gedankenkarusselle führen mich in dieses forum. wie vermutlich schon viele vor mir. doch eines ist ein wenig anders: es sind keine Liebesschmerzen, die mich herführen. aber dennoch fühlt es sich ganz vergleichbar an.
wir lernten uns mittlerweile, ich schätze so vor knapp zwei jahren kennen. beide waren wir emotional verstrickt und in gedanken und träumen jeweils bei menschen, die uns einerseits das herz gebrochen, es aber andererseits auch belebt haben. wir redeten viel. lachten. tauschten uns über gedanken rundum die Liebe aus. wir gaben uns tipps. stärkten uns. mit worten. mit aufmerksamkeit. wir wurden richtig gute freunde.
und dann.
es ist nun neun monate her kamen wir uns näher. wir verbrachten eine nacht zusammen. waren uns nah. schliefen nicht zusammen, aber lebten eine nähe, wie es freunde nicht tun.
da waren wir nun. in dieser vollkommen neuen situation. ich mittlerweile gelöst von dem menschen, der mir ein jahr zuvor noch soviele gedanken beraubte. dieser mensch noch in einem gedanken- und vielmehrgefühlswirrwarr mit seinem gefallenem engel.
wir waren richtig gute freunde.
wir wollten sehen, was sich entwickelt. unser austausch war weiter gut. unsere kommunikation sexuell aufgeheizt. verbal wurde der wunsch nach nähe genannt. wenn wir ängste (er)lebten, so sprachen wir diese aus. so dachte ich. wir sprachen miteinander.
wir waren richtig gute freunde.
ich mag es, wenn ich lieb zu menschen sein kann. mag es, wenn menschen lieb zu mir sind. spielchen widern mich an. stoßen mich ab. und doch erwischte ich uns langsam in einen tunnel reinrutschend. in ein spiel aus ich meld mich länger nicht, als du dies tust. ich sag dir vielleicht doch nicht alles, was mich beschäftigt. mach mich geheimnisvoll. da stehen doch menschen drauf.
wir waren richtig gute freunde.
in dieses spielchen wollte ich mich nicht reinziehen lassen. fing an, es auszusprechen. anzusprechen. und so kam ganz schnell die entscheidung, dass mehr als freundschaft nicht drin sei.
wir waren richtig gute freunde.
ich reagierte emotional. wütend.
wir waren richtig gute freunde.
dass ich mit ihm einen so guten freund verloren hatte, wurde mir schnell bewusst. es waren wohl zwei wochen nach seiner freundschaftsansage und meiner angeknackstenegomail, dass ich den kontakt zu ihm suchte. um herauszufinden, dass er das we bei seinem gefallenen engel verbracht hatte. das verletzte mich. wirklich. und wieder reagierte ich emotional über diese information. ich kam mir. nun. ja. verar.scht vor.
wir waren doch so gute freunde.
und die erkenntnis war es dann auch, die mich weitere zwei wochen später wieder den kontakt zu ihm suchen ließ. denn es fehlte mir so sehr. das lachen mit ihm. die unbeschwertheit. die debatten. seine fürsorglichkeit. das gefühl, offen mit einem menschen sein zu können. das war mir soviel wichtiger, als die nun längst vergangene option, dass sich was entwickeln könnte. zwischen uns. ihm und mir.
wir waren doch so gute freunde.
für kurze zeit hatte ich tatsächlich das gefühl, dass wir wieder zu dem werden, was wir waren. auch wenn ich mich oft nach körperlicher nähe mit ihm sehnte, was ich ihm auch an der ein oder anderen stelle mitteilte, so war der weg zum "ich könnte mich in diesen mensch verlieben" längst versperrt. das gefühl, wir wachsen wieder zusammen, wurde schnell getrübt. er zog sich zurück. mit dem statement, er habe keine zeit. müsse viel arbeiten. hätte viel stress. zukunftsängste, was seine berufliche zukunft betrifft.
wir waren doch so gute freunde.
ich versuchte, ihm beizustehen. schrieb ihm mails. sms. schickte ihm päckchen, ihm die tage zu erhellen. ich versuchte ihm mut zu machen. für ihn da zu sein.
das machen doch gute freunde.
bis ich ende November des vergangenen jahres auf einmal so klar sah. es sah. dass ich ihm egal bin. war. längst war. dass ich es hätte schon zu beginn unseres kennenlernens sehen können, dass er keine freundschaften zu frauen hat. diese stets früher oder später in sexuell aufgeheizten stimmungen endeten. dass ich eine von vielen bin, die da war. als es gut war, dass irgendwer da war. dass sätze wie "mit wachsendem alter kommt es immer seltener vor, dass einem menschen begegnen, mit denen mensch sich so gut versteht. die muss mensch festhalten" alle nur blablubb waren. dass es stets nur dahergesagt war, er sei immer für mich da. dass alle aufrichtigkeit mit jeglicher körperlicher nähe sich verflüchtigt hatte.
es gibt tage, an denen fehlt mir die zeit sehr, in der wir stundenlang sprachen. lachten. uns mit kritischen themen auseinandersetzten. in der wir richtig gute freunde waren. füreinander da waren. wie ich glaubte.
und gleichzeitig bin ich so wütend auf mich. je diese nähe zugelassen zu haben. soviel glauben in diesen menschen gesetzt zu haben. geglaubt zu haben, dass er wirklich ehrlich zu mir sei. aufrichtig. mir mitteilt, was er denkt. fühlt. und wenn es was negatives ist. ich bin so wütend auf mich, dass ich nicht längst vorher erkannte, dass wenn er bei anderen menschen nicht straight sagen kann, was er will und nicht will, dass er dies auch nicht bei mir tun würde. es beliebt, einfach ausschleichen zu lassen und in ignoranz überzuwechseln.
ich bin so wütend auf mich selbst. dass die erkenntnis, die ich längst und die ganze zeit vor augen hatte, zu spät kam. dass ich mich so in einem menschen getäuscht habe, den ich so sehr in meine gedanken ließ.
dass ich einen freund verloren habe. der mir wirklich wichtig war.


LinkBack URL
Über LinkBacks



Themenautor




