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Wie ich auf einmal mit dem verdammt komplizierten Umstand umgehen musste verliebt zu sein...

  1. #1
    Milk&Hanni

    Standard Wie ich auf einmal mit dem verdammt komplizierten Umstand umgehen musste verliebt zu sein...

    Hallo ihr Lieben!
    Ich schreibe sehr gerne und hab mir gedacht, dass ich doch hier mal was reinstellen könnte. Habt ihr Bock auf eine Fortsetzungsgeschichte? Sie ist schon fertig und deshalb würde ich regelmäßig einen neuen Teil einsenden.
    Ich fang einfach mal an, vielleicht gefällts euch ja
    Gruß & Kuss, Milk&Hanni

    Wie ich auf einmal mit dem verdammt komplizierten Umstand umgehen musste verliebt zu sein...

    Teil 1
    Ich saß in meinem Zimmer auf einer Umzugskiste und starrte in den Regen hinaus. Heute begann also mein neues Leben. Ich wusste nicht so Recht, wie ich das finden sollte, einerseits war alles neu, gegen eine Veränderung hatte ich auch überhaupt nichts einzuwenden, andererseits würde ich ab jetzt bei Freunden meines Vaters in einer Kleinstadt wohnen, super! Ich sollte das genauer erklären, also:
    Ich heiße Roxana, bin vor wenigen Monaten 16 Jahre alt geworden und werde heute umziehen.
    Meine Eltern wollten sich beruflich weiterentwickeln, jetzt wo mein Bruder und ich ja quasi erwachsen waren, sie sind beide Archäologen und arbeiteten im städtischen Museum. Sie hatten die Möglichkeit bekommen bei einer Ausgrabung im ehemaligen Mesopotamien mitzumachen und sich letztendlich dafür entschieden. Mein Bruder Simon war bereits 18 und für sein Studium nach Hamburg gezogen, blieb also noch ich. Ich wollte ihnen natürlich nicht im Weg stehen, zumal ich mich auch für alt genug hielt, ein Jahr ohne meine Eltern auszukommen. Doch wo sollte ich denn in der Zwischenzeit wohnen? Ich hatte keine Großeltern mehr, bei meinem Bruder war nicht genug Platz, Tanten und Onkel hatte ich auch nicht... aber meinem Vater fiel Klaus, sein Freund, ein. Der wohnte mit seiner Familie in einer Kleinstadt, ungefähr 200 Kilometer weit weg von Berlin. Ich hatte nicht wirklich Lust soweit weg zu ziehen, weg von meinem geliebten Berlin, ich wollte auch nicht aufs Dorf, aber ich wollte, dass meine Eltern ihre Chance wahrnehmen konnten! Sie wollten das so sehr, und es wäre ja nur für ein Jahr... ich redete mir selbst Mut zu, so schlimm könnte es ja nicht werden.

    Kurz bevor es Ernst wurde, machte ich mir dann aber doch Gedanken. Onkel Klaus war Pastor und er hatte 5 Kinder, die beiden ältesten wohnten aber schon nicht mehr zu Hause. Ich würde ein eigenes Zimmer bekommen, was ja schon mal nicht schlecht klang. Aber bei einer Pastorenfamilie zu wohnen, deren Mitglieder ich das letzte Mal gesehen habe, als ich noch Milchzähne hatte! Genau das war nämlich der Haken an der Sache, seit Onkel Klaus aufs Dorf gezogen war hatte ich die Familie nicht mehr gesehen! Meine Eltern hatten sich regelmäßig mit Klaus und seiner Frau Betty getroffen, sie waren enge Freunde, aber ich… wie gesagt, ich erinnerte mich an Spielnachmittage im Sandkasten und Verstecken. Irgendwie bekam ich also Bammel vor meinem Umzug. Ich hatte keine Probleme mich mal ein bisschen anzupassen und mich an neue Regeln zu halten, allerdings war ich das selbstständige Leben einer Großstadt gewöhnt und hatte Privilegien von denen ich nicht wusste, ob Pfarrerskinder auf dem Dorf sie auch haben würden. Gab es dort überhaupt S-Bahnen oder wenigstens Trams? Am Ende müsste ich Fahrrad fahren oder solche Scherze. Diese ganze Situation hatte ich immer als Abenteuer gesehen, aber inzwischen wurde mir das ganze Ausmaß bewusst, Roxy zieht aufs Dorf! Ich machte mir Gedanken, ob ich mich überhaupt mit Onkel Klaus und den anderen verstehen würde, ich hatte keine Ahnung ob es dort Menschen in meinem Alter gab und wie ich mich wohl in der neuen Schule zurechtfinden würde. Fragen über Fragen...


    Aber schließlich war der Tag gekommen, unser Haus war nicht wiederzuerkennen, die Möbel waren alle unter Tüchern zum Schutz versteckt, es würde ja lange Zeit niemand hier sein. Das Geschirr hatte meine Mutter in Kisten verpackt und die ganzen Klamotten, die in Berlin blieben, hingen in Kleidersäcken in den Schränken. Meine Eltern luden mein Leben in Kisten verpackt in ihr Auto und dann fuhren wir los in meine neue Heimat. Auf Zeit, wohlbemerkt.

    Auf der Fahrt redeten und lachten wir viel, aber ich merkte diesen dunklen Abschiedsschatten trotzdem, der jetzt immer näher rückte. Es war Samstag, noch heute Abend flogen meine Eltern von Berlin aus nach Aserbaidschan. Ich hatte noch eine Woche Ferien und musste also erst nächsten Montag in die neue Schule.
    Mir wurde mehr und mehr flau im Magen. Verdammt, warum bammelte mir auf einmal so sehr? Es war doch nur ein Jahr! Und ich ließ eigentlich nicht viel in Berlin zurück, meine beste Freundin Alissa war für ein Jahr in den USA, Highschool, die hatte es gut. Und viel mehr Freunde hatte ich eigentlich eh nicht, zumindest nichts Tieferes. Natürlich kannte ich jede Menge Leute, aber niemand bedeutete mir besonders viel. Ich war eine von denen, die sich selbst genug waren, ich brauchte nicht ständig Trubel und Action um mich, ich war auch gern allein, las oder beschäftigte mich anderweitig. Ich war nicht die beliebteste der Schule, eher eine von den unscheinbaren, aber das hatte mir nie etwas ausgemacht. Jetzt machte ich mir aber doch Sorgen, ob ich mich überhaupt in eine ganz neue Klasse einfügen könnte? Vielleicht waren sie mir gegenüber grundsätzlich schon schlecht eingestellt, ich war vielleicht die dämliche Ziege aus der Stadt für sie?! Oh ja, ich merkte wie Panik in mir hoch kroch.

    Ich hatte aber nicht mehr viel Zeit dafür, denn wir fuhren schon in den Hof von Onkel Klaus ein. Vor mir lag ein riesiges Grundstück, es gab Bäume, von Hecken abgegrenzte kleine Ecken, ich sah einen Lagerfeuerplatz und einen Spielplatz. Auf der linken Seite war ein großer Spitzbau. Die Fenster waren fast alle mit Bildern behängt oder mit Windowcolor bemalt, ich ging davon aus, dass es irgendwie zur Kirche gehörte. Gegenüber, ganz am anderen Ende des Grundstückes, lag das Pfarrhaus, ein schönes zweistöckiges Gebäude. Rechts daneben waren die Kirche und der Friedhof. Ich staunte, Platz gab es hier ohne Ende, ich würde bestimmt eine Ecke für mich finden. Ich nahm meinen Rucksack und meine Umhängetasche und meine Eltern nahmen jeder eine der drei Kisten aus dem Kofferraum. Wir waren noch nicht losgelaufen, da kam schon ein freundlich aussehender kleiner Mann aus dem Gebäude linkerhand, es musste Onkel Klaus sein. Er begrüßte uns alle freudestrahlend und reichte mir seine Hand:

    „Ah, du bist also Roxana? Du bist so groß geworden! Es ist schön, dass du da bist!“
    Er führte uns alle kurzerhand zum Haus, selbstverständlich trug er die letzte Kiste. Ich war schon mal erleichtert, er machte einen sehr herzlichen Eindruck auf mich. Wir gingen in den ersten Stock des Hauses, unten befanden sich das Pfarramt und einige Gemeinderäume. Das Haus war sehr gemütlich eingerichtet, teilweise altmodisch, aber sehr schön. Von einem langen Gang gingen mindestens 8 Türen ab. Aus einer trat eine rundliche, resolut wirkende Frau, ich erkannte sie sofort wieder weil sie sich überhaupt nicht verändert hatte. Es war Betty, Klaus’ Frau. Sie begrüßte mich ebenfalls strahlend mit einem festen Händedruck, man sah ihr an, dass sie 5 Kinder großgezogen hatte und ihren Haushalt tiptop in Ordnung hielt. Ich wusste, dass sie außerdem als Krankenschwester arbeitete. Also eine starke Frau, das mochte ich, ich wollte ebenfalls mal so werden. Aber 2 Kinder würden mir schon reichen…
    Gleich wurde ich in mein Zimmer geführt, es lag am einen Ende des Ganges mit Blick zur Kirche und in den Garten. Es war klein, aber schön. Alte, massive Holzmöbel und Holzdielen, es gefiel mir auf Anhieb. Rechts stand das Bett, daneben ein kleiner Nachttisch, an der Wand gegenüber stand vor dem Fenster ein riesiger Schreibtisch mit einer Tischlampe. Links standen ein großer Kleiderschrank und daneben eine Kommode. Ich erfasste auf den ersten Blick, dass ich mehr als genug Platz für meine Sachen haben würde.
    „Ist es in Ordnung für dich?“
    Betty war hinter mir ins Zimmer getreten.
    „Ich finde es sehr schön.“ sagte ich mit einem Lächeln zu ihr.
    Meine Eltern stellten die Kisten ab, wir tranken noch Kaffee zusammen und dann war es schon Zeit für den Abschied. Ich hatte mir so fest vorgenommen nicht zu weinen und tapfer und gefasst zu sein. Schließlich war ich ja alt genug, ich hatte alles rechtzeitig gewusst, war vorbereitet und ich war ja auch nicht auf den Mund gefallen. Aber meine Mutter fing mit weinen an und ich stimmte mit ein, es ging einfach nicht anders. Wir lagen uns in den Armen und auch mein Vater hatte hart zu kämpfen.
    „Wir werden dich so vermissen, mein Engel!“ schluchzte meine Mutter in meine Haare.
    „Ruf uns an so bald du irgendwas hast, ja? Versprich es uns!“ drängte auch mein Vater.
    Ich versprach es zum hundertsten Male und drückte beide ein letztes Mal an mich, dann war es zeit. Sie fuhren weg, für ein ganzes Jahr. Es gab zwar Skype und Facebook, aber ich würde sie lange nicht sehen. Unsere Familie stand sich sehr nah und ich wusste, dass es den beiden noch schwerer fiel mich hier zurück zu lassen, wie mir.

    Ich war seltsam gefasst. Sobald sie weg waren hatte ich komischerweise keine Schwierigkeiten mich zu beruhigen und fasste mich richtig schnell wieder. Onkel Klaus bat mich, ihn einfach Klaus zu nennen und er und Betty führten mich durchs Haus.

    „Unsere Kinder sind momentan alle nicht da, Lukas kommt heute Abend noch wieder, aber Nina und Dina kommen erst morgen Abend. Wir sind also noch allein.“ erklärten sie mir.
    Das machte mir nicht allzu viel aus, dann konnte ich mich in Ruhe eingewöhnen. Ich begann meine Sachen auszupacken und meine Kleider in den Schrank zu hängen. Ich blickte hinunter in den Garten, es war richtig ekliges Wetter draußen, um die fünfzehn Grad, Nieselregen, trüb und grau. Und dabei war es erst Anfang September, eigentlich könnte es doch noch etwas Sommer bleiben, oder?
    Zum Abendessen saß ich mit Klaus und Betty an dem großen runden Holztisch, dem man ansah, dass schon viele Mahlzeiten an ihm eingenommen worden waren. Er hätte bestimmt einige Geschichten zu erzählen gehabt. Klaus erwähnte irgendwann ganz beiläufig:
    „Der Jugendkreis unserer Gemeinde trifft sich heute. Du könntest auch hingehen, drüben im Gemeindezentrum, da lernst du schon mal jemanden hier kennen.“
    Innerlich erschrak ich, aber ich ließ nicht zu, dass sie es mitbekamen. Es gab einen Jugendkreis in diesem Kaff? Damit hatte ich ja nicht mal gerechnet! Sollte ich mich jetzt schon mit den Dorfjugendlichen konfrontieren lassen? Ich hatte das ja eigentlich erst für nächsten Montag in der Schule geplant. Wer weiß, was mich da heute Abend erwarten würde... ich hatte schon ein wenig Angst davor, wenn ich ehrlich bin, aber so wie es aussah, blieb mir keine große Wahl. Natürlich hatten Klaus und Betty mich nur aus Nettigkeit darauf hingewiesen, sie wollten mir Kontakte verschaffen und es mir leicht machen. Sie wussten ja nicht, dass ich nicht so die Spaßkanone war und den Zugang zu neuen Menschen nicht so leicht fand. Außerdem wusste ich ja gar nicht wie diese Kirchenleute so drauf waren... hach alles so neu, das gefiel mir eigentlich überhaupt nicht. Ich zwang mich richtig dazu, mir so wenig Gedanken wie möglich zu machen und einfach hinzugehen.
    „Mach dir keine Sorgen.“ sagte Klaus, „Unsere Jugendlichen sind sehr nett, eine tolle Truppe.“
    Das machte mir aber nicht wirklich Hoffnung. Ich war Roxy, ein wenig zu still und zu introvertiert um sofort gut anzukommen. Trotzdem stand ich kurz vor Beginn vor dem Spiegel im Badezimmer und begutachtete mich. Ich hatte eigentlich schöne Haare, sie waren mittellang und die Enden kringelten sich in sanften Korkenziehern über meine Schultern. Auch die Farbe gefiel mir, ein heller und dennoch kräftiger Braunton, der noch je nach Sonneneinwirkung variierte. Alles andere aber fand ich mittelmäßig, meine Gesichtszüge, die Proportionen... alles nicht besonders auffallend. Ich war zwar nicht sonderlich eitel, aber ich achtete schon darauf, was ich anzog und das alles zueinander passte und meine Haare ordentlich lagen und so weiter. Heute Abend hatte ich überhaupt keine Ahnung was ich anziehen sollte. Was trug man in einem christlichen Jugendkreis auf dem Dorf? Ich wollte nicht overdressed wirken aber auch nicht langweilig. Letztendlich entschied ich mich für eine dunkelblaue Röhrenjeans mit einem schicken schwarzen Ledergürtel und eins meiner Lieblings-T-Shirts dazu. Darüber zog ich noch einen dunkelblauen Blazer, den ich aber offen ließ. Das sah chic aus und trotzdem nicht abgehoben oder so. Draußen nieselte es immer noch, also zog ich mir für den Weg rüber zum Gemeindezentrum noch schnell meine Jacke und Mütze über. Beides hatte ich erst neu und ich gefiel mir damit.
    Ich war schon leicht spät dran und lief mit langen Schritten quer durch den stockdunklen Garten. Ich war hin- und hergerissen zwischen Angstgefühlen und Neugier. Ich sah eigentlich überhaupt nichts und hoffte nicht auf dem nassen Rasen auszurutschen. Während ich noch so überlegte wie ich auftreten sollte und was ich sagen sollte prallte ich auf einmal mit jemandem zusammen. Es war ein Junge, er war so schnell aufgetaucht und ich hatte so einen Stechschritt drauf, dass ich keine Chance zum Ausweichen hatte und er hatte mich anscheinend genauso nicht gesehen:
    „Hoppla!“ sagte er und fing mich auf.
    Ich konnte in der Dunkelheit nichts erkennen, außer, dass er blond war und trotz meiner 1,78 m größer als ich. Ich war so perplex, dass ich nur ein „Huch!“ herausbrachte und peinlich berührt dahin blickte, wo sein Gesicht sein müsste, doch ich sah nur seine Umrisse. Nach der Schrecksekunde redete er weiter:
    „Tut mir Leid, ich hab dich gar nicht gesehen! Hm... das klingt jetzt komisch, aber die anderen kommen gleich und ich muss mich vor ihnen verstecken. Das heißt du musst jetzt wohl oder übel mit!“
    Er bedeutete mir ihm zu folgen und das tat ich auch ohne groß zu überlegen, ich hatte ja anscheinend keine Wahl. Er verschwand hinter einer Hecke und duckte sich unter einen Busch, ich ihm nach. Es regnete ein paar Tropfen auf uns herunter, er kicherte leise und flüsterte zu mir:
    „Sorry noch mal. Wer bist du überhaupt?“
    Verwirrt von der seltsamen Situation und diesem fremden Umfeld fand ich es richtig befreiend eine ganz normale Frage gestellt zu bekommen:
    „Ich wohne jetzt hier, also bei Pfarrer Schmidt, er ist ein Bekannter meiner Familie. Ich bin heute erst hier angekommen und wollte eigentlich zum Jugendkreis.“ antwortete ich ihm genauso leise und ein wenig perplex.
    „Ach ja! Das hat er gesagt.“ Er schaute zu mir, „Ich bin Nik, und ich bin auch auf dem Weg zum Jugendkreis. Das hier ist übrigens eine Sache zwischen mir und ein paar Freunden, letzte Woche haben sie sich versteckt und mich erschreckt, diese Woche sind sie dran.“
    Ich sah, dass er lächelte und war froh, da hatte ich also schon den ersten kennen gelernt und er war sogar nett.
    „Ich bin Roxana, aber nenn mich ruhig Roxy.“
    „Hi Roxy! Was führt dich eigentlich hier her?“
    „Meine Eltern.“
    Er sah mich weiterhin abwartend an, also fügte ich noch ein paar erklärende Worte dazu:
    „Sie arbeiten für ein Jahr im Ausland und ich habe sonst keine Verwandten.“
    „Oh! Krass. Kennst du die Schmidts denn näher?“
    „Eigentlich nicht. Früher haben wir uns oft gesehen, aber da war ich noch klein. Und dann sind sie hierher gezogen und seit dem habe ich sie nicht mehr gesehen. Und die Kinder sind heute auch alle nicht da. Aber Klaus und Betty sind nett. Und ich habe ein eigenes Zimmer.“ Es kam mir kein bisschen komisch vor, dass ich hier mit einem wildfremden gesichtslosen Kerl unter einem Busch saß und aus dem Nähkästchen plauderte.
    „Macht dir das gar nichts aus? Und von wo kommst du überhaupt?“ fragte er weiter, aber seine Neugier war mir nicht unangenehm.
    „Ich komme aus Berlin und ob mir das was ausmacht... ja und nein. Ich verstehe meine Eltern und will ihnen nicht im Weg stehen… Und ich habe eigentlich auch nichts gegen eine räumliche Veränderung, ich bin zwar ein Stadtkind, aber es ist ja auch nicht für immer. Ich finde das sogar ganz spannend, wie ein kleines Abenteuer.“ erklärte ich ihm und ich sah, dass er nickte.
    „Verstehe. Finde ich aber echt tapfer von dir.“
    „Na mal sehen wie ich mich mache.“
    „Dann wirst du jetzt ein Jahr lang hier zur Schule gehen?“
    „Genau, nächste Woche geht’s ja schon los.“
    „In welche Klasse kommst du denn?“
    „In die Elfte.“
    „Dann sehen wir uns bestimmt in der Schule, ich nämlich auch und es gibt hier nur die eine.“
    Dankbar lächelte ich in seine Richtung, es war wirklich gut schon jemanden zu kennen, dann wäre ich nicht gänzlich unbeholfen. Langsam gewöhnten sich meine Augen an die Dunkelheit und ich erkannte grob seine Gesichtszüge, aber noch konnte ich überhaupt nicht sagen, wie er aussah. Ich war schon direkt gespannt darauf, ihn im Licht zu sehen.
    „Jetzt dürfte es nicht mehr lange dauern, dann können wir hier weg und ins Warme gehen. Frierst du? Dann gebe ich dir meine Jacke?“
    „Nein, schon ok.“ lehnte ich ab, aber ich war geschmeichelt und gleichzeitig erstaunt über seine Höflichkeit.
    Dann kam auch schon eine Gruppe Menschen aus der Dunkelheit, ich konnte sie hören bevor ich sie sah. Nik sprang aus dem Gebüsch, so dass sie alle erschreckt aufschrien. Ich erkannte an den Stimmen und Staturen, dass es nur Jungs waren. Nachdem sich alle wieder eingekriegt und genug gelacht hatten, stellte Nik mich ihnen vor:
    „Jungs, das ist Roxana, sie wohnt ab heute hier. Roxy, das sind Patrick...“, er zeigte auf den Größten der drei, dann deutete er auf zwei etwas kleinere daneben: „... das ist Ben und der hier heißt Thomas.“
    Die Größe war erst mal das einzige, was ich an ihnen unterscheiden konnte, sie waren alle dunkelhaarig. Ich lächelte alle freundlich an, und sie begrüßten mich, dann bewegten wir uns in Richtung Gemeindezentrum.



  2. #2
    Milk&Hanni

    Themenautor

    Standard Teil 2

    Teil 2
    Ich betrat hinter Nik und den anderen das Foyer und schaute mir als erstes meinen neuen Freund an. Was ich sah beeindruckte mich zutiefst. Der Kerl war nicht einfach nur gutaussehend, er war perfekt! Wie ein Filmstar, ein Model, einen schöneren Jungen hatte ich, glaubte ich, noch nie zuvor gesehen! Er war hellblond, meiner Einschätzung nach war das auch seine Naturhaarfarbe. Einzelne Strähnen fielen ihm ins Gesicht, allgemein hatte er einen leicht asymmetrischen, längeren Schnitt. Sein Gesicht war richtiggehend einschüchternd schön und seine Präsenz und Ausstrahlung ließ mir fast die Kinnlade herunterfallen! Ich war sonst niemand, dem sofort die Augenfarbe von jemandem auffiel aber seine... stahlblau, geradezu Karibikmeerblau! Ich war hingerissen. Mit diesem Traumtyp war ich zusammengerasselt, und er hatte mich berührt, er war so nett gewesen und hatte sich völlig unkompliziert mit mir unterhalten! Sofort fiel mir wieder meine eigene Unvollkommenheit ein, ich war nur ein Durchschnittsmädchen. Hätte ich gewusst, dass in diesem Dorf ein solch schöner Junge lebt, ich hätte mich viel mehr auf meinen Aufenthalt hier gefreut! Ich zwang mich meine Augen von ihm abzuwenden, denn er hatte meinen Blick bemerkt und mich leicht angelächelt. Ich lächelte reflexartig zurück, einem so schönen Menschen konnte ich mich einfach nicht entziehen. Mein Blick wanderte weiter zu dem Dunkelhaarigen neben ihm, der Patrick hieß. Auch er sah gut aus, er war einer dieser Mädchentypen, dunkle Augen, braune Haut, Sunnyboyfrisur und keckes Grinsen, aber Nik war trotzdem noch tausendmal schöner. Er war so... besonders, so faszinierend. Patrick schien der Wortführer zu sein, er fragte mich:
    „Bist du hergezogen, Roxy?“
    Mein Name klang fremd aus seinem Mund, aber ich hielt mich nicht lange bei dem Gedanken auf, dass es mir überhaupt nicht schwerfiel mich mit diesen vier wildfremden Jungs zu unterhalten, das kannte ich eigentlich gar nicht von mir. Aber gerade hatte ich keine Zeit für sowas. Ich musste meine Gedanken zusammen nehmen um nicht völlig bescheuert zu wirken, ich war schließlich gerade dabei einen Haufen neuer Leute kennen zu lernen. Also erklärte ich Patrick und den anderen noch einmal, was mich hierher geführt hatte und alle waren erstaunt, dass ich das so einfach hinnahm. Ich ja selber auch, aber ich fühlte mich gerade pudelwohl hier. Nik fragte:
    „Warst du schon mal hier drin?“
    Ich verneinte und daraufhin führten sie mich zur Garderobe. Wir legten unsere Jacken ab und ich beobachtete heimlich Nik. Er trug eine helle Jeans, sie hing ihm locker auf der Hüfte und das sah verdammt gut aus. Sein Pullover war hellgrau, so einen ähnlichen hatte ich auch, aber seiner hatte eine Kapuze und eine Kängurutasche vorn. Ich folgte ihm und den anderen den Gang entlang und sog jedes Detail auf. Seine breiten Schultern und seine sehr ansehnliche, sportliche Figur, das kleine Lederarmband, dass er am Handgelenk trug, seine Schuhe, seine Art zu gehen... einfach alles gefiel mir und - mehr sogar, fesselte mich. Dann musste ich meine Aufmerksamkeit aber wieder anderen Dingen zukommen lassen, wir betraten einen hohen, hellerleuchteten Saal, in der Mitte ein Stuhlkreis und da saßen schon weitere Jugendkreismitglieder und schwatzten munter miteinander. In der Mitte standen 5 Mädchen im Kreis. Als die Jungs mit mir eintraten ruhten alle Augen auf einmal auf mir und es wurde ruhiger. Ich hasste solche Situationen. Ich holte einmal tief Luft und überlegte sekundenschnell wie ich diesen peinlichen Moment so schnell wie möglich überwinden konnte, aber da rief Patrick schon laut:
    „Alle mal herhören, das ist Roxy, sie wohnt jetzt hier.“
    Er griff meinen Arm und zog mich sanft neben sich, grinste mich an und sagte zu mir:
    „Das ist der Jugendkreis. Mit uns ist er komplett.“
    Mein Blick blieb an den 5 Mädchen in der Mitte hängen. Sie alle musterten mich unverhohlen. Als erste fiel mir eine blonde Prinzessin mit Traumfigur auf, daneben eine etwas kräftige, kleinere, die mich nahezu grimmig ansah. Schnell wandte ich mich wieder Patrick zu und nickte, dankbar, dass ich mich selber nicht vorstellen musste, zumindest vorerst. Ein etwa 25-jähriger Mann kam auf mich zu, freundlich lächelnd reichte er mir seine Hand und begrüßte mich:
    „Hallo, ich bin Martin, der Jugendleiter. Willkommen bei uns! Schön, dass du schon jemanden kennen gelernt hast.“
    Damit schaute er zu Nik, Patrick, Thomas und Ben. Patrick ergriff gleich darauf wieder meinen Arm und stellte mich den anderen vor. Ich konnte mir die ganzen Namen nicht merken, was ich aber merkte war, dass keiner so hübsch war wie Nik. Gleich musste ich wieder ein Blick auf sein unglaubliches Gesicht werfen, ich schielte zu ihm rüber und sah, dass er platz nahm, neben ihm die beiden anderen Jungs. Schon überlegte ich, welche der Mädchen hier wohl seine Freundin sein könnte, denn dass er eine hatte, davon ging ich aus. Aber ich konnte nicht lange gucken, Patrick schleifte mich weiter zu den Mädels in der Mitte und stellte mich ihnen vor. Ich gab mir Mühe, mir diese Namen zu merken, irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ich es bei ihnen nicht so leicht haben würde. Die schöne Blonde wusste offensichtlich das sie die hübscheste war, sie sah mich von oben herab an obwohl ich mich bemühte, ein freundliches Gesicht zu machen. Sie hieß Mandy. Dann gab es noch eine Elli und eine Karina, die grimmig guckende kleine hieß Alexandra und die fünfte Marie.
    Als Patrick mich allen vorgestellt hatte begleitete er mich zurück zu seinen Freunden und wir nahmen neben ihnen platz, mein Herz setzte einen Schlag aus, denn er ließ den Stuhl neben Nik aus, und klopfte auf ihn, um mir zu verdeutlichen, dass ich darauf sitzen sollte. Ich ließ mich fallen, enorm erleichtert, dass ich jetzt von dem Präsentierteller in der Mitte weg war. Doch ich wurde weiterhin ziemlich unverhohlen gemustert. Mandy, die perfekte blonde Prinzessin, saß mit ihren 4 Hühnern gegenüber von mir, ich hätte noch am ehesten darauf getippt, dass die beiden schönsten des Jugendkreises ein Paar wären, aber würden sie dann nicht nebeneinander sitzen? Nik beugte sich zu mir nach unten und flüsterte in mein Ohr:
    „Überstanden?“
    Ich wusste sofort was er meinte und freute mich riesig darüber, dass er mich überhaupt was fragte!
    „Ja.“ sagte ich mit einem vielsagenden Blick zu ihm und hielt dem Strahlen seiner blauen Augen länger stand als ich je für mich für möglich gehalten hatte.
    Ich war ja, wie schon erwähnt, nicht unbedingt die Selbstsicherheit in Person. Aber gleichzeitig versuchte ich mich nicht zu sehr von ihm verwirren zu lassen, wenn er hier keine Freundin hatte, dann hatte er eine in der Schule. Und außerdem, wenn er schon nicht mit der traumhaften Mandy zusammen sein wollte, dann ja wohl erst recht nicht mit mir. Ich stand hinter ihr Kilometerweit zurück, ich sah nicht mal halb so schön aus.
    Der Jugendleiter begrüßte uns und sie sangen ein paar Lieder. Das war für mich ungewohnt, ich hatte noch nie mit ein paar Leuten im Kreis gesessen und christliche Lieder gesungen, natürlich kannte ich sie nicht mal. Aber es gefiel mir eigentlich, jemand spielte Klavier, sie hatten auch einen Schlagzeuger und einen am Bass. Nik neben mir hörte ich leise singen, es klang schön und ich war überrascht, irgendwie hätte ich ihm das nicht angesehen. Patrick auf meiner anderen Seite sang lauthals mit, aber auch er traf jeden Ton. Ich ließ meine Blicke ein wenig schweifen und sah mir alle Leute noch einmal an. Dabei fiel mir auf dass insbesondere Mandy und Karina mir eisige Blicke zuwarfen, besonders wenn Nik und ich uns unterhielten. Und das taten wir, er erklärte mir wie man in der Bibel etwas finden konnte und ließ mich mit in seine rein gucken. Wir lachten viel und er und Patrick erzählten mir kleine Geschichten über die Jugendkreismitglieder. Die Stunde ging eigentlich sehr schnell rum und ich fand es richtig interessant! Das hatte ich wirklich nicht erwartet. Und ich spürte eigentlich auch keinen Unterschied, was das Dorfleben anging, sie waren nicht alle dumm oder minderbemittelt, wie ich es insgeheim ein bisschen erwartet hatte, im Gegenteil, sie kamen mir interessiert und freundlich vor. Fast alle. Nik war natürlich der absolute Hammer. Ich staunte auch über mich selbst, erstens schien ich auf einmal glänzend mit Jungs auszukommen und komischerweise sie mit mir! Ich war bis jetzt noch nie ein Jungstyp gewesen, überhaupt nicht, ich hatte weder einen Freund gehabt noch viele männliche Freunde. Und hier nahmen sie mich gleich ganz selbstverständlich an und behandelten mich total umsichtig und zuvorkommend. So was hatte ich noch nie erlebt!

