. Könnte er mit einer ‚anderen’ nicht vielleicht dich meinen??“ sagte Dina in einem Tonfall, als wäre ich ein Baby.
    „Mich? Spinnt ihr jetzt völlig?“
    „Nein. Du kapierst seine Andeutungen einfach nicht. Lass mich mal raten, als er das gesagt hat hast du bestimmt schnell das Thema gewechselt, oder?“
    „Naja. So ähnlich. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte.“
    „Ha! Und schon sendest du wieder widersprüchliche Signale aus! Ich bin sicher er meinte dich! Und du kapierst es nicht und der arme Kerl hat keine Ahnung wie du zu ihm stehst.“
    „Aber - ich bin doch nett zu ihm! Ich bin den ganzen Vormittag mit ihm zusammen gewesen...“
    „Und hattet ihr nicht jede Menge Spaß? Glaubst du ernsthaft er ist zu einer anderen noch netter als zu dir?“
    „Muss ja anscheinend.“
    „Du glaubst wirklich, er macht das nur zum Spaß? Roxy, du kennst ihn nicht. Glaub uns, er meinte dich, von mir aus würde ich sogar wetten! Um Millionen!“
    Ich funkelte sie an und drehte mich wortlos wieder zum Waschbecken um mich zu schminken und die Zähne zu putzen. Ihre Worte hatten mich mehr überzeugt als ich vor ihnen, aber auch vor mir selbst zugeben wollte. Bitte nicht schon wieder ein Stimmungsumschwung... das war doch einfach nicht normal!
    Aber ich musste mir später eingestehen, dass es vielleicht doch wahr sein könnte. Denn als wir fertig aus dem Zimmer kamen um zum Frühstück zu gehen, warteten alle Jungs vom Zimmer nebenan schon auf uns und Niklas Gesicht erhellte ein unbeschreiblich schönes Lächeln, als er mich sah.
    Und schon hatten sich meine ganzen Zweifel verabschiedet. Mit einem lauten Knall.
    „Guten Morgen!“ begrüßte ich ihn Freudestrahlend und warf mich gleich in seine Arme.
    Er zog mich an sich und ich streifte mit meinen Lippen ganz leicht seine Wange, mit Absicht. Ich wollte ihm nahe sein.
    Er ließ seine Hände auf meiner Hüfte liegen, während er mich ebenfalls begrüßte:
    „Na hey! Hast du gut geschlafen?“
    Ich nickte und fragte:
    „Und du?“
    „Ich auch.“
    „Du hast was bei mir vergessen.“
    Ich hielt ihm seinen Pullover hin.
    „Oh, na eben.“
    „Er lag in meinem Bett, hab ihn heute Morgen gefunden.“ log ich.
    Patrick sah mich gespielt schockiert an und sagte:
    „Nik vergisst seine Klamotten in deinem Bett??“
    Ich strafte ihn mit einem missbilligenden Blick und wandte mich wieder meinem absoluten Traumtypen zu, der Patrick einfach ignorierte. Er hielt sich seinen Pulli unter die Nase und sagte dann mit ganz verzücktem Gesichtsausdruck:
    „Jetzt riecht er nach Roxy...“
    Patrick boxte ihn auf den Arm und wir setzten uns in Bewegung in Richtung Speisesaal.
    „Heute ist schon Donnerstag.“ sagte irgendjemand.
    „Morgen Nachmittag ist schon wieder alles vorbei.“
    Nik lief ganz dicht neben mir und wie zufällig streifte seine Hand meine. Er sagte zu mir gewandt:
    „Übermorgen kommst du mich besuchen.“
    „Ich freu mich schon drauf!“
    „Ich mich auch.“
    „Was liegt heute an?“
    „Wir wandern wieder. Aber heute Abend wird’s lustig, wie machen ein Nachtgeländespiel!“
    „Was für ein Ding?“
    „Ein Geländespiel. Das heißt es gibt meistens mehrere Teams und die spielen gegeneinander, eben im Freien, in einem abgegrenzten Gebiet. Nachts macht das ganze noch viel mehr Spaß, wenn du mich fragst.“
    In diesem Augenblick begegneten wir Martin und gleich wurde er mit einbezogen:
    „Martin, was für ein Geländespiel hast du denn genau geplant? Heute Abend?“
    „Ein Schmuggelspiel, fünf Teams, fünf Lager, eine Sammelstelle und gewonnen hat, wer am meisten Geld hat. Ach ja, mit Paintball-Waffen, da lässt sich besser ermitteln ob ihr auch alle fair spielt.“ sagte er gespielt streng.
    „Yeah!“ machte Patrick.
    „Wuuuhuuu!“ freute sich auch Benni.
    „Klingt ja wirklich interessant!“ sagte ich, konnte mir aber immer noch nicht so richtig vorstellen, was so toll daran war.
    „Oh, ja was denkst du, es wird dir richtig Spaß machen! Hast du schon mal Paintball gespielt?“ fragte Nik.
