Kann es so funktionieren, einen gemeinsam Weg zu gehen?
Hi! Ich entschuldige mich für die Länge des Textes, allerdings fällt es mir schwer, mich kurz zu fassen :P
Muss man Lügen, für eine erfolgreiche Beziehung? Darf man das, was man sich denkt niemals laut aussprechen? Für was Beziehungen? Um die Vertrauensbestätigung zu erhalten, die man braucht wenn man einen Menschen liebt?
Fragen über Fragen, die man sich wohl selbst beantworten muss. Jede gestellte Frage, die auch nur den kleinsten negativen Part mit sich bringt ist überflüssig. Eine Beziehung ist wohl nicht dazu da, um frei mit seinem Partner reden zu können. Ist es allerdings richtig, alles zu verallgemeinern? Ich denke schon. Jeder Film, jedes Buch, jeder Zeitungsartikel, jedes Lied; alles hat etwas vom eigenen Leben. Was man sich wünscht, was man hatte, was man vergessen will. Ich versuche permanent zu erfahren, was die Zukunft mit sich bringt, denke an jede Möglichkeit die eintreten kann. Dabei weiß ich, das ich nicht der einzige Mensch bin der dies tut. Aber sollte ich diese Möglichkeiten für mich behalten? Ich kränke damit, zerstöre damit Vertrauen. Es ist schwierig, dass was aus dem Munde des Anderen kommt, genauso verstanden wird wie der Erzähler das meint. Jeder interpretiert seine eigene Geschichte aus dem Erzählten. Alles abhängig von bisherigen Erfahrungen? Mit jedem Satz den ich schreibe, stellen sich 100 neue Fragen. Momentan habe ich das Gefühl, eine erfolgreiche Beziehung, die ewig hält, ernährt sich von Lügen. Wenn man seine Gedanken laut ausspricht, die etwas von einem schlechten Ende, eine vom Betrachter als schlecht interpretierte Wahrheit enthalten, wird es als die Zukunft aus dem Sichtwinkel des Erzählers gedeutet. Obwohl alles nur ein Gedanke ist. Eine Möglichkeit, nichts weiter.
Ich schreibe in Gedankensprüngen. Meine Finger sind langsamer als meine Gedanken. Ich entschuldige mich dafür.
Auf das bezogen was geschah:
Wir waren unterwegs, um einen Spaziergang zu machen. Nach einem langen Umweg angekommen in dorf1, gingen wir ein Stück und suchten dann ein Gasthaus in der Nähe auf. Letztlich kehrten wir in einer Bäckerei bzw. in einem Cafe ein. Ein unerwartet schöner Ort, mit Gewölbe und hauptsächlich geschmackvollen Bildern an der Wand. Sarah war begeistert von einem Bild mit einer Blume, was typisch für sie war. Das Bild war bunt, lebendig und wurde von mir als verträumt aufgefasst. Wobei verträumt keineswegs als negativ aufzufassen war. 90€ kostete das Bild, das angeblich schwer zu malen war. Wir bestellten uns beide ein Glas Wein, Sarah ein Glas Grünen Veltliner und ich einen roten Spritzer. Beides waren für uns typische Getränke die wir häufig genossen. Wir redeten über Gott und die Welt: Sex, die Einrichtung, Gäste die nicht unweit von uns Platz genommen hatten und über die von Sarah als eigenartig empfundenen Getränkeunterlagen, die kleine, mit kräftigen Farben verzierte Teppiche waren. Als wir unsere Getränke ausgetrunken hatten, machten wir uns auf den Weg um unseren Plan von dem gemeinsamen Spaziergang nun endlich umzusetzen. Es dauerte jedoch nicht lange, als Sarah auf das in der Nähe befindliche Lokal "Kinski" kam, wo wir uns als nächstes hinbegaben. Wieder ein kurzer Spaziergang, der uns zur nächsten Alkoholkonsumstelle bringen sollte. Wir gingen den Hügel bergab, Hand in Hand und fröhlich wie 2 kleine Kinder die länger aufbleiben durften. Während unseres Marsches, erzählte mir Sarah begeistert von dem Lokal, und von den Kronleuchtern die sie begehrte. Sie erzählte: "In meinem Haus, wird wahrscheinlich alles ungeordnet und ungepflegt, aber ein riesiger Kronleuchter wird bestimmt darin Platz finden!". Ich war und bin mir nicht sicher, wie ernst diese Bemerkung zu nehmen war, denn solche Pläne kamen ihr zu oft in den Sinn, um all diese dann auch tatsächlich für die Zukunft in Gedanken zu behalten, also verbrachte ich nicht sehr viel Zeit, um über diese Vision nachzudenken. Im Lokal angekommen, schüttelte ich den Schirm kurz ab und stellte ihn neben den Schirmhalter, da der mitgebrachte Schirm zu kurz für den dafür vorgesehenen Behälter war. Der Schirm, den wir später vergessen sollten, war etwas beschädigt, und meine Freundin beschwerte sich gelegentlich über die Handhabung die ich vollzog, und die ihr öfters zu viel Sicht verwehrte. Ich hatte mich bemüht den Schirm für sie angenehm über ihren Kopf zu behalten, allerdings fiel es mir schwer dauernd an den Schirm und seine momentane Stellung zu denken. Als wir also das Lokal betraten, schaute ich mich um und war vom ersten Augenblick an begeistert, der Kronleuchter der mitten im Lokal hang, sollte mir jedoch erst später auffallen. Das Lokal war angenehm ausgeleuchtet, die Bar zentral platziert und aus Holz das sich perfekt in den Raum integrierte. Die Wände waren zumeist nackter Ziegelstein, und weiß gestrichener Wand. Wir setzten uns also in die Mitte des Raumes an die Bar, und ich konnte nicht widerstehen die Leute die sich dort befanden zu analysieren: Rechts von uns saßen und standen 4 Männer, einer davon relativ Jung, die gewöhnlicher nicht sein konnten und mit einem ländlichen Akzent kommunizierten. Zwei von Ihnen waren schon ein wenig angeheitert, der Mann der neben dem Jugendlichen stand, ließ sich aber nichts ankennen, genauso wie der Jugendliche selbst.
