Hallo,
ich will hier auch mal meine Herzensangelegnheit preisgeben und vorweg die Frage Stellen: Soll ich auf mein Herz hören oder auf die Vernunft?
Das ist ein sehr langer Text, aber ich finde, dass einige Details in der Geschichte von Wert sind.
Angefangen hat die Geschichte vor vier Monaten, als ich neu in meine jetzige Firma gekommen bin. Dort habe ich sie gesehen - von meiner Seite aus war es Liebe auf den ersten Blick. Wir haben uns unterhalten und rumgealbert, was man eben so auf Arbeit macht. So sind wir uns auch über zwei Monate hinweg immer näher gekommen, hauptsächlich emotional.
Nebenbei habe ich auch erfahren, dass sie einen Freund hat. Bei dem sie zum Schluss der Beziehung hin "mehr Angst als alles Andere" verspürte, da er aggressiv ist. Glücklicherweise hat er nicht verletzt. Dieser Freund war zu dieser Zeit auch bei der Firma.
Hierbei muss ich sagen, dass das Annähern mehr von ihr ausging als von mir.
Wir sind ein paar mal spazieren gegangen; dabei hat ihr Freund ständig SMS an sie geschickt und hat angerufen, um zu wissen, wo sie sei.
Als sie dann mit ihm Schluss gemacht hat, hat er bei der Firma aufgehört, weil er das verständlicherweise nicht hätte ertragen können, uns zusammen zu sehen.
Sie ist danach jeden Abend zu mir nach Hause gekommen und meinte auch, dass sie sich angeblich schon lang nicht mehr so wohl und sicher gefühlt habe - sie konnte seit langem auch wieder ruhig schlafen, trotz dass die Haustür nicht abgeschlossen war. So wurde es zwischen uns dann richtig ernst. Zwischen Arbeit und zu mir kommen ist sie immer nochmal in ihre Wohnung, um zu duschen etc., in der auch ihr bis dahin bereits Ex-Freund noch wohnte. Er hat wohl stundenlang auf sie eingeredet und wollte wissen, warum das alles geschehen sei. Genauere Details hat sie sich sagen wollen. Auf jeden Fall wurde sie psychisch so stark belastet (ich weiß nicht ob es ihr Ex war oder die gesamte Situation), dass sie häufig zusammen gebrochen ist. Das endete für sie im Krankenhaus. Zuerst hat ihr Ex sie besucht und hat wohl wieder nur Druck auf sie ausgeübt, um zu erfahren, warum das alles geschehen sei, dann hab ich sie besucht. Als ich sie zuerst dort sah, sah sie wirklich mitgenommen aus, später im laufe der Besuchszeit wurde sie wieder entspannter und sah sogar glücklich aus.
Ein paar Tage nachdem sie aus dem Krankenhaus ist, hat sie mir erzählt, dass ihr Ex einen Schwangerschaftstest veranlasst hat, sogar zwei. Der erste positiv, der zweite negativ (Sie hatte zu dem Zeitpunkt ihre Regel). Sie sagte auch, sie wolle von ihm wegziehen, aber noch immer die Miete für ihn zahlen, da sie sonst ein schlechtes Gewissen habe, dass er auf der Straße schlafen müsse.
An einem Wochenende kam sie aufgelöst zu mir und meinte, dass sie ihrem Ex ein Teppichmesser aus der Hand geschlagen habe, da er sich damit in den Arm geschnitten habe. Den Montag darauf (ein Feiertag letzten Monat) kam sie zu mir mit einem Gesicht, als wär jemand gestorben, und hat ihre Sachen gepackt. Ich konnte ihr in der Wohnung noch irgendwie etwas entlocken, wie dass der Meinung sei, sie mache mein Leben kaputt, dass ich wohl besser dran sei, ohne sie und dass ihr Ex wohl ein paar Leute kennt, "die sich nichts um das Leben anderer scheißen" und dass ihr Ex sich nicht die "Hände schmutzig" machen will.
Ich habe sie zumindest zu ihrem Auto begleiten können mit dem flehenden Bitten, dass sie doch bleiben möge. Am Auto hab ich ihr gesagt, dass wir alles hin bekommen, solange wir nur in Kontakt bleiben und dass ich, wenn sie schon nicht wieder in meine Stadt will, eben zu ihr ziehen würde, wenn sie mich bis dahin noch will; dass das ganze zwar etwas dauern könnte, aber dass ich es schaffen würde.
Sie sagte, sie dürfe keine Fehler machen, da sie sonst das Sorgerecht für ihr Kind verlieren würde und dass sie in eine andere Stadt ziehen wolle. Ab da an ist sie auch nicht mehr zu Arbeit gekommen.