    „Wassss ich? Nee.“ Ich musste in mich reingrinsen... ich und ne Waffe?! „Aber ich kann mich daran erinnern, dass mein Bruder mit seinen Kumpels immer im Wald mit solchen Dingern verschwunden ist.“
    „Genau! Wir auch immer, mit ein paar Freunden ziehen wir mindestens einmal im Monat los.“
    Ich warf ihm einen ehrfurchtsvollen Blick zu und er lachte.
    „Du machst mir Angst.“
    „Oh nein! Keine Angst. Ich könnte meine besonderen Fähigkeiten dafür einsetzen dich zu beschützen, was hältst du davon?“
    Er grinste checkermäßig und vergrub lässig seine Hände in den Taschen.
    „Gar nichts. Ich kann nämlich selber auf mich aufpassen!“ gab ich frech zurück, aber ich grinste zurück.
    „Hab ich ja gemerkt.“ sagte er mit einer hochgezogenen Augenbraue.
    „Was soll das heißen?“
    „Hm, lass mich überlegen. Also einmal musste ich dich aus einem Kellerverließ holen… und dem Übeltäter eine verpassen. Du bist in dieser Woche glaube ich zweimal ungewollt geküsst worden - oder war da noch einer?“
    Ich funkelte ihn an und stieß ihm meinen Ellenbogen in die Seite
    „Man, das tat aber weh…“ kicherte er, „Ich meine ja nur, ich kenne dich erst ein paar Tage und in der Zeit hast du schon in mehr misslichen Situationen gesteckt als irgendjemand anderes.“
    „So schlimm war es gar nicht.“
    „Doch. Ist es nicht gut zu wissen, dass du einen Freund hast, der gut mit einer Waffe umgehen kann?“
    „Ja sehr beruhigend. Vielleicht solltest du dich als Wachschutz anbieten und Verbrecher mit deinen fiesen Farbklecksen vertreiben!“
    Lukas und Patrick vor uns bekamen einen Lachkrampf und auch Nik sah mich belustigt an.
    „Aber erst gehen wir wandern Leute, also wenn ihr heute Abend dann schon zu k.o. seit, dann können wir auch einen Pokerabend machen oder so.“ mischte sich Martin wieder mit ein.
    „Och nö, das schaffen wir schon noch.“
    „Es müssen ja nicht alle mitmachen.“
    Draußen schien heute mal zur Abwechslung die Sonne und es war T-Shirt-warm. Das grelle Morgenlicht ließ mich blinzeln, aber gleichzeitig merkte ich, wie positiv sich das Sonnenlicht auf mein Gemüt auswirkte, ich war ein typisches Sonnenkind. Wenn es im Herbst lange Zeit dunkel und grau draußen war, sank meine Stimmung regelmäßig auf den Nullpunkt. Sonnenschein allein reichte manchmal schon aus um aus einem normalen Tag einen schönen Tag zu machen. Und heute würde wahrscheinlich ein unschlagbarer Tag werden, denn ich war auch noch verliebt bis über beide Ohren und das Objekt meiner Begierde lief neben mir.
    Das Frühstück war schnell erledigt und schon zogen wir uns wieder auf die Zimmer zurück um uns wanderfertig zu machen. Da es so warm war entschied ich mich für eine knielange Jeans und ein rotes-weißes Baseballshirt. Meine Haare versuchte ich wieder alle am Hinterkopf zusammenzubekommen und den Pony steckte ich mit einer kleinen Klammer fest. Ich rasierte mir die Beine und zupfte mal wieder ein bisschen an meinen Augenbrauen herum, da war schon wieder der reinste Wildwuchs ausgebrochen. Ein paar Tage mal nichts gemacht und schon fühlte ich mich wie eine von diesen Feministinnen, überall haarig. Dann packte ich noch den Rucksack und schon war ich startklar.

    Dieses Mal mussten wir bei der Wanderung nicht klettern, es war also alles ein wenig entspannter. Obwohl es mich trotzdem anstrengte, es ging manchmal ganz schön steil bergauf. Niklas lief die ganze Zeit neben mir und ich traute mich gar nicht richtig ihm in die Augen zu sehen, so verdammt gut sah er wieder aus! Er hatte heute ein schwarz-weißes Truckercap auf dem Kopf und er trug eine knielange Bermudashorts mit Camouflage-Muster und ein schwarzes Bandshirt.
