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Umgang mit Kummer

  1. #1
    nixe

    Standard Umgang mit Kummer

    Hallo ihr,

    mir ist da von ein paar Jahren was passiert, das mich ziemlich fertig gemacht hat. Bin zwar irgendwie drüber weggekommen, aber so um den "Jahrestag" herum taucht es eben doch wieder auf. Meist komm ich ganz gut damit klar - aber dieses Mal ist es extrem. Könnte den ganzen Tag heulen (bzw. tue es), sehe alles um mich herum in den rabenschwärzesten Farben und finde das Leben insgesamt einfach mies ... kurz und gut: alles scheisse.

    Was macht ihr in solchen Situationen? Wahrscheinlich wäre Decke über den Kopf ziehen und ein paar Stunden konzentriert durchheulen die beste Option, aber das wage ich derzeit nicht ... Bin für jeden Vorschlag dankbar.

    LG,
    - nixe -
    Have the courage to follow your heart and intuition. They somehow already know what you truly want to become. Everything else is secondary. (Steve Jobs)
    Omnia vincit amor (Vergil). Zumindest, wenn sie gegenseitig ist. (ich)
    Es ist schwer zu sagen, was unmöglich ist, denn der Traum von gestern ist die Hoffnung von heute und die Wirklichkeit von morgen. (Robert Goddard)

  2. #2
    meli

    Standard

    Ich hab mir gestern eine grosse Packung Schokolade gekauft.Nein aber heulen hilft ungemein und wenn Du das jetzt nicht kannst,hilft telefonieren.Spatzieren gehen hilft auch jedenfalls mir.Halt einfach Ablenkung egal in welcher Form
    Bleibe nicht an etwas hängen was dich verletzt, geh weiter& finde das was Dich glücklich macht

  3. #3
    Jesse Blue

    Standard

    Schokolade hilft ebensowenig wie Heulen ohne Ergebnis. Schokolade ist nur ein kurzzeitiger Push, der einem langzeitig die Figur ruiniert, da süchtig macht. Also nutzlos. Und das Heulen dient zwar dem Ausscheiden von Stresshormonen, aber ist auch keine Langzeitlösung.

    Man kann schlecht sagen, was Du machen kannst, wenn man nicht weiß, was Dir widerfuhr. War es ein Ex? Lerne loszulassen und kapiere, dass Du mit Kontrollwahn im Leben gar nichts erreichst. Vor allem aber, dass man das Leben in der Gegenwart und der Zukunft verpasst, wenn man in der unabänderlichen Vergangenheit wankt. Wurdest Du missbraucht? Dann suche einen Therapeuten auf. Ist jemand gestorben, der Dir wichtig war? Dann rede viel mit Freunden und siehe ebenfalls nach vorne. Wenn das nicht hilft, suche Dir professionelle Hilfe.

    Du musst schon konkreter werden.
    Das offene Gespräch suchen - die Lösung für 80% aller Probleme hier.

  4. #4
    nixe

    Themenautor

    Standard

    @meli: danke für die Tipps - aber telefonieren oder rausgehen geht wegen Arbeit derzeit nicht. Und Schoki hilft nicht mehr ...

    @Jesse:
    Details mag ich hier nicht öffentlich schreiben; tendenziell geht's in die Richtung der letzten der von Dir genannten Möglichkeiten.

    Ich brauch ja auch nur ne kurzfristige Lösung, bis auf diese paar Tage im Jahr geht es mir ja gut. Mit Freunden reden wäre ne Option, aber über genau dieses Thema kann ich nur mit sehr wenigen Menschen reden, und die sind gerade nicht verfügbar. Und über ein anderes Thema reden wäre nur eine Ablenkung - und dann kommt der ganze Kram hinterher wieder hoch.

    Und professionelle Hilfe wegen einer Sache, die, wenn's hoch kommt, vielleicht in 2 Wochen pro Jahr auftritt? Da lacht sich doch jeder Arzt tot ...
    Have the courage to follow your heart and intuition. They somehow already know what you truly want to become. Everything else is secondary. (Steve Jobs)
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  5. #5
    Lovely90

    Standard

    Ich kann nur sagen, dass es wichtig ist und gut tut, wenn man seine Gefühle raus lässt (also z.B. mal richtig los heulen!). Danach fühlt man sich meistens wieder lebendiger, weil man die Trauer verarbeitet.
    Wenn dich das Thema wirklich nur ein paar Tage belastet, dann tue dir Ruhe an, lass deine Gefühle raus und tue alles, was dir und deinem Körper gut tut...

