Guten Abend zusammen,
ich muss heute einmal etwas loswerden, freue mich, dieses Forum gefunden zu haben und würde gerne Eure Meinungen dazu hören....
Ich (fast 44) bin seit 1 Jahr und 4 Monaten mit meinem Freund (48) zusammen. Wir verstehen uns grundsätzlich sehr gut, haben die gleichen Interessen und viele Gemeinsamkeiten wie Bücher, Filme, Musik, Natur, Essen, Sauna, viele Unternehmungen... (was ich bisher aus meinen 2 geschiedenen Ehen überhaupt nicht kannte). Mein Freund ist sehr intelligent, kommunikativ, fröhlich, naturverbunden, unternehmungslustig, sieht auch noch gut aus - eigentlich passt alles super, auch der Sex.
ABER....
Ich muss leider ein wenig ausholen. Ich bin ein etwas problembelasteter Mensch. Trockene Alkoholikerin (noch nicht allzu lange); damit hat er ein Problem. Ist nicht bereit, selbst auf Alkohol (den er nur in Maßen trinkt) zu verzichten und hat immer ein schlechtes Gewissen dabei, wenn er es tut. Oftmals stört es mich tatsächlich, muss ich zugeben, aber ich sage nichts. Hat natürlich immer Angst, dass ich rückfällig werden könnte (was aus seiner Sicht ja sehr verständlich ist). Ist eben ein großes Thema zwischen uns.
Dann leben wir ca. 50 km voneinander entfernt (etwa 35 Autominuten), aber wir teilen uns ingesamt zwischen 3 Wohnungen auf. Meine Wohnung, seine Wohnung, und sein Ferienhaus (ca. 200 km entfernt).
Dazu habe ich 2 Katzen und bin dadurch nicht sehr flexibel, da ich hier in meinem Dorf noch niemanden zur Betreuung gefunden habe (bzw. eine Betreuung, die ich mir leisten kann). Mein Ex-Mann hat die beiden bislang versorgt, wenn ich am Wochenende weg war, aber er möchte dies auf Dauer nicht mehr tun (was ich sehr gut verstehen kann!).
Somit sehen unsere Wochenenden etwa so aus: Freitag abend kommt er zu mir, fährt Samstag mittag nach Hause (weil er ja auch seine "Verpflichtungen" hat). Samstag abend fahre ich zu ihm, fahre dann Sonntag abend wieder nach Hause. Ich kann die Katzen nun mal nicht länger als 24 Stunden ganz alleine lassen (und will es auch nicht!). Dafür habe ich die Tiere, die mir sehr wichtig sind, nicht angeschafft.
Er ist nicht wirklich bereit, mal ein ganzes Wochenende bei mir zu bleiben...
Wenn er in sein Ferienhaus fährt, bleibe ich entweder ganz zu Hause, oder ich fahre für 24 Stunden hinterher, oder manchmal lässt er sich dazu überreden, erst Samstag mittag bis Sonntag nachmittag gemeinsam mit mir zu fahren . Alles sehr schwierig.
Das ist die eine Sache.
Vor ca. einem halben Jahr habe ich ihm zum ersten Mal gesagt, dass ich ihn liebe. Von ganzem Herzen, mit all seinen Schwächen und Stärken. Und dass ich mein Leben gerne mit ihm teilen möchte, wenn es nach mir ginge. Wir haben viel geredet, und dabei hat er mir gesagt, dass er mich sehr "lieb hat", aber diese "Liebe" wohl so nicht zurückgeben kann. Und er möchte auch nicht mit mir zusammenziehen (was für mich auf Dauer die logische Konsequenz wäre, denn ihn nervt die Wochenend-Teilerei ja auch). Es hätte nichts mit mir zu tun; er wollte mit niemandem zusammenziehen...
Er lebt seit über 10 Jahren alleine. Hatte dazwischen immer mal kürzere Beziehungen, aber mit getrennten Wohnungen. Er meint, es wäre doch schon was Besonderes, sich sehr lieb zu haben, und es wäre doch so auch schön.... Hmmm.
Wir sind ja nun keine 20 mehr, und ich suche wirklich einen Partner für den Rest meines Lebens - zum Altwerden. Ich dachte, ich hätte ihn gefunden, aber es scheint wohl doch nicht so.