    Aber nachdem wir eine ganze Weile gelaufen waren kehrte mein Selbstvertrauen zurück. Die Sonne hatte es wieder hervorgelockt und die Mädchen hatten es heute Morgen noch zusätzlich gepusht. Ich genoss das Gefühl der Wärme auf meiner Haut und dass ich manchmal vor Helligkeit blinzeln musste. Nachdem ich mich ein wenig an Niks atemberaubende Existenz neben mir gewöhnt hatte konnte ich ihm auch wieder in die Augen sehen ohne das Gefühl zu haben den Boden unter den Füßen zu verlieren. Ich hatte versucht alle Zeichen wieder auf flirten zu stellen, war mir aber nicht so sicher, ob mir das auch gelang. Aber ich gewann von Stunde zu Stunde an mehr Sicherheit und das konnte ich einsetzen. Das allgemeine Thema heute war die Schule, anscheinend hatten alle langsam registriert, dass die Sommerferien jetzt endgültig zu Ende waren und am Montag einige von uns den Schritt von einer festen Klasse in das Kurssystem der Oberstufe vorhatten, darunter ja auch ich. Ich war genauso gespannt wie das alles werden würde wie alle anderen.
    „Was hast du eigentlich für Leistungskurse gewählt, Rox?“ fragte Patrick.
    „Deutsch und Geschichte. Und du?“
    „Ich hab Mathematik und Biologie.“ antwortete er.
    „Puh! Naturwissenschaften… mein Schwachpunkt, leider.“
    „Ich beneide dich echt nicht um Geschichte… die ganze Lernerei!“ meinte er.
    „Das geht schon, ich merke mir solche Sachen relativ leicht. Was machst du, Nik?“
    „Ebenfalls Mathematik und Biologie…“ grinste er.
    „Oh… naja, da weiß ich wenigstens an wen ich mich wenden kann, wenn ich mal wieder nicht hinterherkomme.“
    „Das kannst du gerne tun.“
    „Und wir beide haben also noch den Latein-Grundkurs zusammen?“ fragte ich weiter.
    „Auf jeden Fall, es wird nur einer zusammen kommen.“
    Er lächelte mich an und blickte mir in die Augen, und zwar so was von intensiv! Das konnte selbst ich langsam nicht mehr fehlinterpretieren.
    Dina mischte sich mit ein:
    „Und dann hast du sicher noch Englisch als Grundkurs, nicht wahr? Mathe ist klar, was machst du noch für eine Naturwissenschaft?“
    „Englisch und Mathe stimmt, dann habe ich noch Bio, Politik, Geo und Sport.“
    „Also außer Bio sind das auch meine Grundkurse, da könnten wir tatsächlich einiges zusammen haben.“ bemerkte Nik.
    „Meine auch,“ meine Patrick, „ außer Geo.“
    „Wenn du am Samstag vorbei kommst gucken wir uns mal die Pläne an, Roxy, die müssten eigentlich diesen Montag veröffentlich worden sein.“ sagte Nik wieder zu mir gewandt.
    „Das machen wir! Dann bringe ich meine ganzen Schulsachen mit und wir beschriften sie gleich und so, okay?“
    „So machen wir das.“
    „Ich bin total aufgeregt… wie eure Schule so sein wird.“
    „Sie ist nichts Besonderes. Kleinstadtschule.“
    „Gerade das finde ich toll! In meiner Schule war immer voll viel los, total anonym. Bei euch kennt bestimmt jeder jeden.“
    „Und das findest du toll? Das finde ich gerade blöd, jeder weiß immer über alles Bescheid.“

    Wir verbrachten den ganzen Tag mit Geschichten von der Schule und über die Lehrer und meine Spannung wuchs. Was ich aber nicht außer Acht lassen konnte war die Sache, die Nik mir gestern erzählen wollte.
    Wenn ich also meinen drei Mitbewohnerinnen Glauben schenken wollte, würde das ja bedeuten, dass Nik gestern im Bus mich gemeint hatte. Also, dass ich die ‚andere‘ bin. Nein, das konnte doch einfach nicht sein! Dann wäre das ja gestern schon sowas wie ein Liebesgeständnis gewesen und ich hatte es bloß nicht gerafft! Nein, nein, nein. Oh mein Gott! Ich wollte es so sehr! Könnte es wirklich wahr sein? Mochte Nik mich? Roxana Thalheim aus Berlin? Leider waren wir den ganzen Tag nicht einmal allein und somit hatte ich keine Chance das Thema irgendwie mal zur Sprache zu bringen. Nik war die ganze Zeit bei mir, aber wir waren immer in Gesellschaft. Und so wie ich das sah, würde es auch am Abend so bleiben… schließlich spielten wir ja dieses Geländespiel-Dingens.

  16. #46
    Melina_Dilemma

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    Aber ich ließ es mehr und mehr zu mir einzubilden, dass ich tatsächlich eine Chance bei Niklas Maybach haben würde! Ich bemerkte sehr wohl die kleinen Aufmerksamkeiten, die er mir zukommen ließ und die intensiven Blicke, die wir andauernd tauschten. Ich gab mir richtig Mühe richtig viel zu lachen und gut auszusehen. Deshalb riskierte ich ab und zu mal einen Blick in einen kleinen Taschenspiegel, den ich mitgenommen hatte, um mich notfalls wieder ein bisschen herzurichten. Dina, Fiona und Pia flüsterten mir ständig angeblich hilfreiche Sachen zu, sie wollten, dass ich mir angeblich den Fuß verstauchen sollte, um mich von Nik stützen zu lassen, aber das war mir dann doch irgendwie zu doof. Ich wollte ja nicht so tollpatschig vor ihm wirken. Mit diesen Gedanken wuchs auch gleich wieder meine Angst vor dem Spiel am Abend. Wie sollte ich ihn nur beeindrucken? Ich wusste genau, dass ich bestimmt nicht mal jemanden treffen würde, wenn er still vor mir stehen würde. Wie sollte es denn bitte mit beweglichen Zielen sein?