Links von uns saß eine Frau mitte 40, die allerdings bald nach unserem Kommen gehen sollte. Sie trank ein Glas Wein und beobachtete Ihr Umfeld. Hinter uns, an den hohen Fenstern, saßen 10 Leute, die nach jedem Glas fröhlicher wurden, und immer öfter ihr Gelächter erschallen ließen. Die Frau am Ende des Tisches beobachtete uns Zeitweise, ließ sich aber keinen Witz ihrer Kollegen entgehen. Am anderen Ende der Bar befanden sich eine junge Frau die etwas zu jung schien, um mit ihrer Begleitperson in einer Beziehung zu sein. Im Nebenraum war ein Mann, der gerade etwas zu sich nahm und perfekt in sein Umfeld passte: ein eher gehoben eingerichteter Ort mit weißen Lederstühlen und einem angenehmen Flair. Er wirkte intellektuell und machte einen vertrauenswürdigen Eindruck. Später kam noch ein Paar hinzu, dass sich neben die Meute der 10 Menschen setzte, und eine Kleinigkeit aß.
Wir saßen also nun auf unseren Barhockern und tranken das selbige wie in der Bäckerei zuvor. Wir beurteilten wie zuvor das Lokal, und hatten einen guten Eindruck gewonnen. Da Sarahs Mutter am nächsten Tag Geburtstag hatte, kam auch der Vorschlag dort am nächsten Tag zu Mittag zu essen. Wir redeten weiter über dies und dass, redeten über Zukunft, Schwangerschaft und Ziele, Häuser, Jobs, den übermäßigen Konsum der Amerikaner, Südländer und Liebe. Und hier fing alles an. Sarah sprach an, wieso ich solch ein Misstrauen in sie hatte und daran glaubte, dass zwischen ihr und einem Freund von mir etwas passieren könne, ob ich ihr nicht genug Vertraue.
Dieses Thema hatten wir bereits einige Male, und ich erklärte dass sie im betrunkenen Zustand zu leicht zu überzeugen sei, und sich oft weniger Gedanken über das was passiert mache, und welche Folgen es haben könnte.
Wir setzten uns an einen Tisch, wo das Gespräch mit kurzen, irrrelevanten Abschweifungen weiterging. Ich fragte sie nach einiger Diskussionszeit, ob sie noch daran glaube, dass wir miteinander Alt werden können. Als Antwort erhielt ich ein Ja mit Umwegen. Ich erklärte dass wir uns völlig unterschiedliche Ziele für unser Leben gesetzt hatten. Sie wolle Österreich verlassen, in der Welt herumreisen und das Leben genießen. Ich wollte in Österreich bleiben, Urlaube in anderen Ländern genießen und dann wieder in mein vertrautes Heim kommen wo ich meine Freunde und mein perfektes Umfeld vorfand. Ich wollte Geld verdienen, und erst in meinen alten Tagen die Welt kennen lernen, und mit dem verdienten Geld mein restliches Leben auskosten. Schon alleine diese völlig unterschiedlichen Ziele würden unsere Wege trennen. Ich wollte sie nicht verlieren, nicht in den nächsten Jahren. Allerdings hielt ich es für nahezu unmöglich, zusammen zu bleiben und sich nicht zu verlieren, wo sie doch ein Mensch war, der nichts mehr schätzte als ihre Freiheit.
Wieder ein Punkt an dem ich an meinen Freund denken musste. Sie stimmten in zu vielen Punkten überein. Ihre Ansichten, ihr Wunsch nach Freiheit und Reisen, ihre Ansichten einer glücklichen Beziehung, ihre Ansichten über Politik, die Stellung der modernen Frau und so viel mehr. Jedes Mal fallen mir 100 Dinge ein die sie gemeinsam haben, und auf die ich neidisch bin. Sie erklärte zwar dass mein Freund absolut nicht ihr Typ sei, aber das war keine Beruhigung für mich, weil sie früher selbiges auch über mich sagte. Dabei erwähnte Sarah allerdings einen Satz, der sich bei mir festsetzte: "Wenn du mich abkapselst und es verhinderst überhaupt einen Anderen zuzulassen, wirst du nie erfahren ob ich dir wirklich treu bin (o.Ä.)" Diese Worte schmerzten ein wenig, genau so viel wie sie Wahr waren: "Was du liebst, lass frei. Kommt es zurück, gehört es dir- für immer." Wie schwer es ist, einen geliebten Menschen "fliegen" zu lassen, muss ich wohl nicht näher erklären. Auch wenn man jemanden vertraut....