Außerdem muss ich dazu sagen, dass er ein extrem sparsamer Mensch ist - ich will nicht sagen, "geizig". Aber das trifft es schon im Kern. Ich bin das ganze Gegenteil davon und kann damit gar nicht gut umgehen. Mir geht es finanziell momentan nicht besonders gut (ihm wesentlich besser), und ich kann es mir auch nicht leisten, dauernd das Benzin ins Ferienhaus zu bezahlen etc. Er ist leider nicht so spendabel und würde dies bezahlen, damit ich mitkommen kann. Naja, außerdem ist ja da auch immer noch das Katzenproblem...
Im Juli haben wir eine Woche zusammen Urlaub und wollen versuchen, die Katzen einmal mit ins Ferienhaus zu nehmen. Ich weiß jetzt schon, dass es ein Drama werden wird (meine beiden sind extrem gestreßt beim Autofahren und in fremder Umgebung), und mein Freund wird sicher genervt sein von dem 2-stündigen-Geschrei im Auto und den Einschränkungen im Haus (Wegräumen von allen "gefährlichen" Gegenständen etc.). Aber wir versuchen es trotzdem.
Ein weiteres Problem: Mein Freund küßt nicht! D. h. er gibt mir "Küßchen" auf den Mund, die Stirn, die Nase - aber es gibt keine leidenschaftlichen Küsse/Zungeküsse. Er sagt, er weiß auch nicht, warum das so ist, und dass er dazu in einer besonderen Stimmung sein muss. Auf meine "Beschwerden" sagte er, er würde versuchen, sich in Zukunft mehr darauf einzulassen. Aber mal ehrlich: In diesen fast 1,5 Jahren hat er mich vielleicht 2-3 x wirklich geküßt. Ich leide darunter, denn für mich ist Küssen fast noch intimer als Sex. Damit beginnt doch eigentlich erstmal alles...
Ich frage mich wirklich, wie das auf Dauer weitergehen soll. Manchmal sehen wir uns ja auch einen Tag in der Woche (Mittwochs), aber durch viel Arbeit etc. klappt das auch oftmals nicht.
Ich bin überhaupt nicht mehr glücklich mit der Situation; ich hätte ihn gern jeden Tag bei mir, im Alltag, mit allen Schwierigkeiten und Nebensächlichkeiten. Ich bin allerdings keineswegs eine "Klette", brauche selber viel Freiraum und Zeit für mich. Aber das wird es wohl nicht geben. Er wird nie aus seiner Stadt wegziehen (auch wegen seiner Mutter, die immer hinfälliger wird), und ich kann mir nicht wirklich vorstellen, in seine kleine Wohnung in der Stadt zu ziehen (ich habe eine sehr schöne große Wohnung auf dem Land), die dann auch 80 km von meiner Arbeitsstätte entfernt liegen würde.
Ich wünsche mir doch nur endlich mal eine Art "Familienlieben", ein (gemietetes) Häuschen mit kleinem Garten, den Katzen, Alltag, Natur, Gemeinsamkeit und Zusammenhalt... Ist das wirklich so überzogen?
Bin ratlos und würde gerne wissen, ob ich zu übertrieben reagiere. Soll ich es einfach so laufen lassen und noch weitere 1-2 Jahre einfach abwarten? Oder verschwende ich nur meine Zeit (wie in den letzten 25 Jahren meines Lebens)? Ich hatte immer Pech mit Männern, war immer sehr unglücklich. Nun dachte ich zum ersten Mal, meinen "Deckel" gefunden zu haben. Ich will diese Beziehung eigentlich nicht beenden, und es würde mir das Herz brechen, aber wieder nur ewig zu warten, bis es am Ende doch keine Zukunft für uns gibt, will ich auch nicht.
Es wird ja schließlich mit Mitte 40 wirklich nicht einfacher, noch jemanden zu finden...
Danke, dass ich mir das einmal von der Seele schreiben konnte.
Ich freue mich wirklich über jeden konstruktiven Kommentar und möchte wirklich gern wissen, wer hier der "Problemfall" ist. Vielleicht bin ich es ja auch...
Ohne eure Situation zu analysieren und nur ganz subjektiv aus dem Bauch heraus, weil ich in der gleichen Altersgruppe bin:
Ich wünsche mir doch nur endlich mal eine Art "Familienlieben", ein (gemietetes) Häuschen mit kleinem Garten, den Katzen, Alltag, Natur, Gemeinsamkeit und Zusammenhalt...
