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Wann muss er es wissen?

  1. #1
    Mirabella23
    Gast

    Standard Wann muss er es wissen?

    Wir haben uns nach über 8 Beziehung und 5 Jahren davon Zusammenlebens getrennt, d.h. er ist Heim gegangen. Wir hatten beide schon längere Zeit überlegt, ob es das fürs Leben sein soll oder ob wir eher gute Freunde sind. Durch einen Streit kam es dann dazu.
    Es war eine Vernunftentscheidung und die erste Zeit war ich wie gelähmt und hab das alles nicht wirklich realisiert. Wir hatten vereinbart, dass jeder nun mal für sich rausfinden muss, was das zwischen uns noch ist. Wir waren immer in Kontakt, haben zusammen geweint und gelitten. Nach ein paar Wochen sprachen wir darüber und wir sagten beide, dass wir uns noch lieben.
    Ihm geht es schlechter als mir, was ich mir kaum vorstellen konnte, aber es ist so. Er sagt, ich könne mir nicht vorstellen, was er derzeit für ein Leben führt.
    Nun habe ich ihm offen gesagt, dass ich möchte, dass er wieder einzieht. Er sagt, dass er noch Zeit braucht, weil seine Angst, dass alles wieder nach kurzer Zeit so ist wie wir aufgehört haben, größer ist. Ich hab sogesehen das geringere Risiko,weil sich an meiner Lebenssituation nichts groß ändert.
    Er war derjenige, der daheim um Aufnahme bitten musste und nun hat er einfach nur Angst, dass er überstürzt hier wieder einzieht und es scheitert und er wieder gehen muss. Das wäre es dann aber für immer.
    Ich kann ihn irgendwo verstehen, hab ihm auch gesagt, dass ich ihm die Zeit geben will. Aber insgeheim hoffe ich schon, dass er spätestens Weihnachten wieder da ist. Aber ich befürchte, dass er sich da wirklich mehr Zeit nehmen will und mich belastet das sehr.
    Irgendwo denke ich mir, dass dann über 4 Monate eigentlich genug Zeit ist,um sich klar zu werden, was man im Leben will. Ich weiß nicht, was da angemessen ist. Bin ich zu fordernd, wenn ich das verlange oder lasse ich mir zu viel gefallen? Ich hab da kein Gespür.
    Er ist leider jemand, der noch nie großartige Entscheidungen in seinem Leben treffen musste. Das hab bisher immer ich übernommen. Und meine Eltern sagen halt, wenn er bis dahin nicht weiß, wartet er bis Ostern und weiß es immer noch nicht.

    Wie seht ihr das? Mache ich es mir zu leicht oder er? Oder kann man das pauschal nicht sagen?

  2. #2
    nixe

    Standard

    Meiner Meinung nach habt ihr den schwersten Schritt schon geschafft - ihr seid euch sicher, dass ihr euch noch liebt. Nun bleibt nur noch die Frage, wie ihr damit umgehen wollt. So, wie ich das gelesen habe, seid ihr beide mit der aktuellen Lebenssituation nicht zufrieden. Ihr seid euch nur noch nicht sicher, wie sich das ändern lässt. Und er hat zuviel Angst, sozusagen gleich wieder komplett ins kalte Wasser zu springen. Und frag mich nun bitte nicht, wie lange es dauern kann, bis diese Angst verschwindet und was man dafür tun kann, ich bin leider einer der Menschen, die nicht ihr Leben damit verbringen, sich vor dem Leben zu fürchten. Du kannst mich dafür fragen, wie man damit klarkommen kann, immer wieder auf die Nase zu fallen ...

    Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass die Angst nicht verschwinden wird, wenn er nur zu Hause sitzt, nachdenkt und wartet. Ihr solltet auf jeden Fall erst einmal weiterhin Kontakt halten. Trefft euch, verbringt Zeit zusammen, redet viel, gebt euren Gefühlen Zeit, wieder stabil und zuverlässig zu werden und zu wachsen. Irgendwann wird in einem von euch der Wunsch auftauchen, diesen Kontakt intensiver zu gestalten - oder vielleicht ist er ja auch schon da. Und wenn das auch der Wunsch des anderen ist, könnt ihr gemeinsam eine Möglichkeit finden, ihn umzusetzen. Muss ja nicht gleich wieder die gemeinsame Wohnung sein - es gibt soooo viele Optionen. Getrennte Bereiche in derselben Wohnung, Wohnungen in der Nähe des anderen, regelmäßige oder spontane Besuche ...

