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Viola und Helmut

  1. #1
    Hans Werner

    Standard Viola und Helmut

    Viola und Helmut

    Erzählung von
    Hans Werner

    Viola war ein armes Mädchen. Sie war nicht etwa deshalb arm, weil sie zu wenig Taschengeld gehabt hätte, sondern sie war arm, weil sie nicht wusste, wie sie ihr Leben, das vor ihr lag, anpacken und meistern sollte. Mit aller Macht ihres Herzens und ihres jungen Körpers sehnte sie sich nach der großen Erfüllung in der Liebe. Gerade erst war sie neunzehn geworden und stand in der Vorbereitung ihres Abiturs. Ein Kamerad aus ihrer Klasse war ihr Augapfel, von dem sie den Blick nie wenden konnte, immer wenn er es nicht bemerkte. Helmut, so hieß der Junge, war ein guter Schüler durch und durch, er war gut in den Kenntnissen der Sprachen und Naturwissenschaften, aber auch gut und gewandt im Sport. Es traf dieses selten zusammen, dass ein junger Mensch gut war in allen Bereichen des Lernens. Und Viola verehrte ihn deshalb mit der ganzen brennenden Sehnsucht einer tief verborgenen Herzensneigung. Das Dumme daran war nur, dass Helmut überhaupt nichts davon wusste und wirklich nicht die geringste Ahnung hatte von der Liebe, die ihm Viola entgegenbrachte.
    Viola war arm, so sagten wir zu Beginn, und das muss man näher begründen. Ein jeder junger Mensch braucht ein Vorbild, das ihm vorlebt, wie man sich später zu verhalten habe. Irgendwo muss man sehen können, wie sich eine Frau und ein Mann richtig benehmen, um miteinander glücklich zu sein. Vater und Mutter stehen daher ständig im Beobachtungsfeld der Kinder, und auch Viola beobachtete ihre Eltern tagtäglich genau und hellhörig. Was sie da aber zu sehen bekam, war nicht immer erfreulich. Bald hatte Viola nämlich begriffen, dass ihr Vater, den sie aus Herzensgrunde liebte, tief unglücklich war. Er war unglücklich, weil ihn seine Ehefrau nicht beglücken konnte und ihm durch allerlei Widersetzlichkeiten das Alltagsleben erschwerte. Um es kurz zu sagen, Herbert, so hieß ihr Vater, stand unabdingbar und endgültig unter den Pantoffeln seiner Frau.
    Beruflich stellte er dagegen etwas dar, wie man zu sagen pflegte. Als Oberarzt in der Inneren des Städtischen Klinikums genoss er in der Bürgerwelt hohes Ansehen. Fachlich leistete er viel und verstand sich auch mit den Patienten sehr gut. Weniger mit den Kollegen, weil diese ihm den medizinischen Erfolg neideten und er manchmal über die Rolle des Arztes im Umgang mit Patienten ungewohnte Ansichten äußerte.
    Vor vielen Jahren hatte Herbert seine Frau Lioba geheiratet, einfach deshalb, weil er im Geschäft der Brautwerbung nicht die nötige Gelassenheit aufgebracht hatte. So war er an eine Frau geraten, die ihn, wohl aus pekuniären Gründen zum Manne genommen hatte, im Übrigen aber keinerlei Körperliebe zu ihm empfinden konnte. Schon nach kurzer Zeit trennten die Eheleute, auf Geheiß der Frau, die Schlafstätten. Er schnarche, sagte sie, und sie könne unter diesem Lärm nicht schlafen. Aber auch in vielen anderen Kleinigkeiten zeigte sich bald, dass sie im Haushalt mit bestimmender Absolutheit das Regiment führte. Es konnte sein, dass sie ihrem Mann plötzlich untersagte, die Weißbrotschnitte zu nehmen, weil gerade diese Brotsorte der anwesenden Tochter, die unter Magenkrämpfen litt, besser bekommen würde. Oder wenn der Mann einmal den Wunsch äußerte, in ein Konzert zu gehen, so konnte ihm Lioba mit großer Deutlichkeit zu erkennen geben, dass ihr überhaupt nicht der Kopf danach stehe, ihn dahin zu begleiten. Dann wusste er bald sehr gut, dass es wenig Sinn machen würde, auf dem eigenen Willen zu bestehen. Hätte er es versucht und den Konzertbesuch erzwungen, so wäre Lioba den ganzen Abend über missmutig und mürrisch gewesen und hätte es ihn bitter spüren lassen, dass sie zu diesem Konzertbesuch gezwungen worden war. Auch im täglichen Gespräch spielte