... und einen braven Trottel, der dir deine rosa Traumwelt finanziert und den du dir zurechtbiegen kannst.
Eine Fickbeziehung fürs WE ist ok, da kann man auch mal die Katzen ertragen, instinktiv weiß er aber, dass er sich lieber nicht weiter auf dich einlassen sollte, du wirst ihn verbiegen wo es nur geht. Krumm macht er sich ja schon langsam.
Nichts für ungut, aber wenn er mit dir zusammenzieht fährt er ganz langsam in seine ganz persönliche Hölle ein.
Entschuldigung, ER macht sich krumm??
Woraus wird Dir das so klar? Eigentlich bin ICH es, die sich immer nur krumm macht. Ich koche für ihn, verwöhne ihn, fahre ihm hinterher... Bezahle alles mögliche ....
Keine tolle Antwort von Dir. Typisch Mann, so leid es mir tut...
Ja wenn es dich jetzt schon unglucklich macht dann wurde ich es mir uberlegen mit der ganzen sache.
Ich finde es auch nicht gut das er vor dir trinkt obwohl er dein problem kennt.In einer Beziehung sollte man doch spass haben aber so wie du das schreibst ist es nur arbeit und ein hin und her.
Liebe Carlemma,
die Gedanken die du dir machst sind völlig nachvollziehbar. Der Beitrag von W42 ist übrigens wirklich mehr als unqualifiziert, trieft ja förmlich vor Verbitterung.
Im Punkto Alkohol muss ich lidia Recht geben. Lässt man sich auf einen anderen menschen ein, bedeutet der andere einem viel, ist rücksichtnahme eine selbstverständlichkeit. er kann sein glas wein ja schließlich auch trinken wenn er allein mit sich ist. während er zeit mit dir verbringt mal drauf zu verzichten sollte doch wirklich kein problem sein, oder? du allerdings solltest ihm auch so direkt sagen, dass du es nicht gut findest, vielleicht weiß er gar nicht wie belastend das für dich ist?!?! dann allerdings sollte es für ihn an der zeit sein sich mehr gedanken zu machen...
du bist in deinen besten jahren und suchst jemanden mit dem du diese teilen kannst un noch viel mehr. ihr seid wie du selbst sagst keine anfang 20 mehr und langsam sucht man für sich einen festen rückhalt und möchte jemanden bei sich haben mit dem man sich zur ruhe setzen kann. allerdings scheint er andere vorstellungen für seine zukunft zu haben. mir scheint es, als sei er eher der "einsame wolf", gibt viel acht auf seine eigenen belange und steht für sich selbst immer im vordergrund. an solche menschen ist schwer ranzukommen, da sie im grunde mit sich selbst und dem, was sie sich selbst geben glücklich sind. beziehungen werden weniger als mittelpunkt der zukunft gesehen, eher als akuter zeitvertreib. ein wunderbare nebensache, aber eben nicht die hauptbühne für solche menschen. ist er sich im klaren darüber, dass das ganze für dich in dem rahmen keine zukunft haben kann?
du sagtest ja bereits, dass du was ganz anderes suchst. sobald du dir wirklich sicher bist, dass du so nie wirklich glücklich werden kannst, musst du einen schlussstrich ziehen und das ganz allein dir zu liebe. ich würde die mit ihm verbrachte zeit dann in keinem fall als zeitverschwendung betrachten, aber trotzdem könntest du diese zeit für dich besser nutzen. wenn du merkst du kommst so nicht weiter, sei dir selbst gegenüber ehrlich und zieh deine konsequenzen, auch wenn es wehtut und schwierig ist. gib ihm nochmal zeit, versuch ihm klarzumachen, dass sich für dich einiges ändern muss auf dauer, du aber nichts sofort erwartest, sondern ihm zeit geben willst.
meine antwort auf deine frage lautet also, falls sich die beziehung nicht langsam in die richtung entwickelt, die du dir erwünscht, hat es weder sinn noch zukunft. du stellt sicher keine überhöhten ansprüche. du weißt was du von deinem leben willst und versuchst das in die tat umzusetzen. kompromisse schließen müssen wirst du immer, aber auch dafür muss man sich annähern und seine interssen an einander anpassen. will der eine aber keine kompromisse schließen und versucht nur seine interessen durchzusetzen, muss man kapitulieren.
ich wünsch dir alles gute, pflege deine katzen immer gut
estragon