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Filmtipp: Up in the air

  1. #1
    MonaLisa

    Standard Filmtipp: Up in the air

    Hi,

    gestern Abend war ich spontan im Kino: "Up in the air".
    Der Film hat mir ausgesprochen gut gefallen. Nicht nur weil er in meiner Welt spielt, der Welt der modernen Nomaden.

    Ryan Bingham, der Mann mit dem kleinen Rucksack. Wenige Menschen sind so viel gereist wie er. Sein Zuhause ist kühler und einsamer als jedes Hotelzimmer, unterwegs ist er daheim. Menschliche Bindungen bedeuten ihm nur Ballast. Und diese Einstellung versucht er durch sich ewig wiederholende schlaue Sprüche den Menschen zu vermitteln, welchen er den Job kündigt. Menschen zu entlassen ist sein Job. Dann muss er plötzlich die neunmalkluge, naive Natalie mitschleppen. Beide können voneinander lernen.

    Der Film diskutiert sehr weise und mit Zwischentönen die Liebe in einer oberflächlichen Welt. Das Aufeinanderprallen von jugendlichen Träumen und erwachsener Desillusionierung. Verantwortungsgefühl und Oberflächlichkeit. Liebeskummer, weil immer einer den anderen mehr liebt als umgekehrt.
    Es geht aber auch um den Lebensstil von Hire and Fire, Leben aus dem Koffer, das Annehmen von Veränderungen und die Suche nach Konstanz in einer Welt, die brutal rationalisiert und dann doch immer wieder feststellen muss, dass es um Menschen geht. Beziehungen beenden per SMS, Kündigung per Webcam - technisch möglich, menschlich völlig daneben.

    Wie durchdacht der Film ist merkt man auch daran, dass jeder Satz seine Bedeutung hat, jedes Wort ist sorgfältig gewählt. Ich könnte mir vorstellen, den Film ein zweites Mal zu sehen, weil mir manche Nebenbemerkung und Doppeldeutigkeit beim ersten Sehen eventuell entgangen ist. Und das Ende gibt auch mancher Szene einen ganz anderen Geschmack.

    Natalie und Ryan lernen voneinander, aber glücklich macht es sie nicht. Wie man glücklich werden kann in einer solchen Welt, diese Frage bleibt offen. Darauf muss wohl jeder Zuschauer seine ganz eigene Antwort finden.

    Mona
    Geändert von MonaLisa (23.02.2010 um 10:36 Uhr)

  2. #2
    DocBrown

    Standard

    Clooneys Leben fand ich spontan "richtig". Liegt aber auch daran, dass ich mich grade irgendwo festsetze, wo ich nicht hingehöre. So hab' ich vermutlich die Botschaft, wenn es eine geben sollte, überhört. Dennoch, kein schlechter Film. Egal, welche Einstellung man zu den Dingen hat, man wird an irgendeiner Stelle bestätigt, an anderer widerlegt. Interessant.
    Do be do be do -Sinatra

  3. #3
    MonaLisa

    Themenautor

    Standard


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    Zitat von DocBrown
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    Clooneys Leben fand ich spontan "richtig". Liegt aber auch daran, dass ich mich grade irgendwo festsetze, wo ich nicht hingehöre. So hab' ich vermutlich die Botschaft, wenn es eine geben sollte, überhört. Dennoch, kein schlechter Film. Egal, welche Einstellung man zu den Dingen hat, man wird an irgendeiner Stelle bestätigt, an anderer widerlegt. Interessant.
    Richtig, hm. Eine Überlebensstrategie, die gut funktioniert, aber eben doch irgendwo Leere bei ihm hinterließ.
    Ich denke, das muss so sein bei einem Film, der ein Thema differenziert diskutiert: Jeder findet seine eigene Meinung dort wieder.

    Mona

  4. #4
    DocBrown

    Standard

    Ja, im Grunde bewertet der Film kaum, sieht man von einer Plattheit mit der gefeuerten Angestellten ab. Er erzählt Dinge, wie sie in den verschiedenen Lebensmodellen geschehen könnten. Manchmal sind die Ereignisse gezeigt, manchmal geschildert (wie das Bild, das der kaltfüßige Bräutigam über die potentielle Zukunft zeichnet).

    Ich glaube, es ist egal, welchen Weg man geht. Da ist immer ein Haar in der Suppe.
    Do be do be do -Sinatra

  5. #5
    Lilia

    Standard

    Schön geschriebene Filmkritik, Mona. Ich hab den Film noch nicht gesehen, wollte aber. Meine Freundin aus einer anderen Stadt hat ihn schon gesehen - und fand ihn nicht so toll. Daher und weil es ja auch immer wichtigeres als Kinofilme gibt, hatte ich es bislang nicht eilig. Aber Eure Gedanken haben mein usprüngliches Interesse wieder ausgebuddelt. Nun werd ich es mal in Angriff nehmen ... und eventuell auch berichten.

  6. #6
    MonaLisa

    Themenautor

    Standard


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    Zitat von DocBrown
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    Ja, im Grunde bewertet der Film kaum, sieht man von einer Plattheit mit der gefeuerten Angestellten ab. Er erzählt Dinge, wie sie in den verschiedenen Lebensmodellen geschehen könnten. Manchmal sind die Ereignisse gezeigt, manchmal geschildert (wie das Bild, das der kaltfüßige Bräutigam über die potentielle Zukunft zeichnet).