    Als wir dann später in der Burg ankamen aßen wir nur schnell etwas, dann zogen wir uns für das Spiel um. Alle zogen sich total tolle Tarnklamotten an, nur ich hatte nichts Angemessenes. Dina verschwand nach nebenan und kam kurz darauf mit einem Pulli von ihrem Bruder wieder. Martin hatte allen Handschuhe und eine Brille gegeben. Wir Mädchen begutachteten uns im Spiegel und kicherten aufgeregt, irgendwie hatte ich doch Bock.
    Im Hof traf sich der Teil der Gruppe, der noch am Spiel teilnehmen wollte. Als ich ankam fehlte nur noch Ben und da schnappte sich Nik auf einmal meine Hand und zog mich ins Licht der Lampe, die in der Mitte des Hofes stand. Ich war viel zu perplex um mich ihm zu widersetzen oder mir überhaupt nur Gedanken zu machen, wie am Samstag, als ich auf dem Hof mit ihm zusammengeprallt war.
    Er schob mir ohne Worte nur mit einem Lächeln einen Ärmel rauf und beguckte sich die blauen Flecken, die sich noch immer darunter versteckten, nur dass sich schon teilweise ein gelblicher Grünton darunter gemischt hatte.
    „Hm. Ist bestimmt nicht gut für dich, wenn du heute Abend mitspielst. Wenn du was am Arm abbekommst, tut es dir bestimmt sehr weh.“
    „Aber guck! Tut gar nicht weh.“
    Ich piekste mit einem Finger in meinem Arm, ganz die tapfere Roxy.
    „HEY! Hör auf damit!“
    Er schnappte sich meine Hand und ich blickte ihm in die Augen. Er erwiderte meinen Blick und es dauerte ein paar Sekunden zu lange, bis er mich wieder los ließ.
    „Du willst mich wohl nicht dabei haben, was?“
    Ich war ein bisschen eingeschnappt.
    „Doch das will ich wirklich, sehr gern sogar, glaub mir. Ich will nur nicht, dass du Schmerzen hast. Du willst dich ja auch nicht von mir beschützen lassen. Ich hab schon allen Jungs gesagt, sie sollen ja vorsichtig sein, aber man kann es im Eifer des Gefechts manchmal schlecht steuern.“
    „Ich komm schon klar. Und du kannst ruhig ein bisschen auf mich aufpassen, ich kann das ja auch gar nicht. Erklärst du mir alles, wenn ich es nicht raffe?“
    „Klar! Und du bist mir nicht böse, weil ich gesagt habe, dass alle ein bisschen vorsichtig sein sollen?“
    „Hm. Nein. Find ich sogar lieb von dir.“
    Komischerweise. Ich war direkt ein bisschen gerührt! Gott, was war das für ein schönes Gefühl, wenn sie jemand um einen sorgte! Und wenn er es dann auch noch war! Was wollte ich denn mehr?
    „Roxy, Nik! Es geht los!“ rief irgendjemand nach uns.

    Wir liefen die Auffahrt wieder nach unten und noch ungefähr eine Viertelstunde in den Wald hinein. Dann erklärte Martin die Spielregeln:
    „Also. Wir sind nicht so viele Leute, deshalb gibt es nur 4 Teams zu jeweils 5 Mann. Damit sie ausgeglichen sind bitte gemischt, keine reinen Jungs- und Mädelsteams…“
    „Roxy, Nik, wir fünf?“ fragte Luke und deutete auf Patrick und Leah, eine große Brünette, mit der ich auch noch nicht viel zu tun hatte.
    „Jap.“ Niklas sah wieder zu mir: „Ok?“
    „Natürlich.“
    Martin fuhr fort als sich die Gruppe in Teams unterteilt hatte. Mandy war nicht mit dabei und auch keine ihrer Freundinnen. Dafür aber Dina, Pia und Fiona. Sie hatten noch Benni und Thomas im Team.
