Die Versuchung
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Hans Werner
Die Versuchung
Die Versuchung
Es geht schon gegen Mitternacht,
ein blasser Mond am Himmel wacht,
da öffnet jemand mit Gespür
vorsichtig eine Wagentür.
Sie fliegen aufeinander zu,
die Angst lässt ihnen keine Ruh,
nur hier, auf diesem dunklen Platz,
da wagt er sich zu seinem Schatz.
Ganz nah fühlt er die junge Haut,
Begierde schreit aus ihm so laut,
und tief in ihrer Lippen Grund
bohrt sich sein Kuss aus heißem Mund.
Zurückgebeugt in seinem Arm
liegt sie vor ihm betörend warm,
nur manchmal huscht ein Autolicht
verstohlen über ihr Gesicht.
Er spürt ihr rasches junges Blut
und weiß genau, sie ist ihm gut,
und spürt, wie sie nach ihm verlangt,
obgleich es ihr davor so bangt.
Doch plötzlich haucht sie ihm ins Ohr,
nur scheu wagt sich der Satz hervor:
vergiss nicht ganz der Treue Pflicht,
ach! bitte, bitte, tu es nicht!
Und sie beherrschen ihre Lust,
ganz nah durch ihre zarte Brust
hört er ihr aufgewühltes Herz
schnell schlagen in verdrängtem Schmerz.
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