    Der Jugendleiter lenkte das Thema dann noch auf irgendeinen Ausflug. Ich kam nicht ganz mit, aber da schien er sich schon darauf zu besinnen, dass ich neu war und erklärte mir, dass die Gruppe schon am Montag für eine Woche auf eine Burg fahren würde und fragte mich, ob ich nicht auch mit wollte. Patrick neben mir meinte gleich:
    „Jaaaa! Das wird dir bestimmt gefallen!“
    Und ich hatte so spontan eigentlich nichts dagegen, sagte aber, dass ich natürlich erst noch mit dem Pfarrer darüber reden müsste. Je länger ich darüber nachdachte, umso mehr wollte ich da hin, Nik war schließlich auch da. Nach dem Ende der Andacht gingen einige der Leute noch runter in den Keller, Nik fragte auch mich, ob ich mit wollte. Natürlich nahm ich die Gelegenheit war seine Gegenwart noch etwas länger zu genießen, ich war so was von begeistert! Sie hatten sich im Keller eine Bar eingerichtet und auf einigen bunt zusammengewürfelten Couchen konnte man gemütlich herumhängen. Alle unterhielten sich mit mir und stellten mir Fragen, ich kam mir so seltsam vor, noch nie hatte ich so im Mittelpunkt gestanden, noch nie hatte es so viel Interesse an meiner Person gegeben! Und Nik saß die ganze Zeit neben mir. Ich traute mich kaum ihn anzublicken, sofort wenn ich sein schönes Gesicht sah hatte ich ein Gefühl, als wenn mir jemand eine Faust in den Magen drücken würde, alles begann sich ganz leicht zu drehen. Aber er war so… nett! Er schien sich wirklich für meine Geschichte zu interessieren und fragte die ganze Zeit nach. Er holte mir was zu trinken und Kekse und kam immer wieder zu seinem Platz neben mir zurück.
    Später kam noch ein großer schlaksiger Junge in den Keller, den alle lautstark begrüßten. Er begrüßte auch mich und stellte sich als Lukas vor, erst da begriff ich, dass er der Sohn von Klaus und Betty war! Er erschien mir munter und clever und ich freute mich darüber, dass er anscheinend auch mich mochte. Wir würden das Jahr schon miteinander auskommen.
    Den ganzen Abend über kreisten meine Gedanken um Nik. Er war aufmerksam, aber nicht auf so eine aufdringliche, überschwängliche Art und Weise wie zum Beispiel Patrick. Der schäkerte übrigens in meinen Augen ganz schön heftig mit Mandy, so viel konnte ihr also nicht an Nik liegen. Sie und ihre Freundinnen waren die einzigen, die nicht auf mich zukamen und wenigstens ein paar Sätze mit mir sprachen.
    Aber Nik. Er müsste ja nicht so nett zu mir sein, wenn er mich nicht doch ein wenig interessant finden würde oder? Andererseits, jemand der so aussieht… der war doch nicht darauf angewiesen, dass eine neue ins Dorf kommt, er müsste doch auch so schon genug Auswahl haben. Konnte es tatsächlich möglich sein, dass er mich mögen könnte? Mich? Mrs. Durchschnitt? Ich fragte mich, wohin der Abend noch führen würde. Wie würden wir uns verabschieden? Als es dann so weit war, war es doch relativ unspektakulär. Lukas und ich gingen zusammen mit dem Rest nach oben und dann machten sich alle in andere Richtungen auf den Weg. Nik sah mir kurz in die Augen und sagte:
    „Bis morgen.“
    Ich überlegte erst, aber dann fiel es mir ein, natürlich, Gottesdienst!
    „Ach so, bis morgen.“ ich lächelte ihn an und auch er grinste.
    Das war alles, dann war er weg. Und ich stand da und wusste, dass ich mir schon viel zu viele Gedanken um diesen Jungen machte. So war ich eigentlich nicht drauf, aber er war so faszinierend! Ich war wirklich noch nie so gewesen. Während wir langsam rüber zum Haus liefen sagte Lukas:
    „Und Roxy, wie fandest du unseren Jugendkreis so?“
    „Echt gut! Es war wirklich das erste Mal, dass ich bei sowas war. Ich wusste ja wirklich gar nicht was auf mich zukommt. Und sie sind alle echt nett.“
    „Du hast dich ja auch gleich ganz gut mit allen verstanden.“
    „Das lag aber nicht an mir, ich bin eigentlich nicht so ne Stimmungskanone. Die Leute hier sind alle so aufgeschlossen.“
    „Ich glaube, die Hälfte der Jungs is in dich verliebt.“ sagte er grinsend.
    Das konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.
    „Was? Warum?“ antwortete ich ihm zugleich erschrocken und geschmeichelt.
    „Warum nicht?“
    Ich hasste Gegenfragen.
    „Nee, mal im Ernst, wie kommst du darauf?“
    „Mein ich doch ernst, warum nicht? Du bist hübsch, du bist interessant, du kommst aus Berlin, reichen diese Gründe nicht?“
    „Das hat mir auch noch keiner gesagt.“
    Ich war direkt perplex. Ich war im Vergleich zu den ganzen Berlinern definitiv nichts besonderes, aber hier fanden sie mich hübsch? Später, in meinem Zimmer saßen wir noch zusammen und er erzählte mir ein paar Sachen über seine Familie. Ich nutzte die Gelegenheit und schaute ihn mir mal genauer an. Er war riesengroß und ebenfalls blond, aber dunkler als Nik. Sein Gesicht hatte etwas Besonderes, Markantes. Wenn er in ein paar Jahren nicht mehr so schmächtig sein würde, könnte aus ihm ein echt gutaussehender Kerl werden. Ich mochte ihn schon wie einen kleinen Bruder.

    Am nächsten Tag stand ich rechtzeitig auf um mich für den Gottesdienst fertig zu machen. Klaus, Betty und Lukas saßen schon am Frühstückstisch, als ich dazu stieß. Sie fragten mich, wie es mir gestern gefallen hätte und ich konnte gar nicht begeistert genug erzählen. Sie lachten mit mir und freuten sich und ich fühlte mich schon fast ein kleines bisschen zu Hause. Meine Eltern hatten mir eine SMS geschrieben, dass sie mit dem Auto unterwegs durch die Wüste waren und wohl bald in der Zeltstadt beim Ausgrabungsort ankommen würden und dass es ihnen gut ging. Ich dachte zwar an sie aber momentan überlagerte die Vorfreude Nik bald wiederzusehen alles. Aber das beunruhigte mich, ich kannte mich so nicht, ich war bekannt als unnahbar und rational was Jungs anging, niemand hatte bisher besonderes Interesse an mir gezeigt und andersherum war es genauso. Was war denn auf einmal anders?
    Ich fragte gleich noch Betty und Klaus, ob ich mit auf dieses Jugendcamp fahren dürfte. Sie hatten nichts dagegen und so war auch das beschlossene Sache.
    Als wir dann die Kirche betraten nahm Lukas mich mit auf die Empore, dort saßen die ganzen Jugendlichen – einschließlich Nik. Er lächelte wieder, als er mich sah, aber ich konnte ihn nicht wirklich begrüßen, es war alles schon so still und um ihn herum war alles besetzt. Mandy saß an seiner linken Seite und verwickelte ihn in irgendein Gespräch. Das ärgerte mich, aber schließlich kannte er sie schon viel länger als mich, klar, dass sie sich ab und zu wenigstens etwas zu erzählen hatten. Den ganzen Gottesdienst über hörte ich Klaus nicht in dem Maße zu, wie er es sicherlich verdient hatte, meine Augen waren bei Nik. Ab und zu trafen sich unsere Blicke, er sah aber auch wieder gut aus... heute trug er eine schwarze Jeans, die etwas enger war als die von gestern, und dazu einen braunen Ledergürtel. Obenrum hatte er ein schwarzes Langarmshirt an, mit drei Knöpfen am Ausschnitt. Geradezu verboten perfekt sah er aus mit seinem blonden Haar. Im Tageslicht stachen seine blauen Augen noch offensichtlicher aus seinem Gesicht. Ich starrte und starrte und auf einmal spürte ich einen Ellenbogen in meiner Seite, erschrocken fuhr ich herum und sah in das spöttische Gesicht von Lukas:
    „Hör auf ihn anzustarren!“ raunte er mir zu.
    „Mach ich doch gar nicht!“ zischte ich zurück.
    Ich war knallrot geworden und hoffte, dass er der einzige wäre, dem das auffallen würde.
    „Klar! Ist mir gestern auch schon aufgefallen. Du solltest das nicht so offensichtlich zeigen, dann kriegt es Mandy mit und verprügelt dich am Ende noch!“
    „Wieso, ist sie seine Freundin?“ fragte ich, gespannt wie ein Flitzebogen, endlich ein paar Infos über Nik zu kriegen.
    „Nein, er hat keine, aber sie steht total auf ihn, sie weicht ihm seit der Geschichte mit seiner Ex nicht mehr von der Seite.“
    Ich freute mich, keine Freundin!
    „Was denn für eine Geschichte?“ fragte ich scheinbar gedankenverloren, aber er hatte absolut meine Neugier geweckt.
    „Erzähl ich dir später. Und du stehst also auf Niklas?“ fragte er kichernd.
    Ich warf ihm einen unfreundlichen Blick zu und beschloss, es erst mal dabei zu belassen. Aber heute Nachmittag würde ich ihn nicht eher in Ruhe lassen, ehe er mir nicht alles über Nik, seine Ex und Mandy erzählt hatte.
    Die restliche Zeit ließ ich mir seinen Namen auf der Zunge zergehen… Niklas…

  3. #3
    Kerry

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    Weiter! Wenn ich mal angefangen hab, was zu lesen, muss ich immer wissen wie's weitergeht
    Liebe Grüsse Kerry

    Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum. - Friedrich Nietzsche

    Mein Blog

  4. #4
    Emily Blue

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    Die Geschichte ist super!! Wirklich, du solltest das irgendwo einschicken oder so, ich liebe die Geschichte!!
    Ich freu mich schon auf den nächsten Teil

  5. #5
    Milk&Hanni

    Themenautor

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    YTeil 3

    Als der Gottesdienst dann beendet war erhoben sich um uns herum alle nach und nach und Stimmengewirr brandete auf. Ich hatte mich die letzten Minuten sehr konzentriert nicht zu Nik zu sehen und umso erfreuter war ich dann, als er auf einmal vor mir und Luke auftauchte:
    „Hey Luke, Roxy.“ sagte er mit einem charmanten Lächeln auf den perfekt geschwungenen Lippen.
    „Hi.“ gab Luke zurück während er aufstand.
    Ich kramte unter dem Stuhl meine Sachen zusammen und währenddessen sprach Nik weiter:
    „Kommt ihr heute Nachmittag auch mit rüber ins Zentrum? Zum Billard-Turnier? “
    Billard? Davon verstand ich was. Allerdings hatte ich nicht mitbekommen, dass heute ein Turnier steigen sollte.
    „Ich auf jeden Fall.“ antwortete Luke, „Was ist mit dir Roxy? Hast du Lust? Wir haben zwei Tische im Keller und veranstalten ab und zu solche Turniere.“
    „Klar, gerne. Das kann ich sogar.“ grinste ich frech.
    Zumindest sollte es so aussehen, ich war immernoch total überfordert in meiner Rolle als begehrenswertes neues Gesicht. Ich wollte aufstehen, da tauchte eine Hand mit langen, schlanken Fingern und sauberen, kurzen Fingernägeln vor mir auf. Ich blickte nach oben, direkt in Niks Augen, er hielt mir die Hand hin um mir aufzuhelfen. Sein Gesicht war freundlich und ein wenig verschmitzt. Nachdem ich kapiert hatte, ergriff ich seine Hand und er zog mich hoch. Seine Hand fühlte sich warm und weich an und ich war ein kleines bisschen begeistert, gentlemanlike. Als ich dann stand grinste er und ein wahnsinniger Schauer lief mir den Rücken runter.
    „So? Da bin ich ja mal gespannt.“ sagte er mit einem herausfordernden Blick.
    Ich war kurz vorm dahinschmelzen. Aber leider war ich nicht allein mit ihm. Patrick, Ben und Thomas kamen, um uns zu begrüßen und sie verwickelten Nik auch gleich in ein Gespräch. Sie nahmen ihn mit und ich war schon ganz traurig, aber da drehte er sich noch einmal zu mir um und sagte:
    „Bis dann!“
    „Ja...“ sagte ich und Lukas musste mir wieder den Ellenbogen in die Seite rammen, damit ich auf den Boden zurückkehrte.
    Verdammt, ich wurde eine von denen! Eine von den Verliebten, Unzurechnungsfähigen... Ich erntete einen boshaften Blick von Mandy und machte mich schnellstens hinter Lukas her, um ihr zu entfliehen.
    Nach dem Mittagessen schnappte ich mir gleich Lukas und zerrte ihn in mein Zimmer.
    „So. Du wolltest mir da ja was erzählen.“ fing ich an.
    Er grinste dümmlich und ich wurde schon ungeduldig.
    „Na, da is ja eine neugierig!“
    „Du hast es versprochen!“ ereiferte ich mich.
    „Ich weiß, ist ja schon gut, ich erzähl dir ja alles.“ lachte er.
    Wir ließen uns auf mein Bett fallen und dann begann er mit wichtiger Mine zu sprechen:
    „Nik hatte lange Zeit eine Freundin, Christina. Sie sind zusammengekommen, da waren sie beide erst 14 Jahre alt, sie ging hier in unsere Gemeinde und in seine Klasse in der Schule. Vor ungefähr... na ja ich glaube schon wieder fast einem halben Jahr hat er sie erwischt wie sie einen anderen Typen küsst. Also nicht nur so küsst, nein, sie waren irgendwie schon halb nackt und er hatte seine Hände sonst wo. Und weißt du, wer der Kerl war? Einer seiner besten Freunde, Tom. Nik hat ihn geschlagen und Christina hat er ihre Sachen gegeben und sie, ohne ein Wort zu sagen, rausgeschmissen. Es muss wohl schon länger heimlich was zwischen den beiden gelaufen sein, so eine blöde Kuh, was? Er hat ihr vertraut und sie tut so etwas! Seit dem kommt sie nicht mehr zur Kirche, aber in der Schule wirst du sie sicherlich auch noch kennen lernen. Nik spricht kein Wort mit ihr, aber sie versucht schon seit geraumer Zeit alles wieder gut zu machen. Tom genauso, in der Schule wirst du ihn sehen. Er will immer noch mit Christina zusammen sein und ständig gibt es Ärger zwischen ihm und Nik. Und Mandy hat halt ihre Chance gewittert und versucht seit dem Niklas aufzumuntern und zu trösten, weißt du? Sie zwingt ihm ständig Gespräche auf und liegt im totalen Zickenkrieg mit Christina. Wenn du dir etwas mit Nik vorstellen kannst solltest du das wissen...“
    Ich runzelte meine Stirn. Es gab ja richtige Liebesdramen hier auf dem Dorf! Auf einmal hatte ich keine Lust mehr in einen solchen Zwiespalt reinzurutschen, ich verspürte überhaupt keine Lust mich sofort in den Mittelpunkt des Geschehens zu bringen. Er schien also hart umkämpft zu sein, wer weiß wie viele Mädchen mich dann hassen würden. Ich sagte:
    „Wow. Das ist ja... interessant.“
    „Ändert das was an deiner Einstellung ihm gegenüber?“
    „Ja, klar, ich will mich ja nicht in den Krieg stürzen...“
    „Aber er ist doch nicht daran schuld! Meinst du das echt?“
    „Ja! Ich will mir nicht den Zorn der ganzen Mädels aufhalsen! Ich muss noch eine Weile hier bleiben...“
    „Ach, mach dir nicht solche Sorgen! Mit denen wirst du doch fertig!“
    „Vielleicht. Aber ich will mir auch nichts vormachen. So ein Traumtyp will doch nichts von einer wie mir wissen.“
    „Ich hab dir doch schon mal gesagt, du bist hübsch! Du siehst super aus! Wie kannst du das nicht wissen? Du hast den Mädchen hier einiges voraus.“
    Das sah ich anders, aber ich wollte auch nicht rumjammern. Luke versuchte noch eine ganze Weile mich zu beruhigen und mir Mut zu machen, aber ich weigerte mich, dass alles schon so zu sehen, ich wollte es nicht zulassen, mir Hoffnungen zu machen. Ich konnte es zwar nur erahnen, aber ich wollte nicht unbedingt wissen, wie schlimm es dann wäre, verletzt zu werden. Ich wählte meine Kleider für das Billard-Turnier trotzdem mit Bedacht aus und entschied mich dieses Mal für einen Knielangen Jeansrock. Darüber trug ich einen schwarzen Kapuzenpullover mit roten Kontrastnähten von meiner Lieblingsmarke. Schwarze Strumpfhosen, schwarze Schuhe, fertig.
    Nik sah wieder einfach nur umwerfend aus. Als ich mit Luke eintrat, war er schon da und hob zum Gruß seine Hand. Seine schwarze Jeans hatte er noch an, aber dazu trug er dieses Mal ein blaues T-Shirt, es schmiegte sich an seinen Oberkörper wie angegossen und ich liebte den Kontrast zwischen dem blau und dem Blond seiner Haare. Er lächelte. Was tat ich? Ich lächelte zurück, obwohl ich ja eigentlich abweisend sein wollte... aber ein Lächeln von ihm, überhaupt nur sein Anblick, ließ mein Herz schon höher schlagen.
    „Jetzt möchte ich aber Beweise für deine Worte heute morgen sehen!“ rief er mir schon von Weitem zu.
    Ich rief mir ins Gedächtnis, dass ich mich nicht so gnadenlos von ihm einwickeln lassen wollte. Innerlich versteifte ich mich und schaffte es, meinen abweisenden Gesichtsausdruck aufzusetzen, mich würde er nicht so leicht bekommen. Wenn er mich wollte, würden wir uns erst mal kennen lernen müssen. So gut er auch aussah, ich ließ mich an diesem Nachmittag nicht mehr davon beeindrucken. Ich spielte gut und es machte mir Spaß. Luke feuerte mich die ganze Zeit total lieb an. Er war beeindruckt und das reichte mir für den Anfang, ich brauchte Niks Anerkennung gar nicht. Ich war doch Roxy, kein Typ brachte mich so leicht aus der Fassung. Ich ließ ihm genauso viel Aufmerksamkeit zukommen wie jedem anderen auch. Ich quatschte mit einem etwas unscheinbar aussehenden Mädchen namens Elisa, sie war mir im Jugendkreis gestern nicht wirklich aufgefallen, aber heute war sie mir gleich sympathisch. Außer ihr waren natürlich noch Mandy und ihre Hühner da, aber sie spielten nicht lange mit. Es freute mich maßlos, dass ich besser war als sie alle! Ich war die Schadenfreude in Person. Den ganzen Abend bemühte ich mich, Nik nicht zu direkt in die Augen zu sehen. Ich hatte durchaus das Gefühl, dass er immer wieder meinen Blick suchte und seinen Charme einzusetzen versuchte, doch ich stellte mich blind, taub und völlig wahrnehmungsgestört. Welches Mädchen würde denn nicht auf ihn einsteigen? Genau das war es ja, was mich störte, ich wollte nicht eine von vielen sein, nicht so wie alle. Ich wollte erst wissen, wie er wirklich war. Ich spielte mich bis ins Viertelfinale, mein Gegner war - Nik. Als wir an den Tisch traten sagte er:
    „So Roxy. Dann wünsche ich dir mal viel Erfolg...“ und grinste.
    Ich dachte nur, was für ein Angeber er war und antwortete:
    „Denkst du, dass ich das brauche? Ich denke eher du könntest ein wenig Glück brauchen.“
    „Haaa! Das werden wir ja sehen. Du darfst anfangen.“ sagte er ganz Gentleman, aber ich hatte keine Lust darauf.
    „Wieso? Weil ich so hilflos bin?“
    „Eher wegen der süßen Locken und der funkelnden Augen.“ gab er ganz schön frech zurück.
    „Pah! Das glaub ich ja nicht! Wir ziehen Streichhölzer, niemand sollte einen Vorteil wegen seines Aussehens haben, oder? Außerdem geht blond vor brünett.“
    „Wie kommst du darauf? Blond vor brünett? So ein Schwachsinn! Eher andersrum... aber na gut. Ich wollte nur nett sein.“
    Während er das sagte, sah er mir direkt ins Gesicht und ich zwang mich ruhig zu bleiben und seinem Blick standzuhalten:
    „Das habe ich nicht nötig.“ sagte ich, aber ich grinste dabei, wollte ja nicht so zickig sein.
    Dann zogen wir und er durfte beginnen.
    Sein Anstoß war sehr gut, er lochte auch gleich zwei Kugeln ein. Das Spiel ging so weiter, wir waren uns ebenbürtig und spielten fantastisch.
    „Ich nehme alles zurück, “ sagte er entschuldigend zwischendurch, „du brauchst tatsächlich keine Hilfe.“
    „Nein.“
    „Ich werde trotzdem gewinnen. Schon allein weil ich größer bin als du. Ich komme besser ran.“
    „Manchmal kommt es darauf nicht an.“
    „Manchmal schon.“
    „Du bist ganz schön von dir eingenommen, was?“ damit lochte ich wieder eine Kugel ein.
    „Aber nur was Billard-Spiel angeht.“ betonte er, „Ich kann einfach spielen, dass muss ich doch nicht verheimlichen.“
    Ich fragte mich ob das die Wahrheit war. Mit dem Aussehen, mit dem er gesegnet worden war, könnte ich es definitiv nachvollziehen, wenn er ein bisschen arrogant wäre. Wahrscheinlich gehörte das dazu.
    Am Ende versenkte ich meine letzte Kugel als erste, jetzt musste ich nur noch die Schwarze loswerden. Auch Nik hatte bis auf eine alle Kugeln versenkt.
    „So, jetzt führe ich. Und? Binde ich dir das sofort auf die Nase?“
    „Klar! Was machst du denn sonst gerade?“
    Ich warf ihm als Antwort nur einen finsteren Blick zu und konzentrierte mich dann wortlos auf die letzte Kugel. Es ging daneben.
    „Schade.“ sagte Nik herausfordernd und wieder mit einem intensiven Blick.
    „So ist das Leben.“
    Ich schaffte es wieder, ihm standzuhalten. Er beugte sich über den Tisch, legte den Queue an, konzentrierte sich und – lochte ein. Jetzt stand es wieder gleich zwischen uns.
    Triumphierend sah er hoch zu mir, doch er schien sich jeden Kommentar zu verkneifen. Zu allem Übel lag die schwarze Kugel für ihn sogar relativ günstig, es war kaum noch zu versauen.
    „Na los.“
    Ich deutete auf den Tisch.
    „Dann ist es vorbei...?“
    „Ist es nicht der Sinn des Spiels, das einer gewinnt?“
    „Bist du dann sauer auf mich?“
    „Ich kann verlieren.“ sagte ich nur.
    Daraufhin lehnte er sich über den Tisch und beendete das Spiel. Er hatte gewonnen. Es machte mir wirklich nicht viel aus, auch wenn ich ihn verdammt gerne besiegt hätte. Aber er hatte eben mehr Glück gehabt als ich.
    „Na dann... Herzlichen Glückwunsch.“
    „Danke. Du warst wirklich sehr gut. Ich würde gern mal wieder gegen dich spielen.“
    „Die Gelegenheit wird sich bestimmt mal bieten.“
    Damit reichte ich ihm die Hand und zog mich zurück. Ich setzte mich auf die Couch zwischen Patrick und Luke. Immerhin war ich als letztes Mädchen ausgeschieden und alle beglückwünschten mich und sagten mir, dass ich gut gespielt hatte. Ich war ein klitzekleines bisschen stolz und merkte mal wieder, dass ich mich inmitten dieser fremden Leute wohl fühlte. Nik gewann sein nächstes Spiel, aber im Finale verlor er gegen Sven.
    Nachdem der Sieger feststand war der Abend noch nicht zu Ende, wir saßen noch lange zusammen und spielten Karten und redeten. Ich hatte die ganze Zeit darauf geachtet Nik nicht zu nahe zu kommen und ihm nicht zu verraten, dass ich ihn sehr wohl wahrgenommen hatte. Doch immer wieder ertappte ich mich dabei, dass ich ihn ansah und ihn beobachtete. Hoffentlich merkte der Kerl nichts davon... Er sah ja auch nahezu himmlisch aus...
    Ich hatte mit Patrick über den Jugendurlaub geredet und allen erzählt, dass ich mitkommen würde, da fiel mein Blick mal wieder zu Nik. Mandy hatte sich neben ihn gesetzt und sie waren sich sehr nah. Ihre verführerisch glänzenden Lippen bewegten sich und währenddessen verzogen sich Niks nicht weniger verführerische Lippen zu einem traumhaft schönen Lächeln. Lukas hatte mir erzählt er wäre Mandy gegenüber abgeneigt, das sah mir aber ganz und gar nicht danach aus! Überhaupt, wann immer ich Nik in meinen ersten Stunden hier in diesem Kaff gesehen hatte, war Mandy nicht weit gewesen. Ich drehte mich um zu Luke und warf ihm einen finsteren Blick zu. Fragend blickte er zurück, doch bevor ich ihm noch mehr mit meinen Blicken erzählen konnte, hörte ich meinen Namen und wandte mein Gesicht der Person zu, die ihn ausgesprochen hatte. Es war ein unscheinbar wirkendes Mädchen, das mir vorher auch noch nicht wirklich aufgefallen war. Ich sah mitten in große grüne Augen, aber das war auch das einzige an ihr, das bemerkenswert war. Nicht, dass sie hässlich war, ganz sicher nicht, aber sie trug nicht mal die Spur von Make-up, nicht mal Wimperntusche oder ein bisschen Puder. Gleich stellte ich mir vor, was man alles aus ihr machen könnte, eine neue Frisur wäre wichtig. Ihr Haar trug sie einfach lang, ohne Schnitt, ohne Pony, ohne Farbe. Sie hatte dieses typische aschblonde Haar, ein paar Strähnchen würden schon Wunder wirken. Ich erinnerte mich an ihren Namen, Fiona.
    „Ja?“ antwortete ich ihr.
    „Weißt du schon mit wem du in ein Zimmer gehst? Ich meine nächste Woche?“
    „Nein... äh... ich hab mir darüber noch gar keine Gedanken gemacht.“
    „Du kannst mit zu uns! Pia, Dina und ich haben noch ein Bett frei.“
    „Danke, das ist echt lieb! Freut mich! Wann fährt noch mal der Bus ab?“
    „Punkt 8 Uhr.“ mischte sich Ben mit ein.
    Sie erzählten mir noch mehr. Wir würden in einer Burg die zur Jugendherberge umgebaut war wohnen und jeden Tag Ausflüge und sowas machen. Ich freute mich komischerweise richtig! Welcher normale Mensch freut sich mit einer kirchlichen Jugendgruppe eine Woche in eine Jugendherberge zu fahren?!
    Nach und nach gingen alle nach Hause und verabschiedeten sich auch bei mir. Ich kannte inzwischen fast alle Namen und hatte besonders Fiona schon irgendwie lieb gewonnen.
    Lukas, Nik, Fiona, Ben und ich waren die letzten, räumten auf und gingen gemeinsam nach oben. Lukas verschwand noch mal auf Toilette und ich wartete im Foyer auf ihn. Fiona strahlte mich an als sie sagte:
    „Bis Morgen! Ich freu mich schon.“
    Ich winkte ihr hinterher und freute mich auch.
    Ich dachte ich wäre allein als auf einmal eine wohlbekannte Stimme hinter mir sagte:
    „Das erste Wochenende hier ist schnell vergangen, was?“
    Ich wirbelte herum und stand unmittelbar vor Nik. Er hatte ein schwarzes Military-Cap aufgesetzt und sein blondes Haar lugte ein wenig wirr darunter hervor.
    „Unglaublich. Ich hätte nie gedacht, dass ich mich schon heute so wohl hier fühlen würde.“
    „Der Pastor hat dich gut aufgenommen?“
    „Ja, total nett, auch Betty. Und Lukas mag ich jetzt schon. Die beiden Schwestern kenne ich noch nicht, die sollen aber heute noch kommen oder?“
    „Ja. Lukas ist echt ein witziger Kerl, seine Schwestern sind da etwas... konservativer. Aber du wirst schon mit ihnen klarkommen, bist ja nicht kontaktscheu.“
    „Eigentlich... bin ich das schon. Komischerweise nur hier nicht. Bis jetzt... was meinst du denn mit ‚konservativ’?“
    „Dass sie anders als Lukas sind, ernster. Du bist also eigentlich schüchtern?“ fragte er mich mit einem umwerfend süßen Grinsen.
    „Naja, zumindest dachte ich das bis gestern von mir.“
    „Ich fand dich gleich nett und aufgeschlossen. Du hattest gar keine Angst vor mir, dabei war es dunkel und ich kam wie aus dem Nichts.“
    „Ich war viel zu überrascht. Ich konnte ja nicht nachdenken.“
    „Du passt gut hierher.“
    Bei diesen Worten trafen sich unsere Blicke und ich konnte es nicht verhindern, dass ich ein paar Sekunden in seinen blauen Augen hängen blieb. Dann sagte ich:
    „Ich warte noch wie ich in der Schule zurechtkomme, bevor ich mir ein Urteil darüber bilde.“
    „Davor brauchst du erst Recht keine Angst zusammen. Vielleicht haben wir ja ein paar Kurse zusammen.“
    Immernoch sahen wir uns an.
    „Was dann? Willst du mich herumführen?“
    Mein Ton war ein wenig zu spöttisch geworden und ich ärgerte mich sofort darüber.
    „Nur wenn du willst.“
    Er blickte nach unten. Sofort schrie es in mir: JA! Aber ich hatte keine Chance mehr zu antworten, Lukas tauchte mit polternden Schritten auf und sagte:
    „Alle anderen schon weg? Is aber nett von dir Nik, dass du auf meine Mitbewohnerin aufpasst.“
    Er versetzte ihm einen Schlag auf die Schulter. Ich verzog mein Gesicht und Nik antwortete schlagfertig:
    DU solltest besser aufpassen. Sie ist schon mal im Dunkeln mit einem fremden Kerl zusammen gerannt.“
    „Bloß gut hat sie ja gleich gemerkt, dass du harmlos bist, nicht war Rox?“
    „Lass uns gehen Luke.“ sagte ich ohne mit der Wimper zu zucken.
    „Ok. Bis Morgen Nik. Bleib sauber.“
    Nik zog nur die Augenbrauen hoch und sagte dann zu mir gewandt:
    „Schlaf gut. Bis Morgen.“
    Ich wünschte ihm dasselbe, lächelte noch kurz zum Abschied und weg war ich, Luke hinterher.

  6. #6
    Milk&Hanni

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    Ich holte ihn in wenigen Schritten wieder ein, er grinste mich wissend an und sagte:
    „Ich denke du willst nichts von ihm, wegen seiner Geschichten!“
    „Wie kommst du darauf, dass ich etwas von ihm will?!“
    „Du flirtest mit ihm!“
    „Kein bisschen!“
    „Den ganzen Abend!“
    „Ich habe mich mit ihm unterhalten wie mit jedem anderen hier!“
    „Und wahrscheinlich denkt jeder andere Junge auch, dass du mit ihm geflirtet hast.“
    „Was??“
    „Roxy, merkst du überhaupt nichts? Du bist überall supergut angekommen!“
    „Ich habe mir extra Mühe gegeben Nik so zu behandeln wie jeden anderen auch! Und ich schwöre dir, flirten geht anders. Ich war heute extra distanziert zu Nik!“
    „Dann lächelst du immer so viel? Ich könnte schwören, dass du Chancen bei Patrick, Benni, Thomas und natürlich Nik hast.“
    Innerlich freute ich mich wie ein dämliches kleines Kind als er Niks Namen erwähnte, aber mein Kopf hielt dagegen und ich sagte mir: Ich kenne den Typ gar nicht! Umso resoluter versuchte ich Luke zu überzeugen:
    „Ich bemühe mich nur mit allen auszukommen und einen guten Eindruck zu machen! Ich bin auch ganz sicher nicht mit der Absicht hierher gekommen mir jemanden anzulachen! Das ist überhaupt nicht mein Ding, ich hatte noch nicht mal einen Freund, ich kenne mich damit wirklich nicht aus! In Berlin hat in den letzten Jahren niemand so auf mich reagiert, und jetzt willst du mir weismachen der halbe Jugendkreis steht nach 24 Stunden auf mich? Lukas du spinnst. “
    „Du hast echt keine Ahnung! Und wenn die Kerle in Berlin so dämlich sind...“
    „Nein, du hast keine Ahnung. Nur weil ich mich normal mit allen unterhalte bedeutet dass von meiner Seite her noch überhaupt nichts.“
    „Aber Nik magst du trotzdem.“
    „Nein. Nur weil er gut aussieht muss ich mich ihm noch lange nicht an den Hals werfen.“
    „Bin ich ja mal gespannt. Du wirst es die Woche schon noch merken, sie werden alle was bei dir versuchen.“
    „Ich kann ganz schön abweisend sein.“
    „Wir werden sehen.“
    „Ja das werden wir. Und nur für den Fall, dass es dich interessiert, Nik hat mich vorhin über dich ausgefragt.“
    „Was wollte er denn wissen?“
    Ich tat gelangweilt obwohl ich seine Antwort kaum erwarten konnte! Wie jetzt, er erkundigte sich über mich? Naja, wahrscheinlich normal, ich bin halt erst mal die Neue.
    „Ob du einen Freund hast zum Beispiel. Und wie ich dich finde.“
    „Du? Und?“ grinste ich.
    „Ich konnte ihn beruhigen, die einzigen Ansprüche, die ich auf dich erhebe sind die eines kleinen Bruders.“
    „Im Ernst? Du willst mein kleiner Bruder sein?“
    „Natürlich! Dein richtiger Bruder ist ja nicht da um auf dich aufzupassen!“
    „Auf mich muss man nicht aufpassen, ich habe mich schon ganz alleine in Deutschlands größter Stadt zurechtgefunden.“
    „Ich dachte auch eher daran, dass dir einer die ganzen Kerle vom Hals halten muss.“
    Ich versetzte ihm einen Schlag auf den Arm:
    „Jetzt hör aber mal auf damit!“
    „Schon gut.“
    Wir waren am Haus angekommen, liefen die Treppen nach oben und wurden gleich lautstark von zwei Mädchen begrüßt. Die kleinere hatte das blonde Haar in zwei Zöpfen geflochten und wirkte sehr burschikos in weiten Hosen und einem einfarbigen Pullover. Die größere wirkte etwas unförmig obwohl sie durchaus schlank war, aber ihre wilden blonden Locken standen ihr unfrisiert vom Kopf ab und die Augenbrauen wucherten über den Augen, dass alles erfasste ich auf den ersten Blick. Die Ältere, also Dina begrüßte zuerst Lukas, kam dann aber gleich auf mich zu:
    „Hallo, ich bin Dina, du musst Roxy sein! Schön, dass du da bist!“
    „Genau die bin ich, danke. Ich freue mich sehr, dass ich bei euch sei kann.“
    „Ich bin Nina.“ sagte die Jüngere und streckte mir ihre knubbelige Hand entgegen.
    Ich ergriff sie und war froh, als Klaus und Betty mit ihrer Befragung weitermachten, sie nahmen der Situation irgendwie die Förmlichkeit. Ich nutzte die Gelegenheit und verschwand in mein Zimmer. Ich musste meine Habseligkeiten für die kommende Woche schließlich noch zusammenpacken, alles war ja noch nicht ausgepackt. Ich schmiss einfach ein paar Klamotten wieder in meine Tasche und suchte mir einen Schlafanzug und Handtücher heraus.
    Dann setzte ich mich an meinen Schreibtisch und klappte das Notebook auf. Ich wählte mich in Skype ein und kontaktierte meine Eltern. Meine Mutter meldete sich und sie erzählte mir lange von der Reise, der Zeltstadt voller Wissenschaftler in der sie jetzt leben würden und von den Aufregenden Funden, die schon gemacht wurden. Schon morgen würden sie und mein Vater bei den Ausgrabungen mitmachen. Ich war froh von ihnen zu hören und erzählte auch mein Wochenende. Mam war unglaublich erleichtert, dass ich mich gut mit Klaus und seiner Familie verstand und sie war richtig begeistert von mir, dass ich mit dem Jugendkreis wegfahren wollte. Sie kannte mich ja und konnte es kaum fassen, dass ich so schnell Anschluss gefunden hatte.
    Ich ging duschen und schmiss mich dann ins Bett. In meinem Kopf spukten Bilder von einem umwerfend gutaussehenden blonden Jungen herum und auch andere Gesichter, die alle nett lächelten, flackerten vor mir auf. Ich hatte es tatsächlich geschafft an einem Wochenende mehr Menschen kennen zu lernen als in meinem bisherigen Leben. Ich hatte keine Angst vor der Schule mehr und würde morgen mit Leuten wegfahren, die ich vor einer Woche noch nicht mal gekannt hatte! Und noch etwas fiel mir an mir auf. Nik besserte meine Laune erheblich auf. Das Wissen, dass er morgen dabei sein würde, dass ich ihn eine Woche lang jede Minute sehen würde, das ließ mich an die Decke grinsen. Verdammt, Roxana, lass dich nicht einwickeln! Vergebens versuchte ich mir nicht zu viel einzubilden und mir keine Hoffnungen zu machen. Aber für jemanden, der in Sachen Verliebtsein so unerfahren war wie ich war so viel Aufmerksamkeit auf einmal ganz schön seltsam und fühlte sich irgendwie gut an. Bald schlief ich ein und erwachte erst vom Wecker am nächsten Tag wieder.

