vielleicht kann mir von Euch jemand helfen. Ich bin nun seit zwei Monaten mit meiner Freundin zusammen und habe das Problem, dass es im Bett nicht so richtig läuft.
Der Hintergrund:
Ich bin mit meinen 25 Jahren unterdurchnittlich erfahren, was Sex anbelangt - ich hatte zwar schon ein paar Beziehungen, aber sexuell lief da eigentlich nur "Minimalkost" - Petting, Missionarsstellung und das war's auch schon. Und immer schwang das Problem mit, dass ich irgendwie unter einem gewissen Erwartungdruck stand. Die Folge war häufig, dass ich im "entscheidenden Moment" meine Erektion verlor und es selbst mit der Standardvariante nicht so häufig funktionierte.
Das Problem:
Sex hat sich im Laufe der Zeit zu einem regelrechten Stressfaktor für mich entwickelt, die mich die Angst zu versagen immer begleitet hat. So lange ich mit der jeweiligen Partnerin am Kuscheln oder Petting war, gab es kein Problem und ich habe mich immer sehr wohl gefühlt - sobald aber der Gedanke kam "Jetzt geht es los" ist die Stimmung dahin. Insbesondere der Geschlechtsverkehr im engeren Sinne ist für mich ein Problem - häufig konnte ich mit der Partnerin nur durch gegenseitige Masturbation zum Höhepunkt kommen, weil die Penetration für mich unmöglich war/ist. Ganz schlimm ist die Sache bei Kondomen - ich brauch eigentlich nur an die Notwendigkeit zu denken um komplett die Stimmung zu verlieren, manchmal klappt es zumindest noch mit dem Überziehen, aber spätestens kurz danach ist es wieder vorbei.
All das hat dazu geführt, dass Geschlechtsverkehr für mich an Bedeutung verloren hat - die Folge meiner Verklemmtheit wurde zur Ursache an sich umfunktioniert. Letztlich habe ich das Problem also verdrängt - Sex wurde zur "Pflichtsache" in der Beziehung. Und meine bisherigen Partnerinnen haben das nie angesprochen. Ich habe ein unerfülltes Sexleben gehabt, ohne offensichtlich etwas zu vermissen.
Bis zu meiner aktuellen Beziehung. Meine aktuelle Freundin ist sehr offen und direkt und gibt sich mit meiner Verdrängungsstrategie nicht zufrieden. Das Schlimme ist: bei ihr klappt es noch weniger als bei meinen bisherigen Beziehungen, obwohl (oder vielleicht gerade weil?) sie mir mehr bedeutet als alle anderen vorher. Sie will mir gern helfen und fragt mich nach meinen Fantasien und was mich antörnt, was ich gerne ausprobieren möchte. Sie versucht mich zu ermutigen, in dem sie mich einerseits beruhigt, was ihre Erwartungen betrifft (um mir den Druck zu nehmen) und andererseits sagt, dass ich eigentlich nichts falsch machen kann weil sie "fast alles" mag.
Die Frage nach meinen sexuellen Vorlieben hat mich ehrlich gesagt regelrecht aus der Bahn geworfen. Denn ich konnte ihr NICHTS antworten, NULL. Mein Kopf war absolut leer - abgesehen von den Stressgedanken (WARUM KANNST DU IHR DAS NICHT BEANTWORTEN? WAS IST MIT DIR LOS!?). Ich konnte mich nichteinmal in Gedanken fallen lassen (das mir das beim Sex nicht gelingt, war ich gewohnt). Ich bin absolut verzweifelt - ich will Sex mit ihr haben, ich liebe diese Frau, sie ist ungeheuer sexy und liebevoll aber es geht einfach nicht. Ich bekomme den Kopf nicht frei! Ich schaffe es nicht, meine Hemmungen abzulegen. Ich bin total verklemmt und kann noch nichtmal darüber reden - zumindest nicht in der Art, wie es sein müßte (sondern nur auf analytischer und psychologischer, nicht jedoch auf sexueller Ebene).
Allen die sich das bis hierher durchgelesen haben erstmal vielen Dank. Vielleicht kennt jemand das Problem bei sich oder ihrem/seiner Parter/Partnerin und ist da irgendwie drüber weg gekommen. Ich bin für jeden Tipp dankbar.
Du hast ein waschechtes Problem, soviel ist mal klar. Aber das ist sicher nicht unlösbar.
Das erste, was Du tun solltest, ist ehrlich sein. Ehrlich zu Dir, aber auch zu Deiner Partnerin. Ihr beide habt es verdient. Du solltest also all Deinen Mut zusammennehmen und Tacheles mit ihr reden. Wenn Sie auch nur ein Quäntchen Mitgefühl besitzt, wird Sie sich selbst überlegen, wie sie Dich "auflockern" kann.