  6. #6
    nixe

    Themenautor

    Standard

    Tja, das mit dem Gefühle raus lassen und ordentlich heulen könnte es echt bringen - allerdings muss ich da vorher noch bisschen Kraft sammeln. Sonst fall ich da zu tief rein und es ist keiner da, der mich rausholen könnte; ich muss irgendwie sicherstellen, dass ich das allein schaffe.

    *grins* Ich merk gerade, dass ich mir schon fast nen Terminkalender für Emotionsrauslassung mache: 16:00 Strandspaziergang, 18:00 Sport, 22:00 Telefonieren, 24:00 Heulen ... Ich bin doch wirklich echt bescheuert
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  7. #7
    Jesse Blue

    Standard

    Wie wäre es mit einer Selbsthilfegruppe? Dort sind Menschen mit ähnlichem Leid, die Deinen am besten nachvollziehen können. Und man fühlt sich aufgefangen und kann sein Leid freien Lauf lassen und vielleicht hinter sich bringen.
    Das offene Gespräch suchen - die Lösung für 80% aller Probleme hier.

  8. #8
    nixe

    Themenautor

    Standard

    Prinzipiell ne gute Idee - aber ich bin schon zu weit drüber weg. Konfrontation mit Menschen, die frisch in der Situation stecken, würde dazu führen, dass ich meine eigenen Sorgen zurückstecke und versuche, eher denen zu helfen. Nee, ich denke, bisschen Kraft sammeln und dann das Ganze einfach rauslassen ist die beste Chance, die ich habe. Kann mir ja zu einem bestimmten Zeitpunkt ne Pizza bestellen, dann ist sichergestellt, dass ich da wieder rausgerissen werde.
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  9. #9
    Jesse Blue

    Standard

    Problemverdrängung ist keine Lösung. Willst Du bis an Dein Lebensende an diesen Tagen leiden? In solchen Gruppen sind nicht nur frische Wunden dabei - schließlich bist Du ja kaum ein Einzelfall.
    Das offene Gespräch suchen - die Lösung für 80% aller Probleme hier.

  10. #10
    nixe

    Themenautor

    Standard

    Zitat Zitat von Jesse Blue Beitrag anzeigen
    Willst Du bis an Dein Lebensende an diesen Tagen leiden?
    Gute Frage. Vielleicht will ich das ja sogar - vielleicht will ich mich ja bestrafen für das, was da passiert ist, vielleicht ist es auch mein Weg, die Erinnerung wach zu halten - denn es ist eine Erinnerung, die bei mir bleiben muss. Ich denk mal bei Gelegenheit drüber nach ...
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  11. #11
    Jesse Blue

    Standard

    Es wird Dich nicht weiter bringen. Du bist am leben. Das Leben geht weiter - ob mit Dir oder nicht. Du solltest mitziehen. Es gibt im Leben viele Gelegenheiten, seine Werte sinnvoll einzusetzen. Der Vergangenheit nachzutrauern ist hingegen völlig nutzlos. Willst Du etwas wiedergutmachen, dann setze Dich für Menschen ein, die noch etwas davon haben. Dann verblasst auch die Vergangenheit zu einem gesunden Maß, welches Dich zwar weiterhin nicht vergessen lässt, aber gleichzeitig nicht mehr daran hindert, hilfreich für Dir und andere zu sein.
    Das offene Gespräch suchen - die Lösung für 80% aller Probleme hier.