  7. #7
    wunderschoenewelt
    Neuling

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    ooh die geschichte is so süß!
    ich warte schon ewig auf den 4. Teil

    liebe grüße

  8. #8
    Emily Blue

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    Ich warte auch schon ewig auf den 4. Teil! Hoffe der kommt bald! Ich find die Geschichte nämlich echt toll
    LG, Emily

  9. #9
    Milk&Hanni

    Themenautor

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    Teil 4

    Der Bus fuhr vom Gemeindezentrum ab, also hatte ich es nicht weit. Dina, Lukas und ich trafen uns später gut gelaunt in der Küche und frühstückten noch in aller Ruhe. Ich hatte mir wohlüberlegt, was ich anziehen sollte und mich für eine graue Röhrenjeans und darüber ein lilafarbenes T-Shirt entschieden. Ich wusste nicht wie warm es im Bus werden würde, zumindest regnete es draußen nicht und es waren nicht viele Wolken am Himmel zu sehen. Also zog ich mir noch eine schwarze Strickjacke mit Kapuze über das T-Shirt. Meine Haare trug ich offen, nur die Pony-Partie hatte ich seitlich nach hinten geklemmt. Da ich leider mit nicht ganz so reiner Haut gesegnet war ging ich nie ohne ein bisschen Make-up aus dem Haus. Heute hatte ich meine Augen noch schön betont und fühlte mich eigentlich ganz wohl in meiner Haut. Nach dem Frühstück holten wir unsere Taschen, ich schnappte mir noch Jacke und Halstuch und dann verabschiedeten wir uns von Betty. Ich hüpfte hinter Luke, Klaus und Dina die Treppe nach unten. Sie trug einen roten Pullover und eine einfache, gerade geschnittene Jeans, die an keiner Stelle besonders gut saß. Warum kaufte sie sich nicht mal eine passende Hose? Sie hatte gar keine schlechte Figur, sie müsste einfach nur die richtigen Klamotten tragen. Auch heute trug sie ihre wilden Haare wieder einfach offen, und ihr Gesicht war ganz und gar ungeschminkt. Ich nahm mir vor, Dina ein bisschen zu helfen mehr aus sich zu machen, das müsste doch eigentlich im Sinne eines 16-jährigen Mädchens sein. Wir traten aus der Haustür und blickten auf einen großen Reisebus. Grüppchen standen schon davor, einige saßen schon abfahrbereit drin. Martin, der Jugendleiter und Feli, seine Freundin standen am Eingang und hakten alle erschienenen auf ihrer Liste ab. Patrick winkte gutgelaunt und breitarmig und hinter ihm stand Nik, gottgleich, seine Haare hatte er hinter die Ohren gestrichen und seine Hände steckten in den Taschen seines dunkelblauen Anoraks. Nach wenigen Schritten hatten wir den Bus erreicht, Patrick sagte mit einem unglaublich sonnigen Lächeln:
    „Na guten Morgen, Roxy. Du siehst ja wieder bezaubernd aus heute!“
    Ich konnte es in der ersten Millisekunde nicht fassen, dass er mir ein so offensives Kompliment machte, aber schon in der nächsten Millisekunde war aus mir, Mrs. Unscheinbar, auf einmal Mrs. Schlagfertigkeit geworden. Irgendwie tat die frische Landluft mir und meinem Selbstbewusstsein gut und ich antwortete ohne rot zu werden:
    „Guten Morgen. Du hast wohl gut geschlafen, was? Und da denkst du, belästigst du mal die Neue ein bisschen, hm?“ ich zwinkerte und grinste ihn an um meine Worte zu entschärfen.
    „Nie und nimmer! Ich wollte dir lediglich sagen, dass du gut aussiehst, einfach nur weil ich meine, dass du das wissen sollst.“
    Er war offensichtlich flirty drauf heute, na das würde ja ein Spaß werden. Die Absurdität mit einer Kirchenjugendgruppe auf eine Art Ferienlager zu fahren wäre mir vor einer Woche noch nicht mal eingefallen, so abwegig war das alles. Ich grinste in mich rein, als ich darüber nachdachte. Patrick erntete für seine Offenherzigkeit einen Schlag vor die Brust von Lukas und das lenkte ihn von mir ab. Ich wandte mich Fiona zu, die winkend aus dem Bus stieg, nach drei großen Sätzen vor mir stehen blieb und mich gleich in ihre Arme riss. DAS war neu für mich. Körperliche Nähe, ob nun zwischen Jungs oder Mädchen, praktizierte ich nicht unbedingt. Die einzigen, mit denen ich mich zur Begrüßung umarmte waren meine Mutter und Alissa. Naja, und Klaus und Betty hatten mich auch beide schon umarmt. Während Fiona mich umarmte fiel mein Blick auf Nik, er stand hinter ihr und schien mich schon die ganze Zeit beobachtet zu haben, zumindest lächelte er sofort, als unsere Blicke sich trafen. Fiona begann aber sofort mit mir zu reden, und ich hatte keine Chance, mich ihr zu entreißen.
    „Wow, du hast ja eine tolle Jacke an! Hast du gut geschlafen? Siehst zumindest super aus. Wenn ich früh nur so aussehen würde wie du!“
    Sie wollte so aussehen wie ich? Sie musste irgendwie ein Problem mit ihren Augen haben, sollte sie sich doch lieber wünschen so auszusehen wie Mandy, oder auch Karina, die kam gerade an und sie hatte ein wunderschön Puppengleiches Gesicht, ebenmäßig und perfekt. Mandy, blond und blauäugig, streckte ihre langen, weißbestiefelten Beine gerade aus dem Auto ihrer Eltern. Und überhaupt sollte sie eigentlich nicht wie jemand anderes aussehen wollen.
    „Du weißt ja nicht wovon du redest. Denkst du, ich bin so aufgestanden? Ich hab schon eine Weile vorm Spiegel verbracht. Du wirst diese Woche schon noch sehen wie ich früh aussehe. Und außerdem, du brauchst gar kein Make-up, sieh dir nur deine perfekte Haut an, und dann sieh dir meine an. Da willst du bestimmt nicht tauschen…“
    „Du kannst mir ja mal ein paar Tricks verraten, wenn du magst?“ fragte sie sehnsüchtig.
    „Klar, wir haben die Woche ja Zeit für sowas. Und ich habe ganz schön viel Zeugs mit dabei.“
    „Da kommt übrigens Pia, meine Freundin und unsere dritte Mitbewohnerin für diese Woche.“
    Pia hatte alles andere als ein unauffälliges Äußeres, sie hatte ein wenig mehr Mut zu Farbe, kein Kleidungsstück an ihrem Körper hatte die gleiche Farbe und der knallblaue Lidschatten ließ mich nicht minder an ihrer Liebe zum Bunten zweifeln. Sie lächelte mich freundlich an und reichte mir ihre Hand zur Begrüßung.
    „Ich bin Roxana, aber nenn mich ruhig Roxy!“ sagte ich zu ihr.
    Na da war ich ja an zwei lustige Gestalten geraten. Sie schnappten sich meine Tasche und schleppten sie hinter den Bus, wo sie verladen wurde. Ich drehte mich schwungvoll zu Lukas und Dina um und Schwupps - stand ich genau vor Nik. Beinahe wäre ich wieder mit ihm zusammengestoßen. Er hob schützend seine Hände und sagte mit einem wieder mal umwerfenden Grinsen auf dem Gesicht:
    „Hey hey! Nicht so stürmisch! Ich wollte dich eigentlich nur begrüßen...“
    „Entschuldige! Maaaan, ich weiß gar nicht was mit mir los ist! Ich bin doch sonst nicht so ungeschickt, aber anscheinend bekommst du immer alles ab...“
    „Macht doch nichts. Neben wem wirst du im Bus sitzen?“
    Warum wollte er das denn wissen, hä? Er war süß, aber das allein reichte nicht aus um mir völlig den Kopf zu verdrehen, nein, das würde ich nicht zulassen. Genau aus diesem Grund musste ich stark bleiben und normal, vor allen Dingen. Er sollte nicht denken, dass ich leicht zu haben war. Auch wenn diese Frage, neben wem ich sitzen würde eindeutig als Interesse seinerseits interpretiert werden konnte, oder? Aber nein, es konnte auch reine Höflichkeit sein, ich würde mir nichts einbilden. Und außerdem hatte ich eine einfache Antwort auf die Frage:
    „Neben Dina. Und du?“
    „Keine Ahnung, Patrick wahrscheinlich, aber nur wenn er wieder von Mandy loskommt...“ sagte er in zweideutigem Tonfall. Ich folgte seinem Blick und sah, wie Patrick mal wieder mit Mandy lachte. Er strich ihr eine Haarsträhne über die Schulter und sie lachte affektiert. Pah.. Nik schnaubte.
    „Eifersüchtig?“ fragte ich offensiv. Das ich mich das traute!
    „Wie kommst du darauf!? Niemals!“
    Er schaute mich erschrocken an.
    „Keine Ahnung. Ich bin ja erst neu und es kam mir so vor, na ja, ich hab dich und sie öfters zusammen gesehen.“
    „Ich weiß. Wir haben fast alle Kurse gemeinsam und wir kennen uns schon seit wir kleine Kinder waren. Aber du musst mir glauben, ich mag sie nicht... so...“
    „Wie ‚so’?“ hakte ich schelmisch grinsend nach und woher zum Geier nahm ich diesen Mut??
    „Na gut. Ich stehe nicht auf sie, das meintest du, oder?“
    Er starrte mir gerade zu in die Augen während er das sagte, aber sein Gesichtsausdruck war weiterhin freundlich.
    „Ja.“ Ich musste letztendlich doch meinen Blick senken, „Tut mir Leid, ich wollte nicht neugierig sein.“
    „Kein Problem. Ich war auch neugierig, ich habe Luke ein paar Fragen über dich gestellt...“
    Ein wenig verlegen kratzte er sich am Kopf.
    „Ich weiß, hat er mir erzählt.“
    „Echt? Das sollte er aber nicht.“
    „Er ist jetzt schon wie ein kleiner Bruder für mich, das ist total verrückt!“
    „Das freut mich. Er ist es ja eigentlich gewöhnt mit Geschwistern umzugehen. Wie findest du seine Schwestern?“
    „Ich hatte eigentlich noch keine richtige Gelegenheit mit ihnen zu sprechen. Aber jetzt auf der Fahrt kann sich das ja ändern. Wie lange fahren wir überhaupt?“
    „Mindestens 4 Stunden...“
    „Oh, doch so lange?“
    „Ja... wenn dir langweilig wird können wir ja mal tauschen.“
    „Unsere Partner tauschen? Von mir aus. Du willst wohl Dina mit Patrick verkuppeln...“
    „Sie wäre mir zumindest lieber als Mandy.“
    „Warum magst du sie eigentlich nicht? Ich meine sie sieht... wahnsinnig gut aus.“
    „Aber das allein reicht doch nicht um jemanden zu mögen. Zumindest geht es mir so.“
    „Ich finde das auch, aber ich kann mir schwer vorstellen, dass jeder Mensch das so sieht.“
    „Du meinst uns Jungs, oder? Lass es mich erklären. Sicherlich findet man Mandy auf den ersten Blick interessant, aber lern sie mal näher kennen. Sie ist nichts für jemanden, der...“
    Da wurde er, und somit unser Gespräch, von Martin unterbrochen, ich ärgerte mich maßlos:
    „Jungs, Mädels, alle einsteigen! Wir wollen los!“
    „Wir reden später weiter, ok?“ Nik bedeutete mir, vor ihm nach oben in den Bus zu steigen.
    „Ich würde mich freuen.“
    Ich wandte mich zu ihm um und sah noch einmal in sein Gesicht. Waaaaah! Er war so unglaublich gutaussehend. Ich konnte es nicht verhindern, ich wollte unbedingt so viel Zeit wie möglich mit ihm verbringen, wie sollte ich das nur anstellen? Was er mir eben gesagt hatte, gefiel mir ausgesprochen gut. Er meinte also, dass gutes Aussehen allein nicht ausreicht, was für eine edle Gesinnung! Für einen Typen, der aussah wie ein Cover-Model war so eine Aussage aber irgendwie... strange... Ich wollte unbedingt mehr darüber hören und hoffte, dass er noch mal auf mich zukommen würde. Ich wusste nicht, ob ich wieder so viel Mut haben würde, von mir aus darauf zurückzukommen. Ich ließ mich auf meinen Sitz neben Dina sinken.
    „Willst du lieber ans Fenster?“ fragte sie gleich.
    „Nein, nein, bleib nur da sitzen. Das ist mir egal.“
    Sie lächelte zum Dank und steckte ihre Nase in ein Buch. Na toll. Ich dachte wir würden ein bisschen quatschen. Ein Gesicht tauchte über der Lehne vor mir auf, und dann noch eins daneben.
    „Hi ihr Süßen!“ quietschte Pia in einer eindeutig unnormal erhöhten Tonlage. War sie so aus dem Häuschen?
    „Es geht los!“ kicherte auch Fiona.
    „Ihr seid ja total aufgeregt!“
    „Jaaaa!“ Das war wieder Pia gewesen.
    „Gibt es dafür noch einen weiteren Grund? Ist das euer erstes Mal weg von zu Hause?“ fragte ich frech.
    „Nein. Aber Pia hat da noch einen Grund, nicht wahr, Pialein?“
    „Hey, pssst!“
    „Was für einen Grund...?“ auch Dina horchte jetzt auf.
    „Ok, ich erzähls euch später, ja? Heute Abend.
    In dem Moment nahm ich eine Bewegung im Gang neben mir war, wandte mich dort hin und sah in die grinsenden Gesichter von Patrick und Nik, sie warfen sich auf die beiden freien Plätze neben mir. Nik und mich trennte nur der etwa 80 cm schmale Gang. Na so ein Zufall...

  10. #10
    Milk&Hanni

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    „Hi Mädels!“
    Patrick bedachte jede mit einem intensiven Blick aus seinen dunklen Augen und ließ seinen Charme sprühen. Pia lief rot an und Nik und ich warfen uns einen wissenden Blick zu. Pia ließ sich wieder nach unten auf ihren Sitz sinken und verschwand damit aus Patricks Blickfeld.
    Dina steckte kopfschüttelnd wieder ihre Nase in das Buch und Nik sagte:
    „Da brauchen wir wohl doch nicht tauschen.“
    Er zog sich seinen Anorak aus und darunter trug er ein schwarzweißes Baseballshirt, also ein weißes Shirt mit schwarzen Ärmeln. Ich hatte die Dinger in mehreren Farben, weil sie mir so gut gefielen, und ihm anscheinend auch. Und mir gefiel es an ihm…
    „Wir können da weiter machen, wo wir vorhin aufgehört haben.“ sagte ich, mutig wie bolle, und verdammt, ich sah ihm wieder in die Augen!
    „Lass uns das heute irgendwann machen, wenn wir angekommen sind. Da sind wir ungestörter.“
    „Ungestörter?? Wobei?“ diese wohlbekannt Stimme kam von irgendwo weiter hinten.
    „Wie du willst.“ sagte ich und ignorierte sie.
    „Was habt ihr beide denn für Geheimnisse, hä?“
    Ein blonder Strubbelkopf schoss hinter Nik nach oben, Lukas. Ich funkelte ihn an, Nik drehte sich um und sagte unglaublich trocken:
    „Das ist erst ab 16, mein Lieber.“
    „Belästige meine Schwester nicht, Schnuckel.“
    Ich platzte laut heraus, Patrick stimmte mit ein und Nik versaute Lukes Frisur, in dem er ihm durch die Haare fuhr. Der fluchte leise, grinste mich an und setzte sich wieder. Genau in dem Moment fuhr der Bus los, Klaus und ein paar Eltern winkten uns hinterher, Stimmengewirr erhob sich und ich schloss meine Augen und versuchte mich zu sammeln. Ok. Du sitzt jetzt hier also für mindestens 4 Stunden neben Nik. Versuch dich wie ein normaler Mensch zu benehmen und nicht irgendeinen Blödsinn zu reden. Oh, wie rieche ich? Hoffentlich stinke ich nicht... wie schaffe ich es jetzt unauffällig an mir zu riechen?? Lass es lieber, ich kann noch gar nicht schlecht riechen, bin doch gerade erst aufgestanden... Ob meine Haare noch gut aussehen? Gut. Bleib ruhig, Roxy, ganz egal, auch wenn sie nicht gut sitzen, darauf kommt es nicht an. Versuch einfach nichts Tollpatschiges oder Lautes zu machen. Durchatmen...
    „Roxy? Schläfst du?“
    Ich öffnete meine Augen wieder und blickte in Niks Blaue. Gott, wie schön!
    „Nee... hab nur meine Augen ein bisschen entspannt.“
    „Willst du einen Kinderriegel?“
    Ich liebte alles was irgendwie mit Kinderschokolade gemacht war.
    „Jaaa!“ strahlte ich.
    „Wie geht’s deinen Eltern? Schon was von ihnen gehört?“ mischte sich Patrick wieder mit ein während ich gierig den Schokoriegel futterte.
    „Ja. Sie sind gut angekommen und müssten jetzt schon fleißig am buddeln sein. Wie die Verrückten.“
    „Ob sie was Tolles finden?“
    „Könnte sein. Es soll dort jede Menge Gräber und so was geben.“
    „Toller Beruf.“ meinte Nik.
    „Ja, bloß, die interessanten Sachen sind im Ausland. Das heißt, wenn du ne Familie hast wird’s blöd, dann arbeitest du in nem staubigen Museum, wie meine Eltern die letzten fast 20 Jahre.“
    „Haben sie vorher schon Ausgrabungen gemacht? Ehe du geboren bist?“
    „Ja, aber ich habe noch einen älteren Bruder, also als er geboren wurde war dann Schluss. Er ist sogar noch in Kairo geboren, meine Eltern sind erst nach seiner Geburt wieder nach Deutschland gekommen. Mein Vater ist eigentlich Taucher, also er sucht auf dem Meeresgrund. Für seinen Beruf mussten sie immer am Meer leben.“
    „Aber jetzt graben sie beide, oder?“ fragte Lukas von hinten.
    „Ja, mein Vater war total aufgeregt überhaupt mal wieder in die Nähe von einem Forschercamp zu kommen, auch wenn es nur auf dem Festland liegt.“
    „Willst du auch so einen Beruf erlernen?“
    „Ich glaube nicht. Ich weiß es aber noch nicht genau. Wisst ihr es schon?“
    „Ich würde gern studieren. Vielleicht Lehramt.“ sagte Patrick.
    „Du und Lehrer?!“ lachte Luke.
    „Vielleicht. Was ist denn mit dir?“
    „Ich habe noch keine Ahnung.“
    „Was willst du werden?“ fragte ich Nik.
    „Arzt.“ sagte er ganz einfach.
    „Wow!“
    „Findest du?“
    „Ein langer Weg...“
    „Das stimmt. Ich bin mir noch nicht sicher, aber irgendwie…“
    Wir wurden unterbrochen, Mandy kam auf uns zu. Wir hatten uns über den Gang aufeinander zugeneigt und mussten ihr nun Platz machen.
    „Darf ich?“ fragte sie Nik, mich ignorierte sie völlig.
    „Sicher.“ sagte er und sowohl er als auch ich kamen ihrer Aufforderung nach. Sie blieb genau zwischen uns stehen, streckte mir ihr wohlgeformtes Hinterteil entgegen und sagte zu Nik:
    „Ich habe die Noten mit, von denen ich dir gestern erzählt habe. Also wenn du willst, du kannst sie haben.“
    „Das ist nett, wenn wir angekommen sind kannst du sie mir geben.“
    „Ich kann sie dir sofort geben, sie sind in meiner Tasche, du kannst schnell mit hinter kommen.“
    „Das brauchst du nicht, es reicht mir wenn wir angekommen sind.“
    „Ok. Bis später dann.“
    Ich musterte sie. Ihr Hintern, der wirklich verdammt scharf aussah, steckte in einer hellen, hautengen Jeans, die Beine verschwanden in den bereits erwähnten weißen Stiefeln mit Mörderabsätzen. Das wurmte mich, ich konnte auf Absätzen nicht lange ordentlich laufen, und meine Schuhe hatten maximal halb so hohe Absätze. Heute trug ich natürlich wie fast immer meine kleinen Schnürsneakers. Sie trug ein weißes Langarmshirt und darüber eine blassrosa Weste mit Fell an der Kapuze. Es sah natürlich umwerfend an ihr aus, auch wenn die Farbwahl mir nicht unbedingt zusagte. Aber ich wusste weiß Gott, es gab jede Menge Typen, denen sowas gefiel. Das kannte ich von Berlin. Dina knuffte mich in die Seite und als ich sie anblickte zog sie vielsagend eine Augenbraue hoch und blickte auf den von mir nur wenige Zentimeter entfernten Hintern. Sie verkniff sich mit viel Mühe ein Lachen und ich musste mich schnell wegdrehen, damit ich nicht laut herausplatzte. Gott, war das albern. Nachdem Mandy noch kurz gezögert hatte verschwand sie jetzt endlich wieder nach hinten. Nik sah mich entschuldigend an und sagte leise, und wieder sehr nah zu mir gebeugt:
    „Verstehst du was ich meinte? Ich versuche normal mit ihr zu reden und sie nagelt mich damit fest.“
    Ich sagte nichts darauf. Was wollte er hören? Wie arm dran er war? Wer bitte zwang ihn denn dazu, nett zu ihr zu sein? Ich blickte zu Patrick, Lukas und Benni, sie spielten Karten über die Lehne hinweg und hatten uns gar nicht mehr beachtet. Patrick verfolgte Mandy mit seinen Blicken, ich hatte schon früher gemerkt, dass er sie mochte. Naja, das wunderte mich auch nicht. Ich als Kerl würde ihr auch hinterher starren. Das machte mich gleich irgendwie niedergeschlagen, aber ich sagte mir, dass das überhaupt nichts nützte. Ich war wie ich war und ich war nun mal nicht mit blonden Haaren zur Welt gekommen. Und wenn Nik scharf auf Katz- und Maus-Spielchen war, dann war er bei mir falsch, das wollte ich ihn von Anfang an spüren lassen. Entweder er mochte Mandy, dann sollte er endlich was mit ihr anfangen, oder er mochte sie nicht, dann sollte er ihr auch keine falschen Hoffnungen machen.
    „An was denkst du?“ drang seine Stimme auf einmal wieder in mein Bewusstsein.
    Ich überlegte kurz und sagte ihm dann etwas, was ich auch wirklich wissen wollte, ich hatte zwar nicht unmittelbar daran gedacht, aber das konnte ich ihm ja schlecht sagen:
    „Noten? Wofür? Spielst du ein Instrument?“
    „Ja, Gitarre. Mandy spielt Klavier und sie hat viele tolle Noten. Wir tauschen manchmal.“
    „Das ist toll. Ich bin total unmusikalisch.“
    „Das glaube ich dir nicht. Du hast es bestimmt nie versucht, oder?“
    „Stimmt. Meine Eltern haben mich mal gefragt, ob ich ein Instrument lernen will, aber das was ich wollte, wollten sie nicht. Und da wurde nichts draus.“
    „Was wolltest du denn?“
    „Schlagzeug!“ grinste ich.
    „Schade, es wäre toll gewesen. Luke spielt Bass, wir hätten eine Band aufmachen können.“
    „Glaub mir, ich kann es wirklich nicht. Spielst du richtig gut?“
    „Nein. Nur die Sachen, die ich geübt habe.“
    „Was übst du gerade so?“
    „Du kennst doch sicher die ‚Red Hot Chili Peppers‘?“
    „M-hm.“
    „Momentan >>Under The Bridge<< und >>Road Trippin‘<<.“
    „Echt? Das sind zwei Titel aus meiner ‚Best-Songs-Ever-Liste‘!“ freute ich mich.
    Auch er lachte sein supersüßes Lachen und seine Augen strahlten:
    „Ich hab auch so eine Liste, da sind auch mehrere Sachen von der Peppers dabei.“
    „Was noch so?“
    „Hm, Beatsteaks, Leaf Fat, Blindside, Spoken, At the Drive-In…“
    „At the Drive-In und die Beatsteaks liebe ich auch!“ unterbrach ich ihn. „Aber die anderen kenne ich nicht?“
    „Willst du mal reinhören?“
    „Ja“ nickte ich glücklich, es gab in diesem Dorf einen umwerfenden Kerl, der auch noch meine Musik mochte! Ich hätte nicht gedacht, dass ich so jemanden je treffen würde. Dieses himmlische, perfekte Dorf!
    Nik reichte mir einen weißen Ohrstöpsel von seinem iPod und den anderen steckte er sich selbst ins Ohr. Den Rest der Fahrt spielte er mir Lieder vor und ich lernte neue Sachen kennen, die mir sehr zusagten. Ich durchforstete seine Playlist und stieß noch auf viele weitere vertraute Komponisten und Interpreten. Als auf einmal der Bus hielt und alle um uns herum anfingen ihre Sachen zusammenzuraffen erschrak ich regelrecht. Auch Niks Augen blickten verwirrt. Wir hatten über drei Stunden mit Musik hören verbracht.

    Wir stiegen aus und ich fühlte mich regelrecht beschwingt, glücklich und dem blonden Traumtyp hinter mir viel näher.