    „Also Jungs und Mädels. Ihr sucht euch jetzt alle ein Lager irgendwo im Wald. Jedes Team in einer anderen Himmelsrichtung. Das markiert ihr dann mit diesen Fähnchen. Hier werden Feli und ich die Sammelstelle aufbauen, ihr kommt hierher und holt euch Geld, das müsst ihr dann in euer Lager bringen. Das Problem ist nur, unterwegs trefft ihr die anderen, die können euch überfallen und alles wegnehmen. Ihr müsst euch ne Strategie überlegen, Geht ihr einzeln oder zu zweit, oder gar alle zusammen, holt ihr wenig Geld oder viel... bleibt jemand im Lager oder nicht, denn die anderen Teams können auch eure Lager suchen und überfallen. Also versteckt sie gut! Ihr müsst euch überlegen, wenn ihr viel Geld dabei habt ist auch viel Geld weg, wenn ihr überfallen werdet. Seit ihr zu zweit könnt ihr euch besser verteidigen. Gewonnen hat am Ende natürlich das Team mit dem meisten Geld. Und hier bekommt jeder eine Waffe.“
    Er öffnete die Tragetasche, die er die ganze Zeit mit sich herumgeschleppt hatte und zum Vorschein kamen eine ganze Menge Pistolen. Typ und andere Charakteristiken entzogen sich leider meiner Kenntnis.
    „Passt bitte auf, Jungs und Mädels, zielt niemals auf den Kopf und andere empfindliche Stellen, okay? Wer getroffen wird muss sich ergeben und alles Geld was er mit sich führt übergeben. Jetzt alle los, ihr habt 15 Minuten, dann pfeifen wir einmal. Ungefähr zwei Stunden wird das Spiel dauern, am Ende pfeifen wir wieder laut, dann kommt ihr alle her, ja? Noch Fragen?“
    „Was ist mit Taschenlampen?“ fragte jemand.
    „Könnt ihr benutzen, müsst ihr euch aber überlegen, ihr wollt ja nicht gesehen werden. Und gibt es in jedem Team ein Handy? Für den Notfall?“
    Alle bejahten. Es ging los, wir schwärmten aus.
    Es war stockduster und kalt. Ich trug den dunkelblauen Kapuzenpulli von Luke und der schlackerte mir um den Körper wie ein Kartoffelsack. Das sah natürlich nicht sehr vorteilhaft aus. Aber ich war ja glücklich! Mir war zum hüpfen zumute, und das nur, weil ich mit Nik in einem Team war! Ich liebte mein Leben in letzter Zeit irgendwie. Und da passierte es, ich stolperte und krachte hin, der Länge nach. So viel zum Thema Tollpatschigkeit.
    „Au, verdammt!“ fluchte ich.
    „Roxy!“ sagte Nik und kniete sich neben mich, „Alles klar?“
    Er und das andere Mädchen, Leah, hatten ihre Taschenlampen auf mich gerichtet und ich blickte geradewegs in Niks sorgenvolle, wunderschön blaue Augen. Er hatte einen alten Bundeswehr-Parka an, aber er sah aus wie von einem Zeitschriftencover. Wie machte er das??
    „Was machst du denn?!“ schüttelte Luke den Kopf.
    „Hast du dir was getan?“ fragte auch Patrick.
    „Nein, alles klar. Hab mir nur mein Knie angeschlagen. Aber schon gut. Maaaan!“
    Nik half mir hoch und ich schämte mich mal wieder. Dummes Kind! Ich wusste wieder viel zu genau, dass ich und dieser Junge einfach nicht dieselbe Klasse hatten. Wir gingen weiter und schlugen unser Lager dann in einem ziemlich unwegsamen Gelände mitten in dichtem Gebüsch auf. Wenn uns hier jemand finden sollte, dann würde das nicht mit rechten Dingen zu gehen, so viel war klar. Dann warfen wir uns auf den kalten Boden und warteten auf den Startpfiff.
    „Am besten bleiben immer zwei im Lager und drei gehen auf Geld-Jagt.“ fing Patrick an Pläne zu schmieden.
    „Und die drei gehen zusammen?“
    „Nein, ich denke ein Zweierteam und einer alleine.“
    „Klingt ganz gut. Aber denkst du wirklich, zwei sollten hier bleiben? Es findet uns hier doch keiner.“ meinte Leah.
    „Ach, sei dir mal nicht so sicher. So weit voneinander entfernt werden wir gar nicht sein. Ich finde auch, zwei sollten hierbleiben.“ sagte Nik.
    Luke fuhr fort:
    „Zuerst sollten die Mädels hier bleiben, was? Dann können wir mal ein bisschen die Lage checken.“
    „Pfff!“ machte ich und auch Leah grinste:
    „Wenn ihr denkt, dass ihr das müsst, dann tut das.“
    Dann hörten wir laut und deutlich einen schrillen Pfiff. Es ging los.
    „Also. Wir holen dann mal ein bisschen Zaster, was? Passt schön auf!“ Lukas war schon ganz übermütig.
    „Passt auf euch auf!“ sagte Nik und warf mir wieder einen dieser undefinierbar-intensiven Blicke zu bevor er mit Patrick und Luke in der Dunkelheit verschwand.