  12. #12
    nixe

    Themenautor

    Standard

    Zitat Zitat von Jesse Blue Beitrag anzeigen
    Es wird Dich nicht weiter bringen. Du bist am leben. Das Leben geht weiter - ob mit Dir oder nicht. Du solltest mitziehen. Es gibt im Leben viele Gelegenheiten, seine Werte sinnvoll einzusetzen. Der Vergangenheit nachzutrauern ist hingegen völlig nutzlos. Willst Du etwas wiedergutmachen, dann setze Dich für Menschen ein, die noch etwas davon haben. Dann verblasst auch die Vergangenheit zu einem gesunden Maß, welches Dich zwar weiterhin nicht vergessen lässt, aber gleichzeitig nicht mehr daran hindert, hilfreich für Dir und andere zu sein.
    Ich glaube, ich bin durchaus noch in der Lage, für mich und andere Menschen hilfreich zu sein - hast nicht sogar Du mir mal ein "Weltverbesserungssyndrom" unterstellt? Und da mir logisch klar ist, dass ich eh nix dafür konnte, hab ich auch nicht wirklich den Wunsch, etwas wiedergutzumachen. Allerdings hab ich schon den Wunsch, die Erinnerung wach zu halten - einfach aus dem gefühl heraus, dass es sonst keine Spur mehr von diesem Menschen auf der Erde gäbe. Und das würde das Ganze noch sinnloser machen, als es sowieso schon ist.

    Tja, mit dem Thema "Kraft sammeln" bin ich noch nicht durch ... im Gegenteil. Trotzdem, ich werd mich mal in der Ecke zusammenrollen und die Tränen einfach loslassen ... ich hoffe, es hilft. Und ich hoffe, ich finde aus diesem Loch trotzdem wieder raus .. ich wohne einfach zu dicht an der Bahn, um abgrundtiefe Traurigkeit riskieren zu können
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  13. #13
    Schneemond

    Standard

    Zitat Zitat von nixe Beitrag anzeigen
    *grins* Ich merk gerade, dass ich mir schon fast nen Terminkalender für Emotionsrauslassung mache: 16:00 Strandspaziergang, 18:00 Sport, 22:00 Telefonieren, 24:00 Heulen ... Ich bin doch wirklich echt bescheuert
    Ist kein schlechter Plan. Das sichert dir eine gewisse Zeit der Trauer zu, die du dir nehmen solltest, verhindert in der Regel aber auch, das du dich zu sehr darin verlierst und für den Moment nicht mehr aufstehen kannst. Denn die Zeit ist ja begrenzt, da du dich danach wieder etwas anderem widmen sollst.
    Da dir klar ist, dass die "Verstimmung" sowieso nur eine kurze Phase ist, kann das bewusste Trauern erleichtern.

  14. #14
    Wissenmachtah!

    Standard

    Ich gehe fischen, oder versuche etwas ganz schönes anzuschauen, setzte mich in relation zur Welt als unwesentliches Element davon.
    Persönlich mag Ich Seen, ,mehr als das Meer...irgendwie fassbarer....

    Diese grösse die mir Gegenüber steht füllt mich mit Energie.
    Ich tanke, bin glücklich und gehe wieder glücklich wie ein Käfer zurück.
    Fühl Dich wie Ameise für ein Moment damit Du wieder Löwe wirdst!
    Libenter homines id, quod volunt, credunt/Memento mori/Ifix tchen tchen

  15. #15
    nixe

    Themenautor

    Standard

    Tja, kontrolliertes Heulen heute nacht hat nicht geklappt - zu viel Kontrolle. Dafür steckte ich dann heute plötzlich in einer Situation, die mich extrem an den damaligen Vorfall erinnerte - derselbe Arzt, eine OP-Schwester, die meine Hand halten wollte, weil niemand anders da war, der es hätte tun wollen - und dann der totale Kontrollverlust mitten in der kalten Vorhalle eines Parkhauses ... inklusive verwunderter Blicke von Passanten auf diese komische, laut schluchzend in der Ecke hockende Frau ... Scheisse, immer kann ich doch auch nicht stark sein ...

    Und dass niemand da ist, der das verstehen könnte - niemand, den es auch nur interessiert - macht die Sache nicht wirklich einfacher. Zum Glück ist nun keiner im Büro - so ist das Geheule nicht ganz so peinlich .... Verdammt, ich weiss ja, dass das der Preis ist, den ich zu zahlen habe, wenn ich glücklich sein will - wer Freude will, muss auch Leid zulassen. Aber im Moment ist es so schwer ... und ich fühl mich so allein


    Stoppt jede Uhr, lasst ab vom Telefon,
    verscheucht den Hund, der bellend Knochen frisst, die roh'n.
    Lasst schweigen die Pianos und die Trommeln schlagt,
    bringt heraus den Sarg, ihr Klager klagt.