  11. #11
    Liebe-Leben

    Standard

    So also ich hab mich jz extra wegen dieser Geschichte angemeldet
    diese geschichte ist einfach unglaublich ich denk mal wie im normalen leben auch wenn ich das als junge aus mädchensicht Net beurteilen kann trotzdem
    was Kompliziertheit in liebe angeht bin ich erfahren trotz meines nicht sehr hohen alters gg :p
    ich freue mich echt darauf dass es weitergeht

  12. #12
    Melina_Dilemma

    Standard

    YTeil 5

    Ich stellte mich zu Fiona, Pia und Dina und wartete darauf, dass der Busfahrer meine Tasche aus den Tiefen des Busses befördern würde. Nik stellte sich neben mich und grinste. Seine blonden Haare hatte er wieder unter das Military-Cap gesteckt. Ich hatte bisher keine Ahnung, dass ich auf sowas stand, aber ab heute: definitiv. Man, sah das gut aus! Die Sonne strahlte vom Himmel und seine Augen funkelten. Da stand er in seinem dünnen Shirt und seine Brust zeichnete sich darunter ab. Wow, mich würde ja mal interessieren wie er ohne Shirt aussehen würde…
    Eine Tasche landete auf meinem Fuß. Ich fluchte auf, und zog meinen Fuß unter dem pinkfarbenen, verdammt schweren Teil hervor. Wütend schaute ich mich nach der Besitzerin um. Mandy. Sie sagte „Entschuldige.“ Aber ich Gesicht sagte mir: „Fahr zur Hölle, Bitch!“ Ich sagte „Schon gut.“ aber auch mein Gesicht sagte etwas anderes. Sie hob ihren Koffer auf, drehte sich ohne weitere Worte um und lief den anderen hinterher. Meine Tasche kam endlich zum Vorschein und ich schnappte mir den Gurt, warf ihn mir über die Schulter und blickte mich erst mal um. Vor uns führte eine breite Auffahrt in mehreren Serpentinen zu einer riesengroßen, wuchtigen Burg. Sie sah furchteinflößend aus, grob und ungemütlich. Na mal sehen, sagte ich mir. Die Sonne schien über den Zinnen und sanfte, grüne Hügel bildeten die umgebende Landschaft. Alles andere als übel.
    „Gefällt’s dir?“
    Patrick, Benni, Thomas und Nik kamen mir hinterher.
    „Die Landschaft ist atemberaubend. Ich hoffe die Zimmer sind nicht so eingerichtet, wie es auf den ersten Blick aussieht…“
    „Was meinst du?“ kicherte Fiona, sie und die anderen Mädchen plus Luke kamen alle schwer bepackt ebenfalls mit nach oben.
    „Ich weiß nicht. Schlafen wir auf Steinpritschen??“
    „Keine Angst. Es ist eine Jugendherberge. Ich tippe auf Doppelstockbetten.“ meinte Lukas.
    „Das denke ich auch. Es sind zumindest 4er- bis 6er-Zimmer.“ erklärte Thomas.
    „Geht ihr auch in eins?“ fragte ich ihn.
    „Genau. Und ihr vier?“
    „Ja. Wisst ihr was? Ich habe Angst vor Spinnen. In so alten Gemäuern gibt es doch sicher welche…“
    Fiona und Pia stimmten mir zu und ihre Augen waren angstvoll. Immerhin war ich also mit meiner Phobie nicht allein. Nur – wer machte die Viecher dann tot?
    „Also, wenn das dein Problem ist… das ist keins für mich. Du kannst mich holen, ich werde sie alle entfernen.“
    Wie süß von Nik. Ich rief mir ins Gedächtnis, dass ich es ihm nicht zu leicht machen wollte, und auch mir selbst nicht. Trotzdem musste ich mich zwingen meinen Blick woanders hin zu lenken.
    „Ich werde darauf zurückkommen, glaub mir. Ich kann das wirklich nicht…“
    „Ich meinte es ja auch ernst! Mich stört das nicht. Ich muss das auch immer im Jugendraum...“
    „Da gibt’s auch Spinnen? Oh…“
    „Jaaaa! Und was für welche!“ schüttelte sich Fiona und auch mir lief ein Schauer über den Rücken.
    Wir schleppten uns kilometerweit diese dämliche Rampe nach oben, zumindest kam es mir so vor. Endlich kam das letzte Tor, wir traten hindurch und der große Hof erstreckte sich vor uns. Mehrere Gebäude, ein Lagefeuerplatz, ein Fußballfeld, ein Felsen mit Kletter-Möglichkeit, dass alles erfasste ich bei meiner ersten Rundumsicht.
    „Wo müssen wir jetzt hin?“ fragte Benni unschlüssig.
    „Wie wär‘s mit dahin?“ Patrick deutete auf ein Gebäude auf dem in riesigen weißen Buchstaben ‚Rezeption‘ stand.
    „Ah…“
    Wir wuchteten unsere Sachen dahin, meldeten uns an und bekamen Zimmerschlüssel, Bettwäsche und eine Karte. Noch schwerer beladen schleppten wir uns in ein anderes Gebäude, das uns die Frau an der Rezeption gezeigt hatte und standen mitten in einem Flur von dem lauter Türen abgingen. Jede Menge Teenager liefen kreuz und quer und wir begannen nach unseren Zimmernummern zu suchen. Zu meiner Verwunderung gab es keine getrennten Stockwerke für Jungs oder Mädchen oder was man sonst alles von einem kirchlichen Jugendcamp erwarten konnte. Wir hatten nur getrennte Zimmer, und weil wir zur gleichen Zeit gekommen waren, lag unsers direkt neben dem der Jungs. Wow! Das war ja gar nicht übel. Vor unserem Zimmer ließ ich erst mal alles auf den Boden fallen und streckte meine Glieder aus. Ein blonder Typ, mit Zigarette im Mundwinkel und nur im T-Shirt warf mir einen widerlichen Blick zu und pfiff im Vorbeigehen. Ich setzte einen äußerst abweisenden Blick auf und drehte mich um.
    „Was für ein Idiot…!“ echauffierte sich Dina.
    „Der hat sie ja nicht alle. Wie’s aussieht müssen wir hier ganz schön auf die Mädels aufpassen!“ sagte Patrick wütend.
    Ich sah zu Nik und stellte zu meiner Zufriedenheit fest, dass auch er einen äußerst unangenehmen Blick in den Rücken des widerlichen Typens schoss. Ich rümpfte meine Nase, zog die Augenbrauen hoch ging jedoch nicht weiter darauf ein.
    Es war Mittagszeit und wir schmissen unsere Sachen erst einmal nur auf die Betten und machten uns gleich wieder auf den Weg zum Speisesaal. Dort trafen wir auf den Rest vom Jugendkreis. Sie saßen alle an einem langen Tisch, es waren dort noch genug Plätze für uns 9. Nik saß mir gegenüber und die ganze Zeit über hatte ich das Gefühl, dass er mich ansah. Aber ich zwang mich nicht zu oft zu ihm rüber zu sehen. Das Gespräch bestimmte Patrick. Er witzelte laut und brachte ständig den ganzen Tisch zum Lachen.
    Nach dem Mittagessen mussten sich alle Neuankömmlinge im Burghof versammeln, wir bekamen erst mal eine Führung verpasst. Als wir nach draußen traten warteten dort schon locker 30 andere Leute. Ich erblickte auch den schmierigen Typen, der gepfiffen hatte. Er grinste mich gleich wieder dämlich an. Irgendetwas an mir musste anders sein, seit wann bekam ich so viel Aufmerksamkeit?? Patrick neben mir knurrte leise.
    „Was ist?“ amüsierte ich mich.
    „Siehst du den Mistkerl von vorhin? Der ist auch da vorne.“
    „Ja, ich sehe ihn.“
    „Macht dir das gar nichts aus?“
    „So lange er mich in Ruhe lässt...“
    „So bald er dir dumm kommt muss ich mal ein Drei-Augen-Gespräch mit ihm führen.“
    „Wieso bloß drei Augen?“
    „Weil er, wenn ich mit ihm fertig bin, nur noch aus einem Auge dumm gucken kann.“
    Ich kriegte mich fast nicht mehr ein. Was für ein Spruch! Den musste ich mir unbedingt merken...
    Ich drehte mich suchend um. Wo war denn Nik? Ich fand ihn schließlich mit – Mandy. Sie brachte ihn mit irgendwas zum Lachen und dann schüttelte er seinen blonden Kopf. Verdammt! Über was redeten die beiden nur??
    „Hört mal alle her Leute!“
    Martin rief uns zu sich.
    „Ich will euch nur kurz in die Pläne für heute einweihen. Nach der Führung treffen wir uns wieder genau hier. Dann starten wir ein kleines Spiel hier in der Burg. Und am Abend machen wir Lagerfeuer, wir haben jede Menge Marshmallows und Stockbrot.“
    Freude machte sich breit. Ich kapierte das nicht so ganz, was für ein Spiel wollten die denn machen? Und was bitte war so Besonderes an Lagerfeuer mit Marshmallows?! Naja, wenn sich alle so darauf freuten würde ich mich mal überraschen lassen. Eine Frau mit furchtbar quietschblond gefärbten Haaren tauchte auf, sie stellte sich als von der Jugendherbergs-Leitung vor und wir folgten ihr kreuz und quer durch die Burg. Es ging rauf und runter, auf Türme, in den Keller in jedes Gebäude und durch sämtliche Anlagen. Am Schluss ging es jede Menge Stufen runter in das ‚Verließ‘, dort gab es eine Folterkammer und jede Menge andere gruselige Kammern. Überall hingen fies aussehende Instrumente rum und die Gänge wurden immer niedriger und enger. Schließlich kamen wir in einem stockfinsteren Raum an. Als alle drin waren wurde die Tür geschlossen.
    „Hat jemand ein 20-cent-Stück?“ fragte die Tante von der Jugendherberge.
    Irgendjemand gab ihr eins. Sie schmiss es in eine Art Kasten mit Münzschlitz, einen Automaten? Hier?? Auf einmal ertönten gruselige Geräusche, Kettengerassel und schaurige Stimmen. Dämmriges Licht ging langsam an und Nebelschwaden krochen aus den Ecken. Eine weiß-leuchtende Gestalt tauchte aus dem Nichts auf und erzählte mit einer Stimme, dass mir die Haare zu Berge standen, irgendeine eklige Geschichte mit Mord und einmauern und so weiter. Als es zu Ende war ging das Licht wieder an und alle klatschten. Ich lachte mich fast tot, was war das denn für ein Mist gewesen? Damit war die Führung beendet, alle drängten durch die engen Gänge wieder zurück nach oben. Ich war eine der letzten, hinter mir gingen nur noch ein paar Fremde. Ich wollte zu Lukas und Dina aufschließen die wenige Schritte vor mir gingen, doch auf einmal packte mich jemand am Arm und zog mich so blitzschnell durch eine geöffnete Tür neben mir in einen kleinen Raum, dass mir nicht mal die Zeit blieb zu schreien. Als ich begriff, was gerade passierte drehte ich mich zu dem Körper, zu dem die Hand an meinem Arm gehörte, um und blickte geradewegs in das Gesicht von diesem Mistkerl, der mich vorhin angepfiffen hatte.
    „Sag mal bist du hacke? Was soll das?!“
    „Ruhig, Süße. Ich wollte nur endlich mal alleine mit dir sein.“
    Er drängte mich immer weiter zurück bis ich schließlich mit dem Rücken zur Wand stand. Er stützte seine Arme rechts und links von meinem Gesicht an der Wand ab und kam bis auf wenige Zentimeter nah an mich heran.
    „Lass den Scheiß!“ fuhr ich ihn erneut an, schon nicht mehr ganz so mutig.
    Der Typ lachte leise und ich schaute ihn mir ganz genau an. Er war blond, hatte eigentlich einen schicken Haarschnitt und auch ein attraktives Gesicht, allerdings wirkten die muskulösen Arme dicht neben mir kein bisschen anziehend auf mich, eher genau gegenteilig. Es machte mir Angst.
    Ehe ich begriff was los war hatte er den kurzen Abstand zwischen uns überwunden und presste mir seine heißen Lippen auf meine, er küsste mich hart und fast schon brutal, und als ich versuchte ihn von mir wegzuschieben umklammerte er meine Arme wie ein Schraubstock und ich merkte, ich hatte keine Chance. Er drückte sich ekelhaft an mich und sein Atem streifte mein Gesicht, es roch nach Alkohol. Seine feuchte Zunge schlabberte meine Lippen ab und mir wurde speiübel. Verdammt, dachte ich mir und wandte meine ganze Kraft auf, um mich von ihm zu befreien, doch er presste mich nur noch fester an die harte Steinwand hinter mir. Noch etwas Hartes spürte ich und da platzte mir der Kragen, ich drehte mein Gesicht weg, hob mein Knie und rammte es mit aller Macht genau da hin, wo es ihm weh tun würde. Augenblicklich ließ er mich los, jaulte auf und schaute mich mit großen, schmerzverzerrten Augen an. Ich setzte noch einen drauf und klatschte ihm volle Kanne meine Hand ins Gesicht. Es schallte von allen vier Wänden wieder und dann hatte er die Schrecksekunde überwunden. Er packte mich wieder grob an den Schultern, schleuderte mich nach hinten, dass ich schmerzhaft an die Wand prallte und dann auf den Steinboden fiel. Es tat wirklich schweineweh, den Kopf hatte ich mir auch ziemlich heftig gestoßen.
    „Du Schlampe!“ zischte er, „Wir hätten einfach nur Spaß haben können!“
    Dann drehte er sich um, verschwand mit langen Schritten aus der Tür, schloss sie hinter sich und ich hörte ein metallisches Klicken. Ich fühlte mich benommen und registrierte erst einige Sekunden später was das eben gewesen war. Ich sprang auf, rannte zur Tür und rüttelte an der schweren, eisernen Klinke. Die Tür war verschlossen. Er hatte mich eingesperrt. Ich blickte mich panisch um, ein kleiner Raum, höchstens drei Quadratmeter, ein winziges Fenster, aber leider in mindestens drei Meter Höhe. Das Licht, dass dadurch hereindrang war schon das schummerige Licht des Nachmittags. Der Raum war völlig leer, kein Möbelstück, nichts befand sich hier drin, nur ein wenig Stroh lag auf dem groben Steinfußboden. Ich schrie, hielt kurz inne, aber nichts war zu hören, überhaupt nichts. Nicht mal Vogelgezwitscher oder sowas. Bleib ruhig, konzentrier dich, was tut man in so einer Situation?! Egal was, auf jeden Fall nicht in Panik ausbrechen. Wo ist dein Telefon? Im Rucksack. Und der ist auf deinem Zimmer. Na das ist ja spitzenmäßig! ^^ Ruf noch mal so laut du kannst! Ich rief eine ganze Zeit lang, aber dann gab ich auf. Es hörte mich niemand. Ascheinend war dieses Guckloch da oben an der Außenwand der Burg gelegen, anders konnte ich es mir nicht erklären. Okay. Setz dich. Die anderen müssten dich eigentlich schon vermissen, sie werden nach dir suchen und dich finden. Bleib ruhig! Ich versuchte ruhig zu atmen und lauschte auf alle Geräusche. Ich strengte mich an, legte mein Ohr an die Tür und versuchte irgendwas zu hören, nichts. Ich setzte mich wieder hin und lehnte meinen Kopf an die Wand. Was war das für ein Mistkerl?? Warum tat er so was, und warum mit mir?? Warum nicht Mandy? Es half alles nichts, ich würde warten müssen. Angst kroch mir den Rücken hinauf, was wenn mich niemand hier finden würde? Ich bildete mir ein, dass es draußen schon immer dunkler wurde und ich die Nacht hier verbringen müsste. Mit Sicherheit würden dann die Spinnen aus ihren Löchern gekrochen kommen. Es schüttelte mich, das würde dieser Idiot bereuen. Ich spürte noch immer seine Lippen auf meinen und die Stellen, wo er mich so hart angepackt hatte, schmerzten. Wer weiß, was er noch alles mit mir anstellen wollte!
    Eine ganze Weile saß ich regungslos auf dem Boden, die Beine angewinkelt und den Kopf auf die Arme gelegt. Ich hatte keine Uhr und mein Zeitgefühl war nicht anwesend. Es kam mir vor als wäre eine Ewigkeit vergangen, als ich endlich Stimmen hörte, die meinen Namen riefen. Ich sprang auf, trommelte gegen die Tür und rief ganz laut:
    „Ich bin hier drin!!“

  13. #13
    Melina_Dilemma

    Standard

    Nur Augenblicke später drehte sich der Schlüssel im Schloss und sie sprang auf. Als erstes sah ich in die himmlisch blauen Augen von Nik. Er sah mich erschrocken an und rief laut:
    „Sie ist hier! Roxy, was ist denn passiert?“
    Ich merkte wie ein Schluchzen meine Kehle hochkroch. Jetzt warst du die ganze Zeit so tapfer, fang ja nicht an zu weinen, es ist doch vorbei!
    „Dieser Kerl hat mich hier reingezerrt und mich überfallen! Da hab ich ihn getreten und er hat mich eingesperrt!“
    Die verdutzten Gesichter von Patrick, Fiona und Martin erschienen ebenfalls in der Tür. Nik kam auf mich zu und ich überwand meine ganze Scheu, schmiss alle Vorbehalte über Bord und warf mich in seine Arme. Sofort hielt er mich fest und sagte beruhigend:
    „Hey... ist ja gut. Wer? Und was meinst du mit überfallen?“
    Ich fühlte mich gleich geborgen. Gerettet! Er duftete gut und seine Wange war warm und weich, es tat so unglaublich gut seine Nähe zu spüren. Ich atmete kurz durch und verstärkte den Druck der Umarmung, er streichelte sanft meinen Rücken... Das war eindeutig der Himmel nach der Hölle. Wunderschön! Ich hatte ja nicht mal geahnt wie schön es war in den Armen des Jungen zu liegen, in den man sich verknallt hatte! Ich schaffte es die Tränen zurückzuhalten. Das wäre mir aber auch peinlich gewesen!
    „Dieser blonde Typ, den wir vorhin im Flur getroffen haben, der gepfiffen hat! Er war total eklig, hat mich geküsst und an die Wand gepresst...“
    „ER HAT DICH GEKÜSST?“ brüllte er fast schon.
    „Ja, ich wusste gar nicht was los ist, ich meine wie kommt er auf so was?“
    „Hat er dir weh getan?“ fragte Patrick mit unheimlich grimmigem Gesicht.
    „Ein wenig.“
    Ich rieb mir meine Oberarme, da wo er so zugepackt hatte. Niklas schob meine Ärmel hoch und ich erschrak, ich hatte blaue Flecken.
    „Dieser Mistkerl.“ stieß er leise hervor.
    Er schaute mir in die Augen, eine Sekunde lang sah ich nichts als Himmelblau und ich wünschte mir nichts mehr als das dieser Moment niemals enden würde. Mein Held!
    „Das glaube ich ja nicht!“ meinte Martin schockiert, „Wir müssen dich untersuchen lassen!“
    „Nein, so schlimm ist es nicht, es tut gar nicht so schlimm weh.“
    „Sieht aber schmerzhaft aus!“ Auch Fiona streichelte mich, „Was genau ist denn passiert?“
    „Ich war die Letzte von uns und auf einmal packte er mich, zerrte mich hier rein und fiel über mich her. Seine Hände waren wie ein Schraubstock, ich hatte keine Chance! Dann wurde er... zudringlich und ich hab ihm mein Knie zwischen die Beine gerammt. Er hat mich an die Wand gestoßen, ist raus und hat mich eingeschlossen.“
    „Patrick? Wir werden diesen Kerl jetzt aufspüren.“ sagte Nik mit zusammengepressten Zähnen. Er ließ mich los, sah mir aber noch einmal ins Gesicht und seine Stimme wurde wieder sanft:
    „Lass dich bitte untersuchen! Und pass auf dich auf!“
    Er hob seinen Arm an und strich mir einmal ganz kurz und zart mit dem Handrücken über die Wange. Ich erstarrte.
    „Niklas, Patrick! Was wollt ihr machen?“ Martin hielt sie zurück, Fiona nahm mich jetzt in den Arm.
    „Den Kerl finden!“
    „Das ist ein Fall für die Polizei! Ihr bekommt doch auch Ärger, wenn ihr ihm jetzt was tut, bitte nicht!“
    „Ruf du die Polizei, wir suchen den Kerl und liefern ihn ab.“
    „Ihr dürft nicht handgreiflich werden, das wisst ihr, oder?“
    „Natürlich.“ sagte Nik, aber wir alle merkten, dass er das nicht so meinte.
    „Ich würde euch gern helfen.“ sagte ich.
    Ein Lächeln huschte über das Gesicht von Nik.
    „Das glaub ich gern. Aber das kommt nicht in Frage!“
    „Seid vorsichtig!“ sagte Martin noch einmal mit Nachdruck. Sie nickten und verschwanden.
    Martin und Fiona begleiteten mich wieder raus aus den Katakomben. Am Ausgang kam uns die Frau von der Jugendherberge entgegen, die uns geführt hatte, und sie sah wahnsinnig erleichtert aus:
    „Habt ihr sie gefunden? Mädchen, wo warst du denn nur?“
    „Sie wurde eingesperrt, wir haben sie in einer Kammer gefunden.“ berichtete Martin.
    „EINGESPERRT? Ja von wem denn?“
    „Von einem anderen Jugendlichen. Er hat sie bedrängt und als sie sich gewehrt hat, schloss er sie ein. Wir sollten die Polizei rufen, sie ist verletzt.“
    „Nein ich bin doch nicht verletzt!“
    Doch sie achteten gar nicht auf das was ich sagte, Martin zeigte meine blauen Flecken und die Frau erschrak:
    „Gott, Kind, das sieht ja schrecklich aus! Wir bringen sie auf die Krankenstation!“
    „Aber...“
    „ROXYYY?“
    Pia, Dina und die anderen tauchten auf und umringten mich gleich. Auch Mandy. Von allen Seiten prasselten Fragen auf mich ein, jeder tätschelte mir ein anderes Körperteil.
    „Ich rufe die Polizei an. Dort drüben im Rezeptionsgebäude ist das Krankenzimmer. Den Gang hinter, ein großes rotes Kreuz ist an der Tür. Bringt sie mal dort hin.“
    „Wo warst du denn?“ fragte Dina ganz entgeistert.
    Ich brauchte nicht zu antworten, Feli und Martin erklärten alles, ich hörte nur aufgeregtes Stimmengewirr hinter mir, Fiona nahm mich an die Hand und zog mich hinter sich her zur Krankenstation, Pia folgte uns.
    „Wo ist Lukas? Und Nik und die anderen?“ fragte ich sie.
    Die hecken irgendwas aus, Niklas kam zu uns, hat Luke zur Seite genommen und sie sind irgendwo zusammen verschwunden. Mit Benni, Thomas und Patrick. Die wollen sich bestimmt den Typen vornehmen.“
    „Oooh... das sollten sie doch nicht tun!“
    „Sie rächen dich! Ich finde das so süß! Das müsste mal einer für mich machen...“ seufzte Fiona.
    Wenn die nur eine Ahnung hätten wie unglaublich süß i c h das fand! So sehr, dass in meinem Bauch die Schmetterlinge nur so tobten und ich mir Mühe geben musste nicht dümmlich zu grinsen! Ich war eindeutig auf direktem Weg in Richtung völlige Verblödung wegen Verliebtsein. Und das wiederum war scheiße, ich wollte mich nicht verlieben! Nicht hier, nicht jetzt, vor allen Dingen nicht so schnell und nicht in einen Typen der eigentlich unerreichbar für mich ist. Der Zustand in dem mein Körper sich befand war völlig neu für mich, ich kannte es nicht, dass ich Schwierigkeiten hatte ganze Sätze zu bilden und zusammenhängend zu sprechen... Ich freute mich schon jetzt darauf Niklas wiederzusehen und ihm noch mal zu danken, dafür, dass er mich gerettet hatte. Na ja, aber um den Hals fallen würde ich ihm wohl nicht so schnell wieder, so viel Mut konnte ich nur in der Erleichterung aufbringen, als endlich die Tür aufging und jemand mich rausholen wollte.
    „Ja das ist süß.“ sagte ich ganz, ganz leise, aber sie hörten mich trotzdem und Fiona sagte fast ebenso leise:
    „Er mag dich. Und du ihn, oder?“
    Ich wagte nicht ihr in die Augen zu sehen, geschweige denn ihr zu antworten. Also nickte ich nur leicht aber innerlich hüpfte ich wie ein Flummi, wie ein wahnsinnig gewordenes Trampolin fühlte ich mich, wie ein Ball mit Eigenleben. So. Und nun?

  14. #14
    Melina_Dilemma

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    YTeil 6

    Erst mal erreichten wir das Krankenzimmer und eine runzelige ältere Dame schaute überrascht von einem Buch auf. Fiona und Pia erklärten ihr alles und ich musste mich ausziehen und sie untersuchte mich lange. Meinen Blutdruck, meine Atmung, meine Temperatur. Sie fragte mich nach Kopfschmerzen, Bauchschmerzen und so weiter und so fort und ich musste ihr alles genau erklären.
    „Ist dir flau, mein Kind? Ich habe ein wenig Angst, dass du eine Gehirnerschütterung haben könntest.“
    „Ein wenig. Aber nicht schlimm.“
    „Ich denke es ist besser wenn du die nächste Stunde noch hier bleibst, mal sehen wie sich alles entwickelt. Armes Kleines, ich hoffe sie bestrafen den Jungen.“
    Sie schüttelte den Kopf und ließ mich allein. Ich legte mich auf die Pritsche, auf der ich eben gesessen hatte und schloss die Augen. Ganz langsam lief vor meinen Augen noch einmal ab, wie Niklas die Tür geöffnet hatte und was dann passiert war. Er hatte mich angesehen, erleichtert und glücklich. Und dann hatte er mich umarmt, es war die erste nähere Berührung zwischen uns gewesen und ich spürte noch seine Finger, die meinen Rücken streichelten. Die Stelle, wo er meine Wange berührt hatte, fühlte sich heiß und seltsam kribbelig an. Waaah, er brachte mich durcheinander! Seine blauen Augen in Kombination mit dem blond seiner Haare machten mich wahnsinnig! Ich konnte es kaum erwarten ihn wiederzusehen, ich wollte ihn! Ich wollte Zeit mit ihm verbringen und diese Nähe wieder spüren, wollte wieder in seine Arme zurück. In meiner Fantasie ging es schon darum, wie es wohl wäre ihn zu küssen?! Hallo, war ich noch ich selbst? Ich hatte doch gar nicht so einen schlimmen Schlag auf den Kopf abbekommen...? Es klopfte an der Tür und ungern musste ich mich von Niks Gesicht in meinem Kopf trennen.
    „Ja?“
    Die Tür wurde geöffnet und mehrere Leute traten ein. Martin der Jugendleiter und Feli, Fiona, Pia, zwei uniformierte Polizisten und Lukas mit dem Wiederling im Schlepptau. Ah, sie hatten ihn also gefunden. Er blickte auf den Boden und sein Anblick jagte mir ein ganz kleines bisschen Angst ein.
    „Roxana Thalheim?“ fragte einer der Polizisten, eine Frau, „Geht es ihnen besser?“
    „Es geht schon.“ sagte ich ein wenig schüchtern.
    „Ist das hier der Junge, der sie überfallen hat?“
    Er hob seinen Kopf, und ich konnte die ersten Anzeichen eines blauen Auges erkennen. Also hatten sich die Jungs nicht an das Anfass-Verbot gehalten... Ich bejahte und dann musste ich den genauen Ablauf noch einmal schildern. Der Junge hieß Jörn und war genauso alt wie ich. Er entschuldigte sich bei mir und sah auch echt ein wenig geknickt aus:
    „Das mit den blauen Flecken tut mir Leid... ich wollte dir nicht weh tun.“ sagte er leise.
    Ich wurde noch gefragt, ob ich Anzeige erstatten wolle. Ich verneinte. So schlimm war es dann ja doch nicht. Die Polizisten gingen bald wieder und Jörn würde auch nach Hause fahren, er war mit seiner Schulklasse hier und seine Lehrer hatten schon seine Eltern angerufen. Der Jugendherbergsleiter sprach Hausverbot für ihn aus und erkundigte sich nach meinem Wohlbefinden. Als endlich alles geklärt war durfte auch ich wieder gehen. Feli, die Freundin von Martin schloss mich in ihre Arme und sagte:
    „Ach Roxy, es tut mir so Leid für dich... das war ja kein schöner Start...“
    „Ist schon gut, es kann doch keiner was dafür. Ich fühle mich jetzt auch ganz sicher, der Typ ist ja weg. Mir tut es auch Leid, jetzt ist die ganze Nachmittags-Planung durcheinander geraten...“
    „Mach dir mal darum keine Gedanken, das holen wir nach. Da kannst du doch genauso wenig was dafür, wir sind nur froh, dass du das alles relativ leicht wegzustecken scheinst.“
    „Ja, ich komme schon klar. Ich bin so froh, dass euch aufgefallen ist, das ich fehle...“
    „Das ist gleich aufgefallen, Niklas hat dich vermisst. Und keiner hatte dich gesehen. Da ist gleich die totale Suchaktion losgegangen, sie haben sich alle aufgeteilt, wir mussten uns um nichts kümmern. Martin und ich waren total begeistert von unseren Kiddies.“
    „Ehrlich? Ist ja voll nett.“
    „Ja. Sie mögen dich alle, du bist aber auch ein so tolles Mädchen. Wir sind alle froh, dass du da bist.“
    Ich wurde rot, nicht nur weil sie gesagt hatte, das Nik mich vermisst hatte. Sie hatte gesagt ‚Sie mögen dich alle’! Ich mag sie auch alle...
    „Ich bin auch so froh, gleich so lieb aufgenommen worden zu sein! Damit hatte ich ja nicht mal im Geringsten gerechnet.“
    Sie lächelte mich an und dann verließen wir das Krankenzimmer. Draußen warteten noch Fiona, Martin und Lukas. Der zog mich umständlich an sich und begann mir zu erzählen, wie sie den Typen gefunden und aufgemischt hatten.
    „Roxy, wir haben ihm das alles heimgezahlt! Du kannst dir ja gar nicht vorstellen wie wütend wir waren! Der hat nicht nur einen Schlag in die Fresse bekommen, guck dir mal meine Handknöchel an, ich glaube dir werden morgen blau!“
    „Lukas! Du hast ihn geschlagen??“ entrüstete sich Martin.
    „Ehrlich? Du bist doch verrückt!“ sagte ich.
    „Aber er hatte es doch verdient! Nik hat gesagt du hast alles voller blauer Flecken! Dieses Schwein!“
    „Sei froh, dass der Typ euch nicht bei den Bullen verpfiffen hat!“
    Auf einmal ließ Martin gar nicht mehr so den Aufpasser raushängen wie bis gerade eben noch. Hä?
    „Zeig mal deine Arme!“
    Ich weigerte mich:
    „Nee. Komm, lass gut sein. Erzähl mir lieber mal genauer, was ihr gemacht habt! Und was Nik und Patrick dir erzählt haben.“
    „Sie kamen angerannt, haben mich zur Seite genommen und gesagt, dieser Typ hätte dich eingesperrt und versucht dich zu etwas zu drängen… naja, bloß gut hat er das nicht geschafft! Aber er hat dich geküsst, nicht wahr? Du hättest ja mal sehen sollen wie eifersüchtig sie waren! Ich hab‘s dir ja gesagt, sie stehen alle auf dich! Aber egal, sag mir, geht’s dir wirklich gut Roxylein?“
    „JAHA! Erzähl!“
    Während wir uns unterhielten liefen wir den anderen hinterher, sie wollten zum Lagerfeuerplatz, wo die restliche Gruppe sein musste.
    „Wir haben ihn in seinem Zimmer gefunden, stell dir vor, wir reingeplatzt und Nik hat den Typ sofort am Kragen gepackt und an die Wand gepresst, dann ging es los, wir haben ihn angebrüllt und so, auf einmal mischten sich die anderen Typen in seinem Zimmer mit ein und es ging voll die Keilerei los!“
    „Was??“
    „Ja! Einer von den Kunden hat Niklas seine Faust ans Kinn gedonnert und dann hat er zurück geschlagen und Patrick hat Jörn geschlagen und ich einen von denen und dann ging es wahnsinnig schnell, aber am Ende haben sie ganz schnell aufgegeben!“
    „Geht’s euch allen gut??“
    „Naja, außer meiner Faust, da bin ich aber stolz drauf, hat Nik eine Schramme auf der Wange und Patrick bekommt morgen bestimmt auch einen blauen Fleck am Kinn. Aber sonst… alles klar, Job erledigt, wir haben dich gerächt!“
    Er grinste mich an, tapferer, kleiner, zerzauster Luke. Dankbar aber dennoch ein wenig entrüstet haute ich ihm meine Hand auf die Schulter.“
    „AU!“ stellte er ganz überrascht fest.
    „Tut dir das weh?“ fragte ich besorgt.
    „Anscheinend habe ich noch ne Kriegsverletzung. Naja, kein Ding, für dich doch gerne, Kleines.“
    Ich schaute ihn nur noch einmal schräg an, dann bogen wir um eine Ecke – und da waren sie, alle schauten mich fragend an, aber ich sah nur einen, Nik. Er hockte auf dem Boden am Feuer und schichtete neues Holz auf. Als er meinen Namen hörte schaute er aber sofort in meine Richtung und ich erschrak. Unter seinem Auge hatte sich ein roter Striemen ausgebreitet, es sah wirklich schmerzhaft aus! Er musste meinen Gesichtsausdruck richtig gedeutet haben, denn er legte sich eine Hand an seine Wange, grinste und schüttelte den Kopf, als wollte er mir sagen, dass es nicht wehtun würde. Nein, sicherlich nicht, dachte ich grollend. Dieser Idiot hatte ihn auch noch verletzt! Die Mädchen bestürmten mich, eine platzierte mich auf einem Holzstumpf, eine reichte mir eine Astgabel mit Stockbrot und eine brachte mir ein Glas Wasser. Doch alles was ich wollte war Nik zu danken. Er sah das Tamtam um mich und traute sich anscheinend nicht zu mir zu kommen, ich traute mich auch nicht einfach alle abzuschütteln, also musste ein intensiver Blick erst mal reichen. Er lächelte mich leicht an, wissend ob der Aufmerksamkeit, die ich bekam, und ich lächelte zurück. Mehr war erst mal nicht drin. Ich gab mir Mühe und beantwortete ruhig alle Fragen, irgendwann hockten sich Patrick und Lukas vor mich hin und alle wollten von der Prügelei erfahren. Sie erzählten mehr als nur ausführlich und ich fragte mich schon, ob sich alles wirklich so zugetragen hatte. Während ich noch so grübelte kam Nik dazu, er griff sich den Stock mit dem Brotteig, den ich die ganze Zeit ins Feuer gehalten hatte und sagte:
    „Roxy, pass auf, gleich ist alles total verkohlt!“
    Und tatsächlich, ich hatte fast schon Steinkohle vorne dran.
    „Mist, verpennt.“
    „Macht ja nichts. Kannst was von meinem abhaben.“ grinste er leicht spöttisch und gönnerhaft.
    Aber ich hatte Lust darauf einzugehen:
    „Danke. Ich hab echt ganz schön Hunger.“
    Er legte mir einen Teil in die Hand, dabei berührte er mich ein wenig und als ich ihn daraufhin ansah, schaute auch er auf und sein Gesicht war nur wenige Zentimeter von meinem entfernt.
    „Bitteschön.“ Er flüsterte fast.
    „Danke.“
    Dann war der Moment vorbei. Martin ergriff das Wort und sie begannen wieder ein paar Lieder zu singen, begleitet von Gitarre und Trommeln. Ich hatte nach einer Weile das dringende Bedürfnis irgendwo allein zu sein und stand leise auf. Ich lief um ein paar Ecken und stand auf einmal direkt an der Burgmauer, unter mir lagen die Lichter der Stadt und die Sterne funkelten am Himmel, es war inzwischen vollständig dunkel geworden. Bezaubernd – schoss es mir durch den Kopf. Es war wunderschön. Ich stand eine ganze Weile so da und sah einfach nur in die Dunkelheit, da hörte ich ein Geräusch hinter mir. Ich drehte mich um und da stand er, leibhaftig, strahlend im Glanz der Sterne und wie ein personifizierter Traum: Niklas.

