Hallo!
Wie viele hier war ich lange Zeit Mitleserin, allerdings kann ich mich im Moment an niemanden wenden und hoffe wirklich, hier ein bisschen Rat zu bekommen!
Ich weiß nicht genau, wo ich anfangen soll, deswegen beginne ich von vorne.
Anfang des Jahrtausendwechsels lernte ich meinen heutigen Ex kennen, ich nenn ihn jetzt mal X. X und ich passten von vorneherein gut zusammen, gleiche Interessen, gleiche Lebensplanung, wie man es sich gerne wünscht. Unsere Beziehung hielt 8 Jahre. Es war eine gute Zeit, auf die ich gerne zurückblicke. Schlussendlich trennte ich mich damals trotzdem, da einfach das Feuer erloschen war. X war am Boden zerstört, er wollte Familie und nur mit mir. Ich wollte auch Familie, konnte mir aber nicht vorstellen, mit ihm den Rest meines Lebens zu verbringen. Zeitweise war ich richtig gelangweilt.
Nach der Trennung gab es zirka 4 Monate ein langes Hin und Her (ohne Sex o.Ä.), bis er den Kontakt abbrach.
Ich fühlte mich frei und als mir meine Firma anbat, gemeinsam mit ein paar Kollegen aus anderen Filialen nach Spanien zu fahren und dort ein dreiviertel Jahr einige Filialen aufzubauen, lief mir das ganz gut rein.
Ich packte meine Koffer und flog in die Sonne.
In Spanien angekommen suchte ich mir ein kleines Appartement und begann mit meinen Kollegen die Arbeit. Wir waren sechs Angestellte aus Deutschland, allerdings alle aus unterschiedlichen Teilen Deutschlands und es tat gut, neue Leute kennenzulernen.
Mit einem Kollegen verstand ich mich besonders gut, wir bauten rasch ein sehr enges freundschaftliches Verhältnis auf, ich nenne ihn jetzt mal A.
Nach ein paar Wochen wurde ich dann leider doch noch einmal von meiner vorhergegangenen Beziehung eingeholt. Ich stellte mir Fragen wie:
Finde ich so jemanden noch einmal? Wars das jetzt?
Eine richtige Torschlusspanik. Da die beste Freundin zu weit weg war, sprach ich viel mit ihm. Er hat selbst eine Beziehung hier in Deutschland, die seit ca. 5 Jahren besteht.
Wir unternahmen viel, lachten viel. Er lenkte mich ab, sprach meine Situation mit mir wieder und wieder durch. Das half mir ungemein. Ich fühlte mich bestärkt in meinen Trennungswillen und bin es bis heute auch geblieben. Man kann nichts erzwingen. Ich möchte nicht den Rest meines Lebens "halb"zufrieden sein.
Die Monate neigten sich dem Ende und schließlich brach der letzte Monat an. A. und ich saßen Abends gemeinsam in einem kleinen Lokal und tranken Wein, als er mich plötzlich am Arm nahm und sich für die schönen Monate bei mir bedankte. Ich, natürlich gleich sentimental, sagte ihm dasselbe und dass ich ihm sehr dankbar bin, dass er immer so für mich da war.
Auf dem Heimweg legte er den Arm um mich, drückte ein bisschen und streichelte meinen Arm.
Damals dachte ich mir noch nichts. Es war ja alles immernoch im freundschaftlichen Rahmen. In den nächsten Tagen, passierte das noch ab und an. Ich war oft abends bei ihm im Appartement und wenn wir so auf dem Sofa saßen, rutschte er immer näher, begann mein Gesicht zu streicheln, mich fest zu umarmen. Ich schob es auf den Alkohol und die nahe Abreise.
Zwölf Tage vor dem Rückflug waren wir abends gemeinsam tanzen, allerdings verbrachten wir den Abend eher eng umschlungen in der Ecke. Nein, es ist nichts passiert. Ich merkte, dass ich auch mal wieder richtige Nähe nötig hatte und dachte, ihm ginge es auch so.
Als ich am nächsten Morgen unter der Dusche stand und über die letzten Tage nachdachte und daran, dass ich ihn bald für längere Zeit (er wohnt leider nicht gerade in meine Nähe) nicht mehr sehe, begann ich zu weinen. Es wollte garnicht mehr aufhören.
Das war das erste Mal, wo ich ein wenig stutzig wurde.
Die letzte Woche verbrachten wir viel gemeinsam, immer im Bewusstsein, dass es bald vorbei sein würde.
Auch am letzten Abend umarmte er mich, zog mich an sich, streichelte mein Gesicht, fuhr mit seiner Hand unter meinem T-Shirt meinen Rücken entlang. Diesmal begann ich mitzumachen. Ich war so sentimental, ich wusste garnicht, wo mir der Kopf steht.
Zwei Stunden standen wir einfach nur da und fassten uns an, wie, um sich noch ein letztes Mal den anderen einzuprägen. Ich wollte mich gerade lösen, natürlich klopfte mir das Herz bis zum Hals, da sagte er: Ich kann ihr das nicht antun.
Ich blickte ihn an, und sagte vollkommen ruhig, dass ich das weiß, dass er ein guter Mann ist, der sowas nicht macht. Und dass ich stolz auf ihn bin. (GOTT KOMM ICH MIR JETZT BESCHEUERT VOR).
Ich holte mir noch etwas zu trinken und dann kam er wieder, suchte nähe, streichelte mich, gab mir Nähe. Ich versuchte distanziert zu wirken, aber es gelang mir nicht.
Es ist nicht mehr passiert außer wirklich (sorry, dass klingt jetzt schon fast ordinär) heißem Rumgefummel. Wenn das nicht schon zuviel ist.
Seit drei Wochen bin ich wieder in Deutschland. Wir haben Emailkontakt, schreiben uns regelmäßig. Viel, nicht nur sporadisch, allerdings auch nichts in die entsprechende Richtung. Wir haben nie wieder darüber geredet. Ich merke aber wohl, dass er an mir hängt und sich ständig meldet.
Ich hab all das abgetan, lang. Sogar noch während dem Aufenthalt. Für mich war es immer nur Freundschaft und ein bisschen Sentimentalität. Nachdem ich aber die erste Woche nur geweint habe (wegen ihm) und mir permanent vorgestellt habe, was wäre wenn, fängt mein Kopf plötzlich doch an zu rattern.
Aber ehrlich gesagt macht es mir das Leben schwer. Plötzlich eine Leidenschaft und Liebe zu spüren, die vorher noch nie so dagewesen ist. Und die, wenn ich richtig überlege auch schon während der Zeit in Spanien da war, die ich aber unterdrückte.
Jetzt sind wir weg. Eine Woche vor Abreise bemerke ich die Liebe zu einem Mann. Toll, nicht?
Und ich glaube, es ist ernsthaft.
Ich möchte kein "Pfui, ein vergebener Mann!" und "Vergiss ihn, er ist weg!" Sätze hören. Das weiß ich selber.
Ich brauche wirklich Unterstützung. Ich habe nämlich glaube ich gerade die Liebe meines Lebens in der beschissensten möglichen Situation kennengelernt. Und damit komm ich wirklich überhaupt nicht klar.
Ich danke euch, dass ihr euch die Mühe gemacht habt, meine Geschichte zu lesen und bin auf eure Antworten gespannt.
Alles Liebe,
Bandeau


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