Zweitens solltest Du Dich nicht so unter Druck setzen. Sex ist kein Leistungssport und es gibt auch keine Zufriedenheitsgarantie. Bei mir herrschte bis ich 20 war tote Hose. Dann habe ich - wie Du - eine Frau kennengelernt, die da schon erheblich erfahrener war als ich. Das erste, was sie nach einer gemeinsamen Nacht sagte war (ganz drastisch!): "Ich hoffe, Du kannst wenigstens Kaffee kochen!" (Ehrlich: Der Kaffee war tatsächlich noch schlechter ...) Ich hab das damals sehr persönlich genommen, es war mir superpeinlich und ich hab mich erst mal verkrochen. Nach zwei Tagen kam sie an und meinte "Okay, jetzt nochmal zurück auf Anfang und von vorne..." Und dann hat sie mir so einiges beigebracht - entspannt, locker und voller Verständnis.
Drittens: Versuche, Sie die Initiative übernehmen zu lassen. Lass sie machen, versuch, abzuschalten und einfach gar nichts zu tun. Ich hatte Probleme mit Oralsex - bis ich es immer wieder mal probiert hab und es irgendwann einfach klappte. Dabei haben mir die Bilder im Kopf geholfen, wenn ich mir vorstellte, wie das wohl von außerhalb betrachtet aussehen könnte
Also: es verlangt niemand von Dir, dass Du der dolle Hengst sein musst. Autofahren muss gelernt werden - aber poppen sollst Du von alleine können? Nä, ist doch Quatsch, oder?
Alles Gute: INGWER
„Kurse für angstfreies Klöppeln in der Toskana oder für malerische Gestaltung ohne
Farbe in der Fränkischen Schweiz sind für mich das Spiegelbild einer ungesunden Gesellschaft.”
Vielen Dank für Deine Antwort - einige der Hinweise, die Du gegeben hast hatten wir quasi schon umgesetzt. Wir reden inzwischen schon etwas offener miteinander - ich hab mich am Anfang noch ziemlich verschlossen aber meine Freundin lässt nicht locker und fragt mich nach meinen Gefühlen (wofür ich ihr sehr dankbar bin).
Inzwischen läuft es auch schon etwas besser - zum einen auch durch die Tatsache, dass sie wieder die Pille nimmt und dadurch das Problem mit den Kondomen wegfällt (für mich eine unglaubliche Erleichterung). Dadurch ist der Sex auch spontaner geworden, da dieses gedankliche Festlegen (Kondom drauf - jetzt kommt der zweite Akt...) wegfällt und ich irgendwie unabhängiger agieren kann.
Das zweite ist, dass natürlich auch meine Freundin sich erst auf mich einstellen mußte - da ich nicht wirklich offen über meine sexuellen Vorlieben reden konnte, war das natürlich entsprechend schwieriger. Inzwischen weiß sie ganz gut, welche Knöpfe sie bei mir drehen muss, damit ich auf Touren komme. Auch kann ich inzwischen etwas offener über Sex reden, auch wenn es mir immernoch nicht leicht fällt.
In den letzten Tagen hat sich echt schon eine Menge getan... was mir definitiv Mut macht - bei meinem letzten Post war ich doch ziemlich verzweifelt - letztlich war der auch das Ergebnis eines erfolglosen und sehr beklemmenden Sex-Gesprächs am Vorabend. Wichtig war dann aber auch, dass wir nochmal über genau dieses Gespräch geredet haben. Sie hatte Zweifel, ob sie mich vielleicht verletzt hat, worauf ich sie beruhigen konnte und ihr gesagt habe, dass ich es gut finde, wie sie damit umgeht. Das allein hat schon unheimlich viel gebracht.
Hallo Butterkeks, wie geht es dir inzwischen?
Also ich wollte nur sagen, das ich genau dasselbe Problem habe. Diesen Erwartungsdruck/angst. Angst zu versagen.
Da ich mir in vorherigen Beziehungen auch immer "nette" Kommentare anhören durfte. Aber auch so war Sex für mich immer so ein Problem wie für dich.
Ich konnte mich nur bis zu einem bestimmten Punkt "gehen" lassen. Das Problem hab ich auch heute noch. Ich hoffe jedoch das es mit meinem jetzigen Partner
besser wird oder besser, verschwindet. Was ich dir sagen möchte ist. Das es ganz wichtig ist, das ihr beide viel, viel redet. Immer dann am besten wenn es "passiert"
Sag Ihr das du jetzt angst hast oder diese Erwartungsangst kommt. Sag Ihr was genau dir gerade in diesem Moment angst macht. Vielleicht kann Sie dich ein wenig leiten.
Es ist ja nicht schlimm. Kein Weltuntergang. Keine Pflicht. Es soll ja spaß machen und jeder soll sich dabei wohl fühlen. Ich denke wenn ihr viel redet könntest du dich immer einen Schritt weiter trauen. Und das von ganz alleine
Ich hoffe ich konnte dir ein wenig helfen.
Liebe Grüße
Chrissi