  15. #15
    Melina_Dilemma

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    „Hey. Störe ich dich?“
    „Nein... Ich… ich wollte mich sowieso noch bei dir bedanken, doch irgendwie gab es…“
    „… keine Gelegenheit?“ vollendete er meinen Satz.
    „Ja genau.“
    „Ging mir genauso. Sag mir bitte ehrlich wie es dir geht. Und lass den Quatsch, von wegen es geht dir gut. Nach so etwas geht es niemandem gut.“
    „Aber es geht wirklich. Dank dir… und den anderen, das ihr den Typen gleich bestraft habt, das fand ich echt lieb, ich muss ja keine Angst mehr vor ihm haben.“
    „Wie geht es denn deinem Kopf?“
    „Besser, nach dem ich das hier gesehen hatte.“ kicherte ich und zu meiner Erleichterung kapierte er sofort meine Anspielung auf Indiana Jones, er lachte ebenfalls und ich liebte es.
    „War ja klar, dass du Indiana Jones kennst.“
    „Ich liebe ihn. Und wieso war das klar?“
    „Naja… du magst die Peppers, Spoken, mein Pullover ist von demselben Label wie deiner… das hat ja nur noch gefehlt…“
    Täuschte ich mich oder hatte er gerade Gemeinsamkeiten zwischen uns gefunden? Und verarschte ich mich selber oder hatte das was zu bedeuten? Wie sollte ich denn jetzt bitte reagieren!!?
    Aber er kam mir zuvor, anscheinend hatte ich ein wenig zu lange gezögert, na toll! Das war doch eine Chance!
    „Also geht es, ja? Da bin ich ja beruhigt. Und du kannst wirklich glauben, diese Mistratte hat ganz schön was abbekommen. Aber du hast ihn ja auch schon ganz gut von dir wegbekommen, was? Er sagte, du hättest ihn getreten und ihn geschlagen.“
    „Das stimmt. Er war echt widerlich, es ging ganz automatisch. Reflexartige Selbstverteidigung oder so. Das mit dem Küssen hatte ich mir aber auch anders vorgestellt...“
    WARUM hatte ich das jetzt gesagt?? Er musste doch nicht wissen, dass ich ein solcher Hinterwäldler war und noch nicht mal geküsst worden war!!!
    „Wie meinst du… war das etwa…“
    „Ja.“ sagte ich ganz leise und mit gesenktem Blick. „Aber das zählt doch eigentlich nicht oder? Ich meine… das muss doch auf Gegenseitigkeit beruhen und so…“
    Meine Stimme brach leicht weg. Ich schämte mich in Grund und Boden. Ich stand hier mit Mister-supersexy-ich-kann-küssen-wen-ich-will und sagte ihm, dass ich heute meinen ersten Kuss bekommen hatte, unfreiwillig.
    Einige Sekunden blieb es still. Dann sagte er leise mit scharf klingender Stimme:
    „Dafür hätte er noch viel mehr Schmerzen verdient.“
    Dann wurde seine Stimme wieder sanfter und er machte einen Schritt auf mich zu:
    „Aber du hast Recht, dieser Moment steht dir noch bevor. Es zählt erst wirklich, wenn du einen Kuss von jemandem bekommst, den du auch magst. Das ist nochmal ganz anders, das verspreche ich dir.“
    Seine Worte waren zwar lieb, aber trotzdem fühlte ich mich unwohl, mit einem so gutaussehenden Kerl über den ersten Kuss zu reden. Das war mir total peinlich, obwohl ich sonst eigentlich kein Problem damit hatte, dass ich noch ungeküsst war.
    „Danke. Das tröstet mich.“
    Dann passierte das, was ich mir schon die ganze Zeit gewünscht hatte, er kam auf mich zu, ganz nah, legte einen Arm um meine Hüfte und zog mich zu sich heran. Auch ich legte meine Arme um ihn und erwiderte die Umarmung.
    „Es tut mir so Leid für dich... ich wünschte, ich hätte das alles von vornherein verhindert.“
    flüsterte er an meinem Hals, ich spürte seinen Atem und seinen Herzschlag und musste mich regelrecht zwingen nicht abzudrehen… Gott! Was für ein Gefühlschaos!!
    „Was hättest du denn tun sollen? Ich war nun mal die Letzte.“
    „Das wird wohl bedeuten, dass ich dich nicht mehr alleine lassen kann...“ grinste er.
    „Ach, sowas ist mir auch zum ersten Mal passiert. Es wäre schon ein enormer Zufall, wenn es das nächste Mal wieder mich treffen würde...“ versuchte ich mich rauszuwinden. Ich wollte ja keinen Aufpasser. Zu meinem missfallen ließ er mich wieder los.
    Er lächelte und wechselte dann auf einmal das Thema:
    „Noch mal zu unserer Unterhaltung von heute Morgen. Weißt du noch? Es ging um Mandy und warum ich mich niemals nur wegen ihres Aussehens in sie verlieben würde. Ich hatte doch gesagt wir reden später darüber, wenn wir ungestörter sind.“
    „Ach ja.“
    Ich versuchte meine Stimme beiläufig klingen zu lassen.
    „Also, es gehören für mich eben noch viel mehr Sachen dazu. Ein hübsches Mädchen kann so hässlich werden, wenn sie sich nicht artikulieren kann und keine geraden Sätze herausbringt. Oder wenn man mit ihr nur über ihre Klamotten, Maniküre, Klatsch und Tratsch und so reden kann. Oder wenn sie arrogant ist und andere Menschen schlecht behandelt. Es gehören für mich wenigstens ein paar Gemeinsamkeiten dazu und eine gemeinsame Ebene, das heißt Berührungspunkte im Leben. Ich würde nie wieder eine Beziehung eingehen, ohne vorher zu wissen, was für ein Mensch sie ist.“
    „Das klingt genau so, wie ich es mir immer gedacht habe. Wirklich, ich warte so lange bis ich jemanden kennen lerne, der genau die Anforderungen erfüllt, die du gerade angesprochen hast.“
    Was er mir sagte klang viel zu gut um wahr zu sein. So einen Menschen gab es nicht! Dann wäre er ja PERFEKT! Kein Kerl würde einer hübschen Blondine wie Mandy solange abgeneigt sein, bis er herausgefunden hatte, was für einen Charakter sie hatte. Wahrscheinlich kommt es einfach darauf an, was man sucht. Aber er hatte gesagt, er würde nie wieder eine solche Beziehung eingehen, das heißt ja, er hat es schon mal getan. Mit Christina? Ob er die ganze Geschichte bereut? Oder vielleicht müsste sie nur hartnäckig genug sein und er würde sie zurücknehmen. Nach so vielen Monaten wie sie zusammen gewesen waren, kannte man sich im Allgemeinen ja wohl ziemlich gut, oder? Und das ist ja wohl ein entscheidender Vorteil beim Thema ‚gemeinsame Ebene‘.
    „Das freut mich zu hören. Ich glaube du bist die erste Frau, mit der ich darüber rede. Es ist gut in seinen Vorsätzen bestätigt zu werden. Behalte diese Einstellung ja bei, es wird dir jede Menge schlechte Erfahrungen ersparen.“
    Er sah mir wahnsinnig lange in die Augen und stellte sich unmittelbar neben mich an die Mauer, und wir blickten dann ein paar Sekunden schweigend in die Sterne.
    „Das ist immer alles so leicht gesagt, aber wirklich kennen lernt man einen Menschen doch nur nach einer gewissen Zeit. Man muss sich einfach Zeit lassen… oder?“
    „Ist sicherlich nicht schlecht. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, das man einen Menschen selbst nach einer langen Zeit noch nicht hundertprozentig kennt.“
    Aha. Jetzt sprachen wir also von seiner Ex-Freundin. Das wollte ich genauer wissen:
    „Was für Erfahrungen hast du denn gemacht?“
    „Ich weiß nicht, was Lukas alles erzählt hat, aber ich gehe mal davon aus, dass du weißt, wer Christina und Tom sind?“
    Ich nickte nur und fühlte mich ein wenig ertappt.
    „Das war mir klar.“ Er grinste. „Ich hab ihn ja auch über dich ausgefragt, war klar, dass er dir etwas über mich erzählen würde. Aber das ist ja überhaupt nicht schlimm, du sollst es ruhig alles erfahren. Ich war mit Christina lange zusammen, wir kannten uns auch schon vorher unser halbes Leben, ich sah sie jeden Tag in der Schule und auch noch in der Kirche. Und trotzdem entpuppte sie sich als ganz anderer Mensch. Ich hab ihr wirklich bedingungslos vertraut und trotzdem hat sie mich so sehr enttäuscht und verletzt. Ich denke du weißt ja Bescheid.“
    „Ich weiß es, grob zumindest. Das tut mir sehr Leid für dich.“
    „Das muss es nicht. Ich bin froh, dass ich es überhaupt gemerkt habe. Und die Erfahrung machte mich klüger, aufmerksamer. Ich bin jetzt nicht mehr so leichgläubig.“
    „Ich könnte mir vorstellen, dass man durch so etwas eifersüchtiger wird.“
    „Das müsste man sehen. Ich habe es seit Christina ja nicht mehr darauf ankommen lassen.“
    Bei diesen Worten trafen sich wieder unsere Blicke und eine dicke, fette Gänsehaut lief mir den Rücken hinab. Ich war ernsthaft am überlegen, ob ich es darauf ankommen lassen würde, mit ihm?
    „Willst du überhaupt jemals wieder eine Freundin haben?“
    Ich war wieder einmal erstaunt über meinen Mut! Ich hatte noch mit niemandem so ein Gespräch geführt, und jetzt schaffte ich das ausgerechnet mit Nik!
    „Na aber auf jeden Fall!“ Er grinste, „Aber ich würde es mir besser überlegen. Und ich habe genauere Vorstellungen.“
    Wieder blickten wir uns in die Augen, seine Anziehungskraft raubte mir beinahe den Atem und die Ernsthaftigkeit unserer Unterhaltung ließ ihn in meinem Ansehen beträchtlich steigen. Ich mochte ihn und seine Ansichten, dass er seine Empfindungen ausdrücken konnte und sich nicht scheute mir, der eigentlich Fremden, davon zu erzählen.
    „Du würdest nichts Spontanes mehr machen, oder?“
    „Wenn ich eine gewisse Sicherheit habe, dann doch, natürlich. Das wäre ansonsten auch gegen meine Natur.“
    „Das ganze ist gar nicht so leicht, wie man sich das denkt...“
    „Nein... irgendwie nicht.“
    Die ganze Zeit blickten wir uns in die Augen und die Spannung zwischen uns war deutlich zu spüren, ich wusste, da lief etwas zwischen uns, es war fast nicht mehr zu leugnen, ich konnte mich auch nicht mehr lange selbst davon abhalten, etwas für ihn zu empfinden.
    Auf einmal hörten wir Stimmen und da tauchten auch schon Lukas und Patrick auf. Na toll. Wer weiß, wozu es an diesem Abend, in diesem magischen Moment zwischen uns sonst noch gekommen wäre…
    „Stören wir?“ fragte Luke, für meinen Geschmack viel zu offensichtlich.
    „Nein. Wobei denn?“ antwortete ich ihm mit einem wütenden Blick. Irrte ich mich, oder hatte ich Niklas leise seufzen gehört?
    Wir unterhielten uns noch eine Weile und es ging noch einmal um den Nachmittag und die Keilerei. Immer wieder warf ich sehnsüchtige Blicke zu Nik und konnte nur hoffen, dass es zwischen uns irgendwie... eindeutiger werden würde.
    Irgendwann gingen wir zurück zu den anderen und setzten uns nebeneinander auf eine Bank. Nik war mir ganz nah... ich spürte sein Bein an meinem und immer wieder berührten sich unsere Arme. Ich versuchte nicht allzu offensichtlich zu sein, es könnte immer noch sein, dass Niklas mit jedem Mädchen so sprach.
    Martin beendete dann bald den Abend und wir gingen auf unsere Zimmer. Die Jungs und wir hatten ja unsere Zimmer nebeneinander, also gingen wir gemeinsam. Vor unserem Zimmer blieben wir stehen und verabschiedeten uns. Nik sagte:
    „Gute Nacht, Roxy. Ich hoffe, du kannst schlafen...“
    „Na klar. Es ist alles wieder gut, wie ich dir vorhin schon gesagt habe.“
    „Dann sehen wir uns morgen wieder, ja? Zum Frühstück.“
    „Ja. Bis dann...“
    Ganz kurz, nur den Bruchteil einer Sekunde dachte ich, er würde sich zu mir runterbeugen und mir einen Kuss geben. Mir war, als hätte ich eine kurze Zuckung wahrgenommen. Aber es kam (leider) nicht dazu, aber auch zu nichts anderem. Vorhin hatten wir uns noch umarmt, aber jetzt fing er nicht an und ich traute mich auch nicht…
    Kaum hatte ich die Tür hinter mir und den Mädels geschlossen ging es auch schon mit der Fragerei los:
    „So, Roxana, erzähl sofort was zwischen dir und Niklas läuft!“
    Ich drehte mich um und schaute in die fragenden Gesichter von Fiona, Dina und Pia. Ich grinste ein wenig und sagte:
    „Was meint ihr?“
    Ich wollte mich nicht so festnageln lassen. Wenn ich vor anderen und besonders vor mir selbst zugeben würde, dass ich Nik mochte, dann wäre das so endgültig, dann müsste ich mir ernsthaft überlegen wie es weitergehen sollte. Doch ich wollte mich dieser Situation noch nicht stellen! Ich wollte den momentanen Zustand noch genießen, es war doch alles noch so neu für mich und irgendwie zauberhaft. Ich befand mich gerade in meinem persönlichen Märchen. Ich wollte ganz klitzekleine Schritte machen und alles bewusst wahrnehmen. Nichts sollte mir diese Erfahrungen versauen, es sollte alles so laufen, wie es der Lauf der Natur war.
    „Komm! Ich sehe doch, ihr hängt nur zusammen rum! Seit du da bist weicht er dir nicht mehr von der Seite!“ begann Fiona.
    „Ach ist das so? Ich finde das nicht so eindeutig...“
    „Es ist mehr als das.“ meinte auch Dina, „Du kennst ihn ja noch nicht so lange, aber glaub mir, er mag dich. Er guckt dir ständig hinterher!“
    „Wirklich?“
    „JA! Glaub mir, seit mit Christina Schluss ist hat er sich nie so intensiv um jemanden bemüht!“
    „Was meint ihr denn mit ‚intensiv’? Und außerdem hatte ich das Gefühl, dass er viel mit Mandy macht.“
    „Ach, Mandy macht viel mit ihm, das trifft es eher. Er hätte sie längst haben können, wenn er gewollt hätte.“
    „Und intensiv, nun ja, er nutzt doch jede Gelegenheit um mit dir zusammen zu sein... er spricht ständig mit dir...und bezieht dich ein!“
    „Aber das... ihr könnt doch nicht sowas sagen, nach dem ich gerade mal drei Tage hier bin!“
    „Naja. Aber es kommt mir so vor.“
    „Gerade eben hat er mir erzählt, dass er sich ganz viel Zeit lassen will, bevor er eine neue Beziehung anfängt. Und dass er sich das viel besser überlegen will. Würde er das sagen, wenn er eine Beziehung mit mir wöllte??“ fragte ich ungläubig.
    Fiona sagte:
    „Klar! Um dir zu zeigen, dass er es Ernst meint und wie erwachsen er ist!“
    „Das würde ich auch sagen.“ mischte sich Pia mit ein.
    „Nee, so ist es irgendwie nicht zwischen uns. Wir haben uns ein bisschen unterhalten, mehr aber nicht.“
    „Ach, dann war er nicht rasend eifersüchtig, als er erfahren hat, dass dieser Jörn dich geküsst und beinahe vergewaltigt hat?“
    „Nein. Er wäre mit Sicherheit auch wütend gewesen, wenn er das mit einer von euch gemacht hätte.“
    „Wütend vielleicht schon, aber nicht eifersüchtig!“
    Triumphierend blickte Fiona mich an.
    „Ich glaube das alles nicht! Ich bin noch gar nicht richtig hier, und schon soll sich jemand für mich interessieren? Und noch dazu der schönste Kerl, den ich je gesehen habe?? Das kann einfach nicht sein, dass ist gegen jede Logik. Das ist nicht mein Leben, das ist nicht meine Art! Ich war noch nie verliebt, ich will nicht glauben, dass das so schnell geht!“
    „Ich glaube du solltest dich damit arrangieren. Geh auf ihn ein, flirte mit ihm. Ich bin sicher dann wird es schneller gehen als du denkst. Und auch schneller, als er vielleicht denkt.“
    „Wie zum Geier flirtet man?!“
    „Du hast das doch schon gut drauf. Aber ich bin auch keine Expertin...“ meinte Dina.
    „Ich habe keine Ahnung was ihr meint.“
    „Lächeln, immer schön lächeln. Und tiefe Blicke in die Augen. Das habt ihr beide schon gut drauf, er verschlingt dich doch nahezu mit seinen Augen.“
    „Sag das nicht... das kribbelt!“ wunderte ich mich.
    „Na siehst du! Du bist verliebt!“
    Darauf wusste ich nichts mehr zu sagen. Dieses Wort hatte ich noch nie im Zusammenhang mit mir gehört und ehrlichgesagt wollte ich auch gar nicht mehr darüber nachdenken, wie schrecklich unerfahren ich war. Also lenkte ich sie ab:
    „Was ist denn mit euch, hä? Ich wollte ja eigentlich was über euch erfahren.“
    Und dann erzählten sie mir, in wen sie verliebt waren. Fiona mochte Benni, Pia mochte Patrick und Dina sagte, sie wäre in niemanden verliebt. Wir lachten und diskutierten noch lange, ich fragte sie viel und ich erfuhr noch jede Menge interessante Details über Nik und Christina. Nach den Erzählungen der drei musste sie das reinste Topmodel sein, noch schöner als Mandy. Toll, das war ja spitzenmäßig! Hatte ich mir jemals Hoffnungen gemacht? Ich war zwar schlank, aber nicht dünn. Ich hatte meine Pölsterchen und Kurven, wie man es so nett bezeichnet. Ich strahlte auch nicht gerade die pure Lebensfreude aus und mein Selbstbewusstsein hing von meiner Tagesform ab. Also... Niklas... er rückte auf einmal wieder in weite Ferne. Wie war es überhaupt dazu gekommen, dass ich so was wie Schmetterlinge im Bauch zugelassen hatte? Das war doch nicht ich, das war nicht Roxy!
    Es wurde spät als die Mädchen endlich eine nach der anderen einschliefen. Ich lag noch eine ganze Weile wach und dachte nach. Was sollte ich machen? Was konnte ich mir vorstellen, wie würde sich mein Leben verändern? Auf einmal bekam ich eine SMS, es war schon mitten in der Nacht:
    ‚Roxy? Lebst du noch? Wo steckst du, warum bist du seit Freitag nicht mehr online? Gibt es in deinem Kaff kein Internet oder was?! Alissa.’
    Alissa! Ich hatte mich gar nicht mehr bei ihr gemeldet! Ich hatte so viel um die Ohren gehabt, die Zeit war so schnell vergangen! Sofort schrieb ich ihr zurück und versprach ihr, sie am nächsten Tag mal anzurufen. Ich musste sie dringend ein paar Sachen fragen, auch wenn sie fast genauso unerfahren wie ich war.
    Dann sank ich endlich in den Schlaf – aber glücklich war ich nicht.

  16. #16
    Liebe-Leben

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    Soooo coool bitte mach das weiter
    ich hab mir beim lesen gedacht
    dass du eigentlich wenn du damit weiter machst vill ein kurzes Buch draus machen kannst
    mach bitte weiter damit
    Hmm also ich bin nicht das motto ich putze hier nur gehört da rein nehm ich mal an oder??

    Ich find Liebe ist eines der wichtigsten Dinge im Leben und damit mein ich jz nicht nur Partnerschaftlich sondern auch Freundschaftlich und Familiär und deswegen mein Name hier :P

    Mir kann jeder auch gern mal ne Pn senden wenn er/sie will

  17. #17
    Melina_Dilemma

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    Teil 7 – Wanderung

    Am nächsten Morgen dann ließen wir Mädchen uns viel Zeit mit dem Fertigmachen. Eine nach der anderen ging duschen und dann schminkte ich sie alle und half ihnen mit den Frisuren. Es machte mir einen Riesenspaß sie alle richtig schick zu machen. Dinas Locken bändigte ich mit meinem Glätteisen, aber die Spitzen ließ ich in sanften Wellen auf ihre Schultern fallen. Ich hatte ihr einen Seitenscheitel gezogen und eine kleine Spange seitlich hineingeklipst.
    Fiona bekam ihre Haare selber ganz gut hin, aber ich steckte sie ihr dann doch in eine schöne Frisur auf. Dann gab ich mir besonders viel Mühe ihre schönen grünen Augen zu betonen. Pia hielt ich nur mühsam davon ab irgendeinen knallbunten Lidschatten zu verwenden und mit einem sanften Creme-Ton sah sie schon viel hübscher aus. Ich selbst band mir einen Pferdeschwanz und ließ mir ganz viel Zeit fürs Schminken. Ich war erst fertig, als ich mich hundertprozentig gut fühlte. Dieses Mal zog ich mir wieder meine dunkelblaue Jeans an, dazu einen Sonnengelben Pulli. Triumphierend tauchten wir im Speisesaal auf und zogen gleich alle Blicke auf uns. Weil wir so lange gebraucht hatten, waren wir natürlich die letzten, alle sahen uns kommen. Ich blickte absichtlich nicht zu der Stelle, wo ich aus den Augenwinkeln einen blonden Haarschopf leuchten sah. Stattdessen ließ ich mich neben Lukas nieder und der schaute überrascht zu den anderen beiden Mädchen und seiner Schwester.
    „Was hast du mit ihnen gemacht?“ flüsterte er mir zu.
    „Gar nichts. Das, was Frauen halt so machen.“
    „Sie sehen alle drei... so anders aus!“
    „Kannst du mal sehen. Findest du jemanden besonders hübsch?
    „Dich!“ grinste er schelmisch.
    „Außer mir natürlich. Und außer Dina. Also von allen außer deinen Schwestern...“ stotterte ich.
    „Hm. Bin ich verpflichtet dir zu antworten?“
    „Ja!“
    „Später.“
    „Ich kann es kaum noch erwarten! Warum nicht jetzt?“
    „Wir beide müssen uns dann mal ausführlich unterhalten, wenn wir alleine sind.“ flüsterte er.
    „Na gut.“
    Fiona neben mir piekste mir ihren Finger in die Rippen.
    „Autsch!“
    „Sieh mal zu Nik!“ flüsterte auch sie in mein Ohr, bloß von der anderen Seite.
    „Nein!“ flüsterte ich zurück.
    „Er sieht die ganze Zeit zu dir rüber! Sag ihm Hallo!“
    „Nein!“
    „Warum nicht?“
    „Dann denkt er, ich mag ihn und denke die ganze Zeit nur an ihn!“
    „Tust du das nicht?“
    „Nein!! Zumindest muss er sich sowas ja nicht einbilden.“
    „Aber das ist flirten, Roxy!“
    „Ich will aber nicht!“
    Lukas sagte:
    „Was gibt es denn zu tuscheln?“
    „Denkst du, das sagen wir dir?“ gab Fiona frech zurück.
    „Wer flüstert lügt!“
    Ich kicherte und ließ unbewusst meinen Blick schweifen. Bumms! Da war ich in einem paar strahlend blauer Augen hängen geblieben. Niklas hob zum Gruß seine Hand und lächelte strahlend. Um mit ihm zu reden saß er zu weit von mir entfernt, aber ich winkte ihm zurück und wandte mich dann ganz schnell wieder Fiona zu. Doch der kurze Moment hatte schon gereicht um mich von Niks Schönheit blenden zu lassen. Ich hatte über Nacht ganz vergessen was für ein makellos schönes Gesicht er hatte und wie fein und ausgeprägt seine Gesichtszüge waren! Wenn er so strahlte wirkte er beinahe übersinnlich. Man! Er sollte mich wirklich nicht so ansehen, dass ließ diese kleine Pflanze der Hoffnung in mir wachsen. Und das war definitiv nichts Gutes. Die Schramme die er von dem Kampf gestern davongetragen hatte war heute noch ein wenig gerötet, sah aber schon besser aus.
    „Na bitte!“ seufzte Fiona.
    „Das war nicht mit Absicht!“
    „Umso besser. Schön natürlich.“
    „Das ist doch alles Quatsch!“
    „Warts nur ab...“

    Nach dem Essen war eine Wanderung in die Berge mit Klettertour angesagt. Ich Stadtkind hatte so etwas in meinem Leben noch nicht gemacht, ich hatte also die besten Voraussetzungen um mich zu blamieren. Dementsprechend gut gelaunt fand ich mich mit den anderen Mädchen von meinem Zimmer in praktischerer Kleidung auf dem Hof wieder. Das bedeutete, dass ich die schicke Jeans, die so einen tollen Hintern machte, gegen eine weitere austauschen musste, die nicht halb so toll saß. Jeder bekam ein Verpflegungspaket und dann marschierten wir los. Ich vermied es tunlichst irgendwie an Nik zu geraten und lenkte mich mit dem Mädchenkram von Fiona, Pia und Dina ab. Sie plapperten ununterbrochen und ich musste gar nicht so genau hinhören, um alles mitzubekommen. Irgendwann tauchte Patrick neben mir auf:
    „Hey!“ strahlte er mit seinem breiten Grinsen.
    „Hey.“ grinste ich zurück.
    „Wie hast du geschlafen?“
    „Wegen der Sache gestern? Gut. Wie immer.“
    „Ehrlich? Darf ich mal deine Arme sehen?“
    Er wartete meine Antwort gar nicht ab und rollte den Ärmel meines dünnen Pullis auf der rechten Seite vorsichtig nach oben.
    „Oh! Das ist ja noch schlimmer geworden! Und das tut weh, das sehe ich dir an.“
    „Heute tut es wirklich ein wenig weh.“ sagte ich schüchtern.
    Mein Selbstbewusstsein hatte ich heute anscheinend in der Burg zurückgelassen. Vielleicht lag es an dem Pickel auf meinem Kinn, vielleicht auch daran, dass mein Versuch Nik aus dem Weg zu gehen anscheinend funktionierte. Warum ärgerte mich das, zum Henker!!? Das wollte ich doch!
    „Kannst du damit überhaupt klettern?“
    „Ich weiß nicht. Ich bin noch nie geklettert...“
    „Hm. Es könnte dir wehtun, du musst dich ja teilweise hochziehen und so. Musst du mal schauen, ich kann dir helfen. Du musst nur sagen wenn dir was weh tut.“
    „Danke. Ist das denn sehr schwierig?“
    „Naja, es wird bei dem einen oder anderen etwas länger dauern, aber wir werden schon alle hochkommen. Hast du Höhenangst?“
    „Nein, das zum Glück nicht.“
    „Dann hast du schon mal gute Karten.“
    „Kannst du denn klettern?“
    „Oh ja, meine Eltern sind total verrückt danach, sie haben mich und meine Schwester schon als Kinder immer mitgenommen. Sie waren schon im Himalaja und sind dort rumgekraxelt.“
    „Echt? Waren sie auf so einem richtig hohen Berg?“
    „Naja, nicht ganz oben, aber schon auf über 5000 Meter.“
    „Da musst du aufpassen, wegen der Höhenkrankheit, nicht wahr?“
    „Genau. Wenn du höher willst musst du deinen Körper immer erst akklimatisieren lassen. Dafür brauchst du Zeit, meine Eltern waren 8 Wochen weg.“
    „Das wäre auch was für meine Eltern, die sind auch so verrückt. Sie leben in einer Zeltstadt! In der Wüste! Und das für ein ganzes Jahr...“
    „Das ist wohl nicht so dein Ding, was?“
    „Keine Ahnung, ich war ja noch nie mit. Aber ich stell’s mir seltsam vor. Freiwillig ohne jeden Komfort.“
    „Wo habt ihr denn immer so Urlaub gemacht?“
    „Auch in den Bergen, oftmals. Meine Großeltern haben ein Haus in den Schweizer Bergen, dort waren wir fast jedes Jahr. Und natürlich im Winter, zum Skifahren. Letztes Jahr waren wir in London und sind danach nach Schottland weitergefahren, das Jahr davor waren wir in Norditalien. Meine Eltern sind so typische Städtereisende.“
    „Dann hast du bestimmt schon viele Sehenswürdigkeiten gesehen oder?“
    „Oh ja. Es gibt ein Bild von mir vorm Eifelturm, eines vor der Oper in Sydney und eines, wo ich auf der Sphinx stehe.“
    Patrick lachte.
    „Von mir gibt es ein Bild von 1989, wo ich auf der Berliner Mauer stehe und jubele.“
    „Hehe, da gibt es in unserer Familie auch jede Menge Bilder. Kennst du dich ein bisschen in Berlin aus?“
    „Eigentlich nicht. Früher waren wir öfters dort, aber nicht mehr in den letzten Jahren.“
    „Ich liebe Berlin. Es ist irgendwie pures Leben dort. Es gibt ständig was Neues und es ist nie ruhig, es sei denn du fährst an den Wannsee.“
    „Du vermisst das Stadtleben schon jetzt, oder?“
    „Noch geht es. Ich hatte ja noch nicht so viel Zeit mich zu langweilen.“
    Lukas und Ben kamen auf unsere Höhe und wir unterhielten uns wieder über die Klettertouren, die sie schon unternommen hatten. Ich schaute mich unauffällig nach Nik um, Er lief nur knapp hinter mir, neben Thomas. Natürlich bemerkte er meinen Blick.
    „Hey Roxy...“ sagte er leise.
    „Hey!“ gab ich zurück und mein Herz hüpfte sofort wieder, aber dann wandte ich mich wieder Patrick zu und wir quatschten noch über dies und jenes.
    Aber ich war nicht ganz bei der Sache. Insgeheim horchte ich immer nach Niks Stimme und wartete auf eine Reaktion von ihm. Warum verhielt ich mich eigentlich so seltsam?? Die ganze Nik-Sache war mir irgendwie zu schnell gegangen und mir fehlten die Erfahrung und das Selbstvertrauen. Deshalb hielt ich mich zurück. Aber es irritierte mich dann doch, dass er sich gar nicht so selbstverständlich zu mir gesellte, wie in den vergangenen Tagen… wirkte ich etwa so abweisend? Insgeheim wollte ich wahrscheinlich wissen wie hartnäckig er war. Ob er sich wirklich so einfach abschütteln ließ? Durch einfache Nichtbeachtung?
    Nach etwa zwei Stunden machten wir eine Pause und verzehrten unser Lunch. Wir waren schon ganz schön hoch gelaufen und die Felswände, an denen wir hochklettern sollten, kamen immer näher. Ich lief ein Stückchen weiter unter den hohen Bäumen hindurch. Die Sonne war hinter ein paar Wolken verschwunden und es wurde noch kühler. Ich fror ein wenig und kramte in meinem Rucksack nach meiner schwarzen Softshell-Jacke. Auf einmal hörten die Bäume auf und ich trat an einen felsigen Abgrund. Es ging mindestens hundert Meter steil nach unten. Ich konnte nur staunen, vor mir breitete sich ein tiefes Tal aus, durchschnitten von einem Fluss. Ich knabberte an meinem Apfel, bestaunte die Wunder der Natur und merkte gar nicht, dass jemand neben mir stand, erst als ich eine Stimme hörte:
    „Das ist atemberaubend, was?“
    Niklas. Ich erschrak und wirbelte herum. Er kicherte und umfasste schnell mein rechtes Handgelenk:
    „Pass auf, nicht das du noch da runter fällst!“
    „Du kannst doch hier nicht so einfach aus dem Nichts auftauchen!“ erwiderte ich atemlos.
    „Entschuldige, ich wollte dich nicht erschrecken.“
    Noch immer hielt er mich fest. Meine Zurechnungsfähigkeit verkroch sich in diesem Moment nach unten in die Schlucht und winkte mir zu.
    „Was machst du denn hier?“
    Meine Stimme klang merkwürdig und es hatte mich viel Mühe gekostet diese wenigen Worte auszusprechen.
    „Ich habe gesehen, dass du hier hergekommen bist und wollte sowieso schon die ganze Zeit mit dir reden.“
    Wow. Einmal mehr stellte ich fest wie sehr ich feinfühlige Menschen mochte. Es war ihm also definitiv aufgefallen, dass ich auf Abstand zu ihm gegangen war. Und das beendete gleichzeitig meine ganzen Grübeleien.
    „Über was denn?“
    „Wegen gestern Abend... ich, ähm, ich hatte irgendwie das Gefühl, dass ich irgendwas gesagt haben könnte, was dich geärgert hat, oder so? Ich meine, du gehst mir aus dem Weg... Vielleicht habe ich zu viel gequatscht? Ich wollte unbedingt versuchen, es wieder gut zu machen...“
    Bei seinen Worten versetzte es mir einen Stich. Ich wollte es doch einfach nur langsam angehen lassen und ihn nicht gleich abschrecken! Ich hatte anscheinend echt keine Ahnung.
    „Aber es ist nichts! Wirklich, ich weiß nicht, wie du darauf kommst?“
    „Ehrlich? Ich... gestern hatten wir gar keine Gelegenheit uns richtig zu verabschieden. Und heute Morgen... du hast gar nichts gesagt... ich dachte, ich bin dir vielleicht auf die Nerven gegangen.“
    „Ich hatte nicht den Eindruck, dass du dich verabschieden wolltest, es tut mir Leid... und du bist mir auch nicht auf die Nerven gegangen, das würde ich dir schon sagen. Es ist nur...“
    Ich bekam es nicht hin, weiter zu sprechen, seine Nähe war einfach zu... spürbar, noch immer hielt er mein Handgelenk umfasst und seine Augen blickten geradewegs in mein Gesicht. Der Abgrund schien mich irgendwie anzuziehen, zumindest hatte ich das Gefühl, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Gleich würde ich meine Zurechnungsfähigkeit persönlich da unten abholen können.
    „Mir tut es Leid. Dann hab ich da wohl was falsch verstanden... oder irgendwie falsch interpretiert...“
    Er sah verlegen zur Seite, ließ meine Hand los und schickte sich an zu gehen. Es brach mir fast das Herz! Ich wollte ihm nahe sein! Es gefiel mir so sehr. Ich beschloss mich einfach nicht mehr dagegen zu wehren und die Dinge sich entwickeln zu lassen. Ich wollte mich in dieses Abenteuer stürzen.
    „Nein.“ sagte ich und ergriff todesmutig seine Hand, um ihn aufzuhalten, „Vielleicht hast du auch ein bisschen Recht gehabt, ich bin nur so... unerfahren, weißt du? Ich bekomme es nicht so richtig auf die Reihe, mit neuen Leuten umzugehen. Ich wünschte ich könnte es.“
    Er hatte sich sofort wieder mir zugewandt und ich hatte seine Hand wieder losgelassen.
    „Also bist du nicht böse auf mich?“
    „Wieso sollte ich das? Du hast mir doch gar keinen Grund dazu gegeben, im Gegenteil, du hast mich gestern gerettet. Es ist mir auch irgendwie ein bisschen peinlich, das Ganze.“
    „Peinlich? Das braucht es dir nun wirklich nicht zu sein! Wirklich nich, du warst doch so tapfer! Ich dachte eher, weil ich so viel über mich geredet habe. Über meine Vergangenheit. Das macht man eigentlich nicht und ich habe mich so geärgert, ich hätte gern auch noch ein bisschen was von dir erfahren.“
    „Bei mir gibt’s nicht viel zu wissen. Eigentlich gar nichts...“
    „Komm, wir gehen wieder zu den anderen zurück, sonst suchen sie uns noch. Erzählst du mir, warum du so unsicher bist? Ich meine, du hast doch überhaupt keinen Grund dazu.“
    „Hm.“ Ich bugsierte meinen Rucksack auf meinen Rücken und wir setzten uns langsam in Bewegung, während ich weiter sprach, „Ich weiß nicht. Ich bin einfach so. Früher als Kind war das nicht weiter schwierig, da hatten Menschen ja auch einfach eine andere Bedeutung für mich. Aber als ich älter wurde... vielleicht liegt es daran, dass ich gerne lese und Musik höre und so, ich bin nicht jeden Tag unterwegs. Ich genieße es nach der Schule einfach mal meine Ruhe zu haben.“
    Er nickte:
    „Aber deshalb brauchst du doch nicht zu denken, du würdest nicht gut ankommen. Ich höre auch gerne Musik.“
    „Naja. Aber ich merke es doch, ich bin nicht so der gesellige Typ Mensch. Es hat mich ja auch noch nie jemand geküsst, wie du ja weißt.“ sagte ich leise und blickte ihn kurz an.
    „Das musst du mir auch noch erklären. Das verstehe ich ja noch weniger. Warst du noch nie verliebt?“ er lächelte wieder und blickte mir mit warmen Blick ins Gesicht, aufmunternd und gleichzeitig interessiert.
    „Ich habe eben noch nie jemanden kennen gelernt, bei dem ich die Gelegenheit gehabt hätte. Es hat sich einfach nie ergeben.“
    „Das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen!“
    „Warum nicht?“
    „Weil du... naja, ich meine, du bist hübsch, du bist nicht auf den Mund gefallen, clever und interessant... ich kann nicht glauben, dass es nie jemand versucht hat!“
    Innerlich erstarrte ich bei seinen Worten. Er fand mich also hübsch?? Und interessant? Das fand ich wiederum sehr interessant.
    „Wie kommst du darauf, dass es nie jemand versucht hat? Das habe ich doch gar nicht gesagt.“ grinste ich.
    „Du hast Recht, tut mir Leid. Aber das hätte mich auch wirklich sehr gewundert.“
    Während er das sagte warf er mir einen leicht verschämten und gleichzeitig wunderschönen Blick zu und strich sich mit einer Hand ein paar widerspenstige Strähnen aus dem Gesicht. Ich liebte diese Geste schon jetzt.
    „Aber du hast Recht! Es hat sich einfach noch niemand für mich interessiert, denke ich.“
    „Das glaube ich einfach nicht. Ich finde dich so erfrischend anders! Gut das klingt doof, aber ich finde, du bist was absolut Besonderes. Wie konnte das bis jetzt niemand sehen?!“
    Wir kamen wie wieder bei den Anderen an. Sie hatten uns noch nicht vermisst, aber kaum waren wir wieder da, drängte Martin zum Aufbruch und alle setzten sich wieder in Bewegung. Nik und ich unterhielten uns noch den ganzen Weg über uns und ich hatte keine Angst, ihm alles zu erzählen. Er war unglaublich scharfsinnig und ich fühlte mich total verstanden. Meine komischen Berührungsängste vom Vormittag waren wie weggeblasen, ich fühlte mich ihm wieder so nah. Wir liefen die ganze Zeit nebeneinander her und niemand schien uns zu beachten, aber einmal fing ich Lukes Blick auf und er zog eine Augenbraue hoch, als wollte er mir sagen ‚Ich wusste es!’.
    Irgendwann hatte ich so viel Mut gesammelt, dass ich ihm eine Frage stellen konnte, die mich schon die ganze Zeit bewegte:
    „Du hast vorhin gesagt, ich wäre erfrischend und anders. Was meintest du denn damit?“
    Er lächelte:
    „Na genau das! Schon von den ersten Worten an, die wir beide gewechselt haben, wusste ich, dass ich dich mögen würde. Es ist einfach… ich hab noch nie jemanden kennen gelernt, mit dem ich so ungezwungen reden kann. Du machst es einem irgendwie total leicht. Ich habe das Gefühl, dass du von Anfang an ehrlich warst, zu allen. Solche Menschen trifft man selten. Ich bin so froh, dass du mich nicht total dämlich findest und mit mir redest.“
    „Wow. Das du so was sagst… Das habe ich noch nie über mich gehört. Nie würde ich mich selbst so einschätzen. Ich denke das liegt zum Großteil an dir… an euch allen. Ihr seid alle so offen und habt es mir so leicht gemacht! Ich fühle mich so gut aufgenommen und habe gar keinen Grund, nicht ehrlich zu sein. Ich kann also die Komplimente nur zurückgeben.“
    Er lächelte mich an und es ließ mich erschaudern. Meine Füße fühlten sich auf einmal taub an und ich hatte Mühe nicht zu stolpern oder sonst welche dämlichen Sachen zu machen.
    „Ich kenne niemanden wie dich. Deshalb ist es mir auch so wichtig, dass es zwischen uns keine Missverständnisse gibt.“
    Bei diesen Worten blickten wir uns wieder lange in die Augen. Irgendwie fand ich es toll, was er sagte, aber es hörte sich nicht gerade nach einer Romanze an. War ja auch klar, ich war mit Sicherheit nicht sein Typ, um es mal nett auszudrücken.