    Er ließ mich in einem nahezu unbeschreiblichen Zustand zurück. Lief da nun was Tieferes zwischen uns? Oder war es rein freundschaftlich? Es war zum Ausflippen! Wann würde ich denn endlich erfahren, was er mir zu sagen hatte!? Ich wollte mir nicht so eine Platte machen, er sollte mich einfach küssen! Wow, das wäre der Hammer. Von ihm wollte ich geküsst werden, so viel war klar. Leah und ich hatte uns nicht allzu viel zu sagen und so blieben wir die meiste Zeit über still und warteten. Ich lauschte in die Nacht und versuchte die unterschiedlichen Geräusche zu identifizieren und Tieren zuzuordnen. Ich begann schon zu frieren. Leah bemerkte es und wir machte aus, dass ich als nächstes mit auf Beutezug gehen sollte um mich durch ein bisschen Bewegung wieder aufzuwärmen.
    Nach etwa 15 Minuten tauchten Nik und die anderen Jungs wieder auf.
    „Wir haben jede Menge Geld, Mädels! Und unterwegs sogar noch Benni abgezogen!“ triumphierte Patrick.
    Nik kam hinter ihm her und ich gab mir einen Ruck und lächelte ihn an und sah ihm dabei so richtig in die Augen. Das schwache Mondlicht ließ nicht viele Details zu, aber inzwischen hatten sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt und ich sah definitiv, dass er zurücklächelte, und zwar richtig süß!
    „Wie war‘s bei euch?“ fragte er mich und er kam ganz nah.
    „Nichts passiert.“
    „Auch gut.“
    Luke und Patrick leerten ihre Taschen und Leah sagte:
    „Patrick, bleibst du bei mir? Roxy friert und sollte sich bewegen, Nik, du nimmst sie doch mit, oder?“
    „Na klar.“
    Wieder begegneten sich unsere Blicke:
    „Wollen wir gleich wieder los?“
    Ich nickte und er setzte sich sofort in Bewegung, ich ihm hinterher, und zwar dicht.
    Mein Herz pochte laut, ich war allein im Wald mit Nik. Naja, nicht allein im Wald, aber zumindest mit ihm unterwegs. Und er hielt die Zweige fest, die uns den Weg versperrten, damit ich ungehindert durchkam und warnte mich leise, wenn irgendetwas Unebenes im Weg lag.
    „Wir müssen echt leise sein, überall schleichen sie rum, und umso näher wir Martin kommen umso gefährlicher wird es.“ wisperte er über seine Schulter.
    Wir schlugen uns nahezu wortlos bis zu Martin und Feli durch. Es ergab sich nicht ein spannender Moment, niemand war uns begegnet. Aber es war trotzdem anstrengend genug aufzupassen, wo man in dieser Dunkelheit hintrat. Im Wald gab es schließlich Bäume und überall Äste und Gestrüpp und ständig verfingen sich meine Haare irgendwo. An Spinnen und anderes Getier wagte ich gar nicht erst zu denken. Komischerweise konnte ich das ganz gut verdrängen, das gelang mir doch sonst nie!
    Wir kassierten jeder unser Geld und machten uns auf den Rückweg. Ich war schon fast ein bisschen enttäuscht aber dann bekam ich doch noch meine Chance. Von ziemlich weit rechts hörten wir einen Ast knacken und ein leises Raunen. Niklas blieb abrupt vor mir stehen und ich prallte gegen ihn. Er drehte sich um, nahm meine Hand und bedeutete mir wortlos, ihm zu folgen, ich sah es nicht richtig, ließ mich aber von ihm ziehen. Wir bewegten uns vorsichtig in die entgegengesetzte Richtung und ich liebte es, wie es sich anfühlte, dass seine Hand meine umschloss. Es kam mir wie eine halbe Ewigkeit vor, bis wir langsamer wurden. Er kletterte mit mir in eine Art kleine Grube oder so und dort unten lehnten wir uns mit dem Rücken an den Rand.
    „Vorsichtig, hier liegt irgendwas.“
    „Ist bloß ein Zweig.“
    Ich hatte Angst er würde jetzt meine Hand loslassen, deshalb nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und hielt seine einfach fest. Er merkte es sofort und wandte sich mir zu. Ich sah sein Gesicht ganz nah vor meinem und seine Haare leuchteten. Wir blieben eine ganze Weile still, es war auch nichts mehr zu hören, aber dann sagte er wieder etwas, und seine Stimme klang rau und gleichzeitig wahnsinnig süß:
    „Wir warten noch ein bisschen…“
    Ich nickte nur. Immernoch war sein Gesicht unverändert nah bei meinem und ich konnte sein Parfum riechen. So wahnsinnig anziehend! Es passierte fast gar nichts, wir sahen uns nur an. Noch immer hielt er meine Hand und ich spürte, wie er sie mit seinem Daumen ganz leicht streichelte. Der Schauer, der mir über den Rücken lief, brachte mich fast um, so intensiv war er. Die Spannung stieg ins Unermessliche, es knisterte gewaltig hier in dieser Grube, ich rechnete schon damit, dass ich jeden Moment in Ohnmacht fallen würde, wie lange würde ich das noch aushalten? Es war wunderschön und atemraubend zugleich. Er hob seine andere Hand und strich mir ganz sanft eine Haarsträhne aus dem Gesicht, die der Wind aus meinem Zopf gelöst hatte. Danach blieb die Hand an meiner Wange liegen und er sprach wieder, mit seiner zärtlichen Stimme:
    „Ich wollte dir doch was sagen…“
    Meine Lider flatterten, mein Magen fuhr Loopings und mein Herz klopfte wie ein Vorschlaghammer gegen meine Brust.
