Hi,
gestern Abend war ich spontan im Kino: "Up in the air".
Der Film hat mir ausgesprochen gut gefallen. Nicht nur weil er in meiner Welt spielt, der Welt der modernen Nomaden.
Ryan Bingham, der Mann mit dem kleinen Rucksack. Wenige Menschen sind so viel gereist wie er. Sein Zuhause ist kühler und einsamer als jedes Hotelzimmer, unterwegs ist er daheim. Menschliche Bindungen bedeuten ihm nur Ballast. Und diese Einstellung versucht er durch sich ewig wiederholende schlaue Sprüche den Menschen zu vermitteln, welchen er den Job kündigt. Menschen zu entlassen ist sein Job. Dann muss er plötzlich die neunmalkluge, naive Natalie mitschleppen. Beide können voneinander lernen.
Der Film diskutiert sehr weise und mit Zwischentönen die Liebe in einer oberflächlichen Welt. Das Aufeinanderprallen von jugendlichen Träumen und erwachsener Desillusionierung. Verantwortungsgefühl und Oberflächlichkeit. Liebeskummer, weil immer einer den anderen mehr liebt als umgekehrt.
Es geht aber auch um den Lebensstil von Hire and Fire, Leben aus dem Koffer, das Annehmen von Veränderungen und die Suche nach Konstanz in einer Welt, die brutal rationalisiert und dann doch immer wieder feststellen muss, dass es um Menschen geht. Beziehungen beenden per SMS, Kündigung per Webcam - technisch möglich, menschlich völlig daneben.
Wie durchdacht der Film ist merkt man auch daran, dass jeder Satz seine Bedeutung hat, jedes Wort ist sorgfältig gewählt. Ich könnte mir vorstellen, den Film ein zweites Mal zu sehen, weil mir manche Nebenbemerkung und Doppeldeutigkeit beim ersten Sehen eventuell entgangen ist. Und das Ende gibt auch mancher Szene einen ganz anderen Geschmack.
Natalie und Ryan lernen voneinander, aber glücklich macht es sie nicht. Wie man glücklich werden kann in einer solchen Welt, diese Frage bleibt offen. Darauf muss wohl jeder Zuschauer seine ganz eigene Antwort finden.
Mona


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