Herbert, obwohl von Berufs wegen im Sprechen geübt, doch eine kläglich untergeordnete Rolle. Lioba, die ihm in rhetorischen Fähigkeiten durchaus nicht Paroli bieten konnte, verstand es dennoch, ihm durch bewusste Verweigerung der Antwort den Gesprächsfaden abzuschneiden. Oft, wenn er aus tiefstem Gefühl eine Bemerkung machte, gab sie entweder gar keine Antwort oder machte ihm deutlich, dass in ihren Augen gerade das Gegenteil dessen, was er soeben geäußert hatte, stimme. Auf diese Art und Weise verlief das Eheleben zwischen den Eltern. Das fühlte Viola täglich, und ihr Herz weinte dabei. Denn sie liebte ihren Vater, mehr als ihre Mutter.
    Schließlich kam es nach mehreren Wochen vergeblicher Andeutungen von Violas Seite doch zu einer Verabredung zwischen ihr und Helmut. Hinter dem Gymnasium, wo unter dem mächtigen Walnussbaum ein alter Springbrunnen seine Fontäne hochschießen ließ, hatten sich die beiden verabredet, auf 16 Uhr, also nach Ende des nachmittäglichen Unterrichts. Helmut kam mit munteren Schritten dahergeeilt, die Schultasche auf dem Rücken. Er lächelte mit seinem offenen und ehrlichen Lächeln Viola zu. Es war ganz deutlich, dass auch er dieses Treffen herbeigesehnt hatte und sich nun mächtig freute.
    „Ach, Viola, das ist schön, dass wir jetzt noch ein wenig miteinander gehen.“
    „Hast Du dich wirklich darauf gefreut?“, sagte sie und schaute ihn dabei ungläubig an.
    „Viola, du hast mir schon immer gefallen“, erwiderte er.
    „Das musst Du mir noch einmal sagen, bevor ich es glaube“, sagte sie mit leichtem Kopfschütteln.
    „Es ist so, dass ich dich schon oft beobachtet habe, wenn die andern es nicht sahen. Und dann gefiel mir die Art, wie Du still in Dich hinein lächelst, immer dann, wenn die andern vorlaut losprusten.“
    Viola schaute von der Seite zu ihm auf, denn er war einen Kopf größer als sie.
    „Ja, Helmut, das Losprusten ist ja nun weniger meine Sache.“
    Sie gingen durch den Stadtpark, der in den letzten Monaten durch die örtliche Stadtverwaltung ganz neu angelegt worden war. Viele Bäume waren herausgenommen worden, so dass sich nun ungestörte Sichtfluchten ergaben. Befand man sich an gewissen erhöhten Punkten, so konnte man auf den Turm der Marienkirche sehen, oder man gewahrte das bauliche Ensemble des alten Postgebäudes mit dem gelben Beamtenbau aus dem vorigen Jahrhundert. Viola und Helmut hatten sich untergefasst und sie erschauerte leicht unter seinen Berührungen, die sich beim Gehen mitunter verstärkten.
    So kamen sie an eine Brücke. Diese ging über einen Wasserweg, der zu einem großen Schwanenteich hinunterführte. Sie war eng und schmal. Es war sichtlich nicht ungefährlich, sie zu überqueren, weil ihre schmalen Holzbretter dürr und brüchig waren und auch sonst nicht mehr ganz fest zu liegen schienen.
    „Bitte, Helmut, halt mich fest“, sagte Viola flehend zu Helmut.
    „Du kannst das schon allein“, erwiderte er mit heiterem Lachen.
    So wagte sie sich auf die Holzbrücke, und da sie vielleicht, von Helmut verunsichert, zu ängstlich auftrat, geschah das Unglückliche. Sie rutschte aus und fiel längs in die schmutzige Brühe des Wassergrabens, der abschüssig zum Schwanenteich hinab führte. Sofort war Helmut helfend bei der Hand und zog Viola heraus.
    „Aber Viola, was ist dir passiert? Du siehst ja furchtbar aus in diesen durchnässten und beschmutzten Kleidern.“
    „Helmut, nun brauche ich Deine Hilfe. Ich muss mich umkleiden. Aber die Eltern dürfen davon nichts wissen.“
    „Warum?“ fragte Helmut ungläubig.
    „Weil mich meine Mutter steinigen würde, wenn sie erfahren würde, dass ich mit dir ausgegangen bin.“
    „Das kann doch nicht sein“, erwiderte Helmut.
    „Doch, es ist so.“
    Helmut zog Viola neben sich auf die Parkbank und legte schützend seine Hand über ihre vor Kälte bibbernden Schultern.
