Hallo an alle,
ich bin gerade ein wenig (vermutlich sogar etwas mehr ... ) verzweifelt und brauche ganz unbedingt objektiven Rat. Ich bin (29) nun mit meiner Freundin (28) knapp 3 Jahre zusammen und 2.5 davon gehörten sicherlich zu den schönsten überhaupt. Die alltäglichen Probleme gab es natürlich immer, aber ansonsten war ich vermutlich nie zuvor in einer Beziehung, in der so viel so unausgesprochen passte. Wir haben praktisch von an Anfang zusammengewohnt und es stand eigentlich nie zur Debatte, dass sich das hier in irgendeiner Form einmal ändern würde. Über Dinge wie Hochzeit ist auch schon das ein oder andere Mal laut nachgedacht worden.
Nun ist sie allerdings US Amerkanerin und hatte nach einem knapp vierjährigen Deutschlandaufenthalt das Bedürfnis, wieder gen Heimat zu ziehen. Rein von der Zeitplanung/beruflichen Situation her passte das auch im Laufe dieses Jahres für uns beide sehr gut, im Wesentlichen war mit Ende unser beider Studium ein sehr guter Punkt für etwas Neues. Auf vorherigen Trips in die USA (Familienbesuche) war mir bereits aufgefallen, dass sie hier anders ist als eben in Deutschland. Mir schwante also schon vor, dass sich einige Dinge ändern werden, habe aber keinen Moment daran gezweifelt, dass wir das in den Griff kriegen sollten. Da ich beruflich noch bis Ende des Sommers gebunden war, ist sie Anfang April (4 Monate vor mir) dann aufgebrochen. Sie kannte die Zielstadt sehr gut, hat Freunde hier und wir hielten es daher für eine gute Idee, dass sie dort eine Wohnung und einen Job sucht, während ich unsere deutsche Bleibe auflöse.
In diesen vier Monaten ist dann wohl einiges passiert ... sie hat mir telefonisch immer weniger und weniger erzählt, ich denke mal, das hier sind die wesentlichen Eckdaten:
-die Jobsuche muss sich als sehr frustrierend herausgestellt haben, trotz vergleichsweise hoher Qualifikation sehr viele Absagen und wenig erbauliche Bewerbungsgespräche
-allerdings sind auch Dinge wie „Parties mit alten Freunden machen“ in einem ungesunden Maße in den Vordergrund gerückt
-ihre Großmutter ist während dieser Zeit gestorben
Gegen Ende der Zeit war es kaum noch möglich sie sinnvoll zu erreichen und auf Nachfragen, was denn los sei bzw. Hinweisen, dass wir da jetzt zumindest mal drüber sprechen sollten, wurde mitten im Gespräch einfach aufgelegt.
Als ich dann endlich Anfang August nachgekommen bin, habe ich dementsprechend nicht allzu viel erwartet und wurde dann auch nicht unbedingt enttäuscht. Die ersten ein zwei Monate hauptsächlich auf Parties zu verbringen hatten es dann auch leider nicht mehr zugelassen, eine Wohnung zu finden (wer das US-System kennt, weiß dass es aber im August sehr spät wird, da dann alle Schulen/Unis wieder anfangen und dann fast nix mehr zu kriegen ist). Dementsprechend war der erste Monat das reinste Chaos und sie permanent am Rummeckern, unzufrieden und dergleichen. Wir haben den August mit temporären Zwischenmieten in 8(!) verschiedenen Wohnungen verbracht, dass da dann wenig Zeit bleibt, bestimmte Dinge nachzuholen, kann man wohl nicht anders erwarten.
Seit Anfang September haben wir zumindest eine Wohnung, sie arbeitet seit Mitte August auch (mag ihren Job, scheint mir aber doch sehr überfordert, kommt also nach Hause und schläft ein), mit einer Beziehung hat das, wie wir im Moment leben, aber eher wenig zu tun. Sie lässt keine Nähe in irgendeiner Form mehr zu und sagt, dass sie sich eingeengt fühle und ich habe gerade das Gefühl, emotional am Verhungern zu sein. Das Versprechen anfängliche Probleme gemeinsam zu lösen, scheint keine wirkliche Bedeutung mehr zu haben.