    Lasst die Flieger kreisend - Trauer sei Gebot -
    an den Himmel schreiben:
    Er ist tot.
    Straßentauben gebt um den
    Hals starre Kreppkragen,
    Polizisten lasst schwarze Handschuh' tragen.

    Er war mir Nord, mir Süd, mir Ost und West,
    des Sonntags Ruh' und der Woche Stress,
    mein Tag, mein Gesang, meine Rede, meine Nacht.
    Ich dachte, Liebe währet ewig - falsch gedacht.

    Sterne sind jetzt unerwünscht, will nichts sehn davon,
    verpackt den Mond, zertrümmert die Sonn'.
    Fegt weg den Wald und des Meeres Flut,
    nie wird es sein, so wie es war. Nie wieder gut.

  16. #16
    Jesse Blue

    Standard

    Wie ich sagte: Das Weinen scheint hier nicht weiter zu bringen. Und da es periodisch wiederkehrt, ist ein Gang zum Profi mehr als dringend angeraten. Man muss nicht wie ein Hund leiden, nur um etwas nicht zu vergessen. Tu Dir also selbst einen Gefallen und lass Dir in dieser Hinsicht von jemandem helfen, der davon echt eine Ahnung hat.
    Das offene Gespräch suchen - die Lösung für 80% aller Probleme hier.

  17. #17
    nixe

    Themenautor

    Standard

    Doch, der Anfall heute nachmittag hat schon geholfen. Noch 2-3 Mal vielleicht (dann hoffentlich nicht coram publico), und es ist wieder okay. Und es kehrt in dieser extremen Variante zum Glück nicht dauernd wieder. Nur hab ich eben gerade dieses Jahr schon ne Menge mitgemacht ... und hab gerade wieder vorsichtig angefangen, Gefühle überhaupt zuzulassen. Ist irgendwie logisch, dass es dann nicht nur in die positive Richtung losgeht.

    Danke euch allen für eure Tipps.
    Have the courage to follow your heart and intuition. They somehow already know what you truly want to become. Everything else is secondary. (Steve Jobs)
    Omnia vincit amor (Vergil). Zumindest, wenn sie gegenseitig ist. (ich)
    Es ist schwer zu sagen, was unmöglich ist, denn der Traum von gestern ist die Hoffnung von heute und die Wirklichkeit von morgen. (Robert Goddard)

  18. #18
    Obervogel

    Standard

    Es hilft gar nichts, man zerbricht da ran oder man lebt damit, auch wenn es einem teilweise immer wieder zerbricht, Punkt.
    Wer kämpft kann Verlieren, wer nicht Kämpfen darf hat verloren.

  19. #19
    Schneemond

    Standard

    Zitat Zitat von nixe Beitrag anzeigen
    Doch, der Anfall heute nachmittag hat schon geholfen. Noch 2-3 Mal vielleicht (dann hoffentlich nicht coram publico), und es ist wieder okay. Und es kehrt in dieser extremen Variante zum Glück nicht dauernd wieder. Nur hab ich eben gerade dieses Jahr schon ne Menge mitgemacht ... und hab gerade wieder vorsichtig angefangen, Gefühle überhaupt zuzulassen. Ist irgendwie logisch, dass es dann nicht nur in die positive Richtung losgeht.

    Danke euch allen für eure Tipps.
    Solange du dir bewusst machst (und das weißt du ja), dass es nur eine kurze Phase ist, solange ist das Weinen/Trauern in Ordnung. Da ist auch nicht therapiebedürftiges dran. Würdest du darin versinken und du in eine quasi Endlosschleife geraten, wäre das was anderes. Aber das ist ja nicht so. Zusätzlich schreibst du ja, es ist generell dieses Jahr sehr aufwühlend und gefühlsmässig findet ein Umbruch statt. Zum normalen "Kummer" fasst das alles noch mit hinein und fühlt sich schlimmer an. Das ist in Ordnung und du kommst ja jetzt wieder in die Gänge.
    Trauer respektive Gefühle allgemein kann man eben nicht wegrationalisieren bzw. wegdiskutieren und der Logik unterwerfen. Man sollte sie nur nicht als allumfassende Entschuldigung für alles und jedes verwenden. Das ist ja hier nicht der Fall.


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