    „Meine Mutter mag es nicht, wenn ich einen jungen Menschen kennen lerne. Sie fühlt, dass sie selbst ihrem Mann keine gute Frau sein kann, und möchte deshalb auch mir keine Liebe gönnen.“
    „Das ist ja furchtbar“, sagte Helmut und sah Viola mit großen erschrockenen Augen an.
    „Ich muss unbemerkt nach Hause kommen und, ohne dass meine Mutter etwas davon mitbekommt, in mein Schlafzimmer gelangen und dort frische Sachen anziehen.“
    Helmut und Viola machten sich auf den Weg zu des Mädchens Wohnung. Diese war in der Vorstadt, in einem neu gebauten Einfamilienhaus, das ein weiter Garten umgab. Durch diesen Garten schlichen sich nun die beiden und gingen leise an der Wohnzimmerterrasse vorbei zu den Fenstern von Violas Zimmer. Ein Fensterflügel war glücklicherweise nur leicht angelehnt und Helmut konnte ihn mit geübten Griffen vollends öffnen. Er hob Viola in die Höhe und ließ sie über den Fenstersims in das Innere des Zimmers hinunter gleiten. Plötzlich wurde er von einer Männerhand hinten am Kragen angefasst.
    „Was machst du denn hier, junger Bursche?“
    Es war Violas Vater, der Studienrat.
    Nun blieb Helmut nichts anderes übrig, als dem Mann zu erzählen, was im Park vorgefallen war. Ganz unerwartet und erstaunlich für ihn fiel indessen die Reaktion von Liobas Vater aus. Er lachte nur leicht und frohgemut und rieb sich sogar in diebischem Vergnügen die Hände.
    „Meine Viola mit Helmut!“, wiederholte er immer wieder und lachte dabei sein vergnügtes Lachen.
    „Ach, wie froh bin ich. Meine Viola mit Helmut.“
    Helmut und Viola sahen ihn verständnislos an. Dann fügte er, etwas ruhiger geworden, hinzu:
    „Ich möchte nur, dass meine Tochter glücklich wird, glücklicher als ich es in meinem Leben selbst geworden bin. Dazu braucht sie einen Menschen, der ihr zur Selbständigkeit verhilft und dabei die eigene Selbständigkeit nicht verliert.“
    Viola und Helmut schauten ihn verwundert und fassungslos an.
    „Ihr jungen Leute könnt es noch nicht wissen. Aber wenn einen das Leben lange gebeutelt hat und jeder Tag des Alltags zu einer Sisyphusqual wird, dann weiß man gut, wovon man spricht. Ich bin zu gutmütig und habe alles preisgegeben, was mir an Entscheidungsfreiheit übrig geblieben wäre. Nun bücke ich mich von Tag zu Tag, und nur, wenn ich allein bin, atme ich zuweilen durch.“ Verstohlen rannen dem Vater Herbert einige Tränen aus den grauen Augen. „Zu einem klärenden Gespräch mit meiner Frau oder gar zu einer Trennung habe ich längst die nötige Kraft verloren. Ich habe einfach Angst davor, den bürgerlichen Lebensraum, den ich mir in vielen Jahren Ehe aufgebaut habe, zu verlassen und irgendwo neu anzufangen. - Aber den Traum von der erfüllenden Liebe habe ich noch nicht verloren. Ich werde diesen träumen, so lange ich lebe. Und Du, meine Tochter“ – dabei fasste er Viola zärtlich am blonden Haarschopf – „Du, meine Viola sei glücklich. Glücklicher als Dein Vater.“

  2. #2
    Sugarlove
    Gast

    Standard

    Sorry, aber erstens total geschwollen geschrieben und zweitens kitschig und drittens nich so mein Fall. Aber ok, hab der Hälfte hatte ich erwartet ich müsste mir nen Erotik-Geschichtchen antun *g*

  3. #3
    nic99

    Standard

    Zitat Zitat von Sugarlove Beitrag anzeigen
    Sorry, aber erstens total geschwollen geschrieben und zweitens kitschig und drittens nich so mein Fall. Aber ok, hab der Hälfte hatte ich erwartet ich müsste mir nen Erotik-Geschichtchen antun *g*
    Aber hallo Sugarlove,
    warum gleich so streng? Und vielleicht ist der gute Hans Werner halt noch am üben. Und bedenke: Alle Großen (Dichter) haben mal klein angefangen.

    Und vielleicht erfahren wir zwischen den Zeilen auch autobiografisches. Oder auch so in die Richtung: Wie verarbeitet Mann, der vielleicht schon dem Herbst des Lebens entgegenstrebt, erfüllte und unerfüllte Sehnsüchte. Wer weiß, wer weiß..........


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