    Ich glaube, es ist egal, welchen Weg man geht. Da ist immer ein Haar in der Suppe.
    Ja, leider, eine Patentlösung bieten sie nicht. Natalie versucht´s auf Ryans Art und Ryan auf Natalies Art, und so klappt es auch nicht. Vielleicht haben sie irgendwo eine Chance vertan, vermutlich aber auch nicht. :-(

    Ich konnte mich aber prinzipiell auch gut mit Ryan Binghams Zynismus identifizieren. Ich lebe auch mit möglichst geringem Gepäck, bin ständig am Entrümpeln. Aber eben um Platz zu schaffen für die wirklich wichtigen Dinge und für das, was mir gut tut. Als er sagte, er habe den Rucksack erstmal ausgeräumt, um herauszufinden, was wirklich hinein gehört, habe ich ihm das nicht geglaubt. Ich denke, er sagte das, weil er dachte, dass es das ist, was sie hören will.

    Mona

  7. #7
    MonaLisa

    Themenautor

    Standard


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    Zitat von Lilia
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    Schön geschriebene Filmkritik, Mona. Ich hab den Film noch nicht gesehen, wollte aber. Meine Freundin aus einer anderen Stadt hat ihn schon gesehen - und fand ihn nicht so toll. Daher und weil es ja auch immer wichtigeres als Kinofilme gibt, hatte ich es bislang nicht eilig. Aber Eure Gedanken haben mein usprüngliches Interesse wieder ausgebuddelt. Nun werd ich es mal in Angriff nehmen ... und eventuell auch berichten.
    Ich denke, es kommt immer darauf an, ob einen das Thema interessiert und was man von einem Film erwartet. Happy End gibt´s nicht so richtig.

    Mona

  8. #8
    DocBrown

    Standard


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    Zitat von MonaLisa
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    Ich konnte mich aber prinzipiell auch gut mit Ryan Binghams Zynismus identifizieren.
    Du hast ihn als Zyniker gesehen? Er ist doch eigentlich mit jedem Aspekt seines Lebens zufrieden gewesen. Immerhin zwang ihn nichts dazu, zu sein, wie er eben ist. Seine Familie hat ihn nicht aufgegeben, er hat sich nur stets entzogen. Auch sesshaft hätte er mit jedem anderen Job werden können. Ich würde sogar sagen, er hat das maximal mögliche Glück gefunden und wusste das. Wären da nicht die verflixten Gefühle ...
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    Do be do be do -Sinatra

  9. #9
    Lilia

    Standard


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    Zitat von DocBrown
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    Du hast ihn als Zyniker gesehen? Er ist doch eigentlich mit jedem Aspekt seines Lebens zufrieden gewesen. Immerhin zwang ihn nichts dazu, zu sein, wie er eben ist. Seine Familie hat ihn nicht aufgegeben, er hat sich nur stets entzogen. Auch sesshaft hätte er mit jedem anderen Job werden können. Ich würde sogar sagen, er hat das maximal mögliche Glück gefunden und wusste das. Wären da nicht die verflixten Gefühle ...
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    Eure widersprüchliche Wahrnehmung macht mich noch neugieriger. Vielleicht geh ich heut Abend schon mal gucken...
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    Ach nee, heut muss ich ausnahmsweise fernsehen. Na dann morgen.
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  10. #10
    MonaLisa

    Themenautor

    Standard


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    Zitat von DocBrown
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    Clooneys Leben fand ich spontan "richtig". Liegt aber auch daran, dass ich mich grade irgendwo festsetze, wo ich nicht hingehöre.
    Aha, Du bist verbeamtet worden. *grins*

    Bei mir ist es umgekehrt. Ich habe mein Nomadenleben nicht freiwillig gewählt, sondern habe mich damit abgefunden, weil es als Nebeneffekt zu meinem Traumjob gehört. Ich reise aber nur knapp 100 Tage im Jahr. Ich hab übrigens keine Miles&More, sondern bahn.comfort. Bitte gegebenenfalls Platz freigeben. *grins*

    So sieht den Film also jeder anders. Find ich aber gut, so sollte es sein.

    Mona

  11. #11
    DocBrown

    Standard


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    Zitat von MonaLisa
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    Aha, Du bist verbeamtet worden. *grins*
    Nein, leider nicht. Meine Dienstreisen waren auch nicht unbedingt ausufernd, im Gegenteil. Ich habe halt oft die Stelle gewechselt und dabei alles an Lebenssituationen durchprobiert. Die aktuelle gefällt mir am wenigsten, und sie ist an einen unbefristeten Vertrag geknüpft.

    Nein, der Protagonist hat einfach nur vorgelebt, was ich mir als Ideal und Ausweg vorstellen könnte.
    Do be do be do -Sinatra

  12. #12
    Lilia

    Standard

    Interessant, interessant!
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  13. #13
    DocBrown

    Standard

    Mach uns aber nicht wegen eines verdorbenen Abends verantwortlich.
    Do be do be do -Sinatra

  14. #14
    Lilia

    Standard


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    Zitat von DocBrown
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    Mach uns aber nicht wegen eines verdorbenen Abends verantwortlich.

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    Versprochen.

    Mach ich den Eindruck, ich würde sonst sowas tun? Eigentlich dachte ich das von mir nicht.
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