Sie war bestürzt darüber, dass ich anscheinend wenig Vertrauen in sie hatte. Aber in meinem Herzen befanden sich Wunden von Ereignissen, die bereits Vergangenheit waren:
Wir hatten das erste Mal miteinander geschlafen, nachdem wir uns in eine Beziehung begaben. Vorbildlich. Während unserer Beziehung erwähnte ich einige Male, wie glücklich ich darüber war, dass wir unsere Jungfreulichkeit einander geschenkt hatten, an die erste große Liebe. Sie stimmte mir jedes Mal zu. Nach 6 Monaten in Beziehung, erklärte sie mir, dass sie Ihre Jungfreulichkeit an jemand Anders verschenkt hatte. Dies war vor unsrer Beziehung passiert, allerdings zu einem Zeitpunkt wo ich schon lange in sie verliebt war, und ihr förmlich nachrannte. Ein kleiner Stich ins Herz, den ich zuerst allerdings mi Humor entgegennahm ( ich bin nicht der Ansicht, dass Streiten und Anschreien dabei hilft, etwas zu vergessen oder zu akzeptieren). Nach meinem humorvollen Umgang mit der Situation wurde mir vorgeworfen ich sei zu leichtfertig damit umgegangen, und meine Scherze waren absolut unangebracht gewesen.
Das Zweite, was mich um einiges mehr verletzte war einige Wochen zuvor: Sie nahm die Pille seit einigen Tagen und hatte in letzter Zeit öfter Depressionen. Ich versuchte sie aufzuheitern und verbrachte viel Zeit damit. Allerdings war das nicht sehr leicht. Vieles das ich sagte, machte sie noch trauriger, und so hatten wir öfters Streit in dieser Zeit. Eines Tages schüttete sie ihr Herz an meinen Schultern aus, und weinte während sie mir alles erzählte was ihre Depressionen auslöste. Ich versuchte ihr Lösungen für ihre Problem zu geben und sie zu beruhigen, was mir allerdings nur wenig gelang. Außerdem riet ich ihr mit der Pille aufzuhören, weil ich glaubte dass hier ein Zusammenhang war. Nach dem emotionalen Gespräch, bedankte sie sich bei mir für mein offenes Ohr und das Wissen, dass sie ihr Herz bei mir ausschütten konnte ohne dass ich sie für schwach erklärte. Nach wenigen Tagen, hatten wir wieder Streit, und sie hielt mir vor alles aus selbstsüchtigen Gründen zu machen. Sie glaubte ich hatte dieses Gespräch nur geführt weil ich einen Vorteil für mich darin sah.
Mit diesen Worten verletzte sie mich auf eine Weise, wie es vorher noch nie ein Mensch geschafft hatte. Ich spürte einen Stich in meinem Herz, und konnte nur schwer die Tränen zurückhalten. In diesem Moment griff ich mir auf die Brust und viel zurück ins Bett. Einige Sekunden brannte es in meiner Brust, und ich konnte kein Wort sagen. Ich rang mit mir selbst, um keine Träne zu vergießen.
Solch ein Vorwurf war Grauenhaft: Ich hatte mich bemüht und mein Bestes gegeben, und nun wurde es als egoistische Handlung dargestellt. Selbst beim Beschreiben dieser Momente werden meine Augen feucht.
Diese Vorkommnisse erzähle ich aus meinem Blickwinkel. Ich bin mir sicher, dass sie es anders wahrgenommen hat. Ich habe überhaupt in der letzten Zeit öfters gesehen, dass jeder Mensch verschiedene Blickwinkel hat, und das "Stille Post"- Spiel bereits beim ersten Zuhörer beginnt.
Jeder interpretiert etwas Anderes in das Gesprochene. Jeder nimmt Ereignisse anders wahr. Jeder behandelt ein Thema verschieden ernst, und setzt eigene Prioritäten.
Ich komme nun etwas schneller zum Schluss, da es bereits sehr spät ist.
Wir gingen zum Auto, und vergaßen, wie bereits erwähnt, den Schirm im Lokal.
Wir sprachen kein Wort miteinander. Vom Verlassen des Lokals bis zu ihr nach Hause. Sie legte sich sofort ins Bett, und versteckte sich förmlich unter der Decke. Ich denke sie war den Tränen nahe. Ich redete eine Zeit lang auf sie ein, sie solle mit mir darüber reden, aber meine Versuche waren zwecklos. Später ging ich nach unten, setzte mich vor meinen Pc und schrieb diesen Text, nachdem ich eingeheizt hatte.