    „Jetzt ist endlich mal eine Gelegenheit dafür. Was willst du mir denn sagen?“ fragte ich leise.
    „Etwas ganz Wichtiges. Ich bin mir nur nicht so ganz sicher… ob du es auch hören willst…“
    „Du kannst mir alles sagen.“
    Noch immer hielt er meine Hand und ich spürte seine Schulter an meiner, so nah waren wir uns. Irgendwo schrie ein Käuzchen, aber ich nahm es gar nicht richtig wahr.
    „Okay.“
    Er atmete einmal laut aus und seine offensichtliche Nervosität bestätigte mich nur in meiner Ahnung, in meiner eigentlich unfassbaren Ahnung:
    „Du bist so schön…“ hauchte er, „Seit ich dich das erste Mal gesehen habe, am Samstag im Gemeindezentrum, wollte ich dir das schon sagen…“
    Die Loopings wurden noch wilder und das Blut rauschte in meinen Ohren.
    „… ich habe noch nie jemanden wie dich getroffen. Ich habe schon mal versucht, dir das zu sagen, aber jetzt kann ich mich einfach nicht mehr zurückhalten…“
    Erwartungsvoll blinzelte er unter seinen hellen Haaren hervor.
    Ich brachte kaum einen Ton raus, viel zu zauberhaft war der Moment:
    „Es ging mir genauso…“ schaffte ich dann aber doch zu sagen.
    „Ich bin so wahnsinnig verliebt in dich, ich halte es nicht mehr aus!“
    Da war es raus. Mein Herz hörte augenblicklich auf zu hämmern und ich rang nach Atem. In meinem Kopf schlugen tausend Glocken und ich schaffte es nicht nachzudenken, ich sagte einfach, was mir als erstes in den Sinn kam:
    „Ich… bin es auch...“
    Er lächelte wunderschön und rückte noch ein wenig näher an mich heran.
    „Roxy? Darf ich... dich küssen?“ fragte er mich schüchtern und ein wenig zaghaft und seine Lippen waren nur noch wenige Zentimeter von meinen entfernt.
    „Ja…“ konnte ich gerade noch herausbringen.
    Und dann legten sich seine Lippen ganz zart auf meine. Wenn ich vorhin dachte, ich würde ohnmächtig werden, so war das nichts gegen das Gefühl das mich jetzt durchströmte. Mir wurde schwindelig und alles drehte sich um mich herum, um uns. Seine Lippen bebten ebenfalls ganz leicht und sie waren so warm und weich. Jetzt gab es kein Halten mehr, ich schlang meine Arme um seinen Hals und erwiderte den Kuss, sein Atmen streifte meine Wange und er legte eine Hand an meine Hüfte um mich noch näher an sich heran zu ziehen. Ich explodierte innerlich und verlor Zeit- und Raumgefühl. Es war wie eine Naturgewalt. Nie hatte ich mir so etwas vorstellen können, nicht mal annähernd! In diesem Moment öffnete ich ihm mein Herz und sofort nahm er einen riesengroßen Teil davon ein. Seine Lippen öffneten sich und ich tat das Selbe, es ging wie von selbst, warum hatte ich mir je Gedanken übers Küssen gemacht?! Seine Hand an meiner Wange streichelte mich und seine zärtlichen Lippen liebkosten meine. Ein Stromschlag nach dem anderen lief durch meinen Körper, es war unbeschreiblich.
    Ich könnte nicht sagen wie lange dieser erste Kuss gedauert hat, aber irgendwann lösten wir uns doch wieder voneinander, wenn auch nur ein ganz kleines Stück.
    „Ist das wirklich passiert?“ flüsterte er ganz außer Atem an meine Wange und ich wollte nichts außer ihn zu spüren. Also zog ich ihn anstatt einer Antwort wieder an mich und küsste ihn erneut. Sofort umgab mich wieder dieses Feuer und ich fühlte jeden Millimeter von ihm.
    Irgendwann ließ ich ihn wieder los und er sah mich mit einem solch herzzerreißendem Blick an, dass ich es wieder nicht fassen konnte, was hier passiert war. Er hatte gesagt, er hätte sich in mich verliebt! Ich konnte es nicht fassen, aber das war es also. Die Krönung nach diesem schrecklichen Verliebtsein-Stress! Die vergangenen Tage kamen mir vor wie Wochen, es kam mir vor, als wäre der Samstag an dem ich ihn das erste mal sah schon wieder eine halbe Ewigkeit her, als wären es nicht nur ein paar Tage gewesen! Diese lähmende Ungewissheit hatte endlich, endlich ein Ende. Verdammt, es fühlte sich so unglaublich an!