  18. #18
    Melina_Dilemma

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    Leider kamen wir in dem Moment an der Wand an, die wir hochklettern sollten. Furchteinflößend steil ragte sie vor uns auf, ich bekam doch ganz schön Bammel, meine Fresse, das war nichts für Anfänger wie mich! Es gab eine kleine Hütte wo man sich die ganzen Seile, Gurte und so ausleihen konnte. Martin hatte uns angemeldet und ein Typ verpasste uns eine Anleitung, wie wir uns anseilen sollten und zeigte uns ein paar Moves. Es dauerte über eine Stunde bis jeder seine Gurte umgeschnallt hatte und wusste, wie die Karabinerhaken und Sicherungsseile funktionierten. Ich hatte nur noch mehr Schiss, zumal ich unglaublich bescheuert aussah, jedes Bein steckte in einem Gurt. Niklas, wieder mal einem Gott gleich, kletterte nicht zum ersten Mal und hatte seine eigenen Gurte dabei, wie einige andere auch noch. Patrick wagte sich als erstes in die Wand und machte eine super Figur. Er bot mir an, mir zu helfen, aber Niklas schlug sein Angebot aus:
    „Fang du schon mal an, ich helfe ihr.“
    „Denk an ihre blauen Flecken, sie könnte sich wehtun!“
    „Zur Not nehme ich sie auf den Rücken.“
    Sie redeten über mich, als wenn ich nicht dabei wäre. Ich grinste nur ein bisschen und wunderte mich über den feindseligen Blick, den Nik Patrick zuwarf.
    Nach Patrick waren schon Benni, Thomas und ein anderer Junge namens Philip unterwegs, dann war ich dran. Niklas folgte mir, gab mir Anweisungen, half mir, wenn ich irgendwo nicht dran kam und machte mit mir Pausen, wenn ich nicht mehr konnte. Ich muss schon sagen, er war wahnsinnig lieb zu mir. Ständig hatte ich seine blauen Augen vor mir und sein ausgesprochen angenehmer Duft stieg mir in die Nase. Wir lachten viel und ich fühlte mich super gut aufgehoben. Die Höhe machte mir wirklich nichts aus aber gefährlich kam es mir trotzdem vor. Oben streckte mir Patrick seine Hand hin und zog mich hoch, und ich ließ mich der Länge nach hinfallen. Ich war durchgeschwitzt und völlig erledigt. Einige Strähnen hatten sich aus meinem Zopf gelöst und klebten mir an der Stirn. Meine Zunge fühlte sich an wie ein staubiger Scheuerlappen und ich wusste genau, dass von meinem kunstvollen Make-up nichts mehr übrig sein würde. Nik erklomm mit einer anmutigen Bewegung die Kante und setzte sich neben mich auf den harten Felsboden. Meine Oberarme taten mir weh, aber nicht wegen der blauen Flecke, sondern wegen der Muskelanstrengung. Und ich hatte ja so gut wie keine Muskeln. Das Nik welche hatte konnte ich nur erahnen, aber so federleicht, wie er sich bewegte, musste er welche haben. Nachdem wir uns genug ausgeruht hatten gingen wir ein Stück weiter und setzten uns auf ein paar Felsen um die atemberaubende Aussicht zu genießen. Wir beobachteten die anderen, wie sie nach und nach oben ankamen, einer völlig am Ende, der nächste frisch wie der junge morgen.
    Mandys blonde Haarpracht tauchte auf, sie sah kein bisschen zerzaust oder mitgenommen aus. Ich wollte gar nicht wissen, wie ich aussah! Es war so gemein, warum gab es Menschen, dir rundherum perfekt waren? Sie kam zu uns rüber und ließ sich zwischen Patrick und Nik sinken, genau vor mich. Nett.
    „Puh, eine ganz schöne Strecke.“ sagte sie mit ihrer weichen Sopranstimme.
    „Ging, oder? Wir hatten schon härtere Touren.“ antwortete ihr Patrick.
    „Auf jeden Fall. Du bist noch nie geklettert, nicht wahr Roxy?“
    Ich erschrak regelrecht. Sie hatte noch nie persönlich das Wort an mich gerichtet! Ich hatte mich hingelegt und starrte in die Wolken, doch jetzt musste ich ja wohl mit ihr reden und sofort spürte ich die Unsicherheit in mir und das ärgerte mich im selben Moment.
    „Ehem, ja. War das erste Mal.“
    „Das hat man gesehen.“ Sie kicherte.
    „Sie hat sich dafür doch super geschlagen!“ verteidigte mich Patrick.
    „Fand ich auch.“ sagte auch Nik.
    Ich zog es vor nichts mehr zu sagen und mich aus diesem Gespräch rauszuhalten, außerdem fühlte ich mich bestens verteidigt.
    „Nett von euch, dass ihr Roxy geholfen habt.“
    „Sie brauchte mich fast gar nicht.“ hörte ich Nik sagen.
    Neeeiiin, überhaaaaupt nicht. Ohne ihn wäre ich abgestürzt, mehr als nur einmal...
    „Möchte jemand noch mein Lunchpaket? Ich hatte keinen Hunger.“ fragte Mandy.
    „Immer her damit!“
    Patrick schnappte sich ihren Beutel, er war noch ungeöffnet. Ich hatte alles aufgefuttert. War ja klar.
    „Was ist mit deiner Wange, Niki? Sieht ja total schmerzhaft aus.“
    Sie streichelte sein Gesicht und lächelte ihn an, außerdem kroch sie ihm fast auf den Schoß. Ich hätte kotzen können...
    „Ach geht schon. Wirklich.“
    Ich staunte ob ihrer Dreistigkeit!? Sowas würde ich mich nie trauen! Ich ärgerte mich so vor mich hin, als ich eine Bewegung neben mir wahrnahm. Ich drehte mein Gesicht und schaute in Niks, er hatte sich ebenfalls hingelegt, ganz nah neben mich und grinste mich an:
    „Alles ok?“
    „Sicher.“
    „Ist dir kalt?“
    „Nein. Ist angenehm.“
    „Dann ist es ja gut.“
    Ich ließ meine Augen über seinen Hals und seine Brust nach unten wandern. Er hatte die Arme unter dem Kopf verschränkt und schaute jetzt ebenfall in den Himmel. Sein Shirt war ein Stückchen hochgerutscht und ich konnte einen ultrastraffen, muskulösen Bauch sehen. Verdammt noch mal! Heiß! Ich verweilte mit meinen Augen ein Weilchen auf seinem Bauch, dann ließ ich sie wieder nach oben bis zu seinem Gesicht wandern. Perfekt. PERFEKT! Wunderschön, atemberaubend, unglaublich, unvergleichlich... schoss es mir durch den Kopf. Mir fielen gar keine passenden Worte für ihn ein. Und wiedereinmal wunderte ich mich über mich selbst. Wie hielt ich es neben ihm aus ohne nur dummes Zeug zu schwätzen und anzufangen zu stottern? Fremde Jungs und ich – das war bisher nie gutgegangen. Aber irgendwie brachte er mich dazu absolut ehrlich zu ihm zu sein. Wenn er mich fragen würde, wie ich zu ihm stünde, ich würde seinen blauen Augen nicht wiederstehen können und ihm sagen, dass ich schon ganz schön verliebt in ihn wäre. Oh ja, das würde ich.

    Als endlich alle oben angekommen waren machten wir uns an den Abstieg. Der war zum Glück nicht weiter schwierig und den Großteil fuhren wir mit einer Seilbahn nach unten. Die ganze Zeit über wich mir Nik nicht mehr von der Seite und immer wieder berührte er mich wie zufällig, oder ich ihn oder er streckte mir seine Hand entgegen um mir irgendwo rauf oder runter zu helfen. Seine Nähe und der Umgang mit ihm waren mir auf einmal so vertraut, dass ich mich traute Dinge zu tun, die ich mir sonst hundert pro verkniffen hätte. Wir saßen zu zweit auf einem Stein und warteten auf ein paar Nachzügler der Gruppe, als sich mal wieder unsere Blicke ineinander verhakten. Er lächelte ganz leicht und ich berührte wie von einer unsichtbaren Macht gesteuert die Schramme auf seiner Wange, ganz leicht nur, aber noch im selben Moment wurde mir bewusst, dass ich mich ganz schön weit vorgewagt hatte:
    „Das sieht aber gefährlich aus...“ sagte ich, gespannt wie ein Flitzebogen wie sich meine Berührung auf das relativ zwanglose Gespräch auswirken würde.
    „Findest du? Ist das gut oder schlecht?“ er hob den linken Mundwinkel ein bisschen an und zeigte ein kleines, schiefes und eine Spur provozierendes Lächeln.
    „Hm. Ich glaube gut.“
    Wurde ich etwa rot??
    „Ist ja auch schließlich eine Verletzung aus einer Ehrentat.“ sagte er dramatisch und reckte dabei seine Brust heraus und hob seinen Kopf ein wenig an.
    Ich musste laut lachen.
    Wahrscheinlich hatte ihm meine Berührung den Mut gegeben sich ebenfalls nach meinen Blessuren zu erkundigen, denn er strich mir über meinen linken Oberarm und fragte:
    „Und wie geht es deiner Kriegsverletzung?“
    „Sieht schlimmer aus als Gestern, ist aber alles ok.“
    „Es tut bestimmt weh...“ Zärtlich streichelte er meine Arme und blickte mir dabei tief in die Augen. „Ich muss es mir dann nachher im Hellen noch mal angucken. Es ist schon ganz schön dunkel geworden...“
    Es stimmte, die Dämmerung war bereits ziemlich weit voran geschritten.
    „Okay.“ Es war nicht viel mehr als ein Hauchen.
    Noch immer ließen mich seine Augen nicht los…
    „SO, es geht weiter!“ brüllte Martin und vorbei war der Moment.
    Umständlich erhoben wir uns und machten uns auf, die letzten paar Meter noch zurückzulegen.
    „Was machen wir heute Abend eigentlich noch?“ fragte Nik die Allgemeinheit.
    „Nichts. Ihr könnt machen was ihr wollt. Morgen gehen wir baden.“ antwortete Martin ihm.
    Begeisterungsstürme erhoben sich. In dem gleichen Maße, wie diese Nachricht die Stimmung bei den anderen hob, senkte sie meine. Baden... ich hasste baden und ich hasste öffentliche Schwimmhallen und ich hasste all die aufdringliche Kerle in Denselben. Kein Make-up überstand diese mit Chemie- und was-weiß-ich-noch-allem-verseuchte Brühe, meine Haare würde struppig und wild aussehen und außerdem hatte ich keine Lust, dass mein Körper ungeschönt dem direkten Vergleich mit Mandy ausgesetzt werden sollte. Baden gehen... Niklas musste mir meine unbändige Vorfreude wohl angesehen haben:
    „Darauf hast du wohl keine Lust?“
    „Nee. Ich mag keine Schwimmhallen. Da drin stinkt es. Und all die Menschen in hässlichen Badesachen...“
    „Ich kann dich verstehen, aber wo wir morgen hinfahren werden wird es dir gefallen. Das ist eine riesige Anlage mit ganz vielen Rutschen und anderen tollen Sachen. Nicht so langweilig.“
    Das munterte mich trotzdem nicht besonders auf.

    Nachdem wir wieder auf der Burg angekommen waren gab es erst mal Abendessen. Ich hatte einen durchaus großen Appetit und schaufelte mir genauso viele Bratkartoffeln mit Ei und Schinken rein wie Lukas. Oh ja, essen konnte ich. Danach wollten sich einige von uns noch in den Aufenthaltsräumen der Jugendherberge treffen. Aber ich schickte die Mädels schon mal vor, denn ich wollte endlich Alissa anrufen:

    „Alissa! Ich bin’s!“
    Sofort brachen wüste Flüche am anderen Ende der Leitung los.
    „Maaaaan! Wo steckst du?! Ist alles in Ordnung bei dir?“
    Es war wirklich mehr als überfällig gewesen, dass ich ihre vertraute, leicht überdrehte Stimme am anderen Ende der Leitung zu hören bekam. Sofort fiel ich in den sarkastischen Insider-Tonfall, der zwischen uns beiden üblich war:
    „Nichts ist in Ordnung! Du hast ja keine Ahnung wo ich hier rein geraten bin!“
    „Oh-oh! Mafia? Frauenhandel?“
    „Hä? Ich bin nicht in Berlin, ich bin doch auf dem Dorf!“
    „Und wo bist du dann rein geraten?“
    „Ich bin in eine kirchliche Jugendgruppe rein geraten!“
    „WAS? Ach warte, du wohnst ja bei einem Pfarrer...“
    „Genau. Gleich am ersten Abend, am Samstag bin ich dort aufgeschlagen und mitten rein. Du kannst dir nicht vorstellen, was die hier für einen hammergeilen Typen haben!“
    „Wie bitte?“
    „Ich bin im Dunkeln mit einem Typen zusammengerannt. Und er war ganz nett, wir haben uns gleich ein bisschen unterhalten, und ich dachte schon bei mir, wer weiß, wie er aussieht. Und stell dir vor, wir kommen ins Licht und es haut mich aus den Pantoffeln! So einen gutaussehenden, perfekten wunderschönen Menschen habe ich noch nie zuvor gesehen!“
    „Erzähl keinen Scheiß!“
    „Lissa, ein blonder Supertyp, er sieht aus wie ein Model!“
    „Seit wann stehst du auf Models?“
    „Tu ich doch nicht, aber ich wollte dir nur verdeutlichen, dass er Hammer aussieht! Richtig Hammer!“
    „Echt! Und? Habt ihr was miteinander? Magst du ihn?“
    „Na wir haben richtig viel miteinander geredet, und er hat mich auch gerettet, als mich so ein anderer Typ eingeschlossen hatte, da hat er mich umarmt und gestreichelt...“
    „Stop, warte Mal, was?? Wer hat dich eingeschlossen? Und was ist da überhaupt los?! Großer Gott, wo bist du denn?“
    „Na auf der Burg! Wir sind auf Jugendkreisausflug, hehe... und da war so ein anderer Typ, der hat mich geschnappt, in einen Raum gezerrt und mich geküsst und befummelt!“
    „Nein!“ Alissas Stimme klang jetzt mehr als entsetzt.
    „Doch! Da hab ich ihn getreten und geschlagen und er hat mich eingeschlossen!“
    „Bist du in Russland? Oder aufm Balkan? Was sind denn das für Zustände!“
    „Nee... in nem anderen Dorf. Zumindest hat Nik mich gefunden und gerettet.“
    „Aha... Nik heißt der blonde Supertyp also?“
    „Genau, Niklas Maybach. Schöner Name, was?“
    „ROXANA THALHEIM, BIST DU ETWA VERLIEBT??“
    Sie schrie mir ins Ohr, ich musste mein Telefon von mir weghalten.
    „Hm. Keine Ahnung. Ich weiß es echt nicht. Ein bisschen verknallt auf jeden Fall. Aber ich will ihm nicht nur wegen seines Aussehens verfallen, aber verdammt, weißt du wie lieb der ist? Und süß und zuvorkommend, und er mag dieselbe Musik wie wir! Und er spielt Gitarre und trägt VANS-Klamotten und sagt, er will sich, bevor er eine Beziehung anfängt, ganz viel Zeit lassen. Und er sagt, es kommt nicht aufs Aussehen an, viel mehr auf den Charakter und eine sogenannte gemeinsame Ebene!“
    „Unterhaltet ihr euch darüber?“
    „Ja! Ich hab ihm alles gesagt über mich und er mir ganz viel über sich. Seine letzte Freundin hat ihn betrogen und das war ihm wohl eine Lehre. Er hat in diesem Jugendkreis hier
    mindestens eine Verehrerin die so ne richtig geile Sau ist, so eine blonde Tussi an der alles
    stimmt. Sie himmelt ihn ständig an, aber er geht nicht drauf ein!“
    „Man! Und ich bin nicht dabei! Wie kam es dazu, dass du mit einem Jungen über Beziehungen redest?!“
    „Ich weiß es auch nicht, es ging einfach so! Wie von selbst.“
    „Er steht also auch auf dich?“
    „Das ist ja das Problem, das weiß ich nicht. Ich kann es mir nicht vorstellen, andererseits, manchmal kommt es mir so vor...“

    Das Gespräch zog sich noch eine ganze Weile hin, am Ende war ich natürlich keinen Schritt weiter, aber es hatte gut getan mit jemand anderem über mein momentanes Gefühlschaos zu reden. Alissa war total neidisch und ich fühlte mich wieder selbstbewusster, sie hatte mir Mut gemacht.

  19. #19
    Liebe-Leben

    Standard

    Daaaankeeee
    Hmm also ich bin nicht das motto ich putze hier nur gehört da rein nehm ich mal an oder??

    Ich find Liebe ist eines der wichtigsten Dinge im Leben und damit mein ich jz nicht nur Partnerschaftlich sondern auch Freundschaftlich und Familiär und deswegen mein Name hier :P

    Mir kann jeder auch gern mal ne Pn senden wenn er/sie will

  20. #20
    wunderschoenewelt
    Neuling

    Standard

    weiter, weiter, weiter! :))

  21. #21
    Melina_Dilemma

    Standard

    Teil 8 – Lukas und ein Date?