    Wichtig ist vor allem herauszufinden, was jeder von euch will. Und dann zu prüfen, ob diese Wünsche so sind, dass man einen Kompromiss finden kann. Und danach dann eine Möglichkeit schaffen, diesen umzusetzen. Und dann kann man das Ganze so lange leben, bis neue Wünsche entstanden sind... Ein Schritt nach dem anderen. Und immer mit dem Gedanken "das muss jetzt nix für die Ewigkeit sein, wir probieren es einfach mal aus und machen es, solange es sich gut anfühlt". Für die Ewigkeit muss nur eins sein - eure Liebe zueinander. Solange die da ist, findet sich ein Weg.

    Einen Tipp noch zum Thema "Wünsche". Ich habe sehr oft beobachten können, dass Menschen sehr genau sagen können, was sie NICHT wollen. "Ich will nicht so fett sein .." , "Ich will keine feste Beziehung ...", "Ich will nicht mit Sandra spielen ...". Damit macht man sich das Leben total schwer und man kommt nicht weiter - denn man ist ewig damit beschäftigt, gegen etwas anzukämpfen, damit zu prüfen, ob man diesen Zustand nicht doch versehentlich schon erreicht hat, und man hat ewig dieses "Feindbild" vor Augen ... Deshalb frag ihn, wenn er Dir das nächste Mal erzählt, dass er nicht bei Dir einziehen will, einmal danach, was er will. Nicht danach, was er nicht will. Er ist zwar überraschend schwer, so ein "Ich will"-Ziel zu formulieren - aber wenn man es dann geschafft hat, ist es wiederum überraschend leicht, es zu erreichen. Irgendwann hat mir mal ein Psychotherapeut was über dieses Prinzip erzählt - kannst ja mal googlen zum Stichwort Annäherungs- und Vermeidungsziele. Ist schwer, sich darauf einzustellen - "ich bin dagegen" rufen ist ja auch viel einfacher, als konstruktive Ideen zu bringen - aber es funktioniert unglaublich gut. Man muss sich eben nur die Zeit nehmen herauszufinden, was man will - und aufhören darüber nachzudenken, was man nicht will.
    Have the courage to follow your heart and intuition. They somehow already know what you truly want to become. Everything else is secondary. (Steve Jobs)
    Omnia vincit amor (Vergil). Zumindest, wenn sie gegenseitig ist. (ich)
    Es ist schwer zu sagen, was unmöglich ist, denn der Traum von gestern ist die Hoffnung von heute und die Wirklichkeit von morgen. (Robert Goddard)

  3. #3
    Jesse Blue

    Standard

    Solch eine Entscheidung hat nicht derart viele Komponenten, dass man sich dafür ewig Zeit nehmen muss. Zeit nimmt sich die Person, die glaubt, dass die Distanz ihr/ihm Klarheit bringt. Dies jedoch ist ein Denkfehler. Denn eine Beziehung, genau wie die Liebe und alle anderen Bezeichnungen, die uns Menschen so einfallen, ist nichts weiter als die Gewöhnung an einen Menschen. So wie die Gewöhnung an Chips oder Schokolade. Es gibt nicht nur "den einen", so wie viele sich das in ihrer naiv-romantischen Vorstellung zurecht legen. Und wenn man sich distanziert, lassen eben auch die Gefühle wieder nach. Außer man steigert sich sinnlos in eine Sache rein.

    Ergo: Er scheint wirklich nicht zu wissen, was er will. Denn hellsehen kann keiner. Es kann klappen oder auch nicht. Und der Ausgang solch eines Versuchs hängt nicht davon ab, wie lang man bis dahin darüber brütet, sondern wie viel Mühe man sich ab dem Neustart gibt.
    Das offene Gespräch suchen - die Lösung für 80% aller Probleme hier.