    „Warum hast du es dir anders überlegt?“ fragte ich ihn.
    „Was meinst du?“
    „Du wolltest dir doch viel mehr Zeit lassen...“
    Seine Lippen formten sich zu einem verträumten Lächeln und er küsste mich ganz sanft auf die Wange, bevor er mir antwortete:
    „DU bist mir dazwischen gekommen. Da haben alle meine Vorsätze nichts genutzt, du bist so… anders, so wahnsinnig anziehend.“
    Und wieder küsste er mich, aber dieses Mal schon energischer, regelrecht ungeduldig. Ich drückte mich an ihn und seine Hände streichelten meinen Rücken hinunter. Es haute mich schon wieder um. Wie konnte ich nur bisher auf dieses Gefühl verzichten!?
    „Das ist viel besser, als ich es mir je vorstellen konnte...“
    „Ja? Dieses Mal wirklich?“
    „Ich werde meinen ersten Kuss nie vergessen…“
    „Ich hab es dir doch versprochen, oder?“ grinste er, „Ich hätte dich am liebsten schon viel eher geküsst. Aber ich hatte solche Angst dich zu überfordern...“
    „Wolltest du das wirklich?“
    „Ich wollte es schon am Samstagabend, aber da konnte ich mich noch damit bremsen, dass man niemanden küsst, den man erst vor drei Stunden kennengelernt hat.“
    „Samstagabend?“ fragte ich ungläubig.
    „Du hättest dich mal selbst sehen sollen! Wie du mich angesehen hast mit deinen großen Kulleraugen! Ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen vor Aufregung dich am nächsten Tag wieder zu sehen!“
    „Ich war total eingeschüchtert. Du bist so… wow…“
    „Ach ja? Dafür hast du mir aber ganz schön die kalte Schulter gezeigt. Ich dachte manchmal, du könntest mich vielleicht auch mögen, aber beim Billard-Spiel oder beim Wandern hast du mich nur auflaufen lassen. Und dann hat Patrick mit dir geflirtet, ich hätte ihn am liebsten in den Wald gezerrt... und Luke! Und ich hatte keine Chance! Ich konnte einfach nicht so mit dir reden, wie ich es wollte, du warst ständig umlagert. Und Lukas hat mir meine Pläne durchkreuzt...“
    „Was hattest du denn vor?“
    „Keine Ahnung, einfach... ich wollte dir irgendwie zeigen, dass ich dich mag.“
    Er unterbrach seine Ausführungen wieder mit einem Kuss, dann kuschelte ich mich an ihn und er erzählte weiter:
    „Ich kann kaum fassen, dass du mich auch magst.“
    „Es ging mir eigentlich… genauso. Schon von Anfang an fand ich dich total toll.“
    „Und wenn ich mir überlege, dass ich dich jetzt, nur ein paar Tage später, endlich küssen darf!“
    Das tat er dann auch gleich wieder, und wieder schickte es mich einmal zum Mond und zurück. Wie sollte es erst im Stehen sein? Ich würde jedes Mal weiche Knie bekommen.
    „Ich konnte es gar nicht fassen, wie leicht ich mit dir über die kompliziertesten Themen sprechen konnte.“ hauchte er.

    Er hielt mich in seinen Armen, über uns schien der Mond und mein Traum war in Erfüllung gegangen. Dieses unbeschreibliche Glücksgefühl würde ich in meinem Leben niemals mehr vergessen.

    „Roxy?“
    „Ja?“
    „Du bist jetzt meine Freundin, ja?“
    „Ja… das bin ich dann wohl. Wow, ich bin die Freundin von Niklas Maybach!“
    Er grinste.
    „Dann musst du mir noch unbedingt etwas verraten.“
    „Alles was du willst.“
    „Deinen zweiten Vornamen!“
    „Was?“
    „Ich denke ‚alles was ich will‘?“
    „Das ist es, was du jetzt wissen willst?“
    „Irgendwie bedeutet es mir viel. Ich will alles von dir wissen.“
    Ich überlegte ein paar Sekunden, sollte ich ihm wirklich sagen, wie meine verrückten Eltern mich genannt hatten?
    „Meine Eltern standen damals auf hawaiianische Namen.“
    „Klingt schon mal gut.“
    „Also gut. Ich heiße Roxana Noelani Thalheim.“
    Er küsste mich.
    „Das ist ein wunderschöner Name.“
    Dankbar ließ ich mich von ihm in seine Arme nehmen und legte meine Kopf auf seine Schulter. Er mochte meinen Namen! Ich war das glücklichste Mädchen auf der Welt.


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