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Frisch getrennt, verzweifelt, ruhelos...

  1. #1
    zero7

    Standard Frisch getrennt, verzweifelt, ruhelos...

    Hallo! Ich werde jetzt vermutlich einen sehr langen Text schreiben, aber er könnte auch sehr spannend sein und ich würde mich freuen, wenn er gelesen wird und der ein oder andere Kommentar kommt. Ich bin grad in der Phase des begreifen und reflektieren wollens, ich bin mir dessen bewusst, dass mir dabei niemand helfen kann und die Zeit verstreichen muss, aber dennoch habe ich das Bedürfnis einfach nur zu schreiben. Also, ich fange an:

    Ich war mit meinem Partner 3 Jahre zusammen, 2 davon haben wir zusammengewohnt. Davor war es eine Fernbeziehung. Ich wusste von Anfang an, dass er psychische Probleme hatte bzw hat. Ohne Vater aufgewachsen, schwieriges Verhältnis zu seiner Mutter, er hat mit 11 Jahren versucht seine Pulsadern aufzuscheniden, einige Therapieversuche, u.a auch Klinik. Als wir zusammen kamen sagte er mir, er sei auf einem guten Weg und ich glaubte ihm, denn er war einfach wunderbar. Er hat mir viel Nähe geben, wir hatten so viel Spaß miteinander und haben unglaublich tolle, tiefe Gespräche geführt. Kurz um, auf einer bestimmten Ebene waren wir seelenverwandt, so glaubte ich zumindest und glaube jetzt in diesem Moment immernoch dran.

    Irgendwann wurde die Beziehung schwieriger. Ihm haben einige Dinge nicht gefallen. Z.B. meine Art den Haushalt zu führen. Ich bin eher Chaosqueen und er eher der pedantische Typ. Ich hab mich sehr angestrengt ordentlich zu sein und das wurde ich auch, jedenfalls für meine Verhältnisse. Ich find es auch okay Auseinandersetzungen zu haben, das gehört dazu, Beziehungen sind nicht einfach, aber wie schwer sie sein können begreif ich erst jetzt. Jedesmal wenn ihm was nicht passte ging es sehr persönlich zu und es war immer der gleiche Rhythmus. Ich merkte, dass er nicht zufrieden war und bohrte nach, er schluckte es runter und irgendwann führte ein absurder Auslöser zum Ausbruch. Und diese Ausbrüche äußerten sich in regelrechten Psychogesprächen. Er hat mich nicht an die Hand genommen und mit mir wirklich verhaltensorientiert besprochen wie man Dinge ändern kann, sondern mich regelrecht psychisch durchleuchtet. Z.b. sagte er, dass ich wie ein kleines Kind bin, dass alles liegenlässt (Stichwort Ordnung) und dass ich ihm alle Energien absauge um meine kindlichen Bedürfnisse, die nie gestillt wurden, zu decken. Ich dachte immer, das sind eben meine Macken, aber das positive an mir muss doch eigentlich überwiegen, denn schließlich gebe ich mir so viel Mühe. Und das habe ich wirklich...ich habe ständig über mich und ihn nachgedacht, hab mich total darauf fixiert. Ich schwankte zwischen "oh gott, er hat recht. ich bin verkorkster als ich dachte" und "du arsch, DU bist krank, nicht ich. Laste mir das nicht an". Aber meine Wut und Verletztheit hab ich unterdrückt und mit mir selbst ausgemacht, weil ich ihn nicht verlieren wollte. Es ging für mich immer darum alles richtig zu machen und ihm zu helfen und auch mir. Denn wenns ihm gut ging, gings mir auch gut und umgekehrt. Und all das was ich glaubte runterzuschlucken und nicht zu zeigen hat er wohl doch mitgekriegt, weil er einfach so wahnsinng sensible Antennen hatte. Und ich hab mich so unter Druck gesetzt und ungalublich emotional geklammert. Das war zu viel für ihn und im grunde auch für mich. Aber diese absurden Dinge, die passiert sind... er hat sich letzten montag von mir getrennt. Sonntag war noch alles "schön", wir haben viel gekuschelt usw. Auch am montag war alles in ordnung...wir waren einkaufen, ich wollte was schönes kochen (ich habe IMMER gekocht). Dabei schnitt ich mir in den Finger und es blutete ordentlich. Ich bat ihn Verbandszeug aus dem Auto zu holen. Danach war er total komisch, ging plötzlich aus der Wohnung, kam irgendwann nachts wieder und sagte, dass er unglücklich sei und das schon lange und dass die Beziehung dafür verantwortlich ist. Dann sagte er wie man sich denn so in den Finger schneiden könne und dann auch noch kein Verbandszeug im Haus... da war ich fassungslos. ICH hab mich verletzt...und ER beschuldigt mich dafür. Ich habe mich seit mind. 10 jahren nicht mehr geschnitten, verdammt nochmal!

    Im letzten Jahr war es eigentlich am schlimmsten. Er hatte zeitweise Depressionen. Ich hab im letzten Jahr im prinzip fast alles an Aktivitäten, die ich gern machen wollte, allein gemacht bzw mit anderen. Auch um ihn zu entlasten. Aber ich wollte gern auch Dinge mit ihm machen und keine reine Sofabeziehung. Aber auch das habe ich in Kauf genommen, der Liebe wegen, so dachte ich jedenfalls. Ich war chronisch unzufrieden, habe ihn aber gleichzeitig so geliebt und mich irgendwie sicher gefühlt, trotz der Grübelein. Ich wusste und weiß auch jetzt nicht wo meine wahren Bedürfnisse liegen, was ich von einem Mann erwarten darf und was zu viel ist. Ich weiß es einfach nicht... er hat mich einfach unglaublich verwirrt.