  4. #4
    Mirabella23
    Gast

    Standard

    Ich muss mir ehrlich eingestehen, dass ich die Hauptschuld an dem ganzen Dilemma habe. Er hat auch seine Fehler, ganz klar. Ich habe ein Verhalten an den Tag gelegt, dass einfach nicht geht. Ich war egoistisch und habe immer nur meine Wünsche durchgesetzt, weil ich mich am längeren Hebel fühlte. Dabei wollte er nur etwas ganz "einfaches" von mir: Liebe, die ich auch zeige.
    Ich bin durch die Trennung erwacht - evtl. leider zu spät. Er hat nun Zweifel, ob ich alles ernst meine oder nur wieder erreichen will, dass er zurückkommt und dann ist nach kurzer Zeit alles wieder beim alten. Er will sehen, dass ich mich wirklich in dem Punkt ändere. Ich kann es verstehen.
    Nur eben wie Jesse schon sagte: vom Daheimsitzen und Abwarten wird die Situation nicht gelöst.
    Wir sehen uns regelmäßig und die Treffen sind schön, es gibt nichts seltsames oder unangenehmes. Er genießt meine Anhänglichkeit, die ich lange nicht mehr zeigte. Er kommt auch gerne zu mir, das merke ich dann schon.

  5. #5
    unlucky8

    Standard

    @ mirabella:. Ich glaube, dass er weiss das du ihn liebst und er es auch tut. nur ist es nunmal so, dass du es nicht schaffst durch dein verhalten sicherheit zu schaffen. man tut immer viel für einen menschen den man liebt, aber dieser mensch merkt auch schnell wenn sein verhalten darüberhinaus genutzt wird. ich glaube, dass der grund seiner zweifel darin liegt das er dir oft genug gezeigt hat was er möchte und du es nicht immer zu 100% erfüllt hast.und mögen sich diese zweifel auch nur an kleinen situatuionen gebildet haben, wenn du dich im falschen moment "falsch" verhalten hast, wird er sich an den immer erinnen und deshalb zweifel haben.

  6. #6
    Blanche

    Standard

    unlucky könnte Recht haben. Du musst schauen wie es weiter läuft.

    Die Harmonie zwischen zwei Menschen ist niemals gegeben. Sie muss immer wieder neu erobert werden.

    Simone de Beauvoir

  7. #7
    Jesse Blue

    Standard

    Er will Sicherheiten haben, die er nun einmal nicht haben kann. Erst recht nicht durch das Abwarten. Ob er es wieder probiert, sollte seine Entscheidung sein. Die sollte er treffen. Das Vertrauen in den Gegenüber mit neuen Vorsätzen muss da sein. Wenn er nur sein zweifelndes Weicheigetue an den Tag legt, würde ich Dir empfehlen, Dich zu fragen, ob das ganze zwischen euch Sinn macht. Denn Schuldzuweisungen bringen keinen weiter. Wichtig ist die Zukunft. Und an die muss er glauben. Und sich entscheiden. Ansonsten solltest Du ihm diese Entscheidung abnehmen.
    Das offene Gespräch suchen - die Lösung für 80% aller Probleme hier.

  8. #8
    klein-meLLi

    Standard

    Danke Nixe für den tollen Text!!

    Bin in einer ähnlichen Lage & kann nur zustimmen. Tut einfach das, was euch beiden gut tut. Es bringt einfach nichts eine Entscheidung über den Zaun zu brechen. Gefühlsmäßige Entscheidungen brauchen manchmal eben Zeit. Das Wichtigste ist, das die Basis vorhanden ist. z.B. Nähe, dass es sich gut anfühlt, wenn der andere da ist! Der Rest kommt von selbst...

  9. #9
    Jesse Blue

    Standard

    Zitat Zitat von klein-meLLi Beitrag anzeigen
    Gefühlsmäßige Entscheidungen brauchen manchmal eben Zeit. Das Wichtigste ist, das die Basis vorhanden ist. z.B. Nähe, dass es sich gut anfühlt, wenn der andere da ist! Der Rest kommt von selbst...
    Falsch, nichts kommt "von selbst". Sein Zögerungsgrund ist Zweifel. Und man kann niemanden ernst nehmen, bei dem Zweifel lediglich aufgrund der Zeit verschwinden. Wie stupide wäre das denn? Was hat Zeit mit dem Motiv zu tun?