    Als ich dann im Aufenthaltsraum ankam saßen die anderen in einer gemütlichen Sitzecke, ein wenig separiert. Der Fernseher lief und einige schauten sich irgendeinen Film an. Auf dem Boden hockten Philip, Timon, Elisa, Fiona, Pia und Dina um ein monströses Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel herum und schrien sich gegenseitig an. Alexandra lag mit einem Buch bäuchlings auf einer der Couchen, Karina saß vor ihr auf dem Boden und blätterte in einem Modejournal und Niklas, Patrick, Thomas und Ben spielten laut grölend Kicker. So lief also ein Abend in einer kirchlichen Jugendgruppe ab.
    Ich hatte geduscht und meine Haare offengelassen, sie waren noch ein bisschen feucht aber ich liebte den Duft von frisch gewaschenem Haar. Niklas warf mir einen Blick zu aber bevor ich mich setzen konnte schnappte sich Lukas meinen Arm und zerrte mich in eine dunkle Ecke:
    „Ich wollte doch mit dir reden...“
    „Ach ja. Was hast du denn? Aaaaah, es sollte doch auch um ein Mädchen gehen oder?“
    „Nicht so laut, ja doch, ich werd’s dir ja alles erzählen.
    „Jetzt bin ich aber wirklich gespannt du kleiner Geheimniskrämer!“
    „Erst musst du mich aufklären, Süße!“
    „Ich? Über was denn?“
    Er tat geheimnisvoll und senkte seine Stimme:
    „Also Frau Thalheim, wir beide müssen jetzt mal wirklich ehrlich zueinander sein. Es geht um existenzielle Fragen, lebenswichtig, zukunftsweisend! Keine Ausreden, kein Drumherum, ich will des Pudels Kern! Du fängst an. Ich will jetzt sofort wissen, was du über Niklas denkst. Bist du nun in ihn verknallt oder nicht?!“
    „Hey hey hey! Hast du was getrunken? Du quatscht irgendwie seltsame Sachen zusammen!“
    „Und wenn schon? Sag mir, bist du in ihn verliebt?“
    Ich war irritiert:
    „Hauch mich mal an!“
    „Ich hauche hier überhaupt niemanden an! Ist doch egal, selbst wenn ich was getrunken habe, wen interessierts? Ich hab dir doch eine einfache Frage gestellt!“
    „Es gibt manchmal keine einfache Antwort auf einfache Fragen! Und mich interessiert es, wenn du dir hier grundlos die Kante gibst! Du bist doch rund wie’n Buslenkrad! Wo hast du hier überhaupt Alkohol her?! Das ist doch eine kirchliche Jugendherberge!“
    „Himmel, Roxana! Ich bin 15! Da trinkt man ab und zu mal was, auch in christlichen Kreisen, ist das in Berlin etwa nicht so?“
    „Du musst ja nicht gleich so brüllen! Wolltest du nicht, dass keiner was mitkriegt? Jetzt gucken sie schon alle her!“
    „Dann lenk nicht ständig ab! Außerdem, woher willst du wissen, dass ich keinen Grund habe, etwas zu trinken, hä?“
    „Hm, vielleicht, weil du noch nichts gesagt hast?“
    „Du solltest ja auch anfangen. Ich warte immer noch!“
    „Du bekommst von mir auch keine Antwort, noch nicht kapiert? Mit dir stimmt doch irgendwas nicht! So lange du mir nicht sagst, was mit dir los ist, vertraue ich dir doch nicht meine Gefühle an! Wo kommen wir denn da hin?“
    Ich bekam langsam das Gefühl, dass diese Situation nicht mehr unter meiner Kontrolle war. Irgendwas lief hier gründlich schief... jetzt machte Lukas auch noch einen Schritt auf mich zu und nahm meine Hand in seine:
    „Mit mir stimmt überhaupt gar nichts mehr, und zwar seit du aufgetaucht bist! Du kommst einfach her und machst mich wahnsinnig mit deinem unschuldigen Augenaufschlag! Ich kann einfach nicht verstehen was du mit mir machst! Ich kann nicht mehr schlafen, ich kann nicht mehr denken! Ich dachte, ich würde mir alles nur einbilden, aber stell dir vor, es wird immer schlimmer! Es ist kaum auszuhalten, ich habe noch nie so… so gefühlt. Und ich will nicht mehr derjenige sein, der sich nicht in dich verlieben darf!“
    Ich hatte Mühe seinen schnellen, undeutlichen Worten hinterherzukommen und keine Chance, etwas dazu zu sagen. Er war noch näher an mich herangekommen und hatte auch noch meine andere Hand genommen. Seine Finger streichelten zärtlich meine, aber ich wusste sofort, ich fühlte nicht das für ihn, was er mir zu sagen versuchte. Sein lauter Ausbruch hatte alle Anwesenden auf uns aufmerksam gemacht, natürlich auch seine Schwester und Niklas. Ich hörte erstaunte Ausrufe und unidentifizierbares Stimmengewirr, aber ich hatte keine Zeit mich darauf zu konzentrieren, meine Augen hingen wie hypnotisiert an Lukes.
    „Ich will wissen, ob ich eine Chance bei dir habe... ich... weiß, ich bin jünger, aber das eine Jahr! Das ist nahezu verschwindend! Ich würde dich beschützen, wie ich es schon einmal getan habe, ich werde jeden schlagen, der dir zu nahe kommt und ich würde alles dafür tun, damit es dir hier gefällt und du dich wohlfühlst!“
    Ich konnte es nicht fassen. Das war doch jetzt nicht wahr, oder? Das konnte doch einfach nicht sein! Ich kam nicht hinterher und hatte keine Ahnung, was ich jetzt sagen sollte. Wie brachte man einem Jungen denn schonend bei, dass man leider schon in jemand anderen verliebt war!? Wiedermal verfluchte ich meine schreckliche Unbeholfenheit. Alles was ich herausbrachte war ein erbarmungswürdiges Stottern:
    „Lukas, ich... ich... wie...
    Er beugte sich zu mir nach unten und küsste mich. Es war irgendwie süß, es fühlte sich gut an und gleichzeitig schlecht, denn es war wieder ein Kuss, der nicht von mir erwünscht gewesen war, ich hatte ihm nicht mein Einverständnis gegeben und das machte mich wütend. Warum zum Geier glaubte in letzter Zeit jeder, derjenige zu sein, der mich zum ersten Mal küssen dürfte? Hatte ich denn kein Mitbestimmungsrecht? Ich hörte das Klatschen der Ohrfeige bevor ich seine warme Wange an meiner Hand spürte. Es war wieder ein Reflex aus diesem merkwürdigen Selbsterhaltungstrieb gewesen, den ich erst vor kurzem an mir entdeckt hatte. Lukas zuckte zurück und seine großen Augen blickten verletzt und gleichzeitig erschrocken.
    „OH MAN!“ rief seine Schwester, ihre Stimme klang schrill.
    Ich versuchte nicht daran zu denken, dass jeder diese Szene mitbekam und sagte:
    „Es tut mir Leid, ich wollte nicht so doll! Aber ich kann dir nicht die Antwort geben, die du hören willst. Du weißt es doch, ich mag dich, aber nicht so, wie du willst. Du warst doch derjenige, dem ich das alles gesagt habe! Du musst es doch besser wissen!“
    Er schaute mich einfach nur an, mit einem Blick, den ich wohl nie mehr vergessen würde, und dann drehte er sich um, völlig wortlos, sogar nahezu lautlos, und verschwand. Ich starrte ihm hinterher, aber schon in der nächsten Sekunde legte jemand seinen Arm um mich und drehte mich um, Dina:
    „Was war denn das gerade??“
    „Ich weiß es nicht!“ versuchte ich mich zu verteidigen.
    Patrick baute sich neben ihr auf:
    „Was ist denn in ihn gefahren?!“
    Ich blickte mich hilfesuchend um und registrierte erst, nach wem ich mich sehnte, als ich ihn sah. Niklas. Ich erschrak, denn als ich in sein Gesicht sah, war es mir, als würde ich in einen Spiegel sehen. Ich sah die gleichen Emotionen, die ich gerade durchmachte: Überraschung, Ohnmacht, Wut, Verwirrung, Betroffenheit und ein wenig Fassungslosigkeit. Ich wollte zu ihm, von ihm in den Arm genommen werden und Lukes Worte aus seinem Mund hören, verdammt noch mal! Aber mir war trotz allem klar, dass das noch nicht möglich war. Es war einfach noch nicht an der Zeit, wenn es das überhaupt jemals sein würde. Er kam auf mich zu und starrte mir mit seinen wunderschönen Augen ins Gesicht. Rund um mich herum prasselten Fragen auf mich herein, ich schüttelte stumm den Kopf als Fiona mich fragte, ob ich etwas geahnt hätte, ohne meine Augen von Niks zu lösen. Ich versuchte ihm mit meinem Blick zu sagen, dass ich keine Ahnung davon gehabt hatte, es war mir einfach ein Bedürfnis. Sein Gesichtsausdruck veränderte sich, ja er wirkte fast schon... amüsiert! Warum denn das?! Ich war schon drauf und dran einen Schritt auf ihn zuzugehen, da legte Patrick ihm eine Hand auf den Arm und Nik wandte sein Gesicht ihm zu. Ich hörte, was sie sagten:
    „Wo könnte er hin sein?“
    „Meinst du wir sollten nach ihm sehen?“
    „Ich denke ja. Er hatte ziemlich viel Whisky intus.“
    „Whisky? Wie stilvoll.“ Nik hob grinsend eine Augenbraue.
    Pia kicherte in mein Ohr:
    „Hier ist ja was los. Roxy, du bringst sie alle durcheinander!“
    Ich schluckte, irgendwie war es armselig.
    „Ich hatte keine Ahnung! Echt…“
    „Ist ja nicht dein Problem.“
    Patrick und Nik wandten sich zum Gehen, doch ich hielt sie auf:
    „Halt, ich werde selber gehen. Was soll das bringen wenn ihr zum ihm geht, ich muss das in Ordnung bringen.“
    „Ich weiß nicht ob das so eine gute Idee ist…“
    „Patrick, ich bin schuld daran!“
    „Das bist du nicht! Da kannst du doch nichts dafür!“
    Nik sah mich wieder an und sagte:
    „Er hat Recht. Gib Luke ein paar Minuten, Patrick und ich gehen mal gucken wo er steckt. Dann sehen wir weiter.“
    Ich warf ihm einen wütenden Blick zu und er musste sich Mühe geben um nicht zu grinsen. Das machte mich noch wütender und ich zählte innerlich bis 10. Patrick grinste ebenfalls und verschwand ohne noch ein weiteres Wort zu sagen.
    Ich biss mir auf die Unterlippe, schaute noch einmal in die Runde und beschloss, mich ebenfalls zu verziehen. Ich hatte einfach keine Lust jetzt mit allen über Lukas zu reden, ich musste selber erst mal verarbeiten, was er eben gesagt und getan hatte. Ich drehte mich um, verließ das Gebäude und irrte ziellos auf der Burg umher, bis ich wieder mal an der Burgmauer ankam. Ich lehnte mich dagegen und starrte in den dunklen Wald unter mir. Hatte Lukas mir gegenüber schon mal Andeutungen gemacht, die mich darauf hätten schließen lassen, dass er mich doch mehr mochte? Ich dachte die Situation zwischen uns war von Anfang an klar! Maaan, was war denn nur los? War ich über Nacht irgendwie hübsch geworden? Ich nahm einen Stein, der auf der Mauer lag und schleuderte ihn in die Dunkelheit. Ich musste auf sie alle hier wirken wie ein männermordendes Monster. So viel Aufmerksamkeit hatte ich in meinen 16 Jahren in Berlin nicht erregt. Ich wollte auch diesen Ruf nicht haben, was für einen komischen Eindruck sie alle von mir haben mussten! Während ich noch so vor mich hin schimpfte und haufenweise Steine von mir schleuderte tauchte natürlich der Ursprung aller meiner seltsamen Gefühlswallungen in der letzten Zeit auf. Er lehnte sich neben mir an die Mauer, blickte mir lächelnd in die Augen und ich sah ihm sowohl Schalk als auch Mitleid an.
    „Roxy. Ist alles in Ordnung mit dir?“ fragte er mit seiner angenehm leisen, sanften Stimme.
    „Ich glaube nicht.“
    Ich schämte mich komischerweise in Grund und Boden.
    Er lachte nur noch mehr:
    „Hey, darf ich… darf ich dich mal in den Arm nehmen?“
    Ich nickte und schon fand ich mich in den Armen dieses gutriechenden, wunderschönen Jungen wieder. Seine Arme umschlangen meinen Oberkörper und ich drückte auch ihn an mich. Meine Stirn lag an seinem Hals und ich spürte seinen Puls. Er hob eine Hand und strich mir über das lange Haar. Ich seufzte leise an seinen Hals und fühlte mich so wohl, so glücklich und einfach… da wo ich sein wollte. Gott, war ich verliebt in ihn! Könnte nicht mal ein Wunder geschehen, dass ER sich in mich verliebte? Das wäre wahrscheinlich zu viel verlangt, immerhin hatte ich meinen Kuss-Anteil für dieses Jahr schon locker drin. Es war wie verhext. Langsam sehnte ich mich in mein einsames Schneckenhaus in Berlin zurück, dort hatte ich mich noch nicht mit solchen Problemen rumschlagen müssen. War ja richtig anstrengend! Ich hatte ja keine Ahnung!
    Die Umarmung war vorbei, aber Nik trat keinen Schritt zurück, er stand wieder unmittelbar vor mir und suchte meinen Blick:
    „Schon wieder.“
    „Was meinst du?“
    „Schon wieder hast du einen Kuss bekommen, den du nicht wolltest.“
    „Der zählt auch nicht.“
    „Hat es dir gefallen?“
    „Es… war immerhin schon besser.“
    Seine Brust vibrierte vor Lachen.
    „Das hast du nicht geahnt, oder?“
    „Überhaupt nicht! Er hat mir doch erst vor ein paar Tagen gesagt, dass er mich als Schwester sieht. Warum hätte ich das in Frage stellen sollen?“ jammerte ich.
    „Das hatte er mir auch gesagt. Aber anscheinend ist es alles anders gekommen.“
    „Ich überlege die ganze Zeit, was ich falsch gemacht habe…“
    „Ach Puppe… du hast nichts falsch gemacht, du bist dir einfach deiner Wirkung nicht bewusst. Sie deuten deine unkomplizierte Offenheit falsch.“
    „Also liegt es doch an mir…“
    „Nein, so war das nicht gemeint, bitte versteh mich nicht falsch! Du musst unbedingt so bleiben wie du bist, ich… ich finde das so toll, wie ich dir ja schon gesagt habe.“
    „Aber irgendwas läuft hier gründlich schief! Irgendwas ist anders als in Berlin, liegt das an der Landluft? Oder weil ich neu bin?“
    „Wahrscheinlich nimmst du es nur anders wahr.“
    „Hm.“
    „Bitte, nimm dir das nicht so sehr zu Herzen… so ist das mit den Jungs. Sie verlieben sich und kommen auch drüber weg, wenn sie mal ne Abfuhr kriegen. Lukas ist einfach noch ein bisschen unerfahren, er hat sich da was eingebildet. So was ist ganz normal! Glaub mir, er wird drüber weg kommen.“
    „Meinst du, die anderen sind mir böse?“
    „Nein, Roxy, im Gegenteil! Sie sind wütend auf Lukas, dass er ihnen zuvor gekommen ist!“ grinste er. „Mach dir keinen Kopf, Luke kriegt sich wieder ein. Er macht sich nur Sorgen, dass du jetzt nichts mehr mit ihm zu tun haben willst.“
    „Ach das muss er doch nicht. Ich mag ihn doch.“
    „Das hab ich ihm auch schon gesagt.“
    „Wo ist er denn?“
    „Auf unserem Zimmer.“
    „Meinst du, ich sollte zu ihm gehen?“
    „Lass ihn heute lieber noch in Ruhe, morgen dann.“
    „Okay…“
    „Kommst du jetzt wieder mit zu den anderen, oder wollen wir noch ein bisschen hierbleiben?“
    „Ich würde gerne noch ein bisschen hierbleiben, aber du musst ja nicht. Geh nur zurück.“
    „Nein, das kommt nicht in Frage. Erstens mag ich es hier draußen und zweitens wollte ich dich nicht mehr allein lassen, weißt du noch?“
    Ich schaute ihn nur vielsagend an, wieder grinste er viel zu umwerfend.
    „Komm, wir gehen ein bisschen weiter. Der Weg hier führt einmal rund herum, immer an der Mauer entlang, die Aussicht ist fantastisch!“

  22. #22
    Melina_Dilemma

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    Und so war es auch. Die mondbeglänzte Natur um uns herum hatte etwas Magisches und die Türmchen und vergitterten Fenster der Burg wirkten geheimnisvoll, nahezu gruselig. Irgendwann kamen dann auch wieder die Lichter der Stadt zum Vorschein und mich befiel eine so feierliche, kribbelige Stimmung, ich fühlte mich als wäre ich 10 Jahre alt und morgen Weihnachten. Das lag alles an Nik. Wir quatschten die ganze Zeit über Gott und die Welt, über Lukas und die anderen Jugendkreismitglieder.
    „Heute hat Mandy mich gefragt, ob wir mal essen gehen wollen…“ haute Nik auf einmal völlig beiläufig raus. Ich hatte Mühe meinen Schock zu verbergen:
    „Ihr beide? Und?“ Ich hatte so krampfhaft versucht desinteressiert zu wirken, dass es wahrscheinlich schon wieder auffällig war.
    „Ich hab nein gesagt.“
    „Wie jetzt, das war’s?“
    „Ich will wirklich nichts von ihr.“
    Er studierte aufmerksam jede meiner Regungen.
    „Wie hat sie reagiert?“
    „Als hätte sie noch nie einen Korb bekommen. Total unsicher.“
    „Aber… ein Essen, das ist doch unverbindlich… ich meine, bist du sicher, dass es eine tiefere Bedeutung hatte?“
    Ich wusste nicht wie ich es anstellen sollte an noch mehr Details zu kommen ohne zu neugierig zu sein.
    „Oh Roxana.“ Nik lachte, „Wenn dich ein Junge fragen würde, ob du mal mit ihm ausgehen würdest, wie würdest du das dann verstehen?“
    „Ich würde denken, er hätte - Interesse an mir…“
    „Na siehst du. Andersherum ist es genau das Selbe. Ich hab auch versucht ihr keine falschen Hoffnungen zu machen, und trotzdem hat sie mich gefragt.“
    „Ist ja auch schwierig.“
    „Was meinst du?“ fragte er nach.
    „Jemandem keine falschen Hoffnungen zu machen. Die Grenzen zwischen normalem Umgang und erweitertem Interesse scheinen ziemlich verschwommen zu sein.“
    „Ja. Es spielt auch immer mit rein, was man wahrnehmen will und was nicht. Wunschdenken.“
    Da hatte er Recht, dachte ich mir. So schwierig, das alles. Zweideutigkeit! Es war mir eigentlich alles zu viel. Und außerdem überlegte ich gleich schon wieder, ob Nik vielleicht diese Worte auf mich, oder uns, bezog?! Aber das ging eindeutig wieder zu weit! Ich versuchte den Bogen wieder zurück zu unserem Gespräch zu spannen:
    „War sie sehr enttäuscht?“
    „Ich weiß nicht. Konnte ich nicht so richtig erkennen.“
    „Und du wolltest es wirklich nicht?“
    „Warum glaubst du mir das nicht? Nein.“
    „Ich kann’s mir einfach nicht vorstellen.“
    „Das ich sie nicht mag? Ist ja auch nicht so, dass ich sie gar nicht leiden kann. Ich will aber nicht mehr. Es ist gut so wie es ist.“
    Ich schwieg daraufhin und hing meinen Gedanken nach. Wir gingen nebeneinander durch die Dunkelheit und unsere Hände waren nicht weit voneinander entfernt. Ich mochte ihn so sehr! Wie gerne hätte ich einfach seine Hand genommen. Aber ich traute mich nicht.
    „An was denkst du?“ unterbrach er mich in meinen wehmütigen Gedanken.
    „Nichts Besonderes.“
    „Auch wenn es nichts Besonderes ist, es würde mich trotzdem interessieren.“
    „Ich denke einfach noch ein bisschen darüber nach. Wie ist es z. B. mit Kino? Wenn dich jemand fragt, ob du mit ihr mal ins Kino gehen willst… würdest du dann auch sofort denken, es geht um ein Date?“
    „Hm. Ich denke, es kommt auf den Kontext an. In wieweit man vorher schon Kontakt hatte und so. Und wie sie fragt.“
    „Wenn ich jetzt fragen würde ‚Hey Nik, der neue Film von Til Schweiger kommt in die Kinos, wollen wir da mal hingehen?’, was würdest du dann sagen?“
    „Okay Roxy, nächsten Samstag?“
    Verständnislos sah ich ihn an.
    „Was? Willst du etwa doch nicht?“ grinste er mich frech an.
    Mein Gesicht musste aussehen wie ein einziges Fragezeichen.
    „Du hast mich gefragt!“ bekräftigte er.
    „Das war doch nur… ach vergiss es.“
    Ich hatte die Falle, in die ich getappt war, durchaus erkannt, und obwohl es mir ein bisschen unangenehm war, wollte ich trotzdem auf diese Gelegenheit nicht verzichten.
    Immer noch kicherte er neben mir vor sich hin.
    Inzwischen hatten wir die Burg einmal umrundet und standen wieder auf dem Hof vor dem Eingang zu den Schlafräumen.
    „Tja. Ich denke, es ist Schlafenszeit.“ bemerkte er leise.
    „War eigentlich ein schöner Tag. Ereignisreich wie bis jetzt jeder Tag, aber daran scheine ich mich schon zu gewöhnen…“ sagte ich sarkastisch.
    „Und wieder muss ich dich fragen, ob du schlafen kannst…?“
    „Und wieder kann ich dir antworten: Ja, ich denke schon. Obwohl mich die Sache mit Lukas sehr beschäftigt.“
    „Wir können auch noch was machen, einen Film anschauen oder so…“
    „Nee, schon gut. Dann kommen wir morgen zum baden nicht rechtzeitig aus den Federn.“
    „Um 7 Uhr ist schon Frühstück, danach fahren wir mit dem Bus los.“
    „Puh! Dann sind wir ja schon so früh in der Schwimmhalle! Das kann einem doch nur auf den Magen schlagen!“ brummte ich, während wir langsam durch die Tür den Flur hinaufgingen.
    „Wir fahren ungefähr eine Stunde hin. So früh ist das ja auch wieder nicht…“
    Ich seufzte nur tief und wehleidig.
    „Wir können ja wieder schön Musik hören, wenn du magst.“ schlug er vor.
    „Ja, das machen wir.“
    Der Gedanke daran hob meine Stimmung sofort wieder an.
    Als wir dann vor unseren Zimmern angekommen waren blieb er stehen und fragte:
    „Also dann… darf ich dich noch mal umarmen?“
    „Ja.“
    Und wieder wurde ich in diese unglaubliche Welt aus lieben und geliebt werden entführt. Es war nicht gut auch nur zu ahnen, was eigentlich noch alles dazugehören könnte. Niklas’ blaue Augen blickten noch einmal eindringlich in meine und ich wünschte mir nichts sehnlicher, als seine Lippen, die meinen doch schon so nah waren, zu küssen.
    Bitte lieber Gott! Lass ein Wunder geschehen! Ich verliebe mich immer mehr in ihn!!!
    Aber es passierte nichts. Ich drehte mich um und öffnete leise die Tür zu meinem Zimmer, falls die anderen Mädels schon schliefen wollte ich sie nicht unbedingt wecken. Doch sie waren alle noch wach und bestürmten mich sofort wieder mit tausend Fragen. Ich hätte es wirklich gern gehabt, wenn sie schon geschlafen hätten…Argh! Während ich mich auszog und bettfertig machte erzählten sie mir alles, was sie von der Luke-Sache wussten. Viel Neues gab es nicht und ich wiederholte noch mal alles aus meiner Sicht. Sie fanden es alle gut, dass ich erst morgen mit ihm reden wollte. Dann fragte Fiona:
    „Wo warst du jetzt eigentlich?“
    „Ach nur ein bisschen spazieren.“ nuschelte ich und kletterte in mein Bett. Bitte lass sie nicht weiterfragen!
    „Allein?“
    „Nee… mit Niklas...“ antwortete ich zögernd. Ich wusste schon, dass ich mich damit wieder in die Höhle des Löwen begeben würde.
    „OH! Und??“
    „Was und?“
    „Seid ihr zusammen?“
    „Was? Nein!“
    „Was habt ihr dann gemacht?“
    „Nur geredet.“
    „Jaja!“
    „Doch wirklich!“
    „Hast du mit ihm geflirtet?“
    „Ich glaube nicht. So war es irgendwie nicht, es ging um die Sache mit Luke. Er hat mir nur ein paar Tipps gegeben und so… na ja, da war noch eine Sache, die ist komisch, passt auf.“
    Ich erzählte ihnen die Sache mit dem Kino.
    „Oh! Das klingt eindeutig nach einem Date.“ meinte Pia.
    „Das hat er aber geschickt gemacht!“ fand auch Dina.
    „Ich wollte ihm nur ein Beispiel geben, versteht ihr?“
    „Ja klar! Und er wollte ein Date mit dir. Das ist doch gut! Das wollten wir doch erreichen.“
    „Hm.“ machte ich.
    Ja, das wollte ich.
    „Heute Nachmittag lief es doch auch gut, oder? Ihr beide habt doch nur zusammen rum gehangen.“
    „Ja, es war schön. Er hat mir voll lieb geholfen, beim Klettern und so.“
    „Und gab es wieder solche Momente zwischen euch? Wo ihr euch beinahe geküsst hättet, wie gestern Abend?“
    „Ich weiß nicht. Nein, ich glaube nicht. Aber, mir wird jedes Mal fast schwarz vor Augen, wenn er mich ansieht. Oder wenn er mich umarmt.“ grübelte ich.
    Fiona sagte:
    „Du stehst ganz schön auf ihn, oder?“
    „Ich weiß es nicht. Na ja.. ich denke schon. Aber ich habe Angst, dass es viel zu schnell ging. Es ist doch nicht richtig jemanden so schnell zu mögen, oder?“
    „Du meinst, weil die Gefahr besteht, dass es größtenteils von seinem Aussehen herrührt?“
    „Genau.“
    „Schwere Frage. Musst du selber wissen.“
    Konnte sie nicht ein bisschen gesprächiger sein? Wenn sie schon damit anfing, und dann auf einmal nichts mehr sagte, dann sollte sie mal schön an ihrer Neugier sterben!
    Eine ganze Weile starrte ich an die Decke, ehe sie wieder etwas sagte:
    „Ich denke manchmal ist es einfach so. Und wenn es von beiden Seiten so ist, dann kannst du dich sowieso nicht dagegen wehren.“
    Das ließ mich aufhorchen.
    „Tja. Ich weiß es nicht. Ich finde zwar, dass er ein super Gesprächspartner ist und ich mag seine Ansichten und so, aber das geht einem ja auch bei anderen Menschen so…“
    „Aber deshalb verknallst du dich ja auch nicht in jeden…“
    Pia setzte sich in ihrem Bett auf, machte ein wichtiges Gesicht und sagte:
    „Leute ich werde euch jetzt mit einer verdammten Weisheit beehren: Die Liebe ist unergründlich und nicht vorhersehbar! Roxana, du wirst jetzt keine Angst mehr haben und dir Niklas Maybach schnappen!“
    Es klang so unglaublich witzig aus ihrem Mund dass wir uns bestimmt drei Minuten vor Lachen nicht mehr halten konnten. Ich hatte richtige Bauchschmerzen. Wiedermal musste ich feststellen: Lachen ist gesund, es stimmt wirklich, ich fühlte mich gleich total erfrischt und entspannt. Wir quatschten auch gar nicht mehr lange, dann fing Dina schon an leise zu schnarchen.

    Bald darauf musste auch ich eingeschlafen sein, denn irgendein quälend nervendes Geräusch weckte mich. Ich träumte gerade irgendetwas Schönes, deshalb weigerte ich mich erst aufzuwachen und das Geräusch als real anzuerkennen. Aber es hörte nicht auf und die Wirklichkeit hatte mich wieder. Ich schlug die Augen auf und versuchte mich zu besinnen wo ich war, da bekam ich sofort mit, dass etwas nicht stimmte. Das Geräusch war ein Alarm, im Flur musste außerdem ein Warnlicht oder sowas sein, zumindest flackerte rotes Blitzlicht unter der Tür hervor und erhellte den ansonsten stockdunklen Raum immer für den Bruchteil einer Sekunde. Ich konnte erkennen, dass auch Pia und Dina bereits in ihren Betten saßen.
    „Was ist das…?“ nuschelte ich.
    „ALAAARM!“ kreischte Pia auf einmal auf.
    „OH GOTT, wir müssen hier sofort raus!!! FIONAAA, WACH AUF!“

  23. #23
    RikeHope
    Neuling

    Standard

    Hallo liebe Melina_Dilemma!

    Bis wann darf man mit einer Fortsetzung rechnen???

    Deine Geschichte ist so spannend, ich kann es kaum erwarten mehr zu lesen...

    Liebe Grüße RikeHope

  24. #24
    Black
    Gesperrt

    Standard

    Ich oute mich jetzt auch mal als Fan .... next part plz !

  25. #25
    Melina_Dilemma

    Standard

    Hallo ihr - danke für eure lieben Kommentare :o) Hier kommt der nächste Teil!





    TEIL 9 – Feueralarm und Schwimmbad Teil 1


    Sofort war ich hellwach, schwang meine Beine aus dem Bett und sprang nach unten. Draußen waren von einer Sekunde auf die andere laute Stimmen und furchtbare Hektik zu hören, knallende Türen, durcheinanderschreiende, panische Menschen und jemand drosch gegen unsere Tür, dass ich zu Tode erschrak:
    „Alle sofort in den Hof, das ist keine Übung!“
    Fiona war wach geworden und Pia zerrte sie aus dem Bett, wir stürmten aus der Tür ohne noch an irgendwas zu denken. Ich hatte eine Riesenangst und mein Herz schlug wie wild. Aus allen Räumen strömten die ängstlichen, verschlafenen Gestalten ins Freie. Was um Himmels Willen war denn los?? Wir rannten einem flatternden weißen Nachthemd hinterher in den Hof. Kaum tauchten wir in der Tür auf rief schon jemand unsere Namen:
    „ROXY! FIONA, LOS HIERHER!“
    „Was ist denn los?“ fragte ich atemlos, als wir bei Martin und den anderen aus unserem Jugendkreis angekommen waren.
    „Irgendwo soll es brennen. LEUTE HÖRT MAL ALLE HER! Sind eure Zimmernachbarn alle da? Zählt mal schnell durch, ob wir alle komplett sind!“
    Ich schaute mich um, nirgendwo war Feuer zu sehen. Pia, Fiona und Dina standen neben mir, Mandy und ihre Mädels weiter links, soeben kamen Thomas, Benni, Patrick und Niklas aus dem Haus und sofort fesselte mich sein Anblick. Niklas kam auf mich zu und er blickte mich geradewegs an. Er sah gleichzeitig besorgt und erleichtert aus, sein Gesicht drückte Verwirrung aus, aber er wirkte hellwach. Und wunderschön! Seine Haare waren ein wenig zerzaust, aber das tat seiner unglaublichen Ausstrahlung keinen Abbruch. Er trug Boxershorts und T-Shirt, aber er sah im Gegenteil zu mir ziemlich zum anbeißen aus, verdammt sexy! Es kam mir wie in Zeitlupe vor, total seltsam. Endlich hatte er mich erreicht und ich breitete wie von selbst meine Arme nach ihm aus.
    „Hey, alles in Ordnung?“ fragte er und schloss mich in seine Arme. Ich spürte die Wärme seines Körpers an meinem und komischerweise löste das eine ziemlich heftige Reaktion in mir aus. Ich bekam einmal komplett Gänsehaut, und wenn ich komplett sage, dann meine ich das auch. Sein T-Shirt duftete leicht nach ihm und mein Herz bog in die Galopprennbahn ein, es preschte davon. Seine Hände strichen sanft von meinen Schultern über meine Arme zu meinen Händen und dann stutzte er:
    „Oh man, bist du kalt! Möchtest du noch mein T-Shirt drüber ziehen? Das ist wenigstens etwas…“
    So gern ich gesehen hätte, wie er ohne T-Shirt aussehen würde, dieses Angebot musste ich ablehnen. Das wäre komisch gekommen, auf jeden Fall.
    „Nein lass nur, dann hast du ja selber nichts mehr zum anziehen. Weißt du was hier los ist?!“
    lenkte ich ihn so schnell wie möglich davon ab, ich hoffte er würde nicht darauf bestehen, anderenfalls wüsste ich nicht wie ich dann reagieren würde! Am Ende würde ich mich einfach in seine Arme werfen und ihn küssen, schon in diesem Moment spürte ich seine Wirkung auf mich als wenn er der riesengroße Magnet von Tom & Jerry wäre. Es war unbeschreiblich und ich wollte verdammt noch mal, dass ER mich endlich küsste! Ich musste irgendwas unternehmen! Er hielt mich immer noch umarmt und blickte mir in die Augen, ich hielt das nicht mehr aus… oh-oh, wenn er mich nicht sofort freigeben würde, dann würden meine Augen ihm alles erzählen.
    In dem Moment tauchte Lukas in meinem Blickfeld auf, er warf mir einen seltsamen, leicht verschämten Blick zu, ich lächelte, doch er hatte sich bereits wieder abgewandt. Leah und Elisa standen auf der anderen Seite mit anderen Jungs und Mädels. Soweit ich das erfassen konnte, waren alle da. Der Hof hatte sich mit bestimmt über Hundert Jugendlichen in Schlafklamotten gefüllt. Es wurde mir bewusst wie seltsam das aussah. Ich selber trug eine hellblaue Mädchenboxershort mit dunkelblauen Punkten und kleinen Marienkäferchen dazwischen. Obenrum hatte ich ein weißes T-Shirt mit grünem Print an, das ich mal zu heiß gewaschen hatte, dementsprechend kurz und knapp war es. Super! Ich fror, immerhin war es September und nachts schon ziemlich frisch, und wir waren alle barfuß! Fiona tat mir ein wenig Leid, sie war noch schlechter dran als ich, ich hatte ihr vorm schlafen gehen die Haare in Lockenwickler eingedreht… sie sah sichtlich unglücklich aus. Mandy trug einen hellblauen Seidenschlafanzug und wirkte wie aus einem alten Hollywoodfilm entsprungen, sie sah toll aus, selbst in dieser Situation. Meine eigene Unvollkommenheit stand mir wieder nur zu klar vor Augen. Kein Make-up vertuschte meine kleinen Makel und außerdem trug ich keinen BH und jeder würde sehen können, dass mir kalt war. Und wieder fühlte ich mich nicht besonders tough und hatte Angst mich vor Nik zu blamieren, andererseits, war es nicht schon wieder super süß, dass er als erstes zu mir kam, und sich anscheinend um mich gesorgt hatte?
    „Na gut, aber sag, wenn du es später noch willst.“ vernahm ich seine sanfte, vom schlafen noch leicht raue Stimme, „Es soll irgendwo dort drüben brennen. Keine Ahnung, wird wohl jemand gekokelt haben.“
    Ich machte einen Schritt rückwärts und streckte meine Glieder. Jeder verdammte Muskel in meinem Körper tat mir weh. Das war also schon die Quittung von der Klettertour!
    Patrick tauchte neben uns auf, er trug kein T-Shirt und lenkte sofort alle Blicke auf seinen knallharten Waschbrettbauch, Pia fielen fast die Augen aus dem Kopf und ich kicherte in mich rein. Wir stellten uns alle in einen Kreis, mit Ausnahme von Pia, sie hockte sich auf einen Stein.
    „Mir ist kalt und ich bin müde. Welcher Idiot hat hier Feuer gemacht!?“ grollte sie.
    „Über mangelnde Action kann sich nachher keiner beschweren.“ meinte Dina.
    Patrick antwortete:
    „Was für eine Aktion! Übelster Alarm mitten in der Nacht… wow… was riecht denn hier so verführerisch? Man, riecht das gut! Roxy, bist du das?“
    Ehe ich auch nur mit der Wimper zucken konnte hatte er sich schon zu mir heruntergebeugt und schnüffelte an meinem Hals. Er legte eine Hand an meinen Rücken und zog mich an sich. Seine Nase kitzelte mich und er gab seltsame Laute von sich.
    „Was machst du da?“ fragte Dina irritiert und ich ging einen Schritt zurück. Patrick schaute mich irgendwie… komisch an und sagte entschuldigend grinsend:
    „Du riechst so gut…“
    Ich überlegte, was er meinen könnte… meine Bodylotion? Das war die einzige Möglichkeit, ich hatte mich vor dem schlafen gehen eingecremt.
    „Du stehst wohl auf meine Bodylotion?!“
    „Egal was es ist, es riecht tierisch geil!“
    „Benimm dich mal, wo sind denn deine Manieren!“ meckerte Fiona Patrick an und zog eine Augenbraue in die Höhe.
    Er ließ von mir ab und hob schützend seine Hände:
    „Sorry. Ihr seht übrigens alle wahnsinnig süß aus“ sagte er in übertriebenem Tonfall zu Fiona, was sofort ihre Mine aufhellte, und dann zwinkerte er mir zu. Das irritierte mich schon wieder. In letzter Zeit hatte ich viel zu viele Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht gemacht und ich hatte eigentlich keine Lust schon wieder einen Kuss von der dritten Person diese Woche zu bekommen. Irgendwas musste ich machen, damit Patrick auf keinen Fall auf die Idee kam, ich hätte ein anderes Interesse an ihm, als rein freundschaftlich. Schon crazy, dass ich hoffe, dass mich jemand nicht küsst! Kompliziert. Ein Wort, das in letzter Zeit ziemlich oft in meinem Kopf rumspukte.
    Pia musterte mich missbilligend und ich versuchte ihr mit meinem Blick zu sagen, dass ich ihr Patrick wirklich nicht wegnehmen wollte. Es war mir richtig peinlich.
    In dem Moment wurde das große schmiedeeiserne Tor am Eingang hochgezogen und ein kompletter Feuerwehrlöschzug raste auf den Hof. Die Türen flogen auf und behelmte Gestalten sprangen heraus. Der Jugendherbergsleiter und zwei weitere Personen eilten ihnen entgegen und sie redeten wild gestikulierend miteinander. Zwei Feuerwehrmänner rollten einen Schlauch aus und schlossen ihn an den Hydranten vor dem Rezeptionsgebäude an. Nach wenigen Sekunden verschwanden sie damit hinter dem Haupthaus. Noch immer konnte ich nirgendwo Feuer oder Rauch sehen, wo sollte es denn brennen? Ich drehte mich um und alle starrten wie gebannt zu den geschäftigen Feuerwehrleuten. Lukas musterte mich aus seinen müde wirkenden Augen, sein ohnehin schon immer zerzauster, heller Haarschopf wirkte noch wilder und seine nackte, schmächtige Brust leuchtete im Mondschein. Ich gab mir einen Ruck:
    „Nik? Ich werde mal zu Luke gehen. Er sieht mich die ganze Zeit so seltsam an...“
    „Okay. Ich warte hier auf dich.“ sagte er sanft und ein kleines Lächeln umspielte seine Lippen. Er strich mir einmal kurz über den Arm, als er das sagte und damit schaltete mein Herz gleich wieder ein paar Gänge höher. Auch ich lächelte automatisch zurück und wieder spürte ich viel zu deutlich, wie sehr er mir den Kopf verdreht hatte. Ich musste mich zwingen das dämliche Grinsen abzustellen, bevor ich Lukas erreichte. Er machte ein erwartungsvolles Gesicht, als er mich auf sich zukommen sah und trotzdem sah ich, dass er sich furchtbar schämte.
    „Hey.“ begrüßte ich ihn.
    „Hey.“ sagte auch er, aber er senkte seinen Blick und starrte auf seine nackten Zehen.
    „Ich wollte mich bei dir entschuldigen.“
    „Wofür?“ hob er erstaunt seinen Blick.
    „Für die Ohrfeige...“
    „Die hatte ich verdient.“ sagte er bitter.
    „Nein. Das war gemein.“
    „Gemein war, dich so in die Ecke zu drängen.“
    „Ist schon gut. Es war... mutig von dir, so ehrlich zu sein. So wäre ich auch gern.“
    „Es war ziemlich jämmerlich. Du bist perfekt so wie du bist.“
    „Niemand ist perfekt und, glaub mir, ich schon gar nicht. Ich habe nicht geschnallt, was du mir versucht hast zu sagen.“
    Auf einmal wurde es still, der Alarm war ausgeschalten worden.
    „Ich hab ja auch alles getan, um dich davon abzulenken.“ redete Luke weiter.
    „Trotzdem. Ich fand es... total süß, was du mir gesagt hast...“
    Er schaute mir in die Augen und lächelte schwach.
    „...aber... ich denke du weißt schon, dass jemand mir von Anfang an in meinem dummen, unfähigen Schädel herumspukt...
    „Niklas.“ sagte er einfach und schaute mir geradewegs in die Augen, ich hielt es nicht lange aus, schaute weg und nickte einmal.
    Eine ganze Weile blieb es still, ich lauschte auf das aufgeregtes Stimmengewirr um uns herum und das Geräusch, das Lukas’ Füße machten, während er mit den Zehen im Sand herumstocherte. Ich blickte unauffällig zu Nik und er beobachtete mich anscheinend, denn er hatte sich in unsere Richtung gewandt und die Arme vor dem Körper verschränkt. Seinen Gesichtsausdruck konnte ich nicht erkennen. Wohl aber, dass die meisten anderen Jugendkreismitglieder ebenfalls hersahen.
    „Roxy,“ vernahm ich da wider Lukes leise Stimme, „ich würde gerne trotzdem mit dir befreundet sein.“
    „Ich auch!“ sagte ich sofort, „Ich mag dich nämlich echt gerne...“
    Er lächelte und ich glaubte ein winzig kleines bisschen von seinem typischen Schalk darin zu erkennen, endlich.
    „Das freut mich! Wenn ich schon nicht das Glück habe, dass du mich... so magst, wie ich dich, dann will ich wenigstens weiterhin das Privileg haben, dein Freund zu sein. Oder wieder dein kleiner Bruder...“
    „Soll ich mich nicht lieber von dir fernhalten?“
    „Nein! Und außerdem, wie soll das denn gehen, du wohnst doch bei uns. Ich freue mich darauf. Wir werden viel Spaß zusammen haben...“
    Ich strahlte. Das lief viel besser, als ich es mir erhofft hatte!
    „Ich bin so froh, dass du das sagst! Ich hätte dich echt vermisst. Du bist immer so scharfsinnig, bereits in meiner kurzen Zeit hier hast du mir mit meiner Naivität schon so oft geholfen.“
    „Ich werde auch weiterhin auf dich Acht geben, Kleines, okay?“
    „Na gut...? Wenn du meinst, ich brauche das... aber du bist hier der kleine von uns beiden.“
    „Nee, ich bin viel größer als du. Und ja, du brauchst mich. Wer sollte dir sonst sagen, dass du allen Typen den Kopf verdrehst?“ grinste er wieder in seiner alten Manier, ziemlich frech.
    Ich krauste meine Nase und verpasste ihm einen leichten Schlag auf die Brust, aber er lachte nur noch mehr. Ich war unglaublich erleichtert, so wie es aussah würde zwischen uns wieder alles so werden wie früher.
    „Also ist zwischen uns alles wieder in Ordnung, ja?“
    „Ja. Wenn du mir verzeihen kannst... ich verspreche dir auch, dich nicht mehr zu küssen. Es sei denn, du willst es.“
    „Okay. Danke, Luke.“
    „Wofür?“ fragte er ganz erstaunt.
    „Einfach nur so.“
    „Hm.“
    Ich grinste noch einmal und wollte mich auf den Weg zu den anderen zurück machen. Da besann ich mich auf einmal:
    „Luke, kommst du mit?“
    Er schien kurz zu überlegen, aber dann liefen wir gemeinsam über den Hof. Kurz bevor wir wieder in Hörweite der anderen waren beugte er sich noch einmal zu mir herunter und sagte:
    „Übrigens, mach dir mal keine Sorgen wegen ihm. Du hast ihn schon total in der Tasche. Hab Vertrauen in dich selbst!“
    Mir blieb keine Möglichkeit näher zu fragen, was er mir damit sagen wollte, ich konnte ihm nur einen dringlich-verwirrten Blick zuwerfen und hoffte, ich könnte später noch einmal darauf zurückkommen, denn da wurden wir schon von aufdringlichen und neugierigen Fragen von Fiona und so weiter belästigt. Mein Magen wurde von einem wohligen Schauer durchzogen und ich wusste woran das lag, Lukas hatte mir noch mehr Hoffnungen gemacht und ich war glücklich.

