
Zitat von
Jesse Blue
Üblicherweise sind Teenager in ihrem Alter sehr durcheinander. Viele psychische Dinge brechen über sie herab und viele Veränderungen machen ihr zu schaffen. Junge Menschen in ihrem Alter zeigen Trotzverhalten oft aufgrund eines unbefriedigten Bedürfnisses. Kann es sein, dass Du oft arbeiten musst? Wenig Zeit für Deine Pflegetochter hast? Nein, ich bin nicht oft arbeiten - das hält sich die Waage. Was ist mit ihren Eltern? Weswegen wurde sie denen entrissen? Wegen Vernachlässigung Vermisst sie sie? Nein. Seit wann ist Deine Pflegetochter bei Dir? Seit fast 10 Jahren. Hat sie neben Dir auch Kontakt zu einer Vaterfigur? Ja. Also, bist Du verheiratet oder hast Du einen festen Partner? Ja
Es ist sehr unratsam, sich mit dem Teenager anzulegen. Ohne wirds wohl nicht immer gehen !Noch schlimmer ist es, ihr mit solchen Aussagen ("Du kannst Deine Koffer packen") Angst zu machen. Da geb ich dir Recht, war aber Ausdruck meines allergrößten Ärgers ! Viele Pflegekinder haben oft die Ansicht, von ihren richtigen Eltern verlassen worden zu sein. Sie haben demnach oft ein misstrauisches Verhältnis zu ihren Pflegeeltern, die auf die Angst basiert, wieder allein gelassen zu werden. Diesbezüglich kannst Du Dir vielleicht denken, wie sie auf Deine Aussage reagiert. Damit bestätigst Du ihre Angst nur.
Ich empfehle Dir dringend, Dir Qualitätszeit mit ihr zu nehmen. Rede mit ihr und versuche heraus zu finden, ob sie ihre richtigen Eltern vermisst. Ob sie es vermisst, mit Dir etwas zu unternehmen. Sie wird vielleicht nicht ehrlich sein - da musst Du zwischen den Zeilen lesen. Wir hatten bislang ein recht gutes Verhältnis und sie hat sich mir stets mit ihren Angelegenheiten anvertraut und mit Sicherheit
haben wir nicht nur ein quantitatives, sondern ein qualitatives Verhältnis.
Kinder wie sie brauchen das Gefühl, geliebt zu werden. Diese Freundin ist bestimmt nicht das Problem. Doch, das ist sie ganz offensichtlich. Denn auch in der Schule werden die beiden in allem getrennt. Sie ist allenfalls ein Auslöser des Problems. Nein, sie ist offensichtlich in der Regel die Ursache von Problemen. Wenn Deine Tochter sogar selbst merkt, dass dieses Mädchen ihr nicht gut tut, spricht das umso mehr für ihre Verzweiflung überhaupt irgendjemanden um sich zu haben. Da sie wohl irgendwie Kontaktschwierigkeiten hat, trifft das wohl zu, dass sie sich über jede/n freut. Dafür spricht auch, dass sie es sich schwer macht, Kontakte zu knüpfen. Das Mädchen scheint einsam zu sein.
Ja, hinsichtlich eines guten - vor allem qualitativen- Freundeskreises fehlt ihr sicherlich etwas. Man scheint ihr helfen zu müssen Freunde zu finden, obwohl
man sie sicherlich nicht als kontaktgestört bezeichnen kann Und fühlt sich von Dir unverstanden und wahrscheinlich sogar ungeliebt.
Zur Zeit könnte ich sie auf den Mond schießen, da ich merke, dass mein Vertrauen zu ihr schwindet. Vielleicht überlege ich tatsächlich ernsthaft sie wieder weg zu geben. Denn ich will mich durch ihre Lügengeschichten und ihr
Mißachten von Vereinbarungen nicht ständig stressen und meine Nerven kaputt machen lassen. Und das Motto; ich liebe dich wie du bist - egal was du tust und
wie frech du bist stellt eine Zumutung dar. So vollkommen bin ich leider noch nicht !
Machst Du ihr Komplimente und lobst Du sie, wenn sie etwas richtig macht? Natürlich - da gibts derzeit aber nicht viel. Oder schimpfst Du nur, wenn sie etwas falsch macht? Nimmst Du sie im Alltag wahr, oder ist ihre Anwesenheit für Dich selbstverständlich? Natürlich nehme ich sie wahr und natürlich nehme ich sie ernst - vor allem in ihrem jetzigen Verhalten, wo ich sie auf den Mond schießen könnte. Geführte Gespräche scheinen sie gar nicht zu interessieren. Nimmst Du sie ernst? Wertest Du sie auf? Interessierst Du Dich für ihre Leidenschaften wie Leichtathletik oder Chor? Gehst Du zu ihren Aufführungen? Klar Umarmst Du sie? Küsst Du sie? Sagst Du ihr, dass Du sie liebst? Wenn mich jemand belügt und betrügt küss und umarm ich ihn nicht auch noch dafür, sondern bin nur stinksauer. Und das zu Recht ! Und das alles regelmäßig? Solche Dinge bedeuten einem Mädchen in ihrem Alter alles.
Ich bin so gut wie sicher, dass das Mädchen erkennen wird, was sie an Dir hat, wenn Du ihr die Aufmerksamkeit schenkst, die sie in ihrem Alter absolut benötigt.
Sie hat meine ganze Aufmerksamkeit und bei allem Verständnis für ihr pubertierendes Verhalten hörts doch da auf, wenn die Dinge einfach beim Namen zu nennen sind. Denn was "Scheiße" ist, ist und bleibt "Scheiße". Da kann ich weder was schön reden, noch sie als liebes und armes Mädchen in den Arm nehmen und auch noch obendrein bedauern. Mit den Konsequenzen von erheblichem Unfug muss sie so oder so rechnen - und wenn nicht durch mein gutes Zureden, dann spätestens, wenn die Polizei aufgrund von Anzeigen auf der Matte steht. Du bist ihre einzige Stütze. Wenn das hinhaut, wirst Du auch Deine Grenzen ohne Probleme bei ihr durch bringen. Setze sie aber mit Bedacht durch. Erkläre ihr, weswegen Du diese Grenzen setzen musst. Ich / wir begründe/n Regeln und erforderliche Vereinbarungen grundsätzlich - das scheint sie aber nicht oft zu interessieren. Frag sie, was sie sich wünschen würde und kombiniere dies mit Deinen Grenzen, sofern das möglich ist.
Schon alles gemacht - nach dem sogenannten Belohungsprinzip. Änder aber ihr unangemessenes Verhalten nicht wirklich.
Das gibt Dir die Möglichkeit, Kompromisse zu finden, bei denen sie motiviert ist, sie einzuhalten.
Die Verständnisvariante führt immer zum Erfolg - die Brachialmethode fast immer zur Verzweiflung. Ihrer Verzweiflung.