    Es gibt nur ein Ja oder ein Nein. Entweder der Glaube in die Beziehung reicht aus, um es erneut anzugehen oder man lässt es bleiben. Durch ein halbherziges Vielleicht-Gefasel motiviert man doch niemanden, sich für die Beziehung einzusetzen.
    Das offene Gespräch suchen - die Lösung für 80% aller Probleme hier.

  10. #10
    Mirabella23
    Gast

    Standard

    Genau so sehe ich es auch. Entweder ich liebe jemanden oder nicht. Und mir ist nun nach länger Zeit klar geworden, dass er es nicht mehr genug tut und er denkt oder vllt. sogar hofft, dass Zeit seine Liebe zurückbringen könnte. Wer selbst liebt tut doch alles für den anderen. Wie ich derzeit auch. Ich warte jeden Tag auf seine Rückkehr, eine Nachricht, ein Liebessignal. Das kommt nicht. Und wenn ich ehrlich bin, habe ich das seit langem gefühlt, aber nicht wahrhaben wollen.
    Ich habe 6kg abgenommen, kann an nichts klares mehr denken und weine mich seit Wochen in den Schlaf.
    Mir hilft es jedoch nicht zu sagen: es geht vorbei, die Zeit heilt alle Wunden. Er hat dich nicht verdient, er hat folgende schlechte Eigenschaften.
    Mein Herz ist gebrochen und muss irgendwie heilen. Nichts und niemand kann mir dabei helfen. Aber in erster Linie muss ich mich selbst retten - indem ich diesen Wahnsinn und Selbstzerstörung auf Raten beende. Ich werde die Entscheidung treffen und die ist einfach: komm zurück und lebe mit mir oder verschwinde aus meinem Leben für immer.
    Ich muss mich nur noch durchringen, so dumm wie es auch klingt.

  11. #11
    Jesse Blue

    Standard

    Zitat Zitat von Mirabella23 Beitrag anzeigen
    Ich werde die Entscheidung treffen und die ist einfach: komm zurück und lebe mit mir oder verschwinde aus meinem Leben für immer.
    Hörst Du Dich selbst reden? Du triffst die Entscheidung, die beinhaltet, ihm die Entscheidung zu belassen? Worin unterscheidet sich Dein Zustand dann vom jetzigen? Du weinst jeden Tag, hast aus Depri abgenommen und bist mental nur noch down. Und er ein notorischer Wackelkandidat. Glaubst Du wirklich, dass er zu einem geradlinigen Dreamboy wird, nur weil Du Dich wie eine Klette an jede Pseudo-Hoffnung (und an den Typen) hängst?

    Entscheidungen zu treffen bedeutet, Entscheidungen zu treffen und nicht, Entscheidungen treffen zu lassen. Ansonsten bist Du doch nicht besser als er.
    Das offene Gespräch suchen - die Lösung für 80% aller Probleme hier.

  12. #12
    Blanche

    Standard

    Zitat Zitat von Mirabella23 Beitrag anzeigen
    Ich werde die Entscheidung treffen und die ist einfach: komm zurück und lebe mit mir oder verschwinde aus meinem Leben für immer.
    Ich muss mich nur noch durchringen, so dumm wie es auch klingt.
    Ihm noch das Recht geben es zu entscheiden? Würde meine Liebe!!
    Das was er getan hat und was er nicht für sich empfindet reicht doch.
    Ich verstehe dich, kann es nachvollziehen, wer von uns hat noch keinen
    ekligen Liebeskummer durchstehen müssen? Aber steh es auch durch
    wie alle anderen. Klammern hilft gar nichts.

    Du musst lernen es zu verstehen und zu akzeptieren. Es geht auch ohne
    ihm weiter. Und in ein paar Jahren wirst du womöglich sogar lachen, dass
    du mal einen geliebt hast und ihm total hinterher gelaufen bist, der dich
    selbst nicht mal liebte. Dann wirste wissen, was das für ein Schwachsinn ist.

    Die Harmonie zwischen zwei Menschen ist niemals gegeben. Sie muss immer wieder neu erobert werden.

    Simone de Beauvoir


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