    Es dauerte dann auch nicht mehr lange, bis Entwarnung gegeben wurde. Es hatte im Keller der Herbergsküche gebrannt. Jemand hatte einen Grill reingeräumt obwohl noch glühende Kohle drin war. Das Altpapier im Regal darüber war durch einen Luftzug runter gefallen und es hatte sich entzündet. So war das passiert. Zum Glück ging sofort der Brandmelder beim Hausmeister los und er konnte mit dem Feuerlöscher das Schlimmste verhindern. Wir trabten wieder ab in unsere Betten. Das Frühstück am nächsten morgen wurde von um 7 auf um 8 verschoben, wenigstens ein bisschen später. Ich war hundemüde, aber die Mädels waren hellwach und gaben keine Ruhe, bis ich ihnen nicht haargenau erzählt hatte, was ich zu Luke gesagt hatte. Ich musste mitten im Gespräch eingeschlafen sein, denn ich kann mich nicht erinnern, dass ich fertig erzählt hatte...

  26. #26
    Melina_Dilemma

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    Unbarmherzig weckte der nervtötende Handywecker von Pia uns in der Frühe. Es war noch schummerig draußen und die Luft sah feucht und kalt aus. Mein Lieblingswetter, ich hasste Nieselregen! Wozu föhnte man sich früh die Haare und gab sich viel Mühe wenn ein paar Minuten an der frischen Luft alles wieder zerstörten? Und gerade jetzt wollte ich doch gut aussehen, unwiderstehlich. Es kribbelte wie verrückt in meinem Bauch als ich daran dachte, dass ich jetzt gleich Niklas wiedersehen würde. Also würde ich mir nichtsdestotrotz Mühe geben und mich so gut wie möglich schön machen.
    Heute werde ich was erreichen, wenn er sich heute Abend von mir verabschiedet, werde ich ihm ein Küsschen auf die Wange geben. Sagte ich mir. Dabei wusste ich doch genau, dass ich mich das eh nicht trauen würde.
    Ich freute mich so unglaublich auf ein Lächeln von ihm, das mir galt und einem atemberaubenden Blick aus seinen wunderschönen Augen...
    Wieder stellte ich den Mädchen mein gesamtes Make-up und Haarzubehör zur Verfügung und half ihnen, sich schick zu machen. Fionas Locken waren super geworden, und damit sie eine Weile halten würden, sprühte ich sie mit viel Haarspray ein.
    „Zu blöd, warum haben wir dir eigentlich ausgerechnet heute Locken gemacht, wo wir doch baden gehen? Da geht alles wieder raus.“
    „Ich tauche einfach nicht unter. Eigentlich habe ich eh keine große Lust zu schwimmen oder so. Ich kaufe mir irgendein Klatschblatt und lege mich auf eine Liege unter die künstliche Sonne.“
    „Wenn du meinst...“
    „Für die Peinlichkeit, heute Nacht von allen so gesehen worden zu sein, will ich jetzt wenigstens was davon haben.“
    „Mach dir keinen Kopf, wir sahen alle nicht besser aus. Hast du mich gesehen? Meine Schlafsachen sind echt nicht dafür gedacht, unter Leuten zu sein...“
    „Du sahst ziemlich heiß aus. Jeder hat dir auf deinen Arsch geguckt!“
    „Ich hatte eine Boxershort mit Marienkäfern an!“
    „Das sah super aus. Du hast tolle Beine. Sie können es bestimmt alle kaum erwarten, dich im Bikini zu sehen.“ grinste auch Pia.
    „Ich hab mich tausendmal dafür verflucht, dass ich meinen Bademantel nicht mitgenommen habe...“
    „Ach, mit deiner Figur, brauchst dich doch nicht zu schämen!“
    „Du hast eine viel schönere Figur!“
    „Du hast mehr Oberweite.“
    „Aber nicht viel!“
    „Aber mehr. Du hast mehr als wir alle, sogar mehr als Mandy.“
    „Nee, Mandy hat auf jeden Fall größere Brüste als ich.“
    „Das wirst du ja heute im Bikini sehen, sie trägt immer unmögliche Push-Ups. Die Jungs lästern immer darüber, kannst ja mal Nik fragen. Wenn du seinen Blick aus deinem Dekolté
    lenken kannst...“
    Ich warf ein Kissen nach ihr. Schon war mir flau im Magen. Ich würde also gleich auf dem Präsentierteller vor allen stehen, halbnackt, und jeder Kerl und jedes Mädchen würde mich abchecken. Ich schaute an mir herunter. Mein Bauch war nicht ganz flach und an den Hüften hatte ich durchaus ein wenig Speck. Na toll. Ich seufzte.
    „Mach dir doch nicht so einen Kopf! Du siehst wirklich gut aus! Spätestens heute wird Nik dir nicht mehr widerstehen können!“
    Ich zog es vor nicht mehr darauf zu antworten und beschloss einfach direkt von der Umkleidekabine ins Wasser zu rennen.
    Das Frühstück wurde begleitet von lautem Geschnatter und Gelächter. Ich hielt mich weitestgehend zurück, mir war eingefallen, dass ich meinen Bikini lange nicht angehabt hatte und ich machte mir Sorgen, ob er noch passte. Niklas war wieder vor uns da gewesen und wieder war neben ihm kein Platz mehr frei, auch nicht gegenüber. Aber er sah sofort auf, als wir den Raum betraten und lächelte mich an. Und ich versuchte so oft wie es nur unauffällig ging, zu ihm rüber zu sehen, und meistens dauerte es nicht lange, bis er auch zu mir schaute. Und jedes Mal überschlug sich mein Herz.
    Gemeinsam mit Lukas, Ben, Patrick, Thomas und Nik fanden wir uns eine halbe Stunde später mit unseren Rucksäcken wieder im Burghof ein. Niklas sah natürlich wieder einfach nur umwerfend aus. Er trug wieder sein schwarzes Military-Cap und wieder musste ich feststellen, wie gut ihm das stand. Es sah so verboten gut aus, wie seine blonden Haare darunter hervorguckten. Es war heute kälter als die Tage davor und er trug einen schwarzen Pulli mit rundem Ausschnitt und dazu eine dunkle Jeans die ziemlich locker saß. Das gefiel mir! Ich hatte bisher keine Ahnung auf was für Klamotten ich bei einem Jungen stand, aber Niks Garderobe gefiel mir bis jetzt komplett. Wir waren schon wieder in ein völlig zwangloses, wie immer sehr interessantes Gespräch vertieft und schotteten uns ein wenig von den anderen ab. Ich schaute auf seine Lippen, während er mir gerade von der Schule erzählte. Auf einmal hatte ich das Gefühl als wäre ich hypnotisiert... Ich nahm jede Silbe seiner Worte bewusst wahr und jede Bewegung seiner Lippen, ich war in einer Slow-Motion gefangen! Waaaah! Ich schüttelte meinen Kopf und alles wurde wieder normal. Ich hörte Fionas mädchenhaftes Lachen, Bens tiefe Bassstimme und Martin, wie er in die Hände klatschte und zum Aufbruch drängte.

    Wie selbstverständlich setzten Nik und ich uns im Bus nebeneinander, ich war selig. Ich grinste ihn glücklich an und da klingelte mein Handy, ich bekam eine SMS.
    „Oh, von meinen Ellis.“
    „Geht’s ihnen gut?“
    „Ich hab eigentlich keine Ahnung, ich war seit Sonntag nicht mehr in Skype, wir hatten einfach keine Zeit! Wahrscheinlich machen sie sich Sorgen. Sie schreiben zumindest, dass alles gut ist. Mein Vater hat schon irgendwas gefunden.“
    „Das ist ja toll! Hoffentlich kommen sie überhaupt wieder...“
    „Ja hoffentlich, sie waren so voller Vorfreude, ich glaube das haben sie wirklich vermisst. Ich werde mal sehen, wie es nach einem Jahr aussieht. Vielleicht ist es sowieso klug, für das Abi nicht wieder an meine alte Schule zu wechseln.“
    „Du meinst, dass du vielleicht bis zum Ende der Schule hier bleiben willst?“
    „Nein, keine Ahnung. War nur so ne Überlegung. Vielleicht gehe ich den Schmidts bis dahin furchtbar auf die Nerven.“
    Er lachte sein schönes Lachen und sagte:
    „Dann kannst du bei uns wohnen. Meine Schwester studiert und ihr Zimmer ist frei.“
    „Du hast eine Schwester?“
    „Ja, Maren. Sie ist drei Jahre älter als ich.“
    „Ich hab auch einen älteren Bruder, er ist 18, wird aber schon bald 19. Auch er studiert, in Hamburg.“
    „Maren wohnt in Essen. Siehst du deinen Bruder auch kaum noch?“
    „Ja, das letzte Mal war er im Juli zu meinem Geburtstag für eine Woche zu Hause.“
    Der Bus fuhr um eine scharfe Kurve und ich wurde gegen Nik gedrückt.
    „Hoppla...“
    Ich errötete. Sein Gesicht war plötzlich nur noch Zentimeter entfernt und der Anblick seiner blauen Augen war schockierend schön. Ebenso sein Lächeln.
    „Du hast im Juli Geburtstag? Da bist du ja noch total jung!“
    „Wieso? Wann hast du denn Geburtstag?“
    Ich hatte Mühe mich nicht in seinen Augen zu verlieren.
    „Am 6. Dezember…“
    „Oh! Du bist ein Nikolaus-Kind!“
    „Na rate mal wie meine Eltern auf meinen Namen gekommen sind!“
    „Stimmt! Da kannst du ja froh sein, dass sie dich nicht Nikolaus genannt haben.“
    „Oh ja! Wie kamen deine Eltern auf deinen Namen? Ich kenne niemand anderen, der so heißt.“
    „Roxana war irgendeine griechische Sagengestalt. Du weißt ja, meine Eltern sind Archäologen.“
    Er grinste wissend und fragte weiter:
    „Wie heißt denn dein Bruder?“
    „Simon. Simon Johannes.“
    „Hast du etwa auch einen zweiten Namen?“
    „Ja. Aber glaub ja nicht, dass ich dir den verrate!“
    Ich versuchte meiner Stimme einen energischen Klang zu geben, denn ich wollte wirklich mit allen Mitteln verhindern, dass er meinen furchtbaren zweiten Vornamen mitbekam.
    „Wenn du mir deinen verrätst, dann verrate ich dir meinen!“
    „Vergiss es! Never ever!“
    Er schaute mich mit seinem verdammt süßen Hundeblick an und schob seine Unterlippe ein wenig hervor. Verdammt! Der Kerl weiß ganz genau wie er bekommen kann was er will! Aber nicht mit mir Baby, nur über meine Leiche.
    „Das mit deinem Hundeblick kannst du vergessen. Ich werd’s dir nicht verraten!“
    „Und ich kann nichts dafür tun?“
    Ich schüttelte meinen Kopf.
    „Hm. Irgendwann… kitzel ich es aus dir raus!“
    „Nein!“ sagte ich ein wenig zu laut.
    „Schon gut, keine Angst. Ich werde es ja nicht sofort tun, ich sagte ‚irgendwann‘!“
    „Na dann werde ich vorbereitet sein.“
    „Das glaube ich dir aufs Wort…“ grinste er.
    Ich hatte Angst, dass er mich doch jetzt gleich kitzeln würde, dann hätte ich ein Problem. Erst mal war ich nämlich wirklich sehr kitzlig und zweitens schrie und kreischte ich dann unkontrolliert wie ein angeschossenes Schweinchen! Gott, das wäre peinlich… ich beschloss schnell das Thema zu wechseln:
    „Was machen eigentlich deine Eltern?“
    „Meine Mam ist OP-Schwester und arbeitet im Krankenhaus bei uns. Mein Vater hat einen total seltsamen Beruf, er taucht auf der ganzen Welt die Staudämme ab und schaut, ob noch alles in Ordnung ist und so.“
    „Wow! Auch ein Taucher! Von so einem Beruf habe ich ja noch nie was gehört?!“
    „Er ist auch einer von dreien weltweit, die das machen. Er war schon überall.“
    „Dann ist er oft weg, oder?“
    „Ja. Er ist immer für ein paar Wochen weg und dann mal wieder ein paar zu Hause. Er hat von überall wo er war ein Souvenir mitgebracht und inzwischen ein ganzes Zimmer dafür. Das muss ich dir unbedingt mal zeigen.“
    „Das würde ich gerne sehen. Da haben unsere Eltern ja beide ausgefallene Berufe.“
    „Ja.“
    Wieder das umwerfende Lächeln. Dieses Mal hielt ich ihm stand und das Kribbeln in meinem Bauch war kaum noch auszuhalten. Er war mir so nah, wann immer der Bus eine Kurve fuhr spürte ich seine Schulter an meiner.
    Die Fahrt verging wie im Fluge und wir kamen nicht mal dazu Musik zu hören. Als wir am Schwimmbad ausstiegen waren wir für Samstag bei ihm zu Hause verabredet und wollten abends zusammen ins Kino gehen. Ich war wahnsinnig verliebt in ihn.

  27. #27
    Melina_Dilemma

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    Dann kam aber erst mal diese lästige Sache mit dem Schwimmbad. Ich hatte vor der Abfahrt meinen Bikini noch mal anprobiert, trotzdem schaute ich an mir herunter und der sonnengelbe Stoff kam mir völlig fremd vor. Es kotzte mich wahnsinnig an, dass meine blauen Oberarme inzwischen schon stellenweise grün und unglaublich auffällig waren. Aber ich stellte mich meinem Schicksal, schmiss mein Zeug in ein Schließfach und trat in den Duschraum. Ich fror und stellte das Wasser ganz heiß ein. Von den anderen Mädchen war niemand zu sehen. Ich ließ das heiße Wasser über meine Körper und schließlich auch über meine Haare laufen. Ich hatte sie in einem Knoten am Hinterkopf zusammengebunden, aber ein paar Strähnen hatten sich bereits wieder gelöst. Ich beschloss, mir einfach keinen Kopf um mein Aussehen zu machen und so viel Spaß wie möglich zu haben. Meine Wimperntusche und das wenige Make-up, das ich aufgetragen hatte, waren wasserfest und ich würde es schon überleben. Niklas hatte mich schon völlig durchgeschwitzt und in Schlafsachen gesehen. Das hier war auch nicht schlimmer. Ich drehte mich um und in dem Moment betraten Mandy, Elli, Karina, Alexandra und Marie den Duschraum. Mandy trug einen weißen Triangelbikini und an ihrem ganzen Körper gab es nicht eine Stelle, die nicht gut aussah. Ich hielt unbewusst den Atem an, während ihre Blicke mich von oben bis unten musterten. Dann lächelte ich schief und verschwand so schnell wie möglich durch die Tür ins Hallenbad. Augenblicklich schlug mir der Geruch von stark konzentriertem Chlor, Pommes und feuchten Badesachen entgegen. Die Luft war feucht und warm und Kinderstimmen hallten unter dem hohen Glasdach wieder. Vor mir lag das Schwimmerbecken mit ziemlich vielen Bahnen. Daneben, am linken Ende der Halle, erkannte ich einen Sprungturm mit Sprungmöglichkeiten in 1, 3, 5 und 10 Metern Höhe. Das Springerbecken war quadratisch und abgetrennt vom Schwimmerbereich. Rechts erblickte ich jede Menge Rutschen, Strudel, ein Wellenbad, Whirlpools und andere kleine Becken, deren Besonderheit ich nicht auf den ersten Blick erkannte.
    „Roxy!“ hörte ich eine wohlbekannte Stimme meinen Namen rufen.
    Ich drehte mich in die Richtung aus der sie kam und... mir stockte für einige Sekunden der Atem. Mr. Universum kam mit lässigen und gleichzeitig anmutigen Schritten auf mich zu. In meinem Kopf hörte ich die Titelmusik von Baywatch und wieder fuhr ich diesen seltsamen Slow-Motion-Film, ich hatte auf einmal Superfähigkeiten die es mir erlaubten, viel mehr Details in derselben Zeit aufzunehmen.
    Niklas Maybach war ein Hammertyp! Wie in einem Hollywoodfilm drehten sich die Köpfe aller Frauen um diesem blonden Sunnyboy hinterher zu starren. Sein Oberkörper war das verführerischste, was ich in meinem Leben je gesehen hatte! Wann immer ich einen durchtrainierten Menschen gesehen hatte, es hatte mich nie wirklich berührt. Patrick sah auch toll aus, aber Nik… Puuuuh… Seine Haut wirkte gesund und noch braun vom Sommer und ich konnte es einfach nicht begreifen, dass er zu mir wollte! Ja, er kam geradewegs zu mir!
    „Hey. Schicker Bikini.“ sagte er mit einem schelmischen Grinsen auf den Lippen und einer leicht hochgezogenen Augenbraue.
    „Schicke Badehose.“ konterte ich, mit einem ebensolchen Grinsen während ich noch einen anerkennenden Blick auf seinen nackten Oberkörper warf. Mir war wahnsinnig heiß. Verdammt, wirklich richtig heiß. Ich pustete mir eine Ponyfranse aus dem Gesicht und suchte fieberhaft nach einer Möglichkeit mich abzukühlen. Da fiel mein Blick auf den Sprungturm, der Bademeister nahm gerade die Kette weg, die verhinderte, dass vom Zehn-Meter-Turm und den anderen Höhen gleichzeitig gesprungen werden konnte. Es war jetzt also 10er-Zeit. Schon kletterten einige Jungs die Leiter hoch, darunter erkannte ich auch Philip und Patrick.
    „Du bist doch mutig und hast keine Höhenangst, nicht wahr?“ fragte ich Nik.
    „Richtig… warum?“
    „Springst du mit mir vom Zehner?“
    „Traust DU dich das etwa?“
    „Hätte ich sonst gefragt?“ sagte ich gespielt arrogant und setzte mich in Bewegung.
    Nik folgte mir auf den Fuß:
    „Ich hab noch nie ein Mädchen da oben gesehen. Na gut, doch, einmal. Aber sie war 11 Jahre alt und völlig abgebrüht. Aber du? Du hast doch schon genug blaue Flecken!“
    „Man bekommt aber keine blauen Flecken, wenn man richtig springt.“
    „Das weiß ich. Ich kann mich daran erinnern, als meine Schwester mal unbedingt vom Zehner springen wollte, irgendwann im Urlaub. Sie hatte danach einen blauen Streifen an der Innenseite ihrer Beine und Arme entlang.“
    „Dann hat sie irgendwas falsch gemacht.“
    „Sag mal, du willst doch jetzt nicht wirklich da runter springen??“
    „Doch! Und du kommst mit.“
    „Hast du das wirklich schon mal gemacht?“
    „Schon oft.“
    „Ich weiß nicht. Mir ist irgendwie nicht wohl dabei. Was ist, wenn du dir wehtust?“
    „Ich tue mir nicht weh. Komm schon!“
    Wir waren am Fuß der Leiter angekommen, aber Niklas hielt mich noch auf. Ich versuchte mal etwas, dass ich bisher nur aus Filmen und Büchern kannte, nämlich einen Augenaufschlag. Ich klimperte mit meinen Wimpern was das Zeug hielt und machte einen Schmollmund.
    Er seufze theatralisch und bedeutete mir, dass ich zu erst gehen sollte. Yeah! Verdammt, wie einfach war das denn?! Ich konnte es nicht fassen! Mit diesem Wissen könnte ich die Welt beherrschen! Ich begann mit dem Aufstieg und unweigerlich dachte ich daran, dass er jetzt direkt mit seiner Nase auf der Höhe meines Hinterns war und versuchte nicht auszurutschen oder sonst wie zu stolpern. Oben angekommen wirkten die 10 Meter wie hundert. Ich kannte das aber und wusste, dass ich mich einfach nur überwinden musste und es würde mir Spaß machen. Vor mir standen etwa 10 Jungs und alle starrten mich an. Ganz vorn stand der Bademeister. Es war wohl sein Ferienjob, zumindest war er nicht viel älter als ich. Er warf mir einen abschätzigen Blick zu und ich fühlte mich, als wäre ich nackt. Stolz stellte er seinen perfekten Körper zur Schau und schüttelte seine dunkelbraune Lockenpracht.
    „Na? Ladies first?“ fragte er mit einem schleimigen Grinsen auf den Lippen.
    Allgemeines Zustimmungsgemurmel erklang. Ich hätte zwar gerne noch ein bis zwei Minuten zugeschaut aber jetzt musste ich wohl. Und eigentlich gefiel es mir gar nicht, so eine Show abziehen zu müssen. Ich trat an die Kante und zu allem Übel hatten sich unten rund um das Becken bereits Zuschauer versammelt. Gut, auch das kannte ich. Die Jungs zeigten ihre tollen Kunststückchen und die Mädchen jubelten ihnen von unten zu. Nur, dieses Mal kannten mich dort unten einige, ich sah Fiona und meine anderen neuen Freundinnen, auch Lukas und Patrick, der noch ganz nass war, er war gerade selber gesprungen.
    „JA! LOS ROXY!“ hörte ich schon lautstark seine Stimme.
    „Oh...“ sagte ich leise.
    „Was? Traust du dich nicht?“ fragte der aufdringliche Bademeister und legte seine Hand an meinen Rücken.
    Die Berührung war mir unangenehm und ich besann mich wieder.
    „Doch. Alles in Ordnung.“
    Niklas tauchte auf meiner anderen Seite auf.
    „Ich springe gleich nach dir, okay? Pass bitte auf dich auf, spann alle Muskeln schön an und denk dran, dass die Arme nicht locker sein dürfen...“
    „Schon gut, Nik, ich weiß. Bis gleich da unten.“ Ich warf ihm noch ein leichtes Lächeln zu, wenn er das immer konnte, konnte ich das ja wohl auch, und dann stellte ich mich zum Absprung auf.
    „Pass auf deinen Bikini auf.“ hörte ich noch die Stimme des Bademeisters, aber ich ignorierte ihn und sprang stattdessen federleicht ab, drehte mich einmal um meine eigene Achse und genoss die restlichen Sekunden des Fluges, ehe ich relativ leise und ohne viele Spritzer kopfüber in das blauschimmernde, angenehm warme Wasser eintauchte, unter Jubelrufen und Applaus.
    Ich war zufrieden mit mir, das wäre erledigt. Es zahlte sich aus, dass meine Eltern mich in Berlin unbedingt auf so eine Bonzenschule mit eigener Schwimmhalle schicken mussten, obwohl sie wussten, dass ich das eigentlich hasste. Der Schwimmunterricht gehörte wöchentlich zum Stundenplan und jeder lernte, wie man von einem 10-Meter-Turm springen musste.
    Ich tauchte, nachdem ich kontrolliert hatte, dass mein Bikini da war wo er sein sollte, auf und schwamm mit wenigen, kräftigen Zügen an den Rand, zog mich nach oben und ließ mich erst einmal auf den Boden sinken, um Niks Sprung zu sehen.
    Als er dort oben erschien und sein Arme erhob lief sofort ein Tuscheln durch die Mädchen, unvorstellbar. Sie schmachteten alle nach oben und kicherten albern. Aber ich musste mich selber zusammenreißen um nicht zu hingerissen nach oben zu sehen. Rhythmisches Klatschen und Anfeuerungsrufe hallten in ziemlich großem Ausmaß in der Halle wieder. Niklas sprang mit einem sauber gestreckten und perfekt getimten Kopfsprung ins kühle Nass. Lukas filmte und er bekam jede Menge Jubelrufe und noch mehr Applaus. Er schwamm unter Wasser direkt bis zur Leiter zu meinen Füßen und tauchte fast geräuschlos mit einem triumphierenden Gesicht wieder auf.
    Ich grinste und er tat dasselbe und dann kam wieder so eine Baywatch-Szene: Nik stieg langsam aus dem Wasser, die Tropfen perlten von seiner Brust ab und er fuhr sich lässig mit einer Hand durch das blonde Haar. Eine schwarzhaarige Schönheit nicht weit von ihm leckte sich die Lippen und fraß ihn fast auf mit ihren Augen, aber er blickte nur zu mir:
    „Du hast mir verschwiegen, dass du so gut bist, Roxana.“
    „Ich hab dir doch gesagt, ich bin schon oft gesprungen.“ sagte ich wieder mit einem kecken Grinsen. Wir ließen uns neben den anderen von uns auf eine erwärmte Steinbank fallen.
    „Wow, das war ja super! Woher kannst du das Roxy? Ich denke du magst kein Wasser!“ wurde ich gleich von Fiona bestürmt.
    „Mag ich auch eigentlich nicht, aber in meiner alten Schule hatten wir einmal die Woche Schwimmunterricht. Wir mussten alle lernen zu springen.“
    „In der Schule?“
    „Und ich dachte ich muss dich am Ende aus dem Wasser zerren, weil du bewusstlos bist oder so.“ meinte Nik vorwurfsvoll.
    „Guck nich so viel Fernsehen!“ schoss ich zurück.
    „Okay. Du hast gewonnen. Gibt’s noch mehr besondere Fähigkeiten, die mich interessieren könnten?“
    „Hm. Kannst du Eishockey spielen?“
    „Das glaub ich dir jetzt aber wirklich nicht, das kannst du nicht.“ sagte er mit einem gleichzeitig amüsierten und bewundernden Gesicht.
    „Du wurdest doch gerade schon mal eines Besseren belehrt. Bei uns an der Schule müssen wir im Sommer Wassersport machen und in der kalten Jahreszeit einen Wintersport. Ich kann Eishockey spielen, snowboarden und in diesem Jahr hätte ich Curling gelernt. Wäre ich nicht umgezogen.“
    „Was ist das denn für eine Schule?!“ fragte Dina.
    „Eine furchtbare Bonzenschule, sie liegt in Frohnau, das ist der High-Society-Bezirk von Berlin. Meine Eltern haben aus irgendeinem Grund kein Vertrauen in staatliche Schulen. Und da zwingen sie mich mit Politiker-Kindern zur Schule zu gehen…“
    „Da wird dir unser Kleinstadt-Gymnasium sehr langweilig vorkommen...“
    „Ich bin eigentlich ganz gespannt, wie es in einer normalen Schule zugeht, das kenne ich ja nicht. Werden bei euch auf den Schulhöfen Drogen vertickt?“
    „Keine Ahnung…“ zuckte Luke mit den Schultern.
    „Ich glaube nicht.“ meinte Nik.
    „So, genug geplaudert. Wer kommt noch mal mit springen?“ Lukas war aufgestanden.
    Patrick und Nik und er nahmen mich noch mal mit bis ganz nach oben auf den Turm und wir sprangen ganz oft und jeder zeigte seine besten Sprünge. Ich fühlte mich wunderbar und genoss die Aufmerksamkeit, die ich wirklich reichlich bekam. Um das Becken herum hatten sich echt viele Leute versammelt und sie jubelten uns zu und applaudierten. Der Bademeister-Typ von oben fragte mich nach meiner Telefonnummer, aber ich lehnte ab. Ein anderer Typ versuchte die ganze Zeit mir irgendwie näher zu kommen, aber ich ließ ihn abblitzen und außerdem sah ich, dass Nik ihm Blicke zuwarf, die locker einen Jumbo-Jet zum Absturz bringen könnten. Mich bedachte er ständig mit netten Worten und Lächeln, aber es war anders als die Art Lächeln, die er sonst für Mädchen übrig hatte. Ich sonnte mich regelrecht in den vielen neidischen Blicken, die mir die anderen Mädchen zuwarfen, weil der schöne blonde Junge mir die ganze Zeit nicht von der Seite wich. Roxana Thalheim bekam neidische Blicke zugeworfen? Mein Leben war jetzt anders. Die unsichtbaren Fesseln, die mich immer eingeengt hatten, war ich losgeworden.

  28. #28
    damdidam
    Neuling

    Standard

    hmm -.-' also die geschichte kenne ich irgendwoher .! ich bin mir nicht sicher aber die geschichte gibts auch auf RockundLiebe.de und deswegen wollte ich mal fragen ob du das vlt. bist bin mir net sicher.!?

  29. #29
    Melina_Dilemma

    Standard

    Right ;D Ich bin's

  30. #30
    damdidam
    Neuling

    Standard

    hehe cool ich mag die Geschichte soo dolle ♥
    hehe lol dass du des hier auch reinstellst;D


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