Die drei darauffolgenden Tage haben wir miteinander telefoniert, sie meinte dass sie mich noch immer liebt und vermisst etc. und dass ihr Ex ihr noch immer SMS schreibt und sie anruft. Ich sagte im laufe der Gespräche, dass sie all das zusammentragen soll, was ihr Ex mit ihr macht / gemacht hat, auch den Wortlaut sollte sie am besten notieren, damit es für eine Anzeige reicht. Das wollte sie nicht, da sie Angst hatte, das Sorgerecht für ihr Kind zu verlieren, dass bei der Großmutter des Kindes väterlicherseits lebt.
Beim vierten Anrufversuch ist sie zuerst nicht rangegangen, einen Tag später aber schon und meinte, sie hätte das Handy auseinander genommen, um mit der Karte über den Laptop ins Internet zu können.
Danach ist sie nicht mehr ans Handy gegangen.
Einige Tage später ist sie über das Firmengelände gegangen (ich vermute mal um ihr Kündigung einzureichen) und hat mich keines Blickes gewürdigt. Nur ein Blick von ihrer Seite aus und ich wär auf sie zugegangen und hätte wenigstens ein Gespräch gesucht.
Nun hat es sich ergeben, dass kurz nach ihrem Fortgang eine Andere in die Firma gekommen ist. Nach drei bis vier Wochen der Selbstkritik und Selbstzweifel habe ich die erste in der Geschichte soweit überwunden, dass ich wieder fröhlich sein kann (diese Zweifel sahen ungefähr so aus: mit einem, der ihr fremd ging, hat sie es drei Jahre ausgehalten, mit einem Verbrecher (ihr beschriebener Ex, ich hab mich über ihn umgehört) hat sie es anderthalb Jahre ausgehalten und dann kam ich: drei Wochen). Mein Herz hängt immer noch an ihr. Alle bekannten, die mit dieser Geschichte halbwegs vertraut sind, sagen ich solle sie vergessen und dass sie immer wieder nur an solche Männer gerät, die ihr zwar Liebe vorheucheln, doch mit ihren Taten etwas anderes sagen (sie hat mit auf mein Fragen hin noch etwas über die anderen Ex-Freunde erzählt).
Hätte ich sie vielleicht doch nicht möglichst liebevoll behandeln dürfen sondern eher meine Hand gegen sie erheben? Das wär aber ganz bestimmt keine Liebe, sondern ein besitzdenkenorientiertes Einschüchtern...
Nun gut, nachdem ich sie also überwunden habe, konnte ich langsam wieder anfangen auch mal mit anderen Frauen zu flirten, so auch mit der neuen in der Firma. Damit würde ich vielleicht in das nächste Fettnäpfchen treten, doch das ist nicht die Frage in diesem Fall:
Mein Herz sagt, dass wenn ich es schaffe, sie an ihrer "neuen" Adresse zu besuchen, ich die Chance erhalte, die Karten für unsere Liebe neu zu mischen.
Meine Vernunft sagt, dass sie, selbst wenn wir wieder zusammen kämen, wieder abhauen würde. Außerdem erinnert mich meine Vernunft an die Bedingungen, die ich damals am Auto gestellt habe: sie müsse mich noch wollen und wir müssten Kontakt halten - da sie den Kontakt abgebrochen hat, muss das heißen, dass sie mich nicht mehr will. Nur warum will sie mich nicht mehr? Habe ich zu wenig kriminelle Energie?
Soll ich sie vergessen und das nächste Fettnäpfchen aufsuchen? Oder soll ich mich erstmal um meine eigenen Angelegenheiten kümmern, um mir eine Zukunft aufbauen zu können? Doch bevor ich sie kennengelernt habe, war ich schon zweieinhalb Jahre allein - drei Geburtstage lagen in der Zeit - verpasse ich etwas, wenn ich Single bleibe, von dem ich schon längst vergessen habe, was ich verpassen könnte? Lohnt es sich überhaupt, sich schon wieder diesen Stress anzutun? Rein körperlich hat es mir auf jeden Fall gut getan: ich war viel fitter. Doch ist eine Beziehung nicht wie ein Doping - man ist stark, sobald man es hat und ist völlig am Ende, sobald sie kaputt geht? Braucht man dann nicht ständig diesen Drogeninput? Was die Liebe angeht, wird man immer so leicht rückfällig. Ist es nun gut, stark zu bleiben und sich nicht auf eine neue Beziehung einzulassen? Ein vergebener würde jetzt sagen, dass die Liebe immer gut tut und schön ist - das sagt ein Raucher auch zur Zigarette oder ein Trinker zur Flasche oder ein Junkie zur Spritze.
Wer sich jetzt bis hierhin durch den Text gequält hat: Glückwunsch!
Ich könnte Anregungen echt gut gebrauchen, was ich nun tun sollte.
Gruß
Wedekri


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