    Er hatte so ein schweres Verhältnis zu seiner mutter. Die ist sehr lieb, aber auch sehr strange und es ist unfassbar, was sie mit ihm gemacht hat. Sie hat im grunde Gehirnwäsche betrieben. Sie war lieb und Fürsorglich, aber hat ihn gleichzeitig fertig gemacht, ganz unterschwellig. Er hat so oft davon erzählt und im grunde hasst er sie dafür. Und ich hatte immer den Eindruck, dass ich ein Stück weit dafür zahlen muss bzw. er mit Frauen ein großes Problem hat. Aber andererseits war er oft soo lieb und hat mir so viel gegeben. Tja...was macht man damit?

    Auch wenn mir viele Freunde sagen, "Sei froh, dass du ihn los bist", ich kann es nicht greifen und nicht sein. Er hat bei mir so viel aufgewühlt und auch wenn ich weiß, dass er krank ist, er hatte in der tiefe tatsächlich recht. Er ist sehr intelligent und kann reden und überzeugen. Es ist so gekommen wie es gekommen ist, weil er unglaublich streng und empfindlich ist und ich so emotional geklammert hab und mich unterdrückt. Wir haben uns gegenseitig die Luft genommen. Aber während ich versucht habe die mir zu nehmen, ist er NIE weg gegangen. Er kannte hier kaum jemanden und hat sich auch nicht so sehr bemüht. Er war im grunde nur zu haus oder arbeiten.

    Jedenfalls hat er in mir aus welchen gründen auch immer die Ängste meines inneren Kindes geweckt, die mich panisch gemacht haben und zum klammern brachten. Ich hab alles für ihn getan, damit er MEINE Bedürfnisse stillt. Tja, sowas passiert schnell und das will ich jetzt in einer Therapie angehen. Und dennoch, ich dachte immer mein Verhalten wäre normal, ich bin eine gute Freundin, und er kann froh sein mich zu haben. Daher hab ich seine Kritik so schwer annehmen können. Es ging soweit das er sagte, ich mache ich psychisch fertig. Und ich stehe fassungslos da und weiß nicht mehr was wahr ist und was falsch, was Realität ist und was nicht... ich weiß, das werd ich schwer beantworten können und ihr könnt es auch nicht, weil jeder in seiner eigenen Realität lebt, aber es macht mich grad wahnsinnig... und ich weiß nicht ob er mich wahnsinnig gemacht hat oder ob ich es schon war, aber es nur unterdrückt habe. Und wie ihr seht...ich rede auch jetzt nur von ihm, und wenig von mir. Ich muss das wohl erst wieder neu lernen.

    Vielen Danke fürs Lesen!

  2. #2
    flyingapi

    Standard

    Im Grunde lebt er wohl das Verhaltensmuster seiner Mutter weiter.......er kann nicht anders als das wiedergeben was er gelernt hat. Dich psychisch fertig zu machen.

    Sowas übersteht man als Partner nur wenn man sich seiner selbst sicher ist, und er keinen Winkel findet um seine Psycho Keule anzusetzen.

    Ich bin in eine ähnliche Falle getappt, mit nem Partner der versucht mich klein zu halten, damit er selbst besser dasteht. Problem ist nur, ich kenne das Muster von meinem Vater, und hab es damals schon gesund überstanden. Ich weiss was ich bin und kann.

    Also für den Partner aussichtslos, er läuft bei mir ins Leere.

    Verstehst was ich meine .....................


  3. #3
    zero7

    Themenautor

    Standard

    Zitat Zitat von flyingapi Beitrag anzeigen
    Im Grunde lebt er wohl das Verhaltensmuster seiner Mutter weiter.......er kann nicht anders als das wiedergeben was er gelernt hat. Dich psychisch fertig zu machen.

    Sowas übersteht man als Partner nur wenn man sich seiner selbst sicher ist, und er keinen Winkel findet um seine Psycho Keule anzusetzen.

    Ich bin in eine ähnliche Falle getappt, mit nem Partner der versucht mich klein zu halten, damit er selbst besser dasteht. Problem ist nur, ich kenne das Muster von meinem Vater, und hab es damals schon gesund überstanden. Ich weiss was ich bin und kann.

    Also für den Partner aussichtslos, er läuft bei mir ins Leere.

    Verstehst was ich meine .....................
    Ja, verstehe ich. Das Ding ist nur, dass ich noch nicht weiß ob er mich krank gemacht hat oder nur in alle meine wunden gestochert hat. Naja... ich werds hoffentlich rausfinden. das schlimme ist, er ist noch in meiner Wohnung, weil er noch eine neue suchen muss und nirgends anders unterkommt. Ich bin meist weg, versuch es jedenfalls, aber wenn ich dann mal da bin, dann macht es mich genauso verrückt als wäre ich nicht da. Er sagte gestern als ich nach haus kam "schön dich zu sehen"...SUPER

  4. #4
    flyingapi

    Standard

    Ja, verstehe ich. Das Ding ist nur, dass ich noch nicht weiß ob er mich krank gemacht hat oder nur in alle meine wunden gestochert hat
    Mit dir ist alles ok, du sagtest selber er ist intelligent und sensibel, er wusste einfach nur wo er dich treffen kann.......was er sagte war nebensächlich, wenn ich mir selbst nicht so sicher bin, dann erreichen böse Worte ganz effektiv Ihr Ziel.

    Er hat gemerkt er trifft da was, und von da an warst du ein leichtes Opfer, an dem er seine eigene unzulänglichkeit auslassen kann.

    Wären seine Worte an dir abgeperlt und hätten keinerlei Wirkung erzielt hätt er sich was Neues ausdenken müssen.

    ER kommt mit sich nicht zurecht, mit dir ist alles ok !



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