Nun ist es am Wochenende dann so mehr oder minder zu dem gekommen, womit ich vielleicht nicht unbedingt so gerechnet habe, wirklich überrascht dann aber wohl auch nicht war. Sie hat mir ziemlich direkt gesagt, dass sie das hier so nicht mehr will ... Man sollte dann wohl meinen, dass das der Sache einen Schlussstrich ziehen würde. Ich kam allerdings nicht umher, ihr dann noch einmal meine Sicht der Dinge darzulegen, was zu einer sehr harschen Einsicht geführt hat: Sie hat hier wirklich eingestanden, dass sie die Schuld für die aktuelle Situation bei sich sieht, wollte dann aber im Gegenzug gleich wissen, was ich denn jetzt von ihr erwarte. Ich habe ihr dann ziemlich direkt erklärt, dass ich eigentlich nur eine klare Entscheidung von ihr will, und zwar in der folgenden Form: „Entweder du versuchst das jetzt mit mir zusammen und gibst dir aktiv Mühe und schaust nicht einfach, was die Zeit so bringt oder aber du sagst mir jetzt, dass es das jetzt war, aber ich will dann bitte nie hören, dass es eben einfach nicht geklappt, in diesem hast du der Sache nämlich nie ein Chance gegeben.“ Das Ganze hat ziemlich gesessen und hat sicherlich auch einiges an Einsicht hervorgerufen. Sie hat mir dann versichert, dass sie daran arbeiten will, und eigentlich nicht wirklich bereit ist, dass wir getrennte Wege gehen.
Das unglaublich Tolle an "Wir ziehen in ein neues Land" ist, dass man leider sehr wenig Leute kennt, sehr wenig Freunde hat, die denn mal einen sinnvollen Rat an dieser Stelle geben könnten. Ich bin mal sehr ehrlich, so wie das hier gerade ist, ist keiner von uns beiden glücklich und wenn das ein Zustand wäre nachdem man sich gerade zwei drei Monate kennt, dann wäre mir das vermutlich auch schon sehr lange nichts mehr wert. In diesem Falle habe ich aber ganz starke Bedenken, dass ich es bereuen könnte, im entscheidenden Moment nicht für das richtige gekämpft zu haben. Ich habe nicht wirklich das Gefühl zu verstehen, was in ihr vorgeht, was ich in den letzten Monaten verändert hat und erst recht nicht, dass wir einander nichts mehr bedeuten.
Meine großen Befürchtungen sind einfach, dass die Dinge eben aber auch etwas Zeit brauchen, die ich auch gerne bereit wäre zu geben. Aber gerade hier kommt jetzt das große Problem, dadurch, dass eben mehr oder minder von drei Monaten Besuchervisum 1.5 für nicht Eingeplantes flöten gegangen sind, ist mein Visumsstatus natürlich noch nicht geklärt, d.h. ich muss auf alle Fälle Ende Oktober wieder zurück nach Deutschland … ich weiß nicht, ob ihr euch vorstellen könnt, wie mullmich mir dabei zu Mute ist, sie sich ggf. wieder einige Monate von mir entfernen zu lassen. Insbesondere, da ich dann nicht mehr weiß, was ich vorfinden werde, wenn ich danach wieder zurückkomme. Die meisten Visumsvarianten sind an Jobangebote und finanzielles Engagement eines hiesigen Arbeitgebers geknüpft, d.h. die Sache wird dann auf einmal sehr bindend.
Wenn ich mir die Sache mit etwas Distanz anschaue, dann habe ich das Gefühl hier ein wenig auf verlorenem Posten zu kämpfen ... und es vielleicht auch genau dadurch schlimmer zu machen. Dinge, die uns vor noch vier Monaten stark verbunden haben, scheinen uns plötzlich zu trennen und ich sehe mich so langsam der traurigen Wahrheit gegenüber, hier eine Entscheidung treffen zu müssen, um nicht neben der emotionalen Probleme auch noch ein finanzielles Desaster heraufzubeschwören.
Ich weiß wohl, dass diese Situation schon recht speziell ist. Aber vielleicht kann mir hier doch jemand noch einen Rat geben, wie lange ich schauen soll, wie sich die Dinge entwickeln oder wie ich ihr vielleicht helfen kann. Ich würde mich wirklich über alles an Tipps und Ratschlägen freuen …


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